Februar 2012

Storytelling

Das Geheimnis unserer Zeit lautet „Storytelling“. Wer heute in der Wirtschaft, Politik oder im geistlichen Dienst „Erfolg“ haben will, muss die Kunst des Geschichtenerzählens beherrschen. Wer noch zwischen Fiktion und Wirklichkeit unterscheidet, bleibt schnell auf der Strecke.

Da das Storytelling sich hierzulande im geistlichen Dienst zunehmend großer Beliebtheit erfreut, verweise ich auf die böse Satire „Von der Kunst des Geschichtenerzählens“ aus dem Jahr 2008: storytelling.pdf.

Nicht mit dem Wort Gottes „herumtricksen“

Vor Versuchen in der Verkündigung, die christliche Botschaft den Wünschen der Hörer anzupassen, hat der Leiter der evangelistischen Aktion ProChrist, Pfarrer Ulrich Parzany (Kassel), gewarnt. idea schreibt:

„Wir Evangelisten stehen pausenlos in der Versuchung, das Evangelium so zu verdrehen, dass es den Leuten gefällt“, sagte der ehemalige CVJM-Generalsekretär am 18. Februar in Gunzenhausen (Mittelfranken). Er hielt dort eine Bibelarbeit vor der Mitgliederversammlung des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes (Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften). Parzany: „Wir tricksen nicht mit dem Wort Gottes herum.“ Er sprach über eine Stelle aus dem 2. Korintherbrief (4,1-6), in der es im Vers 5 heißt: „Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, dass er sei der Herr …“ Parzany rief ferner dazu auf, mehr Vertrauen in die Kraft des Evangeliums zu haben. Was heute fehle, sei ein tiefer Glaube „an die Wirksamkeit des Wortes Gottes, das nicht leer zurückkommt“.

Hier: www.idea.de.

Streit um Dietrich Bonhoeffer

Die Diskussion um Metaxas Bonhoeffer sind inzwischen auch beim NDR angekommen. Daniel Kaiser schreibt:

Der fromme Bonhoeffer – das geht manchen Experten zu weit. Sie werfen Metaxas vor, den Theologen gewissermaßen entführt und aus ihm einen evangelikalen Christen gemacht zu haben. Kein Wunder also, dass das Buch dem Ex-Präsidenten George W. Bush so gut gefallen habe, ätzen sie. Der Biograf Metaxas bleibt dabei: Das Bonhoeffer-Bild der vergangenen Jahre sei falsch. „Es ist doch so, dass viele Gelehrte ihn gekapert und aus ihm fälschlicherweise einen weltlichen Humanisten und theologischen Linken gemacht haben“, sagt Metaxas. „Bei meinen Recherchen war ich geschockt, als ich herausfand: Das Gegenteil ist der Fall.“

Er sei nicht überrascht, dass Bonhoeffer-Experten, die sich seit Jahrzehnten mit dem Thema befassen, einen Seiteneinsteiger wie ihn kritisierten. Er habe Bonhoeffer aber nicht in eine evangelikale Ecke stellen wollen, sondern „Bonhoeffer einfach zeigen, wie Bonhoeffer war“.

Mehr: www.ndr.de.

Martin Luther: Was ist der Mensch?

luther.jpegDer große Reformator Martin Luther starb am 18. Februar 1546 in Eisleben. Trotz schwerer Herzprobleme hatte er sich auf den Weg gemacht, um bei einem Streit der drei Grafen von Mansfeld zu schlichten. Der Streit wurde erfolgreich befriedet. Luther hatte aber nicht mehr die Kraft, in seine Heimat Wittenberg zurückzukehren. Er starb am 18. Februar in der Gegenwart zwei befreundeter Theologen. Auf dem Sterbebett sagte er: „Wir sind Bettler, das ist wahr“ und betete vor dem Heimgang zu seinem HERRN: „In Deine Hände befehle ich meinen Geist. Du hast mich erlöst, Herr, Du treuer Gott.“

Anläßlich seines Todestages ein deftiges Lutherzitat aus seiner Disputation über den Menschen. Die Schrift entstand in dem Jahr, in dem Johannes Calvin die erste Auflage seiner Institutio veröffentlichte, 1536.

Daher philosophieren diejenigen gottlos gegen die Theologie, die sagen, die natürlichen Fähigkeiten [des Menschen] seien nach dem Fall unversehrt erhalten geblieben. Ähnlich diejenigen, die sagen, indem der Mensch tue, was in seinen Kräften steht, könne er Gottes Gnade und das Leben verdienen. Ebenso diejenigen, die Aristoteles (der vom Menschen in theologischer Hinsicht nichts weiß) anführen [um zu belegen], dass die Vernunft inbrünstig das Beste erstrebe. Ebenso, dass im Menschen das Licht des Angesichts Gottes sei, das als Zeichen über uns gesetzt sei, d.h. das freie Willensvermögen zur Gestaltung der rechten Vorschrift und des guten Willens. Ebenso, dass der Mensch in der Lage sei, zwischen Gut und Böse oder Leben und Tod usw. zu wählen. Alle solche verstehen weder, was der Mensch ist, noch wissen sie, wovon sie sprechen. Paulus fasst in Rom 3,28: „Wir halten dafür, dass der Mensch gerechtfertigt wird durch den Glauben ohne Werke“ kurz die Definition des Menschen zusammen, indem er sagt: Der Mensch wird durch den Glauben gerechtfertigt.

Die Sache mit dem „Salz“

Falls mein Gedächtnis mich nicht vollends im Stich lässt, habe ich in den vergangenen Jahren keine Predigt über Gottes Heiligkeit, das Jüngste Gericht oder die Bundestreue des HERRN gehört. Ein Thema begleitet mich indessen anhänglich: „Ihr seid das Salz der Erde.“

Sollte Don Garlington mit seiner Untersuchung „‚The Salt of The Eaerth‘ in Covenantal Perspective“ richtig liegen (JETS Vol. 54.4, No. 5, December 2011, S. 715–48), wurde der tiefere Textsinn bei allen Predigten, die ich dazu gehört (oder auch selbst gehalten) habe, nicht erfasst.

Nein, es geht nicht darum, ob Salz mehr Konservierungsstoff als Gewürz war. Meist wird Matthäus 5,13 im Sinne von: „Seid rechtschaffene Bürger und würzt als Christen die Gesellschaft, in die Gott euch hineingestellt hat“, ausgelegt. Garlington hat die Redeweise im Kontext von AT und NT geprüft und meint, dass sie ausgerechnet nur im Rahmen einer soliden Bundestheologie angemessen verstehbar ist. Im Alten Testament hat das Salz demnach folgende gleichnishaften Bedeutungen:

  1. Symbol für Beständigkeit und Bundestreue;
  2. Symbol für die Bundesgemeinschaft;
  3. Symbol der Reinheit;
  4. Symbol für den Fluch.

Sein Fazit lautet (S. 748):

This study has argued that the “the salt of the earth,” as predicated of Jesus’ disciples, should be understood within a covenantal framework. Like any word of theological significance, salt is a covenant term, meaning that its covenantal association is not merely a nuance; it is the determining component of interpretation. In advancing the argument, the underlying assumptions were threefold: the unity of Scripture, the validity of biblical theology, and the factor of intertextuality. After an exegesis of the relevant OT texts, conclusions were drawn respecting their bearing on Matt 5:13 and parallels. These boiled down to four. (1) As “salt,” the disciples exhibit covenant fidelity and so preserve the continuance of the covenant. This category includes the probability that Jesus’ followers are conceived of as sacrifices in their own persons. (2) By virtue of their identification as salt, the disciples share in covenant fellowship, including that of the table, and thus form a society in communion with the covenant Lord. (3) The disciples impart purity to the creation, thereby causing it to be better than before—a new creation. (4) There is the punitive function of salt. If the world rejects the message of the disciples, their witness to the blessings of salvation turns into a condemnation of it. Apart from these four basic applications of salt to the passages in question, in Matt 5:13 and Col 4:6 salt takes on hues of wisdom, due to contextual considerations.

Ein insgesamt sehr interessanter Aufsatz, der in guten Bibliotheken online oder im Regal gefunden werden kann. Abonnieren kann man The Journal of the Evangelical Theological Society hier: www.etsjets.org.

Francis Schaeffer als bleibende Herausforderung

Chuck Colson und Timothy George behaupten in ihrem CT-Artikel über Francis Schaeffer: Mit lasergenauer Präzision benennt Schaeffer das Grundproblem unserer Zeit: die Ausklammerung der Wahrheitsfrage.

Many of us have tried to pick up pieces of Schaeffer’s legacy. But no one has brought charity and clarity together the way he did. No one has spoken with the compassion, precision, and, yes, fierceness that Schaeffer brought to the task. Some say today that the church should take a sabbatical from speaking to the culture at large. That would be a grave mistake. The alternative to winsomely engaging the culture isn’t blissful withdrawal: it is further subjugation to what Pope Benedict XVI has called the „dictatorship of relativism.“ Schaeffer taught us that the undermining of truth leads to the loss of human rights, including liberty and life itself. The title of this column is an apt description of Schaeffer’s legacy: contra mundum, against the world. Schaeffer swam against the stream and his words were prophetic, sharp, sometimes cutting. But Schaeffer was against the world in order to be for the world, the world God made and for which Christ died. We can hardly celebrate his legacy in any other way but to hear and to heed.

Hier: www.christianitytoday.com.

Radikale Kontextualisierung (1): Kinderbibeln ohne Gott

In den letzten Jahren sind 150 neue Kinderbibeln erschienen. Die meisten zeichnen ein neues, modernes Bild der christlichen Religion. Aus einst furchterregenden Erziehungsfibeln sind multikulturelle Wohlfühlbücher geworden. Dieser Wandel lässt sich dank einer Schenkung an die Universität Zürich eindrücklich belegen.

Hier der SF-Bericht:

VD: JO

Die toten Seelen der Stadt

220px-Ivanov_gogol.jpgMichael Schischkin hat einen wunderbaren Artikel über Nikolai Wassiljewitsch Gogol (1809–1852) publiziert (FAZ, 11.02.2012, Nr. 36, Z1). Gogol umschreibt, so sieht es jedenfalls Schischkin, die Sklaverei der russischen Seelen im 19. Jahrhundert. „Die Heimat ist zu einem Gefängnis geworden, in dem Menschen mit einem Gefühl für ihre eigene Würde dem Tode geweiht sind.“ Was Schischkin in Anlehnung an Gogol dann über Petersburg schreibt, könnte bildlich über manch andere moderne Metropole gesagt werden:

Die Kowaljows und ihre Barbiere, Wachtmeister und Staatsrätinnen zertreten die Straßen Petersburgs, einer symbolischen Stadt, der Hauptstadt, erbaut auf den Sümpfen und den Knochen von Sklaven. Die Geister der Sümpfe vergeben nicht. Aber man hat sich an sie gewöhnt, denn die Einwohner sind selbst Geister der Sümpfe geworden. In der Stadt, die nach dem heiligen Petrus benannt worden war, dem Himmelswächter, erinnert sich niemand mehr, weder an den Himmel noch an Christus. In der Stadt herrschen seelische Leere und endlose Erniedrigung.

Atheistische Tempel

Uwe Justus Wenzel stellt für die NZZ zwei Werke aus dem Lager des Neuen Atheismus vor. Die Sachbücher:

und:

sind allerdings deutlich weniger aggressiv und erheblich unterhaltsamer als die Werke der „militanten Atheisten“. Wenzel schreibt über Botten:

Besonders beeindruckt ist Botton von dem gewissermassen ganzheitlichen Ansatz der Religionen, für sämtliche Departemente des Daseins, von der Erziehung und der Politik über Alltagsriten und Festkalender bis zu Kunst und Architektur «Konzepte» in petto zu haben. Daraus pickt er sich die Rosinen heraus, die auch Ungläubigen mutmasslich munden.

Von ihren Gegnern lernen hin und wieder übrigens auch schon Dawkins und Co. Sie modeln aus den modernen Naturwissenschaften ein «naturalistisches» Weltbild, das in allen Lebenslagen Orientierung geben soll, und sie organisieren sich in Weltanschauungsgemeinschaften wie der der «Brights». Der deutsche Ableger dieser «hellen Köpfe» hat im «Darwin-Jahr» 2009 sogar dafür geworben, Christi Himmelfahrt als Feiertag zu streichen und stattdessen alljährlich einen «Evolutionstag» zu begehen. (Freilich wird der Auffahrtstag in deutschen Landen ohnehin seit langem bereits als «Vatertag» für Herrenpartien genutzt.)

Hier: www.nzz.ch.

VD: ML

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