Theologie

„Seht, da ist der Mensch!“ dekonstruiert

Mit „ecce homo“ benennt nach dem Johannesevangelium der römische Statthalter Pontius Pilatus den gefolterten und mit einer Dornenkrone gekrönten Jesus, weil er keinen Grund für dessen Verurteilung sieht (vgl. Joh 19,5, wo „ecce homo“ in Luther 1984 mit „Sehet, welch ein Mensch“ übersetzt wird).

Christian Geyer weist uns als Beobachter des Katholischen Kirchentages darauf hin, dass das „ecco homo“ gern schon mal „zweckentfremdet“ wird. Gemeint ist dann eben nicht mehr der Mensch „Jesus Christus“ im Kontext der Passionsgeschichte, sondern die Lebenswirklichkeit des Menschen in der Gesellschaft. Ein hermeneutischer Schachzug, von dem nicht nur Kardinal Marx beim Leipziger Abschlussgottesdienst Gebrauch gemacht hat. Er ist geradezu symptomatisch für Kirchen, die nicht mehr von Gott her denken, sondern vom Menschen aus und auf den Menschen hin.

Geyer:

Von alldem unberührt legt Reinhard Kardinal Marx beim Leipziger Abschlussgottesdienst das Motto des Katholikentags „Seht, da ist der Mensch!“ in der angesagten inklusiven Lesart aus, nämlich eben gerade nicht im Kontext der Passionsgeschichte als Wort des Pilatus über Jesus Christus (das klassische „Ecce homo!“, wie es in die christliche Tradition und Kunstgeschichte einging), sondern im Sinne der normativen Kraft menschlicher „Lebenswirklichkeit“. Gibt sie nun dem „Ecce homo“ das Maß vor statt umgekehrt? Alles von dieser Lebenswirklichkeit müsse zu seinem Recht kommen, wenn es in die christliche Perspektive gerückt werde (Marx sagt wirklich „Perspektive“, wenn es um die Erlösung geht; Blickwinkel sind allemal inklusionstauglicher als die Bekehrungsaufrufe der alten Schule). Er weiß sich da mit seinem Papst einig, welcher unterstreiche, dass die „Suchbewegung“ Gottes „im Grunde inklusiv“ sei, was bedeute, „möglichst alle in die Perspektive der Hoffnung mitzunehmen“.

Kurzum gehe es darum, und hier schlägt der Kardinal einen nachgerade begehrlichen Ton an, „dass wir als Kirche in Deutschland unseren Weg so gehen, dass wir die Wirklichkeit des Menschen nicht aus dem Blick verlieren“. Statt um „kirchliche Identität“ solle man sich um „den Menschen“, um „die Erde“ sorgen. Aber tun das nicht auch Greenpeace et al.? Der Markenkern der Kirche wird unscharf, wenn sie ihre Marketingstrategen „Ecce homo“ mit „ja zur gesamten Wirklichkeit des Menschen“ übersetzen lässt.

Wie kommt, nebenbei gefragt, die Kirche darauf, dass sie umso attraktiver sei, je mehr „Nähe“ sie nicht nur zum Sünder, sondern neuerdings auch zu seiner Sünde demonstriert? So inklusiv, so schamlos paternalistisch möchte man sich um Himmels willen doch gar nicht verstanden wissen.

Sehr lesenswert: www.faz.net.

VD: JH

Kirche muss intellektueller werden

Wenn die Predigt Allgemeinplätze und harmlose Anekdötchen verkoppelt, dann wird das als langweilig, vormodern oder überflüssig empfunden, meint der evangelische Theologe Knut Berner.

Wenn routiniert auf den Skandal des Kreuzes Christi verwiesen, aber zugleich ein Kuschelgott offeriert wird, der niemanden in Frage stellt und wenig erhellende Potentiale für den Umgang mit sperrigen Lebenssituationen anbietet, dann kann man sich gleich selber sein Gottesbild konstruieren.

Oder:

Wo aber nicht mehr geboten wird als die lahme These ‚Wir glauben alle irgendwie an denselben Gott‘, da verwundert es nicht, wenn Menschen von anderen Instanzen als der Kirche Antworten bevorzugen, die religiöse Bedürfnisse befriedigen.

Obwohl sich auch Berner einige Rückfragen gefallen lassen sollte (sicher auch wird) und die Rückkehr zum Bildungschristentum keine Lösung für die geistliche Öde wäre, unterstütze ich viele Facetten des Appells:  Wir brauchen anspruchsvollere Theologie und Predigten und dürfen einige Hörer ruhig überfordern.

Hier der Deutschlandradio Kultur-Beitrag vom 12. Juni 2016:

 

Christopher Hitchens und der Himmelhund

51rELKRwN+L SX322 BO1 204 203 200Christopher Hitchens war ein Intellektueller, der insbesondere für seinen glühenden Hass auf Religionen und ganz besonders auf das Christentum bekannt war. Seine große Abrechnung mit dem christlichen Glauben ist als Der HERR ist kein Hirte auch in deutscher Sprache erschienen und wurde nicht nur vom SPIEGEL gefeiert. Als Hitchens 2011 im Alter von 62 Jahren starb, schrieb DIE ZEIT:

In seinem Buch Der Herr ist kein Hirte – Wie Religion die Welt vergiftet aus dem Jahr 2007 argumentierte er wütend gegen jede Form des Glaubens. Religion führe zu Kriegen, zu sexueller Unterdrückung und stehe der Kultur und Wissenschaft im Weg. Aus dieser Überzeugung resultierte auch seine Befürwortung des zweiten Irak-Kriegs, den er für notwendig hielt, um die westlichen Werte des Säkularismus und Feminismus zu verteidigen.

Der in England geborene Hitchens studierte in Oxford und arbeitete als Literaturkritiker für die Londoner Zeitschrift New Statesman , bevor er 1981 in die USA zog. In den folgenden Jahren arbeitete er unter anderem als Korrespondent für die linksgerichtete Wochenzeitschrift The Nation . Im Jahr 2007 nahm er die amerikanische Staatsbürgerschaft an.

Christopher Hitchens verfasste 25 Bücher und unzählige Artikel und Kolumnen . Zu seinen Büchern zählen Werke über Thomas Jefferson, Thomas Paine, George Orwell und Henry Kissinger . Die Übersetzung seiner Autobiografie The Hitch – Geständnisse eines Unbeugsamen erschien in diesem Jahr bei Blessing.

Unbeugsam blieb er selbst in den letzten Tagen seiner Krankheit. Einige seiner Gegner hatten darauf gewartet, dass Christopher Hitchens sich angesichts des bevorstehenden Todes doch noch zum Glauben bekennen würde. In einem vor Kurzem veröffentlichten Artikel schrieb er: „Ich habe beschlossen alles anzunehmen, was meine Krankheit mir entgegenstellen wird. Ich werde kampflustig bleiben, selbst angesichts meines unvermeidlichen Niedergangs.“

Nur wenige wussten, dass Hitchens mit dem christlichen Apologeten Larry Alex Taunton befreundet war. Dieser hat nun, nachdem sein Verlag ihn gedrängt hatte, ein Buch über seine Freundschaft mit ihm geschrieben und dabei Überraschendes erzählt. Brian Matson hat das Buch gelesen und besprochen:

Das insgesamt Geniale an diesem Buch ist die Tatsache, dass es eine Geschichte erzählt. Eine unheimlich fesselnde Geschichte, die einen zwingt, weiterzulesen und das Buch bis zum Schluss nicht aus der Hand zu legen. Es mag zwar viel intellektuell anregenden Stoff enthalten, aber letztlich geht es um zwei Freunde, die sich gegenseitig sehr respektierten: Den verhärteten Atheisten und den leidenschaftlichen Evangelisten.

Nachdem Hitchens die Diagnose Speiseröhrenkrebs bekommen hatte, die sein Todesurteil bedeutete, unternahm er zwei private Reisen mit Taunton: eine durch das Shenandoah Valley und eine weitere durch Montana und den Yellowstone Nationalpark. Der Zweck dieser Reisen war das gemeinsame Studium des Johannesevangeliums. Tauntons Erzählungen von diesen Reisen sind zeitweise urkomisch (der waschechte Südstaatenevangelikale fährt, während der kampferprobte Atheist mit offener Bibel, einem Glas Whisky und einer Zigarette auf dem Beifahrersitz sitzt), zeitweise voller Spannung und oftmals tief bewegend.

Wenn man auf der Suche nach einer melodramatischen Bekehrungsgeschichte oder einem Handbuch zur Apologetik ist, wird man hier nicht fündig. Sollte man aber nach einer großartigen Demonstration von Nächstenliebe, Freundschaft und Evangelisation Ausschau halten, so liegt man mit diesem Buch goldrichtig.

Mit seiner einzigartigen Kombination aus erstklassiger Erzählkunst, Intellekt und Leidenschaft verdient „Der Glaube des Christopher Hitchens“ schon jetzt den Status eines Klassikers.

Bei Evangelium21 mehr dazu: www.evangelium21.net.

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John Piper zu 1. Peter 3,8–9

John Piper hilft, 1. Petrus 3,8–9 besser zu verstehen:

Endlich aber seid allesamt gleich gesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig.  Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen ererbt.

Hier:

Gehet hin und lehret alle Völker

Reinhard Bingener und Friederike Böge haben für die FAZ einen ausgewogenen Artikel über zum christlichen Glauben konvertierende Muslime in Berlin geschrieben.

Vor fünf Jahren saß Pastor Gottfried Martens bei seinen Bibelstunden noch einer Handvoll älterer Herrschaften gegenüber. Wegen der geringen Mitgliederzahl gab es nur einen Gottesdienst pro Woche, ansonsten stand die Kirche leer. Inzwischen aber ist die Dreieinigkeitskirche im Berliner Stadtteil Steglitz vermutlich die am schnellsten wachsende Gemeinde Deutschlands. Zu den älteren Herrschaften sind inzwischen 850 Persisch-sprachige Konvertiten hinzugekommen. Weitere 350 Anwärter befinden sich derzeit in einem der viermonatigen Kurse zur Vorbereitung auf die Taufe. Fast alle Mitglieder und Taufwilligen sind Flüchtlinge, größtenteils aus Iran und in geringerem Maße aus Afghanistan, geboren und aufgewachsen als Muslime. Sie sind erst seit einigen Monaten oder wenigen Jahren in Deutschland, mehrheitlich leben sie noch in Migrantenunterkünften.

An einem Mittwoch haben sich in der schlichten Steglitzer Kirche rund 200 Taufschüler versammelt, die Holzbänke sind fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Es sind vor allem junge Männer und eine Handvoll Frauen. Viele tragen zum Zeichen ihrer Gläubigkeit einen Kreuzanhänger an einer Kette oder einem Armband. Sie lauschen den Worten von Pastor Martens, der zwischen den Bänken auf- und abschreitet, gefolgt von einem Übersetzer, der jeden seiner Sätze in persischer Sprache wiederholt. „Es gibt einige unter euch, die sich bei der Taufe zwischen Gott und ihren Eltern entscheiden müssen“, sagt Martens.

Mehr: www.faz.net.

Worum es bei dem Kampf um sexuelle Orientierung wirklich geht

Mit freundlicher Genehmigung veröffentliche ich nachfolgend gekürzt einen Beitrag von Michael C. Sherrard zum Thema „Sexuelle Orientierung und Weltanschauung“. Kurt Vetterli hat großzügigerweise seine Übersetzung zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Worum es bei dem Kampf um sexuelle Orientierung wirklich geht

Fällt es dir schwer zu verstehen, dass rational denkende Leute wirklich meinen, geschlechtsneutrale Toiletten seien eine gute Idee? Bist du verwirrt darüber, was in unserer Kultur passiert? Macht es irgendeinen Sinn für dich, dass Gesellschaften politischen oder wirtschaftlichen Druck anwenden, um unser Verständnis von sexueller Orientierung zu verändern? Es sieht folgendermaßen aus:

Beim Kampf um Sexualität oder geschlechtliche Orientierung geht es um eine Sache: ein bedeutungsvolles Leben. Das ist es, worum sich die ganze Streiterei dreht und warum der Kampf so hitzig geführt wird. Dieser Streit ist Teil eines größeren, übergeordneten Kampfes: Wie bekommt man ein bedeutungsvolles Leben? Und dazu musst du verstehen: die Antwort auf die vorhergehende Frage ist bestimmt durch deine Weltanschauung. Eine Weltanschauung ist eine Reihe von Glaubenssätzen oder Überzeugungen, die dich veranlassen, das Leben in einer bestimmten Weise zu sehen. Wir alle haben eine Weltanschauung, du kannst nicht ohne eine leben …

Ich habe eine christliche Weltanschauung. Ich habe Überzeugungen bezüglich der Realität. Unter anderem glaube ich, dass Gott existiert, dass die Welt rational ist (d.h. verstehbar) und dass das Leben eine objektive Bedeutung und einen ihm innewohnenden Wert hat. Meine Existenz ist die Quelle meiner Bedeutung und meines Wertes. Weil ich in Gottes Ebenbild gemacht bin, habe ich unschätzbare Würde.

Ich lebe jedoch in einer Gesellschaft, in der praktisch jedermann eine naturalistische Weltanschauung hat. Der Naturalismus enthält eine Reihe von Glaubenssätzen oder Überzeugungen über die Realität. Der Naturalismus hält unter anderem für wahr, dass Gott nicht existiert, dass die Welt nicht rational ist (obwohl sie nicht rechtfertigen können, dass dieser Glaube vernünftig ist), und dass das Leben keine innewohnende Bedeutung oder Wert hat. Und das ist eine schwerwiegende Sache. Hast du das mitbekommen? Das Leben hat keine eigentliche Bedeutung oder keinen Wert an sich. Was macht nun dein eigenes Leben für einen Sinn? Was hat es für einen Wert? Das ist das große Problem für den Naturalisten.

Seit langem haben Naturalisten die Konsequenzen und Probleme, die aus ihrer Weltanschauung resultieren, erkannt. George Orwell bemerkte dies in seinem Essay Notes on the Way. Darin schreibt er über die Notwendigkeit, die Seele ‚wegzuschneiden‘. Du musst sehen, dass gemäss dem Naturalismus das Selbst oder die Seele gar nicht existieren. Einfach ausgedrückt: Du existierst nicht. „Der Mensch ist nicht ein Individuum, er ist nur eine Zelle in einem immerwährenden Körper“, sagt Orwell. Das Problem jedoch ist, wenn du die Seele ‘wegschneidest’, dann findest du dich in einer sehr trostlosen Welt wieder: Existenz ohne jede Bedeutung oder Wert. Orwell hat das gesehen. „Für zweihundert Jahre hatten wir an dem Ast, auf dem wir sitzen gesägt und gesägt und gesägt. Und am Ende, viel schneller als jemand vorausgesehen hatte, wurden unsere Bemühungen belohnt und wir stürzten hinunter. Aber unglücklicherweise war da ein kleiner Fehler. Die Sache am Boden, auf die wir fielen, war nicht ein Bett aus Rosen, sondern eine Grube voller Stacheldraht.“

Nun, wie erlösen sich Naturalisten aus diesem Dilemma? Wie finden sie Bedeutung im Leben? Sie produzieren sie selbst. Der französische Philosoph Jean-Paul Sartre war ein Pionier darin, dem Naturalisten aus seiner Zwangslage zu helfen. Er stellte die These auf, dass Existenz der Essenz (dem Wesen) vorausgeht. Das heißt soviel wie dass du ein unbeschriebenes Blatt bist, so kannst du dein Leben zu dem machen, was immer du willst. Weil deine Existenz keine innewohnende (ursprüngliche) Bedeutung oder Wert hat, kannst du damit tun, was immer du willst. Sei ein Drache. Werde eine Frau. Heirate deine Mutter oder deinen Computer. Definiere dein Leben wie du es für passend hältst. Dein autonomer Wille ist es, das deiner Existenz Wert oder Bedeutung gibt. Er ist deine Würde.

Das ist es, worum es in dem Kampf geht. Damit wir eine bedeutungsvolle Existenz haben, müssen wir vollkommene Freiheit haben, uns selbst einzig nach unserem Willen zu formen. So ist eine Bedrohung der Freiheit, das eigene Geschlecht oder die eigene sexuelle Orientierung zu wählen, die Bedrohung einer ganzen Gesellschaft, die den Naturalismus als Weltanschauung angenommen hat und Bedeutung und Wert durch unbegrenzte Freiheit der Wahl anfertigen muss.

Lasst uns darüber im Klaren sein, was hier passiert! Unsere Gesellschaft agiert kollektiv aufgrund der Annahme, dass Gott nicht existiert und der Naturalismus wahr ist. Sie kämpfen darum, eine Gesellschaft zu formen, die diesen Glauben reflektiert. Das ist wiederum der Grund, warum der Kampf so intensiv ist. Es ist eine radikale Verschiebung in unserer Gesellschaft. Aber ich frage mich, ob die Leute sich wirklich bewusst sind, was hier passiert. Ich frage mich, ob wir bereit sind, dies in solch einer Weise zu deklarieren, dass Gott tot ist. Sind wir wirklich bereit, offiziell die Christliche Weltanschauung mit der naturalistischen zu ersetzen?

Ich meine Folgendes, und das mag dich schockieren: wir sollten bereit sein. Wir sollten die Christliche Weltanschauung verwerfen, wenn der Naturalismus wahr ist. Aber er ist es nicht. Der Naturalismus ist eine schwache Weltanschauung, wenn es darum geht, die Realität zu erklären. Und er bietet in Wirklichkeit keine rationale Rechtfertigung für seine Glaubwürdigkeit. Aber das ist Stoff für einen weiteren Artikel. Trotzdem denke ich, wir können nur einen Aspekt der Position des Naturalisten untersuchen und sehen, warum sie etwas ist, das wir nicht annehmen können.

Gemäß dem Naturalismus existiert Gott nicht. Darum, forme dein Wesen selbst, um deiner Existenz Bedeutung und Wert zu geben. Aber, weil Gott nicht existiert, kann auch das Selbst nicht existieren, das muss der Naturalist zugeben. Aber wenn das Selbst nicht existiert, kann auch kein freier Wille existieren. Gemäss dem Naturalismus bin ich eine “Zelle in einem immerwährenden Körper.” Ich bin bloss Moleküle in Bewegung. Chemie und Physik diktieren, wie ich agiere, fühle und auf diese Welt antworte. Ich bin nicht mehr als eine Maschine. Schlimmer, ich bin der Sklave meiner Natur. Freies moralisches Handeln ist ein riesiges Problem für den Naturalisten. Es wäre genau die Sache, die ich bräuchte, um eine bedeutungsvolle Existenz zu haben, aber es ist eben die Sache, die es nicht gibt, wenn der Naturalismus wahr ist.

Wie jemand ein Naturalist sein und gleichzeitig an einen freien Willen glauben kann, geht über mein Verstehen. Es ist die Spitze intellektueller Unehrlichkeit. Und deshalb kann ich nicht verstehen, wie jemand tatsächlich ein Naturalist sein kann. Die wichtigste Sache in seiner Weltanschauung ist gemäß eben dieser Weltanschauung nicht möglich. Das ist doch die höchste Form der Ironie …

Um es deutlich zu sagen, der Naturalismus ist die Weltanschauung, die uns diesen Kampf gebracht hat. Aus ihm folgt der Kampf, in dem wir uns gegenwärtig befinden. Weil Gott nicht existiert, hat das Leben keine Bedeutung außer der, die du selber herstellst durch deinen autonomen Willen. Ein bedeutungsvolles Leben ist das, was hier auf dem Spiel steht. Deshalb tobt der Kampf.

Was bedeutet dies also für uns? Zuallererst bedeutet es, dass wir uns um die Wurzel des Problems kümmern müssen. Wir können nicht nur Symptome diskutieren. Zu leicht werden wir in Argumente über Regeln über Toilettenbenutzung und was nicht alles gezogen. Das ist in Ordnung, wir sollten uns auch in solchen Konversationen engagieren. Aber unsere Bemühungen werden nicht fruchtbar sein, wenn wir nicht das Herz der Sache ansprechen. Die Forderung geschlechtsneutralen Toiletten entspringt aus der naturalistischen Weltanschauung. Also, bedenke, wie du dem Naturalismus begegnest.

Englisches Original: www.michaelcsherrard.com.

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Die am Kreuz geborene Liebe

Wir kennen sie, unsere lieben christlichen Autoren, die uns in ihren vielen Büchern erzählen, wie schön und wertvoll wir alle sind. Du bist ein so wunderbarer Mensch, dass Gott sich aufgemacht hat, dich zu suchen! Weißt du nicht, wie schön du bist?

Was für eine erbärmliche und kraftlose Botschaft! Wer die Güter, die Gott angenehm stimmen, in sich selbst sucht, hat nichts begriffen.

Wie wunderbar heilsam ist dagegen, was Martin Luther uns zu sagen hat (HD, XXIV):

[Gottes Liebe, wenn sie am Menschen lebendig wirksam ist, liebt] „Sündige, Böse, Törichte und Schwache, um sie zu Gerechten, Guten, Klugen und Starken zu machen und so strömt sie heraus und teilt Gutes aus. Denn die Sünder sind deshalb schön, weil sie geliebt werden, sie werden nicht deshalb geliebt, weil sie schön sind. Menschliche Liebe flieht daher die Sünder als Böse. So sagt Christus: ‚Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu suchen, sondern Sünder‘ (Matth. 9, 13). Das aber ist die am Kreuz geborene Liebe des Kreuzes, die sich nicht dorthin wendet, wo sie Gutes findet, um es für ihre eigenen Zwecke zu gebrauchen, sondern dorthin, wo sie den Bösen und Armen Gutes bringen kann.

„Logik der Integration“

Der Sekretär der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei, Guido Pozzo, diagnostizierte kürzlich eine klare Willensbekundung des Papstes, „den Weg zur vollen und dauerhaften kanonischen Anerkennung [der Piusbruderschaft] zu fördern.“ Christian Geyer kommentiert die hinter dem Vorgang stehende „Logik der Integration“ bissig:

Just zu den Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils, die diese beiden Themen behandeln, verweigern die Piusbrüder bis heute ihre Zustimmung. Für Franziskus offenbar kein Grund, schwarz-weiß zu malen. Verwirklichen die Piusbrüder Europas Werte nicht „zumindest teilweise und analog“, wie man in Anlehnung an das antinormative Argumentationsmuster des jüngsten päpstlichen Schreibens „Amoris laetitia“ fragen könnte? Warum „kleinlich“ und „unerbittlich“ auf der Anerkennung von abstrakten Zivilisationsgesetzen bestehen, wenn die Piusbrüder nun einmal „nicht in der Lage sind, die objektiven Anforderungen des Gesetzes zu verstehen, zu schätzen oder ganz zu erfüllen“?

Entscheidend ist laut „Amoris laetitia“ die „Logik der Integration“, ohne dass diese Logik mit belastbaren Kriterien ausgestattet werden bräuchte: „Es geht darum, alle einzugliedern.“ Auf die Piusbrüder gewendet heißt das: Maßgeblich sind die guten Absichten und mildernden Umstände, unter denen das Meta-Lehramt der Bruderschaft zustande kam, nicht sein objektiver Gehalt. Wenn die Piusbrüder deshalb nach entsprechender Gewissensprüfung zu dem Ergebnis kommen, die Religionsfreiheit theologisch ablehnen zu müssen, dann sollen sie selbst entscheiden dürfen, wie katholisch das ist, welche Dokumente des Zweiten Vatikanums sie anerkennen möchten und welche lieber nicht.

Tatsächlich geht es auf dem Weg zur kirchenrechtlichen Anerkennung der Piusbrüder genau darum: Die wichtigen Texte zum Judentum und zur Religionsfreiheit sind, so wünscht es der Vatikan, in ihrer bloß relativen Normativität darzustellen, so dass von ihrer Anerkennung nicht länger die kanonische Anerkennung der Piusbrüder abhängen soll. Das Vorgehen entspricht präzise dem eklektischen, sich um den Zusammenhang der Lehre weiter nicht scherenden Stil des Papstes der „Barmherzigkeit“, welcher heute diese und morgen jene Regel – nein, nicht für unerheblich erklärt, aber sie so zur Anwendung bringt, dass sie für die Beurteilung einer „Situation“ (der Begriff hat unterm aktuellen Pontifikat beinahe schon Fetisch-Charakter) nicht länger den Ausschlag gibt, sondern als regulative Idee in den Hintergrund tritt.

Mehr: www.faz.net.

William Taylor: Die Genugsamkeit Seines Wortes

Im dritten Vortrag der E21-Konferenz 2016 sprach William Taylor über die Genugsamkeit des göttlichen Wortes. Taylor zeigt anhand von Johannes 14,8–21, dass derjenige, der mehr als das biblische Wort Gottes haben möchte, einen schwachen Glauben hat.

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