Historische Theologie

Augustinus: Vater der abendländischen Theologie (Teil 4 – Schluss)

Seit der Zeit des Kaisers Augustus war Rom die ewige Stadt. Als religiöses und politisches Zentrum des Reiches galt Rom als unbesiegbar. Inzwischen war die offizielle Politik im Römischen Reich christlich geprägt und viele Christen glaubten, Rom sei ein bleibende Stadt. Rom war für sie die Stadt mit den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus und religiöses Zentrum der Christenheit. Für die christlichen »Reichstheologen« waren das Römische Reich und das Christentum damit zwei Seiten einer Medaille.

Von hier aus wird Unruhe verständlich, die nach dem Fall von Rom auf christlicher Seite aufkam. Musste der Sturz Roms nicht auch den Untergang des Römischen Reiches und zwangsläufig auch das Ende der Reichskirche mit sich bringen? Als Hieronymus und andere Kirchenlehrer jetzt klagten, dass die Welt ihrem Ende zugehe, ergriff Augustinus öffentlich das Wort:

Schaut her, sagen sie, Rom fällt, und es fällt auch das Christentum. Aber bei der christlichen Religion geht es doch nicht um den Zustand einer Stadt. Es geht dabei doch nicht um Steine und Holz oder schöne Gebäude und Mauern. Das, was der Mensch baut, zerstört er auch. Das ist nichts Neues.

Hier der letzte Teil der DLF-Reihe über den Kirchenvater Aurelius Augustinus:

Augustinus: Vater der abendländischen Theologie (Teil 3)

»Diener Gottes« nannte man die klosterähnliche Lebensgemeinschaft, die Augustinus nach seiner Rückkehr nach Nordafrika auf dem Familienbesitz in Tagaste gegründet hatte. Er lebte dort zusammen mit seinen Freunden. Sein Sohn war bereits im Jahr 390 im Alter von 18 Jahren verstorben. Monnica, seine Mutter, hatte diese Entwicklung ihres Sohnes nicht mehr miterlebt. Sie war schon 388 während der Rückreise nach Nordafrika überraschend in Italien gestorben. Auch wenn Augustinus kurz nach seiner Priesterweihe offiziell zum Mitbischof in Hippo eingesetzt worden war, gab er sein klösterliches Leben nicht auf. Ein konsequent klösterliches Leben war für Augustinus allerdings nicht denkbar. Ohne, das er es wollte, musste er sich in die Kirchenpolitik einmischen.

Hier der dritte Teil der DLF-Serie:

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Augustinus: Vater der abendländischen Theologie (Teil 2)

Im Herbst 384 trat Augustinus in Mailand seine Stelle als Rhetoriker an. Er hatte inzwischen seine Lebensgefährtin und seinen Sohn nach Mailand nachkommen lassen, um nun mit ihnen in der neuen Umgebung zusammenzuleben. Allerdings hatte Augustinus die Rechnung ohne seine Mutter Monnica gemacht. Sobald sie von dem Umzug ihres Sohnes erfahren hatte, reiste auch sie ihm von Nordafrika nach Mailand nach. Sie wollte sich nicht damit zufrieden geben, dass Augustinus sich ihrem Einfluss entzogen hatte.

Hier Teil 2 der DLF-Reihe über Augustinus, die seine Karriere am kaiserlichen Hof von Mailand in den Mittelpunkt stellt:

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Augustinus: Vater der abendländischen Theologie (Teil 1)

220px-Langenzenn_Stadtkirche_-_Marienaltar_7a.jpgDer DLF hatte für die Jahreswende 2007/2008 eine vierteilige Reihe über Aurelius Augustinus produziert. Der erste Teil der Reihe, die von dem Kirchenhistoriker Rüdiger Achenbach verantwortet wird, ist Augustinus‘ Studium der Rhetorik und seiner Suche nach Weisheit gewidmet.

Hier:

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Liturgische Musik im Umbruch

Getreu dem Pauluswort »das Weib schweige in der Gemeinde« gab es in der Katholischen Kirche keine Kirchenmusik mit Frauenstimmen, obgleich natürlich die Soprane besetzt werden mussten. Dafür gab es Kastraten und Knaben.

Hier ein insgesamt sehr informativer Beitrag des DLF über die katholische Kirchenmusik (30 Minuten):

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Der zeitlose Kohlbrügge

Der Biograph H.K. Hesse schreibt über Hermann Friedrich Kohlbrügge (Hermann Klugkist Hesse, Hermann Friedrich Kohlbrügge, Barmen 1935, S. 384f., zitiert nach Helmut Thielicke, Der Evangelische Glaube, Bd. 1, S. 20):

Es ist merkwürdig, wie wenig die »Zeit« ihr Echo bei diesem Mann gefunden hat. Welch einen glänzenden Aufschwung nahm in seinen Zeiten die Wirtschaft! Man denke an die umwälzenden Wirkungen des Eisenbahnnetzes in Deutschland, der Dampfschiffahrt …, an den Höhenflug der Naturwissenschaft …, der Technik und ihrer Fortschritte, die unerhörtes Gelingen versprachen. Man erwäge, wie die soziale Bewegung in Kohlbrügges Zeit fiel … Das alles hat ihn kaum berührt. Nicht weil er ein unlebendiger, wenig aufgeschlossener Mensch gewesen wäre, sondern trotzdem er eine Harfe mit vielen Saiten in seinem Herzen trug. Sie kamen nicht in Bewegung. Er … ging in seinen Predigten an der Kultur, auch an der Kultur des Protestantismus, vorüber, als ginge sie ihn nichts an … Er hatte das Wort zu künden.

1500 Jahre altes Taufbecken in Hagia Sophia präsentiert

Zum Abschluss ihres Jahres als Europäische Kulturhauptstadt präsentierte die türkische Metropole Istanbul vergangene Woche ein gewaltiges Marmorbecken, das nach mehr als einem halben Jahrtausend wieder ans Tageslicht geholt und restauriert wurde. Erstmals seit der Eroberung von Konstantinopel durch die Osmanen ist damit das Taufbecken der Basilika Hagia Sophiaim heutigen Istanbul, wieder zu sehen. Bevor die Basilika als Moschee eingerichtet wurde, war sie Hauptkirche des Byzantinischen Reiches.

Hier eine kurzer DLF-Bericht dazu:

[podcast]http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2010/12/20/dlf_20101220_0942_689ea460.mp3[/podcast]

Ausserdem eine Meldung vom Tagesspiegel: www.tagesspiegel.de.

Ken Wilbers »I’mness«

Ken Wilber ist nicht nur ein großer Guru innerhalb der Szene für Integrale Religiosität, sondern auch Impulsgeber für die Emerging Church-Bewegung. Brian McLaren empfiehlt seine Bücher. Rob Bell, Hauptredner auf dem Willow Creek JUGENDPLUS-KONGRESS im Mai 2011, überschlägt sich mit Lob für Wilbers Buch Eine kurze Geschichte des Kosmos (Velvet Elvis, S. 192, Endnote 143):

For a mind-blowing introduction to emergence theory and divine creativity, set aside three months and read Ken Wilber’s A Brief History of Everything.

Wer gern einen Blick auf Wilbers Theorie des »Ich bin« werfen möchte, kann sich diesen Vortragsmitschnitt anschauen:




Sehr interessant finde ich einen Beitrag von Frank Visser über das Universum von Ken Wilber. Visser steht von der Tradition von Wilber und schrieb sogar eine Biografie über ihn. Der Theosoph hat sich aber inzwischen von Wilber distanziert und vertritt einen selbstkritischeren Ansatz der integralen Spiritualität. Warum? Er erklärt es in diesem Video:

Grenzgänger der Liebe: Karl Barth und Paul Tillich

Dogmatik und Ethik gelten als Geschwister. Wer ein hochgelehrter Theologe ist, muss aber noch lange nicht üblichen Konventionen genügen. Zwei prominente Theologen des 20. Jahrhunderts, Karl Barth und Paul Tillich, waren verheiratet, fühlten sich aber gleichzeitig von anderen anderen Frauen angezogen. Sie lebten mit diesen mehr oder weniger offen auch in Beziehungen. Ein Widerspruch zu ihrem theologischen Leben und Denken? Sie waren bemüht, auch diesen Bereich ihres Lebens theologisch zu begründen.

Hier geht es zu der Bayern 2-Radiosendung »Grenzgänger der Liebe« von Claudia Christophersen:

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Das Manuskript zur Sendung gibt es hier: BR-online-Publikation-ab-01-2010–186892-20100813100136.pdf.

VD: HB

Die Bedeutung der Inspiration für die Autorität der Schrift bei Calvin

Shin Hye Yang hat an der Humboldt Universität zu Berlin über das Thema: »Die Bedeutung der Inspiration für die Autorität der Schrift bei Calvin« promoviert (Anlass gaben Kontroversen in der süd-koreanischen presbyterianischen Kirche). Shin Hye Yang widerspricht in seiner Arbeit B.B. Warfield, J.I. Packer, R. Nicole und vielen anderen, die davon ausgehen, dass Calvin an eine wörtliche Inspiration der biblischen Schriften glaubte.

Die Überprüfung der Argumente, die in der Forschung zum Beweis von Calvins Überzeugung von der inspirierten Unfehlbarkeit des Textes der Schrift vorgebracht werden, hat ergeben, dass die Belege, die herangezogen werden, diese Argumente nicht tragen.

1) Calvins Reden vom dictare des Heiligen Geistes und von den biblischen Verfassern als Werkzeugen, Sekretären oder Schreibern dieses Geistes legt den Ton darauf, dass der allem menschlichen Zeugnis vorangehende Gott der Urheber der Schrift ist. Die Autorität der Schrift stammt von ihm, indem er durch seinen Geist Menschen antreibt, seinem Willen entsprechend das von ihm Empfangene aufzuschreiben. Er fordert dabei den Gehorsam von Menschen als von ihm Beauftragten und sorgt durch seine Vorsehung dafür, dass sie seiner Herrschaft und ihrem Ziel dienen. Es ist aber nicht erkennbar, dass Gott im Sinne Calvins damit den Buchstaben und Wörtern, welche diese Beauftragten verwenden, eine ihnen immanente göttliche Qualität verleiht. Auch daraus, dass das dictare die Aufforderung an die biblischen Verfasser impliziert, nichts Eigenes hinzuzufügen, ist nicht mit W. Krusche zu folgern, dass die Inspiration auch die Form der Schrift betrifft.

2) Wie ich unter 3.2. schon summiert habe, leitet die Unterscheidung zwischen einem inspirierten unfehlbaren Urtext der Bibel und fehlerhaften Abschriften Calvins Umgang mit Fehlern und Versehen in vorliegenden Texten nicht.

3) In der Bibel berichtete Wunder und Weissagungen sowie die Überlieferungsgeschichte der Heiligen Schrift unterstützen nach Calvin die Glaubwürdigkeit und die Autorität der Schrift. Sie unterstreichen das ungewöhnliche und unbegreifbare Handeln Gottes, von dem die Texte berichten, verleihen der schriftlichen Form, in der das geschieht, aber keinen göttlichen Charakter. Dennoch gehören sie zur Verwirklichung des Heilswillens Gottes, für den Gott mit seiner allmächtigen Vorsehung sorgt, indem er Menschen für das Aufschreiben seines Handelns und das Überliefern der Schriften durch seinen Geist in Anspruch nimmt. Diese Schriften gehören darum in den dynamischen Prozess hinein, in dem Gott die Geschichte der erwählten Menschheit zu ihrem eschatologischen Ziel führt.

Obwohl mich Shin Hye Yang mit seiner These nicht überzeugt, bietet die Dissertation eine Menge Quellenmaterial und »Denkstoff«. Ich hoffe, dass sich bald jemand intensiv mit dem Ertrag auseinandersetzt und (vielleicht sogar) eine Antwort formuliert.

Die Dissertation kann hier heruntergeladen werden: yang.pdf.

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