Karl Barths verlorener Kampf gegen die Frauenordination

Karl Barth engagierte sich in den Nachkriegsjahren vielfĂ€ltig ökumenisch. Als 1948 die konstituierende Vollversammlung des Ăkumenischen Rates der Kirchen stattfand, hielt er sogar am 23. August den Eröffnungsvortrag.
Auch in der ökumenischen Kommission âLeben und Arbeit der Frauen in der Kircheâ, die ĂŒberwiegend von Frauen besetzt war und fĂŒr die Frauenordination kĂ€mpfte, wirkte er mit. Barth lehnte jedoch die Frauenordination auf Grundlage des biblischen Befundes ab. Christiane Tietz schreibt in ihrer Barth-Biographie dazu:
AuĂer Barth arbeiteten in dieser Kommission nur wenige MĂ€nner mit, unter ihnen der amerikanische Theologe Reinhold Niebuhr (1892â1971) und Martin Niemöller. Die Frauen in der Kommission setzten sich fĂŒr die generelle Zulassung von Frauen zum Pfarramt und zu anderen FĂŒhrungsĂ€mtern ein. Barth sah in ihren Argumenten eine Tendenz wirksam, die er in seinem Einleitungsreferat kritisiert hatte: dass man nicht von biblischen Texten, sondern von humanistischen Gedanken aus argumentiere. Er habe, so erklĂ€rte er bei jenem Treffen der Reformierten, âaufrichtige … Sympathieâ fĂŒr die Sache der Frauen. Aber die biblischen Texte sprĂ€chen von einer âUnterordnung der Frau unter den Mann, die Paulus der Unterordnung der Gemeinde unter Christus zur Seite stelltâ. Bei Paulus sei nicht nur der Satz âin Christus ist nicht Mann noch Weibâ (Galater 3,27) zu finden, auf den sich die Frauen in der Kommission beriefen, sondern auch manches andere, das eben von diesen Ordnungsstrukturen spreche. Gegen das Argument, Paulus rede hier zeitgebunden und man mĂŒsse die Texte im âGeiste Jesuâ verstehen, polemisierte Barth heftig: âWer sich wirklich und mit Recht auf den Geist Jesu beruft, darf sich keine Freiballonfahrten in den Himmel einer humanistischen Theologie gestatten. Der wirkliche Geist Jesu ist vom Wort der Apostel und Propheten nicht zu trennen.â
Freilich kommentiert Prof. Tietz diesen Vorfall eindeutig:
Man wird sich hier kritisch fragen mĂŒssen, ob Barth an dieser Stelle nicht doch der Vorstellung von einer wortwörtlichen AutoritĂ€t der Bibel verfĂ€llt, die seine Schrifthermeneutik eigentlich zu vermeiden hilft. Wie wenig Barth die Anliegen der Frauen damals ĂŒberhaupt nachvollziehen konnte, belegt ein Brief an Charlotte von Kirschbaum [Barths SekretĂ€rin und Geliebte, Anm. von mir] vom 31. August 1948 ĂŒber seine Teilnahme in dieser Kommission: âIch habe mir die Lippen franzig geredet, um ihne um ihnen Gen. 1â2, 1.Kor. 11, Eph 5 etc. einleuchtend und annehmbar zu machen … Aber die women fallen immer noch zĂ€hnefletschend auf ihre equality zurĂŒck, wollen fĂŒr Alles und Jedes âordiniertâ werden, auf MĂŒnsterkanzeln predigen und was noch Alles.â
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D.A. Carson erzĂ€hlt in dem TGC-BeitragÂ