Charles Darwin

Nietzsche erwartete das Heil von der Biologie

Edith Düsing sieht bei Nietzsche eine gedankliche Nähe zu Darwin, auch wenn er diese zu verbergen versuchte („Nietzsches antichristliches Paulusbild“, Internationale katholische Zeitschrift Communio 38, 2 (2009), S. 160–178, hier S. 170):

Nietzsche unternimmt die Delegitimierung des christlichen Abendlandes in: Der Antichrist, indem er die in Jesus angebrochene christliche Heilsgeschichte zu einer Unheilsgeschichte umdeutet.

Das Heil sei nicht mehr vom paulinischen Christus, sondern vom antipaulinischen Anti-Christus, alias Dionysos, Zarathustra oder Nietzsche zu erwarten. Ziel ist ein säkularer Dionysoskult, worin das triumphierende Jasagen zum Leben über Tod und Wandel hinaus Schlüsseldogma ist. Das wahre Leben, das rein diesseitig sein soll, liege im Gesamtfortleben der Gattung durch Zeugung. Dies sei der wahre heilige Weg, der von Nietzsche religiös empfunden wird als ein Glaube an die „Ewigkeit des Lebens“ (KSA 6, 159f).

In einer Art Notwehrhandlung wird, um dem an sich ewig Sinnlosen verzweifelt Sinn einzuhauchen, der Biologie religiöse Weihe zugedacht. Christliche und dionysische Weltsicht differieren für Nietzsche nicht hinsichtlich des Martyriums, jedoch kommt [ihnen] ein unterschiedlicher Sinn zu. Im dionysischen Verständnis gehöre zum Leben in seiner Fruchtbarkeit auch Qual, Zerstörung, ja Vernichtung; im paulinischen Sinn gelte der ‚Gekreuzigte als der Unschuldige‘, das Wort vom Kreuz als Formel der Verurteilung des Lebens, das im Gegensatz zu Christus völlig sündig ist. „Der Gott am Kreuz ist ein Fluch auf das Leben“; der in Stücke gerissene Dionysos aber, so Nietzsches Mythologisierung des Lebenskults, ist „eine Verheißung des Lebens: er wird ewig wiedergeboren und aus der Zerstörung heimkommen“ (KSA 13, 267).

Religion in den Grenzen der Evolution

Für Charles Darwin ist die Religion eine Erfindung der Evolution. Michael Blume stellt in einer nett gemachten Kirchensendung Darwins Sicht für den DLF vor:


Dazu wäre viel zu sagen. Nur kurz:

  • Verschwiegen wird leider, dass z.B. aus Sicht vieler Positivisten oder der Neuen Atheisten der Glaube an einen Gott, also der Monotheismus, ebenfalls durch den evolutionären Fortschritt überwunden wurde.
  • Es bleibt nach wie vor offen, weshalb und auf welche Weise die Evolution so etwas wie „Liebe“ oder „Altruismus“ hervorbringen konnte. Freiheit, Liebe, Fairness, Mitgefühl als Werk eines biologischen Ausleseprozesses zu begreifen, erfordert große Gläubigkeit.

Hat auch Charles Darwin abgeschrieben?

Zur gleichen Zeit wie Charles Darwin entdeckt der englische Hobbyforscher und Spiritist (vgl. hier, Sterbedatum dort allerdings falsch) Alfred Russel Wallace (1823–1913) im malaiischen Urwald, wie sich Tierarten entwickeln und differenzieren. 150 Jahre später spricht vieles dafür, dass Darwin Teile seiner berühmten Evolutionstheorie bei ihm gestohlen hat.

Wolgang Merkel schreibt für DIE WELT:

Doch spätestens seit dem Jahr 1985 ist der „Fall Darwin-Wallace“ auch ein Wissenschaftskrimi – allerdings ohne schlüssiges Ende. In jenem Jahr bezeichnet der US-Historiker John Langdon Brooks nach intensivem Quellenstudium Darwin als Dieb am geistigen Eigentum von Alfred Russel Wallace. Um dies zu kaschieren, habe der Plagiator wichtige Dokumente einfach verschwinden lassen.

Hier der vollständige Artikel: www.welt.de.

Ein Dilemma: Darwin und die Sklaverei

imagesHenning Ritter geht in einem für die FAZ geschriebenen Artikel der Frage nach, warum Charles Darwin seinen moralischen Quietismus in der Sklavenfrage aufgegeben hat.

Es geht dabei verkürzt um Folgendes: Die biologische Theorie Darwins versuchte durch Verweis auf sehr langsame Anpassungsprozesse die Grausamkeit des Evolutionsgeschehens abzumildern. Kritische Begleiter des Darwinismus mahnten jedoch an, dass der mörderische Daseinskampf, sei er denn notwendig, gewaltige Auswirkungen für die Moralvorstellungen haben müsse. Etwa so: »Wenn die Natur alles ist, was ist, und der Tod als Gärtner auftritt, muss das Recht des Stärkeren akzeptiert werden.« Der moralischen Verunsicherung wich Darwin aus, indem er über Moral schwieg. Aber warum hat Darwin in der Sklavenfrage deutlich Stellung gegen die Sklaverei bezogen? Der Naturforscher erklärte, dass es »in der Natur Erscheinungen gab, die, im Unterschied zur natürlichen Auslese, tatsächlich die Bezeichnung Grausamkeit verdienten«. Das heißt soviel wie: Die Natur lehrt selbst eine Moral.

Meine Frage: Hatte Darwin vielleicht mit der Grausamkeit der Natur in der Sklavenfragen vor allem deshalb Probleme, weil er persönlich betroffen war, also die Grausamkeit mit eigenen Augen gesehen hat?

Hier der packende Artikel: www.faz.net.

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