Autorenname: Ron

Der „Media Freedom Act“

Die EU-Kommission bereitet ein „Medienfreiheitsgesetz“ vor, das gegen das Grundgesetz verstößt. Die Bundesregierung stört das offenbar nicht. Claudia Roth, Staatsministerin für Kultur und Medien, unterstützt das Gesetz, das unter anderem irritierende Gefühle des Misstrauens gegenüber marktwirtschaftlich organisierten Medienlandschaften schürt. Sollte der „Media Freedom Act“ wie geplant kommen, sind Klagen wahrscheinlich unumgänglich. Der Medienrechtler Jörg Frederik Ferreau schreibt dazu in einem Gastbeitrag für die FAZ:

Bei der Lektüre des Entwurfs drängt sich der Verdacht auf, sämtliche Mitgliedstaaten sollen für medienpolitische Exzesse einzelner Staaten in Haftung genommen werden. Statt sich aber mit der Bändigung der Exzesse zu begnügen, strebt die Kommission eine tiefgreifende Neuordnung von Medien und Medienaufsicht an. Dabei dringt sie in den Kern der grundgesetzlichen Verfassungsidentität vor und gefährdet die Standards der deutschen Medienordnung. Und entgegen der Ansicht von Staatsministerin Roth hat die Ratsposition aus deutscher Sicht keine si­gnifikanten Verbesserungen gebracht. Hinzu kommt, dass die EU auch „ultra vires“, also jenseits ihrer Befugnisse, handelt, wenn sie ein Gesetz auf ihre Kompetenz zur Verwirklichung des Binnenmarktes stützt, in Wahrheit aber tief in die Medienregulierung und damit in die Kulturhoheit der Mitgliedstaaten eingreift.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

Das Phänomen Antifeminismus

Stellen wir uns mal vor, bei der ARD würde eine evangelikale Redakteuerin sagen: Ich bin eine Evangelikale und möchte jetzt mal wissen, warum es Frauen gibt, die die gefährliche Ideologie des Feminismus bejahen. Undenkbar, oder?

Umgekehrt geht. Eine Feministin knüpft sich einige mutige christliche Frauen vor und malt uns Zuschauern (natürlich mit Deutungshoheit und cleverem Schnitt) ihre vermeintliche ideologische Verblendung vor Augen. Die Botschaft: Wer von einer natürlichen Geschlechterordnung ausgeht, ist demokratiefeindlich. Wer den Feminismus nicht unterstützt, potentiell gefährlich. 

Hier mal reinschauen: www.ardmediathek.de.

Die Väterverunsicherung

Früher war klar: Der Vater ist das Familienoberhaupt und bringt dem Sohn Disziplin und Leistung bei. Heute gilt es schon als toxisch, wenn Väter ihre Jungs zur Männlichkeit erziehen. Das führt zu einer weitreichenden Verunsicherung im Blick auf das Selbstverständnis der Väter. Susanne Grautmann schreibt dazu in der FAZ:

Die Idealbilder, Vorstellungen und Anforderungen, die die Gesellschaft für moderne Familien und Väter formuliert, will er sich auf keinen Fall zum Maßstab machen. „Wenn ich mich umblicke, sehe ich so viele Familien, die sich so unter Druck setzen, alles perfekt hinzukriegen, dass sie am Ende komplett überfordert sind.“ Diesem Anspruch, alles richtig zu machen, will er genauso wenig gerecht werden wie dem Ideal des modernen Vaters: Erfolgreich im Job soll der sein, dazu ein Top-Vater und Partner, sportlich, gesund – das könne man doch gar nicht alles gleichzeitig erfüllen.

Ahnert weiß, woher die Überforderung kommt, die viele derzeit empfinden: „Das gegenwärtige Vaterbild weist nach wie vor viele Merkmale des alten auf, die der Versorgung und dem sozialen Status der Familie gelten. Zugleich ist es aber mit neuen Ansprüchen angereichert.“ Kurz: Mann soll nicht nur Karriere machen, sondern auch wickeln, vorlesen, Elterngespräche führen und kochen. Und dabei auch noch männlich herüberkommen. Aber was heißt das überhaupt? Alexander Cherdron, der selbst ein Buch über Väter und Söhne veröffentlicht hat, glaubt, dass die Verunsicherung umso tiefer greife, als die Männlichkeit an sich gerade in der Krise stecke. „MeToo“ und andere MachtmissbrauchsSkandale hätten ihre Spuren hinterlassen: „Viele Väter fragen sich, wie männlich sie eigentlich noch sein dürfen oder ob sie selbst auch Anteile toxischer Männlichkeit in sich tragen.“ Sie seien unsicher, wie sie sich verhalten sollen, um ein gutes role model für ihre Söhne abzugeben.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

Gibt es für Gläubige ein besonderes „Preisgericht“?

Der lutherische Pfarrer Martin Hoffmann hat kürzlich einen Vortrag über die Frage des gesonderten „Preisgerichts“ für Gläubige gehalten, den ich hier gern empfehle.

Worum geht es? In der Einleitung ist zu lesen:

In evangelikalen Kreisen wird seit einiger Zeit viel über das „Preisgericht“ diskutiert und geschrieben. Die Meinungen darüber weisen eine ziemliche Bandbreite auf, wie eine Flut von Internet-Informationen zum Stichwort zeigt. Im Wesentlichen geht es dabei um das Letzte Gericht am Ende dieser Welt und die biblischen Aussagen dazu. In diesen klingt scheinbar Widersprüchliches an. Einerseits sagt der Apostel Paulus, dass alle Menschen vor dem Richterstuhl Christi Rechenschaft über ihr Leben ablegen müssen:

Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für das, was er getan hat bei Lebzeiten, es sei gut oder böse (vgl. Apg 17,31; Röm 2,16; 14,10; Joh 5,29; Eph 6,8). 

Andererseits spricht unser Herr Christus selbst davon, dass die- jenigen, die an ihn als Heiland glauben, gar nicht erst ins Gericht kommen:

Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen (vgl. Joh 3,16+18).

Wie passt das zusammen? Um diese Frage dreht sich die Diskus- sion unter den Evangelikalen. Man hat verschiedene Überlegungen dazu angestellt. Sie laufen alle zusammen letztlich darauf hinaus, dass es neben dem allgemeinen Weltgericht noch ein besonderes Ge- richt für die Christusgläubigen geben müsse.

Dies bedeutet, dass Gläubige nicht vor dem Endgericht (dem großen weißen Thron; Offb 20,11) gerichtet werden. Aber trotzdem finden wir im Neuen Testament zahlreiche Stellen, die davon sprechen, dass Gläubige gerichtet werden. Um dieses Gericht näher zu beschreiben … wird es auch als „Preisgericht“ bezeichnet.

Dieses Preisgericht soll sich schon darin vom Endgericht unterscheiden, dass es zu einem anderen Zeitpunkt stattfindet, nämlich unmittelbar nach der angeblichen Vorab-Entrückung der Gläubigen aus dieser Welt. Danach soll dann die tausendjährige Herrschaft der Gläubigen anbrechen, bevor das Weltende mit dem Endgericht kommt (dazu im Folgenden mehr).

Der verschriftlichte Vortrag kann hier heruntergeladen werden: THI2023-3_WEB-1.pdf.

Tom Holland: Warum ich meine Meinung über das Christentum geändert habe

Der Historiker Tom Holland war kirchlich sozialisiert, hat sich aber schon früh leise vom christlichen Glauben verabschiedet. Seit Jahren erzählt er allerdings davon, dass er das, was der Glaube an Jesus von Nazareth den westlichen Kulturen gebracht hat, immer mehr zu schätzen lernt. Er zeigt in seinen Büchern und Vorträgen die Geschichte des Westens ausgehend von seinem antiken und christlichen Erbe und begründet, dass „genuin christliche Traditionen und Vorstellungshorizonte auch in unserer modernen Gesellschaft sowie ihren vermeintlich universellen Wertesystemen allgegenwärtig sind – sogar dort, wo sie negiert werden: etwa im Säkularismus, Atheismus oder in den Naturwissenschaften“ (siehe hier).

Vor einigen Monaten hat Tom Holland in Rumänien einen Vortrag gehalten, in dem er in englischer Sprache sehr persönlich und verständlich schildert, warum sich seine Sichtweise auf das Christentum ändert. Der christliche Glaube habe die harten Machstrukturen der antiken Kulturen aufgebrochen und den Blick für die Nöte der Schwächeren geschärft und eine Kultur der Fürsorge hervorgebracht. Holland erklärt auch, dass er Anzeichen dafür sieht, dass der heidnische Traum vom starken Menschen (vgl. Nietzsche oder Hitler) wieder an Attraktivität gewinnt, wo sich der christliche Geist verflüchtigt.

Hier gehts zum Vortrag: www.youtube.com.

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Interview mit Martin Mosebach

Martin Mosebach ist gläubiger Katholik. Thomas Ribi und Benedict Neff von der NZZ haben ihn interviewt mit ihren sehr klugen Fragen gescheite und teilweise zugespitzte Antworten entlockt. Besonders stark ist Mosebachs Kritik an der Moderne:

Konservativ kann man eigentlich nur vor einer Revolution sein; nach ihrem Erfolg ist das, was man bewahren wollte, verschwunden. Dann kann man sich nur noch an das halten, was immer gilt, ob die Zeitgenossen das anerkennen oder nicht. Wahrheit ist nicht davon abhängig, dass man ihr zustimmt. Ich bin davon überzeugt, dass es keine menschliche Autonomie gibt und dass deshalb die Forderung nach menschlicher Autonomie ein Wahn ist.

Aber auch dieser Absatz hat es in sich:

Ich möchte einfach nur richtiges Deutsch schreiben, sonst eigentlich nichts. Ich habe kein anderes Stilideal vor Augen, als Sprache nach ihren Gesetzen anzuwenden. Es geht mir immer nur um die grammatische Richtigkeit der Sätze, um das Vermeiden von Wortwiederholungen, die Suche nach dem genau passenden Ausdruck und das Beseitigen von Unverständlichkeiten. Stilfragen beschäftigen mich überhaupt nicht. Sie kennen den Satz von Buffon «Le style, c’est l’homme même». Man schreibt, wie man ist,und wie man ist, weiss man nicht, weil man sich nicht von aussen sieht.

Ayaan Hirsi Ali: Die Ideologie des Wokeismus greift um sich

In Gender-, Rassismus- und Klimafragen dominieren radikale Aktivisten die Debatten. Sie sind nicht an der Lösung der Probleme interessiert, sondern an der Umsetzung einer verheerenden Utopie, meint die Frauenrechtlerin Ayaan Hirsi Ali:

Was sich wie eine schöne und erstrebenswerte Utopie anhört, hat in Wahrheit fatale Folgen. In den USA und auch andernorts hat ein extremer Gender-Aktivismus, der auf dem Woke-Prinzip der Auslöschung aller Grenzen basiert, ein Angebot der genderbejahenden Gesundheitsversorgung geschaffen. Das klingt gut, denn wer würde Kindern in Schwierigkeiten nicht helfen wollen? In der Praxis bedeutet es jedoch, dass Minderjährige auf einen Weg der medizinischen Umwandlung gedrängt werden, der sogar Operationen einschliesst, in einigen Fällen ohne das Wissen, geschweige denn die Zustimmung ihrer Eltern.

Gleichzeitig wird erwartet, dass Schutzräume für Frauen, die Generationen von Feministinnen in langen Kämpfen erstritten haben, für biologische Männer geöffnet werden, einschliesslich Sexualstraftätern, die behaupten, sie seien in Wirklichkeit Frauen. Zwei fundamentale Errungenschaften der westlichen Zivilisation – die Rechte von Frauen und Kindern – werden im Namen einer woken Ideologie infrage gestellt.

Mehr: www.nzz.ch.

Weitere Kirchenprivilegien sollen fallen

Der Staat mischt sich immer stärker in das kirchliche Leben ein. Bisher erlaubt das Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) kirchlichen Arbeitgebern, Vorgaben zur privaten Lebensführung zu machen, wozu zum Beispiel die sexuelle Orientierung gehört. Der Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman, passt das nicht. Sie fordert: „Solche weiter gehenden Rechte gehören abgeschafft.“ 

Die FAZ meldet:

Ataman spricht sich auch dafür aus, die sogenannte Kirchenklausel aus dem AGG zu streichen. Konfessionelle Arbeitgeber dürfen bisher die Religionszugehörigkeit als entscheidendes Kriterium für die Einstellung eines Bewerbers geltend machen. Die von Ataman vorgeschlagene europarechtskonforme Ausgestaltung würde dazu führen, dass Ausnahmeregelungen für Kirchen nur bei Pfarrern zum Tragen kämen, nicht aber bei Erziehern in konfessionellen Kindergärten oder Lehrern in entsprechenden Schulen.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

Vergebung ohne Reue?

Es gibt einen Unterscheid zwischen der Vergebungsbereitschaft und dem Zuspruch der Vergebung. John Stott bringt das gut auf den Punkt:

In Lukas 17,3-4 wird eine ähnliche Lehre Jesu aufgezeichnet, jedoch mit einem wichtigen Zusatz: „Wenn dein Bruder oder deine Schwester gegen dich sündigt, so weise sie zurecht; und wenn sie es bereuen, so vergib ihnen. Auch wenn sie siebenmal an einem Tag gegen dich sündigen und siebenmal zu dir zurückkommen und sagen: ‚Ich bereue‘, musst du ihnen vergeben.“

Der Abschnitt im Matthäusevangelium konzentriert sich auf das Zurechtweisen eines Bruders; dieser Abschnitt im Lukasevangelium konzentriert sich eher auf das Vergeben. Wir sollen einen Bruder zurechtweisen, wenn er gegen uns sündigt; wir sollen ihm vergeben, wenn er bereut – und nur, wenn er bereut.

Wir müssen uns davor hüten, die Vergebung zu bagatellisieren. Obwohl Gottes Vergebung für uns und unsere Vergebung füreinander ganz unterschiedlich sind (da Gott Gott ist und wir nur Privatpersonen und außerdem Sünder sind), sind beide doch von der Reue abhängig. Wenn ein Bruder, der gegen uns gesündigt hat, sich weigert, Buße zu tun, sollten wir ihm nicht verzeihen.

Erschreckt Sie das? Es ist das, was Jesus gelehrt hat. Oh, wir müssen ihm in dem Sinne „vergeben“, dass unsere Gedanken ihm gegenüber frei von jeder Feindseligkeit und voller Liebe sind. Aber das ist nicht die christliche Vergebung. „Vergebung“ bedeutet mehr als das; sie beinhaltet die Wiederherstellung der Gemeinschaft. Wenn wir einem sündigenden und unbußfertigen Bruder die volle und innige Gemeinschaft mit uns selbst wiedergeben können, offenbaren wir nicht die Tiefe unserer Liebe, sondern ihre Oberflächlichkeit, denn wir tun das, was nicht zu seinem höchsten Wohl ist. Eine Vergebung, die die Notwendigkeit der Reue umgeht, entspringt nicht der Liebe, sondern der Sentimentalität.

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Publikumsverachtung

Der öffentlichrechtliche Rundfunk in Deutschland hat sich verselbständigt. Er ist teuer, politisch einseitig und produziert immer mehr vom immer Gleichen, meint Hans-Hermann Tiedje: 

Und was ist mit Unparteilichkeit und Vielfalt, wo doch die Politiker der Linkspartei ständig auf Sendung sind? Eine Erklärung wäre: Linke behagen den Talkshow-Machern mehr als Rechte. Die Vielzahl von grünen Gästen spricht dafür. Der Meinungskorridor der Gäste wird zusehends schmaler. Liberal-konservative Intellektuelle sind kaum noch dabei.

Aber es gibt Artikel 5 des Grundgesetzes: «Eine Zensur findet nicht statt.» Wer’s glaubt, sehe bitte die ZDF-Nachrichtensendung «heute». Fast jeden Abend gelingt es der Redaktion, politische Tendenzberichte einzuschleusen. Und dann wieder die Sprache: Konsequent werden Klimakleber nicht als Straftäter (Straftatbestand Nötigung), sondern als Aktivisten oder Demonstranten verharmlost. Was hat das mit einer objektiven Nachrichtensprache zu tun? Nichts.

Ganz ernsthaft wird inzwischen die Frage gestellt, ob der öffentlichrechtliche Rundfunk, ein System ausser Kontrolle, eine Gefahr für die Meinungsfreiheit darstellt. Der Journalist Hans-Ulrich Jörges sagt: «Am Zustand der Deutschen Bahn und am Zustand des öffentlichrechtlichen Rundfunks erkennt man den Zustand der Bundesrepublik Deutschland.»

Mehr: www.nzz.ch.

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