Praktische Theologie

Seelsorge als Zeichen

Rudolf Bohren schreibt über Seelsorge im Angesicht des kommenden Gottesreiches (Dem Worte folgen, 1969, S. 100–101):

Wenn wir in der Fleischwerdung die Mitte und das Wesen göttlicher Seelsorge erblicken, so sehen wir im Reich das Ziel und die Vollendung aller Seelsorge. Jesus stellt den einzelnen vor das nahende Reich. Seine Seelsorge ist völlig bezogen auf dieses Reich. — Zwei Dinge sind hier deutlich zu machen.

Dieses Reich bedeutet einmal das Ende dieser Welt, das Ende nicht der Leiblichkeit, aber das Ende unserer fleischlichen Existenz. Dieses Reich bedeutet Weltuntergang, Weltende einerseits, Schöpfung einer neuen Erde und eines neuen Himmels andererseits. Das Ende des alten Menschen und die Vollendung des neuen Menschen. Und darum können Fleisch und Blut das Reich nicht ererben (1 Kor 15,50). Dieser welterneuemde Charakter des kommenden Reiches hat seine Konsequenz für die Seelsorge: weil die Heraufkunft des Reiches das vorläufige Ende aller Dinge bedeutet, darum ist die Seelsorge Jesu nicht Seelenpflege in dem Sinne, daß sie bloß seelische oder religiöse Bedürfnisse zu befriedigen sucht, denn die Welt der Seele gehört zu der Welt, die mit ihrer Lust und ihrem Weh vergeht. Darum finden wir bei Jesus so wenig seelsorgerischen Takt: da ist der arme Kerl, der von seinem Bruder übervorteilt wird, da ist der junge Mensch, der Kindespietät an seinen Eltern üben möchte; sie führen einen ganzen Reigen an von Fordernden und Fragenden, die abgewiesen werden. Der wahre Seelsorger kann merkwürdig »unseelsorgerlich« mit den Menschen umgehen. Der gute Hirte verhält sich vollkommen »unpastoral«. – Seelsorge Jesu ist nicht Seelenbedienung, ist vielmehr Konfrontation des Menschen mit dem Reich Gottes.

Weiterhin gilt es zu beachten: dieses Reich, dieses Ende aller Dinge, diese Neuschöpfung Himmels und der Erde, Jesus sagt es ausdrücklich, ist nahe herbeigekommen! Das steht jetzt vor der Tür. Das Kommen völliger Gerechtigkeit, völligen Friedens, völliger Freude, ist nun nicht mehr fern, nicht auf übermorgen zu erwarten, sondern schon auf morgen. Die Wiederkunft Christi ist unmittelbar zu erwarten; »denn jetzt ist uns die Rettung näher als zu der Zeit, in der wir gläubig wurden« (Röm 13,11). Weil das Reich kommt, darum gibt es Seelsorge. Seelsorge ist Zeichen der Reichsnähe.

Und damit haben wir den Ort unserer Seelsorge umschrieben: unsere Seelsorge kommt erst, nachdem die Seelsorge Gottes in der Fleischwerdung schon geschehen ist. Sie geschieht daraufhin, daß Gott bald universale Seelsorge üben und alle Tränen abwischen wird. Sie kann darum nur vorläufige Seelsorge sein, eine Unterhaltung im Vorzimmer gleichsam mit angespanntem Blick, das baldige Öffnen der Tür erwartend. Unsere Seelsorge ist dadurch bestimmt, daß die Zukunft des Himmelreiches auf uns zukommt, uns schon nahegerückt ist. Unsere Seelsorge ist eine Gestalt der Hoffnung, ein brüderlicher Gang in Gottes Zukunft hinein. Rechte Seelsorge ist darum immer »reichsunmittelbar«.

Augustinus über das Gebet

NewImageTim Keller schreibt in Beten (Gießen: Brunnen Verlag, 2016, S. 96–97):

Anicia Faltonia Proba (gest. 432) war eine römische Adlige, die Christin war und die sowohl Augustinus kannte, den größten Theologen der Alten Kirche, als auch Johannes Chrysostomos, den größten unter den alten Predigern. Uns sind zwei Briefe des Augustinus an Proba erhalten und der erste (sein Brief Nr. 130) ist die einzige seiner Schriften, die ausschließlich dem Thema „Gebet“ gewidmet ist. Proba hatte Augustinus um seinen Rat gebeten, weil sie Angst hatte, nicht richtig zu beten. Augustinus antwortete ihr mit einer kurzen, praktischen Anleitung zum Beten.

Augustinus’ erste Regel ist, dass der, der wissen will, um was und wie er beten soll, zunächst einmal eine bestimmte Art Mensch werden muss: „Aus Liebe zu diesem wahren Leben musst du dich also in dieser Welt als trostlos betrachten, so groß auch der Wohlstand sein mag, in dem du dich befindest.“ Dem Beter müssen die Schuppen von den inneren Augen fallen und er muss sich darüber klar werden, dass alle Schätze dieses Lebens ihm niemals den bleibenden Frieden, das Glück und den Trost bringen können, die es allein in Christus gibt. Wem dies nicht klar ist, dessen Beten ist gefährdet.

Hier wendet Augustinus eines der Grundprinzipien seiner Theologie auf das Beten an: Wir müssen erkennen, dass die Rangfolge der Dinge, die uns lieb sind, durcheinander geraten ist. Dinge, die wir erst an dritter oder vierter Stelle lieben sollten, haben sich auf den ersten Platz in unserem Herzen vorgeschoben. Eigentlich sollten wir Gott über alles lieben — doch in der Realität achten wir ihn zwar, aber seine Gunst und Gegenwart ist uns nicht so existenziell wichtig wie unser Bankkonto, Erfolg, Status, der nächste Urlaub oder das Glück in der Liebe. Solange uns nicht wenigstens bewusst wird, wie schief unser Herz hier liegt und wie sehr dies unser ganzes Leben prägt, werden unsere Gebete ein Teil unseres Problems sein und nicht seine Lösung. Wenn z.B. das, was uns in unserem Leben Frieden und Geborgenheit gibt, vor allem unsere finanzielle Absicherung ist, dann werden wir, wenn der Crash droht oder es keine Zinsen mehr gibt, zu Gott um Hilfe rufen, aber diese Gebete werden nicht viel mehr sein

Beten lernen als ein „Grübeln in Gottes Richtung“ und nach dem „Amen“ werden wir uns noch mehr Sorgen machen als vorher. Ein solches Beten wird uns keine Kraft geben; es wird nicht unser Herz heilen, indem es unsere Blickrichtung korrigiert und uns Gott als den wahren Anker unseres Lebens zeigt, bei dem wir Ruhe finden.

Augustinus fährt fort. Wenn ich also dieses Fundament gelegt habe — wenn ich begriffen habe, wie es um mein Herz steht und dass ich ohne Christus „trostlos“ bin -, dann kann ich anfangen zu beten. Aber um was soll ich beten? Ich kann mir vorstellen, dass Augustinus etwas ge-schmunzelt hat, als er Proba anwies, um das zu beten, worum jeder betet: „Bete um ein glückseliges Leben!“Aber wie bekomme ich denn ein glückseliges Leben?

Wenn ich Augustinus’ erste Grundregel (s. o.) verstanden habe, dann ist mir klar, dass alle Freuden, Annehmlichkeiten und Belohnungen dieses irdischen Lebens nur flüchtig und vorübergehend sind und meinem Herzen keine wirkliche Erfüllung geben können. Und Augustinus zitiert das gewaltige Gebet in Psalm 27,4: „Eines habe ich vom Herrn erbeten, das ist mein tiefster Wunsch: alle Tage meines Lebens im Haus des Herrn zu wohnen, um die Freundlichkeit des Herrn zu sehen …“ (NGÜ).

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Spurgeon-Konferenz 2016

Spurgeon 2016web 2In der Zeit vom 18. bis 21. Mai 2016 wird es in München wieder eine Spurgeon-Konferenz geben. Die Konferenz, benannt nach Charles Haddon Spurgeon, „the Prince of Preachers“, möchte Christen aufzeigen, wie sie Gottes Wort besser verstehen, auslegen und verkündigen können. Die Unterrichtseinheiten und Vorträge ermutigen, Gott beim Wort zu nehmen und es für die Zuhörer verständlich zu kommunizieren. In Gruppenarbeiten wird das Erlernte weiter vertieft und praktisch angewandt.

Wir freuen uns, dass in diesem Jahr Andrew Page das Johannesevangelium auslegen wird. Andrew Page ist Engländer. Er hat 20 Jahre in Österreich sowohl unter Studenten sowie als Pastor einer Baptistengemeinde in Innsbruck gearbeitet. 2007 kehrte er nach England zurück. Seine Arbeit hat jetzt zwei Schwerpunkte: Er setzt sich weltweit für das sogenannte Markus-Experiment (engl. „mark drama“) ein, bei dem 15 Christen aus einer Gemeinde oder einer Studentengruppe jede Begebenheit im Markusevangelium als Rundtheater aufführen. Außerdem ist ihm die Förderung der Auslegungspredigt ein großes Anliegen.

Die Konferenzsprache ist Deutsch. Die Teilnahmegebühr beträgt 60,- Euro.

Hier gibt es einen Flyer: spurgeon_2016we.pdf. Eine Möglichkeit zur Anmeldung gibt es auch: www.bucer.de.

Frauen im Dienst

Eowyn Stoddard, selbst seit vielen Jahren Missionarin in Berlin, hat für Evangelium21 mit einigen Frauen über ihren Alltag im geistlichen Dienst gesprochen.Es geht um Fragen wie: Wie geht eine ledige Missionarin mit Einsamkeit um? Welche besonderen Glückseligkeiten und Sorgen zeigen sich im Leben einer Pastorenfrau?  Was tun Mütter, wenn sie die Grenzen ihrer Belastbarkeit erreicht haben, aber dennoch in Familie und Gemeinde gefordert sind?

Eowyn, die bei der diesjährigen Konferenz zu einem Mittagessen für „Frauen im Dienst“ geladen hat, schreibt:

Nach der letzen E21-Konferenz 2015 merkte ich, wie viel Gesprächsbedarf und Ermutigung die Frauen in der Runde brauchten. Viele von diesen Frauen waren hungrig nach Gottes Wort und hatten Ehrgeiz zu lernen und in ihren Gemeinden aktiv zu dienen. Einige waren Pastorenfrauen, die sich oft einsam fühlten, oder Frauen, die bestimmte Verantwortungen in ihren Gemeinden trugen. Als Ermutigung, dachte ich, wäre es interessant von Frauen zu hören, die ein Leben im geistlichen Dienst führen, wie sie ihr Leben im Reich Gottes empfinden und ausleben. Ich habe 10 Frauen interviewt. Sie sind Pastorenfrauen, Gemeindegründerfrauen, Seelsorgerinnen oder Teil eines wichtigen Dienstes in einer Gemeinde oder Gemeindegründung. Ich wurde von ihren Zeugnissen und Geschichten sehr ermutigt und möchte ihre Antworten mit Euch teilen.

Hier Teil 1: www.evangelium21.net.

Kindergottesdienstmaterial

Gott hat dich lieb bibel1 212x300Klaus und Judith Hickel haben sich viel Arbeit gemacht und mit tatkräftiger Hilfe einiger Leute fantastisches Material für Kindergottesdienste aus dem Englischen übertragen. Es heißt dazu:

Ab jetzt gibt es den ersten Teil der sechsteiligen KiGo-Reihe Erste Schritte mit Jesus. Das KiGo-Material ist in den letzten zwanzig Jahren in Australien entstanden und hat viel Lob erhalten für seine klaren biblischen Botschaften und die altergerechte Gestaltung der Einheiten. Das Material enthält unter anderem Konzepte für KiGo-Einheiten, Geschichten, Gebete, Spiele und Bastelideen.

Dieses Material wird von Matthias Media kostenlos zum Segen für die Kinderarbeit zur Verfügung gestellt. Spenden an Matthias Media für die Nutzung des Materials sind willkommen.

Hier: bibelfuerkinder.de.

Mark Dever: Die Bedeutung der Predigt

Vor einigen Tagen hat Mark Dever, einer der Redner auf der E21-Konferenz 2017, am Southern Baptist Theological Seminary in Louisville (Kentucky, USA) über „The Symbol and Signifikante of Preaching“ gesprochen. Eine Empfehlung für all jene, die das Evangelium von ihren Kanzeln treu predigen möchten. Der Vortrag ist aber auch eine Hilfe für die Predigthörer. Dever erklärt, weshalb das aktiven Zuhören bei der Predigt außerordentlich wichtig ist. Unbedingt reinhören!

Hier der Mitschnitt:

Gefühle evangelisieren

Bei Hanniel habe ich diesen schönen Satz gefunden:

Wir haben unser Bestes getan, sie stets wissen zu lassen, dass der Glaube aus Gefühlen besteht und ihnen nie gesagt, dass auch unsere Gefühle „evangelisiert“ werden müssen.

Ich hoffe, Evangelisten und Seelsorger prägen sich den Gedanken ein. Ja, auch unsere Gefühle sind erlösungsbedürftig!

Das Wort predigen – Trainingsmaterial von David Jackman

Equipped smallEs gibt neues Trainingsmaterial von David Jackman zur Ausbildung von Predigern. In der Beschreibung heißt es:

The purpose of this series of videos and accompanying manuals is to put resources into the hands of those who long, under God, to train up a new generation of faithful and effective Bible preachers.

Topics include: the nature and necessity of revelation, interpretation and application; apostolic priorities and practice; contemporary challenges in the culture and the church; careful reading and thoughtful analysis of Scripture; watching your life and doctrine; the Word of Christ dwelling in us richly.

This course helps you to train others to acquire and develop the necessary practical tools and skills to expound the Bible’s message. This includes both the preparation of the text and the presentation of the preaching, so as to connect that message to our contemporary cultures. The course seeks also to motivate the preacher to progress and perseverance, through spiritual encouragement, not only to be a skilled workman, but also to be maturing as a humble servant, whom God can use.

The combination of video teaching and downloadable materials for further discussion and practice exercises make this a flexible resource for training groups.

There is a worldwide need for the Word of God to be proclaimed and for Christians to be more deeply rooted in its truth. That is the heartbeat of Equipped to Preach the Word.

Hier ein Einführungsvideo und viel mehr: www.proctrust.org.uk.

Ausserdem hier schon eimal der Hinweis, dass wir auch in diesem Jahr eine Spurgeon-Konferenz in München haben werden. Der Hauptreferent heißt diesmal Andrew Page. Termin: 18.–21. Mai 2016.

Frohsein in Traurigkeit

Wilhelm Lütgert schreibt zu 2. Korinther 6,4–10: „… sondern in allem erweisen wir uns als Diener Gottes: in großer Geduld, in Trübsalen, in Nöten, in Ängsten,  in Schlägen, in Gefängnissen, in Verfolgungen, in Mühen, im Wachen, im Fasten,  in Lauterkeit, in Erkenntnis, in Langmut, in Freundlichkeit, im Heiligen Geist, in ungefärbter Liebe, in dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, mit den Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken … “

Nicht täglich kommen Krisen und nicht zu Anfang stellen sie sich ein, aber wenn sie kommen, dann ist die Gefahr groß, daß der Mut erlischt und daß der Diener Gottes weicht und zuschanden wird. Es sind auch nicht nur die Nöte, die diese Gefahr mit sich bringen, sondern auch die Ansprüche, die die Arbeit an ihn stellt; in der Not braucht man große Geduld, aber ebensogut in der Arbeit, sonst bleibt das angefangene Werk unvollendet liegen.

Dabei gibt es keineswegs lauter Gelingen und lauter Sieg. Der Diener Gottes soll nicht meinen, daß, weil er in Gottes Sold und Dienst steht, er an jedem Abend triumphieren könnte: vexilla regis prodeunt. Es geht hindurch durch manches Unterliegen und durch viel Mißlingen, durch Schande und Traurigkeit, durch Mangel und Not. Der Apostel weissagt dem Diener Gottes jedoch nicht nur, daß er endlich einmal siegen wird, sondern daß er in aller Traurigkeit doch allzeit fröhlich sein kann. In einer einzigen Beziehung ist uns vollkommene Freudigkeit verheißen und geboten, nämlich in der Ausrichtung unserer Arbeit, wenn sie ein Dienst Gottes ist.

Calvin: Kennzeichen echter Frömmigkeit

Der Reformator Johannes Calvin beschreibt in seiner Auslegung von Psalm 1 ein bedeutsames Kennzeichen echter Frömmigkeit:

Im zweiten Vers [von Psalm 1] preist [der Psalmist] nicht einfach, wie sonst, die Gottesfürchtigen glücklich, sondern macht die intensive Beschäftigung mit dem Gesetz zum Kennzeichen der Frömmigkeit. Daraus sollen wir lernen, dass Gott nur dann so verehrt wird, wie es ihm zusteht, wenn man seinem Wort gehorcht. Deshalb darf sich auch nicht jedermann die Religion nach seinem eigenen Belieben zurechtlegen, sondern der Maßstab der Frömmigkeit muss aus Gottes Wort erhoben werden.

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