JETZT

Ich habe in der letzten Zeit indirekt mehrere Beiträge zur „Ethischen Nicht-Monogamie“ gepostet. „Ethische Nicht-Monogamie“ ist ein Überbegriff für verschiedene Beziehungsmodelle, darunter Polyamorie, offene Beziehungen, sexuelle Begegnungen mit mehr als zwei Menschen usw. Oberflächlich mögen diese Modelle attraktiv erscheinen. Aber hinter dem bunten Schaufenster lassen sich viel Schmerz, Vertrauensverlust, Aggressionen und selbstredend Erkrankungen finden. 

Ich finde es dennoch interessant, wie aggressiv diese Beziehungsmodelle propagiert werden. 2017 hatte ich auf den Einfluss des GEZ-finanzierten Jugendsender Funk hingewiesen, der sehr einseitig informierte. Das Format „Fick dich!“, das besonders provokativ ausstrahlte, scheint inzwischen wegen vieler Proteste abgesetzt worden zu sein (siehe auch hier). Bei den Recherchen bin ich nun noch auf die Online-Plattform JETZT gestoßen, die zur SÜDDEUTSCHE ZEITUNG (SZ) gehört und sich vor allem an 18- bis 30-Jährige richtet. Das Portal ist im Jahr 2006 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet worden. Zur Begründung heißt es unter anderem:

jetzt.de ist das Jugend-Magazin der Süddeutschen Zeitung im Internet. Ausgewählte Artikel werden dem Infopool der Redaktion der Süddeutschen Zeitung entnommen, neu sortiert und ergänzt. Daraus entsteht eine neue Nomenklatur, die nicht mehr der Struktur einer Zeitung, sondern der Erwartungshaltung ihrer Adressaten folgt. Die Site weist eine hohe Tagesaktualität auf, die dem Rezeptionsverhalten der Nutzer entsprechend aufbereitet ist und von ihnen maßgeblich mitgestaltet wird.

Diese Form eines „partizipativen Online-Magazins“ motiviert die Nutzer und eliminiert die Kluft zwischen dem passiven Nachrichtenkonsum einerseits und einer Selbstbeteiligung andererseits, sei es in Form einer Kommentierung von Nachrichten, der Platzierung von eigenen News oder durch zahlreiche Blogs. Informationen werden den Themen Macht, Pop, Sex, Job, Kultur, Technik, Leben zugeordnet und durch eine eigene Redaktion ergänzt.

Wer aber hofft, JETZT sei eine Plattform für übergreifende politische oder kulturelle Diskurse, wird enttäuscht werden. Es braucht nicht viel Erfahrung, um zu entdecken, dass progressive, kulturmarxistische Interessen bedient werden. Immerhin findet man hier und da das Bekenntnis, dass andere Meinungen ausgehalten werden müssen (siehe z.B.: „Der linke Diskurs ist kaputt“). Das ist ja schon was.

Große Aufmerksamkeit bekommen – wahrscheinlich wegen der Zielgruppen – Beziehungsfragen und Sex. Wir finden unter den insgesamt 22 Rubriken die Themen: Sex, Trennungskolumne, Coming-out-Kolumne, Liebe und Beziehungen, Gender, Jungsfrage, Mädchenfrage. Es lohnt sich – gerade auch für Jugendpastoren, Eltern, Pädagogen – genauer hinzuschauen, was JETZT im Blick auf Beziehungsmodelle für Ratschläge erteilt. Ich nenne hier nur mal eine Auswahl von Artikelüberschriften:

  • Lass sie labern, Online-Dating ist toll!: Unser schwuler Autor schreibt Briefe an sein jüngeres Ich. Thema dieses Mal: Die Grindr-Offenbarung.
  • „Die Leute sollen sich nicht schuldig fühlen, wenn sie masturbieren.“: Michael und Thomas haben ein Sextoy für Männer entwickelt, das Frauen nicht zum Objekt machen soll.
  • Jemanden zu lieben bedeutet nicht, ihm treu zu sein: Seit unsere Autorin und ihr Mann mit anderen schlafen, heißt es oft: „Das ist doch keine richtige Beziehung!“ Zeit für eine Begriffsklärung.
  • Ein Dreier im Namen der Aufklärung: Das Videoprojekt „Sex School“ will junge Erwachsene aufklären – Anschauungsmaterial inklusive.
  • „Morgen schlafe ich mit einem anderen, okay?“: Jede offene Beziehung hat ihre eigenen Regeln. Aber wie findet man heraus, welche das sind?
  • Danke, dass du meinen Mann gevögelt hast! Das Abenteuer „Offene Beziehung“ begann für unsere Autorin mit einem lauten Knall. 
  • „Nicht einfach Riesenbrüste, Riesenpenis, fertig“: Kira und Leon haben einen feministischen Porno gedreht. Und der ist ziemlich heiß.
  • Jungs, was ist euer Problem mit Sexspielzeug für Männer?: Dass Frauen Sextoys nutzen, ist im Mainstream angekommen. Warum seid ihr da so verklemmt?
  • Frauen, macht es euch selbst!: Männer masturbieren schließlich auch regelmäßig.
  • Stefan erledigt als Haussklave Dienste in Frauen-WGs: Dabei putzt er unter anderem in Dessous und mit pinker Perücke.
  • Swingerpartys sind was für alte Leute: Dachte ich mal. Dann bin ich auf eine U40-Swingerparty gegangen.
  • Auch wer sich nicht für homophob hält, ist es oft: Das erlebt unser Autor immer wieder, vor allem im Job.

Das alles wird natürlich im Namen von Aufklärung, Freiheit, Emanzipation und Fortschritt gepostet. Vielleicht finde ich mal die Zeit, ein paar grundsätzliche Gedanken dazu zu formulieren. Jetzt bleibt es beim dem Hinweis, dass das die Dinge sind, die viele junge Leute an den Schulen und den Unis zu hören bekommen. Ob wir mit ihnen darüber reden oder nicht. 

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