Praktische Theologie

Der christliche Glaube in Nordamerika

Was glauben die Menschen in den USA über Gott, Jesus Christus, Sünde und Ewigkeit? Ligonier’s „State of Theology“- Umfrage hilft, Antworten auf diese Fragen zu finden. Alle zwei Jahre messen Ligionier und LifeWay-Research die theologischen Überzeugungen in den Vereinigten Staaten, um Christen zu helfen, die heutige Kultur besser zu verstehen.

Die Ergebnisse der Umfrage 2018 wurde vor einigen Tagen veröffentlicht. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse kann hier heruntergeladen werden: Ligonier-State-of-Theology-2018.pdf.

Der Gottesdienst und die Psalmen

Dietrich Bonhoeffer schreibt (Gemeinsames Leben; Das Gebetbuch der Bibel, Werkausgabe, Bd. 5, S. 115–116, unter Logos):

In vielen Kirchen werden sonntäglich oder sogar täglich Psalmen im Wechsel gelesen oder gesungen. Diese Kirchen haben sich einen unermeßlichen Reichtum bewahrt, denn nur im täglichen Gebrauch wächst man in jenes göttliche Gebetbuch hinein. Bei nur gelegentlichem Lesen sind uns diese Gebete zu übermächtig in Gedanken und Kraft, als daß wir uns nicht immer wieder zu leichterer Kost wendeten. Wer aber den Psalter ernstlich und regelmäßig zu beten angefangen hat, der wird den anderen, leichten, eigenen „andächtigen Gebetlein bald Urlaub geben und sagen: ach, es ist nicht der Saft, Kraft, Brunst und Feuer, die ich im Psalter finde, es schmeckt mir zu kalt und zu hart“ (Luther).

Wo wir also in unseren Kirchen die Psalmen nicht mehr beten, da müssen wir den Psalter um so mehr in unsere täglichen Morgen- und Abendandachten aufnehmen, jeden Tag mehrere Psalmen möglichst gemeinsam lesen und beten, damit wir mehrmals im Jahr durch dieses Buch hindurchkommen und immer tiefer eindringen. Wir dürfen dann auch keine Auswahl nach eigenem Gutdünken vornehmen, damit tun wir dem Gebetbuch der Bibel Unehre und meinen besser zu wissen, was wir beten sollen, als Gott selbst. In der alten Kirche war es nichts Ungewöhnliches, „den ganzen David“ auswendig zu können. In einer orientalischen Kirche war dies Voraussetzung für das kirchliche Amt. Der Kirchenvater Hieronymus erzählt, daß man zu seiner Zeit in Feldern und Gärten Psalmen singen hörte. Der Psalter erfüllte das Leben der jungen Christenheit. Wichtiger als dies alles aber ist, daß Jesus mit Worten der Psalmen auf den Lippen am Kreuz gestorben ist.

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Eine praktische Lektion in der Dämonenkunde

Eowyn Stoddard berichtet über Erfahrungen mit der finsteren Welt:

Nach wenigen Monaten auf „unserem“ Missionsfeld – einer postkommunistischen, toten, atheistischen Region – waren meine Familie und ich geschockt. Nein, kein Kulturschock, obwohl es davon einiges gab. Es war der Schock, dämonischen Kräften zu begegnen, die über unser Verstehen hinausgingen.

Zahlreiche seltsame Dinge waren passiert: Urin war literweise in unseren Kinderwagen gegossen worden, Blut war an unsere Wohnungstür geschmiert worden, ein kleines Loch war in die Vordertür gebohrt worden, was auf einen geplanten Einbruch hindeutete (das Loch wurde benutzt, um eine kleine Kamera einzuführen), viel Krankheit, wenig Schlaf für alle von uns und sogar das Gefühl einer bösen Gegenwart in unserem Schlafzimmer.

Zuerst dachten wir, dass wir nur fantasieren, aber der schaurige Höhepunkt waren die Alpträume, die unseren zweijährigen Sohn plagten.

Mehr hier: www.evangelium21.net.

3 Fragen für Alistair Begg

Alistair Begg hat drei Fragen zu seinem Dienst beantwortet. Die erste Frage lautet: „Was ist Ihre Methode der Predigtvorbereitung?“.

Die Antwort:

Wann immer ich gebeten werde, meine eigene Vorbereitungsmethode zusammenzufassen, erwähne ich die folgenden Punkte, die ich von einem alten Pfarrer gelernt habe, als ich noch Theologiestudent war. Fünf Schritte oder Hinweise, die ich gerne im Hinterkopf behalte: Denke dich leer, lese dich voll, schreibe dich klar, bete dich heiß und sei du selbst, aber predige dich nicht selbst.

Diese Hinweise helfen mir, mich von Anfang bis Ende zu konzentrieren. Abgesehen von der wesentlichen Ermächtigung des Heiligen Geistes, ist dieser eine Aspekt der Predigtvorbereitung am engsten mit der Redegewandtheit und der Wirkung bei der Präsentation verbunden ist: Die Freiheit auf der Kanzel hängt von einer sorgfältigen Organisation des Textstudiums ab. Ein guter Lehrer macht den Weg frei, erklärt den Weg und geht dann auf dem Weg.

Die anderen Antworten gibts hier: equip.sbts.edu.

Entscheidungschristentum

Reinhard Bingener in der FAZ (15.08.2018, Nr. 188, S. 1):

Die Evangelische Kirche in Deutschland wartete vor kurzem mit einer bemerkenswerten Rechnung auf. Bei der Vorlage ihrer jährlichen Statistik rechnete die EKD vor, mit 180 000 Taufen und 25 000 Eintritten seien im Jahr 2017 abermals mehr Menschen in die evangelische Kirche eingetreten als aus ihr ausgetreten. Formal betrachtet, ist diese Rechnung korrekt. Der Sache nach handelt es sich aber um Schönfärberei, die einer Kirche unwürdig ist. Der tatsächliche Saldo wird nämlich erst sichtbar, wenn man den 25 000 Eintritten die 200 000 Austritte entgegenhält und den 180 000Taufen die 350 000 Todesfälle. Dann wird auch erkennbar, dass die evangelische Kirche von zwei etwa gleich starken Entwicklungen in die Zange genommen wird: von einer stark negativen demographischen Entwicklung und von der weiterhin hohen Zahl von Austritten.

„Gott ist für mich nicht allmächtig“

Pastorin Jil Becker hat ihren Gemeindedienst aufgegeben und kümmert sich nun um den Nachwuchs ihrer Landeskirche. In einem TAZ-Interview gewährt sie Einblicke in ihren Glauben und ihre Vorstellungen vom Dienst in der Gemeinde. Manches wirkt sympathisch und nachvollziehbar. Aber sie macht ebenso Aussagen, die Sympathien für jene wecken, die ihrer Kirche den Rücken kehren oder gar davor warnen, so eine Landeskirche überhaupt noch zu unterstützen.

Gott wird kleingemacht, etwa durch Sätze wie:

Gott ist für mich nicht allmächtig, jedenfalls nicht in dem Sinne, als dass er beeinflussen könnte, ob jemand an Krebs erkrankt oder nicht. An solche Wunder glaube ich nicht.

Mehr: www.taz.de.

VD: SL

Tim Keller: Vier Fragen, die wir klären sollten?

Tim Keller rät der PCA (Presbyterian Church in America), sich in den nächsten Jahren mit vier praktisch-theologischen Fragen auseinanderzusetzen (als Forschungsthemen):

  • das fehlende Gebet im Leben von Pastoren;
  • der Umgang mit Kontroversen im Zeitalter der Sozialen Medien;
  • die biblische Unterweisung von Jugendlichen, die stark von den kulturellen Narrativen unserer Zeit geprägt sind;
  • die (Wieder)-Entwicklung einer evangelistischen Gemeindekultur angesichts einer immer kritischer werdenden Öffentlichkeit.

Ich vermute, dass diese Fragen auch in anderen Bünden und Ländern von großer Bedeutung sind.

Also reinhören:

VD: ES

Woher kommt die Kraft, die die Kirche braucht?

Abraham Kuyper schreibt über das Wirken des Heiligen Geistes in der Kirche (Das Werk des Heiligen Geistes, New York; London: Funk & Wagnalls, 1900, S. 184-185):

Die Kirche hat eine Berufung in der Welt. Sie wird nicht nur von den Mächten dieser Welt, sondern vielmehr von den unsichtbaren Mächten des Satans gewaltsam angegriffen. Ohne Pause. Indem er leugnet, dass Christus gesiegt hat, glaubt Satan, dass die Zeit, die ihm bleibt, ihm noch Siege bringen kann. Daher seine rastlose Wut und seine unaufhörlichen Angriffe auf die Ordnungen der Kirche, sein ständiges Bemühen, sie zu spalten und zu verderben, und seine immer wiederkehrende Leugnung der Autorität und des Königtums Jesu in seiner Kirche. Obwohl es ihm nie ganz gelingen wird, gelingt es ihm bis zu einem gewissen Grad. Die Geschichte der Kirche in jedem Land zeigt es; sie beweist, dass ein zufriedenstellender Zustand der Kirche sehr außergewöhnlich und von kurzer Dauer ist und dass ihr Zustand acht von zehn Jahrhunderten lang traurig und bedauernswert ist, was für das Volk Gottes Schande und Leid bedeutet.

Und doch hat sie in dieser ganzen Auseinandersetzung eine Berufung, eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen. Sie kann manchmal darin bestehen, wie bei Hiob gesiebt zu werden, um zu zeigen, dass durch das Gebet Christi der Glaube in seinem Schoß nicht zerstört werden kann. Aber was auch immer die Form der Aufgabe ist, die Kirche braucht immer geistliche Kraft, um sie zu erfüllen; eine Kraft, die nicht aus ihr selbst kommt, sondern die der König schenken muss.

Jedes Mittel, das der König für seine Arbeit zur Verfügung stellt, ist ein Charisma, ein Geschenk der Gnade. Daher die interne Verbindung zwischen Arbeit, Büro und Gabe.

Deshalb sagt der heilige Paulus: „Jedem wird die Manifestation des Geistes gegeben, um damit zu profitieren“, d.h. zu Wohl aller [in der Gemeinde] (πρὸς τὸ συμφέρον) (1Kor 12,7). Und dann noch deutlicher: „So sucht auch ihr, da ihr auf geistliche Gaben eifrig seid, dass ihr euch zur Erbauung der Kirche erhebt“ (1Kor 14,12). Daher die Bitte „Dein Reich komme“, die der Heidelberger Katechismus so auslegt: „Regiere uns durch dein Wort und deinen Geist, dass wir dir je länger, je mehr gehorchen. Erhalte und mehre deine Kirche und zerstöre die Werke des Teufels und alle Gewalt, die sich gegen dich erhebt, und alle Machenschaften, die gegen dein heiliges Wort erdacht werden, bis die Vollendung deines Reiches kommt, in dem du alles in allen sein wirst.“

Es ist daher falsch, das Leben der einzelnen Gläubigen zu sehr isoliert zu betrachten und es vom Leben der Kirche zu trennen. Sie existieren nicht für sich, sondern in Verbindung mit dem Leib und so werden sie Teilhaber der geistlichen Gaben. In diesem Sinne bekennt der Heidelberger Katechismus die Gemeinschaft der Heiligen: „Erstens: Alle Glaubenden haben als Glieder Gemeinschaft an dem Herrn Christus und an allen seinen Schätzen und Gaben. Zweitens: Darum soll auch jeder seine Gaben willig und mit Freuden zum Wohl und Heil der anderen gebrauchen.“ Das Gleichnis von den Talenten hat das gleiche Ziel; denn der Diener, der mit seinem Talent anderen nicht geholfen hat, erhält ein schreckliches Urteil. Auch das verborgene Geschenk muss gehoben werden, wie der heilige Paulus sagt; nicht, um damit zu prahlen oder unseren Stolz zu nähren, sondern weil es dem Herrn gehört und für die Gemeinde bestimmt ist.

Johannes schreibt: „Ihr habt eine Salbung vom Heiligen, und ihr wisst alle Dinge“ (1Joh 2,20), und: „Ihr braucht nicht, dass euch jemand lehrt“ (1Joh 2,27). Das bedeutet nicht, dass jeder einzelne Gläubige die volle Salbung besitzt und aufgrund dessen alles weiß. Denn wenn das so wäre, wer würde nicht an der Erlösung verzweifeln, noch wagen zu sagen: „Ich habe Glauben“? Und wie könnte die Aussage „Ihr braucht nicht, dass euch jemand lehrt“ mit dem Zeugnis desselben Apostels versöhnt werden, dass der Heilige Geist die von Jesus selbst ernannten Lehrer qualifiziert? Nicht der einzelne Gläubige, sondern die ganze Kirche als Leib besitzt die volle Salbung des Heiligen und weiß alles. Die Kirche als Leib braucht niemanden, der kommt, um sie von außen zu lehren; denn sie besitzt den ganzen Schatz der Weisheit und des Wissens, indem sie mit dem Haupt vereint ist, das die Herrlichkeit Gottes widerspiegelt und in dem alle Weisheit wohnt.

Spiritualität in und Kirche out

Auf der Bundesratstagung der Baptisten sprach in diesem Jahr Prof. Tobias Faix von der CVJM-Hochschule in Kassel zur Frage, wie von der Kirche entfremdete Menschen noch erreicht werden können. Die Antwort: Die Kirche müsse selbstkritischer werden, die übernommenen Lehren stärker hinterfragen. Wir bräuchten eine größere Offenheit für die Wirklichkeit des Unglaubens. In einer Pressemitteilung des Bundes ist zu lesen:

Um die Situation der Kirchen in diesem neuen Kontext zu verdeutlichen verwendete Faix das Bild einer Brücke, die neben einem Fluss steht, der seinen Flusslauf geändert hat: „Wir können die Brücke renovieren und schön anmalen, zum Beispiel durch modernen Lobpreis. Die Brücke führt dennoch nicht mehr über den Fluss.“ Stattdessen müssten wir unsere bisherigen Dogmen und Lehren hinterfragen, um die Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit zu erreichen. Konkret wurde Faix bei klassischen Formen der Verkündigung. So sei beispielsweise die Rede von Schuld und Vergebung vielen Menschen fremd, da kein Schuldbewusstsein vorliege. Der Begriff Sünde werde als ethisch-bevormundend wahrgenommen und auch Kampfesmetaphorik, zum Beispiel der Kampf Gut gegen Böse, entspreche nicht dem pluralistischen Zeitgeist. Diese biblischen Botschaften seien für die Menschen von heute nicht mehr verständlich. Es bedürfe daher neuer Wege der Verkündigung, um die Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit zu erreichen, so Faix. Gerade in der Leistungsgesellschaft seien die Themen Scham und Ausgrenzung hochaktuell. Der Mensch werde durch seine Arbeit, sein Aussehen oder seinen Verstand beurteilt, wie befreiend sei da die Rede von der bedingungslosen Annahme Christi und die gelebte Annahme von Menschen jeglicher Herkunft in den Ortsgemeinden. Christen sollten „die Sprengkraft des Kreuzes nutzen“, um bei und mit den Menschen zu sein und „anfassbar“ zu werden. Kirche dürfe nicht darin bestehen, innerhalb der eigenen vier Wände die immergleichen Dogmen rauf- und runter zu beten. Stattdessen sollten Christen ihr Umfeld sehr aufmerksam beobachten, zuhören und auf die Lebenswelt der Menschen eingehen. Es gehe nicht darum, das eigene Verständnis der biblischen Botschaft zu relativieren, sondern durch eine Haltung der Offenheit das Evangelium neu vorzuleben und verständlich zu machen. Dass dabei auch Altes hinterfragt und neu durchdacht wird, solle nicht als Gefahr verstanden werden, sondern als Aufgabe, das Evangelium lebendig in einen neuen Kontext einzupflanzen.

Nun, es gibt dazu eigentlich nicht viel zu sagen. Vieles erinnert an Vorträge, die Brian McLaren vor 11 Jahren in Deutschland gehalten hat. Die alten Wege seien zu verlassen. Wir sollten uns selbst in den Augen der vom Glauben entfremdeten Menschen attraktiv machen. Es geht nicht um Schwerpunktverlagerungen in der Evangeliumsverkündigung, sondern um die Kompatibilität von Verkündigung und dem Bedürfnishorizont des Menschen, der fern von der Kirche lebt. Wer das glaubt, wird selig.

Ich habe vor 11 Jahren auf McLarens Thesen geantwortet und will an dieser Stelle nochmals darauf verweisen: fta-emch-101.pdf.

Sollten Pastoren ihre Predigten ins Netz stellen?

Sollten Pastoren ihre Predigten ins Netz stellen? Ja und Nein. Die Predigt-Podcasts können ein Segen sein, aber sie können auch betören. So halten Predigtmitschnitte etliche Kirchenmitglieder davon ab, am Sonntag die Ortsgemeinde aufzusuchen und mit anderen Gottesdienst zu feiern. Für andere, die wegen Krankheit und oder anderer Malaisen nicht zum Gotttesdienst kommen können, sind die Mitschnitte hingegen eine erbauliche Fügung.

Was Jake Meador gesagt hat, verdient ebenfalls Beachtung:

Die größere Zuhörerschaft im digitalen Zeitalter verleitet uns dazu, uns zu wichtig zu nehmen und mit der Menschenmenge anstatt mit unserer Gemeinschaft zu kommunizieren. Predigt-Podcasts machen unsere Pastoren zu Medienmarken und verlagern das Anliegen der Botschaft weg von der Ortsgemeinde, die eine der letzten Formen nicht-kommerzieller lokaler Gemeinschaft ist, die viele von uns kennen. Wenn Stolz die große Sünde ist, dann ist Demut eine der großen Tugenden, die Christen schützen sollten, auch wenn die Welt in eine andere Richtung zieht.

Mehr hier: www.christianitytoday.com.

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