Schweigt Gott?
Ronald Nash:
Die einzige Sache, in der sich liberale, neoliberale und postkonservative Denker einig sind, ist [die Behauptung], dass Gott nicht gesprochen hat und tatsächlich nicht sprechen kann.
Ronald Nash:
Die einzige Sache, in der sich liberale, neoliberale und postkonservative Denker einig sind, ist [die Behauptung], dass Gott nicht gesprochen hat und tatsächlich nicht sprechen kann.
Heinz Zahrnt (1915–2003):
Hieß es für ihn [den Menschen] früher: »Extra ecclesiam nula salus« – außerhalb der Kirche ist kein Heil, so heißt es für ihn heute: »Extra mundum nulla salus« – außerhalb der Welt gibt es kein Heil.
R. C. Sproul sagte über das Gebet bei Calvin:
Wenn ich zusammenfasse, was Calvin über das Gebet sagt, würde ich formulieren: Die Hauptregel des Gebets ist, sich zu erinnern, wer Gott ist und wer wir sind. Wenn wir uns an diese zwei Dinge erinnern, werden unsere Gebete immer durch Anbetung und Bekenntnis gekennzeichnet sein.
VD: JT
Meinhard Miegel schreibt in seinem Buch Die deformierte Gesellschaft: Wie die Deutschen ihre Wirklichkeit verdrängen (Berlin-München 2002, S. 21–22):
Nüchtern betrachtet, ist die niedrige Geburtenrate jedoch darauf zurückzuführen, dass Kinder in Wohlstands- und erwerbsarbeitsorientierten, kollektiv rundum abgesicherten und hochgradig individualistischen Gesellschaften oft weniger attraktiv sind als andere Lebensoptionen … Die Investition in Kinder rentiert sich allenfalls noch emotional. Der wirtschaftliche Aufwand, den sie erfordern, wird gegenüber den Eltern nur selten zum Ausgleich gebracht. Ihre Wirtschaftskraft ist fast vollständig vergemeinschaftet … Mitunter mag die Entscheidung zwischen den Optionen konfliktträchtig und schwierig sein. Die Lebenswirklichkeit zeigt jedoch, dass sie nicht mehr mit einer gewissen Selbstverständlichkeit zugunsten von Kindern fällt. Hierüber sollte es keine Illusionen geben: Die Kinderarmut individualistischer Wohlstandsgesellschaften ist nicht die Folge unbeabsichtigter Fehlentwicklungen, die sich durch zusätzliche Kindergartenplätze oder höhere steuerliche Freibeträge beheben ließen. Vielmehr ist sie Ausdruck des Wesenskerns dieser Gesellschaft.
VD: Den Hinweis auf nachfolgendes Zitat verdanke ich Jürgen Liminski vom Institut für Demographie, Allgemeinwohl und Familie.
Odo Marquard beschreibt in seinem Aufsatz »Sprachmonismus und Sprachpluralismus« amüsiert, wie während seiner Studienzeit in Freiburg Martin Heidegger zur Versuchung wurde (Quelle: Skepsis in der Moderne, S.74–75). Später kamen freilich andere Versuchungen, wie z.B. die Frankfurter Schule, hinzu.
Für meine Generation – die unmittelbare Generation der Studierenden nach Ende des Zweiten Weltkriegs – war zweifellos Heidegger die Versuchung. Den Namen Heidegger habe ich zuerst 1947 in Münster gehört. Zum Winter 1949 sind drei Studenten der Philosophie – Hermann Lübbe, Karlfried Gründer und ich – dann aus Münster nach Freiburg gekommen, gleichzeitig mit Ernst Tugendhat, der aus Amerika kam und in seinen Philosophischen Aufsätzen darüber berichtet. Wir kamen auch und gerade Heideggers wegen nach Freiburg. Heidegger durfte damals noch nicht wieder lesen: Vielleicht hat gerade das zusätzlich stimuliert. Heidegger war – trotz seiner Abwesenheit – überall präsent; nur ein Beispiel: Es gab damals Professorenbilder im Ansichtskartenstil in Freiburg zu kaufen. Jede Professorenansichtskarte kostete 80 Pfennige, nur Heidegger kostete – bei gleicher Aufmachung – 1,20 D-Mark. In der Philosophie war Freiburg ein durch Heidegger missioniertes Gebiet: Alle glaubten – irgendwie – an Heidegger. Aber es gab zugleich mehrere Sekten – die Fink-Sekte, die Müller-Sekte, die Szilasi-Sekte, auch die Welte-Sekte -, die darum stritten, den »wahren« Heidegger zu repräsentieren, was sie – nicht eigentlich bei den Lehrern, aber bei den Schülern – gegeneinander unerbitt- lich machte: Anstandshalber durfte niemand die jeweils anderen Sekten auch nur besuchen. Nur wir »Münsteraner« und Ernst Tugendhat galten diesen Sekten als philosophisch unzuverlässig – sozusagen als potentielle Heidegger-Heiden – und durften als Strafe für unsere Unzuverlässigkeit schimpflicherweise alle Sekten besuchen. Die Komik dieser Situation – man traf nicht auf einen Heidegger, sondern auf vier Heideggers und auf vier Heidegger- Jargons – wurde uns sehr bald bewußt. Sie führte zur weiteren Relativierung des Heidegger-Anspruchs: So sind wir – zumindest ein wenig – Heideggers Jargon entronnen.
Friedrich Nietzsche (Jenseits von Gut und Böse, Fragment 158):
Unserm stärksten Triebe, dem Tyrannen in uns, unterwirft sich nicht nur unsere Vernunft, sondern auch unser Gewissen.
»Ehrliche Antworten auf ehrliche Fragen«, hieß es zur Zeiten von Francis Schaeffer im L’Abri-Studienzentrum. Junge Leute strömten in die Schweiz, weil sie brennende Fragen loswerden wollten und leidenschaftlich nach tragfähigen Antworten suchten.
Ehrliche Fragen vernehme ich heute selten. Gefragt wird zwar viel, oft aber nur, um sich vor Antworten zu schützen. Man fragt, weil man keine Antwort will. Auf eine Antwort hören, kann nämlich bedeuteten, dass man nicht mehr nur das tun kann, was man will. Da einem »Hören« das verbindliche »Gehorchen« folgen könnte, wird lieber hinterfragt.
Zygmunt Bauman schreibt über die Postmoderne:
Sie ist ein Geisteszustand, der sich vor allem durch seine alles verspottende, alles aushöhlende, alles zersetzende Destruktivität auszeichnet. Es scheint zuweilen, als sei der postmoderne Geist die Kritik im Augenblick ihres definitiven Triumphes: eine Kritik, der es immer schwerer fällt, kritisch zu sein, weil sie alles, was sie zu kritisieren pflegte, zerstört hat. Dabei verschwand die schiere Notwendigkeit der Kritik. Es ist nichts übriggeblieben, wogegen man sich wenden könnte.
Nochmal Dietrich Bonhoeffer (Konsequenzen, 1970, S. 124–125):
Seit Jesus Christus von sich sagte: »Ich bin das Leben« (Joh 14,6; 11,25), kommt kein christliches, aber auch kein philosophisches Denken mehr an diesem Anspruch und der in ihm enthaltenen Wirklichkeit vorbei. Diese Selbstaussage Jesu erklärt jeden Versuch, das Wesen des Lebens an sich auszusprechen, für vergeblich und schon gescheitert. Wie sollten wir, solange wir leben und die Grenze unseres Lebens, den Tod, nicht kennen, sagen können, was das Leben an sich sei? Wir können das Leben nur leben, aber nicht definieren. Das Wort Jesu bindet jeden Gedanken über das Leben an seine Person. Ich bin das Leben. Hinter das »Ich bin« kommt keine Frage nach dem Leben zurück. Aus der Frage, was das Leben sei, wird hier die Antwort, wer das Leben sei. Das Leben ist nicht ein Ding, ein Wesen, ein Begriff, sondern eine Person, und zwar eine bestimmte und einzige Person. In scharfen Gegensatz zu allen Gedanken, Begriffen, Wegen, die das Wesen des Lebens auszumachen beanspruchen, setzt Jesus dieses Ich. Er sagt auch nicht: ich habe, sondern bin das Leben. So läßt sich das Leben niemals mehr von dem Ich, von der Person Jesu trennen. Indem Jesus dies verkündigt, sagt er, daß er nicht nur das Leben – d. h. irgendein möglicherweise auch mich betreffender metaphysischer Geist – ist, sondern gerade mein Leben, unser Leben, ein Sachverhalt, den Paulus mit den Worten: »Christus ist mein Leben« (Phil 1,21) und »Christus, unser Leben« (Kol 3,4) höchst sachlich und paradox zugleich ausspricht. Mein Leben ist außerhalb meiner selbst, außerhalb meiner Verfügung, mein Leben ist ein Anderer, ein Fremder, Jesus Christus, und das nicht in dem übertragenen Sinn, daß mein Leben nicht lebenswert wäre ohne jenen Anderen, also daß Christus meinem Leben eine besondere Qualität, einen besonderen Wert verliehe, wobei doch das Leben selbst seinen eigenen Bestand hätte, sondern das Leben selbst ist Jesus Christus. Was so von meinem Leben gilt, das gilt von allem Geschaffenen. »Was da geworden ist – in dem war Er das Leben« (Joh 1,4).
Bei den Vorbereitungen für einen Vortrag stieß ich bei Zygmunt Baumann erneut auf ein strenges Zitat (Ansichten der Postmoderne, 1995, S. 6):
[Die Postmoderne] ist ein Geisteszustand, der sich vor allem durch seine alles verspottende, alles aushöhlende, alles zersetzende Destruktivität auszeichnet. Es scheint zuweilen, als sei der postmoderne Geist die Kritik im Augenblick ihres definitiven Triumphes: eine Kritik, der es immer schwerer fällt, kritisch zu sein, weil sie alles, was sie zu kritisieren pflegte, zerstört hat.
Friedrich Nietzsche :
Der Weinende will, dass mitgeweint werde, so übt er Herrschaft aus und freut sich.