Zitate

Peter Stuhlmacher: Bibelauslegung soll eindeutiges und wegweisendes Glaubenszeugnis fördern

Peter Stuhlmacher sagte in einem Vortrag vor der bayrischen Landessynode in Augsburg am 23. April 1975 (Peter Stuhlmacher, „Evangelische Schriftauslegung“, in: Schriftauslegung auf dem Wege zur biblischen Theologie, 1975, S. 167–183):

Sich auf die Bedeutung und die Möglichkeiten evangelischer Bibelauslegung zu besinnen, ist heute aus zwei Gründen ratsam. Erstens ist seit dem 16. Jh. nicht daran zu zweifeln, daß die reformatorischen Kirchen in ihrer christlichen Zeugnisexistenz mit dem Gelingen oder Mißlingen ihrer jeweiligen Schriftauslegung stehen und fallen. Zweitens aber steht heute landauf landab vor Augen, daß die gegenwärtige Bibelauslegung nur bedingt das leistet, was sie eigentlich sollte, nämlich unserer Kirche zu einem eindeutigen und wegweisenden Glaubenszeugnis, zu verhelfen.

Die Struktur der biblischen Offenbarung sehen

Hendrik Kraemer schreibt (Die Kommunikation des christlichen Glaubens, 1958, S. 101):

Es kann sogar Vorkommen, und kommt auch tatsächlich vor, dass ein Phänomenologe, obschon ohne Glauben daran, ein schärferes Auge für die besondere Struktur der biblischen Offenbarung hat als ein gläubiger Theologe, der zu sehr durch seine einengende und verzerrende Einstellung bestimmt ist.

Glaubt nicht so an die Kirche wie an Gott

Heinrich Bullinger (Schriften, Bd. III , 2006, S. 185):

Der heilige Augustin sagt in seiner Schrift über den Glauben und das Glaubensbekenntnis Folgendes: „Ich glaube, dass es eine heilige Kirche gibt.“ Er sagt nicht: „Ich glaube an die heilige Kirche.“ Außerdem werden seine Worte an die Neubekehrten im ‚Dekret‘, Teil ‚Über die Weihung‘, Distinktion 4, Kapitel „In der ersten“, so angegeben: „Ich habe nicht gesagt, dass ihr an die Kirche wie an Gott glauben sollt, vielmehr sollt ihr einsehen, dass ich gesagt habe, ihr sollt in der heiligen allgemeinen Kirche wandeln und dabei an Gott glauben.“

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Nährboden des Terrors

Ich wurde schon mehrfach – auch innerhalb evangelikaler Kreise – dafür kritisiert, wenn ich vor eine schleichenden Islamisierung Europas gewarnt habe. Bis hin zu Aussagen: „Das mit der Islamisierung ist ein Mythos!“ Wenn ich mich zu dem Thema geäußert habe, dann immer mit Rückgriff auf die wichtige Unterscheidung zwischen Muslimen, die ihren Glauben friedlich leben möchten, und dem politischen Islam, der einen Machtanspruch stellt.

Inzwischen ist das Thema – zumindest in Frankreich – so präsent, dass man sich nicht mehr verstecken kann. Wegschauen hilft nicht. Susanne Schröter schrieb kürzlich in der FAZ:

Die unheilvolle Allianz zwischen ihnen und den Islamisten hat kürzlich der angesehene Islamwissenschaftler Bernard Rougier in seiner Monographie „Les territoires conquis de l’islamisme“ beschrieben. 150 Kommunen, so Rougier, seien bereits vollkommen in der Hand radikaler Islamisten. Dort gebe es keine Bildung mehr für Kinder, sondern nur noch islamistische Indoktrination, die Frauen seien aus der Öffentlichkeit verbannt, Repräsentanten des Staates gelten als Feinde. Diese Zustände sind nicht neu. Bereits in den neunziger Jahren gab es Aufstände in den Banlieues, die sich gleichermaßen gegen den französischen Staat und seine Symbole, aber auch gegen Muslime richteten, die säkular gesinnt waren. Schon damals schlossen sich junge Männer unter islamistischen Parolen zu Gruppen zusammen, um vermeintlich islamische Normen in ihren Wohnvierteln durchzusetzen, und terrorisierten dabei vor allem muslimische Mädchen. Sie wurden genötigt, sich zu verschleiern und nicht mehr ohne „Grund“ und ohne die Begleitung eines männlichen Verwandten aus dem Haus zu gehen. Wer sich dem widersetzte, wurde mit Gruppenvergewaltigungen bestraft.

Ich empfehle gern die Schrift Islam oder Islamismus? – Argumente zu seiner Beurteilung des Experten Eberhard Troeger: sonderdruck05.pdf.

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Der wahre Grund unseres Glaubens

Heinrich Bullinger (Schriften, Bd. 1, 2004, S. 189):

So steht nun der wahre Grund unseres heiligen Glaubens unumstößlich fest: dass das ganze menschliche Geschlecht allein aus dem Erbarmen und der reinen Gnade Gottes durch Jesus Christus errettet, von den Sünden gereinigt und vom Fluch, vom Teufel und von der ewigen Verdammnis befreit wird. Das hatte Paulus im Blick, als er im Brief an die Römer, Kapitel 8, schrieb [vgl. Röm 8,3]: „Gott sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und verurteilte die Sünde im Fleisch durch die Sünde, d. h. durch das Sündopfer und den freiwilligen Tod Christi.“ Und im ersten Brief an die Korinther, Kapitel 1, sagt Paulus [1Kor 3,30f.]: „Christus Jesus ist uns zur Weisheit gemacht worden und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung, damit es geschehe, wie geschrieben steht: Wer sich rühmt und tröstet, der rühme und tröste sich des Herrn.“

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Bonhoeffer: „Die wahre Kirche stößt auf Grenzen“

Dietrich Bonhoeffer (Illegale Theologenausbildung: Finkenwalde 1935−1937, Sonderausgabe, Bd. 14, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 2015, S. 678–679):

Es muß immer wieder gesagt werden, daß es kein Werk der Barmherzigkeit der Kirche ist, ihre Grenze zu verleugnen. Die wahre Kirche stößt auf Grenzen. Indem sie sie anerkennt, tut sie das Werk der Liebe zu den Menschen, indem sie der Wahrheit die Ehre gibt.

Vom Nutzen des Gehorsams

Ellis Potter schreibt in seinem Buch Drei Weltformeln über Autorität (Drei Weltformeln, 2013, S. 64):

Hierarchie hat nichts mit Ungleichheit von Wert oder Bedeutsamkeit zu tun. In Gott gebietet der Vater und der Sohn gehorcht, und beide sind gleichermaßen Gott. Der Sohn ist kein Gott in Ausbildung, der auf sein Diplom wartet. Er ist kein Junior-Gott, der darauf wartet, sein Reifezeugnis entgegenzunehmen. Er ist vollständig und ewig Gott und er gehorcht. Dieses Gottesbild passt nicht in unsere gegenwärtige Kultur, weil wir denken, dass wir mehr Mensch und lebendiger sind, wenn wir gebieten und weniger Mensch sind, wenn wir gehorchen. Das kann aber nicht stimmen, wenn wir in Gottes Ebenbild geschaffen sind. Zu gehorchen ist genauso göttlich wie zu gebieten. Somit ist gehorchen genauso menschlich wie gebieten. Leider werden Hierarchie und Autorität schrecklich missbraucht und das verursacht großes Leid. Wenn Hierarchie jedoch ein Teil Gottes ist, dann kann sie an sich nicht die Ursache für das Leiden sein. Bob Dylan hat recht, wenn er sagt, du musst jemandem dienen.

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Melanchthon: Deine Herrschaft soll kommen

Philipp Melanchthon schreibt in seinen Loci praecipui theologici (Bd. 2, Leipzig: Ev. Verlagsanstalt, 2020, S. 129) zum „Dein Reich komme“ im „Vaterunser“:

Von der Wirkung der ersten Bitte wird hauptsächlich gesagt: Durch die Verbreitung der Stimme des Evangeliums sollst du auch uns durch deinen Heiligen Geist leiten, mach, dass wir auf dein Wort vertrauen, lass in uns deine Herrschaft beginnen, damit wir Erben deines Reiches werden und du die Herrschaft des Teufels vernichtest, der im Menschengeschlecht fürchterlich wütet und reihum die Menschen antreibt zur epikureischen Verachtung Gottes oder zur Verehrung der Götzenbilder, zu verruchten Morden, Ausschweifungen, Lügen und anderen Tollheiten. Vor diesen Übeln schütze uns, ewiger Vater unseres Herrn Jesus Christus, und leite uns durch deinen Heiligen Geist, wie du gesagt hast: „Ich werde von meinem Geist ausgießen.“

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Die Natur als Schattengötze

Johannes Calvin (Institutio, I,5,4–I,5,5):

Ja, heute trägt die Erde viele wüste Geister, die sich nicht scheuen, den ganzen Samen der Gottheit, der in die menschliche Natur gestreut worden ist, zur Vertilgung des Namens Gottes zu benutzen. […] Durch große Lob­preisungen der Natur unterdrücken sie dann, soviel sie vermögen, den Namen Gottes. […] Es ist nichts anderes, als daß man sich einen Schattengötzen macht, um nur ja den wahren Gott, den wir fürchten und dem wir dienen sollen, möglichst gründlich loszuwerden.

„Wir müssen den Abgrund sehen“

Francis Schaeffer schreibt in Gott ist keine Illusion (Wuppertal, 1984, S. 14–15):

Wir müssen den Abgrund sehen, in den der Mensch durch sein Denken geführt worden ist, nicht nur aus intellektuellem Interesse, sondern wegen seiner geistigen Tragweite. Der Christ soll dem Geist der Welt widerstehen. Doch wenn wir dieses sagen, müssen wir uns darüber im klaren sein, daß der Weltgeist nicht immer das gleiche Gewand trägt. So muß der Christ dem Geist der Welt in der Gestalt widerstehen, in welcher er ihm in seiner Generation begegnet. Andernfalls widersteht er dem Geist der Welt überhaupt nicht. Das trifft ganz besonders auf unsere Generation zu, denn die Kräfte, die uns jetzt entgegenstehen, zielen auf das Ganze. Die nachfolgenden, Martin Luther zugeschriebenen Worte gelten vielleicht unserer Generation mehr als je einer Generation zuvor:

Wenn ich mit lauter Stimme und klarer Auslegung alle Teile der Wahrheit Gottes verkündige, außer gerade dem einen kleinen Punkt, den die Welt und der Teufel eben in diesem Augenblick angreifen, dann bezeuge ich Christus überhaupt nicht, wie mutig ich auch Christus bekennen mag. Wo die Schlacht tobt, da wird die Treue des Kämpfers auf die Probe gestellt; und auf allen anderen Schlachtfeldern treu zu sein, ist für den Christen in diesem Augenblick nichts anderes als Flucht und Schande, wenn er in diesem Punkt nachgibt.

Auch wenn das Zitat mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht von Luther stammt (vgl. dazu hier), bringt Francis Schaeffer mit dieser Aussage eine sehr bedeutsame Einsicht zielsicher auf den Punkt. Für unsere Generation gilt: Wenn wir die postmodernen Denkansätze, die unsere Kultur prägen, nicht durchschauen, werden wir uns dem Zeitgeist freiwillig ergeben. Da spielt es dann keine Rolle mehr, ob wir es merken oder nicht.

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