Autorenname: Ron

Neue Enzyklika: Universelle Geschwisterlichkeit

Papst Franziskus hat mit der neuen Enzyklika „Fratelli tutti“ eine – theologisch eher blutleere – gesellschaftspolitische Utopie auf die Reise geschickt. Zum ersten Mal nennt ein Papst einen führenden Vertreter der islamischen Religion als Inspirationsquelle für seine Enzyklika: den Großscheich der Al-Azhar-Universität in Kairo.

Thomas Jansen meint:

Das Neue des Schreibens liegt ohnehin nicht in der Kapitalismus-Kritik oder den Willkommenskultur-Appellen. Bemerkenswert ist etwas Anderes: … Es hat große Symbolkraft, dass die Enzyklika in der Wiedergabe einer gemeinsamen Erklärung mündet, die der Papst und der führende sunnitische Gelehrte im Februar 2019 unterzeichnet haben. „Fratelli tutti“ könnte so ein Meilenstein im katholisch-islamischen Dialog werden – wenn die muslimische Seite reagiert.

Zugriff auf den päpstlichen Entwurf der Geschwisterlichkeit gibt es hier: www.vatican.va.

Zehn Gemeindemitglieder, die ich besonders lieben muss

Tim Challies hat einen amüsanten Text für den Gemeindealltag geschrieben. Bestimmte Kategorien von Gemeindegliedern fordern ihn nämlich besonders heraus:

  1. Die Kategorie „Untergang und Finsternis“: Diese Person neigt dazu, sich ständig darüber zu beschweren, was im Gemeindeleben vor sich geht.
  2. Die Kategorie: „Kurz davor, zu gehen“: Dieses Gemeindemitglied droht damit, dass es die Gemeinde wegen der ein oder anderen Angelegenheit verlassen werden müsse.
  3. Die Kategorie „Amateurtheologe“: Diese Person hat entweder ein umfassendes Wissen von Theologie oder glaubt zumindest, es zu haben. Dieses Wissen nutzt sie dann oft, um mit Pastoren zu diskutieren oder sie von ihrer Meinung zu überzeugen.
  4. Die Kategorie „Wusstest du schon?“: Dieses Gemeindemitglied möchte über alles in der Gemeinde „Bescheid wissen“. In Wirklichkeit ist es in jeglichen Klatsch verwickelt und zeigt sich beleidigt, wenn es nicht auf dem neuesten Stand ist.
  5. Die Kategorie „Neuaufmachung“: Diese Person taucht ungefähr alle sechs Monate auf, gibt ihr Leben Jesus ab und verschwindet dann für die nächsten sechs Monate wieder.
  6. Die Kategorie „Anwalt der Gemeindesatzung“: Diese Person kennt die Satzung der Gemeinde in- und auswendig und zitiert sie jedes Mal, wenn ihm etwas nicht gefällt.
  7. Die Kategorie „Onlinepredigten“: Dieses Mitglied schaut sich die Predigten aller anderen online an, um meine dann zu kritisieren.
  8. Die Kategorie „Nostalgie“: Diese Person kennt die Geschichte der Gemeinde in- und auswendig und sieht sich in der Verantwortung, gegen alles Neue anzukämpfen, um die Vergangenheit zu bewahren.
  9. Die Kategorie „Der unversöhnliche Heilige“: Dieser Mensch hat sich vor Jahren über etwas geärgert und weigert sich, es loszulassen. Wenn er darauf angesprochen wird, findet er immer einen geistlich erscheinenden Vorwand, um seinen Groll zu rechtfertigen.
  10. Die Kategorie „Auszeit“: Egal, was man tut, dieses Mitglied weigert sich vehement, in der Gemeinde zu dienen. Es sagt Dinge wie: „Ich habe meine Pflicht bereits in der Vergangenheit erfüllt.“

Mehr hier: www.evangelium21.net.

Kleine Kritik der queeren Bibelinterpretation

Eine gekürzte Version meines Artikel über das „Hermeneutische Cruising“ ist jetzt bei Evangelium21 erschienen:

Der hermeneutische Cruiser wird beim Lesen der Bibeltexte seine Augen und Ohren für das offenhalten, was seine Wünsche und Sehnsüchte anspricht. Er ist immer dabei, „in dem Wald von Texten nach lebenseröffnenden, spannenden Spuren und Begegnungen zu suchen!“. In der Bibel herumcruisen bedeutet, die eigene erotische Erkenntnisfähigkeit und das mir gehörende erotische Wissen in die Begegnung mit den biblischen Schriften einzubringen. „Hermeneutisches Cruising setzt wie jedes Cruising in der wirklichen Welt voraus, dass ich offen bin für neue Möglichkeiten, dass ich dem Aufmerksamkeit schenke, was mir neu vor Augen kommt, meine Neugier erregt oder als vielversprechendes Signal daherkommt – und mich einfach darauf einlasse.“ Es geht nicht um institutionelle Anerkennung oder den Entwurf einer neuen Ethik. „Der einzige ‚vernünftige‘ Grund dafür, dass wir für dieses Cruising Zeit und Energie aufwenden, ist, dass wir Lust haben, es zu tun, und es tun können – und dass es etwas ist, das uns wirklich Spaß macht!“

Diese Herangehensweise führt im Vergleich mit der traditionellen Hermeneutik zu einem Fokussierungswechsel. Die Einsicht, dass das menschliche Herz auf Erleuchtung durch die Schrift und den Geist angewiesen ist, wird auf den Kopf gestellt. Beim Cruising leuchtet die im eigenen Herzen liegende Kraft des Erotischen den Bibeltext aus. Die Bibeltexte werden entmachtet. Ihnen wird nicht mehr zugestanden, das Herz des Auslegers zu durchleuchten, zu ermahnen oder zu trösten. Sie werden vielmehr dazu benutzt, das eigene Begehren zu rechtfertigen und zu stimulieren.

Mehr: www.evangelium21.net.

Glaube und/oder Gefühl?

Nicht wenige Christen sind in der Frage, welche Rolle unsere Gefühle beim Glauben spielen, unsicher. Für die einen scheint der Glaube gar nichts mit Gefühlen zu tun zu haben, andere halten den Glauben hauptsächlich für eine Gefühl der Geborgenheit bei Gott. Die Probleme liegen wohl daran, dass man nicht einfach von einer Ausgewogenheit in dieser Frage sprechen kann, sondern verstehen muss, wie Gott es geordnet hat, dass der Glaube an Christus sich auf unser Leben auswirkt.

Thomas Jeising setzt Wegmarken für einen ausgewogene Sicht:

Wie die Überzeugung, dass wir essen und trinken müssen und das Wissen darüber, was nahrhaft und genießbar ist, kein Hunger und kein Durst sind, so ist der Glaube auch nicht irgendein Gefühl von Wohlsein, Sicherheit oder Geborgenheit. Der Glaube ist das Festhalten und Ergreifen der christlichen Hoffnung, die uns das Evangelium von Jesus Christus schenkt. Er ist eine Überzeugung, dass alle Zusagen des Evangeliums, die uns Gott gemacht hat, wahr und zuverlässig sind (Heb 11,1). Der Glaube baut so auf diese Zusagen, dass aus dem Glauben ein bestimmtes Denken, Wollen, Handeln, Reden und auch Fühlen folgt. Wer der Überzeugung ist, dass Geld Sicherheit und Glück bedeutet, der wird zusehen, dass er mehr davon bekommt, sein Denken und Reden wird davon bestimmt sein. Er wird sich schließlich mit ein paar Tausendern auf dem Bankkonto auch sicherer fühlen und ausgeglichener sein, als wenn ihn nur Nullen oder gar rote Zahlen vom Kontoauszug anstarren. Wer der Überzeugung ist, dass das größte Glück die Kindschaft bei Gott ist, der ist davon erfüllt, will dieses Verhältnis zu Gott pflegen und vertiefen. Und tut das auch, indem er Gottes Wort und Willen verinnerlicht und danach lebt. Er ist traurig über alles, mit dem er Gott und Jesus enttäuscht und fühlt sich dreckig, wenn er sündigt. Er freut sich an der Vergebung und am Gebet. Er fühlt sich sicher, wegen der Zusagen Gottes und findet bei Jesus Frieden. Glaube ist kein Gefühl, kann aber Gefühle machen.

Mehr: bibelbund.de.

Was ist der Mensch?

Lennox Gooding Was ist der MenschIn einer Besprechung des Buches:

  • John Lennox u. David Gooding, Was ist der Mensch? Würde, Möglichkeiten, Freiheit und Bestimmung. Dillenburg: CV, 2020, 388 S., 24,90 Euro.

heißt es:  

Kann die Philosophie der Zukunft noch Antworten auf die großen Fragen der Menschheit geben? Jürgen Habermas misstraut einer optimistischen Auskunft. Im Vorwort seiner 2019 erschienenen Genealogie des nachmetaphysischen Denkens befürchtet der inzwischen 90 Jahre alte Professor, dass die Philosophie „als Fach nur noch mit ihren begriffsanalytischen Fertigkeiten und als die Verwalterin ihrer eigenen Geschichte überlebt“. Die weitergehende Spezialisierung habe diese Wissenschaft wie andere auch ergriffen und so stehe sie in der Gefahr, „den holistischen Bezug auf unser Orientierungsbedürfnis“ preiszugeben.

Eine ähnliche Sorge hat die beiden Autoren David Gooding und John Lennox dazu inspiriert, eine vierbändige Reihe zu verfassen, in der sie sich mit den ganz großen Fragen des Menschseins beschäftigen. Denn obwohl wir immer mehr wüssten, verlören wir grundlegende philosophische Prinzipien zunehmend aus den Augen (vgl. S. 24). Deshalb orientiert sich ihre Buchreihe an den berühmten kantschen Grundfragen: „Was kann ich wissen?“, „Was soll ich tun?“, „Was darf ich hoffen?“ und: „Was ist der Mensch?“.

Mehr hier: www.evangelium21.net.

„Woher stammst du eigentlich?“

Das Magazin Zeit Wissen sucht in der Ausgabe Nr. 5 (09/10, 2020) den Rassisten in uns. Zu den Fragen, die wir uns stellen müssen, um den inneren Rassismus zu entlarven, gehört etwa: „Würde ich U auf einer Party kennenlernen, würde ich sie fragen, woher sie stammt“? Dazu heißt es dann (S. 97):

Auch eine Form von „die“ und „wir“, im englischen Fachjargon Othering genannt. U sieht nicht so aus, als würde sie „von hier“ kommen, bedeutet ja, dass Menschen „von hier“ ein bestimmtes Aussehen haben. Obwohl hier sympathisierend gemeint, ist das eine Form von Abgrenzung — und das Werkzeug dazu ist oft die Sprache.

Wirklich? Könnte es nicht sein, dass ich mit dieser Frage mein Interesse am anderen ausdrücke? Ich jedenfalls freue mich, wenn ich im Ausland gefragt werde, woher ich stamme. Eine ideale Einstiegsfrage für ein gutes Gespräch.

Rassismus liegt auch dann vor, wenn ich davon überrascht bin, „dass P so gut Deutsch spricht“. Zeit Wissen klärt mich auf:

Hier taucht erneut das eigentümlich Fremde auf. Das berührt sowohl „Wer anders aussieht, kann gar nicht von hier kommen“ als auch „Wer so aussieht, kann und wird niemals deutsch sein“. Dass in ihnen etwas so denkt, entdecken Menschen, die bereit sind, in die Teile ihres Selbst hineinzuleuchten, die sie lieber im Dunkeln lassen. Rassisten nennen Menschen wie P dann offensiv „kulturfremd“, als sei Kultur etwas Festgefügtes und Unverrückbares. Das „wir“ und „die“ wird hier wieder sichtbar, manchmal auch in einer exotisierenden Form („P spricht Bayerisch, wie süß!“) oder wenn P auf der Straße auf Englisch angesprochen wird, denn „von hier“ kann die ja nicht sein.

Kann es nicht auch hier genauso gut umgekehrt sein? Ich bringe meine Freude darüber zum Ausdruck, dass jemand so schnell eine neue Sprache lernt und werde ihm dadurch zu einem Ermutiger?

Ich glaube ja, dass Rassismus ein ernstes menschliches Übel ist. Aber diese Hermeneutik der Unterstellung fördert Formen des Misstrauens, die uns gerade nicht dabei helfen, respektvoll miteinander umzugehen. Könnte es sein, dass auch die von der Zeit berufenen Gedankenleser unbewusste Vorurteile pflegen?

Wer theologisch über das Problem des Rassismus arbeiten möchte, kann zum Beispiel mit der Lektüre von „Thinking Theologically About Racial Tensions“ beginnen.

Die Natur als Schattengötze

Johannes Calvin (Institutio, I,5,4–I,5,5):

Ja, heute trägt die Erde viele wüste Geister, die sich nicht scheuen, den ganzen Samen der Gottheit, der in die menschliche Natur gestreut worden ist, zur Vertilgung des Namens Gottes zu benutzen. […] Durch große Lob­preisungen der Natur unterdrücken sie dann, soviel sie vermögen, den Namen Gottes. […] Es ist nichts anderes, als daß man sich einen Schattengötzen macht, um nur ja den wahren Gott, den wir fürchten und dem wir dienen sollen, möglichst gründlich loszuwerden.

Der säkulare Missionsbefehl

Tim Keller hat kürzlich darüber gesprochen, dass wir an einem Punkt angekommen sind, an dem die Gegenwartskultur darum bemüht ist, die Christen für den Säkularismus  zu evangelisieren. Christian Post schreibt: 

In einer Diskussion mit dem Moderator und Gründer von Q Ideas, Gabe Lyons, warnte Keller am Mittwoch, dass die säkulare Kultur in Amerika jetzt an einem Punkt angelangt sei, an dem „die einzige Sünde darin besteht, den Menschen zu sagen, dass sie sündigen“, und der traditionelle protestantische Katechismus müsse christliche Kinder besser darauf vorbereiten, in einer Welt aufzuwachsen, in der sie ständig mit dem neuen säkularen Evangelium in den sozialen Medien bombardiert werden.

„Grob gesagt hat jede andere Kultur immer gelehrt, dass die Wahrheit etwas außerhalb von mir ist, es könnte die Familie sein, Gott, der für mein Land stirbt; und um eine Person von Ehre und Wert, von Authentizität zu sein, musste man diese Wahrheit finden und seine Gefühle mit der Wahrheit in Einklang bringen. Jetzt versteht man, dass die Wahrheit in dir steckt. Du gehst hinein, um die großen Tiefen zu finden, und dann kommst du heraus und sagst allen anderen, dass du mir jetzt entgegenkommen musst“, sagte Keller. „Das bedeutet, dass wir die erste Kultur sind, die nicht nur nicht glaubt, dass es hier draussen eine Wahrheit gibt, es ist alles subjektiv. Es ist auch die erste Kultur, die nicht nur glaubt, dass die Christen falsch liegen, sondern dass sie das Problem sind“, erklärte er.

Die moderne säkulare Kultur, so Keller, sei jetzt an dem Punkt angelangt, an dem die Menschen glauben, dass sie von der Vorstellung gerettet werden müssten, dass sie die Erlösung durch Gott bräuchten. Und damit dies geschehen und ihre Art der Errettung verwirklicht werden könne, müssten die Christen evangelisiert werden.

Hier der Bericht von Christian Post: www.christianpost.com. Hilfreich ist zudem eine Analyse, die William Lane Craig zu der Einschätzung Keller veröffentlicht hat.

Der Realismus kehrt zurück

Auch der Soziologe Wolfgang Sofsky erkennt eine (notwendige) Rückkehr des Realismus und macht Mut, den allgegenwärtigen Konstruktivismus zu hinterfragen (vgl. hier):

Zu den dümmlichsten Ideen der Gegenwart gehört die Vorstellung, es gebe überhaupt keine Tatsachen und Wahrheiten, sondern nur Meinungen, standortgebundene Vorurteile, relative Konstruktionen. Die Wirklichkeit verschwindet hinter einem Gewölk von Bildern und Vorstellungen. Sogar die blutende Wunde, die beim Anrennen des Kopfes gegen Eisenbeton entsteht, sei zuletzt nur eine Konstruktion. Dabei spürt der Verletzte nur zu gut, dass das Bild von der Wunde nicht die Wunde selbst ist.

Mehr in der NZZ: www.nzz.ch.

Solo, aber nicht allein

41MUuwKBFQL SX320 BO1 204 203 200Das Thema „Singlesein“ ist im Gemeindealltag nicht gerade ein aktuelles. Dabei sind in den meisten Gemeinden recht viele Leute betroffen. Schön, dass Tim und Kathy Keller sich mit diesem Thema immer wieder beschäftigt haben. Meine Kollegin Lilia Stromberger hat Ihr Buch Solo, aber nicht allein für Evangelium21 besprochen. Fazit:

Es stimmt, dass in christlichen Gemeinden Alleinstehende oft ihren Platz nicht finden. Deshalb ist dieses Buch auch für Nichtsingles zu empfehlen, um für das innere Erleben von Singles und für die Notwendigkeit vom familiären Miteinander in der Gemeinde sensibilisiert zu werden. „Solo, aber nicht allein“ gibt Perspektiven und hilft, Akzente im Singlesein zu setzen, gleichzeitig jedoch die Achtung vor der Ehe zu bewahren. Das Buch appelliert dazu, von den verschiedenen Lebenssituationen zu profitieren.

Mehr hier: www.evangelium21.net.

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