Februar 2011

Vorlesung mit Theo Lehmann

Als ich Anfang der 90er Jahre Theo Lehmann hörte, hat mich das schier erschlagen. Der Mann hat Humor und kann gleichzeitig das Evangelium auf den Punkt bringen. Am 26. Februar wird er im Chemnitzer Studienzentrum des Martin Bucer Seminars über das Thema »Evangelisation« sprechen (siehe hier). Über die Veranstaltung heißt es:

Theo Lehmann gibt in diesem Seminar einen offenen und ehrlichen Einblick in seinem reichen Erfahrungsschatz als Evangelist. Warum gestaltet er Evangelisationsveranstaltungen so, wie es für ihn mittlerweile typisch geworden ist? Warum gehen andere Evangelisten anders vor? Wie bereitet er sich persönlich auf eine Evangelisation vor? Was müssen Gemeinden beachten, die eine solche Veranstaltung durchführen wollen? Wie geht er als erfahrener Evangelist mit ausbleibenden Bekehrungen bei Veranstaltungen um? Welche Bedeutung und Berechtigung haben evangelistische Großveranstaltungen heute noch? All diese Fragen beantwortet Theo Lehmann natürlich in seiner unnachahmlichen humorvollen und direkten Art und Weise, untermalt mit vielen Anekdoten aus seiner langjährigen Evangelisationserfahrung. Eine Chance, die man sich nicht entgehen lassen sollte!

Gasthörer können sich hier anmelden. Wie gesagt: Eine Chance, die man sich nicht entgehen lassen sollte!

Lust auf Mono

Der TV-Journalist Markus Spieker hat ein Buch über die eheliche Treue geschrieben – als Single. Der ERF hat mit dem Autor gesprochen:

Sie schreiben ein Buch über die Treue – und das in einer Zeit, in der immer mehr Beziehungen in die Brüche gehen. Warum?

Markus Spieker: Genau deshalb. Ich habe in meinem Bekannten- und Freundeskreis bemerkt, dass die Leute mehr denn je besessen sind, die große Liebe zu finden und eine Partnerschaft, die hält. Gleichzeitig resignieren viele, weil sie bei den Eltern, im Freundeskreis und im Fernsehen mitbekommen, dass Treue schwierig ist oder sie selbst die Erfahrungen gemacht haben, dass Beziehungen nicht halten. Deshalb glaube ich, dass da eine wahnsinnige Sehnsucht und ein Erwartungsdruck da ist, es trotzdem hinzubekommen. Einerseits gibt es viele, die meinen, dass heute eine serielle Monogamie vorherrscht – das sind mehrere aufeinanderfolgende Beziehungen mit jeweils einem Partner, der nach ein paar Jahren wieder wechselt. Anderseits gibt es noch ein paar wenige Leute, die darauf setzen, dass Liebe eine Sache von lebenslanger Dauer ist. Dazu gehöre ich.

Hier das vollständige Interview: www.erf.de. Bestellt werden kann das Buch Mono – die Lust auf Treue auch:

66 Wolken

Dieses kleine Video zeigt Begriffe aus den 66 biblischen Büchern in einer »Schlagwortwolke«. Je häufiger ein Begriff im jeweiligen Buch auftaucht, um so größer wird er dargestellt. Ich verdanke den Hinweis auf das Video Trevin Wax. Er hat darauf aufmerksam gemacht, dass im Alten Testament überwiegend »HERR« (engl. »LORD«) der meist gebrauchte Begriff ist. Im Neuen Testament gibt es einen Wechsel hin zu »Jesus« oder »Christus«.

VD: TW

Hat auch Charles Darwin abgeschrieben?

Zur gleichen Zeit wie Charles Darwin entdeckt der englische Hobbyforscher und Spiritist (vgl. hier, Sterbedatum dort allerdings falsch) Alfred Russel Wallace (1823–1913) im malaiischen Urwald, wie sich Tierarten entwickeln und differenzieren. 150 Jahre später spricht vieles dafür, dass Darwin Teile seiner berühmten Evolutionstheorie bei ihm gestohlen hat.

Wolgang Merkel schreibt für DIE WELT:

Doch spätestens seit dem Jahr 1985 ist der „Fall Darwin-Wallace“ auch ein Wissenschaftskrimi – allerdings ohne schlüssiges Ende. In jenem Jahr bezeichnet der US-Historiker John Langdon Brooks nach intensivem Quellenstudium Darwin als Dieb am geistigen Eigentum von Alfred Russel Wallace. Um dies zu kaschieren, habe der Plagiator wichtige Dokumente einfach verschwinden lassen.

Hier der vollständige Artikel: www.welt.de.

George Bushs linke Erben

Plötzlich wollen es alle gewusst haben: Präsident Mubarak ist ein Schurke und noch schlimmer sind die USA, die bis zuletzt zu ihm halten. Der Westen ist, das ist schon mal klar, an (fast allem) schuld. Jan Fleischhauer nimmt die Doppelmoral so mancher Linksdemokraten unter die Lupe und liegt, trotz gelegentlicher Übertreibungen, bei einigen Punkten ziemlich richtig:

Die offene Gesellschaft hat außerhalb von Europa weniger Freunde, als wir gerne annehmen wollen. Selbstverständlich wäre es wünschenswert, man würde nur mit Regierungen zusammenarbeiten, die unsere Vorstellungen von einem demokratischen Gemeinwesen teilen. Dann bliebe allerdings in der Region, auf die wir jetzt so gebannt schauen, nur Israel übrig, das einzige Land im Nahen Osten, das seinen Bürgern alle westlichen Freiheitsrechte garantiert, inklusive Frauen, Homosexuellen und Andersdenkenden. Aber das wäre ja irgendwie auch nicht recht.

Hier mehr: www.spiegel.de.

Asmussen: Die Abwehr des göttlichen Zorns

Der Lutheraner Hans Asmussen (1898–1968), einer der Hauptautoren des Altonaer Bekenntnisses, hat sich in seiner Seelsorgelehre (Seelsorge, 3. Aufl., München: Kaiser Verlag, 1935) sehr intensiv mit dem Zorn Gottes und der Begnadigung des Sünders befasst. Eindringlich beschreibt er die menschlichen Versuche, sich Gott einseitig als nur gnädigen Gott vorzustellen (also Gottes Heiligkeit und Gerechtigkeit aus den Augen zu verlieren). Aus seiner Perspektive sind das Bewegungen der Abwehr (heute würden wir wohl von »Abwehrmechanismen« sprechen, vgl. auch hier). Ausmussen (S. 30):

Ich wage nicht zu sagen, welcher Rettungsversuch der Gefährlichere ist: Gott umzustimmen oder sich selbst vorzumachen, dass man sich irrt, also sich selbst umzustimmen. Der letztere Versuch ist ungemein fruchtbar. Sehe ich recht, dann verdankt die menschliche Kultur diesem Versuch weithin ihre Entstehung und ihre Wandlungen. Die Exerzitien des Ignatius von Loyola sind ein besonders deutlich hervorragendes Ereignis in der Mannigfaltigkeit dieser Versuche, ähnlich wie die moderne Psychologie arbeitet, um den Menschen die Ruhe ihrer Seele wiederzugeben. Aber gerade diese beiden in die Augen springende Formen zeigen, an welche Grenze man sich hier in höchster Gefahr bewegt: Das Satanische ist nahe! Der Großinquisitor bekommt das Wort! Die Sonne Satans geht auf und beginnt zu scheinen! Fabelhaftes wird geleistet. Alle Kraft des Menschen und alle Erfindungsgabe wird aufgeboten. Die Kraft leistet etwas! Erfindungen werden gemacht, derart, das wir über uns selbst staunen – und einige Zeit bei dem Glauben uns beruhigen es sei ein Irrtum, dass Gott uns zürne.

Innerhalb der protestantischen Theologie waren es vor allem Friedrich Schleiermacher (1768–1834) und Albrecht Ritschl (1822–1889), die an Kant anknüpfend das christliche Gottesbild umformten und vom Zorn Gottes befreiten. Schleiermacher meinte: Je tiefer das Versöhnte ins Christentum hineinwächst, desto mehr werden die Gerechtigkeit und Heiligkeit Gottes zu einer vergangenen Randerfahrung. Seiner 9. Augustanapredigt gab er die berühmt gewordene Überschrift »Daß wir nichts vom Zorn Gottes zu lehren haben.« Für Ritschl war Gott ausschließlich Liebe. Vom Zorn Gottes könne nur noch im Blick auf das Endgericht gesprochen werden. Einen gegen die gegenwärtige Sünde gerichteten Zorn Gottes schloss Ritschl als mit Gottes Liebe unvereinbar aus. Wer an einen zornigen Gott denke, denke falsch von Gott und sündige damit.

Mit der Abwehr des göttlichen Zornes korrespondiert eine Seelsorge ohne Kreuz. Dazu noch einmal Asmussen (S. X):

Die Seelsorge ist auch nicht immer vom Zentrum der evangelischen Lehre her betrachtet worden. Aus diesem Grunde sind auch auf dem Gebiet der Seelsorge viele grundsätzliche Entscheidungen getroffen worden, welche eine Verleugnung des Kreuzes Christi darstellen.

Gaga: »Ich bin eben so geboren«

Es war wieder eine große Inszenierung. Lady Gaga wurde bei den Grammy Awards in einem Ei auf die Bühne getragen und performte ihren neuen Song »Born This Way«. Die Botschaft ist klar: Lebe so, wie es dir entspricht. Liebe dich selbst und tue das, was dein Herz dir sagt. Du bist als Superstar geboren. Also benimm dich wie eine Königin und alles ist gut. Es gibt keine falschen Wege. Das Brüten sei unabdingbar gewesen, »weil eine ganz neue Rasse auf die Welt kommen sollte – eine Rasse, die weder die Fähigkeit zu richten noch zu hassen in ihrer DNA habe« (FAZ vom 15.02.2011, Nr. 38, S. 7).

Gaga:

No matter gay, straight or bi
Lesbian, transgendered life
I’m on the right track, baby
I was born to survive
No matter black, white or beige
Chola or orient made
I’m on the right track, baby
I was born to be brave
I’m beautiful in my way,
‘Cause God makes no mistakes
I’m on the right track, baby
I was Born This Way

Alles ist gut so, wie es ist? Höre auf dein Herz? So einfach ist das nicht!

Es stimmt: Gott hat uns sehr gut geschaffen (Gen 1,31). Aber wir Menschen waren (in Adam) Gott ungehorsam, gehen als Abtrünnige unsere eigenen Wege (vgl. Röm 5). Unser Herz ist trügerisch, manchmal eine große Räuberhöhle. Unser »Dichten und Trachten« ist böse von Jugend an (Gen 8,12). »Verschlagener als alles andere ist das Herz, und unheilbar ist es, wer kann das verstehen?« (Jer 17,9). Da wir Gott nicht ehren, ist es in uns dunkel geworden. Paulus beschreibt das so (Röm 1,21):

Denn obwohl sie Gott erkannten, haben sie ihm nicht die Ehre gegeben, die Gott gebührt, noch ihm Dank gesagt, sondern sie verfielen mit ihren Gedanken dem Nichtigen, und ihr unverständiges Herz verfinsterte sich.

Machen wir unser eigenes Herz zum letzten moralischen Maßstab, kann das böse enden. Ich nehme Lady Gaga mal beim Wort. Wenn Gott unser Schöpfer ist, dann weiß er genau, was gut für uns ist und kann sich uns auch mitteilen. Genau das hat er getan. Er hat uns gute Gebote gegeben, die das Leben fördern. Deshalb bekennt Gott: »Ach dass sie ein solches Herz hätten, mich zu fürchten und zu halten alle meine Gebote ihr Leben lang, auf dass es ihnen und ihren Kindern wohlginge ewiglich!« (Dt 5,29).

Gottes Gebote schützen uns vor unseren verführbaren Herzen. Als Rebellen mögen wir diese Gebote nicht. Wir glauben, sie behindern uns an der Selbstentfaltung. Sogar dann, wenn wir an ihnen Gefallen finden und sie halten wollen, merken wir: Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Der Prophet Ezekiel schreibt deshalb (18,31): »Werft all eure Vergehen von euch, mit denen ihr euch vergangen habt, und schafft euch ein neues Herz und einen neuen Geist!«.

Ein neues Herz schenkt Gott denen, die an ihn glauben. Gott kann uns in Jesus Christus unsere Schuld vergeben und unser Inneres neu machen: »Und ich werde euch ein neues Herz geben, und in euer Inneres lege ich einen neuen Geist. Und ich entferne das steinerne Herz aus eurem Leib und gebe euch ein Herz aus Fleisch« (Ez 36,26 ). Wer mit diesem neuen Herzen glaubt, ist gerettet. Und: Dieses neue Herz hat Freude an dem, was Gott gefällt. Dieses Herz vertraut auf Gott und bekennt, dass Jesus der Herr ist (Röm 10,9–13, vgl. auch 2Kor 5,15–19):

Denn wenn du mit deinem Mund bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat, wirst du gerettet werden. Mit dem Herzen nämlich glaubt man, auf Gerechtigkeit hin; mit dem Mund bekennt man, auf Rettung hin. Denn die Schrift sagt: Keiner, der auf ihn vertraut, wird blossgestellt werden. Es ist ja kein Unterschied zwischen Juden und Griechen, denn sie haben alle ein und denselben Herrn, der alle reich macht, die ihn anrufen. Denn: Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.

Glaubst du?

Calvins Erwählungslehre

Wieder und wieder musste ich in den letzten Wochen lesen, Calvins Erwählungslehre sei das Resultat philosophischer Reflexionen, nicht das Ergebnis einer sorgfältigen Bibelauslegung. Wie wohltuend schreibt dagegen Christian Link (Prädestination und Erwählung, Calvin-Studien, Neukirchen-Vluyn: Neukirchener, 2009, S. 38):

Calvin hat seine Prädestinationslehre im Gespräch mit Paulus entwickelt. Es ist in der neueren Forschung immer deutlicher geworden, dass seine wichtigsten dogmatischen Entscheidungen in und über der exegetischen Arbeit gefallen sind. Sein 1540 in Straßburg erschienener und in zwei weiteren Auflagen (1551 und 1556) von ihm gründlich überarbeiteter Römerbriefkommentar ist die Quelle, aus der sich die lehrhaften Darstellungen der Institutio (1559) speisen. Die Leitbegriffe, mit denen er arbeitet – Erwählung, Berufung und allen voran der göttliche Vorsatz – stammen von Paulus. Er lässt sich vom Text des Römerbriefs in dessen Gedankenbewegung hineinziehen, findet in diesen Texten also keineswegs das für ihn dogmatische Feststehende bloß wieder.

Sehr schön bei Link auch (S. 3):

Die moderne Frage: Was ist relevant? was ist zeitgemäß? wäre ihm [Calvin] nie über die Lippen gekommen.

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