Philip Rieffs: Tiefe Individualität besteht nur in der Bindung an die höchste Autorität.

Philip Rieffs schreibt in Charisma: The Gift of Grace, and How It Has Been Taken Away from Us (Knopf Doubleday, 2008, S. 36):

Es ist wichtig zu beachten, dass sich die Bedeutung von Disziplin [gemeint ist die Einhaltung von (geltenden) Regeln; Anm. R.K.] in der Entwicklung der westlichen Kultur nicht von ihrem glaubensbezogenen Charakter trennen lässt. Das konforme Handeln in Massenorganisationen steht im Widerspruch zum Glauben. Tiefe Individualität kann nur in Beziehung zur höchsten Autorität existieren. Keine innere Disziplin kann ohne eine charismatische Institution wirken, und eine solche Institution kann ohne jene höchste Autorität nicht überleben, aus deren Beziehung sich das Selbstvertrauen speist. Ohne eine tief verwurzelte Autorität gibt es kein Fundament für Individualität. Selbstvertrauen drückt somit die Unterwerfung unter die höchste Autorität aus.

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1 Kommentar
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3 Minuten vor

Bei der Soziologie haben wir es mit einer klassischen Religionsneubildung zu tun. Schreibfertige Menschen versuchen dabei, in völlig unkontrollierte und letztlich zufällige anthropologische Entwicklungen einen abstrakten Plan hineinzuinterpretieren, oder unterstellen wahlweise den beteiligten Lebewesen gar eine (gemeinsame) Absicht wie Bruce R. Ashford, wenn er über Rieffs‘ Werk schreibt: Philip Rieff’s sociological analyses explore the implications of Western Civilization’s unprecedented attempt to maintain society and culture without reference to God.  Die „Zivilisation“ tritt hier als handelnder Akteur auf, der einen geschichtlich beispiellosen „Versuch“ startet. Das nennt man magisches Denken. Dabei haben wir es immer schon mit einer Ansammlung von unterschiedlichsten Akteuren mit einander widerstreitenden Zielen zu tun, was zu fortwährenden Konflikten führt, seit es die Menschheit gibt. Die erwähnten Beteiligten haben dabei nicht einmal denselben Gott, Amerikaner können sich schon darauf gar nicht einigen. So entstehen dann neue ausführliche niedergeschriebene Theoriegebilde, die sich nur sehr bedingt zu Erklärung der Vorgänge eignen. Damit geht es Soziologen letztlich genau wie den Ökonomen, die… Weiterlesen »

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