Abtreibung

Bundesregierung übernimmt Forderungen der Abtreibungslobby

Es ist beschämend. Die Abtreibungslobby zieht inzwischen auch die C-Parteien über den Tisch. Die Regierungsfraktionen von Union und SPD haben im Bundestag im Mai 2020 einen Antrag eingebracht, der die Agenden der Abtreibungsbefürworter enthält. Im Antrag „Engagement für die Globale Gesundheit ausbauen – Deutschlands Verantwortung in allen Politikfeldern wahrnehmen“ heißt es (Drucksache 19/19491):

Die Bundesregierung legt einen besonderen Fokus auf die Förderung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte (SRGR). Selbstbestimmte Familienplanung ist ein wesentliches Element von Frauenförderung und beeinflusst die Gesundheit, aber auch die soziale und wirtschaftliche Stellung von Frauen weltweit. Die Verbesserung des Zugangs zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit trägt maßgeblich zur Reduktion von Mütter- sowie Senkung der Neugeborenen- und Kindersterblichkeit bei und ermöglicht es Frauen, selbstbestimmt über ihre Familienplanung zu entscheiden. Darüber erhöhen sich die Chancen auf Bildung und eine gleichberechtige Beteiligung am Arbeitsmarkt und die Möglichkeiten von Frauen, ihre Lebensplanung selbst in die Hand zu nehmen. Gerade in Krisenzeiten ist der Zugang von Frauen zu elementaren Dienstleistungen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit besonders stark eingeschränkt; zwei Drittel der weltweiten Fälle von Müttersterblichkeit finden in diesen Kontexten statt.

Hinter dieser Formulierung verbirgt sich die freie Verfügung der Frau über ein ungeborenes Kind, einschließlich seiner Tötung. Und das völlig unabhängig von Fristen und/oder Indikationen – bis zur Geburt. Die Kirchen – es überrascht leider nicht – schweigen bisher.

Was noch hinter dieser Redensart steckt und wer alles sich für diese Anliegen einsetzt, beschreibt der Lebensrechtler Hubert Hüppe in der Tagespost:

Dass ist unfassbar! Allerdings kommt das für mich auch nicht völlig überraschend. Schon im letzten Jahr wurden im Bundeshaushalt mehr Mittel für die International Planned Parenthood Federation (IPPF) eingestellt. Das ist das Flagschiff der internationalen Abtreibungslobby, welches sich allerdings offiziell als Gesundheitsdienstleister ausgibt. Man muss einfach zur Kenntnis nehmen, dass die Abtreibungslobby tatsächlich eine sehr professionelle Lobbyarbeit machen. Sie sind ständig im Bundestag unterwegs. Mit der Bundestagsabgeordneten und Staatssekretärin Maria Flachsbarth hat die Organisation „She Decides“ (dt.: „Sie entscheidet“) jetzt eine Protagonistin für die Abtreibungslobby gewonnen, von der man das gar nicht vermuten würde. Wer hält schon für möglich, dass die Präsidentin des Katholischen Frauenbundes, also gewissermaßen die oberste katholische Frau in Deutschland, das deutsche Gesicht einer Organisation ist, die die Freigabe der Abtreibung bis zur Geburt ganz oben auf ihrer Agenda stehen hat?

Mehr hier: www.die-tagespost.de.

Ideen haben Konsequenzen

Mehrfach habe ich hier über Nadia Bolz-Weber und ihr Buch Unverschämt schamlos berichtet. Ihr Werk, das in deutscher Sprache im Brendow Verlag erschienen ist, ruft zu einer christlichen „Sexuellen Revolution“ auf (vgl. hier).

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Pete Buttigieg argumentiert nun genau in denen Bahnen, die Nadia Bolz-Weber gezeichnet hat. Er besteht darauf, dass er als Christ die Abtreibung auf Verlangen unterstützen kann. Er begründet seine Haltung ganz ähnlich wie Bolz-Weber. Im Gespräch mit einer Zeitschrift versuchte der Bürgermeister von Indiana seine Haltung zu rechtfertigen, indem er behauptete, die Bibel verbinde „den Beginn des Lebens mit dem Atem“. Ungefähr so: In 1. Mose hieße es, dass der Mensch genau dann eine lebendige Seele werde, wenn Gott ihm den Lebensodem in seine Nase einblase. Es müsse also einen Zusammenhang zwischen Menschsein und Atem geben. Der Mensch sei erst dann ein Mensch, wenn er atme. Deshalb könne eine Frau bis zu dem Moment, in dem das Kind nach Luft schnappt, entscheiden, ob sie das Kind haben möchte oder nicht.

Lifenews berichtet:

Zum Thema Abtreibung sagte Buttigieg, er glaube, dass die Bibel den Beginn des Lebens nicht anerkennt, bis der erste Atemzug getan ist.

„Es gibt so viele Teile der Bibel, die den Beginn des Lebens mit Atem verbinden“, sagte er und wiederholte eine ähnliche Aussage, die er im September machte. Damals sagte er dem „The Breakfast Club“, dass Abtreibung „für viele Menschen offensichtlich ein schwieriges Thema ist, wenn sie moralisch durchdenken. Andererseits gibt es viele Teile der Bibel, die darüber sprechen, wie das Leben mit dem Atem beginnt. Und selbst das ist etwas, das wir anders interpretieren können.“

Buttiegieg meint übrigens auch, Abtreibung dürfe schon deshalb nicht für eine Echtheitsprüfung des Glaubens herangezogen werden, da Jesus nie darüber gesprochen habe.

Die Argumentation ist haarsträubend. Das Kleinkind im Mutterleib ist bereits ein lebendiger Mensch. Die Bibel lehrt, dass das menschliche Leben bei der Empfängnis beginnt und dass der Fötus zu diesem Zeitpunkt nach Gottes Ebenbild erschaffen wird. Psalm 139 spricht von Gottes Werk am ungeborenen Kind.

„Denn du bist es, der meine Nieren geschaffen, der mich im Leib meiner Mutter gewoben hat. Ich preise dich, dass ich so herrlich, so wunderbar geschaffen bin; wunderbar sind deine Werke, meine Seele weiß dies wohl. Mein Gebein war dir nicht verborgen, als ich im Dunkeln gemacht wurde, kunstvoll gewirkt in den Tiefen der Erde. Noch bevor ich geboren war, sahen mich deine Augen, in deinem Buch war alles verzeichnet, die Tage waren schon geformt, als noch keiner von ihnen da war.“

Ideen haben Konsequenzen. Es ist brandgefährlich, das Wort Gottes so schaurig zu verdrehen. In dem Fall wird die unrechtmäßige Tötung unschuldiger Menschen vermeintlich biblisch gerechtfertigt.

Berliner SPD für Schließung von Pro-Femina-Beratungsstelle

Die SPD Berlin fordert, das in der Hauptstadt ansässige Beratungszentrum der Lebensschutz-Initiative Pro Femina zu schließen. Das beschloss die Partei auf ihrem Landesparteitag am 26. Oktober 2019.

Die Nachrichtenagentur Idea meldet:

Auf die Beratungsstelle, die die SPD-Vertreter schließen lassen wollen, hatten unbekannte Täter in der Nacht vom 5. zum 6. Oktober einen Anschlag verübt. Sie brachen in das Gebäude ein, zerschlugen Fensterscheiben und schmierten auf Wände und Boden mit schwarzer und weißer Farbe den Spruch „Pro Choice!“ (Für Wahlfreiheit). Linksextreme Feministinnen bekannte sich in einer Online-Erklärung auf der linksradikalen Internetplattform „Indymedia“ zu dem Angriff.

Ich vermute, dass weiten Teilen der SPD der Lebensschutz fremd geworden ist. 

Mehr: www.idea.de.

Vom Krieg der Worte in der Abtreibungsdebatte

Charles C. Camosy, Vorstandsmitglied bei den „Democrats for Life of America“, ist außerordentlicher Professor an der Fordham University und versucht, Abtreibungsgegner und -beführworter an einen Tisch zu bringen. In einem Beitrag für die NYT hat er auf die Bedeutung der Sprache in den Debatten um das Lebensrecht von Ungeborenen aufmerksam gemacht.

Er schreibt dort:

Der Kampf in der Abtreibungsdebatte ist in vielerlei Hinsicht ein Kampf um die Sprache. Ich bin zum Beispiel „Pro-Life“. Ich unterstütze nachdrücklich die Rechte und den Schutz von Müttern und Kindern, einschließlich pränataler Kinder und anderer gefährdeter Bevölkerungsgruppen. Ich möchte, dass die Gesetze unseres Landes auch diese Menschen schützen. Meiner Meinung nach macht mich das zu einem Lebensschützer. Deshalb benutze ich den Ausdruck „pränatales Kind“, wo andere Leute einfach „Fötus“ sagen würden.

Nach Ansicht dieser Menschen und der Mainstream-Nachrichtendienste bin ich allerdings kein Lebensschützer, sondern jemand, der gegen Abtreibung ist. Diese Sprache erlaubt es Kritikern, mich und andere Lebensschützer als von einem bestimmten Anliegen Besessene erscheinen zu lassen, was wir nicht sind.

In den letzten Jahren haben sich die Verteidiger von Abtreibungsrechten von der Verwendung neutraler Begriffe wie „Autonomie“ und „Wahl“ verabschiedet und nutzen eine positive, stigmatisierungstolerante Sprache. Gruppen wie „Planned Parenthood“ sprechen jetzt von „Abtreibungsfürsorge“ (engl. abortion care). … Plakate, die von Unterstützern der Abtreibungsrechte aufgestellt wurden, sagen stolz, dass Abtreibung ein „Familienwert“ ist.

Hier der Beitrag: www.nytimes.com.

Kultur des Todes (9): „Vom Glück der Abtreibung“

Die Gender Studies sind für skurrile Thesen bekannt. Eine Gender-Expertin, Erica Millar, versucht derzeit zu vermitteln, dass Trauer und Scham, die Mütter empfinden, nachdem sie ihre Kinder abgetrieben haben, sozial konstruiert sind. Die schlechten Gefühle werden den Frauen nur zugeschrieben. Eigentlich machen – so ihre These – Abtreibungen (viele Frauen) glücklich. Wenn wir eine Kultur schaffen, die Abtreibungen als gewinnbringende Erfahrung einstuft, also Trauer, Schuld, Scham und Trauma dekonstruieren, können Frauen das Glück, das mit Abtreibungen einhergeht, leichter verspüren. Ihr Buch heißt entsprechend: Happy Abortions.

Der Verlag schreibt dazu:

In ihrer sorgfältig recherchierten Studie stellt Erica Millar heraus, wie die gängige Rhetorik auch in vermeintlich liberalen Ländern mit festgelegten Stereotypen arbeitet: Mutterschaft ist gut, Abtreibung böse, Ersteres bringt Glück, Letzteres Unglück. Jahrelang hat Millar Parlamentsdebatten verfolgt und Medien analysiert, um die erste weltweite Studie zu den emotionalen Zuschreibungen rund um Abtreibungen zu verfassen. Die australische Forscherin zeigt, dass der überwältigende Teil der Frauen nach der Abtreibung große Erleichterung und Dankbarkeit empfindet und nicht wie so oft unterstellt traumatisiert ist.

Im SPIEGEL erklärt Erica Miller:

Wenn wir über Abtreibungen reden, dann nur darüber, wie schwierig das für Frauen ist. Und, dass ein Abbruch Traumata, Reue, Trauer und Scham produziert. Merkwürdigerweise nehmen wir dabei an, dass alle Frauen gleich reagieren, und zwar nur mit negativen Emotionen. Dabei haben sozialwissenschaftliche Befragungen das Gegenteil gezeigt: Frauen fühlen nicht die ganze Zeit Trauer und Scham, wenn sie ungewollt schwanger sind und die Chance zur Abtreibung haben. Sehr viele fühlen sich erleichtert und nehmen Abtreibung als gewinnbringende Erfahrung wahr.

Scham ist ohne Kultur nicht möglich. Man schämt sich, weil man an gesellschaftlichen Erwartungen, Normen und Werten gescheitert ist. Auch die Trauer nach einer Abtreibung, die quasi vorausgesetzt wird, ist ein Produkt unserer Kultur: In den vergangenen Jahrzehnten konnte man beobachten, wie der Abtreibungsdiskurs sich auf die leidende Frau verschob. Statt eine Abtreibung als selbstgewähltes Ende einer ungewollten Schwangerschaft zu betrachten, wird sie häufig als Tötung eines autonomen Wesens bewertet – die emotionalen Schäden nach einer Abtreibung für die Frau müssen also gravierend sein. Abtreibungsgegner nutzen das als Warnung: Wer abtreibt, wird unweigerlich trauern.

Mehr hier: www.spiegel.de.

Ich empfehle die Ausführungen von R.C. Sproul zur Sklaverei und zur Abtreibung:

VD: GS

Dietrich Bonhoeffer: Das Recht werdenden Lebens

Dietrich Bonhoeffer (Ethik, Werkausgabe, Bd. 6, S. 203–204):

Mit der Eheschließung ist die Anerkennung des Rechtes des werdenden Lebens verbunden, als eines Rechtes, das nicht in der Verfügung der Eheleute steht. Ohne die grundsätzliche Anerkennung dieses Rechtes hört eine Ehe auf Ehe zu sein und wird zum Verhältnis. In der Anerkennung aber ist der freien Schöpfermacht Gottes, der aus dieser Ehe neues Leben hervorgehen lassen kann nach seinem Willen, Raum gegeben. Die Tötung der Frucht im Mutterleib ist Verletzung des dem werdenden Leben von Gott verliehenen Lebensrechtes. Die Erörterung der Frage, ob es sich hier schon um einen Menschen handele oder nicht, verwirrt nur die einfache Tatsache, daß Gott hier jedenfalls einen Menschen schaffen wollte und daß diesem werdenden Menschen vorsätzlich das Leben genommen worden ist. Das aber ist nichts anderes als Mord. Daß die Motive, die zu einer derartigen Tat führen, sehr verschiedene sind, ja daß dort, wo es sich um eine Tat der Verzweiflung in höchster menschlicher oder wirtschaftlicher Verlassenheit und Not handelt, die Schuld oft mehr auf die Gemeinschaft als auf den Einzelnen fällt, daß schließlich gerade an diesem Punkt Geld sehr viel Leichtfertigkeit zu vertuschen vermag, während bei den Armen auch die schwer abgerungene Tat leichter ans Licht kommt, dies alles berührt unzweifelhaft das persönliche, seelsorger[liche] Verhalten gegenüber dem Betroffenen ganz entscheidend, es vermag aber an dem Tatbestand des Mordes nichts) zu ändern. Gerade die Mutter, der dieser Entschluß zum Verzweifeln schwer wird, weil er gegen ihre eigenste Natur geht, wird die Schwere der Schuld am wenigsten leugnen wollen.

[asa]3579018183[/asa]

Die Legalisierung der Abtreibung

Valerie Höhne läßt die Katze aus dem Sack. Es geht dem politischen Establishment letztlich um die Abschaffung von Paragraph 218. Nicht nur die Werbung für den Schwangerschaftsabbruch, sondern die Legalisierung der Abtreibung, ist beabsichtigt. Das Ziel ist eine neue, und ich betone, eine heidnische, Ethik. Wer nicht bemerkt, dass es um eine grundlegende Neuformatierung der Moral geht, ist naiver als die Polizei erlaubt. Bald diskutieren wir über das Menschenrecht auf Abtreibung.

Im SPIEGEL ist zu lesen:

Der Paragraf 218 stammt aus dem Jahr 1871, damals regierte Kaiser Wilhelm I. Erst seit 1918 dürfen Frauen wählen gehen. Bis 1977 mussten Frauen ihre Ehemänner um Erlaubnis bitten, wenn sie arbeiten gehen wollten. Bis 1997 war Vergewaltigung in der Ehe nicht strafbar. Die Rechte, die Frauen heute haben, sind über lange Jahre von vielen Frauen und Männern hart erkämpft worden.

Gleichzeitig ist der Paragraf 218 aber nicht einfach ein weiteres Gesetz, das Frauen diskriminiert. Denn selbstverständlich kann ein Fötus von einem bestimmten Entwicklungsstadium an etwas spüren, und es ist ethisch nicht verantwortbar, den Fötus dann nicht zu schützen. Das muss eine Gesellschaft unter ethischen Gesichtspunkten klären.

Schon von der 24. Schwangerschaftswoche an gelten Föten als außerhalb des Mutterleibs lebensfähig, vom sechsten Schwangerschaftsmonat an. Eine Fristenregelung ist also notwendig, und sie sollte selbstverständlich schon vor dem sechsten Monat greifen.

Dennoch ist die Abschaffung des Paragrafen 218 in seiner jetzigen Form sinnvoll. Viele Frauen werden nach einer Abtreibung stigmatisiert. Das darf nicht sein.

In einer liberalen Gesellschaft darf es keinen Zweifel daran geben, dass eine ungewollt schwangere Frau sicher, legal und bezahlbar abtreiben kann – wenn sie sich aus freien Stücken dafür entscheidet.

Hier mehr: www.spiegel.de.

Kultur des Todes (8): „Diese pathetische Rhetorik“

Die Jusos, also die jungen Leute in der SPD, sind sozialistisch, feministisch und internationalistisch (siehe hier). Sie wollen nun im Eiltempo den § 218 komplett streichen lassen, was auch die Abtreibung jenseits der 12. Woche erlauben würde.

Zwei junge Frauen haben sich getraut, die Freigabe der Spätabtreibung auf dem Bundeskongress zu kritisieren. Es lohnt, mal zu hören, was diese beiden, die für den Schutz des fortgeschrittenen Lebens im Mutterleib eingetreten sind (immerhin), für eine Standpauke bekommen haben. Die Fratze der sexuellen Selbstbestimmung zeigt sich.

Die Mütter der Pille

Die Zeitschrift EMMA erzählt online „die ergreifende Geschichte der beiden Frauen, denen wir die Pille verdanken“. Die Krankenschwester Margaret Sanger (1879-1966) und die Biologin Katharine McCormick (1875-1967) engagierten sich – so das feministische Kampfblatt – unermüdlich für das Verhütungsmittel und damit für die Befreiung der Frau.

Die Aktivistin Margaret Sanger wird erwartungsgemäß in allerhöchsten Tönen gelobt. Fast kann der Leser den Eindruck bekommen, hier würde jemand heiliggesprochen. Tatsächlich fand ein religiös aufgeladener Begriffe wie „das Erweckungserlebnis“ Eingang in den Text. Sanger, eine Kämpferin für die Freiheit. Endlich Sex ohne Kinderfluch:

Am 16. Oktober 1916 eröffnet Margaret Sanger gemeinsam mit ihrer Schwester Ethel und einer Bekannten in einer Mietwohnung in Brooklyn ihre Klinik. „Mütter! Könnt ihr euch eine große Familie leisten? Wollt ihr weitere Kinder? Wenn nicht, warum bekommt ihr sie dann?“ steht auf den Flugblättern, die die Eröffnung der Klinik auf Englisch, Jiddisch und Italienisch ankündigen. Am Ende des Tages haben 140 Frauen an der Tür der Wohnung in der Amboy Street 46 geklingelt.

Obwohl ich bereits vor einigen Jahren auf problematische Anschauungen von Margaret Sanger hingewiesen habe, will ich erneut auf einige Ereignisse aus dem leben der Aktivisten aufmerksam machen. Ich beziehe mich dabei auf Punkte, die Coe Carter zusammengetragen hat:

  1. 1916 eröffnete Sanger in New York City die weltweit erste Klinik für Geburtenkontrolle.
  2. Auf der First American Birth Control Conference 1921 gründete Sanger die American Birth Control League (ABCL). 1942 änderte die ABCL ihren Namen in 1942 Planned Parenthood Federation of America (in Deutschland pro familia).
  3. Sanger war die führende Verfechterin der Eugenikbewegung, insbesondere der negativen Eugenik, die die Reduzierung der sexuellen Reproduktion und Sterilisation von Menschen mit unerwünschten Eigenschaften oder wirtschaftlichen Bedingungen förderte.
  4. Sanger glaubte, dass der Einsatz von Geburtenkontrolle – wie Jyotsna Sreenivasan erklärt – nicht nur für das Wohl der einzelnen Frau notwendig sei, sondern auch für die Wirtschaft als Ganzes. In ihrem Pamphlet „Family Limitation“ von 1931 schrieb Sanger: „Die arbeitende Frau kann direkt handeln, indem sie sich weigert, den Markt mit Kindern zu versorgen, die ausgebeutet werden sollen, indem sie sich weigert, die Erde mit Sklaven zu bevölkern. . . . Gib diese Information an deine Nachbarn und Genossen weiter.“
  5. In Woman and the New Race schloss Sanger ein Kapitel ein, um die Frage zu beantworten: „Wann sollte eine Frau es vermeiden, Kinder zu bekommen?“ Auf ihrer Liste steht die Ermahnung, dass „keine Kinder mehr geboren werden sollten, wenn die Eltern, obwohl sie selbst gesund sind, feststellen, dass ihre Kinder körperliche oder geistige Mängel haben“ und „es auf jeden Fall keine Kinder geben sollte, wenn entweder Mutter oder Vater an Krankheiten wie Tuberkulose, Gonorrhö, Syphilis, Krebs, Epilepsie, Wahnsinn, Trunkenheit und psychischen Störungen leiden“.
  6. In einer Radiosendung soll Sanger gesagt haben, dass „Idioten, Geisteskranke, Epileptiker, Analphabeten, Arme, Arbeitslose, Kriminelle, Prostituierte und Drogenabhängige“ chirurgisch sterilisiert werden sollten.
  7. Sangers Motivationen über rassistischen Völkermord werden häufig übertrieben, missverstanden oder verfälscht. Jedoch besteht kein Zweifel daran, dass Sanger an die Überlegenheit der weißen Rasse und die Unterlegenheit anderer Rassengruppen glaubte.
  8. 1939 half Sanger durch die Birth Control Federation of America (BCFA), das Negro-Projekt zu initiieren. Anders als viele ihrer Mitarbeiter wollte sie, dass die am Projekt beteiligten Ärzte schwarz sind, um das Vertrauen der afroamerikanischen Gemeinschaft zu gewinnen.
  9. Sanger blieb ihren eugenischen Ansichten bis zu ihrem Tod treu. In einem Interview von 1957 fragte Mike Wallace Sanger, ob sie an die Sünde glaubt. Die größte Sünde sei es – so Sanger – Kinder mit Erkrankungen usw. zur Welt zu bringen.

Von diesen prekären Einlassungen lesen wir bei Emma leider nichts. Als im Jahr 2015 bekannt wurde, dass die Planned Parenthood Federation of America Körperteile abgetriebener Kinder zu Forschungszwecken kommerziell vertreibt, schwieg Emma ebenfalls. Zu den gesundheitlichen Risiken der Pille habe ich bei Emma auch keine substanziellen Beiträge gefunden.

[asa]3775154817[/asa]

 

Kultur des Todes (5):„Ich habe abgetrieben. Ich schäme mich nicht“

Eine Studentin wird schwanger, möchte das Kind nicht bekommen. Sie entscheidet sich für eine Abtreibung und erzählt nun dem SPIEGEL, wie es ihr damit ergangen ist. Der SPIEGEL gewährt dieses Forum natürlich liebend gern.

Auch spürte ich den Druck politischer Diskussionen direkt in meinem Privatleben. Der Geburtenrückgang, der demografische Wandel – wie passte das mit meinem Schwangerschaftsabbruch zusammen? Doch auch hier war meine Antwort klar: Nein, die Zukunft der Republik und Europas würde nicht an diesem ungeborenen Kind scheitern. An seiner Nicht-Existenz. An meiner Verweigerung.

Diese Entscheidung gehörte mir allein, genau wie mein Bauch, mein Unterleib und mein Gewissen. Ich allein werde damit bis zum Schluss leben. Ich will mich nicht rechtfertigen, denn ich brauche keine Ausreden. Ich habe mein Urteil gefällt. Schlecht geht es meinem Gewissen nicht.

Zuerst dachte ich: Ein klassischer Fall von Verleugnung und Rationalisierung. Aber ein zweiter Blick auf den Text lässt mich vermuten, dass durch die scheinbar phänomenologische Besinnung nicht nur moralische Entlastung, sondern eine Änderung der Rechtslage beschleunigt werden soll. Alles ist aus der „Ich“-Perspektive heraus beschrieben. An das Kind denkt die Autoren nicht, überhaupt nicht. Sie ist ganz bei sich und bei denen, für die sie eine günstigere Gesetzeslage herbei ersehnt.

Ein positives Rechtsverständnis wird dabei selbstredend vorausgesetzt. Recht ist das „vom Menschen gesetzte Recht“. Etwas anderes gibt es nicht. Nur wer gegen dieses menschliche Recht verstößt, macht sich schuldig. Daher auch die Aussage:

Wer mühselig die Informationsfetzen zusammensucht, um zu verstehen, in welcher Lage man sich befindet, wird mit solchen Begriffen ständig konfrontiert. Sie vermitteln unmissverständlich, dass etwas Nicht-Richtiges passiert. Dass man irgendwo im grauen, schattigen Bereich agiert.

Erwünscht wird die Freiheit zum Töten jenseits eines schattigen Bereiches. Dabei hängt doch Recht und Unrecht in so vielen Dingen gar nicht davon ab, was Menschen darüber denken.

Wie traurig!

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner