Autorenname: Ron

Brennende Orgeln

Wir haben uns daran gewöhnt, dass irgendwo in der Welt christliche Kirchen angegriffen werden. Doch der Hass auf christliche Symbole breitet sich auch in Nordamerika und Europa weiter aus. Reinhard Bingener berichtet in der FAZ über wachsende Gewalt gegen christliche Symbole in Frankreich und Amerika (31.08.2020, Nr. 202, S. 3).

Er schreibt:

Lunte sagt, es gebe „keine eindeutige Hauptquelle“ für das Schwinden der Scheu, Kirchen zu beschädigen. „Mal sind es Islamisten, mal Anarchisten, mal geistig gestörte Personen. Und wenn ein Opferstock aufgebrochen wird, sind es einfach materielle Gründe.“ Über zunehmende Gewalt gegen Symbole des Christentums wird inzwischen auch in den Vereinigten Staaten berichtet.

Mehr hier, allerdings hinter einer Bezahlschranke: www.faz.net.

Gottes Initiative hat Konsequenzen

Im sechsten Kapitel des 1. Korintherbriefes spricht Paulus Rechtsstreitigkeiten unter Christen an. Er beschwert sich darüber, dass sich ein Gemeindemitglied mit einem anderen vor einem weltlichen Gericht trifft, um einen Streit auszutragen. Aus der Sicht des Apostels ist das mehr als unweise. Das Schlimmste daran ist, dass sich Menschen vor Menschen verklagen, die nicht an Gott glauben. Das schmälert das Zeugnis der christlichen Gemeinde in der Welt. Ein leuchtendes Zeugnis wäre es hingegen, wenn Christen bereit wären, ihnen widerfahrenes Unrecht zu ertragen. Diese Bereitschaft, „einzustecken“, fehlt jedoch. Aber nicht nur das: „Vielmehr tut ihr Unrecht und übervorteilt, und das unter Brüdern!“ (1Kor 6,8).

Paulus schwenkt dann von der Erörterung dieses konkretes Streites zu einigen grundlegenden Überlegungen um. Er fragt nach dem gerechten Leben der Christen. Er erinnert seine Brüder und Schwestern in Korinth daran, dass der Einzug von Gottes Gerechtigkeit das Leben schon jetzt verändert. Es ist eben nicht so, dass ein Christ, wenn er Vergebung der Sünden empfangen hat und in der Gemeinschaft mit seinem Herrn lebt, weiterhin in der Finsternis wandeln kann. „Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit“, heißt es im 1. Johannesbrief 1,6. Paulus schreibt:

Oder wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Lasst euch nicht irreführen! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabenschänder, Diebe, Geizige, Trunkenbolde, Lästerer oder Räuber werden das Reich Gottes ererben.

Dann kommt ein bemerkenswerter Abschnitt:

Und solche sind einige von euch gewesen. Aber ihr seid reingewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes.

Dieser Feststellung demonstriert sehr eindrücklich, dass dann, wenn Gott in unser Leben eingreift, dies tiefschürfende Konsequenzen hat. Es ist eben nicht so, wie Karl Barth einmal in seinem berühmten Römerbrief geschrieben hat. Er meinte damals, dass sich die Problematik unseres Lebens an jedem gegebenen einzelnen Punkte im Winkel von 360° dreht, also sich das alte vom neuen Leben sichtbar gar nicht wirklich unterscheidet (vgl. Der Römerbrief, 1922, S. 413). Nein. Paulus sagt: „Auch ihr gehörtet zu denen, die so leben und sich so verhalten – zumindest einige von euch. Aber das ist Vergangenheit“ (1Kor 6,11, NGÜ). Wenn Gott uns rechtfertigt und heiligt, dann wird das alte Leben auf den Kopf gestellt. Wir leben jetzt vor Gott in dem Licht, in das er uns hineingestellt hat. 

Ich zitiere mal Eckhard Schnabel, der sehr schön das trinitarische Handeln in der Bekehrung eines Menschen herausstreicht (Der erste Brief des Paulus an die Korinther, Historisch-Theologische Auslegung Neues Testament. 4. Aufl., Witten; Giessen: SCM R. Brockhaus; Brunnen Verlag, 2018, S. 323).

Im Kontext des Lasterkatalogs von V. 9–11 ist die ethische Implikation deutlich. Die korinthischen Jesusbekenner sind als „berufene Heilige“ (1,2) Menschen, deren Sünden abgewaschen wurden, die als von Gott Geheiligte zum Volk Gottes gehören und die als von Gott Gerechtfertigte gerecht sind. Weil die Möglichkeit, auch als Jesusbekenner noch ungerecht zu handeln, fortbesteht, was die Wirklichkeit der korinthischen Gemeinde deutlich zeigt, deshalb ist die Waschung, Heiligung und Gerechtmachung nicht nur eine von Gott bewirkte Wirklichkeit (Indikativ), sondern zugleich Verpflichtung, in Entsprechung zu dieser Wirklichkeit im Alltag zu leben (Imperativ).

Die im Passiv formulierten Verben verweisen auf das Handeln Gottes in der Bekehrung (passivum divinum). Die beiden abschließenden Präpositionalsätze verweisen auf das Handeln Jesu Christi und des Heiligen Geistes. Das heißt: Paulus beschreibt das Geschehen in der Bekehrung mit einer implizit trinitarischen Aussage. In der Wendung im Namen des Herrn Jesus Christus (ἐν τῷ ὀνόματι τοῦ κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ) verweist das Wort „Name“ auf die Macht und die Autorität der Person, die den Namen hat. Was „im Namen“ einer Person gesagt oder getan wird, gilt unbedingt und offiziell. Wer „im Namen des Herrn Jesus Christus“ spricht und handelt, der nimmt dessen Autorität für sich in Anspruch. Hier verbindet Paulus den Ausdruck mit passiven Verben, deren handelndes Subjekt Gott ist. Das heißt, Gott reinigt, heiligt und rechtfertigt die Sünder in Verbindung mit der Autorität Jesu als des gekreuzigten und auferstandenen Messias, der als der Erhöhte der Herr ist. Gottes Handeln in der Bekehrung von Sündern eröffnet den Zugang zur Machtfülle des Herrn Jesus Christus, der durch seinen Tod am Kreuz, durch seine Auferweckung und durch seine Erhöhung zur Rechten Gottes über die Sünde triumphiert hat, die in der korinthischen Gemeinde immer noch ihr hässliches Haupt erhebt. Die präpositionale Wendung ist mit allen drei vorhergehenden Verben zu verbinden: Gott reinigt, heiligt und rechtfertigt die Sünder durch das machtvolle Werk Jesu Christi, des gekreuzigten und auferstandenen Herrn. Die Wendung und durch den Geist unseres Gottes (καὶ ἐν τῷ πνεύματι τοῦ θεοῦ ἡμῶν) ist instrumental zu verstehen. Der Heilige Geist lässt Gottes Handeln Wirklichkeit werden. Das heißt: Der Geist Gottes verwirklicht die Autorität des Herrn Jesus Christus in der Reinigung, Heiligung und Rechtfertigung der Sünder. Auch diese Wendung ist mit allen drei vorausgehenden Verben verbunden: Der Geist Gottes bewirkt Reinigung (Apg 15,9), Heiligung (2Thess 2,13–14) und Gerechtmachung (Gal 3,1–14).

Was aber, wenn wir in unserer Nachfolge versagen? Wir dürfen um Vergebung bitten. So sollen wir beten, sagt Jesus: „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir denen vergeben haben, die an uns schuldig wurden“ (Mt 6,12). Im 1. Johannesbrief heißt es (NGÜ):

Wenn wir behaupten, ohne Sünde zu sein, betrügen wir uns selbst und verschließen uns der Wahrheit. Doch wenn wir unsere Sünden bekennen, erweist Gott sich als treu und gerecht: Er vergibt uns unsere Sünden und reinigt uns von allem Unrecht, ´das wir begangen haben`. Wenn wir behaupten, wir hätten nicht gesündigt, machen wir Gott zum Lügner und geben seinem Wort keinen Raum in unserem Leben.

Wie unerschöpflich und menschenfreundlich ist doch Gottes Reichtum!

Geschlechterunterscheidung wirkt destruktiv

Marie-Claire Wygand dreht den Spieß einfach um. Die Unterscheidung zwischen Mann und Frau sowie das traditionelle Verständnis von Familie mache den Menschen krank. Insofern sei es an der Zeit, den Kindern so früh als möglich beizubringen, dass die Geschlechter soziale Konstruktionen sind. Um die toxische Männlichkeit aufzubrechen, könnten Männer etwa ab und an Kleider anziehen. Das behauptet sie in einem Artikel, der kürzlich bei ze.tt erschienen ist.

Bei ze.tt einem Partner der Wochenzeitung Zeit, kann man nachlesen, wie bei jungen Menschen durch gezieltes Training die Heternormativität aufgebrochen werden soll. Aber nicht nur das: Menschen, die das anders sehen, werden pathologisiert und ihnen wird eingeredet, dass sie andere in den Suizid treiben. Wenn das nicht perfide ist, weiß ich nicht mehr weiter. Fällt denn niemandem auf, dass das auch eine Art und Weise ist, den Diskurs zu beenden und Hass zu schüren?

Der Beitrag offenbart dabei allerlei denkerische Schwächen, die aufgezeigt und angesprochen werden sollten, so etwa die Vorstellung, Geschlecht sei eine Eigenschaft, die nur im Denken als soziale Rolle existiere und Objekten sprachliche zugeschrieben werde. Dass das Quatsch ist, sollte ein Blick in die Tierwelt vermitteln. Die sexuelle Fortpflanzung funktioniert dort nicht, weil die Tiere „doing gender“ praktizieren, sondern weil sie sich paaren. Jede einzelne Zelle hat ihr Geschlecht (vgl. hier).

Aber hier der O-Ton:

Denn die traditionellen Rollen, die noch immer tief verankert sind, machen krank: Nicht nur einzelne Menschen, sondern die ganze Gesellschaft leidet darunter. Sexismus und Homophobie sind immer noch an der Tagesordnung. Wenn Jungen lernen, dass sie nicht schwach oder zart sein und über Gefühle sprechen dürfen, sorgt das dafür, dass sie als Männer eher suizidgefährdet sind und eine verkürzte Lebenserwartung haben. Sie lernen nicht, sich Hilfe zu holen und ihre Gefühle zu kommunizieren.

Mehr: ze.tt.

Post-evangelikaler Glaube

Ian Harber beschreibt in seinem Artikel „Post-evangelikaler Glaube“, wie er durch die Lektüre emergenter Literatur seinen evangelischen Glauben verlor. Irgendwann merkte er allerdings, dass es sich mit Dekonstruktion und Progressivität allein nicht wirklich christlich leben lässt:

Jeglicher Glaube, den ich einmal gehabt hatte, war gründlich demontiert worden und lag in seinen Einzelteilen offen vor mir am Boden, wartete auf eine konstruktive Überprüfung. Aber es gab keine Hilfestellung, hier wieder irgendetwas zusammenzusetzen. Es ist eine einfache, unverantwortliche, gefährliche und trennende Sache, Menschen zur Dekonstruktion ihres Glaubens anzuleiten, ohne ihnen dann auch zu helfen, ihn neu zusammenzusetzen. Das Ziel einer Dekonstruktion sollte größere Treue zu Jesus sein, nicht nur Selbsterfahrung oder die Präsentation der eigenen Vortrefflichkeit.

Die Erneuerung des Glaubens setzte interessanterweise ein, als Ian damit begann, sich gründlich mit der Theologie zu beschäftigen, die in den progressiven Kreisen so verpönt war:

Einer meiner Lehrer sagte: „Wir betreiben im Licht Theologie, damit wir auch im Dunkeln auf ihr stehen können.“ Ich betrieb Theologie und stand zugleich im Dunkeln auf ihr. Zum ersten Mal lernte ich, die Lehren über die Dreieinigkeit und über die Schrift als einheitliches Ganzes zu verstehen. Ich lernte, wie man die Bibel als inspirierten Text liest. Ich lernte, wie Lehren, die ich als widersprüchlich betrachtet hatte – beispielsweise den stellvertretenden Sühnetod Christi und den „Christus Victor“ –, sich in Wirklichkeit ergänzten, um uns das vollständige, herrliche, biblische Bild vor Augen zu malen. Ich lernte, was Einheit mit Christus bedeutet und welche Segnungen sie mit sich bringt. Ich lernte etwas über gute geistliche Angewohnheiten und welch eine lebensspendende Freiheit aus einer disziplinierten Nachfolge Gottes entspringt. Von dort aus eröffnete sich mir die weite und reiche Welt der christlichen Lehre über die Jahrhunderte hinweg – und lud zum Entdecken ein.

Hier mehr: www.evangelium21.net.

„Gewaltige Einsamkeit“

Die Rhein-Neckar-Zeitung berichtet im Kulturteil über die Aufführung von Milo Raus’ neuem Dokutheaterstück „Everywoman“ auf einem Salzburger Theaterabend. Der Titel „Everywoman“ legt nahe, dass es sich bei dieser Uraufführung um ein feministisches Statement handelt. Doch darum geht es Rau nicht. Ihm geht es um den Tod und jene „gewaltige Einsamkeit“ im Moment des Dahinscheidens. Das Stück gibt keine Antwort, stellt aber Fragen und provoziert Antworten. Der Autor des Beitrags hat das gut erfasst:

Um der Einsamkeit des Todes zu entrinnen, gibt es eigentlich nur eine Antwort: den Glauben an Gott und die Auferstehung, der schon bei Hofmannsthal nicht viel mehr ist als Erinnerung. Doch seit Gott die Welt und die Menschen endgültig verlassen zu haben scheint, seit sich die Kirchen weniger um das Seelenheil ihrer Schäfchen kümmern als um die Bewältigung weltlicher Skandale, müssen die Schäfchen den Sinn des Todes im Diesseits suchen: Ein Ding der Unmöglichkeit, wie Lardis ebenso engagierter wie hilfloser Monolog über ein alle Zeiten und Menschen verbindendes „Om“-Mantra offenbart, in dem sich Lebende wie Sterbende aufgehoben fühlen sollen.

Tja, die Kirchen sollten wieder anfangen, davon zu reden, dass wir sterben müssen (vgl. Ps 90,12). Wohl dem, der angesichts der gewaltigen Einsamkeit sagen kann: Herr, du bist mein Zufluchtsort für und für.

Mehr: www.rnz.de.

VD: WR

„Fast totalitärer Herdendruck“

Ich finde es beachtlich, was der schwule Investor Peter Thiel kürzlich in einem Interview mit der Weltwoche gesagt hat. Auf die Frage, ob die Absenz Gottes ein Wettbewerbsnachteil für den Westen sei, antwortete er: 

Ich hatte nie viel übrig für die darwinistischen Rechtfertigungen der Religion. Aber der Zusammenbruch der Transzendenz, dass wir keinen religiösen Bezugsrahmen mehr haben, ist sehr schädlich. Ich möchte gleich den Kern anschneiden und meine These anhand der Zehn Gebote der Bibel verdeutlichen. Das erste Gebot lautet, man solle nur zu Gott aufschauen und daneben keinen anderen Göttern huldigen. Das zehnte Gebot, das letzte auf der Liste, geht so: Du sollst nicht seitlich zu deinem Nachbarn rüberschauen und begehren, was er hat, seine Frau und seine Besitztümer. Zusammengefasst: Schaue nach oben, schaue nicht zur Seite. Ich frage mich, ob die Menschen, wenn sie aufhören, nach oben zu schauen, anfangen, häufiger rüberzuschauen, sich umzusehen. Wir leben in einer hypermimetischen Gesellschaft. Alle machen allen anderen alles nach. Deshalb leben wir auch in einer extrem missgünstigen, neidischen Gesellschaft. Ihr Treiber sind schlechte, vergiftete Beziehungen. Wenn man anfängt sich umzusehen, fängt man an, die Ideen anderer Leute zu kopieren. Die Verabschiedung der zehn Gebote, die Verabschiedung Gottes führen zum Herdenverhalten, zu einem falschen, aufgezwungenen Konsens. Es fällt dann sehr schwer, diesen Konsens zu brechen, denn es gibt nichts Transzendentes mehr, das einem Halt gibt. Man kann darüber streiten, ob Religion in der Vergangenheit so wirkte, aber in der Welt von 2020 sind die religiösen Leute die Abweichler. Sie haben die Fähigkeit behalten, für sich selber zu denken. Sie lassen sich weniger unter Gruppendruck setzen. Heute verschärft sich ein fast totalitärer Herdendruck, mit der Folge, dass Erfindungsgeist, anderes Denken und Kreativität gewaltig nachlassen.

Mehr hier: m.livenet.ch.

Was kann im Gericht Gottes bestehen?

In meiner täglichen Bibellese gehe ich derzeit durch den Ersten Korintherbrief. Heute war das dritte Kapitel dran, wo es in den Versen 14–17 heißt:

Hat das Werk, das einer aufgebaut hat, Bestand, so wird er Lohn empfangen. Verbrennt sein Werk, so wird er Schaden erleiden – er selbst aber wird gerettet werden, freilich wie durch Feuer hindurch. Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und dass Gottes Geist in euch wohnt? Wer den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören; denn der Tempel Gottes ist heilig – und das seid ihr.

Flankierend lese ich dazu den Kommentar von Eckhard Schnabel (Der erste Brief des Paulus an die Korinther, Historisch-Theologische Auslegung Neues Testament. 4. Auflage. Aufl. Witten; Giessen: SCM R. Brockhaus; Brunnen Verlag, 2018). Nachfolgend zwei Zitate, die einem hoffentlich an „die Nieren gehen“:

Paulus will sagen, dass es nutzlose Gemeindearbeit gibt, deren Wertlosigkeit sich im Endgericht herausstellen wird. Auf die von Paulus im Kontext behandelten Kompromisse der korinthischen Christen mit der säkularen Gesellschaft angewendet bedeutet dies: Die fortbestehende Faszination der Rhetorik, das Bemühen um gesellschaftlichen Status und die Bindung an prominente Persönlichkeiten – das sind alles Dinge, die in dieser Welt eine wichtige Rolle spielen, die aber in der kommenden Welt Gottes ohne Nutzen sind. Wertvoll in der neuen Schöpfung ist nur, was im Gericht Gottes Bestand haben wird, und das ist Gottes Heilshandeln in Jesus Christus samt allen Konsequenzen, die sich daraus für die Gemeinde und für die Mitarbeiter am Bau der Gemeinde ergeben.

Die Drohung in V. 17 bezieht sich auf jene korinthischen Christen, die inadäquat auf den bestehenden Grundmauern weiterbauen, d.h. die durch ihre Fixierung auf säkulare Werte dabei sind, die Gemeinde der Jesusbekenner als Ort der heiligenden Gegenwart des Geistes Gottes zu zerstören. Das mit „verderben“ übersetzte Verb (φθείρω) ist als Gegenbegriff zum „aufbauen“ (ἐποικοδομέω, V. 10.12.14) zu verstehen. Wer die Gemeinde mit den säkularen Werten der urbanen Elite Korinths leiten will und Streit, Konkurrenz und Spaltungen nicht nur toleriert, sondern ganz bewusst in den Vordergrund stellt, der baut nicht auf, sondern ab, der zerstört den von Gott und seinem Geist begonnen Bau. Paulus geht also davon aus, dass die Gemeinde von Gemeindegliedern, d.h. von innen, zerstört werden kann. Die Ankündigung „den wird Gott verderben“ (φθερεῖ τοῦτον ὁ θεός) ist eine ernste Warnung.

Mark Dever im Gespräch mit J.I. Packer

Im Jahr 1999 sprach Mark Dever in der Hill Baptist Church, in Washington D. C. (USA), mit dem kürzlich verstorbenen Theologen J.I. Packer. Das etwa einstündige Gespräch wurde aufgezeichnet und kann hier nachgehört werden, freilich nur englischer Sprache.

Es ist wirklich ein hilfreiches Gespräch und enthält zudem sehr lustige Momente. Besonders gefallen hat mir der Kurzbericht über einen kleinen „Zusammenstoß“, den er vor vielen Jahren mit Martyn Lloyd-Jones auf einer gemeinsam organisierten Puritaner-Konferenz hatte. Informativ allerdings auch der Teil, in dem kontrovers über die Initiative Evangelicals and Catholics Together (ECT) gesprochen wurde.

Rob Bell – der Mann ohne Geheimnisse

41Dk+yk9R3L SX311 BO1 204 203 200Wieder einmal habe ich mir ein Buch von Rob Bell besorgt, da ich vorhatte, eine Besprechung über Die Bibel – faszinierend, einzigartig und voller Geheimnisse zu verfassen.

Daraus wird nun aber nichts. Das Buch ist derartig platt und blutleer, dass ich meine Zeit mit nützlicheren Dingen verbringen werde. Geschrieben ist es – kaum überraschend und sowas von durchsichtig – nach dem Motto: „Gott hat gesprochen; macht mit der Heiligen Schrift, was ihr wollt.“ Postmoderne Hermeneutik – leicht verständlich.

Ein Beispiel soll genügen:

Jesus sagt seinen Jüngern einmal, was sie binden werden, wird gebunden, und was sie lösen werden, wird gelöst sein.

Wovon redet er da?

Binden und Lösen – das war eine im ersten Jahrhundert übliche Weise, um über Interpretation zu sprechen. Jesus fordert seine Nachfolger auf, dass sie jetzt selbst entscheiden sollen, wie sie die Bibel interpretieren.

Es ist, als wollte er sagen:

Ihr habt gesehen, wie ich es mache.
Jetzt seid ihr dran.

Findet raus, was es bedeutet, den Worten Fleisch und Blut zu verleihen.

An eurem Ort,
in eurer Zeit,
in eurer Welt,
findet es raus.

Einmal sagt er, das sei so, wie wenn jemand aus seinem Vorratslager immer neue Schätze birgt.

Wie in:

Du kratzt gerade erst an der Oberfläche.
Da steckt noch so viel mehr drin.
Du bist gerade erst am Anfang.

Einmal sagt er sogar:
Ihr werdet Größeres tun als dies.

Klare Empfehlung: Spart euch diesen Kauf!

Karlsruhe hat die letzten Reste eines metaphysischen Schleiers entfernt

Edo Reents hat in der FAZ (06.08.2020, Nr. 181, S. 14) das Sterbehilfeurteil vom Februar 2020 als Konsequenz der Säkularisierung gedeutet.

Wenn das höchste deutsche Gericht Vorsorge dafür trifft, dass jedem Menschen, egal, welchen Alters und in welcher Lage, die Selbsttötung möglich sein muss, zur Not eben mit fremder Hilfe, dann kommt man vielleicht zu dem Schluss, dass dieses Urteil einerseits kühn, andererseits aber auch ernüchternd, ja, fast banal, flach wirkt, wie die Bestätigung anderer Selbstbestimmungsrechte auch, zum Beispiel des informationellen oder des sexuellen. Es ist die vielleicht letzte, auf jeden Fall aber gewichtigste Konsequenz, die aus dem Säkularitätsgebot gezogen wurde.

Reents zweifelt daran, dass sich diese von aller Metaphysik bereinigte Rechtssprechung bewährt und macht eine Verlustrechnung auf:

Ein Verfassungssystem, das auch in Gerichtssälen keine Kreuze mehr zulässt, kann sich um einen geistigen Überschuss, ob nun philosophischer oder religiöser Art, nicht mehr kümmern. Diese buchstäbliche Rücksichtslosigkeit, um von der gegenüber Hinterbliebenen oder an der Selbsttötung Beteiligten nicht zu reden, hat etwas (vielleicht ungut) Ernüchterndes. Ungerührt hat Karlsruhe die letzten Reste eines metaphysischen Schleiers entfernt, den die Menschen noch um Fragen des Lebens und des Sterbens gehüllt haben mögen.

Prof. Martin Teising aus Bad Hersfeld geht in seiner Kritik des Urteils noch weiter (FAZ vom 13.08.2020, Nr. 187, S. 25).

Aus der klinischen Forschung wissen wir, dass sich Suizidenten in der Regel verzweifelt und in großer seelischer Not nach Ruhe und Frieden sehnen. Sie wollen so nicht weiterleben. Das Urteil ist von dem Wunsch getragen, diesen Menschen helfen zu wollen, harte Suizidmethoden zu verhindern und ein „sanftes Einschlafen“ zu ermöglichen. Das Gericht blickt nicht der Tatsache ins Auge, dass mit der Selbsttötung, auch durch Medikamente, der Wunsch nach Ruhe und Frieden gerade nicht erfüllt werden kann. Die Empfindung von Ruhe und Frieden setzt Leben voraus.

Das Bundesverfassungsgericht folgt einem Autonomieverständnis, dass die Abhängigkeit von und das Angewiesensein des Einzelnen auf andere Menschen als basale Bedingung menschlicher Existenz verleugnet. Das spricht Reents indirekt an, wenn er die Rücksichtslosigkeit des Urteils gegenüber Hinterbliebenen benennt.

Wenn Bischof Meister von der hannoversche Landeskirche sogar davon spricht, dass der Mensch grundsätzlich ein theologisches Recht auf Selbsttötung habe, lässt dies erahnen, wie fortgeschritten die Selbstsäkularisierung innerhalb der Evangelischen Kirche bereits ist. Die Kirche als Vordenker eines gottlosen Lebens und Sterbens! Zumindest in diesem Sinne wird der missionarische Auftrag noch ernst genommen.

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