„Gott ist für mich nicht allmächtig“

Pastorin Jil Becker hat ihren Gemeindedienst aufgegeben und kümmert sich nun um den Nachwuchs ihrer Landeskirche. In einem TAZ-Interview gewährt sie Einblicke in ihren Glauben und ihre Vorstellungen vom Dienst in der Gemeinde. Manches wirkt sympathisch und nachvollziehbar. Aber sie macht ebenso Aussagen, die Sympathien für jene wecken, die ihrer Kirche den Rücken kehren oder gar davor warnen, so eine Landeskirche überhaupt noch zu unterstützen.

Gott wird kleingemacht, etwa durch Sätze wie:

Gott ist für mich nicht allmächtig, jedenfalls nicht in dem Sinne, als dass er beeinflussen könnte, ob jemand an Krebs erkrankt oder nicht. An solche Wunder glaube ich nicht.

Mehr: www.taz.de.

VD: SL

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35 Comments
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Jo
Jo
1 Jahr zuvor

Würden Sie sagen, dass Gott Krebs verursacht?

Schandor
Schandor
1 Jahr zuvor

Sie sagt etwas über das aus, was sie glaubt und was nicht. Wen muss das kümmern? Ich kenne jemanden, der glaubt nicht einmal daran, dass es Gott gibt. Sollte ich schockiert sein?

@Jo
O über die Handlungstheorien … 😉

Müssen wir erstaunt darüber sein, wenn jemand vom Glauben abfällt? Was, wenn er nichts vom Beharren der Heiligen weiß und deshalb abfällt? Bibelstellen gibt es genug für beide Seiten, da muss man sich halt entscheiden … oder irre ich mich da?

Rudolf Drabek
1 Jahr zuvor

Selbstverständlich hat Gott auf einen winzigen Teil seiner Allmacht von sich aus verzichtet um uns den Freien Willen zu ermöglichen. Mit all den verbundenen Konsequenzen wie z.B. Leid und auch Krebs, als auch Evolution. Und er greift nicht ein, sonst wäre es ja in sich nicht konsistent. Würde er eingreifen, so wären wir ja Marionetten, die Gott sicherlich nicht will. Aber er hat uns Alles was wir brauchen mitgegeben, auch wenn wir es to date noch nicht entdeckt haben. Aber all das steht ja nicht, zumindest für mich nicht erkennbar, in der Bibel. In letzter Konsequenz heisst dies, dass sich… Weiterlesen »

Schandor
Schandor
1 Jahr zuvor

@Rudolf Dazu braucht Gott nicht auf seine Allmacht zu verzichten – ein solcher Gedanke ist nicht nur absurd, sondern geradezu lächerlich: Alles was geschieht, kann nur geschehen, weil und insofern Gott wirkt. Was meinen Sie mit „freiem Willen“? 1) Handlungsfreiheit (ich kann tun, was ich will, im Sinne von: niemand hindert mich)? 2) Psychologische Willensfreiheit: Ich werde auch von innen nicht gezwungen, so oder anders zu handeln, wie z. B. der Getriebene oder ein Mensch mit Zwangsstörungen? 3) Libertäre Willensfreiheit: Mein Wille hängt von nichts ab 4) Echte Willensfreiheit: Ich kann tun, was Gott will und was ihm gefällt? Meine… Weiterlesen »

FrankS
FrankS
1 Jahr zuvor

Interessant ist die Meldung wohl nur, weil sich die genannte Dame um den Nachwuchs der Kirche kümmert. Aber selbst das ist keine Nachricht, da längst kein Einzelfall mehr.

Kinder und Jugendliche die von solchen Personen geprägt wurden, muss man danach das Vertrauen in Gott wieder stärken bzw. erst einmal wecken. Dabei geht es nicht nur um Gottes Macht Krankheiten zu heilen.

Jo
Jo
1 Jahr zuvor

Also ist Gott an allem Leid direkt verantwortlich, weil er es so determiniert?

Jo
Jo
1 Jahr zuvor

Er kann Krankheiten senden, er kann sie zulassen und er kann sie heilen, sagtest du.
Anders gesagt, es liegt in Gottes Hand, ob jemand an einer Krankheit leidet oder nicht.
Oder verstehe ich das falsch?

Ich will nicht sagen, dass ich voll auf der Seite Jil Becker stehe. Wenn sie wirklich dafür plädiert, dass Gott gegenüber Krankheiten ohnmächtig ist, dann ist das schon schwierig.

Aber ich verstehe eine Kritik an einem Verständnis von Allmacht, wo Gott theoretisch alles machen könnte, es aber nicht tut, weil er einen größeren Plan hat. Solche Theologie bagatellisiert Leid damit.

Anton
Anton
1 Jahr zuvor

Ist auch ein Unglück in der Stadt, dass der HERR nicht tue? (Amos 3,6)

Schandor
Schandor
1 Jahr zuvor

@Jo Das ist das Theodizeeproblem. Es hat zwei Seiten: eine logische, eine emotionale. Du sprichst den emotionalen Aspekt an (Stichwort: Bagatellisierung). Und da triffst Du genau den Punkt. Schwieriger wird es, wenn man Gott anthropomorph beurteilen möchte, also unbewusst so tut, als sei Gott auch nur ein Mensch, wenngleich ein unfassbar mächtiger, und dann stünde er zurecht auf der Anklagebank. Ist er aber Gott, so ist er der, der die Bedingung für das Mögliche selbst erst schafft. Die Theodizee versucht, Gott zu ent-schuldigen –– so als sei er irgendwie am Leid der Welt schuld. Das bürdet man der Logik aber… Weiterlesen »

Theophil Isegrim
Theophil Isegrim
1 Jahr zuvor

80% ihres Glaubenlebens besteht aus Zweifel. Das ist ok, daß sie so freimütig darüber redet. Aber dann ist sie für den Job als Hirte nicht geeignet. Ist sie per se als Frau schon nicht. Und das macht es nicht besser. So wird aus der Landeskirche nix mehr.

Auf idea habe ich gelesen die Evangelische Allianz hat nun ein neues Projekt gestartet, um mehr Frauen in Leitungspositionen zu bringen. Das hat ja bei der Landeskirche schon so gut funktioniert und die Kirche neu belebt. Da will man nun wohl auch auf dem Pfad des Erfolges wandeln. 😉

Jo
Jo
1 Jahr zuvor

Erstens: „hübsche Jilli“; das muss wirklich nicht sein. Wie hätten Sie in einem Interview geantwortet? „Ja, das ist scheinheilig, sie sollten sich nicht Christin nennen.“ Sie hat sich für einen wertschätzenden Weg entschieden, der, ohne die Person weiter zu kennen, sich kein Urteil darüber erlaubt, ob die Frau ein scheinheiliges Christentum lebt. Ob es ihr wirklich so egal ist, wie oft jemand zum Gottesdienst kommt, wenn er Christ ist/wird, wäre nochmal ein anderes Thema. Oder? Den „Viktor-Frankl-Trick“ verstehe ich leider nicht. Ich habe mir die Seite angeschaut (https://de.reasonablefaith.org/schriften/popularwissenschaftliche-schriften/das-problem-des-uebels). Da kommen die Klassiker-Argumente: 1.der Zweck heiligt die Mittel, Gott nimmt das… Weiterlesen »

Hans
Hans
1 Jahr zuvor

Test
edit: darf ich als Jo nicht mehr kommentieren?

Rolf
Rolf
1 Jahr zuvor

Das entspricht dem, woran im Mittelalter ganze Priesterseminare verzweifelten:
Kann Gott einen Stein schaffen, der so schwer ist, dass er ihn nicht heben kann?
So ähnlich kommt mir die Aussage der Pastorin vor. (fällt unter übr. unter Paradoxien)
BG
Rolf

Schandor
Schandor
1 Jahr zuvor

@Jo Ich wollte durch den Neologismus „Scheinheiligenfragerin“ dezidiert auf die eine Frage jener Kirchenbesucherin hinweisen, damit Sie gleich wissen, worauf ich mich beziehe. Keinesfalls wollte ich jemanden als scheinheilig bezeichnen. Ich habe mich zu undeutlich ausgedrückt, bitte um Verzeihung. Lassen Sie mich bitte einen anderen Versuch starten, einen Versuch jenseits des Theodizeeproblems sozusagen, denn wer Theodizee betreibt, tut das doch so, als stünde er quasi außerhalb des Universums. Müsste eine gelungene Theodizee sich nicht über den Menschen und über Gott stellen? Aber wäre das nicht absurd – wie könnte eine Theodizee also gelingen? Wir können nicht einmal den Menschen vollständig… Weiterlesen »

Schandor
Schandor
1 Jahr zuvor

@Jo

Mein Kommentar geht leider nicht durch. Vielleicht hängt er im Spamfilter.

Jo
Jo
1 Jahr zuvor

Ja, das scheint manchmal länger zu dauern, bis ein Kommentar durchkommt… Zunächst ist Theodizee doch die Problemanzeige, oder? Und klar, da ist der Hinweis auf jeden Fall wichtig, dass wir keinen Gottesstandpunkt haben und nur begrenzt Dinge, die Gott betreffen, verstehen können. Aber auch ein Begriff von Omnipotenz wird doch von uns über Gott gestülpt und einfach als Teil von der Definition Gottes hingenommen bzw. vorausgesetzt. Daher vielleicht die Frage, was verstehst du darunter, dass Gott allmächtig ist? Und weshalb ist es dir ein Merkmal, von dem du ausgehst? Ich bin gerade nicht sicher, ob ich es oben schon gesagt… Weiterlesen »

Jo
Jo
1 Jahr zuvor

Leider kommt meine Antwort gerade nicht…

Jo
Jo
1 Jahr zuvor

1) Die Frage ist ja, ob Gott die theoretische Macht hätte, alle Krankheiten von jetzt auf gleich zu heilen, er es aber aus Gründen seiner Vorsehung/seines Planes nicht tut. Wie du sagst, dass die Bibel davon berichtet, dass Gott Krankheiten schickt, muss ja nicht heißen, dass Gott alle Krankheiten einfach kontrolliert. 3) Wie gesagt, ich bin ja nicht dagegen zu sagen, dass Gott mächtig ist. Und ich denke, er hat die größte Macht, die es gibt und daher kann ich auch gut sagen, dass Gott allmächtig ist. Die Frage bleibt, wie man diese Macht definiert und ob Gott alles Denkbare… Weiterlesen »

Jo
Jo
1 Jahr zuvor

Kein Kommentar zu El Shaddai?

Und warum dann die große Empörung an der Aussage von Jil Becker?
Die Vorstellung, dass Gott gar nicht und nie Autor von Krebserkrankungen ist?

Jo
Jo
1 Jahr zuvor

Wenn die Wörterbücher/Lexika keinen Hinweis darauf geben, dass die Wortbedeutung von Shaddai unklar ist, dann halte ich das für sehr schwierig. Aber wenn du es für treffend hältst, in Ordnung. Ich frage mich nur, auf welcher Grundlage…

Sie grenzt sich ja von einem bestimmten Allmachtsbegriff ab, oder? Das heißt nicht, dass sie das Glaubensbekenntnis nicht mehr sprechen kann. Viele Christen sprechen ja auch mit, dass sie an die „Gemeinschaft der Heiligen“ glauben und denken da an etwas ganz anderes als die damaligen Verfasser…

Schandor
Schandor
1 Jahr zuvor

@Jo Was Gott denkt, tut er auch und will er auch. Seine Allmacht ist keine Frage der Möglichkeit, sondern eine Sache der Wirklichkeit. Gottes Wirken ist immer und überall, so dass nichts geschieht, was außerhalb dieser Wirklichkeit steht. Deine Frage unter 1) ist seltsam. Sie gleicht der Frage, ob Du „die theoretische Macht“ hättest, etwas anderes zu wollen als Du willst. Also nicht: ob Du etwas anderes tun könntest, als Du willst, sondern ob Du etwas anderes wollen könntest, als Du willst. Darf ich Dich bitten, mal über diese Frage nachzudenken? Sie wird Dich vermutlich zur Erkenntnis führen: Nein, das… Weiterlesen »

Stephan
Stephan
1 Jahr zuvor

Lange Diskussion hier …, ich versuche mal etwas aus der Lebenserfahrung zeugnishaft beizusteuern. Grundsätzlich sind ja für den Menschen die größten empfundenen Leiden z.B. Krankheiten, der Tod eines lieben Menschen, materielle Not ohne sichtbaren Ausweg, kurzum alle Dinge, von denen man meint, sie würden einem glücklichen Leben im Wege stehen. Das größte Leiden jedoch wäre ein ewiges Leben in der Gottesferne, der ewige Tod. Aber da der Mensch wenig weitsichtig ist und handelt, dreht es sich ja zumeist nur um das, was vor Augen ist. Mein Vater ist relativ früh verstorben, absehbar nach einem Krebsleiden. Wäre das nicht passiert, gäbe… Weiterlesen »

Rudolf Drabek
1 Jahr zuvor

@Schandor

Wir werden nicht zueinander kommen. Sie sind scheinbar gerne eine Marionette.
Leid kommt von Gott und ist gewollt, wenn ich sie richtig verstehe?

Im Übrigen gebe ich kein Urteil über ihre Ansichten ab.

Matze
Matze
1 Jahr zuvor

Kurz nach der Tsunami- Katastrophe in Asien wurde in der betroffenen Gegend in einem der folgenden Gottesdienste über Röm 8,20-22 gepredigt. Daraus folgt für mich folgendes – Wir leben in einer gefallenen Schöpfung. Da kommt Leid vor. Ob das nun von Gott gewollt, zugelassen oder an ihm vorbeigeht ist eigentlich in der Konsequenz egal. Ich weiss, dass Leid geschieht und sich Dinge trotz Gebet nicht immer ändern. – Auf der andere Seite weiss ich, weil es in der Schrift steht und ich es selbst erlebt habe, dass Gott führt, heilt, errettet und auch Wunder tut. Ich weiss aber auch, dass… Weiterlesen »

Schandor
Schandor
1 Jahr zuvor

@Rudolf Drabek

Im ersten Satz haben Sie recht.

Und ja, ich bin scheinbar gerne eine Marionette.

Schandor
Schandor
1 Jahr zuvor

@Ron Drum hab ich ja auch „scheinbar“ geschrieben. Hätte Herr Drabek das Wörtchen „anscheinend“ geschrieben, ich hätte anders geantwortet. 😉 @Rudolf Drabek Was immer ich will, finde ich je und je in mir vor. Ich kann durch Introspektion ziemlich genau angeben, ob ich etwas will oder nicht. Die wahre Freiheit des Willens liegt darin, nein zum Bösen und ja zum Guten sagen zu können und diesen Willen dann auszuführen. Insofern möchte ich Ihnen recht geben: Ja, eine solche Willensfreiheit besteht (zuweilen). Doch auch wenn ich meinem Willen ein Veto entgegenhalte kann, ist er frei, insofern mein Wille manchmal will, was… Weiterlesen »

Rolf
Rolf
1 Jahr zuvor

@Schandor, gratuliere zu dieser Antwort.
Ich bin ein Fan von Peter Bieri und da Ihr Post von 7.39 schon so etwas wie Philosophie ist, hier ein Zitat von P. Bieri: „Warum sollen wir philosophieren? Damit wir uns im Leben nicht so oft verstolpern.“
Gruß
Rolf

Schandor
Schandor
1 Jahr zuvor

@Rolf
Herzlichen Dank für die Blumen!
LG, Schandor