Autorenname: Ron

„Was passiert zum Schluss mit der Bibel?“

In manchen Verlagen, Redaktionen und Behörden wird daran gearbeitet, alte literarische Texte umzuarbeiten, um sie an die Woke-Kultur anzupassen. Die Texte werden also engagiert darauf gescannt, ob sie rassistische, sexistische oder soziale Diskriminierung stimulieren könnten (vgl. hier und hier). Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann von der Partei Bündnis90/Grüne stellt dazu die richtige Frage:  

Man müsse Texte wie den Roman „Tauben im Gras“ von Wolfgang Koeppen, der zur Abiturienten-Pflichtlektüre im Südwesten zählt, geschichtlich einordnen, sagte Kretschmann in Stuttgart. Wenn man sich nicht mehr mit Texten aus Zeiten befasse, in denen andere Maßstäbe gegolten haben, hätte das weitreichende Konsequenzen. „Was passiert zum Schluss mit der Bibel? Mit dem populärsten, meistgelesenen Buch?“, fragte der Grünen-Politiker.

Nachtrag: Sollte übrigens die Bibel eines Tages durch „tugendhafte“ Sensitivity-Redakteure umgeschrieben werden, jubeln die Postevangelikalen wahrscheinlich mit. Da ja die Heilige Schrift aus ihrer Sicht nur verschriftlichte Gefühle besonders religiöser Menschen enthält, sollten sie kein theologisches Problem damit haben, die biblischen Texte an die Empfindungen der „Generation Woke“ anzupassen. Ganz im Gegenteil: die sprachlichen Entschärfungen machen – so die Progressiven – den christlichen Glauben attraktiver. 

Mehr: www.deutschlandfunkkultur.de.

Bullinger: So groß ist die Liebe Gottes zum Menschen

Heinrich Bullinger über Christus, der sein eigenes Kreuz trägt (Schriften I, 2006, S. 159): 

Über all dies hinaus nimmt er auch noch sein eigenes Kreuz auf die Schultern und trägt es hinaus zur Richtstätte. Hier wird er unter größten Schmerzen ans Kreuz genagelt, aufgerichtet und, während seine Kräfte schwinden, den schwersten Todesqualen überlassen. Nackt und bloß hängt er etwa drei Stunden bei lebendigem Leib unter den heftigsten Schmerzen da [vgl. Joh 19,17–29]. Dies soll sich der Kranke in seinen Nöten und Schmerzen vor Augen halten. Und weil der Sohn Gottes diese Folter um des Menschen willen erlitten hat, soll der Kranke auch daran denken, dass die Liebe Gottes zum Menschen groß und dieses Opfer, die Wiedergutmachung unserer Sünden, vollkommen ist.

Das Geschäft mit der neuen Lust

Was Silke Weber in ihrem Artikel „Das Geschäft mit der neuen Lust“ über die neue Sex-Ordnung schreibt, macht deutlich, wie bedeutsam die Kulturanalyse von Carl Truemann zum „neuen Selbst“ ist. 

Zitat: 

„Sexualität und Gender sind keine politischen Nebenschauplätze“, hat die britische Feministin Laurie Penny postuliert: In den vergangenen Jahren sei eine sexuelle Revolution angestoßen worden, die unser Verständnis von Sex, Macht und Widerstand neu bestimme. Und gleichzeitig stellen Frauen, Männer und LGBTQ überall die gewohnte Geschlechterbinarität infrage.

Einvernehmlichkeit, Gemeinschaft und Offenheit bilden eine neue Ordnung. Clubnächte werden zu sexpositiven Partys, bei denen Gäste, wenn sie wollen, einfach nackt tanzen können. Wenn sie Begehren verspüren, dürfen sie dieses auch ausleben. Auf einer Schaukel, einer Liege, im Darkroom. Die Großstädte werden zu Spielwiesen, in denen Shibari-Workshops angeboten werden, um die erotische Kunst des Fesselns zu erlernen.

Die Sicht auf Sexualität und der Umgang mit ihr haben sich in weiten Teilen der Gesellschaft über die vergangenen Jahre radikal verändert.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

Die menschliche Vernunft bei Calvin

Günter Frank schreibt über die natürliche Gotteserkenntnis bei Johannes Calvin („Gläubige Vernunft – vernünftige Glaube“, in: Herman J. Selderhuis, Calvinus clarissimus theologus, RHT 18, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2012, S. 141–157, hier S. 155):

Zu Anfang seines dritten Kapitels des 1. Buches der „Institutio“ untersucht Calvin genauer die Struktur der von Natur aus eingestifteten Gotteserkenntnis. Dass dem menschlichen Geist ein natürlicher Instinkt (instinctus naturalis) und ein Samen der Religion (semen religionis) innewohnt, steht danach – wie Calvin betont – außer jedem Zweifel. Dies beinhaltet das Wissen, dass Gott existiert und er der Schöpfer der Welt ist. Und dieses Wissen ist nach Calvin auch durch den Sündenfall nicht zerstört worden. Es ist, als von Gott dem Geist des Menschen eingestiftet, unzerstörbar. Gerade auch der Widerspruch der Gotdosen ist – wie Calvin fortführt – ein Beweis dafür, dass diese Überzeugung auf natürliche Weise allen eingestiftet ist. Das heißt aber auch: eine Vernunft, die sich nicht auch in Ihrer Offenheit gegenüber der Transzendenz begreift, verfehlt sich prinzipiell. Die menschliche Vernunft wird auch nach Calvin erst dann richtig begriffen, wenn sie zugleich jene Offenheit mit bedenkt, welche die Grenze der „ratio“ übersteigt.

Natürlich war Calvin insgesamt weniger an einer philosophischen Argumentation interessiert ist. Dennoch hatte Van Houten m.E. zu Recht seine Untersuchung insgesamt darin zusammengefasst, dass die intellektuelle oder konzeptuelle Erkenntnis der Existenz Gottes auch nach dem Sündenfall im menschlichen Geist bleibe, auch wenn es sich – wie Calvin hervorhebt – nur um ein verworrenes und kein vollständiges Wissen von Gott in Form der Idolatrie handelt. Diese Gotteserkenntnis ist Kern einer bleibenden und unverlierbaren strukturellen Gottebenbildlichkeit des menschlichen Geistes. Was ihm in dieser Erkenntnis mangele, ist die Erkenntnis von Gottes wahrer Natur und die dieser korrespondierenden Antwort des Glaubens und der Frömmigkeit.

Gott hat sich sprachlich offenbart

Francis Schaeffer sagte über die Kommunikation Gottes (Gott ist keine Illusion, 1974, S. 106):

Was Gott dem Menschen mitgeteilt hat, ist wahr, aber nicht erschöpfend — diese wichtige Unterscheidung müssen wir stets beachten. Für ein erschöpfendes Wissen müßten wir unendlich sein wie Gott. Das werden wir aber nicht einmal im Himmel sein.

Gott hat zum Menschen gesprochen — nicht nur über den Kosmos und die Geschichte, sondern auch über sich selbst. Die auf diese Weise mitgeteilten Wesenszüge Gottes sind für Gott selbst, den »Sender« dieser Kommunikation, wie für den Menschen, den »Empfänger« dieser Kommunikation, sinnvoll. Was Gott von seinen Wesenszügen offenbart hat, hat nicht nur unterhalb der Linie des Menschen Gültigkeit (als werde Gott ins Bild des Menschen hineingepreßt). Die anthropologische Linie verläuft nicht wie ein eherner Himmel undurchdringlich über unseren Köpfen, und der Gott, der gesprochen hat, ist nicht das unerkennbare Unendliche oberhalb dieser Linie. Der Gott, der den Menschen in seinem eigenen Bilde geschaffen hat, teilt ihm wahre Wahrheit über sich selbst mit — und zwar nicht lediglich im Rahmen existentieller Erfahrungen oder inhaltsloser »religiöser Ideen«. Wir haben Zugang zu wahrer Erkenntnis — das zeigt die Heilige Schrift an einfachen, aber überzeugenden Beispielen: Als Gott die Gebote auf Steintafeln schrieb oder als Jesus den Paulus auf der Straße nach Damaskus in hebräischer Sprache anredete8, bedienten sie sich dazu einer wirklichen, grammatikalisch und lexikalisch gefaßten Sprache, einer Sprache, die der Angeredete, der »Empfänger«, verstehen konnte.

Gemeinsam unterm Regenbogen

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Da die Verlagsgruppe SCM inzwischen Regenbogenliteratur für die Kinder- und Jugendarbeit verkauft (siehe hier), möchte ich einen Beitrag, den ich erstmals 2022 veröffentlicht habe, hier nochmals – leicht überarbeitet – posten. Denn es gibt auch gute Regenbogenliteratur!

Wenn wir einen Regenbogen oder eine Regenbogenfahne sehen, denken wir heute so gut wie selbstverständlich an die LGBTQ+-Community. Der amerikanische Aktivist Gilbert Baker kam 1978 nämlich auf die geniale Idee, ein Symbol, das eigentlich für die Bundestreue Gottes oder den Frieden steht, leicht abzuwandeln und daraus ein Symbol der sexuellen Vielfalt zu machen (seine Regenbogenfahne hat nur sechs Streifen).

Wiebke Klassen hat ein Buch geschrieben, dass sich sehr gut dafür eignet, mit Kindern im Alter von 4 bis 10 Jahren über die eigentliche Bedeutung des Regenbogens zu sprechen. Geschildert wird der Dialog zwischen einem großen und einem kleinen Regenbogen. Der kleine Regenbogen ist unglücklich und weiß gar nicht so richtig, wofür er da ist. Doch nach und nach wird ihm klar, was für eine Aufgabe er hat. Er zeigt den Menschen, dass Gott seiner Schöpfung eine gute Ordnung eingestiftet hat und es wunderbar ist, sein konkretes Geschöpfsein zu bejahen.

Wir sollten uns den Regenbogen nicht kapern lassen, sondern mit unseren Kindern darüber reden, welche Bedeutung er aus biblischer Sicht für uns Menschen hat.

USA: Abkehr von Gott verunsichert

In den USA wird über eine Umfrage diskutiert, aus der hervorgeht, dass sich die Amerikaner im Eiltempo von den traditionellen Werten abkehren. Das Design der Umfrage ist umstritten. Dennoch erhitzt das Ergebnis die Gemüter. Die NZZ schreibt: 

Vor allem in konservativen Kreisen erhitzte die Umfrage die Gemüter. Viele Politiker sahen sich in ihren Warnungen vor einer gesellschaftlichen Zersetzung durch linke Ideologien bestätigt: «Der Selbsthass, den wir im ganzen Land sehen, ist schlimmer als jede Pandemie», twitterte die republikanische Präsidentschaftsbewerberin Nikki Haley. «Amerika ist die grossartigste Nation der Welt, und wir müssen das unseren Kindern weiterhin vermitteln.»

Das Land befinde sich in einer Identitätskrise, schrieb auch der konservative Unternehmer und Präsidentschaftsbewerber Vivek Ramaswamy: «Glaube, Patriotismus, Familie und harte Arbeit sind verschwunden. Wokeness, Gender-Ideologie und der Klimakult haben ihren Platz eingenommen.» Der republikanische Kongressführer Kevin McCarthy versprach seinerseits: «Deshalb werde ich nie aufgeben. Wir können diese Entwicklung rückgängig machen.»

Der konservative Meinungsforscher Patrick Ruffini hingegen zog die Ergebnisse der Umfrage auf seinem Blog in Zweifel. Zwar habe das «Wall Street Journal» die Umfrage von Norc, dem führenden Unternehmen für Datenerhebungen in den USA, durchführen lassen. Meinungen in der Gesellschaft würden sich gewöhnlich aber nicht so abrupt verändern. «Wenn diese Zahlen von meiner Firma produziert worden wären, hätte ich sofort einen Fehler vermutet.»

Mehr: www.nzz.ch.

„Sensitivity Reader“ stürzen sich auf Miss Marple

Jetzt fallen die „Sensitivity Reader“ der Verlage, also Leute, die Texte auf Diskriminierungen prüfen, auch noch über Miss Marple her. Welche Folgen aber hat der Eingriff? 

Natürlich ist das alles hochbedenklich. Warum kann man Lesern nicht die Originaltexte zumuten, im Vertrauen darauf, dass die sich ihre eigenen Gedanken über die Beschränktheiten einer vor 47 Jahren mit 85 gestorbenen Kriminalschriftstellerin machen? Ist es nicht Verfälschung, wenn Romanfiguren, durch deren innere Monologe Wahrnehmungen puckern, die sich heute niemand mehr gestatten würde, nun auftreten, als hätten sie ein Antidiskriminierungs-Training hinter sich?

Und wo soll das noch hinführen – wird man irgendwann nicht mehr feststellen können, dass Autoren wie Agatha Christie, Roald Dahl oder Ian Fleming rassistisch, antisemitisch oder sexistisch gedacht haben, weil man es nicht mehr mit ihrem um alle Irritationen bereinigten Werk belegen kann?

Das Ansinnen grenzt an Gehirnwäsche. Wir sollten nicht überrascht sein, wenn es irgendwann auch bereinigte Ausgaben der Bibel gibt. 

Mehr: www.welt.de.

Das entleibte Geschlecht

Bei Genderfragen soll die Biologie des menschlichen Körpers einerseits keine Rolle mehr spielen. Das, was ich fühle, entscheidet angeblich über mein Geschlecht. Andererseits erleben wir einen Hype um den natürlichen Umgang mit dem Körper – egal, ob es die Ernährung, Empfängnisverhütung oder die Menstruation betrifft. Natur ist „in“. Wie passt das zusammen?

Judith Blage geht genau dieser Frage nach und zeigt, dass wir nur dort nach Natürlichkeit streben, wo es uns in den Kram passt:

Wie unlogisch … diese entleibte Sicht auf Geschlecht ist, lässt sich gut am Beispiel Gendermedizin demonstrieren. Nirgendwo sonst wird so deutlich, wie wichtig es für die Gleichbehandlung ist, Geschlechter sehr wohl biologisch zu unterscheiden: Frauen und Männer erkranken nicht nur anders, sie reagieren auch unterschiedlich auf Medikamente.

Weil medizinische Forschung hauptsächlich an Männern stattfindet, sterben Frauen noch immer häufiger an Herzinfarkten und anderen Erkrankungen. Ihre Symptome werden schlicht nicht so gut erkannt wie die von Männern. Deshalb fordern Experten eine bessere Erforschung der Geschlechtsunterschiede in der Medizin – und stossen damit absurderweise unter anderem auf Proteste von Feministinnen.

Warum also streben wir in so vielen alltäglichen Bereichen und in fast aberwitzig unwichtigen Details nach dem grossen Ziel der vermeintlichen Natürlichkeit, während wir in anderen grossen Fragen das Vorhandensein von Körperlichkeit und Biologie so vehement verneinen?

Mehr: www.nzz.ch.

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