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Rev. Dr. Foley Beach: Lambeth-Konferenz keine Quelle der Heilung

Die GAFCON-Bewegung ist eine weltweite Familie von Anglikanern, die zusammenstehen, um das Evangelium im Herzen der Anglikanischen Gemeinschaft zu bewahren und dort, wo es ins Abseits gedrängt wurde, wieder die Bibel zur Grundlage der Verkündigung zu machen. CAFCON setzt sich für Ausbotschaftung des unveränderlichen Evangeliums durch bibeltreue Predigt und Lehre ein.

Nicht ganz überraschend sind viele, die mit dem derzeitigen Kurs der Anglikanischen Kirche nicht einverstanden sind, mit CAFCON verbunden. Dr. Foley Beach, Erzbischof der Anglikanische Kirche in Nordamerika, ist seit 2019 Vorsitzender der GAFCON und hat sich nun in einem Schreiben zur 15. Lambeth-Konferenz geäußert. Seine Eindrücke unterscheiden sich deutlich vom positiven Echo, dass die Konferenz überwiegend in den theologisch progressiven Kreisen hinterlassen hat.

Einige Zitate aus dem Schreiben von Rev. Dr. Foley Beach:

Vor der Lambeth-Konferenz schrieben Erzbischof Henry Ndukuba (Nigeria), Erzbischof Stephen Kaziimba (Uganda) und Erzbischof Laurent Mbanda (Ruanda) an den Erzbischof von Canterbury, dass sie nicht an der Konferenz teilnehmen würden, „weil die Anglikanische Gemeinschaft es versäumt hat, die Probleme, die ihr Fernbleiben von der Lambeth-Konferenz 2008 erforderlich machten, mit Reue und Buße anzugehen“. Der pensionierte Erzbischof Mouneer Anis nannte das Problem wortgewandt: „Die Anglikanische Gemeinschaft kann sich nicht mit der Gebrochenheit der Welt befassen, wenn sie selbst gebrochen ist.“

Leider war die Lambeth-Konferenz keine Quelle der Heilung und Einheit, sondern verschärfte die Probleme. Die Lambeth-Konferenz war voller Verwirrung, und was das für den weltweiten Anglikanismus bedeutet, ist gerade erst zu spüren. Die Canterbury-Gemeinschaft ist zerbrochen, und zwar nicht nur metaphorisch, sondern buchstäblich, denn die Anwesenden konnten nicht mit gutem Gewissen an der Heiligen Kommunion teilnehmen.

Die Primasse von Brasilien, Kenia, Myanmar, Nigeria, Nordamerika, Ruanda und Uganda sowie viele Bischöfe aus der gesamten Anglikanischen Gemeinschaft in der GAFCON-Bewegung haben nicht an der Lambeth-Konferenz teilgenommen, weil dies gegen ihr Gewissen verstoßen würde. Wir respektieren jedoch die Entscheidung unserer Primasbrüder, deren Gewissen sie dazu veranlasst hat, nach Lambeth zu gehen und für das Evangelium und die Heilige Schrift zu streiten. Die Macht ihrer Anwesenheit hat die Macht unserer Abwesenheit verstärkt.

Erzbischof Justin Badi (Südsudan) und Erzbischof James Wong (Indischer Ozean) von GAFCON und der Global South Fellowship of Anglicans setzten sich in bewundernswerter Weise für die rechtgläubige Sache der biblischen Theologie und Moral ein, und das inmitten einer Situation, in der das Gleichgewicht der institutionellen Macht schwer gegen sie gestellt war.

Während ihre kolonialen Strukturen implodieren, ignoriert das anglikanische Establishment in England weiterhin die berechtigten Anliegen derjenigen, die an der Lehre der Bibel und der historischen Lehre der Kirche festhalten. Durch die Global Anglican Future Conference (Gafcon) und die Global South Fellowship of Anglicans, die von der Kraft des Heiligen Geistes geleitet werden, füllen neue mutige Führungspersönlichkeiten diese Lücke mit authentischer Gemeinschaft und Kommunion und versuchen, das Defizit des Evangeliums und das kirchliche Defizit (Windsor-Bericht) auszugleichen.

Wir leben in einem einzigartigen Moment, in dem der globale Anglikanismus durch die Gnade Gottes wirklich durch biblische Buße und Erneuerung reformiert werden kann. Dies wird der Schwerpunkt der Gafcon IV-Konferenz im April nächsten Jahres sein, wenn wir in Kigali, Ruanda, zusammenkommen. Die Welt braucht die Verwandlung, die daraus entsteht, dass wir den unzweideutigen, rettenden Glauben an Jesus Christus hören und darauf reagieren.

Zögern wir nicht, die Frohe Botschaft von Jesus Christus mit den Menschen um uns herum zu teilen und sie zu lehren, was er in der Bibel so deutlich gelehrt hat: dass sie von Gott geliebt sind und wie sie seine Jünger sein können. Bitte schließen Sie sich mir im Gebet und in der Arbeit für eine treue globale anglikanische Zukunft an.

„Dem aber, der weit mehr zu tun vermag als alles, was wir bitten oder denken, nach der Kraft, die in uns wirkt, ihm sei die Herrlichkeit in der Gemeinde und in Christus Jesus, durch alle Geschlechter hindurch, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen“ (Eph 3,20–21).

Hier die Quelle: www.gafcon.org.

VD: KH

Fazit der Weltkonferenz der Anglikaner

Die 15. Lambeth-Konferenz der anglikanischen Kirchengemeinschaft ist vor einigen Tagen mit einem Festgottesdienst beendet worden (vgl. hier). Der DLF schildert den spannungsvollen Verlauf und den gelösten Abschluss:

Falls ein Leser des Blogs selbst dabei war, wäre ich dankbar für weitere Eindrücke und Zusammenfassungen.

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Nachtrag: Sie auch das die Bewertung der Konferenz durch Rev. Dr. Foley Beach, der derzeit die Global Anglican Future Conference (CAFCON) leitet.

Öffentlich-rechtliche Umerziehung

Rundfunk und Fernsehen maßen sich eine sprachliche Erziehung an, die ihnen nicht zusteht. Sie verhalten sich dabei nicht nur zutiefst undemokratisch, es widerspricht auch dem Auftrag der öffentlich-rechtlichen Medien, meint Heike Schmoll in ihrem Kommentar für die FAZ. Optimistisch prognostiziert sie, dass die Sprachgemeinschaft dem Ökonomieprinzip folgen wird und sich die unkomplizierten Schreib- und Sprechweisen durchsetzen werden:

Davon, dass es Frauen und andere Identitäten ausschließe oder nur mitmeine, kann nicht die Rede sein. Wer so argumentiert, interpretiert grammatische Strukturen wissentlich oder unwissentlich fehl. Aber die soll es nach Auffassung einer Minderheit auch lieber nicht geben. Laut einer internen Anweisung für den Sprachgebrauch in Ministerien soll das generische Maskulinum möglichst gemieden werden. Warum eigentlich? Weil es angeblich nicht gendergerecht ist, was auch immer das eigentlich sein mag? Durch ihr Gendern stärken die Sender die Aversion der Mehrheit, sich minderheitskonformen Sprachideologien anzuschließen.

Vermutlich wird sich das Gendern in einigen Segmenten einbürgern – an Universitäten und Hochschulen, obwohl auch die eigentlich verpflichtet sind, die amtliche sprachliche Norm zu befolgen. Aber bisher hat die Sprachgeschichte gelehrt, dass die Sprachgemeinschaft dem Ökonomieprinzip folgt. Das bedeutet, dass die meisten Sprecher sich umständlicheren Formulierungen nicht anschließen werden, sondern die bequemste und verständlichste sprachliche Ausdrucksweise wählen. So wird es auch beim Gendern sein.

Und was ist mit den öffentlich-rechtlichen Medien? „Deren Aufgabe ist laut Medienstaatsvertrag, die ‚Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, der Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit ihrer Angebote zu berücksichtigen‘. Doch das scheint die Sender wenig zu kümmern. Sprachliche Marotten einiger Redakteure wurden so zur allgemeingültigen Sprachnorm.“

Lassen wir uns diese unsägliche Umerziehung nicht gefallen! Ein Leser kommentierte das die geschlechtergerechte Sprache verharmlosende FAZ-Interview mit der Sprachwissenschaftlerin Damaris Nübling zutreffend mit folgenden Worten:

Die Tatsache, dass seit Jahren ‚top down‘ versucht wird, die skurrilen Genderformen in der Sprache durchzusetzen, ist doch offenkundig: in der Politik, Teilen der Verwaltung, in Kirchen, Gewerkschaften, nicht zuletzt in großen Medien, insbesondere im ÖRR, neuerdings auch Großunternehmen usw. Die Prämissen der Gendervorstellungen wurden weitgehend kritiklos akzeptiert, eine Debatte drüber wollte man lange nicht führen. Jetzt aber, nachdem der Protest immer größer und zahlreicher wird, fordern Vertreter wie die Frau Professorin Toleranz ein. Und behauptet sogleich, dass Gendersprache ein ‚inklusiveres Sprechen‘ ermögliche – eine glatte Verdrehung der Tatsachen: Gendersprache ist die exklusive Sprache einer privilegierten akademischen Blase, die ihre grotesken Vorstellungen der Mehrhheit der Menschen aufzwingen will. Kein normaler Mensch spricht so!

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

Das spurenlose Leben

Andreas Reckwitz hat in seinem Buch Die Gesellschaft der Singularitäten den Nachweis erbracht, dass in der Kultur der Postmoderne das Allgemeine und Standardisierte nicht mehr viel zählt. Der Durchschnittsmensch steht unter einem Konformitätsverdacht. Das Maß aller Dinge sind die Besonderen, die authentischen Subjekte mit originellen Biographien und Interessen. Die  spätmodernen Gesellschaften feiern jene, die sich von anderen unterscheiden (vgl. hier).

Timo Frasch bestätigt in einem FAZ-Kommentar die Gier nach Bedeutung und benennt damit verbundene Probleme. Viele Menschen gehe es wie Wladimir Putin: Sie wären gerne eine Großmacht. Sie wollen im Hier und jetzt „die Bewunderung, die Liebe oder die Angst der anderen“.

Und was er dann schreibt, klingt ein wenig nach der „Alles ist eitel“-Passage im biblischen Buch Prediger (vgl. bes. Pred 1,1–11):

Alles, was wir im Leben tun, tun wir im Bewusstsein, dass uns nicht unendlich viel Zeit dafür bleibt. In Wahrheit finden wir uns mit unserer Sterblichkeit aber gar nicht ab, sondern versuchen ihr ein Schnippchen zu schlagen, indem wir Kinder zeugen, Häuser bauen oder Bücher schreiben, von denen wir hoffen, dass sie „bleiben“. Alles vergebens. Denn je mehr Menschen auf der Welt gelebt haben, desto mehr konkurrieren um die knappen Ressourcen Erinnerung und Gedenken. Selbst wenn wir nach unserem Tod noch im Internet zu finden sind – keiner wird mehr danach suchen. Den meisten Literaturnobelpreisträgern geht es ja jetzt schon so. Die angeblich ganz Großen wie Cervantes oder Beethoven werden, sollte die Menschheit überleben, natürlich auch weiterleben. Doch als was? Als Projektionen, die vermutlich von Cervantes und Beethoven im Himmel, sollte es den denn geben, nicht wiedererkannt werden.

Während früher die Religion den Größenwahn noch relativieren konnte, will heute fast jeder – da die Ewigkeitsperspektive fehlt – die maximale Selbstverwirklichung in der Zeit: „Die Selbstermächtigung des Menschen, die natürlich auch viel Gutes gebracht hat, wurde seinerzeit noch abgefedert durch die Religion. Aber auch das könnte sich bald erledigt haben. Dann sagt keiner mehr, Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück, sondern nur noch: Du kannst alles schaffen, wenn du es nur wirklich willst.“

Dabei, so das Fazit von Frasch, braucht es dringend mehr Menschen, die damit zufrieden sind, keine Spuren zu hinterlassen.

Hier mehr (allerdings hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

Gott als Liebespenderin

Viele Leute schätzen die sogenannten Losungen. Es handelt sich dabei um eine Art Andachtsbuch, das für jeden Tag des Jahres zwei Bibelverse enthält, nämlich die Losung aus dem Alten Testament und einen Lehrtext aus dem Neuen Testament. Die alttestamentliche Losung wird ausgelost, die neutestamentliche wird dazu passend ausgewählt. Seit 1731 werden die Losungen von der Herrnhuter Brüdergemeine Jahr für Jahr herausgegeben, um das Wort Gottes in den Alltag zu integrieren.

Inzwischen gibt es auch die Losungen für junge Leute. Wenn man so will, ist das eine kontextualisierte Ausgabe. Die Losungen sollen jungen Leuten schmackhaft gemacht werden, indem zusätzlich auf andere Übersetzungen zurückgegriffen wird und es eine Kalenderfunktion sowie Platz für eigene Gebete und Notizen gibt.

Die alttestamentliche Losung für den heutigen Tag stammt aus Jesaja 9,5: „Er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst.“ Ergänzend wird den jugendlichen Lesern dann Folgendes vermittelt:

Was auf Gottes Visitenkarte stehen könnte …

  1. Allerhöchster
  2. Meisterin des Universums
  3. Der war und ist und sein wird
  4. Schöpferkraft aller Dinge
  5. Liebesspenderin

Als Gebet wird empfohlen: „Du hast viele Namen und Titel und bist dennoch durch nichts zu beschreiben. Aber vielleicht ist es so, dass du nicht in Worte passt, weil du Liebe sprichst.“

Hier haben wir ein Beispiel dafür, wie in frommer – in diesem Fall pietistischer – „Jugendliteratur“ eingängig eine falsche Theologie vermittelt wird. Viele Teenies, die mit diesen Losungen für junge Leute arbeiten, werden das einfach so übernehmen und konstruieren dann eine Vorstellung von Gott, die mit der göttlichen Selbstoffenbarung wenig zu tun hat bzw. diese sogar entstellt und damit den „Bilderdienst“ fördert (vgl. 2Mose 20,4–7). Der Bibeltext spricht von „Ewig-Vater“. Vermittelt wird hingegen: Es könnte dort genauso gut „Liebesspenderin“ oder „Meisterin des ganzen Universums“ stehen.

Ich kann Eltern nur empfehlen, mit den eigenen Kindern über die Literatur, die sie lesen, zu reden. Und wer meint, Gott offenbare sich in der Heilige Schrift tatsächlich auch als Frau oder Mutter, findet möglicherweise in dem Beitrag „GottesMutterherz?“ einige exegetische Beobachtungen.

Dictionary of the Presbyterian & Reformed Tradition in America

D.G. Hart und Mark Noll haben eine hilfreiche Quelle für das Studium und das Verständnis der Geschichte der presbyterianischen und reformierten Kirchen in Amerika herausgegeben.  Das Dictionary of the Presbyterian & Reformed Tradition in America ist ein dreihundertseitiges Wörterbuch, das Artikel über wichtige Personen, Ereignisse, Lehren und Konfessionen der reformierten und presbyterianischen Kirchen in den USA  enthält. Hier sind z.B. Einträge über Charles Hodge, B.B. Warfield oder die Princeton Theology zu finden. Die Beiträge sind kurz und präzise gehalten.

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Die Anglikanische Kirche streitet über die Sexualethik

Mit einem Festgottesdienst ist am vergangenen Freitag die 15. Lambeth-Konferenz der anglikanischen Kirchengemeinschaft eröffnet worden. Domradio berichtet:

„Lasst uns mit einem Gebet beginnen“, überrascht Erzbischof Justin Welby die anwesenden Journalisten. Dann betet er um Heiligen Geist für die anglikanische Lambeth-Konferenz, die an diesem Freitagabend offiziell eröffnet wird – endlich, so ist überall auf dem Uni-Campus in Canterbury zu spüren. Hier wappnen sich rund 660 Bischöfinnen und Bischöfe sowie 480 ihrer Ehegatten in Gespräch und Gebet für die nächsten zehn Tage. Denn nicht nur die Wettervorhersage verspricht: Es wird heiß bei der Weltkonferenz der Anglikaner.

Es wird vor allem über die Sexualethik heftig diskutiert werden. Noch einmal Domradio:

Doch wie auch bei der letzten Konferenz vor 14 Jahren steht auch heute der Elefant im Raum: die Frage nach dem Umgang der Kirche mit homosexuellen Menschen, ihrer möglichen Weihe zu Priestern und Bischöfen sowie die Segnung gleichgeschlechtlicher Ehen. Das wird auch bei der Eröffnungspressekonferenz deutlich, als immer wieder nach den Text-Entwürfen zum Thema gefragt wird, die die Vorbereitungsgruppe vorige Woche veröffentlicht und nach hitzigen Debatten in Sozialen Medien nochmals angepasst hat. Sie entstanden aus den Online-Gesprächen von 500 Bischöfen, die sich 2021 in Gruppen mit den zehn Schlüsselthemen der Konferenz befassten: Mission und Evangelisierung, „Safe Church“, Anglikanische Identität, Versöhnung, Menschliche Würde, Umwelt und nachhaltige Entwicklung, christliche Einheit, interreligiöser Dialog, Jüngerschaft, Wissenschaft und Glaube.

Über die Hintergründe informiert Joe Carter in seinem Beitrag „The FAQs: Anglican Conference in Conflict over Same-Sex Marriage“. Bischof Gerhard Meyer von der Reformierten Episkopalkirche hat dem Deutschlandfunk ein Interview gegeben und geht ebenfalls auf einige Punkte ein.

Hier:

Wissenschaftler kritisieren Genderpraxis des ÖRR

Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk breiten sich „geschlechtergerechte Sprachformen“ in allerlei Formaten aus, bis hin zu den Nachrichtensendungen. 70 Linguisten und Philologen ist es nun zu viel. Diese Praxis sei ideologisch, missachte gültige Regeln und produziere „sozialen Unfrieden“. In ihrem Aufruf heißt es:

Seit 2020 hat die Verwendung der sogenannten gendergerechten Sprache im öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR) in erheblichem Maße zugenommen. Ausgangspunkt dieser Sprachpraxis ist die Bewertung des generischen Maskulinums als diskriminierende Sprachform, die wir als Sprachwissenschaftler und Philologen zurückweisen. Wir fordern eine kritische Neubewertung des Sprachgebrauchs im ÖRR auf sprachwissenschaftlicher Grundlage.

Die Sprachverwendung des ÖRR ist Vorbild und Maßstab für Millionen von Zuschauern, Zuhörern und Lesern. Daraus erwächst für die Sender die Verpflichtung, sich in Texten und Formulierungen an geltenden Sprachnormen zu orientieren und mit dem Kulturgut Sprache regelkonform, verantwortungsbewusst und ideologiefrei umzugehen. Mehr als drei Viertel der Medienkonsumenten bevorzugen Umfragen zufolge den etablierten Sprachgebrauch – der ÖRR sollte den Wunsch der Mehrheit respektieren.

Der Germanist und Buchautor Fabian Payr (Autor des Buches Von Menschen und Mensch*innen, vgl. hier) ist Initiator des Aufrufs. Er teilte der Zeitschrift WELT mit: „Die Sender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind sprachprägend. Sie sind, was einst Luthers Bibel war: ein Modell für ein einheitliches Deutsch. Es könne daher nicht angehen, dass in den Anstalten beim Sprachgebrauch Laissez-faire herrsche.“

Hier der Aufruf „Wissenschaftler kritisieren Genderpraxis des ÖRR“: www.linguistik-vs-gendern.de.

Kulturkampf ums Geschlecht

Die Ampelregierung will sexuellen Minderheiten das Leben erleichtern. Kritiker fürchten jedoch die gesamtgesellschaftlichen Folgen. Der Redakteur Ben Krischke hat für die aktuelle Ausgabe des Magazins Cicero einen empfehlenswerten Artikel zur Debatte über die sexuelle Selbstbestimmung geschrieben („Kulturkampf ums Geschlecht“, Cicero, Nr. 8/2022, S. 15–25). Nachfolgende einige Auszüge:

Just an jenem Tag, an dem Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) und Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) ihre „Eckpunkte“ für das von der Bundesregierung geplante Selbstbestimmungsgesetz in Berlin vorstellen, findet drei Kilometer südwestlich vom Haus der Bundespressekonferenz entfernt eine Demonstration statt. Eine kleine Gruppe Aktivisten hat sich Ende Juni vor der norwegischen Botschaft versammelt. Anlass ist eine strafrechtliche Ermittlung in Norwegen, die für Außenstehende wie Satire klingen mag. Für Christina Ellingsen aber könnte sie bald schon bitterer Ernst werden. Die Norwegerin ist Mitgründerin des Frauenrechtsnetzwerks „Women’s Declaration International“ (WDI) und hat eventuell gegen ein seit dem Jahr 2020 geltendes Gesetz verstoßen. Dieses stellt „Geschlechtsausdruck“ und „Geschlechtsidentität“, wie es darin heißt, unter besonderen Schutz. Ellingsens mögliches Vergehen: Sie hat öffentlich behauptet, dass Männer keine Lesben seien – und wurde dafür von einem transidenten Mann, der sich als Lesbe identifiziert, angezeigt. Sollte es zu einer Anklage kommen, drohen ihr in Norwegen bis zu drei Jahre Haft.

Was nach radikal-liberaler Gesellschaftspolitik klingt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Ausdruck einer konsequenten Weigerung, biologische Tatsachen anzuerkennen. Es ist ein entscheidender Schritt in ein postfaktisches Geschlechtersystem, in dem Begriffe wie Mann und Frau nur noch relativ wären. Bedenken indes werden von Verfechtern des Selbstbestimmungsgesetzes beiseitegeschoben und als „reaktionär“, „transphob“ oder einfach nur „rechts“ markiert. Biologin Galuschka, die Mitglied der Grünen ist, formuliert es so: „Wir versuchen, die Debatte zu führen, doch die andere Seite will sie verhindern.“

An vorderster Front kämpft der Queerbeauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann (Grüne). Als Galuschka und vier weitere Autoren einen Gastbeitrag in der zum Axel-Springer-Verlag gehörenden Tageszeitung Die Welt veröffentlichten, in dem sie eine transaffirmative Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks beklagten, weil dort zu positiv über Transsexualität berichtet werde, meldete sich Lehmann ebenfalls in der Welt zu Wort. Er schreibt: „Das Pamphlet trieft vor Homo- und Transfeindlichkeit, ist wissenschaftlich nicht fundiert und arbeitet mit Fake News.“ Und weiter: „Die Autor*innen sprechen in ihrem Text von einer ,bestätigte(n) wissenschaftlichen Erkenntnis der Zweigeschlechtlichkeit‘. Spätestens hier kann man den Text eigentlich weglegen und als quasi-kreationistisches Erzeugnis ignorieren.“

An der Reaktion des Queerbeauftragten der Bundesregierung wird deutlich, dass er gar nicht mehr um eine sachliche Debatte bemüht ist, sondern das Autorenteam, das in dem besagten WELT-Artikel die transaffirmative Berichterstattung des ÖRR aufdeckte und kritisierte, auf schäbige Weise diffamiert (vgl. dazu hier). Die Autoren seien homo- und transfeindlich, hätten von Wissenschaft keine Ahnung. Tatsächlich verbreitet freilich Sven Lehmann Pseudowissen, denn in den harten Wissenschaften ist unstrittig, dass die Biologie nur zwei Geschlechter kennt (siehe hier).

Wenn solche Aktivisten Politik, Wissenschaft und Bildung prägen, ist es um eine freiheitliche und aufgeklärte Gesellschaft schlecht bestellt. Wir erleben derzeit, wie Krischke treffend schreibt, einen „Kulturkampf, der längst nicht mehr nur im Internet oder in Büchern ausgetragen wird“. Ein Journalist, der bei der Präsentation des Selbstbestimmungsrechtes fragte, wie man mit Frauen umgehen solle, die sich mit einem biologischen Mann in der Saune oder in der Umkleide nicht wohlfühlen, antwortet die Bundesfamilienministerin: „Transfrauen sind Frauen, und deswegen sehe ich da jetzt keinen weiteren Erörterungsbedarf.“

Ich empfehle die Lektüre des gesamten Artikels. Der Erwerb der August-Ausgabe von Cicero lohnt sich!

David und der unglaublich große Riese

VM Thornborough David Webseite Mockup01 1080xDas Kinderbuch David und der unglaublich große Riese von Tim Thornborough ist bald bei Verbum Medien erhältlich. In dieser originell und wahrheitsgetreu nacherzählten Geschichte aus dem Alten Testament erfahren Kinder im Alter von 2-4 Jahren, wie der kleine David gegen den großen Riesen Goliath kämpfte. In leicht verständlicher Sprache und mit farbenfrohen Illustrationen von Jennifer Davison lernen Kinder, wie groß Gott ist.

Mehr hier: verbum-medien.de.

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