Theologie

Erste offizielle Logos-Schulung auf deutschem Boden

Wir freuen uns, dass die erste offizielle Logos-Schulung auf deutschem Boden im MBS-Studienzentrum München stattfindet wird. Die Bibelsoftware Logos gehört weltweit zu den Marktführern und bietet seit einigen Jahren hervorragende deutschsprachige Ressourcen an (mehr Informationen unter: de.logos.com).

Die Veranstaltung am 1. Dezember 2018 wird mit einer Vorstellung der neuen Version Logos 8 beginnen. Im Anschluss arbeiten wir uns durch die wichtigsten Funktionen des Programms. Dabei soll es nicht nur darum gehen, wie man bestimmte Funktionen benutzt. Es gibt die Möglichkeit, Fragen zum Programm und einzelnen Produkten zu stellen.

Die Schulung hält Benjamin Misja, der seit acht Jahren privat und beruflich mit Logos arbeitet und seit zwei Jahren als Produktspezialist für den Entwickler in den USA tätig ist.

Das Treffen beginnt um 10.00 Uhr und geht bis ca. 16.30 Uhr. Im Anschluss wird es eine kleine Adventsfeier geben, da dies 2018 die letzte offizielle Veranstaltung im Studienzentrum ist. Im Rahmen der Feier wird die Familie Graber aus den USA eingesegnet. Ben Graber lebt mit seiner Frau und den Kindern seit einigen Wochen in München und wird am Studienzentrum München mitarbeiten.

Gern dürfen Gäste und Bekannte zur Veranstaltung einladen und mitgebracht werden! Der elektronischen Flyer unten darf verteilt werden. Für Gasthörer und Gäste ist diese Schulung kostenlos!

Wir sind dankbar, wenn sich Gäste formlos per E-Mail anmelden unter: muenchen@bucer.de.

Flyer: flyer_Logos_a.pdf. Artikel zur Vorgängerversion Logos 7: Logos7.pdf.

Logos 8 ist da!

Seit einigen Tagen gibt es die Bibel-Software Logos in der Version 8. Ich habe das Paket inzwischen installiert und bin über etliche Neuerungen hocherfreut. Sofort ist mir die überarbeitete Benutzeroberfläche ins Auge gefallen. Sie ist jetzt übersichtlicher gestaltet. Vor allem aber fiel mir auf, dass die Software jetzt flüssiger arbeitet. Suchanfragen und – was mich persönlich sehr freut – Anmerkungen, werden spürbar schneller verarbeitet. Das Notizen-Modul wurde sogar komplett revidiert, so dass die Anmerkungen jetzt kategorisiert ausgegeben werden. Durch übersichtliche Filter lassen sich Notizen so einfacher organisieren und auswerten (das gilt auch für die mobilen Versionen).

Hinzugekommen sind unter anderem sogenannte Leinwände. Damit lassen sich Bibeltexte visuell aufbereiten und analysieren. Nutzer können Begriffe oder Satzglieder einkreisen, markieren, unterstreichen – verbinden usw.

Dankbar bin ich über weitere deutschsprachige Ressourcen, die auch innerhalb von „Paketen“ erworben werden können. Ich nenne mal ein paar Werke, die bereits vorliegen oder bald zur Verfügung stehen werden:

  • Wörterbuch zum Neuen Testament. Griechisch-deutsches Wörterbuch zu den Schriften des Neuen Testaments und der frühchristlichen Literatur (Bauer-Aland);
  • Historisch Theologische Auslegung (HTA) (13 Bände);
  • Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament (EWNT) (Balz-Schneider);
  • Theologisches Handwörterbuch zum Alten Testament (THAT) (Jenni-Westermann) (2 Bde.);
  • W. Grudem: Biblische Dogmatik;
  • K. Scherer, W. Bühlmann: Sprachliche Stilfiguren der Bibel.

Mehr Informationen zur neuen Version und den Ressourcen gibt es hier: de.logos.com.

Erst in den nächsten Monaten werde ich wohl dazu kommen, mir neue Funktionen genauer anzuschauen. Von daher zunächst einfach ein paar selbsterklärende Screenshots:

 

 

 

 

 

Aufruf an evangelische Christen

Das Netzwerk Bibel und Bekenntnis hat am 3. November 2018 einstimmig einen Aufruf beschlossen. Hier der Wortlaut:

Aufruf an evangelische Christen

Jesus Christus spricht: „Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen.“ (Matthäus 24,35) Auf diese Zusage vertrauen wir und wollen dem dreieinigen Gott allein die Ehre geben. Zugleich belasten uns schwere Fehlentscheidungen von Synoden und Kirchenleitungen der evangelischen Kirchen in den letzten Jahren und veranlassen uns erneut, an alle Christen, insbesondere an Gemeindeleitungen, Pfarrer, Pastoren, Verantwortliche in christlichen Werken und Verbänden zu appellieren. In den evangelischen Kirchen werden die Grundlagen des Glaubens zunehmend demontiert.

In Frage gestellt wird insbesondere:

  • die Autorität der Bibel als Wort Gottes und höchste Norm für Glauben, Leben und Lehre,
  • dass Jesus Christus der einzige Weg zum Heil ist und das Evangelium darum allen Menschen verkündet werden muss,
  • dass Gott durch den stellvertretenden Tod Jesu am Kreuz und durch seine Auferweckung die Welt mit sich versöhnt hat und uns bittet, die Versöhnung im Glauben persönlich zu ergreifen,
  • dass zur Offenbarung Gottes die Gottebenbildlichkeit des Menschen und die Polarität und Gemeinschaft von Mann und Frau gehören,
  • dass die Gebote Gottes auch heute die gültigen Maßstäbe für das Leben der Christen und der Gemeinden sind.

Deshalb rufen wir zum Widerspruch und zum mutigen Bekenntnis auf. Wir müssen nicht resignieren. Der Herr Jesus Christus ist für uns am Kreuz gestorben und auferstanden. Er lebt und wirkt. Er wird in Herrlichkeit wiederkommen. Durch ihn allein werden wir aus der Macht der Sünde und der ewigen Verdammnis gerettet und haben Frieden mit Gott. Wir sind nicht allein. Wir können uns in den Gemeinden gegenseitig ermutigen und ermahnen, die Bibel als Wort Gottes anzuerkennen, an dem sich unser Glaube, unser Leben und alle christliche Lehre zu orientieren haben. Aus Liebe und Dankbarkeit folgen wir Jesus Christus nach, leben aus der Vergebung der Sünden und wollen die Gebote Gottes halten.

  1. Wir bitten alle Christen eindringlich: Bekennt euch in Kirche und Gesellschaft dazu, dass die Bibel Gottes Wort ist, völlig zuverlässig und darum Maßstab für Glauben, Leben und Lehre! Vertraut Gottes Zusagen und gehorcht seinen Geboten!
  2. Wir bitten Pfarrer, Pastoren und Gemeindeleitungen eindringlich: Setzt euch dafür ein, dass in den Gemeinden die Autorität der Bibel als Wort Gottes anerkannt wird und dass in den heute kontroversen Fragen biblische Positionen gelehrt werden! Erklärt öffentlich, dass ihr keine Segnung oder Trauung gleichgeschlechtlicher Paare durchführen werdet.
  3. Wir bitten ehrenamtliche und hauptamtliche Leiter von christlichen Verbänden und Werken eindringlich: Bekennt euch durch öffentliche Stellungnahmen zur Autorität der Bibel als Wort Gottes und in den heute kontroversen Fragen zu biblischen Positionen! Nehmt so eure Leitungsaufgabe wahr und gebt nach innen und außen Orientierung!
  4. Wir bitten alle Verantwortlichen in Kirchen, Gemeinden, Gemeinschaften, Verbänden und Werken, die sich zur Autorität der Bibel als Wort Gottes bekennen und in den heute kontroversen Fragen öffentlich biblische Positionen beziehen, eindringlich: Verbindet euch lokal, regional und überregional in geeigneten Organisationsformen, um euch gegenseitig zu unterstützen, die Gemeinden zu stärken und gegenüber Kirchenleitungen sowie in der Gesellschaft gemeinsam Stellung zu beziehen! Fördert die einladende Verkündigung des Evangeliums durch alle Formen der persönlichen und öffentlichen Evangelisation!

Wir wollen uns gegenseitig in der öffentlichen Auseinandersetzung stärken. Zu verschiedenen Zeiten sind öffentliche Stellungnahmen zu unterschiedlichen Themen nötig. Nachdem der Staat und viele Kirchenleitungen gleichgeschlechtliche Partnerschaften als Ehe anerkannt haben, halten wir es heute für notwendig, dass Gemeindeleitungen öffentlich erklären, dass sie gleichgeschlechtliche Partnerschaften trotzdem nicht segnen oder trauen werden, weil sie dem Wort Gottes vertrauen und gehorchen.

Wir schätzen die Freiheit, die wir in unserem Land haben. Wir bitten Gott und arbeiten dafür, dass diese Freiheit erhalten bleibt. Allerdings hat Jesus seinen Nachfolgern nicht versprochen, dass sie ihren Glauben immer unter komfortablen Rahmenbedingungen leben können. Wenn uns die Freiheit nicht mehr zugestanden wird, wollen wir trotzdem Gott mehr gehorchen als den Menschen. (Apostelgeschichte 5,29) Jesus Christus hat uns zugesagt: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matthäus 28,20). Darauf verlassen wir uns. Soli Deo Gloria!

Eine praktische Lektion in der Dämonenkunde

Eowyn Stoddard berichtet über Erfahrungen mit der finsteren Welt:

Nach wenigen Monaten auf „unserem“ Missionsfeld – einer postkommunistischen, toten, atheistischen Region – waren meine Familie und ich geschockt. Nein, kein Kulturschock, obwohl es davon einiges gab. Es war der Schock, dämonischen Kräften zu begegnen, die über unser Verstehen hinausgingen.

Zahlreiche seltsame Dinge waren passiert: Urin war literweise in unseren Kinderwagen gegossen worden, Blut war an unsere Wohnungstür geschmiert worden, ein kleines Loch war in die Vordertür gebohrt worden, was auf einen geplanten Einbruch hindeutete (das Loch wurde benutzt, um eine kleine Kamera einzuführen), viel Krankheit, wenig Schlaf für alle von uns und sogar das Gefühl einer bösen Gegenwart in unserem Schlafzimmer.

Zuerst dachten wir, dass wir nur fantasieren, aber der schaurige Höhepunkt waren die Alpträume, die unseren zweijährigen Sohn plagten.

Mehr hier: www.evangelium21.net.

Kleider machen Leute

Bei Birgit Kelle ist im neuesten Newsletter zu lesen, dass gut erzogene und anständig gekleidete Kinder heute im Verdacht stehen, eine braune Gesinnung zu haben. Sie hat eine Broschüre der Amadeu Antonio Stiftung studiert und dabei herausgefunden:

Denunzieren ist ab sofort leicht gemacht! Am besten man legt die Nummer vom örtlichen Jugendamt gleich schon mal raus. Ob die Kleinen verdächtige Nazi-Kinder sind, lässt sich nämlich ganz leicht feststellen: Diese Kinder sind nämlich in der Regel laut Broschüre gut erzogen, anständig gekleidet und halten Sie sich fest: Ganz oft sind das blonde Mädchen mit Zöpfen! Ich hab vor lauter Schreck heute morgen sofort meiner blauäugigen, blonden Tochter die gekämmten Haare nochmal verwuschelt und die Zöpfe wieder aufgemacht, nicht dass wir unter Verdacht geraten. In perfider Weise werden zudem Rechtsextremismus mit der Ablehnung von „Sexualpädagogik der Vielfalt“ in einem braunen Topf in der Spielecke zusammengerührt, damit am Ende argumentativ behauptet werden kann, Eltern, die Diversity Programme und Sexualkundeprojekte für Kinder zwischen 3 und 6 Jahren ablehnen, seien eben rechtsextrem, rassistisch und nicht etwa vernünftig.

Da haben wir sie wieder, die besorgten Eltern, die nicht etwa ihr Erziehungsrecht wahrnehmen wollen, sondern sich, man lese und staune, scheinheilig auch noch gerne freiwillig in die Elternarbeit einbringen. Also ganz verdächtig sind nicht nur anständig erzogene Kinder mit blonden Zöpfen, sondern auch noch Eltern mit Engagement und auch jene, die die Unterweisung in Geschlechtergerechtigkeit für das falsche Thema im Kindergarten halten.

Ich habe mir die von der Bundesministerin für Familie herzlichst empfohlene Broschüre angeschaut und bin wirklich erschrocken. Zu lesen ist da etwa:

Das Erlernen einer demokratischen Haltung, z.B. vermittelt durch Methoden der Vielfaltspädagogik, ist zentral, um Diskriminierung aufgrund des Geschlechts oder sexuellen Orientierung zu verhindern und um inter- und transgeschlechtliche Kinder zu empowern. Zudem ist für viele Kinder das Aufwachsen in Regenbogenfamilien gelebte Realität und sollte damit auch gelebte Normalität in der Kita sein. Rechtspopulistische, neurechte oder religiös-fundamentalistische Gruppierungen hetzen gegen die Vermittlung von Vielfalt mit diffamierenden Wörtern wie »Genderismus«, »Genderwahn« oder eben »Frühsexualisierung«. Gemeint ist eine angebliche »Umerziehung unserer Kinder«, die dann nicht mehr »richtige« Mädchen oder Jungen sein dürften. Verbunden sind damit antifeministische, aber auch homo-, inter- und trans*feindliche Positionen. Und die sind hochgradig anschlussfähig an die gesellschaftliche Mitte: Gender-Themen sind eine wichtige Klammer im rechtspopulistischen Spektrum und eignen sich für emotionale Debatten – gerade mit Bezug auf Kinder. Diese Themen sind aktuell sehr relevant. Für die Praxis bedeutet das, eine geschlechterreflektierende Perspektive zu stärken, sich eine gemeinsame Haltung zu erarbeiten und auf entsprechende Vorwürfe, die nicht selten durch Elterninitiativen vorgebracht werden, fachlich professionell zu reagieren.

Das muss man sich mal vorstellen. Da wird jemandem, der die „Vielfaltspädagogik“ kritisiert, einfach eine undemokratische Haltung zugeschrieben. Das ist schon historisch völliger Unsinn, da es demokratische Haltungen schon gab, als noch niemand an den „Genderismus“ dachte. War Dietrich Bonhoeffer mit seiner Wertschätzung der traditionellen Familie und Abtreibungskritik ein Antidemokrat? Wird nicht vielmehr umgekehrt ein Schuh draus? Die Vielfaltspädagogen wollen sich gegen Kritik immunisieren, indem sie ihre Rezensenten in die braune Ecke stellen! Gehen der „Sexualpädagogik der Vielfalt“ die sachlichen Argumente aus?

Verräterisch übrigens auch der Rekurs auf die sogenannten Kinderrechte:

Ein sinnvolles pädagogisches Angebot für Kinder generell, insbesondere aber für Kinder, die in autoritären, disziplinierenden Kontexten aufwachsen, können Angebote der Primärprävention sein – z.B. Ansätze der Vielfalt- und Demokratiepädagogik sowie Projekte zu Kinderrechten. Grundsätzlich hilfreich ist es, das pädagogische Konzept der Einrichtung zu überdenken und ggf. dahingehend zu ergänzen. So ist es wichtig, auf eine Vielfalt der Zugehörigkeiten zu achten – sowohl aufseiten der pädagogischen Fachkräfte als auch aufseiten der Kinder (siehe Interview mit Petra Wagner oder den Beitrag von Melike Çınar). Stereotype jeglicher Art können unterlaufen werden, wenn zum Beispiel Toberäume nicht nur für Jungen und Kuschelecken nicht nur für Mädchen gedacht werden, das Speiseangebot in der Einrichtung unterschiedlichen religiösen und kulturellen Ansprüchen gerecht wird und unterschiedliche ethnische Herkünfte sich auch im pädagogischen Material spiegeln.

Kultur des Todes (7): Der „vernünftige Tod“

Das Thema Sterbehilfe erfährt in unseren westlichen Gesellschaften zunehmende Aufmerksamkeit. Immer mehr Menschen sehen es als ihr natürliches Recht an, selbstbestimmt zu sterben. 63 Prozent der 16 bis 29-jährigen in Deutschland bejahen gemäß aktueller Umfragen die aktive Sterbehilfe.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Friedrich Nietzsche 1878 den Selbstmord als vernünftigen Tod bezeichnete und ihm „höchste Anerkennung in der Moral der Zukunft zugesichert“ hat (Franz Oberbeck, Erinnerungen an Friedrich Nietzsche, 2011, S. 66). Grund für die kommende Wertschätzung des Selbstmordes und der Sterbehilfe ist für Nietzsche der Verlust des Gottesbezugs.

Er schreibt (KSA, Bd. 2, S. 632):

Was ist vernünftiger, die Maschine stillzustellen, wenn das Werk, das man von ihr verlangte, ausgeführt ist, — oder sie laufen zu lassen, bis sie von selber stille steht, das heisst bis sie verdorben ist? Ist Letzteres nicht eine Vergeudung der Unterhaltungskosten, ein Missbrauch mit der Kraft und Aufmerksamkeit der Bedienenden? Wird hier nicht weggeworfen, was anderswo sehr noth thäte? Wird nicht selbst eine Art Missachtung gegen die Maschinen überhaupt verbreitet, dadurch, dass viele von ihnen so nutzlos unterhalten und bedient werden? — Ich spreche vom unfreiwilligen (natürlichen) und vom freiwilligen (vernünftigen) Tode. Der natürliche Tod ist der von aller Vernunft unabhängige, der eigentlich unvernünftige Tod, bei dem die erbärmliche Substanz der Schale darüber bestimmt, wie lange der Kern bestehen soll oder nicht: bei dem also der verkümmernde, oft kranke und stumpfsinnige Gefängnisswärter der Herr ist, der den Punct bezeichnet, wo sein vornehmer Gefangener sterben soll. Der natürliche Tod ist der Selbstmord der Natur, das heisst die Vernichtung des vernünftigen Wesens durch das unvernünftige, welches an das erstere gebunden ist.

Nur unter der religiösen Beleuchtung kann es umgekehrt erscheinen: weil dann, wie billig, die höhere Vernunft (Gottes) ihren Befehl giebt, dem die niedere Vernunft sich zu fügen hat. Ausserhalb der religiösen Denkungsart ist der natürliche Tod keiner Verherrlichung werth. — Die weisheitsvolle Anordnung und Verfügung des Todes gehört in jene jetzt ganz unfassbar und unmoralisch klingende Moral der Zukunft, in deren Morgenröthe zu blicken ein unbeschreibliches Glück sein muss.

Feinberg: Für die Neo-Orthodoxen kann die Schrift nicht Gottes Wort sein

John Feinberg (Light in a Dark Place, 2018, S. 389):

Für Barth leitet sich die Autorität der Bibel allein aus ihrer Funktion ab. Diese Funktion besteht darin, auf Gott selbst hinzuweisen, auf jenen „Anderen“, mit dem Barth die Offenbarung meinte (für Barth ist Gott in der persönlichen Begegnung mit uns durch Jesus Christus Offenbarung), die die wahre Autorität ist. Die Schrift an sich hat keine Autorität. Es ist leicht, zu verstehen, warum Barth diese Ansicht vertreten hat. Wenn die Schrift Autorität an sich hat, muss es einen Grund dafür geben. Der Grund, auf den sich Evangelikale immer berufen haben, ist, dass sie Gottes Wort ist. Aber wenn die biblische und historische Kritik mit all den behaupteten Fehlern in der Schrift Recht hat, wie können dann die Worte der Schrift göttliche Offenbarung sein? Gott würde doch nicht lügen, noch könnte er sich in irgendeiner Sache irren. Für die Neo-Orthodoxen kann die Schrift also nicht Gottes Wort sein und daher kann sie nicht an sich autoritativ sein.

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Augustinus: Vom Wort Gottes und den eigenen Gedanken

Aurelius Augustinus (De doctrina Christiana, Buch 2,VII,8,17):

Daraufhin ist es nötig, in Frömmigkeit sanft zu werden und der Hl. Schrift nicht zu widersprechen, entweder weil wir verstanden haben, wenn sie irgendwelche Fehler von uns aufspießt, oder weil wir sie nicht verstanden haben, als ob wir besser denken und besser vorschreiben könnten, vielmehr ist eher zu bedenken und zu glauben, daß das, was dort geschrieben ist, auch wenn es verborgen sein sollte, besser und wahrhafter ist, als das, was wir durch uns selbst denken können.

Augustnius: Wie der Heilige Geist die Schrift geformt hat

Aurelius Augustinus (De doctrina Christiana, Buch 2,VII,8,15)::

Denn prächtig und heilsam hat der Hl. Geist die Hl. Schrift so umgeformt, daß er mit klareren Stellen dem Hunger begegnet, mit den dunkleren aber den Überdruß vertreibt. Fast nichts nämlich wird in jenen dunklen Stellen aufgestöbert, was nicht anderswo in klarster Weise ausgedrückt gefunden werden kann.

Barth, „der rote Pfarrer“

Karl Barth war bereits in seiner frühen Schaffensperiode, also noch vor der „dialektischen Wende“, vom Sozialismus sehr angetan.

Die Einflüsse auf dem Weg dahin sind vielfältig. Das Reich Gottes als ethische Aufgabe war das große Thema der Liberalen Theologie, die er in Berlin oder Marburg gehört hatte. Durch Eduard Thurneysen lernte Barth Hermann Kutter kennen, der als Pfarrer am Zürcher Neumünster predigte, die Verheißungen Gottes würden mit der Sozialdemokratie in Erfüllung gehen. Beachtlichen Einfluss entwickelten freilich auch die Erfahrungen in der Arbeiterstadt Safenwill, in der Karl Barth zwischen 1911–1921 ein Pfarramt übernahm. Er konnte dort mit eigenen Augen sehen, unter welch schwierigen Bedingungen geschuftet wurde (ähnliches erlebten ja auch Karl Marx und Friedrich Engels).

Wer glaubt, die „Himmel auf die Erde“-Theologie sei erst durch das neue Missionsparadigma erfunden oder bedeutsam geworden (z.B. N.T. Wright: „In der Bibel bedeutet Erlösung nicht: Gott errettet die Menschen aus der Welt heraus, sondern Erlösung ist die Errettung der Welt an sich.“), braucht nur auf Leute wie Walter Rauschenbusch oder eben Karl Barth zurückblicken. Christiane Tietz schreibt in ihrer Barth-Biographie in dem Kapitel „Der rote Pfarrer“ (Karl Barth, 2018, S. 82):

Die Nähe lag für Barth in dem, was die soziale Bewegung und die Sozialdemokratie wollen: Das, «was sie wollen,… das wollte Jesus auch». Deshalb könne man auch «als Atheist und Materialist und Darwinist ein echter Nachfolger und Jünger Jesu sein». Der Sozialismus als proletarische Bewegung sei eine Bewegung von unten. Ganz ähnlich war Jesus Arbeiter und wandte sich an die Armen und Unterdrückten. Wer behaupte, Jesu Botschaft habe sich nur auf Geist und Innerlichkeit gerichtet, verleugne diese Botschaft. Für Jesus habe es nicht zwei Welten von Geist und Materie, von Himmel und Erde gegeben, «sondern nur die eine Realität des Gottesreichs»; die Erlösung bestand für Jesus darin, «daß Gottes Reich zu uns komme in die Materie und auf die Erde». Pointiert gesagt: «Nicht wir sollen in den Himmel, sondern der Himmel soll zu uns kommen.»

Deshalb müsse die Kirche endlich den Mut haben auszusprechen: «die soziale Not soll nicht sein, um dann ihre ganze Kraft für dieses es soll nicht sein einzusetzen». Diesen Mut wandte Barth gleich an. Er fragte rhetorisch: «Gehn die beiden zusammen: Jesus und der Kapitalismus, das System des schrankenlos wachsenden Privateigentums?» Und er zog die Konsequenz: «Dieses Erwerbssystem muß … fallen vor allem seine Grundsäule: … das Privateigentum an Produktionsmitteln».

Obwohl die Wende hin zur „Wort Gottes“-Theologie diese Schwärmerei abmilderte, blieb Barth dem Sozialismus sein Leben lang verbunden. Er verteidigte nach dem Krieg sogar Stalin, weil er hoffte, diesem sei es im Kern um die „soziale Frage“ gegangen. Bis zu seinem Lebensabend blieb er ein Kirchenmann, der für die „soziale Bewegung“ warb.

Rudolf Bultmann, der ja eine Zeit lang an der Seite von Barth für die Wende kämpfte, durchschaute schon früh die Irrtümer des Sozialen Evangeliums. Über die „Reich Gottes“-Theologie der Ritschlianer sagte er (Glauben und Verstehen, Bd. 1, 1961, S. 15):

Wenn man meint, daß soziale Arbeit als solche, d.h. Arbeit, die sich — ob sozialistisch orientiert oder nicht — um die Schaffung menschenwürdiger sozialer Zustände müht, als solche Reichsgottesarbeit, christliches Tun sei, so kennt man das σκάνδαλον des Wortes Gottes nicht. Und das σκάνδαλον ist um so größer, um so deutlicher, als hier gegenüber solchem Tun, das an sich pflichtmäßig, ehrenwert, bitter notwendig ist, hart gesagt wird: es ist kein christliches Tun. Denn es gibt kein Tun, das sich direkt auf Gott und sein Reich beziehen könnte. Jede Form menschlichen Gemeinschaftslebens, die schlimmste wie die idealste, steht in gleicher Weise unter dem göttlichen Gericht.

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