Ethik

Beiträge aus dem Bereich Ethik.

Frankreich: Ein verstörendes Verbot

Das oberste französische Verwaltungsgericht hat die Ausstrahlung eines TV-Werbespots verboten, der glückliche Jugendliche mit Downsyndrom zeigt. Begründung: Der Clip könne auf Frauen, die abgetrieben haben, verstörend wirken.

PRO schreibt:

Das Video „Dear Future Mom“ (Liebe zukünftige Mutter) darf im französischen Fernsehen nicht gezeigt werden. Das hat das oberste Verwaltungsgericht im Land entschieden. Der zweieinhalbminütige Clip, den ursprünglich die italienische Organisation „CoorDown“ 2014 veröffentlicht hat, zeigt glückliche Kinder und Jugendliche mit Downsyndrom. Sie wollen Mütter, die ein Kind mit Trisomie 21 erwarten, ermutigen und sprechen in die Kamera: „Habe keine Angst.“

Dann erklären sie der potentiellen Mutter, dass ihr ungeborenes Kind später viele Dinge werde tun können, wie etwa sprechen und ihr sagen, dass es sie lieb hat. Auch glücklich sein, in die Schule gehen und schreiben lernen, sei mit Downsyndrom möglich, ebenso wie reisen, arbeiten und Geld verdienen. Gleichzeitig werde der Alltag aber auch manchmal „schwer, sehr schwer, fast unmöglich“ sein. Dann ist die Frage eines Jugendlichen ergänzt: „Aber ist das nicht so für alle Mütter?“ Schließlich zeigt das Video, wie sich die betroffenen Kinder und die Mütter umarmen und vor Freude strahlen.

Dass dieses Video im französischen Fernsehen nicht gezeigt werden darf, hat das oberste Verwaltungsgericht in zweiter Instanz bestätigt und damit ein schon früher ausgesprochenes Urteil in der Revision bekräftigt. Unter anderem hieß es in der Urteilsbegründung, dass die Bilder auf Frauen, die abgetrieben haben, möglicherweise „verstörend“ wirken könnten, berichten französische Medien.

Mehr: www.pro-medienmagazin.de.

VD: RO

Die Zweifel an „Amoris laetitia“ und Aquinas

Mit dem Apostolischen Schreiben „Amoris Laetitia“ hat Papst Franziskus die Türen für die Situationsethik recht weit geöffnet und damit eine innerkirchliche Diskussion angestoßen, die nicht zur Ruhe kommt. Kürzlich haben sich sogar vier Kardinäle dem Papst mit fünf „Dubia“ (dt. Zweifel) frontal in den Weg gestellt. Der progressive Kardinal Kasper erkennt in „Amoris laetitia“ hingegen einen willkommenen Paradigmenwechsel. Zugleich behauptet er, Franziskus könne den bewährten Lehrer der Kirche, Thomas von Aquin, für sich in Anspruch nehmen. Kapser schreibt in STIMMEN DER ZEIT:

Man wird „Amoris laetitia“ nur verstehen, wenn man den Paradigmenwechsel nachvollzieht, den dieses Schreiben unternimmt. Ein Paradigmenwechsel ändert nicht die bisherige Lehre; er rückt sie jedoch in einen größeren Zusammenhang. So ändert „Amoris laetitia“ kein Jota an der Lehre der Kirche und ändert doch alles. Der Paradigmenwechsel besteht darin, dass „Amoris laetitia“ den Schritt tut von einer Gesetzes- hin zur Tugendmoral des Thomas von Aquin. Damit steht das Schreiben in bester Tradition. Das Neue ist in Wirklichkeit das bewährte Alte.

Bringt also Papst Franziskus nur den großen Lehrer Thomas von Aquinas zur Geltung?

Der katholische Systematiker Helmut Hoping (Freiburg) ist da anderer Meinung und erklärt in der FAZ vom 19.11.2016 (Nr. 127, S. 15), dass die in Anschlag gebrachten Zitate von Thomas von Aquin aus dem Kontext gerissen seien. Thomas könne gar nicht für eine reine Tugendethik beansprucht werden, da er die Tugenden in eine Normenethik eingebetet habe. Er unterscheide zwischen Handlungen, die in sich böse seien und Handlungen, die zwar allgemein verboten, aber unter bestimmten Umständen erlaubt seien. Ein Beispiel für die zweite Kategorie wäre die Tötung eines Menschen zum Zwecke der Selbstverteidigung. Die aquinischen Texte, die „Amoris Laetitia“ aufrufe, entstammten der zweiten Kategorie, obwohl bei Aquin der Ehebruch als eine in sich schlechte Handlung beschrieben werde.

Helmut Hoping:

Das achte Kapitel von „Amoris laetitia“ nimmt Thomas von Aquin für einen neuen Umgang in der Pastoral für Personen, die sich in sogenannten „irregulären“ Situationen befinden, in Anspruch. Es fällt auf, dass sich kein einziges der angeführten Thomaszitate auf die Ehe oder den Empfang der Sakramente bezieht, obwohl es um diese Materie in „Amoris laetitia“ doch einschlägig geht. Beim ersten Zitat geht es um den Fall, dass jemand die höchste Tugend der Liebe besitzt und ohne schwere Sünde ist, dennoch angesichts widriger Umstände Schwierigkeiten haben kann, in Übereinstimmung mit einer einzelnen sittlichen Tugend zu handeln, da diese nicht gefestigt genug ist, was selbst bei Heiligen im Einzelfall möglich ist. Daraus leitet „Amoris laetitia“ mildernde Umstände für Personen in „irregulären“ Situationen ab, etwa für Personen, die durch ein sakramentales Eheband gebunden sind, die mit einer anderen Person aber wie Eheleute zusammenleben.

Akzeptanz statt Toleranz

Die Landesregierung von Hessen hat still und leise einen fachübergreifenden Lehrplan zur Sexualkunde eingeführt und lehrt nun die Vielfalt sexueller Orientierungen ähnlich wie in Baden-Württemberg. Der Widerstand wurde per CDU-Ministerentscheid gebrochen (siehe dazu hier, hier und hier).

Zu den Aufgaben und Zielen der schulischen Erziehung gehören nun mehr oder weniger sinnvolle Anliegen wie:

  • Gleichberechtigung von Frauen und Männern in allen Lebensbereichen;
  • Geschlechtergerechtigkeit;
  • Respekt der sexuellen Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen;
  • sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche unterschiedliche Werte und Normen, die durch die kulturelle Herkunft oder Religionszugehörigkeit geprägt sind;
  • Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intersexuellen Menschen (LSBTI);
  • Partnerschaft und Sexualität von Menschen mit Behinderungen;
  • Verbreitung von HIV/Aids und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten;

Immerhin soll neben dem „Coming Out“ und der “Vielfalt sexueller Orientierungen und Geschlechteridentitäten“ auch über „die Bedeutung des Schutzes ungeborenen menschlichen Lebens“ aufgeklärt werden.

In der FAZ vom 11. Oktober 2016 erschien zu dem Vorgang ein kluger Leserbrief von E.-M. R., den ich hier in Auszügen wiedergebe (Nr. 237, S. 6):

Aus dem Artikel „Akzeptieren oder tolerieren“ … geht klar hervor, dass Hessens Kultusministerium die Inhalte zur Sexualerziehung strategisch möglichst leise einzuführen versucht hat, um den massiven Widerstand der Bevölkerung zu verhindern, wie sich dieser in Baden-Württemberg formiert hatte. Dies ist für sich genommen politisch schon mehr als fragwürdig. Abgesehen von den Inhalten zur Sexualerziehung selbst, finde ich jedoch den neuen Bildungsplan staatsrechtlich äußerst bedenklich.

Der Kultusminister fordert als Ziel der Unterrichts, dass persönliche Wertvorstellungen und Orientierungen „wechselseitig diskriminierungsfrei akzeptiert“ werden sollen, … „Akzeptanz“ wird verlangt, weil nur sie „diskriminierungsfrei“ sei, „Toleranz“ soll nicht genügen. Die Wahl der Begriffe halte ich für einen wesentlichen Kernpunkt der Auseinandersetzung. Wenn man durch den Unterricht die „Akzeptanz“ bestimmter Werthaltungen fordert, beabsichtigt man, in die Identität des Schülers einzugreifen und sie entsprechend staatlich verordneter Bewertungen zu formen. Es genügt nicht, dass der Schüler andere in ihren Lebensweisen und Wertvorstellungen zu tolerieren lernt, nein, er soll diesen bejahend gegenüberstehen und sie sich selbst zu eigen machen, … Das ist nun ein großer Unsinn: Wo ich mit andern übereinstimme, stellt sich die Frage nach Akzeptanz oder Toleranz sowieso nicht. Da es in der Gesellschaft aber immer Unterschiede in Werthaltungen und Lebenseinstellungen geben wird, muss der Schüler die Toleranz als Wert verinnerlichen. Darum ist sie ein wesentliches Bildungsziel, auch im Hessischen Schulgesetz (HSchG §2). Der Schüler muss verstehen lernen, dass sie notwendig ist, damit in einer Gesellschaft Demokratie gelebt werden kann und der Frieden untereinander in all unserer Verschiedenheit gewährleistet ist.

Einen Bildungsplan, dem die verfassungsrechtlich vorgeschriebene Toleranz als Bildungsziel nicht genügt, sondern der stattdessen die Akzeptanz ganz spezifischer Weltanschauungen und Bewertungen zu implementieren versucht, kann man nur als Gesinnungslehrplan bezeichnen …

Volker Beck erklärt uns die Philosophiegeschichte

David Berger hat sich Becks Kritik zu Kardinal Müllers neuem Buch Die Botschaft der Hoffnung genauer angesehen und befindet:

Die eigentliche intellektuelle Katastrophe beginnt aber so recht eigentlich dort, wo Beck sich zum Philosophiehistoriker aufzuschwingen sucht. So gut wie nichts stimmt an den Postulaten, die irgendwie nach Pseudophilosophie im Dienste des eigenen Trieblebens klingen.

Bergers Kommentar ist ein Genuss, auch wenn ich – anders als er – ein robustes teleologisches Naturrecht (griech. φύσει δίκαιον, ich vermute, auf das teleologische Naturrecht bezieht sich Beck) schon bei den Griechen in der Antike finde (Sophokles, Platon o. Aristoteles).

Davon abgesehen zeugt Becks Einlassung in der Tat von theologischer Ahnungslosigkeit, z.B., wenn er das Liebesgebot Jesu gegen Normen ausspielt. Diese naïve Liebesethik wird Augustinus’ „Liebe, und tue, was du willst“ ja auch gern untergeschoben. Aber da ist nachweislich etwas bei Augustinus hineingelesen worden, was er nie gesagt hat.

Zu Augustinus schrieb ich 2010 aus einem anderen Anlass:

»Alles, was aufgenommen wird, wird auf die Weise des Aufnehmenden aufgenommen«, sagten schon die mittelalterlichen Gelehrten. Diese Einsicht lässt sich wunderbar daran demonstrieren, wie … Luther, Bonhoeffer und Augustinus für die Rechtfertigung seiner sexualethischen Positionen in Anspruch nimmt. Auf Augustins »Liebe und tue, was du willst«-Zitat möchte ich kurz eingehen.

Augustinus von Hippo (354–430 n.Chr. ) schrieb auf Lateinisch. Das Zitat entstammt seinem Kommentar zum 1. Johannesbrief (In epistulam Ioannis ad Parthos, tractatus VII, 8). Er gebraucht dort für die Benennung der Liebe weder »amor« noch »caritas«, sondern »dilectio«. Die damit bezeichnete Liebe meint keine Gefühlsregung oder gar Sinnlichkeit, sondern die vernünftig ausgewählte Liebe (vgl. die etymologische Verwandtschaft zu »electio«). Augustinus fokussiert mit »dilectio« auf die Liebe, die den Menschen freisetzt, mit Freude das zu tun, was Gott gefällt, ganz im Sinne von Joh 14,15, wo Jesus sagt: »Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.« Gemeint ist also die Liebe, die dem Glaubenden durch den Heiligen Geist gegeben ist und die den Willen des Vaters im Himmel sucht (vgl. Röm 5,5). Der Kirchenvater kannte gar keine »wahre Liebe«, die sich über die von Gott geforderte Gerechtigkeit und die uns geschenkten Gebote hinwegsetzen könnte.

Es gibt in der Geistesgeschichte noch einen anderen »Großen«, der sich das »Tu, was du willst, soll sein das ganze Gesetz. Liebe ist das Gesetz, Liebe unter Willen«, auf die Fahne geschrieben hatte, nämlich Aleister Crowley (1875–1947). Crowley verlegte den Schwerpunkt auf den »wahren Willen« des Menschen, wir könnten auch sagen: auf den Willen des Fleisches. Etwa so: »Wenn du tust, was du wirklich und bewusst willst, wirst du magische Macht (über andere) besitzen.«

Christen tun gut daran, Gottesliebe nicht mit Selbstliebe zu verwechseln.

Ungereimtheiten der politischen Korrektheit

Gina Thomas, Feuilletonkorrespondentin für die FAZ mit Sitz in London, hat sich eine Untersuchung der britischen Medienaufsichtbehörde Ofcom genau angeschaut und brisante (nicht überraschende) Einsichten ans Licht gebracht. Die Politik der politischen Korrektheit ist gegenüber bestimmten Interessengruppen akribisch korrekt, andere Gruppen bleiben jedoch auf der Strecke. Die Toleranz gegenüber Begriffen, die als rassistisch oder homophob gelten, ist gesunken. Gleichzeitig ist die Toleranz gegenüber krassen Schimpfworten, wie auch die Akzeptanz von Kränkungen älterer Menschen, gestiegen.

Der Bericht wertet die geringere Akzeptanz für den diskrimierenden Sprachgebrauch gegenüber Minderheiten zu Recht als „klare Anerkennung des Wandels und der sich verändernden kulturellen Normen“. Das aktuelle „Barometer anstößiger Sprache“ – so bezeichnet Ofcom die Übung – spiegelt freilich auch die Ungereimtheiten der politischen Korrektheit, die sich in den letzten Tagen wieder ballen. Ein BBC-Mitarbeiter, der seit achtzehn Jahren an einer Hörfunksendung mitwirkt, behauptet, er sei mit der Begründung entlassen worden, dass mehr Frauen und Vielfalt erwünscht seien. Wäre man ihn losgeworden, weil er nichts tauge, hätte er sich damit abgefunden, meinte der Moderator, die Stellenvergabe nach Geschlecht und Hautfarbe betone jedoch bloß jene gesellschaftliche Spaltung, die das Gleichheitsbestreben zu beseitigen suche.

Reinschauen: www.faz.net.

VD: JS

„Krieg zur Zerstörung der Ehe“

Papst Franziskus hat mit überraschend deutlichen Worten die Gendertheorie verurteilt. Sie werde in französischen Schulen unterrichtet, obwohl sie gegen die Ordnung der Natur sei. Die FAZ berichtet:

Papst Franziskus hat auf dem Rückflug vom Kaukasus die „hinterlistige Indoktrinierung mit der Gendertheorie“ kritisiert. In seiner fliegenden Pressekonferenz berichtete er am Sonntagabend von einem französischen Vater, der ihm erzählt habe, wie der zehnjährige Sohn eines Tages auf die Frage, was er einmal werden wolle, geantwortet habe: „Ein Mädchen.“ Da sei dem Vater klar geworden, „dass in Schulbüchern weiterhin die Gendertheorie unterrichtet wird, obwohl diese gegen die natürliche Ordnung ist“, sagte der Papst und warf den Schulen den Willen zur „Änderung der Mentalitäten“ und eine „ideologische Kolonisierung“ vor. Die Gendertheorie geht davon aus, dass Geschlechter lediglich soziale Konstruktionen sind.

Mehr: www.faz.net.

Angriff auf die Geschlechterforschung

Keine andere akademische Disziplin wird derart lächerlich gemacht wie die Geschlechterforschung, meint der Kunstwissenschaftler Daniel Hornuff im DEUTSCHLANDRADIO KULTUR.

Es lohnt sich, mal genauer in diesen Beitrag hineinzuhören. Zunächst werden Pappkameraden aufgebaut, z.B. durch die Behauptung, Kritiker der Gender Studies seien sich dessen gewiss, dass Geschlecht einer Person sei ausschließlich biologisch bedingt. Oder durch die Beobachtung, Kritiker seien sich untereinander völlig uneins.

Kurz: Ich kenne keinen Kritiker der Gender Studies, der in naturalistischer Manier einen Einfluss des Denkens oder/und der Tradition auf das Geschlecht abspricht. Und: Wären sich Kritiker in allem uneins, dann kritisierten sie nicht ein und dieselbe Sichtweise auf das soziale Geschlecht. Umgekehrt spricht doch die Tatsache, dass es unter den Kritikern zum Teil erhebliche Meinungsverschiedenheit gibt, für die Ernsthaftigkeit ihrer Arbeit.

Anschließend schreibt Daniel Hornuff dann Kritikern der Gender Studies bestimmte Eigenschaften zu, darunter:

  • sie greifen die Wissenschaft allgemein an;
  • sie sind blasierte Schreihälse;
  • sie wollen die Geschlechterforschung grundsätzlich abschaffen;
  • sie haben das kritische Denken durch Ideologie ersetzt;
  • sie sind von anti-akademischer Arroganz geprägt;
  • sie sind Dogmatiker (im Gegensatz zu den exponieren Verfechtern der Gender Studies);
  • es gibt eine große Schnittmenge zwischen Kritikern der Geschlechterforschung und Rechtspopulisten.

Das Beispiel zeigt mal wieder, wie wunderbar Politiker, Journalisten, Kultur- und Kunstwissenschaftler u.s.f. im Auftrag der Populismuskritik ihre Gegner populistisch herabwürdigen. Diese Form der Verteidigung ist mindestens so pauschalisierend, wie eine Denkweise, die die Geschlechterforschung in Bausch und Bogen verbannen will. Hornuff hat sich mit keinem Argument der Genderkritiker sachlich auseinandergesetzt, z.B. mit dem starken Argument, dass das soziale Geschlecht nicht vom biologischen Geschlecht abgetrennt werden kann. Viel hilfreicher wären das ehrliche Gespräch und ein kritischer Diskurs, der auch die These zulässt, die Gender Studies wollten unter dem Schutzmantel der Wissenschaft diskusrfrei eine neue Ethik kanonisieren.

Hier der Beitrag:

 

ETS und die Ethik

091916 1444 ShouldanEva1Stan Gundry ist Senior Vizepräsident bei Zondervan Academic und ehemaliger Präsident der Evangelical Theological Society (ETS). Die ETS ist eine 1949 gegründete Theologenvereinigung mit hohen Standards bzgl. dem Schriftverständnis. In der Lehrbasis heißt es: „Die Bibel allein und die Bibel in ihrer Gesamtheit ist das geschriebene Wort Gottes und ist daher  in den originalen Handschriften (Autographen) unfehlbar. Gott ist eine Trinität von Vater, Sohn und Heiliger Geist, jede Person ist ungeschaffen, im Wesen eins, gleich in Macht und Herrlichkeit.“

Etliche Theologen aus Deutschland haben sich übrigens der ETS angeschlossen.

Im vergangenen Jahr hat die ETS wegen aktueller Trends in der amerikanischen Rechtssprechung eine Resolution zu Fragen bzgl. Ehe und Gender verabschiedet. Darin heißt es:

1. We affirm that all persons are created in the image and likeness of God and thus possess inherent dignity and worth.
2. We affirm that marriage is the covenantal union of one man and one woman, for life.
3. We affirm that Scripture teaches that sexual intimacy is reserved for marriage as defined above. This excludes all other forms of sexual intimacy.
4. We affirm that God created men and women, imbued with the distinct traits of manhood and womanhood, and that each is an unchangeable gift of God that constitutes personal identity.

Zurück zu Stan Gundry. In einem Offenen Brief hat er nun die Resolution aus dem Jahr 2015 infrage gestellt und eine größere Vielfalt innerhalb der ETS gefordert. Denny Burk erörtert in seinem Blog die Vorgänge und kommt zu dem Schluss:

The ETS has shown little interest in drawing more boundaries or in strictly enforcing the current boundaries. If that situation holds, shouldn’t we expect more presentations from members affirming gay marriage? Gundry is arguing that this is exactly the kind of Society we need to be. I am wondering how many members agree with him. I could be wrong, but my sense is that the vast majority of ETS members don’t agree with him. But having said that, I see no evidence that the Society has the will to do anything about it.

I have no plans to spearhead another effort to amend ETS’s doctrinal basis. But members should recognize that ETS is a democratic society. Thus ETS will be what its members allow it to be. Our policies allow for members to affirm gay marriage so long as they base their arguments on the Bible. If the members allow this slow-motion drift in the direction of affirming gay marriage, they should not be surprised when the Society is eventually gutted of its evangelical identity. And that is something that Carl Henry, Roger Nicole, and the other founders never intended for ETS.

Möglicherweise sind diese Vorgänge Indizien für einen revisionistischen Trend. Sollte es in der ETS keinen substantiellen Widerstand geben, wird das in Nordamerika zu weiteren Konfusionen innerhalb der evangelikalen Szene führen. Abzusehen ist ausserdem, was das für weniger gefestigte Vereinigungen außerhalb Nordamerikas bedeutet.

Hier die ganze Geschichte von Denny Burk: www.dennyburk.com.

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„Ich sehnte mich nach einer normalen Familie“

Wie immer wieder zu lesen ist, hat die Wissenschaft bewiesen, dass Kinder keine leiblichen Eltern brauchen und sie bei schwulen oder lesbischen „Eltern“ auch gut aufgehoben sind. Wichtig seien allein die „behüteten Verhältnisse“ (vgl. hier).

Brandi Walton aus Südkarolina (USA) ist als Kind in einem lesbischen Haushalt aufgewachsen. In einem persönlichen „Schreiben“ erzählt sie, wie schwer es für sie war, im Haushalt gemeinsam mit zwei Frauen aufzuwachsen.

In einem Zuhause ohne Anwesenheit eines Mannes groß zu werden, hat mir persönlich geschadet. Alles, was ich von der Zeit an, als ich ein kleines Mädchen war, wollte, war eine normale Familie. Als ich Abitur gemacht habe, waren meine Gedanken nicht ganz da, wo sie hingehörten. Während meine Freunde vom College begeistert waren, war ein Teil von mir gar nicht anwesend, und ich wusste, dass ich mich vollständig fühlte, bis ich es finde. Anders als die anderen um mich herum, hatte ich den Wunsch, meine eigene Familie zu gründen und Stabilität zu gewinnen. Das führte zu zwei äußerst ungesunden Beziehungen.

Die Studien, die behaupten, uns ginge es genauso gut oder besser als unsere Kollegen, die bei richtigen Eltern aufwuchsen, sind in den meisten Fällen schwerlich wissenschaftlich und repräsentieren nicht alle von uns.

Hier ihre ganze Geschichte: thefederalist.com.

Juristen wollen Rechte sozialer Eltern stärken

In dem Beitrag Die Neuordnung der Elternschaft habe ich darauf aufmerksam gemacht, dass auf dem 71. Deutschen Juristentag in Essen über die Elternschaft gestritten wird. Inzwischen ist die Tagung vorüber und die FAZ informiert über die Beschlüsse zum Familienrecht (FAZ vom 16.09.2016, Nr. 217, S. 4).

Es gibt eine schlechte und eine gute Nachricht:

Im Familienrecht will der DJT vor allem die Rechte von sozialen – also nicht genetischen – Eltern stärken. So soll etwa bei einer Zeugung durch Samenspende schon die Einwilligung des Mannes in die künstliche Befruchtung dazu führen, dass er abstammungsrechtlich als Vater gilt. Gleiches soll für private Samenspenden geregelt werden, wenn Mutter und Vater vor der Zeugung erklärt haben, dass dem genetischen Vater keine Elternposition zukommen soll. Eine deutliche Mehrheit erhielt die Forderung, eingetragenen Lebenspartnern die gemeinschaftliche Adoption von Kindern zu erlauben. Kinder sollen nach dem Willen der familienrechtlichen Abteilung des DJT in Zukunft von Geburt an zwei Mütter haben können. Es sei „die Möglichkeit vorzusehen, dass die lesbische Partnerin der Geburtsmutter bereits bei der Geburt die rechtliche Elternschaft erlangt“, heißt es in einem Beschluss. Zudem sollen auch die übrigen Regeln zur künstlichen Befruchtung auf lesbische Paare anwendbar sein.

Nicht durchsetzen konnte sich der Antrag, auch die Elternschaft von mehr als zwei Personen rechtlich anzuerkennen. Relevant ist das vor allem in Fällen schwuler und lesbischer Paare, die sich zur Zeugung von Kindern zusammen tun. Verfassungsrechtlich wäre dies aber problematisch, da das Bundesverfassungsgericht bisher zu dem Grundsatz steht, dass ein Kind nicht mehr als zwei Eltern haben solle.

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