Ethik

Beiträge aus dem Bereich Ethik.

Eröffnung des EKD-Studienzentrums für Genderfragen

Die EKD macht es den in ihr verbliebenen bekenntnisorientierten Mitgliedern wirklich schwer. Nach dem Desaster mit der Orientierungshilfe und der „Eine Tür ist genug“-Kampagne wurde gestern ein Studienzentrum für Genderfragen in Kirche und Theologie in Hannover eröffnet. Da sage jemand, die EKD setze keine Prioritäten!

Einschlägige Agenturen wie idea oder Medienmagazin pro haben hinlänglich darüber berichtet. Wer sich die Mühe macht, die „Tischreden“ zur Eröffnung zu lesen, wird schnell erkennen, in welche Richtung es geht. Der Ertrag steht fest. Mit Skeptikern will die Kirche nachsichtig umgehen. Bei der wissenschaftlichen Arbeit und deren Vermittlung müssen – so Nikolaus Schneider – die Ängste und Vorurteile gutwilliger Verächter berücksichtigt werden. Prof. Dr. Claudia Janssen, Studienleiterin des Zentrums, läßt uns in ihrem Statement wissen:

Ich wünsche mir für das Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie, dass es ein Ort des Dialogs wird. Der Begriff Gender öffnet sich für den ganzen Reichtum an Forschungsdiskursen, an die wir anknüpfen können: Feministische Theologien, Rassismus-Diskurse, insbesondere den christlich-jüdischen Dialog, queer-Theologien, ökumenische, unterreligiöse und postkoloniale Diskurse… Ich persönlich nähere mich den Fragen des Geschlechterverhältnisses aus feministischer Perspektive an und will aus den Dialogen lernen: nicht nur zwischen Männern und Frauen, sondern zwischen allen Geschlechtern, zwischen Menschen, die hetero-, bisexuell, lesbisch, schwul, transgender, intersexuell, queer sind.

Gender ist ein offener Begriff, der mit Leben gefüllt werden muss. Eine geschlechterbewusste Theologie, die wir im Studienzentrum weiterentwickeln wollen, steht für eine Kultur der Wertschätzung in unserer Kirche: eine Kultur, die Unterschiede hoch achtet und gleichzeitig auch darauf schaut, was uns verbindet. Der Erfolg der Arbeit der letzten Jahre zeigt, dass die Idee des Studienzentrums von vielen unterschiedlichen Menschen, Haupt- und Ehrenamtlichen getragen wird, die in der Entwicklung einer geschlechterbewussten Theologie eine innovative Kraft für unser Kirche sehen.

Die Bibel ist in diesem Prozess der Veränderung eine Kraftquelle – spirituell und politisch. Eine geschlechterbewusste Hermeneutik für die Auslegung der Bibel zu entwickeln, bedeutet festgefügte Geschlechterklischees zu überwinden und die Aktualität ihrer befreienden Aussagen neu zu entdecken. Geschlechterbewusste Bibelauslegung ist immer kontextuell. Sie speist sich aus vielfältigen Dialogen: zwischen allen Geschlechtern, den Generationen, Dialogen zwischen Wissenschaft und Praxis, zwischen Gesellschaft, Politik und Theologie und Dialogen zwischen den Religionen; sie lebt vom Austausch weltweit.

Dialog und Nachsicht gibt es allerdings nur für Leute, die sich für die neue Genderkultur als anschlussfähig erweisen. Das wird jeder merken, der an einer Gebotsethik festhält. Wolfgang Thielmann erklärt beispielsweise in der Ausgabe 13/2014 von Christ & Welt, die Kirche habe auf dem gegenderten Kurs zu bleiben, solange es in ihr noch „Stinos“ (gemeint sind heterosexuelle Spießer) gibt, die zwischen Mann, Frau oder __ unterscheiden:

Und natürlich protestieren die Evangelikalen. Die konnten schon immer gut mit der CDU. Sie sind die protestantischen Stinos. „Ich bin zutiefst geschockt und sehe alle christlichen Werte verraten!“, zitiert der Nachrichtendienst idea einen ihrer Vertreter mit Namen Alexander Schick. Das Video spüle alle ethische Autorität der Protestanten durch den Abfluss. Ein anderer Evangelikaler, er heißt Ron Kubsch und ist Dozent für Apologetik, empfiehlt in idea: „Man kann ja austreten.“ Eben nicht, Herr Kubsch, eben nicht, solange Sie die einzige Tür in der Kirche blockieren!

Na dann. Gute Nacht!

Sexualethik und Gendermainstreaming

Heute Abend (Mittwoch, 2. April 2014, 20:00 Uhr) ist beim ERF in der Reihe Glaube + Denken ein interessanter Vortrag von Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz zu hören.  Sie hat ihn im vergangenen Jahr auf dem Kongress der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge gehalten.

Der ERF schreibt:

Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz spricht zu dem Thema „Leib, Leben, Liebe – Sexualethik und Gendermainstreaming“. Zunächst stellt sie sehr ausführlich einige Facetten und Konsequenzen der Genderideologie dar und bezieht sich dabei vor allem auf Aussagen der us-amerikanischen Philosophin Judith Butler. Anschließend unterzieht sie die Gendertheorie einer philosophischen, genauer: phänomenologischen Kritik. Ausgehend von einem Diktum Helmuth Plessners – „Ich habe einen Körper, aber ich bin mein Leib“ – fragt Gerl Falkovitz nach der Sprache bzw. Selbstaussage des menschlichen Leibes und kommt u. a. zu dem Ergebnis: „Der Gedanke der Selbstgestaltung des Menschen ist an sich gesehen weder sachlich falsch noch moralisch böse. Wir haben auch unseren Leib zu gestalten. […] Aber der Leib selbst hat bereits etwas ausgesagt, noch bevor ich überhaupt mich frage, was ich mit ihm tun will. […] Ich bin mir schon gegeben, bevor ich überhaupt versuche, da dran etwas zu manipulieren. […] Leib ist Vorgabe. Leib ist Datum und nicht Faktum. Und dass ich tatsächlich daran „schnitzen“ kann, dass ich da umorganisieren kann, kommt nur aus der Tatsache heraus, dass es mich schon gibt, bevor ich daran „schnitze“.

Ich habe schon mal reingehört und finde den Einstieg über die Mystik etwas anstrengend. Aber die Kritik an Judith Butler ist hilfreich.

Wer den Sender nicht empfangen kann, wird hier fündig: www.erf.de.

Die noch größere Anpassung

Holger hat das Hin und Her bei World Vision in Nordamerika hilfreich kommentiert und zeigt dabei unter Rückgriff auf einen 30 Jahre alten Text von Francis Schaeffer, wie weit die Anpassung der Evangelikalen an den Geist der Zeit inzwischen geht.

Doch nun kommt’s: Mitte der Woche nahm WV-US den Beschluss wieder zurück! Wieder brachte CT einen Beitrag („World Vision Reverses Decision To Hire Christians in Same-Sex Marriages”) und zitiert darin den Präsidenten von WV-US, Richard Stearns: „Die letzten beiden Tage waren schmerzhaft… Wir fühlen Schmerz und bedauern von Herzen, dass wir viele Freunde verwirrt haben, die in dieser Änderung der Grundsätze der Personalpolitik eine Abkehr von der biblischen Autorität bei World Vision sehen. Dies war jedoch nicht beabsichtigt… Anstatt mehr Einheit [unter Christen] zu schaffen, haben wir gegen unser Absicht für mehr Spaltung gesorgt.“

„Progressive“ Evangelikale wie Tony Jones nahmen diesen Rückzieher mit Schrecken auf. Der Vordenker der emerging church hier: „Was WV gestern getan hat, wird im größeren und öffentlichen Rahmen junge Leute reihenweise aus der Kirchen und vom Glauben weg drängen.“ Jones zitiert einen anonymen Mitarbeiter von WV-US: „Homosexuelle Menschen arbeiten bei World Vision, und heute [d.h. vor dem Rückzieher] wurde zum ersten Mal öffentlich anerkannt, dass homosexuelle und lesbische Christen herzlich eingeladen sind, bei World mitzuarbeiten – solange sie wie alle unverheirateten Mitarbeiter bereit sind, abstinent zu leben.“

Mehr: lahayne.lt.

World Vision macht Rückzieher

World Vision hat auf den Protest aus Spenderkreisen reagiert und die Entscheidung, eine revidiertes Eheverständnis einzuführen, zurückgenommen. „Bestimmte Überzeugungen sind so zentral für unseren trinitarischen Glauben, dass wir entschieden daran festhalten müssen“ sagte der Präsident von World Vision in Nordamerika, Richard Stearns, nur zwei Tage nachdem er einen Richtungswechsel bekannt gab.  Künftig werde nur der „biblische Bund der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau“ respektiert, erklärte das Hilfswerk laut Christianity Today. 

Das Deutschlandradio Kultur meldete gestern:

Zwei Tage zuvor hatte das christliche Hilfswerk angekündigt, auch verheiratete oder in Partnerschaft lebende Homosexuelle beschäftigen zu wollen. Daraufhin hatten vor allem evangelikale Kirchen protestiert. In Schreiben spricht der Vorstand nun von einem „Fehler“ und bat um Verzeihung für die vermeintliche Abkehr von der entschiedenen Verpflichtung gegenüber der biblischen Autorität.

Laut dem US-amerikanische Sender Christian Broadcasting Network hatten mehrere Leiter christlicher Gemeinschaften zu einem Spendenboykott aufgerufen. „World Vision Deutschland“ fragt Bewerber und Mitarbeiter nicht nach ihrer sexuellen Identität oder nach ihren Partnerschaften.

Meines Erachtens spiegelt die Kontroverse wider, wie sehr heute soziologische oder monetäre Kenngrößen über theologische Inhalte entscheiden. Timothy Dalrymple thematisiert in seinem Kommentar die Vernachlässigung der Theologie.

When Stearns and his team call it a “culture war” issue, that belittles the significance of the issue. It makes the people who work for healthy families (and therefore for healthy environments for children) feel that their labors are devalued. And it shows, I think, a limited engagement with scripture and the theological tradition on the issue as well as a shortsighted vision of God’s redemption of the world. It’s extraordinarily important to serve the poor. Putting food in the mouths of children who would otherwise starve is sacred and eternally significant work.

But it’s also extraordinarily important to strengthen families so that fewer people will be poor in the first place. It’s also extraordinarily important to speak for God’s truth and the gospel of Jesus Christ, so that more people — rich and poor alike — can enjoy a reconciled relationship with God forever. And it’s also extraordinarily important to uphold the truths and values of God, because people who embrace anything short of that are, ultimately, embracing self-destruction.

„World Vision“ und das Evangelium

Diese Woche gab es in der evangelikalen Welt Nordamerikas eine „Explosion“. Die ursprünglich evangelikale Hilfsorganisation World Vision teilte mit, dass sie von nun an Menschen unterstütze und anstelle, die in einer gleichgeschlechtlichen Ehe leben. Kenner der Szene waren nicht überrascht, aber insgesamt löste die Nachricht einen „Infosturm“ aus. Die Seite von Christianity Today, auf der Richard Sterns den Politikwechsel bekannt gab, war wegen Überlastung teilweise nicht erreichbar. Begründet hat er die neue Ausrichtung unter anderem mit dem Hinweis darauf, dass Veränderung das Symbol der christlichen Einheit, nicht Kennzeichen von falschen Kompromissen sei.

Franklin Graham, Sohn von Billy Graham und Leiter der Hilfsorganisation „Samaritan’s Purse“, reagierte mit den Worten:

Ich war schockiert als ich heute hörte, dass World Vision sich entschieden hat, auch gleichgeschlechtliche Paare anzustellen. Die Bibel zeigt klar, dass die Ehe eine Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau ist. Meinem lieben Freund, Bob Pierce, dem Gründer von World Vision und Samaritan’s Purse, würde das Herz brechen. Er war ein Evangelist, der dem inspirierten Wort Gottes vertraute.

Umfangreichere theologische Analysen der Entscheidung sind bei Kevin DeYoung und Denny Burke zu finden. Ich veröffentliche nachfolgend mit freundlicher Genehmigung eine Stellungnahmen von Dr. Russell Moore, dem Sprecher für Religionsfreiheit und Ethik des Bundes der Südlichen Baptisten in Nordamerika. Ich danke Ivo C. für die schnelle Übersetzung.

World Vision und das Evangelium

World Vision, eine christliche Hilfsorganisation, hat heute bekanntgegeben, dass sie nun auch Menschen engagiere, die in gleichgeschlechtlicher Ehe leben. Dies sei kein Akt der Kapitulation, wie es heißt; man trage hiermit vielmehr dem Umstand Rechnung, dass viele Menschen, die World Vision unterstützen, verschiedene Ansichten zu Sexualität und Ehe haben.

Auf der einen Seite ist das keine Überraschung: Die Konstellation übergemeindlicher christlicher Hilfsorganisationen hat sich nach dem 2. Weltkrieg mit einigen bemerkenswerten Ausnahmen direkt auf genau jenen allgemeinen Liberalismus zubewegt, als dessen Gegenstück sie gegründet worden waren. Manche sind der Ansicht, wenn wir die christliche Rechtgläubigkeit nur schnell genug los würden, könnten wir in Sachen Gemeindewachstum auf der Modewelle der Presbyterian Church (USA) mitschwimmen.

Was steht hier wirklich auf dem Spiel? Es geht nicht um so etwas wie ein „großes Zelt“, unter dem verschiedene Sichtweisen zur Taufe, Gemeindeverfassung usw. Platz fänden, wie die Stellungnahme der World Vision (unglaublicherweise) verlautbart.

Hier steht nichts weniger als das Evangelium Jesu Christi selbst auf dem Spiel! Wäre der sexuellen Umgang jenseits biblischer Ehedefinition moralisch „neutral“, ja, dann sollten wir darauf verzichten, diese Sache zu problematisieren. Hat jedoch die deutliche Aussage der Heiligen Schrift recht und sind die Überzeugungen einer zweitausendjährigen Kirchengeschichte wahr, dann wäre der Verzicht auf den Aufruf zur Umkehr unsagbar grausam, ja, sogar teuflisch!

Satan wirkt auf zwei Weisen: Durch Täuschung („Keineswegs werdet ihr sterben!“ 1Mo 3,4) und durch Anklage („der Verkläger unserer Brüder“ Offb 12,10). Einigen Menschen möchte der Teufel glauben machen, so etwas wie „Umkehr“ sei gar nicht nötig. Andere möchte er gerne überzeugen, dass es keine Hoffnung auf Erbarmen gibt. Manche Menschen lassen sich von ihm täuschen und meinen, sie seien zu gut für das Evangelium; andere wiederum erliegen der Anklägermasche und meinen, sie seien zu schlecht.

Das Evangelium Jesu Christi zerschlägt beide Strategien. Es ruft uns klar zur Umkehr auf, selbst wenn die übrige Welt diesen Schritt hasst. Es ruft uns aber auch deutlich auf, die Barmherzigkeit im Glauben an das Blut Jesu Christi zu ergreifen, selbst wenn wir nicht glauben können, angenommen zu werden.
Weigern wir uns, vor dem Gericht zu warnen, stärken wir die Finsternis; wir stärken sie aber ebenso, wenn wir uns weigern, Vergebung durch das Blut des Kreuzes anzubieten.

Wir treten ein in ein Zeitalter, das zeigen wird, wer die Christen wirklich sind, und damit meine ich jene, die an das Evangelium in seiner ganzen Wahrheit und Gnade glauben. Viele werden zurückschrecken. Bedroht das Evangelium, das sie verkündigen, die Silberschmiede der Artemis-Tempel nicht, dann kommt es auch zu keinen Spannungen. Richten sie ihre Evangeliumspredigt nicht an „Zöllner“ und „Tempeldirnen“, dann gibt es auch kein Gerede.

Da ist eine ganze Gruppe von Menschen da draußen, die als Evangelikale leben und sich im Hinblick auf ihre Sexualität „entfalten“ möchten, ohne sich von ihrer Grundlage zu entfremden. Meinetwegen wechseln Menschen die Seiten und stehen zu den Dingen, an die sie glauben. Sie sollten allerdings aufrichtig sein im Hinblick auf ihre eigene Handlungsweisen! Sie sollten nicht sagen: „Sollte Gott wirklich gesprochen haben …?“, um im Anschluss zu behaupten, sie täten das nur um des Fortschritts des Evangeliums und der Einheit der Kirche willen!

Spender kommen und gehen, doch das Evangelium Jesu Christi bleibt für immer.

Eine Vision für die Welt ist eine gute Sache, es sei denn, die Welt ist alles, was Sie sehen können.

Was tut die „Pille danach“?

In den letzten Monaten wurde ich von Christen mehrmals „zurechtgewiesen“, da ich im Gespräch auf eine mögliche abtreibende Wirkung von Ulipristal hingewiesen habe. Dass die „Pille danach“ kein Verhütungsmittel ist,  sondern im Verdacht steht, einen Abtreibungsmodus auszulösen, ist nun Gegenstand eines FAZ-Artikels:

Allerdings gibt es Befunde, die zusätzliche Brisanz in die Debatte bringen. Die Gruppe um Bruno Mozzanega von der Universität in Padua meldet erhebliche Zweifel an, dass Ulipristal tatsächlich ein Mittel zur Notfallverhütung ist. Sie behauptet vielmehr, dass es eher in die Kategorie „Abtreibungspille gehört („Reproductive Sciences“). Der Unterschied ist keineswegs trivial. In dem einen Fall verhindert das Mittel, dass ein Embryo entsteht, im anderen Fall, dass der bereits vorhandene Embryo weiterleben kann.

Eine „Pille danach“ wirkt so, dass sie den Eisprung verhindert oder hinauszögert. Das monatlich in den Eierstöcken heranreifende Ei soll nicht weiter reifen, und der Follikel, der das Ei enthält, soll nicht platzen. Sonst könnte das reife, gesprungene Ei in die Eileiter gelangen und dort von einer Samenzelle befruchtet werden. Die „Pille danach“ kann nie sicher sein. Denn hatte eine Frau zum Zeitpunkt des Verkehrs gerade einen Eisprung, nützt die Notfallverhütung nichts. Kurz vor dem Eisprung mitunter auch nicht, denn es ist bekannt, dass zum Beispiel der Orgasmus der Frau einen Eisprung vor der Zeit auslösen kann. Die Angaben zur Sicherheit der Notfallverhütung sind deshalb vage: Es heißt, dass Ulipristal etwa 80 Prozent jener Schwangerschaften, zu denen es nach ungeschütztem Verkehr hätte kommen können, verhindert.

Allerdings wirkt Ulipristal über einen weiteren Mechanismus wie eine Abtreibungspille.

Mehr: www.faz.net.

Tolkien: „Der Teufel ist erfinderisch“

Tolkien ist als Autor von Romanen wie „Der Herr der Ringe“ und „Der kleine Hobbit“ weltweit bekannt. Nur wenige wissen, dass er ein begnadeter Briefeschreiber war. In einem Brief an seinen Sohn Michael hat Tolkien wertvolle Ratschläge über den Umgang mit der Sexualität niedergeschrieben. Albert Mohler, Präsident des Southern Baptist Theological Seminar in Louisville (US-Bundesstaat Kentucky), hat den zitierten Brief Tolkiens an seinen damals 21-jährigen Sohn analysiert.

Der Brief ist in der von Humphrey Carpenter und Christopher Tolkien herausgegebenen Sammlung veröffentlicht. Mohler bezeichnet ihn als „meisterhaft“. Er zeige Tolkiens christliche Weltsicht und seine tiefe Liebe zu seinen Söhnen. Gleichzeitig warne er vor den Gefahren einer ungezügelt ausgelebten Sexualität, schreibt Mohler.

„Der Teufel ist unendlich erfinderisch, und Sex ist sein Lieblingsthema“, schreibt Tolkien weiter. Auf verschiedenen Wegen versuche er, die Menschen zu verführen. Dazu gehörten auch romantische oder zärtliche Gefühle. Tolkien warnte seinen Sohn davor, sich einer Frau hinzugeben, nur weil er sie sympathisch finde.

Tolkien habe die Notwendigkeit für Grenzen und Zurückhaltung gut verstanden, schreibt Mohler weiter. Seine Einschätzung des Sexualtriebes in der gefallenen Welt sei profund. Diejenigen, die sich der sexuellen Lust am meisten hingeben, hätten langfristig die wenigste Freude und Erfüllung darin gefunden, zitiert er einen Brief von Tolkien an seinen Freund C.S. Lewis. Die christliche Ehe sei hinsichtlich der Sexualität der Weg des rechten Maßes.

Mehr bei: kath.net.

Fünf Einsichten aus der AOK-Familienstudie 2014

Job und Kinder unter einen Hut zu bekommen, belastet Eltern und ihre Kinder. Ein glückliches und ritualisiertes Familienleben kann Eltern und Kinder stärken. Hier ein paar Einsichten aus der AOK-Familienstudie 2014:

1. Der Zeitdruck macht den Familien sehr zu schaffen. Hier wird sich auswirken, dass der „Doppelverdienerhaushalt“ zum Normalfall geworden ist:

Analog zur Studie 2010 wurden die Eltern gefragt, inwieweit sie sich als Mutter oder Vater belastet fühlen: zeitlich, finanziell, psychisch, körperlich, partnerschaftlich. Dabei zeigt sich: Eltern leiden vor allem unter Zeitknappheit. Fast die Hälfte der Eltern klagt über starken oder sehr starken Zeitstress, etwa ein Viertel über finanzielle und psychische Belastungen, ein Fünftel über starke körperliche Anstrengung und ein Siebtel über eine partnerschaftliche Belastung. Das unterschiedliche Gewicht der verschiedenen Belastungsfaktoren hat sich bereits in der Vorgängerstudie ergeben. (S. 13)

Der Hauptunterschied zu 2010 ist, dass die Eltern sich heute in den meisten Bereichen (d.h. finanziell, körperlich, psychisch und partnerschaftlich) insgesamt weniger belastet sehen. Gegenläufig dazu hat aber der Zeitdruck im Elternalltag seit 2010 zugenommen: Heute fühlen sich 46% zeitlich stark bis sehr stark belastet, 2010 waren es nur 41%. Ursache dafür könnten die Bildungsanstrengungen vieler (Mittelschicht-) Eltern sein, ihren Kindern durch außerschulische Aktivitäten (Nachhilfe, Sport, Kunst, Musik etc.), die in den letzten Jahren deutlich zugenommen haben, eine bessere Wettbewerbsposition zu verschaffen. (S. 16)

2. Kinder, die sich täglich gemeinsam mit ihren Eltern bewegen, haben weniger gesundheitliche Probleme:

In der aktuellen Familienstudie zeigt sich nun: Kinder, deren Eltern sich jeden Tag mindestens einmal Zeit nehmen, um sich gemeinsam mit ihnen zu bewegen (z.B. Rad fahren oder spazieren gehen), leiden weniger unter gesundheitlichen Beschwerden. Entsprechend haben Kinder, deren Eltern sich nur selten (einmal im Monat) zusammen mit ihnen bewegen, häufiger gesundheitliche Probleme. Das Bewegungsverhalten hat auch Auswirkungen auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität. Kinder von Eltern, die sich mehrmals täglich mit ihnen zusammen bewegen, haben eine höhere gesundheitliche Lebensqualität im Vergleich zu Kindern, deren Eltern sich maximal nur ein paar Mal im Monat mit ihnen bewegen. Eltern sollten sich daher öfters die Zeit nehmen, um sich mit ihren Kindern zu bewegen. So kann mit relativ einfachen Mitteln wie beispielsweise durch einen gemeinsamen Spaziergang oder einer gemeinsamen Fahrradtour die Gesundheit des Kindes gestärkt und seine gesundheitsbezogene Lebensqualität verbessert werden. (S. 73)

3. Eine gute Qualität des Familienlebens wirkt sich positiv auf die Gesundheit der Kinder aus:

Eltern sind mit ihrem Familienleben und mit ihrer Partnerschaft zufriedener, wenn es den Kindern gut geht. Ebenso plausibel ist der umgekehrte Zusammenhang: Zufriedene Eltern haben gesündere Kinder. (S. 76)

4. Freunde, Nachbarn und Verwandte stärken die Familie:

Zu den familiären Ressourcen, die ein gesundes Aufwachsen der Kinder begünstigen, gehört nicht nur frei verfügbare Zeit, sondern auch ein möglichst breites Unterstützungsnetzwerk. 19% der Familien, in denen das Kind keine gesundheitlichen Beschwerden hat, haben Freunde, Verwandte und Nachbarn, die helfen. In Familien mit Kindern, die gesundheitliche Beschwerden haben, sind es nur 12%. Ein ähnlicher Unterschied lässt sich feststellen in Bezug auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Kinder. (S. 82)

5. Die Reglementierung des Medienkonsums wirkt sich positiv auf die Kindergesundheit aus:

Kinder von Eltern, die die Fernsehzeit ihrer Kinder reglementieren, haben in der Tendenz weniger häufig gesundheitliche Beschwerden als Kinder, deren Nutzungsdauer nicht beschränkt ist (20% vs. 23%). Ein vergleichbarer Unterschied zeigt sich bei der Computernutzung. Kinder, deren Zeit vor dem Computer nicht begrenzt wird, haben 1,25 mal so häufig gesundheitliche Beschwerden wie Kinder ohne Nutzungsbeschränkung (25% vs. 20%) … Neben der reinen Nutzungsdauer ist bei Medien wie Fernseher, Computer, Spielkonsole oder Smartphone auch von Bedeutung, ob sie vom Kind allein genutzt werden, oder ob die Eltern an der Nutzung partizipieren und das Kind dabei begleiten. Die Untersuchungsbefunde zeigen nämlich, dass es Kindern, die elektronische Medien eher alleine nutzen, tendenziell gesundheitlich schlechter geht. (S. 83f.)

Die Ergebnisse der Studie können hier heruntergeladen werden: aok_familienstudie_2014_gesamtbericht_band_1.pdf.

„Heißt das, ich muss sterben?“

Belgien hat – wie ich erwartete – als erstes Land die aktive Sterbehilfe für Kinder unabhängig von ihrem Alter erlaubt. Zuvor hatten die Niederlande die aktive Sterbehilfe für Kinder ab 12 Jahren und unter strengen Regeln auch bei schwerkranken Neugeborenen zugelassen.

Für den Arzt Sven Gottschling gehört die Betreuung unheilbar kranker Kinder zum Alltag. Die Debatte um aktive Sterbehilfe nennt er zynisch und erklärt, wie man mit diesen Kindern über den Tod spricht und wie man ihnen beistehen kann.

Der Wunsch, dem Leben ein Ende zu setzen, ist ja – und das gilt nicht nur für Kinder – vor allem ein Hilfeschrei, weil der Patient starke Schmerzen hat, weil er schlecht Luft bekommt, weil er Angst vor einem weiteren Eingriff hat oder sich nicht mehr bewegen kann. Bei vielen dieser Dinge kann ich als Arzt durch Gespräche, Unterstützung oder Medikamente helfen. Manchmal ist der Todeswunsch auch Symptom einer Depression, dann muss ich dieses Krankheitsbild als Arzt behandeln.

Hier: www.faz.net.

VD: JS

Ryan Anderson: Das Wesen der Ehe

Ryan T. Anderson hat kürzlich einen Vortrag zum Thema „True Mariage Equality: Man and Woman“ an der Union Universität gehalten. Obwohl der Vortrag insbesondere auf die Situation in den USA eingeht, ist er auch für Europa aufschlussreich. Eingegangen wird ausführlich auf die naturrechtlichen Argumente für den traditionellen Familienbegriff.

Den Artikel „Mariage: What It Is, Why It Matters, and the Consequences of Redefining It“ von Ryan T. Anderson gibt es hier: www.heritage.org.

VD: JT

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner