Gesellschaft

Die Quote

Die Frauenquote soll Gleichberechtigung im Beruf bringen. Eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für Frauen und Familie muss stattfinden, doch die Quote berücksichtigt nicht die unterschiedlichen Lebensvorstellungen der Betroffenen.

Reinhard Müller hat einen so guten Kommentar zu Quotendiskussion geschrieben, dass mir vom ersten bist zum letzten Satz das Schmunzeln nicht verging. Beide Absätze:

Es gibt tatsächlich junge Frauen, die nicht verstehen, warum eine Mutter auf den Gedanken kommt, Teilzeit zu arbeiten: Am Tag der Geburt, gewiss, da könne man wohl nicht zur Arbeit erscheinen – danach aber doch sofort. So redet, wer eine gute Ausbildung, aber selbst noch keine Kinder hat. Wer jung, ungebunden, flexibel ist und dazu auch noch gut aussieht, der lebt tatsächlich in einer anderen Welt. In dieser Lebensphase wird in der Regel niemand diskriminiert. Selbst in Branchen, die als frauenfeindlich gelten, werden Männer und Frauen zu gleichen Teilen eingestellt.

Im Übrigen ist es bezeichnend, dass es nicht einmal im Staatsdienst gelingt, wichtige Positionen mit Frauen zu besetzen – was bei politischen Stellen ein Leichtes wäre. Das gilt nicht zuletzt für das Bundesfamilienministerium, in dem es unter der jungen, jetzt schwangeren Ministerin nur eine weibliche Abteilungsleiterin gibt. Und dann soll der Staat privaten Unternehmen vorschreiben, wie sie ihre Führungsgremien zu besetzen haben? Nein, die Forderung nach einer Quote kann nicht ernst gemeint sein.

Hier: www.faz.net.

Afghanistan: Mit Folter zurück zum Islam

Ein Afghane soll hingerichtet werden, weil er zum Christentum übertrat – es sei denn, er bekennt sich wieder zum Islam. Vor acht Monaten wurde der Konvertit vor der deutschen Botschaft in Kabul verhaftet – dann folgten Folter und Schikane. Hasnain Kazim berichtet für den SPIEGEL über den Vorfall:

Erstmals seit seiner Festnahme durfte Musa jetzt einem Journalisten ein Interview geben. Die Agenten hätten ihn »72 Tage lang gegrillt«, sagte er der »Sunday Times«. »Sie schlugen mich und folterten mich mit Stöcken. Sie sagten mir, ich solle zurück zum Islam konvertieren. Als ich mich weigerte, nannten sie mich einen dreckigen Ungläubigen«, zitiert die Zeitung ihn. Außerdem sei er aufgefordert worden, weitere Afghanen sowie Ausländer zu benennen, die Christen seien. Als er sich weigerte, sei er erneut geschlagen worden.

Später sei er in ein normales Gefängnis in Kabul verlegt worden, wo er sowohl von Gefängnismitarbeitern als auch von Mitgefangenen geschlagen und sexuell misshandelt worden sei.

Musa ist vor neun Jahren vom Islam zum Christentum übergetreten. Zu den Gründen schweigt er, aber die »Sunday Times« schreibt unter Berufung auf Freunde von ihm, er sei von den Fernsehbildern eines Bombenanschlags im pakistanischen Karatschi erschüttert gewesen – er habe sich gefragt, warum Muslime unschuldige Menschen töteten und habe sich daraufhin taufen lassen. »Die Bibel hat mich gelehrt, meine Feine zu lieben«, zitiert die Zeitung Musa. »Sie hat mich gelehrt, die andere Wange hinzuhalten, wenn mich jemand verletzt hat.«

Ein Richter und ein islamischer Geistlicher besuchten Musa laut »Sunday Times« in seiner Gefängniszelle und drohten ihm mit seiner Hinrichtung innerhalb von drei Tagen, sollte er sich nicht wieder zum Islam bekennen. Als Musa sich weigerte, soll der Mullah die Wärter angewiesen haben, „dieses schmutzige Tier“ aus der Zelle zu holen und zu schlagen. Erst auf Druck der US-Botschaft sei er in eine sichere Zelle verlegt worden und werde von Schlägen verschont. Auch mehrere Anwälte sollen sich geweigert haben, Musa zu verteidigen, solange er sich nicht zum Islam bekenne.

Leider ist es in islamischen Staaten nicht unüblich, Apostasie (Abfall vom Islam) mit dem Tod zu bestrafen. Hier ein Video zum Thema (leider nur in Englisch):




Hier der vollständige SPIEGEL-Beitrag: www.spiegel.de.

Sterben sollst Du für Dein Glück

Im aktuellen Heft Evangelische Verantwortung (1+2/2011, S. 3–11) beschreibt Sabatina James, warum sie sich gegen Zwangsheiraten engagiert und weshalb sie vom Islam zum Christentum konvertierte (und deshalb Polizeischutz braucht):

Ich habe dann die Bibel aufgeschlagen, die ich nicht einmal kannte, und da stand ein fettgedruckter Satz: »Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen.« (Jer 29,13+14). Dieser Satz hat mich sehr berührt, denn es war wie eine Antwort auf meine Frage. Ich fing an, das Neue Testament zu lesen. Was mich zutiefst faszinierte, war diese eine Stelle, wo Jesus die Ehebrecherin verteidigt. Er sieht die Frau in ihrer Not, stellt sich nicht zu den Religiösen, die sie bestrafen wollen, sondern spricht sie frei. Es hat mich so berührt, weil ich mich in genau so einer Not gesehen und gemerkt habe, dass hier anscheinend ein Gott ist, der bedingungslos liebt. Die Frau hatte einen Fehler gemacht, und Gott hat sich trotzdem zu ihr gestellt!

Die Ausgabe mit dem empfehlenswerten Interview kann hier heruntergeladen werden: 31_1_2011-13_08_42-ev_1_2_11_web_26012011.pdf.

Geschlechtsverwirrung geht offline, vorerst

Eine traurige Nachricht: Ferdinand Knauß stellt das Bloggen ein, jedenfalls vorerst. Ich habe seine Beiträge geschätzt, da sie die heute so populäre Gender-Theorie pointiert und unterhaltsam hinterfragen. In seinem Resümee schreibt Knauß:

Ich habe festgestellt, dass man – wie die Philosophin Helge Landweer mir einmal sagte – über das Thema Geschlechterdifferenz mit denen, die den Diskurs dominieren, kaum friedlich diskutieren kann. Die Koryphäen des Faches haben mich ignoriert, obwohl ich manch eine direkt angesprochen habe. Das war aus deren Sicht konsequent. Sie müssen schließlich so tun, als seien ihre Theorien gesicherte und unangefochtene Erkenntnis. Da geht es um Macht und da hört der Spaß für viele auf.

Eine gute Nachricht gibt es allerdings auch: Knauß arbeitet seit dem 1. Februar für das Bundesministerium für Bildung und Forschung als Pressesprecher. Viel Erfolg! Ich hoffe, bald wieder Schlagzeilen zu Geschlechtsverwirrung auf Brainlogs zu lesen.

Christenverfolgung: EU-Außenminister uneins

Beim Thema Christenverfolgung sind die EU-Außenminister uneins: Sie konnten sich am 31. Januar in Brüssel nicht auf ein gemeinsames Dokument zum Schutz der Religionsfreiheit verständigen. Einige wollten nicht, dass speziell die Unterdrückung und Verfolgung von Christen erwähnt wird. idea schreibt:

Die Sprecherin für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Erika Steinbach (Berlin), bezeichnete es als zutiefst bedauerlich, dass auf europäischer Ebene keine Einigung darüber erzielt werden konnte, die Situation der Christen als größte verfolgte religiöse Minderheit zu erwähnen. Eine allgemeine Äußerung entfalte eine zu geringe Wirkung. Nur die Nennung von Tätern und Opfern erlaube es, die Lage der Christen zu verbessern.

Recht hat sie!

Mehr: www.idea.de.

Bündnis für Familie

Was für ein Satz: »Die meisten Eltern müssen sich am Nachmittag selbst um ihre schulpflichtigen Kinder kümmern, weil Alternativen fehlen. Das hat dramatische Folgen.« Das Programm, das Mütter wieder »in Arbeit« bringen soll (Mütter, die sich um ihre Kinder kümmern, arbeiten also nicht) soll unter dem Namen »Bündnis für Familien« vermarktet werden. Geht’s noch?

Rund 6,9 Millionen Frauen in der Bundesrepublik sind berufstätig und gleichzeitig Mutter. Beides unter einen Hut zu bekommen, ist für viele ein Kraftakt. Das gilt insbesondere, sobald die Kinder in die Schule kommen und die Eltern sich um eine Anschlussbetreuung kümmern müssen. Der Mangel an Hortplätzen und an Schulen, die ein Nachmittagsprogramm anbieten, hält insbesondere Mütter davon ab, in den Beruf zurückzukehren. Das haben Berechnungen im Auftrag des Bundesfamilienministeriums ergeben, die der »Welt am Sonntag« vorab vorliegen. Bei einem entsprechenden Ausbau der Nachmittags- und Ferienbetreuung würden demnach bis zu 500.000 Frauen zusätzlich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.

Hier mehr: www.welt.de.

21st Century Evangelicals

UK_Alliance.jpgWas glauben Evangelikale? Wie verhalten sie sich? Die Evangelische Allianz in Großbritannien hat eine große Umfrage zu diesem Thema gemacht und inzwischen die Ergebnisse publiziert. Interessant finde ich, dass Roger Forster ganz unverhohlen davon spricht, dass die Christen, die sich trotz aller Verschiedenheit im Namen der Allianz versammeln, den Auftrag haben, die Gesellschaft zu verändern. Hat die Allianz ein politisches Mandat? Oder will Forster einfach sagen, dass wir Christen durch die Art, wie wir leben, die Gesellschaft verändern?

Er schreibt:

The heartbeat of the Evangelical Alliance is unity. Unity which enables us, together, to change society. Unity that provides us all with a voice to Government and media. Unity that sees community transformed spiritually, socially and physically. Taking this snapshot has provided us with the opportunity to find out what Christians think about our work. The results are extremely encouraging and provide us with a clear mandate in our mission of uniting evangelical Christians, with their enriching diversities, in order to change society – by bringing in the Kingdom of God – “justice, peace and joy in the Holy Spirit”. It is equally encouraging to know that 95% of our individual members think the Alliance plays an important role in the UK. These results will spur us on to do even more to serve evangelical Christians. We also hope that being that so many evangelicals agree with what we’re doing, it will encourage others to get involved. We will be able to achieve so much more together and with our Lord.

Hier das Ergebnis der Umfrage zusammengefasst: 21st-Century-Evangelicals-PDF.pdf.

TAZ-Mitgründer soll Kinder missbraucht haben

Unter den Lehrern, die an der Odenwaldschule Kinder missbraucht haben, soll ein späterer Mitbegründer der TAZ gewesen sein. Mehrere Zeitungen haben heute am 22. Januar darüber berichtet. Recherchen der Berliner Zeitung bestätigen das. Die SZ schreibt:

Über den Fall berichtete die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vorab. Die taz selbst ging in ihrer Samstagsausgabe darauf ein. Wie die Berliner Zeitung berichtet, war W. lange als Stuttgarter Korrespondent für die taz tätig, berichtete unter anderem aus dem RAF-Prozess. Ende 2009 ist er im Alter von 64 Jahren gestorben.

An der Schule scheint es dem Bericht zufolge ein offenes Geheimnis gewesen zu sein, dass W. zu den pädophilen Lehrern gehörte. Mit dem »griechischen Bild von der Knabenliebe« und dem »pädagogischen Eros« seien die Übergriffe gerechtfertigt worden.

Der Kunstlehrer brach nach den Angaben des Blattes 1972 mit der Odenwaldschule, kam später zu taz. Der Journalist veröffentlichte in Spiegel, Stern und Zeit. Auch an der Produktion der Kindersendung Tigerenten Club soll der frühere SWR-Mitarbeiter beteiligt gewesen sein. Ebenso soll er Treffen zwischen Nobelpreisträgern und Kindern auf der Insel Mainau veranstaltet haben, aus denen eine Kinderuniversität hervorging.

Hier mehr: www.sueddeutsche.de.

Generation Vaterlos

Jedes fünfte Kind in Deutschland wächst bei nur einem Elternteil auf. Knapp 1.500.000 Kindern fehlt der Vater. Das hat Konsequenzen für ihre seelische Entwicklung. So ist beispielsweise die Anzahl hyperaktiver Jungs bei Alleinerziehenden doppelt so hoch als bei Jungs, die in einer Familie aufwachsen.

Hier ein sehr interessanter DLF-Beitrag zum Thema:

[podcast]http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2011/01/21/dlf_20110121_0953_56792253.mp3[/podcast]

Die Glaubensdiebe

In der FAZ ist heute ein lesenswerter Artikel des iranischen Schriftstellers Amir Hassan Cheheltan erschienen (20. Januar 2011, Nr. 16, S. 27). Viele Iraner fühlen sich, so Cheheltan, vom Christentum angezogen. Hauskirchen haben Konjunktur. Der Staatsapparat sieht das gar nicht gern.

Seit Weihnachten hat es in der Isla­mischen Republik eine Welle der Verhaftungen von Christen gegeben. Berichten zufolge sind das Hauptziel dieser Verhaftungen evangelikale Christen, die nach Angaben der Behörden ihre Aktivi­täten neuerdings verstärkt haben. Die Verantwortlichen haben betont, dass die Umtriebe dieser Evangelikalen auch in anderen Ländern des Nahen Ostens Probleme heraufbeschworen haben. In amtlichen Verlautbarungen bezeichnen sie diese als »zionistische Christen« und als korrupte Bewegung, die von den Vereinigten Staaten und Großbritannien unterstützt werde, weswegen sie als leuchtendes Beispiel für die »kulturelle Invasion des Feindes« gilt. Die Festgenommenen sind meist konvertierte Muslime oder Christen, die versucht haben, Muslime zur Konversion zu ermutigen.

Der Artikel ist nur in der gedruckten Ausgabe erschienen.

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