Syst. Theologie

Ist die Organspende noch zu retten?

Bundesregierung und Ethikrat möchten diese Debatte vermeiden: Was wir heute über den sogenannten Hirntod wissen, stellt die Transplantationsmedizin auf den Prüfstand. Biologische und neurologische Kriterien genügen nicht zur Entscheidung über Leben und Tod.

Stephan Sahm schreibt für die FAZ:

Doch die biologische Hirntoddefinition kann nicht aufrechterhalten werden. Die Annahme, Hirntote zeigten keine somatische Integration mehr, hat sich als falsch erwiesen. So halten Hirntote ihre Homöostase aufrecht, den Gleichgewichtszustand des Organismus. Sie regulieren Körpertemperatur und bekämpfen Infektionen, produzieren Exkremente und scheiden sie aus. Die Wunden heilen bei Hirntoten ebenso, wie ihr proportioniertes Wachstum gesteuert wird. Schwangere Hirntote können gesunde Babys austragen. Nicht zuletzt reagieren Hirntote mit Ausschüttung von Stresshormonen auf Schmerzreize. Ein britischer Anästhesist wird mit den Worten zitiert, er befürworte die Transplantation von Organen, gedenke aber nur dann einen Spenderausweis bei sich zu führen, wenn er sicher sein könne, dass er vor der Entnahme betäubt würde.

Brisant formuliert Sahm:

Wenn es um brisante Themen der Biopolitik wie die Embryonenforschung geht, werden Philosophen, die naturphilosophische Argumente vortragen, ebenso wie Theologen oft als Ewiggestrige verunglimpft. Im Falle des Hirntods könnte sich das ändern. Vielleicht ist er anders tatsächlich nicht zu retten.

Hier mehr: www.faz.net.

VD: TV

Alfred de Quervain (1896–1968)

Alfred de Quervain (1896–1968) war ein Schweizer Theologe mit reformiertem Bekenntnis. Nach seinem Theologie- und Philosophiestudium wurde er Pfarrer in mehreren Kirchengemeinden, unter anderem auch in der Niederländisch-reformierten Kirche von Elberfeld, der Gemeinde, in der Mitte des 19. Jahrhunderts Kohlbrügge wirkte.

Während des Kirchenkampfes stand Quervain klar auf der Seite der Bekennenden Kirche. 1944 wurde er als ausserordentlicher Professor für Ethik an die Universität Bern berufen. Ab 1948 lehrte er dort als ordentlicher Professor Ethik, Soziologie, praktische Exegese sowie französische Theologie.

Das Kirchenlexikon sagt über Quervains Ethik:

Als Ethiker lehnte er mit Karl Barth und anderen gesinnungsethische Entwürfe ab, weil diese unmöglich mit der Botschaft von der in Christus Wirklichkeit gewordenen Gnade zu vereinbaren sei. Ebenfalls der dialekt. Theologie verpflichtet ist seine Betonung der Humanität des Menschen als freie Setzung Gottes im Schöpfer- und Gnadenakt, durch die die menschliche Welt der Sittlichkeit radikal in Frage gestellt werde. Deshalb kann de Q. nicht von einem christlichen Humanismus reden, sondern nur von der Liebe Gottes zum Menschen. – Die wesentlichen Schwerpunke seiner wissenschaftlichen Arbeit sind die politische Ethik und Grundsatzreflexionen über das menschliche Handeln angesichts des Willens Gottes.

Jan Rohl schreibt über Quervain in seiner Geschichte der Ethik (Tübingen: Mohr Siebeck, 1999, S. 687):

Ganz auf dem Boden ihrer christologischen Begründung bei Barth bewegt sich die Ethik Alfred Quervains, die grundsätzlich die Heiligung zum Gegenstand hat. Die Heiligung bestimmt de Quervain dabei als den Stand der in Christus von Gott Erwählten, die ihren Wandel als Glieder des Volkes Gottes im Dank für diese Gnade führen. Unser Tun ist also nur Dank für den Glauben und Gehorsam Christi, durch die er über die Welt gesiegt und sie geheiligt hat. Die Königsherrschaft Christi erstreckt sich daher über die ganze Welt. Wie nun die alttestamentlichen Gebote bereits Zeugnisse der Gnade Gottes sind, so ist auch Mose für de Quervain nicht der Überbringer eines vom Evangelium getrennten Gesetzes, sondern Verkündiger der Königsherrschaft Christi. Die Kirche hat dann die Aufgabe, der Welt als Zeichen dafür zu dienen, daß diese nicht dem Fürsten dieser Welt, sondern Christus als ihrem König unterstellt ist. Daher muß umgekehrt auch der Staat die Kirche als freie Kirche anerkennen. De Quervain entwickelt seine theologische Ethik so als schriftgebundene Ethik, für die das Tun des Guten ausschließlich das Tun des gnädigen Willens Gottes ist.

Bei Quervain fand ich das Kohlbrügge-Zitat, dass vor einigen Tage einen regen Austausch auslöste (siehe hier). Die nächsten Blog-Beiträge werden einige Zitate aus der Ethik von de Quervain enthalten. Ihr Thema ist »Das Freisein von der Herrschaft der Sünde«. Trotz aller kritischen Einflüsse bei de Quervain beeindruckt der Tiefgang, mit dem er das Thema Heiligung behandelt.

Gottesleugnung als Verkaufsschlager

Der Physiker Stephen Hawking hat die Schwerkraft zum alleinigen Geburtshelfer allen Lebens erklärt und damit Schwung in den Buchmarkt gebracht. Norbert Lassau schreibt für DIE WELT:

Die beste Werbung für ein neues Buch sind provokative, polarisierende Zitate, die man ungefähr eine Woche vor Erscheinen des Werkes lanciert. Diese sollten bei möglichst vielen Zeitgenossen große Emotionen hervorrufen, dabei ruhig auch bestimmte Gruppen der Bevölkerung verletzen und zugleich von anderen inbrünstige Zustimmung erheischen. Autoren, denen dieses Kunststück gelingt, dürfen vom ersten Verkaufstag an mit einem Platz in den Bestsellerlisten rechnen. Das gilt sogar für populärwissenschaftliche Bücher.

Der katholischer Pater Robert Barron hat inzwischen Hawkings Szientismus treffend kritisiert:

So another prominent British academic has weighed in on the God question. Stephen Hawking, probably the best-known scientist in the world, has said, in a book to be published a week before the Pope’s visit to Britain, that the universe required no Creator. (I’m sure, of course, that there was no »intelligent design« behind that choice of publication date!). I confess that something in me tightens whenever I hear a scientist pontificating on issues that belong to the arena of philosophy or metaphysics. I will gladly listen to Stephen Hawking when he holds forth on matters of theoretical physics, but he’s as qualified to talk about philosophical and religious issues as any college freshman. There is a qualitative difference between the sciences, which speak of objects, forces, and phenomena within the observable universe, and philosophy or religion which speak of ultimate origins and final purposes. Science, as such, simply cannot adjudicate questions that lie outside of its proper purview—and this is precisely why scientists tend to make lots of silly statements when they attempt to philosophize.

Hier mehr: wordonfire.org.

Was denken afrikanische Bischöfe über die Kirche im Westen?

In Entebbe (Uganda) treffen sich derzeit 400 afrikanische Bischöfe der Anglikanischen Kirche, um über die Zukunft der Kirche in auf ihrem Kontinent zu beraten. Der »Council of Anglican Provinces of Africa« (CAPA) trifft sich zum zweiten Mal in der seiner Geschichte. Von der Konferenz ist zu hören:

Die Konferenz der 400 afrikanischen Bischöfe, die sich hier treffen, richtet ihre Aufmerksamkeit auf die Kirche in Afrika. Die Bischöfe interessieren sich wenig für den Westen und sehen keine Zukunft für die Verbundenheit mit einer sterbenden Kirche, die sich mehr für praktizierte Homosexualität als für die Ausbreitung des Evangeliums interessiert.

Quelle: www.virtueonline.org.

John Lennox über Atheismus und Moral

John Lennox muss man gern haben. Er ist ein unglaublich liebenswerter Mensch und zugleich ein scharfer christlicher Denker. John Lennox ist Professor für Mathematik an der University of Oxford und Fellow for Mathematics and Philosophy of Science am Green Templeton College. Im Rahmen seiner wissenschaftlichen Tätigkeit in Oxford beschäftigt sich Lennox schwerpunktmäßig mit der Beziehung von Wissenschaft und Religion. Hier spricht er über die Frage, ob Menschen Gott brauchen, um moralisch gut zu handeln. Exzellent:

Atheism and morality from CPX on Vimeo.

Wer Lennox auf Deutsch hören möchte, kann hier eine DVD mit drei Vorträgen bestellen.

King’s College wird (etwas) katholischer

Das King’s College in New York, ein Arbeitszweig des Missionswerkes Campus für Christus, hat einen neuen Präsidenten berufen. Fünfter Präsident ist der Katholik Dinesh D’Souza.

Carl Trueman schreibt dazu:

Clearly, if the school can now be headed by a Roman Catholic, the Christian worldview of The King’s College presumably sees issues of authority, the Bible, the interpretation of the Bible, the sacraments, justification, and the church (among numerous other doctrines) as negotiable, as areas where there can be significant disagreement and which are, by inference, only tangential to a Christian view of the world. This is not to denigrate either Protestant or Catholic views in these areas, but merely to point out the fact that there are huge differences here which yet are not seen as impinging on the worldview being taught. One is left to assume that this »Christian« aspect of the worldview consists, theologically, in little more than agreement on the Trinity, the Incarnation, the Filioque, and not much else. ›Generic and minimalist‹ seem scarcely adequate as a description at this point.

As I have argued before, if these issues really are negotiable, then we should all return to Rome. Not to do so is an act of schism, as disagreement over them drove the Reformation in the first place and gave Protestantism its reason—its only reason—to exist. Francis Beckwith realised this and, with honesty and grace, returned to the church of his childhood. And when a college which plays on its Protestant, evangelical identity appoints a Roman Catholic as president, the theologically vague coalition that is evangelicalism is once again exposed in all of its basic theological incoherence and indifference.

Ich kann Trueman sehr gut verstehen und befürchte, dass es in den von ihm angeführten Punkten zu Verschiebungen kommt. Allerdings gilt auch: Wo sind die intellektuellen Evangelikalen, die in den Fragen der Ethik und der Kulturkritik etwas zu sagen haben und etwas sagen? D’Souza oder Peter Kreeft (auch am King’s College) haben sich immer wieder eingemischt, wenn es um Fragen der Moraltheologie ging. Viele Protestanten schweigen. Dieser Trend lässt die Katholische Kirche für etliche Intellektuelle attraktiver erscheinen.

Hier mehr: www.reformation21.org.

Nachtrag vom 25.08.2010: Siehe auch qqden Beitrag von CT: www.christianitytoday.com.

Patchwork: Das geheuchelte Familienglück

Ist Patchwork wirklich das Familienmodell der Zukunft? Auf jeden Fall passt es in unsere Unverbindlichkeitswelt. Doch unsere Selbstverwirklichungsmanie fordert ihren Preis. Und den zahlen die Kinder. Melanie Mühl schreibt herausstechend für die FAZ:

Alle sind glücklich. Denn wir haben ein neues gesellschaftliches Ideal gefunden: die Patchworkfamilie. Das Wort klingt nach Sommerferienlager, und die Fotostrecken in den Zeitschriften zeigen fröhliche Menschen, die sicher im Leben stehen und jedes Problem lösen, bevor es überhaupt da ist. Ihr Motto lautet Leichtigkeit. Die Menschen heißen Demi Moore, Heidi Klum oder Boris Becker, sie heißen Christian und Bettina Wulff. Sie wohnen in Hollywood oder im Schloss Bellevue. Sie rufen uns winkend entgegen: Patchworkfamilien sind super!

»Wir können das Leben nicht einfach wieder dort aufnehmen, wo wir es einmal fallengelassen haben«, schrieb die Schriftstellerin Marion Titze einmal in einem wunderbaren Text in der Literaturzeitschrift »Sinn und Form«. In diesem Satz verbirgt sich die einfache Wahrheit, dass unser Handeln immer Folgen hat. Die Folgen können harmlos sein oder katastrophal. Sicher ist, dass irgendjemand immer den Preis dafür zahlen muss.

Mehr: www.faz.net.

VD: EP

›De servo arbitrio‹

Wilfried Härle schreibt in seiner Einleitung zu Luthers Kampfschrift Disputationsfrage über die Kräfte und den Willen des Menschen ohne Gnade (Martin Luther: Lateinisch-Deutsche Studienausgabe, Band 1: Der Mensch vor Gott, Leipzig, 2006, S. XI):

Ganz am Ende von ›De servo arbitrio‹ spricht Martin Luther (1483-1546) seinen Widerpart Erasmus von Rotterdam (ca. 1466–1536) noch einmal direkt an – diesmal frei von Ironie, Polemik, Zorn oder Empörung. Er schreibt: »Dann lobe und preise ich dich auch deswegen außerordentlich, dass du als einziger von allen die Sache selbst angegangen bist, das heißt: den Inbegriff der Verhandlung, und mich nicht ermüdest mit jenen nebensächlichen Verhandlungen über das Papsttum, das Fegfeuer, den Ablass und ähnliche Verhandlungsgegenstände – oder vielmehr: dummes Zeug -, mit denen mich bisher fast alle vergeblich verfolgt haben. Nur du allein hast den Dreh- und Angelpunkt der Dinge gesehen und den Hauptpunkt selbst angegriffen, wofür ich dir von Herzen Dank sage.«

Diese Sätze besagen nicht etwa, dass Luther nun am Ende der Auseinandersetzung seine Kritik an Erasmus sachlich zurücknähme oder auch nur abmilderte. Im Gegenteil: Wenige Sätze später heißt es: »Dass du diesem unserem Fall gewachsen wärest, hat Gott noch nicht gewollt und nicht gegeben. Ich bitte dich, du wollest das als mit keiner Anmaßung gesagt verstehen. Ich bete aber darum, der Herr möge dich bald in dieser Sache mir so überlegen machen, wie du mir in allem anderen überlegen bist.«

Die zitierten Aussagen Luthers zeigen Zweierlei, das von großer Bedeutung ist: einerseits, worin nach Luthers eigener Auffassung das Zentrum der Kontroverse mit der römischen Kirche – aber auch mit den sog. Schwärmern – nicht zu suchen ist, nämlich in der Lehre vom Papsttum, vom Fegfeuer und vom Ablass, und sie zeigen andererseits, dass nach Luthers Auffassung der Dreh- und Angelpunkt der Auseinandersetzung in der Frage nach der Entscheidungsfreiheit und der Kraft des menschlichen Willens liegt.

Seelige Harmonie bei den Moralpsychologen

Die Moralpsychologie untersucht rein deskriptiv die tatsächlichen moralischen Wertvorstellungen von Menschen, meidet aber selbst ethische Aussagen. Jordan Mejas berichtet heute für die FAZ über eine Tagung von Moralpsychologen im östlichen New England (U.S.A.). In seinem amüsant geschriebenen Artikel »Feierliches Hochamt im Tempel der Vernunft« schildert Mejas, wie Psychologen, Biologen, Neurologen, »und allenfalls solche Philosophen, die sich auf Experimente und Einsichten der Hirnforschung stützen«, kontrovers über Moralbegründungen debattierten. Fast nichts ist in der »Babywissenschaft« unumstritten: Gibt es einen freien Willen?, Sind Moralvorstellungen in uns eingebaut oder durch Erfahrung erworben?, Sind Moralvorstellungen universell oder privat-intuitiv?.

Bei aller Vielfalt der Positionen herrschte in zwei Fragen offenbar Harmonie. Einig waren sich die Moralpsychologen nämlich darin, dass (a) Moral ein Naturphänomen ist (wir also in einer moralischen Welt leben) und (b) wir unsere Moralität keinem Gott zu verdanken haben.

Die säkulare Wissenschaft beherrschte die Konferenz. Als es an ihrem Ende jedoch zu einem ersten Konsens kommen sollte, gingen die Schlussfolgerungen gehörig auseinander. Schon auf die Frage, ob Religion als Teil der Evolution anzusehen sei, blieb die klare Antwort aus. Einig waren sich die Teilnehmer immerhin darin, dass auf Gott zu verzichten sei. Ihm, so das einhellige Resultat ihrer gewiss noch nicht abgeschlossenen oder womöglich nicht abschließbaren Untersuchungen, hat der Mensch die Moral nicht zu verdanken. Dass sie ihm angeboren ist, wollte derart kategorisch allerdings auch nicht jeder behaupten. Nur über den Befund, dass Moral ein Naturphänomen ist, herrschte Einigkeit, wenn auch bloß bis zu einem gewissen Grade. Denn ausschließlich zu verstehen sei das sicherlich nicht. Neben der Natur macht sich in der Moral eben auch die Kultur bemerkbar, und wo die Wirkung der einen aufhört und die der anderen beginnt, ist alles andere als ausgemacht.

Hier der Tagungsbericht: www.faz.net.

Gibt es einen Gott?

31UlJYRJmdL._SL160_.jpgJohannes hat in seinem Kommentar zum Beitrag »Entzweiflung« dazu angeregt, dass Buch Gibt es einen Gott? vorzustellen. (Hintergrund: Daniel von Wachter hatte während seines Vortrags in Berlin das Buch kurz erwähnt. Die zehn Exemplare vom Büchertisch wurden daraufhin innerhalb von fünf Minuten verkauft.) Also hier:

Richard Swinburne ist ein britischer Religionsphilosoph und Professor für Religionsphilosophie an der Oxford University. Wikipedia schreibt über ihn:

Seine wichtigsten Veröffentlichungen befassen sich mit Religionsphilosophie, einem Gebiet, in dem Swinburne als einer der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts gilt. In der Trilogie The Coherence of Theism, The Existence of God und Faith and Reason setzt er sich mit dem Problem der natürlichen Theologie auseinander. Das erste Werk untersucht die Frage, ob die Aussage »Gott existiert« widerspruchsfrei ist, das zweite, ob es Gründe gibt, sie für wahr zu halten, das dritte diskutiert die erkenntnistheoretische Stellung des Glaubens und dessen Verhältnis zur Vernunft. In der Tetralogie aus The Evolution of the Soul, Responsibility and Atonement, Revelation und The Christian God argumentiert er für die Wahrheit der Inhalte der traditionellen christlichen Religion.

Professor von Wachter, der u.a. bei Swinburne promovierte, hat die deutsche Herausgabe des Buches Gibt es einen Gott? besorgt und mit einem Vorwort versehen. Das Buch macht den Leser allgemeinveständlich mit den Argumenten des komplexen Werkes The Existence of God vertraut, ohne dabei flach oder unscharf zu werden. (The Existence of God erschien 1987 in deutscher Sprache bei Reclam als Die Existenz Gottes, ist aber vergriffen.)

Von Wachter schreibt in seinem Vorwort zu Gibt es einen Gott? :

Nachdem der logische Positivismus Fragen über Gott eine Weile lang aus der Philosophie verdrängt hatte, wird in der Philosophie in Amerika und in England seit ca. 30 Jahren wieder intensiv über die Existenz Gottes und auch über viele andere Fragen über Gott diskutiert. Auch neue Ergebnisse der Naturwissenschaften spielen dabei eine Rolle, etwa bei dem auch in diesem Buch vorgetragenen Argument von der sog. Feinabstimmung des Universums. Richard Swinburne, der bis zu seiner Emeritierung den Lehrstuhl des »Nolloth-Professor für die Philosophie der christlichen Religion« an der Universität Oxford innehatte, ist einer der führenden zeitgenössischen Denker in dieser Disziplin. Durch die vorliegende Übersetzung seines für ein breiteres Publikum geschriebenen, aber doch denkerisch präzisen Buches ,»Is There A God?« soll diese Diskussion der deutschsprachigen Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Der Gottesbegriff, der in der angelsächsischen Religionsphilosophie und in diesem Buch verwendet wird, ist der klassische jüdisch-christliche. Danach ist Gott derjenige, der – wenn es ihn gibt  – das Universum geschaffen hat und erhält, und er ist eine Person, d.h. im Gegensatz zu einem Stein einer, der handelt. In der deutschen Theologie hat man in den letzten 200 Jahren mitunter andere Gottesbegriffe verwendet, weil man meinte, man »könne« heute nicht mehr an einen Gott im klassischen Sinne glauben. Ob man das tatsächlich nicht kann, will dieses Buch klären. Aber auch wenn man zu dem Schluß kommt, daß es keinen Gott im klassischen Sinne gibt, ist das kein Grund, den Gottesbegriff zu ändern, sondern dann wird man eben sagen, daß es keinen Gott gibt.

Wahrend in der christlichen Tradition meist angenommen wurde, daß die Religion sich vor dem Richterstuhl der Vernunft behaupten müsse und daß der christliche Glaube im Einklang mit der Vernunft stehe, verbreitete sich in der Aufklärung das Gefühl, daß die Religion nichts mit der Vernunft zu tun habe oder daß die Vernunft ein Weltbild ohne Gott gebiete. Doch ob eine Überzeugung vernünftig ist, hängt davon ab, ob sie auf guten Argumenten beruht. Die Vernunft gebietet daher vor allem zu prüfen, was für und was gegen die Existenz Gottes spricht, so wie es Richard Swinburne in diesem Buch tut.

Das Buch kann hier bestellt werden:

  • Richard Swinburne: Gibt es einen Gott?, Ontos Verlag, 2005, 134 S.

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