April 2012

Postdemokratisches Meinungsklima

Zitat aus Stefan Fuchs: „Betreuungsgeld – fabrizierte Meinung vs. Sachargumente“:

Die Betreuungsgeldiskussion bestätigt eine alte Einsicht Joseph A. Schumpeters: Für das politische Geschäft entscheidend ist der von Führungscliquen „fabrizierte“ Wille, der über die Medien vermittelt das veröffentlichte Meinungsklima dominiert. Gerade prototypisch zeigen dies Politbaromter-Umfragen zum Betreuungsgeld: Aktuell sprechen sich nur noch 34 Prozent der Befragten für diese Leistung aus, während es im November 2011 noch 43 Prozent waren. Die „Debatte der letzten Wochen“ habe die Zustimmung „weiter reduziert“ schließen daraus die Demoskopen. Sollten sich diese Ergebnisse bestätigen, wäre es den Gegnern des Betreuungsgeldes gelungen, das familienpolitische Meinungsklima um 180 % zu drehen …

Mehr: i-daf_im_blickpunkt_2_-2012.pdf.

Junge Menschen fühlen sich diskriminiert

Laut WELT ONLINE (mit Berufung auf Daten von Forsa) sind es überwiegend Schüler, Studenten und junge Menschen im Alter von 18–29 , die in Deutschland das Gefühl haben, diskriminiert zu werden.

Ich habe ein anderes Gefühl: Selten sind Menschen in den Genuss so vieler Rechte gekommen, wie sie jungen Menschen heute in Deutschland zugesprochen werden. Wir werden uns noch wundern.

Accordance: NA27 tagged

Für Anwender der Bibelsoftware Accordance der kurze Hinweis, dass es inzwischen einen „Tagged NA27 Greek New Testament with Apparatus“ gibt. Anwender, die den Nestle-Aland bei der Deutschen Bibelgesellschaft erworben haben (oder einen anderen griechischen „tagged“ Text), können über ein Upgrade in den Genuss dieses „verschlagworteten“ Textes kommen. Im April bietet Accordance 25 Prozent Rabatt auf Einkäufe an. Da ich sowohl den Text von der Bibelgesellschaft als auch den NT-T besaß, habe ich das Upgrade für ca. 12 Euro erhalten.

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Starb Jesus für alle?: Kommentar zum Papstbrief

Papst Benedikt XVI. hat mit Zeichnung vom 14. April 2012 einen Brief an die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz geschrieben. In diesem Brief geht er auf die angemessene Übersetzung des sogenannten „Kelchwortes“ im Hochgebet der Katholischen Messe ein. Es geht um die Frage, ob beim Abendmahl davon gesprochen werden soll, dass Jesus „für alle“ oder „für viele“ gestorben ist. Papst Benedikt XVI. möchte zurück zur Formulierung „für viele“, da sie in den neutestamentlichen Einsetzungsworten zu finden ist und begründet dies unter anderem mit einer Abkehr vom bisher vorausgesetzten „Semitismus“ bei der Übersetzung der griechischen Evangelienworte. Dabei weist er darauf hin, dass die Konzepte der Übersetzer oder Ausleger den Bibeltext nicht verdecken dürfen, also zwischen dem Bibeltext und seiner Interpretation zu unterscheiden ist. Ihm, der liturgische Gebete in vielen Sprachen sprechen muss, ist „im Lauf der Jahre immer mehr auch persönlich deutlich geworden, dass das Prinzip der nicht wörtlichen, sondern strukturellen Entsprechung als Übersetzungsleitlinie seine Grenzen hat“. Er schreibt:

Lassen Sie mich zunächst kurz ein Wort über die Entstehung des Problems sagen. In den 60er Jahren, als das Römische Missale unter der Verantwortung der Bischöfe in die deutsche Sprache zu übertragen war, bestand ein exegetischer Konsens darüber, dass das Wort „die vielen“, „viele“ in Jes 53,1l f. eine hebräische Ausdrucksform sei, um die Gesamtheit, „alle“ zu benennen. Das Wort „viele“ in den Einsetzungsberichten von Matthäus und Markus sei demgemäß ein Semitismus und müsse mit „alle“ übersetzt werden. Dies bezog man auch auf den unmittelbar zu übersetzenden lateinischen Text, dessen „pro multis“ über die Evangelienberichte auf Jes 53 zurückverweise und daher mit „für alle“ zu übersetzen sei. Dieser exegetische Konsens ist inzwischen zerbröckelt; er besteht nicht mehr. In der deutschen Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift steht im Abendmahlsbericht: „Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird“ (Mk 14, 24; vgl. Mt 26, 28). Damit wird etwas sehr Wichtiges sichtbar: Die Wiedergabe von „pro multis“ mit „für alle“ war keine reine Übersetzung, sondern eine Interpretation, die sehr wohl begründet war und bleibt, aber doch schon Auslegung und mehr als Übersetzung ist.

Diese Verschmelzung von Übersetzung und Auslegung gehört in gewisser Hinsicht zu den Prinzipien, die unmittelbar nach dem Konzil die Übersetzung der liturgischen Bücher in die modernen Sprachen leitete. Man war sich bewusst, wie weit die Bibel und die liturgischen Texte von der Sprach- und Denkwelt der heutigen Menschen entfernt sind, so dass sie auch übersetzt weithin den Teilnehmern des Gottesdienstes unverständlich bleiben mussten. Es war ein neues Unternehmen, dass die heiligen Texte in Übersetzungen offen vor den Teilnehmern am Gottesdienst dastanden und dabei doch in einer großen Entfernung von ihrer Welt bleiben würden, ja, jetzt erst recht in ihrer Entfernung sichtbar würden. So fühlte man sich nicht nur berechtigt, sondern geradezu verpflichtet, in die Übersetzung schon Interpretation einzuschmelzen und damit den Weg zu den Menschen abzukürzen, deren Herz und Verstand ja von diesen Worten erreicht werden sollten.

Thomas Söding, Neutestamentler in Bochum, hat für den DLF die Debatte kurz kommentiert. Ich teile seine Position nicht, gebe aber hier gern die Stellungnahme wieder:

[podcast]http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2012/04/27/dlf_20120427_0936_4583b569.mp3[/podcast]

Eine christuszentrierte Biblische Theologie

3969.jpegDas neue Buch von Graeme Goldsworthy (Moore Theological College in Sydney) hat das Zeug, wieder ein Klassiker zu werden. Hier das Inhaltsverzeichnis von:

  • Graeme Goldsworthy: Christ-Centered Biblical Theology: Hermeneutical Foundations and Principles, IVP Academic, 2012, 240 S.

Preface
Abbreviations

1. Biblical theology: lame duck or eagles‘ wings?
Confessions of a biblical theology addict
The big questions about the big picture
The Robinson-Hebert schema
The role of Genesis 1–11
The question of reductionism
Why is biblical theology so neglected?

2. Evangelical definitions and presuppositions
Tentative steps towards a definition of biblical theology
Evangelical theological presuppositions in biblical theology
Evangelical hermeneutical presuppositions in biblical theology

3. Salvation and history
The idea of salvation history
The biblical history as salvation history
Salvation history within Scripture: Old Testament
Salvation history within Scripture: New Testament
Conclusions

4. Evangelical practice
The lack of consensus among evangelicals
The shaping of a biblical theologian: my debt to Donald Robinson
Some leading evangelical biblical theologians
Conclusions

5. Multiplex biblical theology
The problem of unity and diversity in method
Proponents of the multiplex approach
Conclusions

6. Letting the Old Testament speak I: biblical history
What kind of epoch?
The main foci in Old Testament history
Conclusions

7. Letting the Old Testament speak II: prophetic eschatology
The pattern of prophetic eschatology
The canonical shape
The main foci in prophetic eschatology
Conclusions

8. Letting the New Testament speak
Is the New Testament normative in the interpretation of the Old Testament?
Does the New Testament exhibit a structure of revelation?
The Abraham-David/Solomon axis and the fulfilment of prophecy
A comparison of approaches

9. Typology
Robinson’s typology
Approaches to typology
Some issues in the debate
Macro-typology

10. The Robinson legacy
Robinson’s typology and method in biblical theology
Israel and the church
Eschatology
Baptism
Assessment

11. How to do biblical theology
Is there a future for biblical theology?
Possibilities for biblical theology
Epilogue

Indexes

Kevin J. Vanhoozer schreibt zum Buch:

„For many years I have admired the good things coming out of Moore Theological College. It’s high time that the biblical theology being done down under be put front and center in North America. In an age of increasing specialization and fragmentation where even biblical things come apart, Goldsworthy’s approach to the unity of Scripture is an important countercultural blast.“

Urbane Mission: 10 Dinge

Jerome Gay, Pastor einer Gemeinde in Gilbert Ave (USA), hat die letzten Jahre in die „Gemeindegründungsarbeit“ investiert. Einen Einblick in die Arbeit seiner Gemeinde gibt er in diesem kurzen Video:

Freundlicherweise gab Jerome mir die Erlaubnis, zehn von ihm formulierte Tipps für Gemeindegründer im Kontext der Stadt hier zu veröffentlichen. Ich danke Lars R. für die Übersetzung.

 

Urbane Mission: 10 Dinge, die ein Gemeindegründer beachten sollte

Jerome Gay


Hier sind einige Dinge, die ich auf meiner Reise als Gemeindegründer gelernt habe:

1. Du bist ein begrenzter Leiter (Exodus 18,18)
Viele Leute werden in dir den allbegabten Superleiter sehen wollen und du wirst versucht sein dies zu glauben. Es ist wichtig, zu wissen, wer man ist – und wer nicht. Die einzige Sache, die schlimmer ist, als Leute, die dich als allbegabt sehen wollen, ist der Pastor, der denkt, er sei es. Dies würde dir schnell die Freude an deinem Hirtenamt nehmen. Kenne deine Grenzen und arbeite an deinen Stärken.

2. Verarbeite deine Verletzungen (1Petrus 5,7)
Pastoren sind nicht von schmerzlichen Erfahrungen ausgenommen und viele haben unverarbeitete Vaterkomplexe. Oft ist die Kanzel dann der Ort, an dem diese Komplexe ausgelebt werden, sei es aufgrund eines abwesenden Vaters oder einer überaggressiven Mutter. Was auch immer der Fall ist, es ist überaus wichtig, dass du deinen Bedarf an Gottes Gnade und Seelsorge anerkennst. Hole dir Hilfe und erkenne deine Zerbrechlichkeit und Abhängigkeit von dem König. Wenn du dies nicht tust, wirst du versuchen, die Kirche zur Heilung deiner Wunden zu benutzen, wobei deine alten Wunden in deiner Gemeindegründungsarbeit nur zum Vorschein kommen werden. Sich seelsorgerlich beraten zu lassen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von demütiger Stärke.

3. Du gründest Gemeinde nicht allein, sondern mit deiner Familie (Epheser 6)
Es ist wichtig, dass die Gemeindegründung nicht zu deinem Augapfel wird. Die Gründung könnte fehlschlagen und Gott wird so etwas sehr wahrscheinlich dazu nutzen, um dich näher zu Ihm zu ziehen. Ich weiß, du denkst, du wirst die Ausnahme sein und nicht versagen. Das ist auch in Ordnung so. Ich wünsche dir eine gelingende Gemeindegründung, jedoch ist dies in der Realität nicht immer der Fall. Gemeindegründung ist garstig, brutal und ermüdend, aber es beinhaltet auch den größten Lohn. Wenn die Gemeinde jedoch alles ist, wirst du deine Familie vernachlässigen und das verdient sie nicht. Enttäusche deine Familie nicht und sprich mit deiner Frau über wichtige Entscheidungen bezüglich der Gemeindegründung. Deine Familie arbeitet mit dir.

4. Dir werden innere und äußere Voreingenommenheiten begegnen 
(Galater 2,11–21)
Viele Menschen deiner eigenen Hautfarbe werden deine theologischen Standpunkte nicht nachvollziehen können. Aufgrund des Mangels an evangeliums-zentrierter, biblisch-orthodoxer Theologie unter afroamerikanischen Pastoren wird man dich als eine Ausnahmeerscheinung betrachten. Diese Gegebenheit hängt natürlich von dem Ort, an dem du dich befindest. Bleib dem Wort treu und baue deine Identität nicht auf das eben Genannte, sonst siehst du dich womöglich als Erretter deines Kontextes und nicht als jemand, der in den Kontext berufen ist.

5. Ermutige Männer (1Timotheus 6,11–16)
In deinem Kontext brauchst du keine Begründung, um dich für Männer einzusetzen. Dies ist sprichwörtlich die vaterloseste Generation, die es jemals gegeben hat. Es ist wichtig, dass du mit Männern sprichst, sie ermutigst und ihnen eine Plattform gibst, auf der sie ihre Gaben für den König einsetzen können. Stärke die Männer in deinem Kreis und trainiere sie dazu, andere Männer in die Gemeinde zu bringen. Männer werden Familien in die Gemeinde bringen. Ich liebe meine Schwestern, aber es ist entscheidend, dass wir sie nicht auspowern, indem wir sie alles in der Gemeinde machen lassen. Hole dir Männer in die Gemeinde und versuche, so viele zu bekommen, wie du kannst.

6. Suche dir einen geistlichen Vater (1Timotheus 1,2 u. Philipper 2, 22)
Manche denken, dies sei einfach charismatisch, aber letztendlich ist es biblisch. Suche die Nähe von starken Männern, die Weisheit in dein Leben sprechen können. Dies sind Männer, denen du dich selbst unterordnen würdest. Gib ihnen Einblick in Bereiche deines Selbst, die nur deine Frau und deine Kinder kennen. Höre ihren Rat in Bezug auf Familie, Finanzen, Gemeinde, Sex und Verletzungen. Das wird sich sehr positiv auf dein Leben und auf das Leben deiner Gemeinde auswirken.

7. Nimm dir Zeit für deine Frau (Epheser 5)
Es ist einfach, deine Frau gegen die Gemeinde einzutauschen. Mache es ihr leicht, dir gegenüber ehrlich über ihre Gefühle zu sprechen. Nimm dir vor, mit ihr auszugehen, sie zu lieben, ihr zu zuhören und sei romantisch. Erachte sie nicht für selbstverständlich, sie ist wertvoll und verdient dein Bestes. Gib nicht deiner Gemeinde alles, so dass für deine Frau nur noch ein kleiner Rest an Kraft übrigbleibt. Wenn du über die Zukunft der Gemeinde nachdenkst, beachte immer, wie du deiner Frau zeigen und sagen kannst, dass du sie liebst.

8. Fördere die Einheit in deiner Kerngruppe (Philipper 1, 27–28)
Sei dir deiner Überzeugungen für den Dienst bewusst und kommuniziere sie gegenüber deinen Mitarbeitern in der Gemeindegründung. Ihr solltet an drei großen Fronten Einheit suchen: Theologie, Beziehungen und Arbeitsphilosophie. Definiere theologisch geschlossene sowie offene Fragen, prüfe dein Verhältnis mit den anderen Leitern in deiner Gruppe und frage sie explizit, ob sie deiner Philosophie des Dienstes zustimmen. Dies wird Einheit und Gesundheit in der Leitung hervorbringen und zur Langlebigkeit der Gemeindegründung beitragen.

9. Leute werden gehen (Johannes 6, 58–66)
In Johannes 6 haben viele Menschen Jesus verlassen, nachdem er harte Wahrheiten ausgesprochen hat und viele werden auch dich aus diesem Grund verlassen. Deswegen musst du nicht ins Wanken geraten, jedoch solltest du dir anhören, was diejenigen, die gehen, sagen. Du solltest diese Leute nicht ohne ein Abschlussgespräch ziehen lassen, nur weil du verletzt bist. Einige von ihnen haben möglicherweise begründete Kritik. Die Tatsache, dass Menschen die Gemeinde auch wieder verlassen werden, ist ein notwendiger Dorn im Fleisch (2Kor. 12,7–10) und wird dich „auf den Knien“ halten. Tue nicht so, also ob dich der Verlust von Gemeindemitgliedern kalt lassen würde, aber lass dich von der Sache auch nicht übermannen. Manche werden das Gespräch mit dir suchen, andere werden nur eine Mail schreiben. Bei anderen wirst du erst über Facebook erfahren, dass sie eine neue Gemeinde gefunden haben. Obwohl es nicht dein Anliegen ist, dass Leute die Gemeinde verlassen, sollte ein Ausstieg doch geregelt sein. Führe ein Gespräch mit den Leuten, die dabei sind, die Gemeinde zu verlassen, vielleicht gibt es Defizite in der Leiterschaft, auf die du dadurch aufmerksam gemacht wirst. Es muss noch gesagt werden, dass die meisten Menschen nicht völlig aufrichtig über ihre Beweggründe sind, wenn sie die Gemeinde verlassen. Lass dir das Ganze eine Erinnerung daran sein, dass Christus seine Gemeinde baut.

10. Sammele Ressourcen, die für eine lange Zeit ausreichen (Philipper 4, 15–20)
Sichere deinen Lohn und deine Krankenversicherung und einen weiteren Mitarbeiter als allererstes. Wenn du während der Gemeindegründung noch irgendwo eine halbe Stelle hast, um Geld zu verdienen, hast du damit natürlich noch Luft. Jedoch solltest du bereits vor der Gemeindegründung so viel Geld wie möglich angesammelt haben, weil du neben all den Herausforderungen einer Gemeindegründung nicht auch noch eine finanzielle Last tragen willst.

In alledem, liebe Jesus und sein Evangelium. Deine Identität liebt nicht im Erfolg oder dem Versagen bei der Gemeindegründungsarbeit, sondern in Ihm. Auch wenn diese Wahrheit einfach klingt, wirst du dazu neigen, sie zu vergessen. Denk daran, du bist einzigartig und du bist einzigartig, weil Er dich erwählt hat (Joh.15, 16). Die Wahrheit ist, dass du nicht das Zeug dazu hast, um eine Gemeinde zu gründen. Wenn deine Freude also in der Gemeindegründung als solcher und nicht in Christus liegt, wird dies sehr schnell deutlich werden. In diesem Fall wirst du ausbrennen und aufhören oder deine Mitmenschen schlecht behandeln und dich in das Zentrum der Gemeindegründung stellen.

Christus liebt dich und du bist sein Sohn. Er ist nicht für dich gestorben, damit du ein toller Gemeindegründer wirst, sonder er ist für dich gestorben, damit du als sein Sohn lebst – und das ist mehr als genug. Ich bete für dich und wünsche dir viel geistlichen Erfolg.

Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung von Jerome Gay.

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Hier der Artikel als PDF-Datei: 10Tipps.

Themelios 37.1

Screen_Shot_2012-04-02_at_104716_PM-120x159.pngEine neue Ausgabe des internationalen Journals Themelios ist erschienen. Wie üblich enthält die Zeitschrift zahlreiche Buchbesprechungen. Folgende Aufsätze sind enthalten:

  • „The Profit of Employing the Biblical Languages: Scriptural and Historical Reflections“ (Jason DeRouchie)
  • „The Earth Is Crammed with Heaven: Four Guideposts to Reading and Teaching the Song of Songs“ (Douglas Sean O’Donnell)
  • „John Owen on Union with Christ and Justification“ (J. V. Fesko)

Hier geht’s zur Seite mit dem Inhaltsverzeichnis, auf der wie üblich auch eine PDF-Datei mit der Gesamtausgabe heruntergeladen werden kann: thegospelcoalition.org.

Gottes vergessene Kinder

Tempel1001.jpgDER SPIEGEL hat zur Osterzeit wieder einmal zugeschlagen und behauptet in dem Artikel „Gottes vergessene Kinder“ (15/2012, S. 120–123), dass das uns überlieferte Alte Testament Produkt einer Geschichtsfälschung sei. Die ursprünglichere Thora, so berichtet das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf die Forschungsarbeiten des Ethnologen Stefan Schorch, stamme von den Samaritern. Die hebräische Bibel liefere nur ein Zerrbild ihrer Geschichte. „Papyrusrollen aus Qumran am Toten Meer, aber auch ein jüngst auf dem Antikmarkt aufgetauchtes Fragment der Bibel zwängen zu einer ‚völligen Neubewertung‘, sagt Schorch“ (S. 121). Den „spannendsten Hinweis“ auf die wirkliche Geschichte habe Jizchak Magen geliefert, der seit 25 Jahren auf der Kuppe des Garizim grabe. Was also ist das Hauptargument? „Seine Befunde, erst zum Teil veröffentlicht, kommen einer Sensation gleich: Auf dem Berg stand bereits vor 2500 Jahren ein gewaltiges, hell schimmerndes Heiligtum, umschlossen von einer 96 mal 98 Meter großen Einfriedung. Die Mauer hatte sechskammrige Tore mit riesigen Holztüren. Der Tempel von Jerusalem war zu jener Zeit allenfalls ein simpler Kubus“ (S. 121).

Laut einer Qumranrolle habe Mose seinem Volk befohlen, ein Heiligtum auf dem Garizim zu errichten. „In der hebräischen Bibel (an der Jerusalems Priesterschaft womöglich noch sehr lange herumschrieb) hört sich das Ganze plötzlich anders an. Von einem „erwählten Ort“ ist nicht mehr die Rede. Auch das Wort „Garizim“ ist an der entscheidenden Stelle gestrichen“ ( S. 122). Um gegenüber den Samaritern ihren Anspruch zu unterstreichen, hätten sich die Priester aus dem winzigen Südreich eine Heilsgeschichte ersonnen. „Demnach regierte bereits um 1000 vor Christus der Ur-König David von Jerusalem aus einem glänzenden Großreich. Sein Nachfolger Salomo schuf in der Stadt angeblich einen Tempel aus Zedernholz, „vollständig mit Gold überzogen“. Das alles sei Unsinn. Die Priester wollten nur das Ansehen der Samariter schmälern und hätten dafür das eigene Heiligtum gegenüber der Götterfestung auf dem Garizim wort- und phantasiereich aufgewertet. „Vom Sakrosanktum des Salomo wurde bis heute nicht ein Stein gefunden“ (S. 123).

Ich habe Peter van der Veen  (siehe auch hier) zu dieser These befragt und eine Antwort erhalten, die ich freundlicherweise hier wiedergeben darf:

Natürlich gab es die Samariter und ihr Heiligtum. Die Spuren des Heiligtums reichen vielleicht sogar bis ins 6.–7. Jh. v. Chr. zurück. Das allerdings ist noch längst kein Beweis dafür, dass gemogelt wurde, indem Jerusalem erst später fälschlich anstatt von Gerizim bevorzugt wurde und somit der biblischer Text verändert (gefälscht) wurde. Das ist reine Spekulation. Dass vom Jerusalem Tempel aus der Zeit Salomos nichts gefunden wurde hat einen ganz anderen Grund, d.h. schlicht und ergreifend, dass man dort nicht graben darf. Dennoch ist der Schutt, der beim Bau der unterirdischen Moschee ausgehoben wurde von Professor Gabriel Barkays Team sehr genau durchgesiebt worden und noch wird da weiter gearbeitet. Dabei sind viele Sachen gefunden worden, hauptsächlich jedoch aus herodianischer und späterer Zeit. Eine Tonbulle jedoch nennt einen gewissen Gaaljahu, den Sohn Immers. Die Tonbulle datiert aus etwa 600 v. Chr. und obwohl Gaaljahu direkt aus der Bibel nicht bekannt ist, handelt es sich beim Namen des Vaters um einen vor allem unter Leviten bekannten Personennamen, wie auch aus der Zeit Jeremias bekannt ist (Jer 20:1). Zudem schreiben die Priester von Jahwes Heiligtum auf der Nil-Insel Elephantine in Ober-Ägypten im späten 5. Jh. v. Chr. an die Priesterschaft in Jerusalem und nicht an die Priester auf Gerizim wenn es um Ratschläge bezüglich des Kultus geht. In einem Brief (Brief 18) aus Tel Arad (an der Südgrenze Judas), um 600 v. Chr., wird das Haus Jahres erwähnt, und da Arad als Festung Judas direkt dem König von Juda (in Jerusalem residierend) unterstand (wie auch aus Arad-Brief Nr. 24 deutlich ist; während das frühere Lokalheiligtum Arads zu dieser Zeit nicht mehr existierte), kann nur vom Jerusalemer Tempel die Rede sein. Zudem wird in Brief 18 ein gewisser Qerositer (d.h. aus dem Hause der Nethaniter) erwähnt. Die Qerositer lebten zur Zeit Nehemias als Leviten im Jerusalemer Tempel (Esr 2,44; Neh 7,47; 1Chron 9,2) und es wird angenommen dass die Familie schon in vorexilischer Zeit existierte.

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