Calvin über Glauben und Werke

Calvin bestreitet, dass Werke irgendeinen Anteil an der Rechtfertigung des Menschen haben (vgl. hier). Aber ist der Glaube nicht ohne Werke tot (vgl. Jak 2,17)? Calvin: Da wo Christus ist, »da ist der Geist der Heiligung, der die Herzen zu neuem Leben umschafft«.

Johannes Calvin schreibt 1539 in seinem Brief an Kardinal Sadolet:

Gleichwohl tut man Christus Unrecht, wenn man unter dem Vorwand seiner Gnade gute Werke verwirft, ist er doch gekommen, das Volk »angenehm zu machen für Gott, eifrig zu guten Werken«. Und ähnliche Zeugnisse dafür gibt es in Fülle, aus denen hervorgeht, Christus sei deshalb erschienen, damit wir durch ihn als Menschen, die recht handeln, Gott angenehm sein sollen. Unsere Gegner führen freilich stets die Schmähung im Munde, daß wir mit dem Hinweis auf die Rechtfertigung aus Gnaden den Eifer nach guten Werken im christlichen Leben ersticken. Doch das ist zu lächerlich, als daß es uns ernsthaft beschweren könnte. Daß gute Werke an der Rechtfertigung des Menschen irgendeinen Anteil haben, bestreiten wir allerdings; im Leben der Gerechtfertigten aber beanspruchen wir für sie das ganze Feld. Denn wer Gerechtigkeit erlangt hat, besitzt Christus, Christus aber kann nirgends ohne seinen Geist sein. Daraus geht klar hervor, daß die Gerechtigkeit aus Gnaden notwendig mit der Wiedergeburt verbunden ist. Wenn man also genau verstehen will, wie unzertrennlich Glaube und Werke zusammengehören, muß man auf Christus sehen, der uns, wie der Apostel lehrt, zur Gerechtigkeit und Heiligung gegeben ist (1Kor 1,30). Wo immer sich also diese Glaubensgerechtigkeit findet, die wir als ein Geschenk der Gnade verkündigen, dort ist auch Christus. Wo aber Christus ist, da ist der Geist der Heiligung, der die Herzen zu neuem Leben umschafft. Und umgekehrt: Wo sich der Eifer nach Uneigennützigkeit und Heiligung nicht regt, dort ist auch weder Christi Geist noch Christus selbst. Wo aber Christus nicht ist, da gibt es auch keine Gerechtigkeit, ja nicht einmal Glaube, kann doch ohne den Geist der Heiligung der Glaube Christus nicht als [Unterpfand der] Gerechtigkeit ergreifen. Wenn also Christus nach unserer Predigt zu einem geistlichen Leben erneuert, welche er rechtfertigt, wenn er sie der Gewalt der Sünde entreißt und in das Reich seiner Gerechtigkeit versetzt28, wenn er sie in das Ebenbild Gottes verwandelt und sie schließlich durch seinen Geist zum Gehorsam gegen seinen Willen umgestaltet: dann bleibt Euch keine Möglichkeit mehr zur Klage, unsere Lehre lasse fleischlichen Begierden die Zügel schießen. Etwas anderes aber wollten die von Euch angeführten Schriftstellen doch nicht bezwecken. Wenn Ihr sie also dazu mißbrauchen wollt, die Rechtfertigung aus Gnaden niederzureißen, dann habt Ihr Euch verrechnet!

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Nathanael
2 Monate zuvor

Immer wieder sagen Menschen, dass unser Heil durch die Gnade und damit durch den Glauben alleine zustande kommt und keiner durch seine Werke vor Gott bestehen kann. Und in der Tat sagt die Bibel : Gerecht werden wir allein aus Gnade und nicht aus Werken, die wir aus eigener menschlicher Kraft vollbringen; es ist daher Gottes Vorhersehung uns durch die Gnade gemäss seinem Heilsplan gerecht zu machen, sodass wir diese in Anspruch nehmen sollen statt uns auf unsere Werke zu verlassen. Das heisst :  wir sollen nicht versuchen aus unseren menschengerechten Werken gerecht vor Gott zu werden, zumal wir dies als Sünder nicht leisten können, denn der Lohn unserer menschengerechten Werke lautet Verdamnis. Schliesslich spiegeln unsere menschengerechten Werke unsere menschliche Gerechtigkeit wider und diese ist ungenügend. Laut der Bibel reicht eine menschliche Gerechtigkeit nicht aus, um vor Gott zu bestehen und ist die beste menschliche Gerechtigkeit für Gott ein dreckiger Lumpen. Dies erklärt, dass unsere menschengerechten Werke uns nicht rechtfertigen können und sogar zur Verurteilung führen und somit  als Heilsweg ausscheiden, sodass eine Selbsterlösung und Selbstheiligung aus eigenen… Weiterlesen »

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