Bibelwissenschaft

Die evangelistische Strategie Jesu

Andreas Köstenberger hat in einer kurzen Untersuchung zur Begegnung Jesu mit der Samariterin (Johannes 4) einige hilfreiche Einsichten herausgearbeitet. Es geht um Fragen wie:

  • Hast du es erlebt, wie Gott Beziehungen in deinem Leben heilt und stärkt?
  • Welche Barrieren hat Jesus überwunden, als er das das Gespräch mit der Samaritanerin suchte?
  • In was für eine Hinsicht kann Jesus uns als Beispiel dafür dienen, wie wir mit anderen mit dem Evangelium begegnen?

Im Dialog mit der Frau zeigt Jesus eine dreifache evangelistische Strategie: (1) er weckt eine Sehnsucht (7-16); (2) er weckt ein Gefühl der Sündhaftigkeit (17-18.); und (3) zeigt er auf sich als Retter (19-26).

Hier mehr: www.biblicalfoundations.org.

„Ich nehme die Bibel sehr ernst“

Die Schweizer Ausgabe von ideaSpektrum publizierte am 15. Juni (Ausgabe 24/2016, S. 8–11) ein Interview mit Christian Haslebacher zur „Rolle der Frau in der Gemeinde“. Haslebacher arbeitete schon 2004 für das Werk Chrischona in einer Projektgruppe zur Frauenfrage und hat später eine wissenschaftliche Arbeit zum Thema verfasst und die egalitäre Position verteidigt (erschienen als: „Yes, she can!“, Fontis Verlag: Basel, 2016).

Haslebacher sprach in dem Interview auch über 1. Timotheus 2,12-14. Hier ein Auszug:

idea: Das Ringen geht darum, wie biblische Aussagen heute anzuwenden sind, um der Absicht des Textes gerecht zu werden. Wie verhält sich dies Ihrer Meinung nach bei der Stelle 1. Timotheus 2,12 – ich zitiere: „Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre, auch nicht, dass sie über den Mann Herr sei, sondern sie sei still.“?

Haslebacher: An dieser Schlüsselstelle entscheidet sich die Diskussion. Paulus argumentiert mit der Schöpfungsreihenfolge und dem Fall der Eva. Vertreter der historischen Position nehmen dies als Beweis, dass es sich hier um eine allgemeingültige Anweisung handelt.

idea: Wie nähern Sie sich dieser Stelle?

Haslebacher: Zum einen untersuchte ich, wie der Umgang mit Frauen in der Bibel ganz allgemein beschrieben wird. Wie handelt Gott mit den Frauen? Ich stellte fest, dass dies nicht immer so lief, wie in 1. Timotheus 2,12-14 beschrieben. Dies ist demnach nicht der von Gott generell angewendete Standard. Das ist der erste Punkt. Dann untersuchte ich, wie Paulus auf das Alte Testament verweist. Ich habe insgesamt elf solcher Stellen gründlich studiert.

idea: Was war die wesentliche Erkenntnis?

Haslebacher: Dass Paulus nicht mit der Logik des westlichen Exegeten argumentiert. Er denkt eher wie ein jüdischer Rabbiner, der einen freieren Umgang mit dem Text hat. Diese zwei Punkte führten mich zum Schluss, dass Paulus im 1. Timotheusbrief keine Aussage für alle Gemeinden, in allen Kulturen und zu allen Zeiten macht. Er präsentiert keine umfassende Exegese, sondern wendet die Schrift teilweise selektiv oder ergänzend an, um seine Argumentation zu unterstützen. Er geht nicht wie ein Historiker oder systematischer Theologe vor, sondern er benutzt Analogien zwischen der alttestamentlichen Geschichte und der Gegenwart. Seine Verweise haben einen bildhaften Charakter. Im jüdischen Sinn und Kontext ist das gestattet, während wir uns damit schwertun.

idea: Helge Stadelmann, der ehemalige Rektor der FTH Giessen, sagt: „Die Frage der Frauenordination ist ein Prüfstein der Bibeltreue.“ Sie müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, mit Ihren Aussagen an der Autorität der Heiligen Schrift zu kratzen.

Haslebacher: Es ist möglich, dass dies für manche evangelikale Christen eine Zumutung ist. Für sie riecht das nach Bibelkritik. Aber wie gesagt, ich nehme die Bibel sehr ernst! Meine Begründung erfolgt im Gesamtzeugnis der Schrift. Ich verstehe sie als ein bibelfestes Plädoyer. Eigentlich sind alle NT-Briefe Reaktionen auf Situationen in örtlichen Gemeinden. Die Gemeinde in Ephesus litt unter einer Irrlehre, von der vor allem Frauen betroffen waren. Paulus wollte Ordnung schaffen. Sollte in einer Gemeinde heute eine ähnliche Situation auftreten, sind seine Weisungen für diese Gemeinde genauso gültig. Sie sind aber keine pauschale Ordnung für alle Gemeinden zu allen Zeiten.

Johannes S., fleißiger Kommentator auf dem TheoBlog, hat einen Leserbrief zum Interview und dem zugehörigen Editorial geschrieben, der allerdings nicht veröffentlicht wurde. Mit dem Einverständnis des Autors nachfolgend der Brief im Wortlaut:

Leserbrief

zum Interview „Ich nehme die Bibel sehr ernst“ (Christian Haslebacher) und dem Editorial „Was sagt die Bibel wirklich?“ (Rolf Höneisen)

 

Das hat Rolf Höneisen richtig erkannt: Christian Haslebacher, der neue Master-Apologet für Leitung und Lehre von Frauen in der Gemeinde ist wahrhaftig kein Feminist und Gender-Ideologe. Denn eine Ehefrau darf nach seiner und der aktuellen Chrischona-Erkenntnis nur leiten und lehren, wenn es ihr Ehemann erlaubt.

Es bedarf keiner prophetischen Begabung für die Einschätzung, dass die Mindesthaltbarkeitsfrist dieser Erkenntnis bald abgelaufen sein dürfte. Haslebacher denkt zwar in Generationen: „Jede Generation liest die Bibel durch die Brille ihrer Zeit.“ Zum Beispiel, wenn es heute um Leitung und Lehre von Frauen in der Gemeinde geht.

„Das hilft“ – wir lesen und staunen –, „gewisse Fehler nicht mehr zu machen …“! „… dafür werden wir wiederum unsere eigenen Fehler machen.“ Dann zitiert er das „Wrightsche Gesetz“, nach dem „20 Prozent seiner Theologie falsch seien – er wisse aber nicht welche. Diese demütige Haltung sollten wir uns alle aneignen …“

Schade, dass Luther nicht so demütig war! Dann hätte er uns die Reformation erspart. Allerdings hätten wir dann ein Event weniger, das gut bezahlte Theologen eine Dekade vorbereitet haben. (Als bescheidener Zeitgenosse wäre ich auch mit einem ökumenischen Kirchentag oder einem GRÜNEN-Parteitag zufrieden gewesen.)

Ich wage also die Prognose, dass wir nicht auf die nächste Generation warten müssen, bis ein Chrischona-Master feststellt, dass Haslebachers Auslegung der Bibelstellen über den Ehemann als Haupt seiner Ehefrau zu den 20 Prozent falscher Chrischona-Theologie im Jahr des Fortschritts 2016 unserer Zeitrechnung gehör(t)en.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das „Wrightsche Gesetz“ nicht Ausdruck von Demut, sondern von Hochmut ist.

Wenn ich durch die Brille der letzten 200 Jahre Theologiegeschichte die Reformationstheologie betrachte, welche die Bibel noch für historisch zuverlässig hielt, dann erscheinen mir nicht 20 Prozent falsch, sondern 100 Prozent. Ich halte es für Hochmut, wenn Theologen heute meinen, dass ihre Theologie im Rückblick besser abschneiden wird.

Doch zurück in die wunderbare Chrischona-Gegenwart. Haslebacher: „Bei der Frage des Hauptseins komme ich nicht an den zwei bekannten Stellen im Epheser- und im 1. Korintherbrief vorbei.“ Im 1. Brief an Timotheus hat er es dagegen geschafft – bravo –, mit dem Vorwurf der „Scheinlogik“ und des „Zirkelschlusses“. Dabei „wünscht sich Haslebacher ein Ende der gegenseitigen Unterstellungen und ein gemeinsames Ringen um eine sachgemäße Anwendung der biblischen Aussagen.“

Im 1. Korintherbrief argumentiert Paulus ebenso mit der Schöpfungsgeschichte wie im 1. Brief an Timotheus …

Ein Glück, dass in Chrischona keine Ingenieure und Programmierer ausgebildet werden! Mit dem dort gepflegten Denken würden wir in die Steinzeit zurückgeworfen: Jedes Hochhaus und jede Brücke würden bereits beim Bau zusammenstürzen, kein Auto und kein Computer würden funktionieren.

Doch wie pflegte Tante Jolesch zu sagen (Torberg: Der Untergang des Abendlandes in Anekdoten): Gott bewahre uns vor dem, was noch ein Glück ist.

Und noch ein Glück: Dass Höneisen Haslebacher Ernsthaftigkeit bescheinigt. Ich ziehe bei Non-sens Spaßhaftigkeit vor.

Johannes S.

Fragment über „Ehefrau Jesu“ vermutlich gefälscht

Da wir hier auf dem Blog mehrfach über das Fragment diskutiert haben (z.B. hier), an dieser Stelle der Verweis auf eine aktuelle Meldung der Nachrichtenagentur idea:

War Jesus verheiratet? Die US-amerikanische Wissenschaftlerin Karen King von der Harvard Universität (Cambridge, Bundesstaat Massachusetts) hatte 2012 ein in koptischer Sprache verfasstes Schriftstück präsentiert, das den Satz enthielt „Jesus sagte zu ihnen: ,Meine Ehefrau’.“ Journalisten interpretierten dies als Hinweis darauf, dass Jesus eine sexuelle Beziehung zu Maria Magdalena gehabt haben könnte. King war bislang der Meinung, dass das Schriftstück echt und 1.200 Jahre alt sei. Jetzt musste sie aufgrund von Recherchen des Magazins „The Atlantic“ (Washington) zugeben, dass es sich sehr wahrscheinlich nicht um ein Original handelt. Die Recherchen des Magazins hätten ergeben, dass die Dokumente zum Nachweis der Herkunft des Papyrus scheinbar gefälscht seien.

Mehr: www.idea.de.

Der Mythos von Abraham

Evangelikale debattieren über die Historizität von Adam und Eva. Warum sind sie eigentlich nicht konsequenter. Die Zeit ist gekommen, fundamentalistische Verzerrungen des Glaubens aufzugeben. Befreien wir endlich die Bibel vom Korsett einer literalen Interpretation. Mit der Abrahamerzählung sollten wir anfangen, meint Peter J. Leithart in seinem Artikel „Der Mythos von Abraham“. Und dann gehen wir weiter.

Clinging to discredited biblical accounts of Abraham as if these events actually happened makes us look like Neanderthals, undermines the plausibility of our witness, and ultimately overturns the Gospel. To defend the Gospel and uphold the authority of the Bible, we need to reckon with the myth of Abraham.

The historical evidence is overwhelming and need not be rehearsed here. It is sufficient to point the curious reader to Hans Georg Unglauber’s definitive study, popularly known as Die Suche nach dem historischen Abraham but originally published as Abraham: Historie oder Pferd-Geschichte? Unglauber shows that there is not a shred of independent evidence for the existence of Abraham, much less for any of the events recorded in Genesis.

But our faith does not stand or fall on the uncertain deliverances of historical scholarship. Scripture is our rule. The biblical writers deployed the full arsenal of ancient literary conventions, and their texts are full of sly authorial signals that they are not supposed to be taken literally. We can summarize briefly:

*The story of Abraham’s exodus (Gen. 12:10–20) is obviously modeled on Israel’s Egyptian sojourn and exodus (which most likely never happened either). By shaping this narrative to mimic later myths, the author indicates that the episode is not to be taken seriously as history. Genesis 12, like the exodus narrative, teaches that God delivers. It does not matter whether or not God has ever actually delivered anyone. The moral stands: God is our deliverer.

Mehr: www.firstthings.com.

Den Artikel bitte bis zu Ende lesen!

Gründlich Lesen (3): Totenauferweckung tiefenpsychologisch

Lukas überliefert in seinem Evangelium die Totenauferweckung zu Nain. Jesus kam in diese Kleinstadt, als der einzige Sohn einer Witwe beerdigt werden sollte. Lesen wir den Abschnitt (Lk 7,11–17):

Und es begab sich danach, dass er in eine Stadt mit Namen Nain ging; und seine Jünger gingen mit ihm und eine große Menge. Als er aber nahe an das Stadttor kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, der der einzige Sohn seiner Mutter war, und sie war eine Witwe; und eine große Menge aus der Stadt ging mit ihr. Und als sie der Herr sah, jammerte sie ihn und er sprach zu ihr: Weine nicht! Und trat hinzu und berührte den Sarg, und die Träger blieben stehen. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, steh auf! Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden, und Jesus gab ihn seiner Mutter. Und Furcht ergriff sie alle, und sie priesen Gott und sprachen: Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und: Gott hat sein Volk besucht. Und diese Kunde von ihm erscholl in ganz Judäa und im ganzen umliegenden Land.

Was ist die Botschaft dieser Geschichte? Anselm Grün hat kürzlich eine Auslegung vorgelegt und meint, die Erzählung zeigt, wie aus einer krankhaften Beziehung eine neue Beziehung von zwei erwachsenen Menschen entstanden ist. Jesus gibt der Mutter den Sohn zurück, der aus seiner Identität als Muttersohn auferstanden ist; der nun endlich wagt, er selbst zu sein (A. Grün, „Damit beide leben können“, Christ in der Gegenwart, 68. Jg. vom 05.06.2016, S. 1–2).

Psychologische Bibelinterpretation

Schauen wir uns zunächst an, wie Grün zu dieser Deutung gekommen ist. Ich fasse die wesentlichen Gedanken zusammen.

Auslegen heißt für ihn, „dass wir das eigene Leben mit dem Text in einen Dialog bringen“. Da zum Leben auch Mutter-Sohn-Beziehungen gehören, lässt sich diese Erzählung als Beziehungsgeschichte auslegen. Die Beziehung zwischen der Witwe und ihrem einzigen Sohn ist sehr eng. Dem Sohn wurde es zu eng. Er konnte darin nicht mehr leben und starb schließlich.

Grün lässt offen, wie der Sohn starb. Wir dürfen vermuten, dass er an der überbordenden Beziehung erstickt ist. Dass eine große Menschenmenge ihn auf einer Leichenbahre aus der Stadt trägt, signalisiert: Er wird aus dem mütterlichen Einflussbereich herausgetragen.

Weshalb spricht Jesus dann die harten Worte: „Weine nicht!“ zur Mutter? Jesus will ihr sagen: „Lass deinen Sohn ziehen. Er muss seinen Weg gehen. Schau da sind viele Menschen, die dich begleiten. Du bist nicht allein.“ Jesus sagt dem Sohn: „Das ist nicht der richtige Ort, an dem du bist. Du kannst dich nicht dein Leben lang auf Händen tragen lassen, Ich befehle dir, stehe auf.“

Der Sohn braucht einen männlichen Beistand, um sich aus dem Einflussbereich der Mutter herauszubewegen und sich auf eigene Füße zu stellen. Denn: „Das griechische Wort egerthete kann beides bedeuten: „Steh auf, aber auch: Wach auf! Mach endlich die Augen auf: Du lebst im mütterlichen Bereich wie in einem Schlafzustand“. Weil Jesus dem Sohn wie ein Vater den Rücken stärkt, kommt er mit seiner eigenen Kraft in Berührung und kann sich gegen seine Existenz auf der Bahre auflehnen. Er spürt jetzt, was ihn bewegt und spricht es an.

So gibt Jesus einer Mutter ihren Sohn zurück. Das ist laut Anselm Grün nicht als Regression zu denken. Der Sohn braucht die Wurzel der Mutter. Er kann sie nicht einfach abschneiden, sonst schneidet er sich selbst vom Leben ab. Jetzt hat er jedoch seine neue Identität gefunden. Wir sehen die gesunde Beziehung zweier erwachsener Menschen.

Verführung durchschauen

Warum lohnt es sich, diese phantasievolle Ausdeutung genauer zu betrachten? Ich glaube, wir finden in ihr bei genauer Betrachtung drei typische Bestandteile von Verführung.

In 2. Timotheus 4,3 lesen wir: „Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden, weil es ihnen in den Ohren kitzelt.“ Mit anderen Worten: Menschen wollen das Evangelium nicht mehr hören. Sie laden sich Leute ein, deren Lehren für die Ohren angenehm zu hören sind. Sie wollen hören, was das Wort verdreht und für ihr selbstsüchtiges Sehnen passend macht. Denn, so schreibt Paulus im nächsten Vers (4,4), man will der Wahrheit nicht mehr Gehör zu schenken, sondern sich erfundenen Fabeln (griech. mythous) zuwenden.

Was ist nun das Verführerische dieser Bibelauslegung?

Erstens rechtfertigt Anselm Grün die Auslegung mit dem Hinweis, dass Bibeltexte auf verschiedene Weise ausgelegt werden dürfen. Nun will er damit nicht etwa sagen, dass Bibeltexte unterschiedlich interpretiert werden. Wir wissen alle, dass das so ist. Grün will sagen: Diese Texte wollen unterschiedlich ausgelegt werden und jede einzelne Auslegung hat ihre Berechtigung. Da die Bibeltexte keine objektive Bedeutung haben, stehen unterschiedliche Auslegungsmöglichkeiten gleichberechtigt nebeneinander. Jede Auslegung ist auf ihre eigene Weise wahr.

Das bringt uns zum zweiten Punkt, der sehr eng mit ersten zusammenhängt. Die Wahrheit einer Auslegung wird hergestellt, indem das eigene Leben in ein Gespräch mit dem Bibeltext eintritt. Verstehen wir Bibelauslegung so, erlangen wir eine Geltungsumkehr. Der Bibeltext wird nämlich im Lichte der eigenen Erfahrung gedeutet. Es ist nicht das Wort Gottes, das Licht in unser Leben bringt, sondern es ist umgekehrt: Wir schreiben dem Wort Gottes einen Sinn zu; wir tränken die Bibel in den Farben unserer eigenen Lebenserfahrung. Die Erfahrung bekommt größere Geltung als der Bibeltext. Wir zwingen den Text in die Knie.

Ein beliebter Trick dafür ist die semantische Neubesetzung von Begriffen oder Aussagen. Wir lesen Dinge hinein, die dort gar nicht stehen, etwa hier die viel zu enge Beziehung zwischen Mutter und Sohn oder die Flucht aus dieser Beziehung durch den Tod. Einzelne Wörter kann man schöpferisch mit Bedeutungen belegen, die sie im Kontext ihrer Verwendung gar nicht tragen. Grün klärt uns zum Beispiel darüber auf, dass das griechische Verb lalein ein Sprechen meint, das aus dem Herzen kommt. Deshalb ist dem Text entnehmbar: Der Sohn spricht nach seiner Auferweckung endlich aus, was er in seinem Herzen spürt.

Es lohnt sich, derartige Beteuerungen zu prüfen. Lukas verwendet das Wort lalein fernerhin in Kapitel 22,60. Während Petrus dort redet (griech. lalountos), kräht der Hahn. Das, was Petrus sagt, ist das Gegenteil von dem, was er im Herzen trägt. Er verleugnet die Wahrheit und weiß es. In einem exegetischen Wörterbuch zum Neuen Testament heißt es: „Im NT findet sich [lalein] nur in der Bedeutung sprechen, reden, wobei die Bedeutungsnuance reden können für eine Reihe von Stellen charakteristisch ist“ (EWNT, Bd. 2, Sp. 828). Genau dieses reden können ist in Lukas 7,15 gemeint. Der Sohn lebt, er kann wieder sprechen!

Das bringt uns zu einen dritten Punkt. Das Sinnzentrum der Erzählung wird verschoben. In den Mittelpunkt rückt, was Jesus den Menschen bringt. Jesus schafft die Heilung, ein Wunder, die Auferweckung, die wiederhergestellte Beziehung.

Wo aber liegt das Sinnzentrum dieser Geschichte? Es steht da (Lk 7,16-17): „Alle aber ergriff Furcht; und sie verherrlichten Gott und sprachen: Ein großer Prophet ist unter uns erweckt worden, und Gott hat sein Volk besucht.“

Ein Mensch kann Tote nicht zum Leben erwecken. Es gibt auch im Alten Testament keine Totenauferweckungen aus menschlicher Kraft. So etwas kann nur Gott. Die Menschenmenge, die das Wunder miterlebt, weiß das. Sie lobt Gott, denn er besucht sein Volk. Dieser Jesus ist ein großer Prophet. Dass Jesus nicht nur mit der Autorität Gottes handelt, sondern selbst Gott ist, bleibt ihnen freilich noch verschlossen. Doch genau darum geht es in dieser Geschichte.

Jesus stillt den Durst des Lebens

Leider sind tiefenpsychologische Auslegungen heute in den Predigten öfter zu hören, als wir es uns wünschen können. Sie haben etwas betörend Angenehmes. Sie rücken den Menschen mit seinen Ängsten, Sehnsüchten und unersättlichen Wünschen ins Zentrum. Das tut gut. Das ist es, was unsere Ohren kitzelt.

Doch die Antworten und Lösungen, die uns diese Auslegungen bieten, sind allzu menschlich. Sie helfen nur für den Augenblick.

Wenn wir hören wollen, was Gott zur Not des Menschen sagt, müssen wir genau hinhören, die Texte gründlich studieren und ihnen das Recht einräumen, unser Leben auszudeuten. Was wir dann bekommen, mag manchmal weh tun. Doch es trägt uns zu Christus. Er kann den Durst unseres Lebens stillen und tut das auch. Wer von dem Wasser trinkt, das Jesus gibt, „den wird in Ewigkeit nicht dürsten, es wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt (vgl. Joh 4,13).

Das Bibel-Projekt

Einige Leute haben sich zusammengetan, um das Projekt www.jointhebibleproject.com in deutscher Sprache herauszugeben. Was genau ist das Bibel-Projekt?

Was ist „Das Bibel Projekt“? Die Bibel – das Buch der Bücher. Dieses packende und beeindruckende Buch erzählt von Gottes Rettungsplan für die ganze Welt. Es ist allerdings auch lang und kann manchmal schwer zu verstehen sein. „Das Bibel Projekt“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, die biblischen Erzählungen und Themen in kurzen, kreativen Videos anschaulich zu vermitteln. Die Vision von „Das Bibel Projekt“ ist es, die englischen Videos von „The Bible Project“ auf Deutsch zugänglich zu machen. Diese animierten Videos helfen dir, den Aufbau und Inhalt eines biblischen Buches zu überblicken und besser zu verstehen. Zudem erklärt „Das Bibel Projekt“ wichtige Themen, die für das Verständnis von Gottes Geschichte wichtig sind (z.B. „Himmel und Erde“ und „Königreich Gottes“).

Wer mehr wissen möchte, sollte sich die Internetseite mal anschauen:  www.dasbibelprojekt.de. Das Projekt braucht übrigens noch Unterstützer!

Partner Paper Bibelprojekt A4

John Piper zu 1. Peter 3,8–9

John Piper hilft, 1. Petrus 3,8–9 besser zu verstehen:

Endlich aber seid allesamt gleich gesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig.  Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen ererbt.

Hier:

William Taylor: Die Genugsamkeit Seines Wortes

Im dritten Vortrag der E21-Konferenz 2016 sprach William Taylor über die Genugsamkeit des göttlichen Wortes. Taylor zeigt anhand von Johannes 14,8–21, dass derjenige, der mehr als das biblische Wort Gottes haben möchte, einen schwachen Glauben hat.

Außerbiblische antike Quellen zu Jesus

Es gibt überwältigende Belege dafür, dass das Neue Testament ein genaues und vertrauenswürdiges historisches Dokument ist. Dennoch fällt vielen Menschen das Vertrauen in das Neue Testament schwer, es sei denn, das dort Berichtete wird durch unabhängige, nicht-biblische Zeugnisse bestätigt. Michael Gleghorn stellt in seinem Aufsatz „Ancient Evidence for Jesus from Non-Christian Sources“ bedeutende Quellen vor.

Let’s begin our inquiry with a passage that historian Edwin Yamauchi calls „probably the most important reference to Jesus outside the New Testament.“ Reporting on Emperor Nero’s decision to blame the Christians for the fire that had destroyed Rome in A.D. 64, the Roman historian Tacitus wrote:

„Nero fastened the guilt … on a class hated for their abominations, called Christians by the populace. Christus, from whom the name had its origin, suffered the extreme penalty during the reign of Tiberius at the hands of … Pontius Pilatus, and a most mischievous superstition, thus checked for the moment, again broke out not only in Judaea, the first source of the evil, but even in Rome …“

What can we learn from this ancient (and rather unsympathetic) reference to Jesus and the early Christians? Notice, first, that Tacitus reports Christians derived their name from a historical person called Christus (from the Latin), or Christ. He is said to have „suffered the extreme penalty,“ obviously alluding to the Roman method of execution known as crucifixion. This is said to have occurred during the reign of Tiberius and by the sentence of Pontius Pilatus. This confirms much of what the Gospels tell us about the death of Jesus.

But what are we to make of Tacitus‘ rather enigmatic statement that Christ’s death briefly checked „a most mischievous superstition,“ which subsequently arose not only in Judaea, but also in Rome? One historian suggests that Tacitus is here „bearing indirect … testimony to the conviction of the early church that the Christ who had been crucified had risen from the grave.“ While this interpretation is admittedly speculative, it does help explain the otherwise bizarre occurrence of a rapidly growing religion based on the worship of a man who had been crucified as a criminal. How else might one explain that?

Hier geht es weiter: www.bethinking.org.

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