Historische Theologie

Die reformierte Kirchenordnung in Genf

„Dieser Mann ist, wie du weißt, von tiefer Bildung und reicher Kenntnis verschiedener Wissenszweige, von durchdringendem Geist, großer Belesenheit und er hat viele Tugenden“, schrieb Calvin in einem Brief an einen Freund.  Bucer, der ehemalige Dominikaner, war nach Luther und Melanchthon der bedeutendste Reformator im deutschen Sprachraum. Neben Wittenberg und Zürich hatte er Straßburg, das mit etwa 25.000 Einwohnern zu den größten Städten im Römischen Reich Deutscher Nation gehörte, zum dritten Zentrum der Reformation gemacht.

Nachdem Calvin Genf verlassen musste, hatte Bucer ihn nach Straßburg geholt. Dort betreute Calvin die französischsprachige Gemeinde und wurde für seine Rückkehr nach Genf zugerüstet.

Hier der freilich recht kritische DLF-Bericht über Calvins Zeit in Straßburg und die erneute Berufung nach Genf:

Der „Unterricht in der christlichen Religion“

Seine Institutio machte Johannes Calvin mit einem Schlag berühmt. Bis in die Gegenwart ist sie die wichtigste Gesamtdarstellung der reformierten Lehre geblieben und in zahlreiche Sprachen übersetzt worden. Allerdings fand die Idee des Reformators, Bürger zu einem gemeinsamen Glaubensbekenntnis zu verpflichten, zu seinen Lebzeiten keine Mehrheit.

Hier ein weiterer DLF-Bericht von Rüdiger Achenbach:

Gott findet einen verstockten Intellektuellen

Der spätere Reformator Johannes Calvin erhielt seine Bildung in streng katholischen Einrichtungen. Dann aber kam es zu einer „unmittelbaren Verwandlung“. Aus einem verstockten Intellektuellen wurde ein Nachfolger Jesu Christi.

Hier ein DLF-Beitrag von Rüdiger Achenbach:

Bibelauslegung und -hermeneutik in der Reformationszeit

Plakatbibelhermeneutik2014Im Jahr 2014 wird wieder eine reformationshistorische Tagung an der STH Basel stattfinden. Nach der Calvin-Tagung (2009) und der Tagung „Basel als Zentrum des geistigen Austausches in der frühen Reformationszeit“ (2012) wird es diesmal um das Thema  „Bibelauslegung und -hermeneutik in der Reformationszeit“ gehen. Vorbereitet wird das Ereignis von Johann Anselm Steiger (Hamburg), Christine Christ-von Wedel (Basel) und Sven Grosse, mit Beratung durch Berndt Hamm (Erlangen/Ulm).

Wie gut Anselm Steiger den Stoff kennt, wird an seinem Buch Philologia Sacra: Zur Exegese der Heiligen Schrift im Protestantismus des 16. bis 18. Jahrhunderts deutlich. Sehr gern würde ich den Vortrag von Andreas Beck (ETF Löwen, Belgien) zum Thema „Römerbriefexegese und Prädestinationslehre: Martin Bucer als Exeget“ hören.

Hier der Flyer: EinladungStudientagung2014.pdf. Anmelden kann man sich hier: www.sthbasel.ch.

VD: FL

Calvin und der Tod

Am 27. Mai 1564, also vor 450 Jahren, starb Johannes Calvin. Gern wird der Genfer Reformator als eiskalter Despot dargestellt. Das aber trifft sicher nicht zu. Calvin konnte hart sein und neigte, besonders wenn er gesundheitlich angeschlagen war, zum Jähzorn. Aber eigentlich war er ein zart besaiteter Gelehrter, dem die Politik eher schwer fiel. Kurz vor seinem Tod sagte er: „Ich habe inmitten von viel Streit gelebt. Abends wurde ich aus Spott mit 50 bis 60 Büchsenschüssen begrüßt. Was glaubt ihr, wie sehr mich das verängstigt hat, mich armen, schüchternen Gelehrten, so wie ich bin und so wie ich immer gewesen bin, was ich ehrlich zugebe?“ Calvin hatte viele Feinde. Als er einmal durch Genf ging, hetzte jemand die Hunde auf ihn und rief: „Packt ihn, packt ihn!“

Ich möchte nachfolgend zwei Belege für seine „weichen Seiten“ anbringen. Hermann Selderhuis schreibt (Johannes Calvin, 2009, S. 301):

Die Vorstellung, Calvinisten seien Menschen, die angesichts des Todes keine Emotionen zeigen und ihre Liebsten begraben, ohne eine Träne zu vergießen, um so zu demonstrieren, dass sie alles aus Gottes väterlicher Hand empfangen, ist jedenfalls nicht durch Calvin entstanden. Sicher, es war für ihn ein Trost, »dass selbst der Tod für einen Christenmenschen nicht unglücklich sein kann« (CO 6, 631). Zugleich sind seine Briefe jedoch voller Tränen über Menschen, die ihm nah gestanden hatten und die gestorben waren. Für Calvin stand die Trauer darüber nicht im Konflikt mit seiner Auffassung, dass Gott alles lenke. Als er von der Verfolgung der Waldenser hörte, schrieb er Farel: »Ich schreibe unter Tränen und erschöpft vor Trauer muss ich plötzlich so heulen, dass ich mit dem Schreiben aufhören muss« (CO 12, 76). Und als sein Freund Guillaume de Trie, der Herr von Varennes, gestorben war, wurde Calvin vor lauter Trauer krank. »Ich muss diesen Brief aus meinem Bett heraus diktieren, denn mein lieber Varennes wurde mir genommen« (CO 18, 6491).

Als Calvin im Sterben lag, war es ihm ein großes Anliegen, Vergebung für seine Schwächen zu erbitten (Johannes Calvin, 2009, S. 304–305):

Am 2. Februar 1564, einem Mittwoch, hielt Calvin seine letzte Vorlesung über einen Abschnitt aus dem Buch Ezechiel. Am darauf folgenden Sonntag hielt er seine letzte Predigt, zu der man ihn auf einem Bett zur Kanzel bringen musste. Zu Ostern, am zweiten April, trug man ihn noch einmal zur Kirche, um mit ihm ein letztes Mal das Abendmahl zu feiern. Danach machte er sein Sterbebett zur Kanzel, als er zuerst am 27. April den Kleinen Rat und dann am 28. April das Konsistorium zu einem letzten Gespräch einlud. Den Tod vor Augen, wollte er die Politiker und Amtsträger Genfs noch ein letztes Mal sehen und vor allem noch einmal mit ihnen reden. Und das tat er im Stil der Erzväter, jedoch ohne seine Sterbensworte zu inszenieren. Calvin war Advokat und kein Schauspieler, deshalb sprach er nicht dramatisch, sondern sachlich und pastoral. Er machte sich die Tatsache zunutze, dass er nicht plötzlich starb und dass er bis in seine letzten Tage bei klarem Verstand blieb, um noch einmal ein Zeugnis zu geben. So arbeitete er bis zu seinem letzten Atemzug. In beiden Gesprächen bat Calvin um Vergebung für seine Schwächen. Und man verzieh ihm auch. Beza schrieb, dass Calvins Krankheit diesen am Ende seines Lebens verdrießlich gemacht habe, und auch, dass Calvin dadurch manchmal ein schwieriger Umgang gewesen sei. Seiner Meinung nach habe Gott jedoch auch das zum Guten benutzt. Auch Colladon schrieb Calvins Jähzorn der göttlichen Vorsehung zu, da Gott von diesem Makel Calvins doch Gebrauch habe machen können. Calvin sprach ganz offen über seine Fehler. Seiner Meinung nach machte es auch wenig Sinn, diese zu verschweigen, da Gott und die Engel ohnehin darum wussten (CO 9, 890). Während seiner Anwesenheit in Genf, so Calvin, habe es viele Diskussionen und viel Streit gegeben und das sei nicht die Schuld der Ratsmitglieder gewesen, sondern vor allem seine eigene.

Grundlagentext der EKD: Rechtfertigung und Freiheit

2014 rechtfertigung und freiheit2017 jährt sich der Wittenberger Thesenanschlag Martin Luthers zum 500. Mal. Drei Jahre zuvor veröffentlicht die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) erstmals einen Grundlagentext zum Reformationsjubiläum.

Der EKD-Text mit dem Titel „Rechtfertigung und Freiheit. 500 Jahre Reformation 2017“ wurde von einer ad-hoc-Kommission des Rates der EKD unter Vorsitz von Prof. Dr. Christoph Markschies erarbeitet. Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider hob anlässlich der Vorstellung des Textes in Berlin hervor: „Wesentliche theologische Einsichten der Reformationszeit im aktuellen Kontext zu erläutern, ist Anliegen des Grundlagentextes. Denn als offene Lerngeschichte bleibt die Reformation Gestaltungsaufgabe für jede Generation.“

Ich verweise hier kommentarlos auf den Text: 2014_rechtfertigung_und_freiheit.pdf.

Ashley Null: Die Rechtfertigungslehre der Reformatoren

Dr. Ashley Null

Die „Rechtfertigung“ oder „Glaubensgerechtigkeit“ ist ein zentraler Begriff der christlichen Gnadenlehre. Sie fragt danach, was geschehen muss, damit das Verhältnis zwischen Gott und Mensch, das durch die Sünde des Menschen gestört ist, wieder geheilt werden kann. Welche Rolle spielen dabei Glaube und Werke?

In einer Vorlesung Ende Mai am Martin Bucer Seminar in München wird Dr. Ashley Null die Entwicklung der protestantischen Rechtfertigungslehre auf dem Hintergrund der scholastischen Theologie beleuchten. Ashley Null lehrt an der Humboldt-Universität zu Berlin (Lehrstuhl für Kirchengeschichte mit Schwerpunkt Mittlere und Neuere Kirchengeschichte sowie Reformationsgeschichte) und ist einer der führenden Experten für Thomas Cranmer (1489–1556).

Weitere Informationen hier: AshleyNull.pdf. Wer Interesse hat, kann sich gern formlos als Gasthörer anmelden. Weitere Informationen dazu hier: www.bucer.de/muenchen.html.

Luther kann nichts für die Nazi-Verbrechen

Alan Posener hat kürzlich in einer Polemik Martin Luther eine Mitverantwortung für die Ausbreitung von Judenhass und Hexenwahn zugeschrieben, ja sogar in Luther denjenigen gefunden, der das antisemitische Aktionsprogramm der Nazis entwickelt hat. Annette Weidas hat die trüben Argumente Poseners unter die Lupe genommen:

In der „Welt“ vom 31. März schrieb Alan Posener wider Luther. Das zu tun steht jedem frei. Nur fragt sich, warum er es in so tendenziös verzeichnender Weise tut, bar jedes historischen Verständnisses für die Denk- und Handlungszusammenhänge eines Menschen, der 500 Jahre vor uns gelebt hat. Mit Aufklärung kann das nichts zu tun haben, denn die wurde geboren aus der Einsicht in die Notwendigkeit historisch-kritischer Betrachtung von (biblischen) Texten.

Zudem reißt Posener einzelne Äußerungen Luthers selbst aus ihrem damaligen Gesamtzusammenhang, was selbst ohne historischen Abstand zu grobem Missverständnis führen müsste. Er folgt hier einem für seine einseitige Interpretation vielfach kritisierten Amerikaner namens Richard Marius (1933–1999), einem ehemaligen Baptisten, der als junger Mann seinen Glauben verlor. Vollständig ignoriert hingegen wird von Posener die Fülle der seriösen Literatur über Luther.

Hier die Antwort von Annette Weidas: www.welt.de.

Journal for Early Modern Christianity

Es gibt ein neues Journal zur Erforschung des  frühneuzeitlichen Christentums. Es erscheint zweimal im Jahr.

Der Verlag De Gruyter schreibt:

ModernChristianity

Das Journal for Early Modern Christianity (JEMC) wird in Zusammenarbeit mit unserem Partner Refo500 und dessen akademischer Abteilung RefoRC herausgegeben. Es widmet sich der interdisziplinären, interkonfessionellen und vergleichenden Forschung über das frühneuzeitliche Christentum.

Die disziplinäre Bandbreite der Beiträge erstreckt sich von Kirchengeschichte über Kultur- und Sozialgeschichte, Kunst- und Literaturgeschichte, Ideengeschichte, Musikgeschichte bis hin zur Archäologie. Dabei werden nicht nur die großen konfessionellen Gruppen des frühneuzeitlichen Christentums in den Blick genommen, sondern auch christliche Minderheiten sowie Gruppierungen, die von den etablierten Konfessionen nicht anerkannt wurden. Auch das Verhältnis vom Christentum zu anderen Religionen, wie beispielsweise Judentum und Islam, wird in einzelnen Beiträgen beleuchtet.

Die komparative Dimension des JEMC zielt sowohl auf vergleichende Studien zu verschiedenen konfessionellen Gruppen ab, als auch auf eine Erweiterung des lokalen und nationalen Fokus hin zu einem transregionalen beziehungsweise globalen Forschungsansatz. Der zeitliche Rahmen umfasst dabei die Periode zwischen 1450 und 1650.

Alle Partner und affilierte Personen von Refo500 erhalten bei einer Bestellung über die De Gruyter Website 30% Rabatt auf den Individual- bzw. den Institutionenpreis.

Die Teilnahmegebühr für die RefoRC Konferenz in Bologna im Mai 2014 beinhaltet das JEMC-Jahresabonnement für die Jahrgänge 2014 und 2015 (vier Ausgaben).

Verlagsseite: www.degruyter.com.

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