Wahrheit und Wandel

Zur Zeit behauptet kaum jemand einen ahistorischen Wahrheitsbegriff. Für viele Menschen ist Wahrheit relativ, kulturell bedingt und damit wandelbar.

Christian Bensel hat während seiner Promotion an der philosophisch-kulturwissenschaftlichen Fakultät der Leopold-Franzens-Universität das historische Wahrheitskonzept kritisch geprüft und dafür fünf christliche apologetische Texte aus verschiedenen Epochen und Kulturen untersucht (Justin der Märtyrer, Aurelius Augustinus, Petrus Venerabilis, Josh McDowell, und Jürgen Spieß). Seine Analyse der enthaltenen 3393 Argumentationen zeigt (für manche wahrscheinlich überraschend), dass die Autoren auf gemeinsame Strategien und vergleichbares argumentatives Verhalten zurückgreifen. Die Ergebnisse der empirischen Arbeit belegen eine epochen- und kulturübergreifende Akzeptanz gewisser grundlegender Überzeugungen und legen die Existenz allgemein menschlicher Wahrheitsstrategien nahe.

Das Buch richtet sich an Philosophen, Linguisten und alle, die sich für Apologetik, Argumentation oder kulturübergreifende Kommunikation interessieren. Auch Theologen, die sich dem existentiellen Wahrheitsbegriff verschrieben haben, sei die nicht ganz einfache Lektüre sehr empfohlen.

Christian Bensel. Wahrheit und Wandel: Alltägliche Wahrheitsstrategien und Argumentationen in apologetischen Texten. Saarbrücken: Vdm Verlag Dr. Müller, 2007. ISBN 3836420708, 59,00 €.

Welche Alternativen gibt es zum Relativmismus?

jonathan_littell.jpgDer Jude Jonathan Littell stammt aus Litauen, ist Amerikaner, lebt derzeit in Spanien und hat seinen Debütroman auf Französisch verfasst. Das Buch Die Wohlgesinnten über einen kultivierten Nazi-Henker hat ihm den Ruf eingebracht, ein das Böse banalisiernder Immoralist zu sein (siehe auch die FAZ vom 12. Sep. 2006).

In der heutigen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ, 3. Nov. 2007, Nr. 256, S. 37) hat Littell über mögliche Alternativen zum ethischen Relativismus gesprochen. Er wurde von Jesús Ruiz Mantille gefragt:

Statt Relativismus wollen wir auch keinen Absolutismus des Schwarz-Weiß-Denkens heraufbeschwören. Wo liegt der Ausweg?

Hier seine Antwort:

Wenn Gott verschwindet, stehen wir vor einem Dilemma. Die Werte müssen sich auf etwas beziehen, sie müssen irgendwo herkommen. In einer Welt ohne Gott ist es schwierig, ein ethisches und moralisches System einzurichten. Die Ideologien haben versucht, ein Ersatz zu sein, aber auch sie scheiterten, und jetzt haben wir gar nichts mehr. Und weder iPod noch Handel und Werbung schaffen ein Wertesystem. Die. Werte, denen wir mit unserem übertriebenen Konsumverhalten folgen, bedeuten gar nichts. Unsere Gesellschaft gleitet auf dem bisschen Erinnerung daher, einmal zu den Guten gehört zu haben. Sie lebt von den Resten.

Buchmanuskript über apokalyptische Literatur

Der 2006 im hohen Alter von 92 Jahren verstorbene Neutestamentler Leon Lamb Morris schrieb nicht nur ein bedeutsames Werk über das Sühneopfer von Jesus Christus (The Atonement: Its Meaning and Significance, InterVarsity Press, 1983), sondern auch ein hilfreiches Buch über die apokalyptische Literatur. Das vergriffene, aber immer noch sehr lesenwerte, Buch:

  • Leon Morris, Apocalyptic, 2nd edn. Grand Rapids: Eerdmans / Leicester: IVP, 1973

wurde freundlicherweise von Rob Bradshaw digital aufbereitet und mit Einwilligung des Verlages online gestellt. Das Buch kann als PDF hier heruntergeladen werden: apocalyptic_morris.pdf.

Hermann Bavinck über das Christentum und den Zeitgeist

bavinckkl.jpgDerzeit arbeite ich an einem Manuskript von Hermann Bavinck (1854–1921), das hoffentlich 2008 (erneut) veröffentlicht werden kann. Der niederländische Theologieprofessor erweist sich bei näherer Betrachtung als ein äußerst vielseitiger Mensch, dessen Leben sich im Spannungsfeld von orthodoxem Christentum und moderner Kultur bewegte.

Hier ein wunderschönes Zitat von Bavinck:

Wenn wir das Christentum als für uns nicht passend verwerfen, erweist es sich in demselben Augenblick für uns als unentbehrlich. Wenn die Welt ruft: »Fort mit Christus«, zeigt er gerade in seinem Tode, dass er allein der Welt das Leben gibt. Zu den Inbegriffen, die der moderne Mensch sich über Welt und Leben bildet, passt das Christentum nicht, es steht ihnen diametral gegenüber. Aber desto besser passt es zu Welt und Leben, wie sie in Wirklichkeit sind. Wer sich los macht von den Idolen des Tages, von der öffentlichen Meinung, von den herrschenden Vorurteilen in Wissenschaft und Schule; wer die Dinge mit freiem Blick anschaut, nüchtern und mit offenem Sinn, wer Welt und Menschen, Natur und Geschichte nimmt, wie sie in sich wirklich sind, dem wird sich stets stärker die Überzeugung aufdrängen, dass das Christentum die einzige Religion ist, deren Welt- und Lebensanschauung auf Welt und Leben passt.

Gott ist da: Warum ein ehemals aggressiver atheistischer Philosoph seine Meinung geändert hat

Aggressive Atheisten wie Richard Dawkins, Sam Harris, Daniel Dennett, Christopher Hitchens oder in Deutschland Michael Schmidt-Salomon werden in diesen Tagen gefeiert, als hätten sie eine neue Offenbarung anzubieten und produzieren einen Bestseller nach dem anderen.

Auch Antony Flew hat über viele Jahre den Gottesglauben notorisch bekämpft. In seinem neuesten Buch erklärt der renomierter Philosoph, warum er populäre Thesen, wie sie zum Beispiel von Dawkins vertreten werden, intellektuell für unglaubwürdig hält. Außerdem eröffnet der ehemals so angriffslustige Atheist seinen Lesern, warum er jetzt an Gott glaubt.

Eine englischsprachige Buchbesprechung von Gary Habermas hat die Evangelical Philosophical Society (EPS) online gestellt: 28.pdf.

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Antony Flew u. Roy Abraham Varghese, There Is a God: How the World’s Most Notorious Atheist Changed His Mind, HarperOne, 2007, 256 S., ca. 20,00 Euro.

Was bedeutet es, ›evangelikal‹ zu sein?

Das amerikanische Touchstone Magazine hat einflußreiche protestantische Theologen in den U.S.A. nach dem Wesen des Evangelikalismus befragt. Abgefragt wurden unter anderem eine Begriffsdefinition, wahrgenommene Veränderungen seit den 50er Jahren sowie die gesellschaftliche Relevanz der Bewegung.

Die Antworten von Russell Moore, John Franke, Darryl Hart, Michael Horton, David Lyle Jeffrey, und Denny Burk stützen meine Behauptung, dass der traditionelle Evangelikalismus inzwischen erschöpft ist.

Das Ergebnis der Befragung wurde (in Englisch) online publiziert und kann hier heruntergeladen werden: http://touchstonemag.com.

C.E.M. Joad über Religion, Wandel und Glaubwürdigkeit

Eine Religion, die sich in einem ständigen Prozess der Revision befindet, um mit dem sich permanent ändernden Weltbild der Wissenschaft übereinzustimmen, mag einerseits leichter zu glauben sein. Aber es fällt schwer zu glauben, dass sie glaubwürdig wäre.

C.E.M. Joad in The Recovery of Belief, London: Faber and Faber, 1955, S. 22. Der britische Philosoph Cyril Edwin Mitchinson Joad (1891–1953) konvertierte kurz vor seinem Tod vom Agnostizismus zum christlichen Glauben.

Ben Stein stellt sich einigen Fragen zum Intelligent Design

Ben Stein, ein amerikanischer Journalist und Entertainer, der im Frühjahr 2008 beim Filmprojekt Expelled – No Intelligence Allowed durch das Programm führen und zahlreiche Wissenschaftler zur Evolutionstheorie befragen wird, hat sich in Bill O’Reilly’s Fernsehshow (Fox News) einigen kritischen Fragen zum Intelligent Design-Konzept (ID) gestellt.

Seiner Meinung nach werden ID-Wissenschaftler in den Vereinigten Staaten bereits diskriminiert. Stein, der selbst kein überzeugter ID-Anhänger ist, plädiert für mehr Offenheit bei dem Versuch, Fragen nach dem Ursprung des Lebens zu klären. Es zeuge nicht für die Reife eine Gesellschaft, wenn man einigen Leuten den Mund verbiete.

Ein Mitschnitt des (amerikanischen) Interviews kann hier abgerufen werden: youtube.com.

Wo sind die türkischen Christen?

TürkeiWußten Sie, dass vor knapp 100 Jahren der Anteil der Christen an der Gesamtbevölkerung in der Türkei bei 30 Prozent lag? Heute sind nur noch ca. 0,2 Prozent der in der Türkei lebenden Menschen Christen.

Während der diesjährigen Arbeit am Jahrbuch für Christenverfolgung hatte ich das Vergnügen, die Soziologin Tessa Hofmann kennenzulernen. Frau Hofmann, eine Expertin für Minderheiten- und Genozidforschung, verfügt über exzellente Kenntnisse der türkischen Geschichte. In ihrem Beirag zum Jahrbuch hat sie die Entchristianisierung und die Situation der Christen heute in der Türkei detailliert und eindrücklich beschrieben. Klingt das nicht spannend?

Das heutige türkische Staatsgebiet bildete für knapp zwei Jahrtausende ein zutiefst christlich geprägtes Land. Nicht nur, dass sich dort zahlreiche Schauplätze von Ereignissen des Neuen und Alten Testaments noch immer in Augenschein nehmen lassen – vom Archeberg Ararat im Armenischen Hochland bis zum auch von Muslimen verehrten Geburtsort Abrahams in Urfa –, sondern frühe und bis in das 20. Jahrhundert zahlenmäßig wie auch in ihren kulturellen Leistungen bedeutende christliche Gemeinschaften trugen erheblich zu dieser Prägung bei – auch nach der Eroberung der byzantinischen Hauptstadt Konstantinopel durch die Osmanen (1453). Dass wir trotz Apostelgeschichte, trotz der bedeutenden Kirchenväter, Märtyrer und Heiligen Kleinasiens – Basileios der Große etwa, Grigorios von Nazianz, Grigorios von Nyssa oder Nikolaos von Myra – die Türkei nicht mehr als uraltes christliches Kulturland begreifen, liegt an der Radikalität, mit der türkische Nationalisten im Verlauf eines knappen Jahrhunderts das Christentum in Kleinasien und Nordmesopotamien entwurzelten und die Erinnerung an seine Träger zu tilgen versuchten.

Gern können Sie den Aufsatz »Wer in der Türkei Christ ist, zahlt einen Preis dafür …« selbst lesen. Erfreulicherweise wurde er freigegeben und kann hier heruntergeladen werden: Hofmann_auszug.pdf.

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Bild: Creative Commons

Nobelpreisträger James Watson erneut in der Kritik

JamesDWatson.jpgJames D. Watson wurde von einer leitenden Funktion des Cold Spring Harbor Laboratoriums in New York vorerst entbunden, da seine Äußerungen über die angeblich mangelhafte Intelligenz von Schwarzafrikanern eine Welle des Protestes ausgelöst hatten (vgl. Die Welt).

Das Laboratorium entschied richtig. Schade nur, dass Watson’s Forderung, erblich belastete Föten zu töten, trotz einiger internationaler Empörung für ihn folgenlos blieb. Es wird »während der nächsten Jahrzehnte einen immer stärkeren Konsens darüber geben, daß Menschen das Recht haben, dem Leben erbgeschädigter Föten ein Ende zu setzen«, schrieb er in seinem Aufsatz »Die Ethik des Genoms« (FAZ, Nr. 227, 26.09.2000).

Einen Artikel über die bizzare Ethik des umstrittenen Mitentdeckers der Doppelhelixstruktur können sie hier herunterladen: Die Alpträume des James D. Watson.

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Bild: National Library of Medicine

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