Tim Keller

Augustinus über das Gebet

NewImageTim Keller schreibt in Beten (Gießen: Brunnen Verlag, 2016, S. 96–97):

Anicia Faltonia Proba (gest. 432) war eine römische Adlige, die Christin war und die sowohl Augustinus kannte, den größten Theologen der Alten Kirche, als auch Johannes Chrysostomos, den größten unter den alten Predigern. Uns sind zwei Briefe des Augustinus an Proba erhalten und der erste (sein Brief Nr. 130) ist die einzige seiner Schriften, die ausschließlich dem Thema „Gebet“ gewidmet ist. Proba hatte Augustinus um seinen Rat gebeten, weil sie Angst hatte, nicht richtig zu beten. Augustinus antwortete ihr mit einer kurzen, praktischen Anleitung zum Beten.

Augustinus’ erste Regel ist, dass der, der wissen will, um was und wie er beten soll, zunächst einmal eine bestimmte Art Mensch werden muss: „Aus Liebe zu diesem wahren Leben musst du dich also in dieser Welt als trostlos betrachten, so groß auch der Wohlstand sein mag, in dem du dich befindest.“ Dem Beter müssen die Schuppen von den inneren Augen fallen und er muss sich darüber klar werden, dass alle Schätze dieses Lebens ihm niemals den bleibenden Frieden, das Glück und den Trost bringen können, die es allein in Christus gibt. Wem dies nicht klar ist, dessen Beten ist gefährdet.

Hier wendet Augustinus eines der Grundprinzipien seiner Theologie auf das Beten an: Wir müssen erkennen, dass die Rangfolge der Dinge, die uns lieb sind, durcheinander geraten ist. Dinge, die wir erst an dritter oder vierter Stelle lieben sollten, haben sich auf den ersten Platz in unserem Herzen vorgeschoben. Eigentlich sollten wir Gott über alles lieben — doch in der Realität achten wir ihn zwar, aber seine Gunst und Gegenwart ist uns nicht so existenziell wichtig wie unser Bankkonto, Erfolg, Status, der nächste Urlaub oder das Glück in der Liebe. Solange uns nicht wenigstens bewusst wird, wie schief unser Herz hier liegt und wie sehr dies unser ganzes Leben prägt, werden unsere Gebete ein Teil unseres Problems sein und nicht seine Lösung. Wenn z.B. das, was uns in unserem Leben Frieden und Geborgenheit gibt, vor allem unsere finanzielle Absicherung ist, dann werden wir, wenn der Crash droht oder es keine Zinsen mehr gibt, zu Gott um Hilfe rufen, aber diese Gebete werden nicht viel mehr sein

Beten lernen als ein „Grübeln in Gottes Richtung“ und nach dem „Amen“ werden wir uns noch mehr Sorgen machen als vorher. Ein solches Beten wird uns keine Kraft geben; es wird nicht unser Herz heilen, indem es unsere Blickrichtung korrigiert und uns Gott als den wahren Anker unseres Lebens zeigt, bei dem wir Ruhe finden.

Augustinus fährt fort. Wenn ich also dieses Fundament gelegt habe — wenn ich begriffen habe, wie es um mein Herz steht und dass ich ohne Christus „trostlos“ bin -, dann kann ich anfangen zu beten. Aber um was soll ich beten? Ich kann mir vorstellen, dass Augustinus etwas ge-schmunzelt hat, als er Proba anwies, um das zu beten, worum jeder betet: „Bete um ein glückseliges Leben!“Aber wie bekomme ich denn ein glückseliges Leben?

Wenn ich Augustinus’ erste Grundregel (s. o.) verstanden habe, dann ist mir klar, dass alle Freuden, Annehmlichkeiten und Belohnungen dieses irdischen Lebens nur flüchtig und vorübergehend sind und meinem Herzen keine wirkliche Erfüllung geben können. Und Augustinus zitiert das gewaltige Gebet in Psalm 27,4: „Eines habe ich vom Herrn erbeten, das ist mein tiefster Wunsch: alle Tage meines Lebens im Haus des Herrn zu wohnen, um die Freundlichkeit des Herrn zu sehen …“ (NGÜ).

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Tim Kellers Center Church deutschsprachig

61ZzZHC62KL SX391 BO1 204 203 200Tim Kellers Buch Center Church ist inzwischen in deutscher Sprache erschienen (vgl. hier). Dem Verlag pulsmedien sei Dank für die Umsetzung des herausfordernden Projektes.

Michael Herbst schreibt in seinem Vorwort zur deutschen Ausgabe:

In Center Church entfaltet Timothy Keller seine theologische Vision für Gemeinde im 21. Jahrhundert: Wie kann Kirche in einer säkularen, nachchristlichen Gesellschaft aussehen, jenseits von Anpassung oder Abschottung, Liberalismus oder Gesetzlichkeit? Was bedeutet es, das Evangelium ins Zentrum zu stellen? Wie lassen sich Kontextualisierung, Gesellschaftstransformation und missionale Gemeinde biblisch bestimmen? Und was passiert, wenn Gemeinden, Organisationen und Projekte vor Ort sich miteinander vernetzen und zu einer Bewegung zusammenschließen? Der erfahrene Gemeindegründer aus Manhattan entwirft ein großartiges Panorama von Gemeinde und zeigt auf, wie Gottesdienst, Gemeinschaft, soziale Arbeit und die Integration des Glaubens in säkulare Berufe zusammenwirken können. Gastbeiträge von Praktischen Theologen und Gemeindegründern kommentieren, wie Kellers Ansätze auch im deutschsprachigen Raum anwendbar sind. „Der Anspruch, der uns bei Timothy Keller begegnet, ist ungemein attraktiv: Wie wäre es, wenn wir so intensiv in der Welt unserer Hörer und zugleich in der Welt des Evangeliums leben, dass wir die Geschichten unserer Hörer in der Sprache des Evangeliums neu erzählen können? Keller bleibt uns praktische Hinweise nicht schuldig und bearbeitet Themen, bei denen wir in Deutschland eine Stimme von außen hören sollten. Lassen Sie sich überraschen!

Hier eine Leseprobe mit dem vollständigen Vorwort: CenterChurch_Leseprobe mit Vorwort.pdf.

Vielleicht ist das Buch ja ein passendes Weihnachtsgeschenk?

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Die Psalmen als „Medizin“

Tim Keller über den Psalter:

Wenn ich die Psalmen als „Medizin“ beschreibe, versuche ich, ihren besonderen Charakter deutlich zu machen, der sie auch vom Rest der Bibel unterscheidet. Sie wurden geschrieben, um gebetet, aufgesagt und gesungen zu werden. Und nicht nur das. Sie wurden geschrieben, um Handlungen hervorzurufen. Der Theologe David Wenham schlussfolgert, dass der kontinuierliche Gebrauch der Psalmen ein „performativer Akt“ ist, der die „Beziehung [zu Gott] auf eine Art verändert wie es das einfache Hören nicht kann“. Wir müssen die Psalmen in unsere Gebete integrieren oder auch unsere Gebete in die Psalmen einbetten. Auf diesem Weg konfrontieren die Psalmen den Beter mit neuen Gedanken, Versprechungen, Verheißungen und auch Emotionen. Wenn wir beispielsweise Ps 139,23–24 nicht nur lesen, sondern beten, laden wir Gott dazu ein, unsere Motive zu prüfen und machen uns aktiv auf den Weg, das Leben zu führen, das Gott in seinem Wort fordert.

Mehr: www.evangelium21.net.

Tim Keller: Bibel ist Abenteuer für Prediger

Tim Keller, Preaching: Communicating Faith in an Age of Scepticism (Viking, 2015, S. 36)

Die Auslegung der Bibel ist auch ein Abenteuer für den Prediger. […] Man kann nicht mit letzter Sicherheit festlegen, was die Gemeinde in den nächsten Wochen zu hören bekommt. Wenn wir an den jeweiligen Text herantreten, werden plötzlich Fragen aufkommen, die wir nicht erwartet haben. Wir sehen die Bibel manchmal einfach nur als Buch der Antworten auf unsere Fragen. Aber wenn wir wirklich den Text sprechen lassen, wird Gott uns vielleicht aufzeigen, dass wir nicht einmal die richtigen Fragen stellen.

Mehr Zitate aus dem Buch gibt es hier: www.evangelium21.net.

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Erweckung

Don Carson und Tim Keller sprechen in diesem Video über das Thema „(reformierte) Erweckung“ und lassen dabei eigene „Erweckungserfahrungen“ einfließen. Interessant!

Er schuf sie als Mann und Frau

Hier ein hochkarätig besetztes Plenum zu dem heißen Thema „Mann und Frau“. Konkret geht es um das komplementäre Rollenverständnis. Das Gespräch fand am 7. Juni 2014 statt. Teilnehmer sind Kathy Keller, Tim Keller, Kathleen Nelson und John Piper.  Don Carson moderiert das Gespräch.

Kellers „Center Church“ in deutscher Sprache?

NewImageDer Verlag puls medien arbeitet an einer deutschsprachigen Herausgabe des Buches Center Church von Dr. Timothy Keller (siehe auch hier). Die Veröffentlichung ist im Frühjahr 2015 geplant, allerdings nur umsetzbar, wenn das Projekt im Rahmen einer Crowdfundingaktion finanziell unterstützt wird.

Pastor Philipp Bartholomä schreibt über das Buch:

Wie gründet und gestaltet man Kirchen und Gemeinden mitten in einer zunehmend nachchristlichen Gesellschaft? Wie bleiben Christen kulturell dialogfähig und relevant für ihren Kontext, ohne dass dabei biblisch-theologische Überzeugungen auf der Strecke bleiben? Welche Werte hat eine Gemeinde, die konsequent am Evangelium ausgerichtet ist?

Tim Keller bietet keine vorgefertigten Methoden, sondern eine ausgewogene theologische Vision, die jede Gemeinde für ihren eigenen Kontext ausarbeiten kann, sei sie neu gegründet oder schon länger bestehend, kleiner oder größer, im städtischen oder nicht-städtischen Umfeld. Ich bin mir sicher, dass die deutsche Übersetzung von Center Church Verantwortungsträgern wie z.B. Pastoren, Leitungsteams und Gemeindegründern überaus wertvolle und dringend benötigte Impulse verleihen wird.

Nähere Informationen dazu gibt es hier: www.pulsmedien.de.

Wäre die Welt ohne Religion besser?

Tim Keller schreibt in Warum Gott? (P. 346):

Die Kommunisten in der Sowjetunion, China, Kambodscha und anderswo, aber auf ihre Art auch die Nazis in Deutschland waren entschlossen, die Religionsausübung einzudämmen, um zu verhindern, dass sie die Gesellschaft spaltete oder die Macht des Staates gefährdete. Das Ergebnis war regelmäßig nicht mehr Friede und Harmonie, sondern mehr Unterdrückung. Die tragische Ironie dieser Situation hat Alister McGrath in seiner Geschichte des Atheismus so beschrieben: „Im 20. Jahrhundert finden wir eines der größten und traurigsten Paradoxe in der Geschichte der Menschheit: dass die größte Intoleranz und Gewalt dieses Jahrhunderts von denen praktiziert wurden, die glaubten, dass die Religion zu Intoleranz und Gewalt führt.“

Gesunde Streitkultur

Tim Keller gibt drei hilfreiche Tipps für die Streitkultur in der Blogsphäre:

1. Carson’s Rule: You don’t have to follow Matthew 18 before publishing polemics.

2. Murray’s Rule: You must take full responsibility for even unwitting misrepresentation of someone’s views.

3. Alexander’s Rule: Never attribute an opinion to your opponent that he himself does not own.

Mehr: Feedly.com.

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