Autorenname: Ron

Francis Schaeffer kritisierte christlichen Antisemitismus

Francis Schaeffer hat im Jahre 1943 einen Artikel publiziert, in dem er den christliche Antisemitismus scharf kritisiert. Er schrieb (The Independent Board Bulletin, October 1943, S. 16–19):

Wir leben in einer Zeit, in der der Antisemitismus eine mächtige Kraft ist. In vielen Ländern hat er zum Tod unzähliger Juden geführt. Sogar in unserem eigenen Land zeigt er sich von Zeit zu Zeit in verschiedenen Erscheinungsformen. Selbst unter denen, die sich als fundamentalistische Christen bezeichnen, finden wir gelegentlich eine Person, die einen großen Teil ihrer Zeit damit verbringt, über die Juden herzufallen.

Wenn man den Antisemitismus betrachtet, ist das Erste, was sich in meinem Denken fixiert, die Tatsache, dass Christus ein Jude war. Wenn wir das Neue Testament bei Matthäus 1,1 öffnen, finden wir als allererste Aussage über Christus, dass er von Abraham abstammt und ein Nachkomme Davids war. Die Bibel sagt nicht, dass Jesus zufällig ein Jude war, sondern das Wort unterstreicht immer wieder, dass er ein Jude war.

Mehr: www.pcahistory.org.

Ein Rat an junge Männer im geistlichen Dienst

Ehrgeiz ist nicht immer schlecht. Manchmal steht er freilich der Erziehung durch Gott auch im Weg. So mancher junger Christ möchte im geistlichen Dienst schnell vorankommen und Erfolge vorweisen. Ray Ortlund erklärt in diesem Artikel, weshalb göttliche Verwundungen uns dabei helfen können, ein wahrhaftiges geistliches Leben zu führen. 

Er schreibt: 

Irgendwann in deinem Leben wirst du so tief von Gott verletzt, dass dein Selbstvertrauen durch Leid und Verlust zusammenbricht. Bis dahin war dir nicht einmal bewusst, wie konsequent dein Selbstvertrauen dein Leben lenkt, da es sich so normal und harmlos angefühlt hat. Du wirst beginnen zu verstehen: „Das bedeutet es also, dem Herrn ganz zu vertrauen. Ich brauche ihn jetzt in einer nie dagewesenen Dringlichkeit und Ernsthaftigkeit.“

Erst dann wird Gottes Macht richtig in deinem Leben durchdringen. Dieser Schmerz wird dich zu einem besseren Christen machen. Du wirst ein besserer Prediger, Pastor, Leiter, Seelsorger, Lehrer und Freund sein, weil du ein besserer Mensch sein wirst. So wirst du dem verwundeten Christus ähnlicher.

Wenn du aber sehr schnell „erfolgreich“ bist, sich Menschenmengen um dich sammeln und der uneinsichtige Übermut deiner Jugend nicht gebrochen ist, bist du wahrscheinlich in Gefahr. Ich habe junge und hochtalentierte Männer gesehen, die abstürzten und ausbrannten und viele Jahre des fruchtbaren Dienstes verschwendeten. Manche haben den Dienst sogar ganz verlassen, weil ihr Charakter der öffentlichen Bühne nicht gewachsen war.

Beneide den „Überflieger“ nicht. Möglicherweise ist er unsicherer als du denkst. Unterordne dich dem HERRN. Ertrage Enttäuschungen, Verletzungen und Beleidigungen, die dich treffen, demütig. Ertrage sie „um Christi willen“ (2Kor 12,10). Denn so wird seine Kraft bei dir wohnen (2Kor 12,9).

Mehr: www.evangelium21.net.

Die Dordrechter Synode

Die dordrechter synode 01 1Die seit November 1618 in Dordrecht tagende Generalsynode der Reformierten Gemeinden der Niederlande verabschiedete im Mai 1619 die sogenannten Dordrechter Lehrregeln. Dieser bedeutende Bekenntnistext verteidigt die Lehre von der freien und souveränen Gnade Gottes gegen die theologischen Reformbemühungen der Remonstranten. Als Remonstranten (von lat. remonstrare „zurückweisen“) bezeichnete man die Anhänger des Theologen Jacob Arminius (1560–1609), weshalb man diese später auch „Arminianer“ nannte. Professor Arminius geriet in Leiden in einen Streit mit seinem Kollegen Franciscus Gomarus (1563–1641). Arminius behauptete, Gott erwähle Menschen auf der Grundlage eines vorhergesehenen Glaubens. Gomarus verteidigte hingegen die klassische Lehre von der bedingungslosen Erwählung. Im Jahre 1610, also kurz nach dem Tod von Jakob Arminius, veröffentlichten die Remonstranten fünf Artikel, die sich ausdrücklich gegen das reformierte Bekenntnis wandten. Die Dordrechter Lehrregeln sind also als Antwort auf diese fünf Artikel zu verstehen. Neben dem Heidelberger Katechismus und dem Niederländischen Glaubensbekenntnis (lt. Confessio Belgica) gehört das Bekenntnis der Dordrechter Synode zu den verbindlichen Bekenntnisschriften der reformierten Kirchen der Niederlande. Es wurde zudem in mehrere gewichtige Sammlungen reformierter Bekenntnisschriften aufgenommen.

Während im angelsächsischen Sprachraum allerlei darstellende und stützende Veröffentlichungen zur Synode von Dordrecht vorliegen, ist die Wahrnehmung im deutschen Sprachraum vor allem durch polemische Beiträge zum sogenannten Fünf-Punkt-Calvinismus geprägt. Insofern ist es sehr erfreulich, dass nun eine Publikation vorliegt, die den Entstehungs- und Begründungszusammenhang in einfacher Sprache schildert und zudem die Lehrregel vollständig abdruckt.

Eine Besonderheit muss hervorgehoben werden. Der ausführliche Einleitungsaufsatz zur geschichtlichen Situation, die zur Einberufung der Synode geführt hat, stammt von Samuel Miller, der von 1813 bis 1849 als Professor für Kirchengeschichte an der Theologischen Fakultät der Princeton Universität gelehrt hat. Miller nimmt, wie Dr. Sebastian Merk in seiner Einführung zum Buch zutreffend schreibt, „eine sehr wichtige Rolle in der reformierten Theologie Nordamerikas ein“ (S. 6). Die großen Theologen Charles Hodge, Benjamin B. Warfield und John Machen Gresham stehen theologisch in seiner Schuld. Es handelt sich also um einen Autor, der mit dem niederländischen und nordamerikanischen Calvinismus bestens vertraut war.

Polemisierende Angriffe gegen den Calvinismus sind kein neues Phänomen. Sie waren bereits im 19. Jahrhundert, in dem Miller lehrte, weit verbreitet. Das hat den Vorteil, dass Miller viele Argumente aufgreift, die auch heute gegen den Calvinismus ins Feld geführt werden. Merk schreibt (S. 6):

„Äußerst interessant sind Millers Ausführungen, die sich mit den – auch heute noch immer stereotyp wiederholten – anti-calvinistischen Vorurteilen befassen. Scharfsinnig und eloquent entkräftet er jeglichen Angriff und weist zum Beispiel nach, dass es gerade calvinistisch denkende Pfarrer waren, die in der angelsächsischen Geschichte für die Glaubensfreiheit eingetreten sind. Immer wieder zeigt er auf, dass die Lehre der freien und souveränen Gnade, so wie sie in der reformierten bzw. calvinistischen Theologie gelehrt wird, von ihren Gegnern verzerrt und falsch dargestellt wird. Er zeigt die Zirkelschlüsse des armimanischen Systems auf und schließt damit den wirkungsgeschichtlichen Bogen zur damaligen theologischen Auseinandersetzung.“

Miller ist in seiner Darstellung der Ereignisse um Fairness bemüht, nimmt aber erwartungsgemäß keine neutrale Position ein. Manchmal findet er deutliche Worte, gerade wenn es um die mitunter subversive Strategie des Arminius geht. Er bemerkt etwa (S. 19):

„Man kann bezüglich Arminius sicherlich seine vielfachen Begabungen, seinen Intellekt, seine Eloquenz und seine im Allgemeinen beispielhafte Moral positiv hervorheben. Damit aber die ganze Wahrheit auf dem Tisch liegt, kommt man nicht umhin, festzustellen, dass es seinem Charakter an Integrität, Aufrichtigkeit und Treue gegenüber seinen offiziellen Versprechungen und Bekundungen fehlte.“

Nicht unterschlagen werden die kontroversen Diskussionen innerhalb der Synode. So wurde intensiv darüber diskutiert, ob die göttliche Erwählung vor oder nach dem Sündenfall erfolgt ist (der Sublapsarianismus verortet die Erwählung logisch unterhalb des Sündenfalls, der Supralapsarianismus vor der Erschaffung des Menschen). Miller berichtet (S. 37):

„Die Verwerfung der fünf arminianischen Thesen in den Lehrsätze der Synode, die hier dargelegt werden, ist einmütig und ohne Gegenstimmen erfolgt. Allerdings kann aus diesem Umstand nicht abgeleitet werden, dass alle Mitglieder der Synode in Bezug auf jeden einzelnen Punkt der Synodenbeschlüsse miteinander übereinstimmten. Dies war nämlich gerade nicht der Fall. Während der synodalen Beratungen gab es eine Reihe von Diskussionen. Einige Teilnehmer der Synode, so etwa Gomarus und andere, waren Vertreter eines supralapsarianischen Calvinismus, während manche Delegierte nicht weiter gehen konnten, als der sublapsarianischen Hypothese zuzustimmen. Und es gab sogar eine sehr kleine Gruppe von Delegierten, die zwar der Verdammung der Remonstranten zustimmte, die jedoch Ansichten teilten, die nicht weit von dem entfernt waren, was man gewöhnlich Baxterianismus nennt.“

In den Text wurden zahlreiche erklärende Fußnoten eingearbeitet, die zum besseren Verstehen der Abhandlung beitragen. Die Dordrechter Lehrsätze sind in der Übersetzung von Ernst Gottfried und Adolf Böckel wiedergeben, wobei die Sprache an manchen Stellen behutsam überarbeitet wurde.

Ich bin dankbar, dass dieses Werk in deutscher Sprache vorliegt. Erschienen ist es im neuen Verlag Sola Gratia Medien, der noch andere interessante Bücher im Programm hat. Möge das Buch Die Dordrechter Synode von reformierten Christen und ihren Kritikern gründlich studiert werden.

  • Sebastian Merk (Hg.), Die Dordrechter Synode,  Sola Gratia Medien, 2019, 144 S., 11,90 Euro.

Das Buch kann zum Beispiel hier bestellt werden: www.cbuch.de.

Gottes Segen

Bei unserem täglichen Familienspaziergang kam uns eine sehr alte Frau mit einem Rollator entgegen. Als wir auf gleicher Höhe waren, hielt sie an, schaute uns in die Augen, lächelte und sagte mit schwacher Stimme: „Ich wünsch ihnen Gottes Segen; und Gesundheit.“

Wie wirkt die Corona-Krise auf dem christlichen „Markt“

Die Nachrichtenagentur IDEA fragt: „Wie wird sich die Corona-Krise auf Hilfsorganisationen auswirken, die auf Spenden angewiesen sind?“ Wie der Geschäftsführer und wissenschaftiche Leiter des Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), Burkhard Wilke, IDEA mitteilte, „rechnen bisher vor allem diejenigen Organisationen mit deutlichen Spendenrückgängen, die Benefizveranstaltungen absagen müssen, etwa Konzerte, Spendenläufe und Galas.“

Auch bei Zuwendungen von Unternehmen oder Stiftungen würden deutliche Rückgänge erwartet. „Die weit überwiegende Mehrzahl der Organisationen stellen noch keine Auswirkungen fest“, so Wilke. Viele versendeten in den nächsten Tagen ihre Frühjahrs- bzw. Ostermailings und erwarteten dann weiteren Aufschluss. Die durch die Corona-Krise entstehenden Notlagen und Unterstützungsbedarfe in Deutschland, Europa und weltweit könnten in nächster Zukunft auch zu steigenden Spendeneinnahmen bei vielen gemeinnützigen Organisationen führen, die mit entsprechenden Hilfsmaßnahmen aktiv sind, so der DZI-Chef. Dem stehe das Risiko gegenüber, dass ein zumindest zeitweise starker Rückgang des Wirtschaftswachstums auch eine Reduzierung der Spendenmöglichkeiten bei vielen privaten Haushalten zur Folge haben könne. Das DZI vergibt seit 1992 sein Spenden-Siegel. Es belegt, dass eine Organisation mit den ihr anvertrauten Geldern sorgfältig und verantwortungsvoll umgeht.

Ich habe in den letzten Tag bei allerlei Gesprächen mitbekommen, dass es für viele christliche Werke in der Tat schwierig wird. Unterstützer, die nun in Kurzarbeit gehen, müssen jeden Groschen dreimal umdrehen. Da sind die vielen Einrichtungen, die sich auf Freizeit- und Bildungsangebote spezialisiert haben und nun keine Veranstaltungen durchführen dürfen (etwa WDL am Starnberger See oder das Haus Rehe im Westerwald). Den zum großen Teil bleibenden Ausgaben stehen fehlende Einnahmen gegenüber, was solche Werke schnell ins Trudeln bringen kann. Über belastbare Rücklagen verfügen nur wenige dieser Organisationen.

Auch die Buchläden sind schwer betroffen. Die Christliche Bücherstuben GmbH in Dillenburg betreibt beispielsweise 29 evangelistische ausgerichtete Bücherstuben, die derzeit alle schließen mussten. Die finanziellen Folgen sind einschneidend (siehe: Flyer_Corona_web.pdf).

Von daher meine Bitte: Denkt in diesen Tagen an die evangeliumszentrierten christlichen Werke. Nutzt die Zeit zu Hause, um im Gebet für eure Lieben, die Gemeinde, die Obrigkeit, die Kranken und die Menschen im Gesundheitssystem einzutreten. Denkt aber auch an die Missionswerke und Bildungseinrichtungen, die von dieser Pandemie ebenfalls betroffen (vgl. Eph 6,18; Rom 12,12).

Und: Kauf und lest gute Bücher!

Vom praktischen Wert der theologischen Arbeit

Rudolf Bohren schreibt über die Bedeutung der theologischen Arbeit in der Gemeindeleitung (Dem Worte folgen, 1969, S. 103):

Soll der Heilige Geist die Gemeinde leiten und soll das Presbyterium ein Organ des Geistes sein, so hat das Presbyterium in allen Dingen nach dem Worte Gottes zu fragen. In Tat und Wahrheit wird wohl in jedem Presbyterium zu Anfang eine Andacht gehalten. Aber dann fragt man im Verlauf der Sitzung: „Wie machen es die anderen Gemeinden?“ „Was sagt Düsseldorf?“ „Was die großen Steuerzahler?“ Und dabei komplimentiert man den Heiligen Geist, um dessen Kommen man am Anfang vielleicht so schön gebetet hat, wieder aus der Sitzung hinaus! Also geht es nicht um längere Andachten, sondern darum, dass bei den verschiedenen Fragen der Gemeinde immer wieder nach Gottes Wort und Willen gefragt wird. Der Geist der Auslegung will gerade in der praktischen, gerade in den finanziellen Angelegenheiten zu Worte kommen. Wo man ihm aber nicht das Wort erteilt, wird er betrübt. Ein Presbyterium, das nicht über dem Worte Gottes zusammensitzt, sitzt darum daneben. Und das heißt, ein Presbyterium muss theologisch arbeiten. Das erste und vornehmste Lehramt hat der Pastor gegenüber den Presbytern! Wo ein Presbyterium auf das geistliche Gespräch über die Fragen der Gemeinde verzichtet, verzichtet es auf die Leitung des Geistes. Ich habe erfahren, dass die technischen Dinge viel rascher und schneller erledigt werden konnten, als ein Presbyterium sich entschloss, die Fragen der Gemeinde theologisch zu bearbeiten.

Den Kranken muss das Evangelium erklärt werden

Heinrich Bullinger („Unterweisung der Kranken und wie man sich auf das Sterben vorbereiten soll“, Schriften, Bd. 1, Zürich: TVZ, 2006, S. 103–169, hier S. 131–132):

Daher muss den Kranken in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Menschwerdung und das Leiden Christi vor Augen geführt werden, und zwar zuerst mit der Frage, warum Christus Mensch geworden ist: Da nämlich Gott gut, treu und barmherzig ist, hat er dem Menschen seine Güte auf treueste Weise offenbaren wollen. Dies hat er nun auf keine kostbarere Weise tun können als durch die Menschwerdung Christi, seines Sohnes, der seiner Natur und seines Wesens ist. Denn indem er Mensch wurde, vereinigte er in sich die menschliche und die göttliche Natur in einer Person, wie geschrieben steht [Joh 1,14]: „Das Wort ward Fleisch.“ Durch dieses große Geheimnis gab er uns zu verstehen, dass er mit dem Menschen vereinigt sein, ja ich ihm zu eigen geben und ihn erhalten und erhöhen wollte, so wie er den Menschen Jesus Christus zu ewiger Freude und Seligkeit erhalten und erhöht hat. Da also Christus der Mittler ein sollte, musste er des Wesens und der Natur beider Teile, zwischen denen er vermitteln sollte, teilhaftig werden, damit er auch das an sich hätte, was er für unsere Sünden opfern konnte. Denn ohne Blut zu vergießen, geschah keine Verzeihung. Wenn er nun nicht wahres menschliches Wesen und wahre menschliche Natur angenommen hätte, wie hätte er sterben, sein Blut ‚ergießen und sich für unsere Sünden aufopfern können? Und hier offenbart sich uns die Frucht des Leidens und Sterbens Christi: dass wir durch seinen Tod Verzeihung der Sünden und ewiges Leben erlangen.

Katholische Kirche will Corona-Kranken ihre Sünden erlassen

Es läuft wieder. Die Corona-Pandemie stärkt den Ablass. Laut NTV will die Katholische Kirche allen mit dem Coronavirus infizierten Gläubigen die Sünden erlassen. Ich vermute, theologisch korrekt ist die Formulierung nicht. Wahrscheinlich geht es eher um zeitliche Sündenstrafen. Aber interessant ist die Meldung allemal:

Die katholische Kirche will allen mit dem Coronavirus infizierten Gläubigen die Sünden erlassen – wenn sie zuvor einige Bedingungen erfüllen. Laut dem von einem vatikanischen Gericht veröffentlichten Erlass müssen die Betroffenen unter anderem an einer Reihe von Online übertragenen Gottesdiensten oder an anderen Andachtsformen teilnehmen, um ihren „Geist völlig von der Sünde gelöst“ zu haben. Auch die Bibellektüre kann demnach Sünden streichen, wenn sie „mindestens eine halbe Stunde“ umfasst.

Na dann.

VD: AG

Christuslose Seelsorge

Rudolf Bohren schreibt über die christuslose und damit ohnmächtige Seelsorge (Dem Worte folgen, 1969, S. 103):

Wenn Christus nicht wirkt, nicht handelt, dann ist unsere Seelsorge eine taube Nuß, ein ausgesogenes Ei. Man braucht sie nicht, wirft sie weg. Hier hegt die Not unserer Seelsorge, daß sie so oft herrenlose, christuslose, geistlose Seelsorge ist Hier hegt die Kraftlosigkeit und Ohnmacht unserer heutigen seelsorgerlichen Bemühung, die durch keine Psychologie und keine Methodik zu beheben ist. Damit stellt sich das Problem, wie unsere Seelsorge wieder Seelsorge Jesu Christi wird. – Ist Christas real präsent in unserer Seelsorge? Oder ist es so, daß unsere Seelsorge zwar noch von Jesus Christas redet, daß er selber aber nichtmehr in ihr redet und wirkt? – Es wird in Pfarrerkreisen oft Klage erhoben, daß der moderne Mensch von der kirchlichen Seelsorge abgewandert ist zum Psychiater, zum Graphologen, zum Briefkastenonkel, zum Pendler und Hellseher. Mit dieser Klage deuten wir einmal an, daß wir Pfarrer uns als die allein legitimen Seelsorger betrachten, verraten damit aber gleichzeitig, daß vorher im geheimen ein ganz anderer aus der kirchlichen Seelsorge abgewandert ist. – Und hier bricht nun die ganze Krisis unserer landeskirchlichen – und wohl auch freikirchlichen – Seelsorge auf. Ist das, was wir mit der Etikette »Seelsorge« überkleben, ist das Seelsorge Jesu Christi selber? Inwiefern ist unsere Seelsorge echt und also Seelsorge Jesu Christi? Ist unser Mund Christi Mund, unsere Hand Christi Hand, unser Fuß Christi Fuß? Hat Christas Gestalt angenommen in uns? Haben wir den Heiligen Geist? Ist das, was wir Gemeinde nennen, ist das Leib Christi? Ist unsere Seelsorge die Seelsorge Jesu Christi selber? Ist in unserer Seelsorge der am Werk und am Sprechen, der gekommen ist, die Mühseligen und Beladenen zu sich zu rufen, und der wiederkommen wird, alle Tränen abzuwischen? Ist unsere Seelsorge vollmächtig oder ohnmächtig?

Was tun, wenn Versammlungen untersagt sind?

In dem Buch Das Spalier und der Weinstock plädieren die Autoren dafür, in der Gemeindearbeit nicht so sehr auf Programme zu setzen. Vielmehr komme es darauf an, eine evangeliumszentrierte Mitarbeiterkultur fördern.

Das Buch schließt mit einem Beispiel, das angesichts der Ausbreitung des Coronavirus Covid-19 besondere Aktualität erhält (Colin Marshall u. Tony Payne, Das Spalier und der Weinstock, Betanien, 02015, S. 186–188):

Stellen Sie sich vor …

Während wir dieses Buch schreiben, machen die ersten besorgniserregenden Anzeichen einer Schweinegrippe-Pandemie in aller Welt Schlagzeilen. Stellen Sie sich vor, die Pandemie würde in Ihrem Teil der Welt grassieren und die Regierung würde aus Gründen des Gesundheitsschutzes und der öffentlichen Sicherheit alle öffentlichen Versammlungen von mehr als drei Personen verbieten. Und nehmen wir an, dass dieses Verbot aufgrund irgendeiner katastrophalen Kombination lokaler Umstände 18 Monate lang in Kraft bliebe.

Wie würde Ihre Gemeinde von 120 Mitgliedern dann weiter funktionieren – ohne regelmäßige Gemeindeversammlungen jeder Art und ohne Hauskreise (ausgenommen Gruppen bis drei Personen)?

Was würden Sie als Gemeindehirte tun?

Ich schätze, Sie könnten Ihren Gemeindemitgliedern Briefe und E-Mails schicken, Sie könnten Sie anrufen und vielleicht sogar einen Podcast bereitstellen. Wie aber würde die regelmäßige Arbeit des Lehrens, Predigens und der Seelsorge stattfinden? Wie könnte man die Gemeinde weiter anspornen, in Liebe und in guten Werken auszuharren, besonders unter solch widrigen Umständen? Und was wäre mit dem Evangelisieren? Wie könnte man neue Kontakte knüpfen, das Evangelium weitergeben und Neubekehrte im Glauben festigen? Es gäbe kein Männerfrühstück, keinen Morgenkaffee, keine evangelistischen Kurse oder Evangelisationen. Nichts.

Sie könnten natürlich zu der althergebrachten Praxis der Hausbesuche bei Ihren Gemeindegliedern zurückkehren und in der Umgebung Klinkenputzen gehen, um neue Kontakte zu knüpfen. Wie aber sollten Sie als Gemeindehirte jeden der 120 Erwachsenen in Ihrer Gemeinde besuchen und belehren, geschweige denn deren Kinder? Geschweige denn, in der Wohngegend alle Türen abzuklappern? Geschweige denn, allen Kontakten nachzugehen, die dabei entstanden sind?

Nein; in einer solchen Situation bräuchten Sie Hilfe. Sie müssten mit zehn Ihrer geistlich reifsten Männer anfangen und sich während der ersten beiden Monate mit jeweils zwei von ihnen zu einem intensiven Gespräch treffen (dabei blieben Sie mit allen anderen per Telefon und E-Mail in Kontakt). Sie würden diese zehn Männer darin trainieren, wie man die Bibel studiert und wie sie sich mit einem oder zwei weiteren Gläubigen treffen können, um dasselbe zu tun und sie auch zu Familienandachten anzuleiten. Diese Männer hätten dann eine doppelte Aufgabe: ihrer Frau und Familie als »Pastor« zu dienen, indem sie gemeinsam regelmäßig die Bibel lesen und beten, sowie sich mit vier weiteren Männern zu treffen, um sie zu schulen und zu ermutigen, dasselbe zu tun. Wenn 80 % Ihrer Gemeindeglieder verheiratet sind, würden die meisten verheirateten Erwachsenen durch diese ersten zehn Männer und durch die, die sie nachfolgend trainieren, regelmäßig auf biblischer Grundlage ermutigt.

Währenddessen (und während Ihrer zusätzlichen Telefon-und E-Mail-Seelsorge), könnten Sie die nächste Gruppe aussuchen, die Sie persönlich unterweisen – also Leute, die sich mit Singles treffen könnten, oder die fähig sind, von Haus zu Haus zu evangelisieren, oder Leute, die gut darin sind, neuen Kontakten nachzugehen.

Das wären eine Menge persönlicher Kontakte und eine Menge entsprechender persönlicher Treffen. Aber bedenken Sie: Es würden keine Gottesdienste abgehalten, keine Komitees tagen, keine Gemeinderatssitzung, kein Seminar würde stattfinden, ebenso keine Hauskreise, keine Mitarbeiterbesprechungen – ja, in der Tat überhaupt keine Gruppenaktivitäten oder Veranstaltungen welcher Art auch immer, die organisiert, durchgeführt, wofür die Werbetrommel gerührt oder die besucht werden müssten. Einfach nur persönliches Lehren und Jüngermachen und Ihre Gemeindeglieder trainieren, selbst Jüngermacher zu werden.

Da stellt sich die interessante Frage: Wenn das Versammlungsverbot nach 18 Monaten wieder aufgehoben würde und die Sonntagsgottesdienste und alle weiteren Versammlungen und Aktivitäten des Gemeindelebens wieder aufgenommen werden können, was würden Sie dann anders machen?

VD: AW

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