Die Axt an die Wurzel

Die Bagatellisierung der Ehe schreitet voran. Daniel Deckers kommentiert in der FAZ das Gedrängele der Parteien um eine Neudefinition von Familie und Ehe mit klaren Worten:

Stellten die Parteien den Bundestagsabgeordneten eine Entscheidung in der Sache frei, würden beide Wünsche eher morgen als übermorgen Wirklichkeit. Denn wer nicht ohnehin davon überzeugt ist, dass weder Ochs und Esel den Lauf der Emanzipationsgeschichte aufhalten, der möchte am Ende nicht auf der falschen Seite der Barrikade gekämpft haben. Welches diese Seite ist, lässt sich nicht überhören. Wer es wagt, die Lebenslügen einer Gesellschaft mit spitzfindigen Unterscheidungen oder grundsätzlichen Erwägungen zu stören, der kann sicher sein, wegen „Diskriminierung“ und „Homophonie“ an den Pranger gestellt zu werden.

Ob das Grundgesetz als letzte Barriere gegen eine Bagatellisierung der Ehe („Verantwortung übernehmen“) und eine weitere Entleerung des Familienbegriffs taugt, steht vor dem Hintergrund der bisherigen Entscheidungen der obersten Bundesgerichte dahin. Doch bis zu einer letztlich konsequenten Abschaffung des Grundgesetzartikels sechs Absatz eins sollte nicht der als begründungspflichtig gelten, der auf der besonderen Schutzwürdigkeit von Ehe und Familie besteht, sondern der, der sie bestreitet.

Die Verfasser des Grundgesetzes hatten mit eigenen Augen gesehen und mitunter am eigenen Leib erfahren, wie die Nationalsozialisten Ehe und Familie in den Dienst völkischer Ideologie nahmen und zu zersetzen versuchten. In der DDR vollzog sich Ähnliches wenig später im Namen des Sozialismus.

Die besondere Schutzpflicht des Staates ist eine ebenso logische wie erfahrungsgesättigte Folge der besonderen Schutzbedürftigkeit von Ehe und Familie. Wer diese bestreitet, legt die Axt an die Wurzel des Staates und der Gesellschaft. Eine reale wie eine symbolische Ordnung würde zerstört, die auch von den meisten Zeitgenossen noch immer als Ideal angesehen wird.

Das Bild mit der Axt hatte übrigens auch Martin Rhonheimer bemüht.

Hier: www.faz.net.

Kommentare

  1. Schandor meint:

    Gemeint ist wohl:

    „… weder Ochs noch Esel“ und „Homophobie“ (statt Homophonie – wär köhnte gegen die wass haben 🙂 )

  2. Roderich meint:

    Eigentlich koennte man noch die Forderung der Gleichstellung der Homo-Ehe als anti-grundgesetzlich zurueckweisen, ja bekaempfen.

    Aber Christen machen nichts damit – sie verstehen nichts von Kampagnen.

    Pro-Homo-Gruppen hatten die Freiheit, eine anti-grundgesetzliche Meinung in BRD zu vertreten und letztlich durchzusetzen.

    Andersherum wird man den Christen diese Freiheit nicht gewaehren. WENN einmal ein Zusatzartikel zum GG angenommen wird, dass Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung verboten ist, werden Homo-Lobby-Gruppen das bis auf’s Letzte ausreitzen und fuer aggressive Kampagnen gegen Christen nutzen – und Christen dann als ‚anti-grundgesetzlich‘ und ‚antidemokratisch verunglimpfen auf Flugblaettern. Dann werden Christen bald keine Meinungsfreiheit mehr haben, eine (angeblich) gegen das Grundgesetz ausgerichtete Meinung zu vertreten.

    Siehe etwa die aggressiven und verlogenen Kampagnen gegen das Christival 2008 in Bremen, oder gegen den Kongress fuer Psychotherapie und Seelsorge in Marburg 2009 – schon dort wurde das Schimpfwort ‚gegen das Grundgesetz‘ bzw verfassungsfeindlich benutzt. Wieviel mehr sind solche Kampagnen – auch mit Gewaltandrohung – dann erst zu erwarten, wenn das Grundgesetz dann TATSAECHLICH einen besonderen Schutz Homosexueller aufnimmt.

    Der Staat ist schon dabei, Desinformation gegen Evangelikale zu unterstuetzen bzw sich dafuer instrumentalisieren zu lassen.(Siehe die Artikel in der staatlich gefoerderten Schuelerzeitung Q-Rage, in der Evangelikale als homophob, z.T. verfassungsfeindlich, gegen das Grundgesetz stehend etc. beschrieben werden, oder siehe den oeffentlich-rechtlichen Rundfunk, der Autoren einer haltlosen Schmaehschrift gegen Evangelikale wie ‚Mission Gottesreich‘ von Oda Lambrecht / Baars, auch noch Platz einraeumt fuer Interviews, ohne der ueberfaelligen Gegendarstellung gleichen Raum zu geben).

    Staatlich gestuetzte Propaganda gegen Evangelikale, sowie aggresive Kampagnen von Lobbygruppen, werden das Leben hier recht bald ungemuetlich machen fuer Bibeltreue.

    Das darf einen natuerlich nicht erschuettern. Vielmehr sollte man sich selber schlau machen, dann sich einsetzen in Politik und Medien. Bei vielen Politikern ist es einfach Unwissenheit, oder die falsche Meinung, die christliche Sicht werde nicht von vielen in der Bevoelkerung geteilt oder sei ’nicht wissenschaftlich haltbar.‘

    Es gibt nur einen kleinen Kern von tatsaechlichen Extremisten (meistens Linksextremisten), die gezielt und mit boeser Absicht vorangehen und versuchen, die Rechte von Christen zu beschneiden.
    Gleichzeitig versuchen Linksextremisten ohnehin, alle Positionen rechts von ‚links‘ .zu diskreditieren – ein weiterer Schritt weg von unserer – was? – Demokratie.

  3. @ roderich – tja… Druck machen in Polttik und Medien – aber daran scheint der Durchschnitts-Evangelikale alias -Bibeltreue nicht sehr interessiert. Da kritisiert er viel lieber andere Christen, die nicht so richtig glauben&denken wie er selber, nicht wahr? 😀

    Du erwähnst Bremen 2008 und Marburg 2009 – irre ich mich total oder war es nicht ausgerechnet Bischof Huber von der ansonsten so schlimm verweltlichten EKD, der sowohl das Christival dort besucht als auch in der medialen Öffentlichkeit sich entschieden dafür eingesetzt hat? Und war es nicht U.Parzany, auch ein evang. Pfarrer, der deutlich für den Kongress in Marburg Stellung nahm? (Währenddessen sich der Bundesvorsitzende des Bundes der EFG in wachsweichen, peinlichen Distanzierungen erging!)
    Nun ja…

    Solch ein Thema jedenfalls sollte auch dem letzten verdeutlichen, dass es wichtiger ist, gemeinsam für Ziele und Positionen einzustehen als irgendwelche Nabelschauen zu betreiben…!

  4. Roderich meint:

    @ernst,
    richtig, das Kritisieren ist weniger wichtig als das aktiv Werden.
    Nur: ohne richtige Theorie auch keine richtige Praxis. (Jetzt könnte ich ja Kant für mich zitieren, ha ha).
    Daher ist beides notwendig: solide biblische Lehre (und um die herauszufinden, ist manchmal Diskussion und argumentative Überprüfung und wenn nötig Ändern der Meinungen notwendig). UND aktiv werden. Beides darf man aber auch nicht gegeneinander ausspielen.
    (Siehe Jesus: er hätte auch die Pharisäer mit Nichtachtung strafen können, sie ignorieren können, und jeder Diskussion ausweichen, und sagen: ich lebe lieber den Glauben vor. Stattdessen hat er sie – ab und zu – aufs Härteste konfrontiert. Wir dürfen davon ausgehen, dass er sich von Gott geführt wusste. Offenbar muss auch Gott manchmal an harten Konfrontationen verbaler Art gelegen sein. Bingo?

    Ja, Bischof Huber hat sich auch nach meiner Erinnerung sehr lobenswert vor das Christival gestellt, und Ulrich Parzany auch, den ich aber – sorry – gerne für die Evangelikale Seite vereinnahme 🙂
    Im Übrigen: kein „künstlicher“ Graben zwischen Evangelikalen und Landeskirchen. Keine Vorurteile, sondern jeweils on case-to-case-basis entweder Zustimmung oder Kritik. Selbstverständlich sind die Probleme „von außen“ zu groß, als dass man seine Energie auf Grabenkämpfe verschwenden sollte.

    Andererseits gibt es Einheit aber auch nur in der Wahrheit, und im Zentrum, und das Zentrum ist Jesus Christus, ist die Bibel, und ist der Glaube an Jesus Christus bzw. an den dreieinigen Gott, wie die Bibel es uns lehrt. Wenn bestimmte Gruppen von diesem Zentrum abweichen, ist es eventuell nicht möglich, zu 100% gemeinsame Sache zu machen. Dem wirst Du sicher zustimmen. Denn es geht nicht um „aktiv sein per se“; nicht der Aktivismus ohne Richtung ist unser Ziel, sondern dass wir aktiv sind auf das richtige (von der Bibel vorgegebene) Ziel.

  5. Roderich meint:

    @ernst,
    noch ein kleiner Nachtrag:
    1. Kor. 3,4 ff: „Denn so einer sagt: Ich bin Paulisch; der Andere aber: ich bin Apollisch; [ein weiterer aber: ich bin Evangelikaler; wieder einer aber: ich aber ein Landeskirchler]: seid ihr denn nicht fleischlich? Wer ist nun Paulus? Wer ist Apollo? [Wer sind die Landeskirchler? Wer die Evangelikalen?]. Diener sind sie, durch welche ihr seid gläubig geworden; und dasselbe, wie der Herr einem Jeglichen gegeben hat. … So ist nun weder der da pflanzet, noch er da begießet, etwas, sondern Gott, der das Gedeihen gibt. … Ein Jeglicher aber wird seinen Lohn empfangen von Gott. … Einen andern Grund kann zwar Niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. So aber Jemand auf diesen Grund bauet Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stoppeln, So wird eines Jeglichen Werk offenbar werden, der Tag wird es klar machen; denn es wird durchs Feuer offenbar werden, und welcherlei eines Jeglichen Werk sei, wird das Feuer bewähren.
    … Es sei Paulus oder Apollo, es sei Kephas oder die Welt, [es sei die Landeskirche oder eine Freikirche], es sei das Gegenwärtige oder das Zukünftige; Alles ist euer. Ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes.“

    Röm. 15,14: „Ich weiß aber fast wohl von euch, liebe Grüder, daß ihr selbst voll Gütigkeit seid, erfüllet mit aller Erkenntnis, daß ihr euch unter einander könnet ermahnen“.

  6. @ Roderich – ja, ich denke da ähnlich; nur eines: die Unterscheidung zw. Landeskirchen und Evangelikalen ist wenig passend, denn die meisten Evangelikalen sind ja Mitglied einer Landeskirche! Auch deshalb gehen die Offiziellen der Landeskirchen ja auch ziemlich pfleglich mit der „Evangelischen Allianz“ um.

  7. Roderich meint:

    @ernst, was meinst Du mit ‚pfleglich‘?
    Du meinst, wenn kein Evangelikaler in einer Landeskirche waere, waere die Landeskirche ihnen gegenueber weniger pfleglich? In welcher Hinsicht?

    Warum sollte man nicht pfleglich mit solchen umgehen, wo Christus im Zentrum steht?

  8. @Roderich – Ich vermute mal sehr stark, dass ein großer Teil der Aktiven in der Landeskirche Evangelikale sind. Wenn sich die Landeskirche gegen sie wenden würde, würde sie ja wichtige Mitarbeiter verlieren. Wenn die Evangelikalen im Großen und Ganzen nicht zur Landeskirchen gehören würden, könnten sich die Leitungen offen gegen diese wenden.

    Peter

    PS: Traurig ist ja, dass viele Freikirchen mit evangelikalen Einstellungen begonnen hatten und diese im Laufe der Jahre/~hunderte verloren haben. Sonst könnte man ja sagen: Ein großer Teil der Evangelikalen sind in den Freikirchen.

  9. @ernst – am 15.08 hast du etwas über Marburg 2009 und einer peinlichen Distanzierung der EFG geschrieben: Hast du dazu einen Beleg?

    Peter

  10. Hallo ernst – bist du noch da?

    Peter

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