Praktische Theologie

2 Apps für’s Gebet

Obwohl ich meine, dass der Digitalisierung des Lebens Grenzen gesetzt werden müssen, will ich kurz auf zwei Apps hinweisen, die das Gebetsleben unterstützen können. Christen, die mit einem kleinen Notizheft oder einem Zettelkasten gut zurechtkommen, sollten die Empfehlungen fröhlich ignorieren. Christen, die Schwierigkeiten damit haben, das Gebetsleben zu strukturieren und sowieso ein Smartphone nutzen, können sich die kleinen „Helfer“ mal anschauen.

Die App Prayermate funktioniert wie eine Brieftasche, in der man alle Informationen aufnehmen kann, also beispielsweise Gebetsbriefe, persönliche Anliegen oder Fürbitten; auch ein „Gebetsdienst“ wie der von Operation World lässt sich abonnieren. Anschließend kann man die Anliegen bestimmten Kategorien zuweisen. Kategorien wie „Familie“ oder „Kirche“ sind vordefiniert, beliebig viele andere lassen sich einfügen. Besonders hilfreich ist, dass festgelegt werden kann, wie oft ein Anliegen gezeigt werden soll. So kann beispielsweise immer am Montag Payermate dazu auffordern, für eine bestimmte Missionsgesellschaft zu beten, während am Sonntag vor allem Anliegen, die die Gemeinde betreffen, genannt werden.

Prayermate gibt es für iOS und Android. Über die Dropbox können die Daten zwischen verschiedenen Geräten synchronisiert werden. Das Programm wird gratis zur Verfügung gestellt. Die Entwickler können durch Spenden unterstützt werden.

Hier ein kleines Vorstellungsvideo:

Ich selbst nutze Prayer Notebook. Die App arbeitet nach einem ähnlichen Konzept. Ich kann alle Anliegen sammeln, mit Notizen versehen und verschiedenen Kategorien und Zeiten zuordnen. Bestimmte Dienste lassen sich ebenfalls abonnieren. Hat Gott Gebete erhört, kann ich den Status ändern und die Anliegen archivieren.

Prayer Notebook gibt es nur für iOS. Das Progamm kann für ca. Euro 2 im App Store erworben werden. Für das Antesten gibt es eine Lightversion gratis. Die Daten können über die Apples iCloud synchronisiert werden.

Hier ebenso ein kleines Video:

Nützlich Helfer. Wer allerdings hofft, dass durch sie das regelmäßige Gebet zu einer leichten Übung wird, dürfte enttäuscht werden. Das ernstliche Gebet bleibt umkämpft. Deshalb wohl auch die vielen biblischen Mahnungen wie Kol 4,2: „Haltet fest am Gebet, wachen Sinnes und voller Dankbarkeit!“ oder 1Petr 4,7: „Das Ende aller Dinge ist nahe. Seid besonnen und nüchtern, widmet euch dem Gebet!“

Wenn das Evangelium alles durchdringt

Die Arbeitsgemeinschaft der Brüdergemeinden (AGB) stellt sich in diesem Jahr dem Thema: „Wenn das Evangelium alles durchdringt“ und hat dazu ein Magazin mit Beiträgen von z.B. Thomas Lauterbach und Philipp Bartholomä herausgegeben. Hervorragend ist zudem die Literaturliste auf S. 22.

„Was passiert, wenn das Evangelium aus dem Zentrum gerät“, versuche ich in einem kurzen Interview auf S. 14 zu erklären:

Das Evangelium ist Gottes Antwort auf unsere Verlorenheit. Es versöhnt Sünder mit dem heiligen Gott und gibt jenen, die mit Jesus unterwegs sind, Kraft und Zuversicht.Wenn in unseren Gemeinden das Evangelium an den Rand gedrängt wird, läuft es nicht mehr rund. Evangeliumsarmut macht sich in allen Bereichen bemerkbar. Die Mission wird vernachlässigt, es gibt wenige Bekehrungen, Gesetzlichkeit und Verweltlichung ziehen ein. Mitarbeiter, die nicht vom Evangelium angetrieben sind, verlieren ihre Motivation oder brennen aus. Sehr deutlich spürt man es auch an der Gemeinschaft. Wer nicht aus Christus heraus lebt, ist zur Selbstrechtfertigung gezwungen und muss Gründe dafür schaffen, dass er ein wertvoller Mensch ist. Der destruktive Vergleich mit dem anderen zieht ein. Gemeinschaft ist menschenzentriert, von Sympathie und Antipathie bestimmt. Das Wesen christlicher Gemeinschaft ist aber – so hat es Dietrich Bonhoeffer einmal sehr schön gesagt –, dass von Gott Gerechtfertigte einander als Bringer des Evangeliums begegnen. Wo begnadigte Sünder aus dem Evangelium Kraft und Freude schöpfen und zusammenkommen, entsteht heilsame Gemeinschaft. Da wird der Blick frei für das Wohl des Bruders und der Schwester.

Hier das empfehlenswerte Magazin: agb-magazin_2014_niedrig.pdf.

Seelsorge Vertiefungskurs II

Vertiefung II nov2014 web bDer „Seelsorge Vertiefungskurs II“ bietet auch in diesem Jahr interessante Themen an:

  • Psychopathologie und Psychiatrie (Referent: Dr. med. Christoph Jung)
  • Gesprächsführung in der Seelsorge (Referent: Ron Kubsch)
  • Praxisfelder Ehe- und Familienseelsorge (Referent: Thomas Jeising)

Wir treffen uns wieder in der Nähe von Salzburg im wunderschönen Österreich. Noch sind einige wenige Plätze frei!

Weiterführende Informationen und eine Möglichkeit zur Anmeldung sind in diesem Folder zu finden: Vertiefung_II_nov2014_web_b.pdf.

Evangelikale und interreligiöser Dialog

Das neue Missionsparadigma, demgemäß Mission nicht mehr nur der Ruf des Sünders zum Glauben an Jesus Christus ist, sickert so langsam zur Basis der evangelikalen Bewegung durch. Anna Lutz kommentiert für das Medienmagazin pro die Tagung „MissionRespekt“ mit den Worten:

Islam und Christentum sind wahrlich nicht dasselbe. Und ja, es ist wichtig, über Christenverfolgung in muslimischen Ländern und salafistische Problemgruppen in Deutschland zu sprechen, auch von Seiten der Allianz. Stehenbleiben dürfen die Gläubigen an diesem Punkt aber nicht. Im Gegenteil, sie müssen zeigen, dass sie es besser können. Dass sie Willens sind, den Kontakt zu Andersgläubigen zu suchen, Unterschiede stehen lassen können und für das Gemeinwohl zusammenarbeiten wollen. Denn auch das ist Mission. Und das sollte zu allererst die Deutsche Evangelische Allianz fördern.

Nein, der gemeinsame Einsatz für das Gemeinwohl oder der Dialog mit Andersgläubigen mag eine gute Sache sein, ist aber eben keine Mission!

Friedrich Engels Abkehr vom Pietismus

Friedrich Engels stammt aus einer pietistischen Familie. Er wurde am 28. November 1820 in Barmen, heute ein Stadtteil Wuppertals, als Sohn eines erfolgreichen Fabrikanten geboren. Noch vor dem Abitur verließ er auf Wunsch des Vaters das Gymnasium und begann eine kaufmännische Ausbildung. 1850 begab er sich auf Dauer nach Manchester. Er arbeitete in einer Fabrik, die zur Hälfte seinem Vater gehörte. Auf dem Wege der Erbfolge wurde er später Miteigentümer und lebte in London.

Der folgende DLF-Beitrag schildert eindrücklich Friedrich Engels Abkehr vom Pietismus.

Zwei kurze Anmerkungen dazu:

(1) Bildungsfeindliche Frömmigkeit. Zur Zeit Engels predigte der große Friedrich Wilhelm Krummacher, der damals Pfarrer in Barmen-Gemarke und Elberfeld war. Unter Krummacher kam es zu aufrichtigen Erweckungen. Leider wurde unter seinem Einfluss aber auch eine unkritische Kulturfeindlichkeit gefördert, unter der insbesondere junge, neugierige Kirchgänger zu leiden hatten. Nicht jede Vergnügung ist Weltliebe und damit verwerflich. Nicht die Verteuflung weltlichen Lebens, sondern die christliche Durchdringung sollte das Anliegen der Prediger sein.

(2) Gespaltene Frömmigkeit. Engels erkannte früh, dass die pietistischen Unternehmer ihre Angestellten, zu denen damals auch Kinder gehörten, schlechter behandelten als umfromme Fabrikanten. Überspitzt: Die frömmsten Fabrikanten waren herzlose und ausbeuterische Arbeitgeber. Ähnliche Eindrücke bekam Engels später in England.

Obwohl ich bezweifle, dass das so pauschal ausgesagt werden kann, hatte ich schon manchmal, wenn ich dazu etwas bei Marx oder Engels las (siehe z.B. Das Kapital), das Empfinden, beide trieb dieses Problem wirklich um und vertiefte verständlicherweise ihre Solidarität mit dem „Proletariat“. Obwohl ein Fabrikant naturgemäß unternehmerisch denken und handelt muss, gilt: die Abspaltung des frommen Lebens vom Alltagsgeschäft ist dem Zeugnis des Glaubens nie förderlich. Jesus Christus möchte Herr im gesamten Leben sein. Kritischer Prüfstein ist nicht der Kirchgang, sondern der Alltag.

Hier der Beitrag:

David Jackman auf Spurgeon-Konferenz in München

Stefan Beyer hat die Spurgeon-Konferenz besucht und einen Bericht darüber geschrieben, den ich hier freundlicherweise wiedergeben darf:

Predige das Wort!

David Jackman sprach auf Spurgeon-Konferenz in München

Spurgeon_konferenz2014_David_Jackman_beim_Vortrag_übersetzt_von_Matthias_Lohmann
David Jackman spricht über den Galaterbrief. Übersetzt wird er von Matthias Lohmann.

In der Zeit vom 6. bis 9. August veranstaltete das Martin Bucer Seminar in München in Kooperation mit dem Netzwerk Evangelium21 die erste Spurgeon-Konferenz. Sie stand unter dem Thema: „Predige das Wort!“. Insgesamt 40 Teilnehmer aus Deutschland und Österreich hatten das Privileg, von David Jackman, dem früheren Präsidenten des „Proclamation Trust“ in London, und Dr. Michael Clark, Dozent und Co-Leiter des Martin Bucer Seminars in München, zu lernen.

Den großen Rahmen der Konferenz bildete eine Auslegung des Galaterbriefs, durch welche die Teilnehmer geschult wurden, in ihrem eigenen Gemeindeumfeld das Wort Gottes treu zu predigen. David Jackman, der unter J. Alec Motyer und J. I. Packer studierte, verwies zunächst darauf, dass die Gemeinden nicht weniger Predigten, sondern bessere Predigten benötigen. Er setze sich schon seit Jahren im Rahmen des Cornhill Trainingskurses dafür ein, eine neue Generation von Bibellehrern auszubilden. Es gäbe einen Hunger unter den Christen, das Wort Gottes sorgfältig und interessant ausgelegt zu hören. Denn richtig gepredigt tue das Wort Gottes in den Händen des Heiligen Geistes das Werk Gottes.

In der ersten Einheit unterstrich David Jackman, dass das Wort Gottes inmitten des Relativismus unserer Zeit eine völlig gewisse Grundlage für unseren Glauben bilde. Der Apostel Petrus mache in 2. Petrus 1,12–21 deutlich, dass Gott sich uns offenbart hat. Diese Offenbarung bilde das Fundament unseres Glaubens. Dazu käme das Leben Jesu als Fundament der Wahrheit, denn die ganze Bibel konzentriere sich laut Lukas 24,25–27.44–45 auf die Person und das Werk Jesu. Die Frage sei nun, welcher Autorität wir uns unterwerfen. Der unseres Verstandes, der Kirche, der unserer Erfahrung? Oder vertrauen wir dem Licht des Wortes Gottes, welches von außen auf uns scheint. Spurgeon, der auch „Prinz der Prediger“ genannt wird, verglich die Bibel mit einem Löwen, der sich sehr gut selbst verteidigen kann, sobald er freigelassen werde. Gott offenbare sich in der Bibel durch die überlieferten Geschehnisse sowie durch deren Deutung in der Schrift selbst. Weil der auferstandene Herr Jesus seine Herrschaft über unser Leben vermittelt durch die Worte der Heiligen Schrift, ausübt, sei es von äußerster Wichtigkeit, dass die Bibel unser Leben bestimmt. Das tue sie am besten, wenn der biblische Text die Predigt forme. Christliche Lehrer sollten das Wort Gottes lehren und sich auch durch Widerstand nicht davon abbringen lassen (vgl. 2Tim 3,15–4,5).

David Jackman beim Vortrag.
David Jackman beim Vortrag.

Ab der zweiten Einheit nahm David Jackman die Konferenzteilnehmer mit in eine intensive Auslegung des Galaterbriefes hinein. So konnten sie exemplarisch die Vorbereitung einer Predigt üben. Auslegendes Predigen, so Jackman, verlangt immer einen Dreischritt von Erklären (Was steht im Text?), Begründen (Was will der Text?) und Anwenden (Wie können wir den Text heute umsetzten?). Ziel der Predigt sei es, den Verstand anzusprechen, um dadurch das Herz zu beeinflussen und schließlich den Willen zu aktivieren. Wobei der Kontext der Passage meist schon den Rahmen der Anwendung vorgebe. Der Schlüssel zum guten Predigen sei gutes Zuhören. Dabei solle man besonders auf Überraschungen und Schwierigkeiten im Text achten. Der theologische Kontext des Galaterbriefes sei auch heute noch anwendbar. Die falschen Lehrer predigten die Beschneidung aus Menschenfurcht (vgl. Gal 6,12) und verkündeten deshalb ein anderes Evangelium.

Paulus, der das Evangelium direkt vom Herrn Jesus Christus gelernt hat (Gal 1,12), ruft die Gemeinden auf, diesem pervertierten Evangelium nicht zu folgen, egal wie beeindruckend die Lehrer seien (Gal 1,8). Die Botschafter authentifizieren nicht die Botschaft, sondern umgekehrt. David Jackman verwies darauf, dass ein durch die liberale Theologie verunstaltetes Evangelium für den Mitgliederschwund in den Kirchen Westeuropas verantwortlich sei. Viele wollten, wie auch die falscher Lehrer in Galatien, Werke zu dem Evangelium hinzufügen, da sie nicht auf die Genugsamkeit des Evangeliums vertrauten. Das Kommen Jesu, sein vollkommenes Leben, sein Sühnetod am Kreuz und seine Auferstehung (d. h. das Evangelium) hätte alles verändert. Dahinter zurück zu gehen, sei töricht. Paulus war dieser Punkt so wichtig, dass er sich sogar dem Apostel Petrus entgegenstellte (Gal 2,11–14). Petrus ließ sein Verhalten von pragmatischen Überlegungen leiten, während Paulus darauf bestand, dass die Gemeinde von Prinzipien des Evangeliums bestimmt werden müsse. Die Konsequenzen des Evangeliums seien genauso wichtig wie die Wahrheit des Evangeliums selbst.

Konferenzteilnehmer im Gespräch.
Konferenzteilnehmer im Gespräch.

Dr. Michael Clark, der früher als Pastor der St. Andrew’s Anglican Cathedral in Sydney arbeitete und nun als Dozent und Co-Leiter das Martin Bucer Seminar in München betreut, schloss mit einem Vortrag über die neue Paulusperspektive (NPP) an. Laut der NPP hätten die Reformatoren sowohl Paulus als auch das Judentum falsch verstanden, insbesondere in Bezug auf die Gerechtigkeit und die Rechtfertigung im Neuen Testament. Das Judentum zur Zeit des Apostels hätte an eine Erlösung aus Gnade geglaubt, welcher ein Gericht aus Werken folge. Der Konflikt, in dem Paulus und das Judentum des Neuen Testaments standen, drehte sich deshalb weniger um die Rechtfertigung vor dem Tribunal Gottes, als um den Status der Heiden (Ekklesiologie). Paulus wollte die Grenzen des Reiches Gottes neu definieren (wer drin und wer draußen ist). Clark ging bei der Besprechung der NPP insbesondere auf den Theologen N.T. Wright ein, der den Begriff Gerechtigkeit im Neuen Testament in Treue umdeute. Für N.T. Wright schließt die Rechtfertigung nicht nur Jesus Werk für uns am Kreuz ein, sondern auch sein Werk in uns, für welches wir am Jüngsten Tag gerichtet werden. Diesem Verständnis stellte Michael Clark Römer 3 entgegen. Die Art und Weise, wie Paulus dort den Begriff Rechtfertigung gebraucht, signalisiert die gegenwärtige, unmittelbare Gerechtsprechung der Gläubigen.

Neben vielen praktischen Übungen zur Predigtvorbereitung umfasste die Konferenz auch die Teilnahme an einem Einsatz des Forums Evangelisation unter arabischen Touristen in der Münchner Innenstadt. Dort konnten die Teilnehmer in Gesprächen mit muslimischen Besuchern Münchens über das Wunder des Evangeliums sprechen, nämlich dass Christus uns nicht aufgrund unserer guten Werke, sondern durch seine guten Werke mit Gott versöhnt. Es wurden Traktate, Neue Testamente auf arabisch sowie SD-Karten mit christlichem Material verteilt. Außerdem nutzten die Konferenzteilnehmer die Gelegenheit, um für die vielen Menschen zu beten, die noch nie vom Evangelium gehört haben.

Die Veranstalter der Konferenz haben auch für entspannende Momente gesorgt. Nachmittags wurden sportliche Aktivitäten, abends Gesellschaftsspiele, angeboten.

Die erste Spurgeon-Konferenz hat einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass das Wort Gottes in Deutschland deutlicher gepredigt wird und sie hat Interesse geweckt, in Zukunft noch mehr darüber zu lernen, wie man die Bibel treu auslegt und den Menschen nahe bringt. Die nächste Konferenz darf mit Spannung erwartet werden.

– – –

Ein kurzer Bericht über die Konferenz ist in den ideaheute-Nachrichten vom 8. August 2014 erschienen:

Die Kartierung der Schizophrenie

Es könnte ein Durchbruch in der Erforschung von Schizophrenie sein. In der bisher größten Studie der biologischen Psychiatrie wurden 108 Orte im Genom entdeckt, die mit der Entwicklung von Schizophrenie assoziiert sind. Die FAZ berichtet heute in ihrem Teil „Natur und Wissenschaft“ (Nr. 168, Mittwoch, 23. Juli 2014, S. N1) ausführlich über die Studie.

Wenn es die Neuroleptika noch nicht geben würde, dann könnte diese Gruppe von Psychopharmaka jetzt entwickelt werden – auf diese Formel bringen die Autoren einer in dieser Woche in der Zeitschrift „Nature“ erscheinenden Studie ihre Ergebnisse (doi:10.1038/nature13595). Forschungsgruppen aus vierzig Instituten weltweit – darunter mehreren deutschen – haben die bislang größte Untersuchung zur Genetik der Schizophrenie vorgelegt. Die Arbeit identifiziert 108 Genorte, die mit Schizophrenie assoziiert sind; 83 davon werden zum ersten Mal in einer wissenschaftlichen Arbeit genannt.

Stephan Rippe, einer der Autoren der Studie, wird mit folgenden Worten zitiert:

Wir wussten bisher einige wenige Dinge über die Biologie der Schizophrenie, weil bekannt war, wie die durch Zufall gefundenen Medikamente wirken, die bereits mehr als fünfzig Jahre alt sind. Unsere große Hoffnung ist jetzt, dass man durch den Umweg der Genetik auch die Forschung und Entwicklung im Hinblick auf Medikamente wieder anstoßen kann.

Von einer Vorhersage der Erkrankungswahrscheinlichkeit anhand des genetischen Befundes sei man jedoch noch weit entfernt.

Mehr Informationen in der genannte FAZ-Ausgabe oder bei Nature.

Der Missionsbefehl im 21. Jahrhundert

Nachfolgend ein Auszug aus dem Artikel:

  • Ron Kubsch, „‚Machet zu Jüngern alle Völker‘: Der Missionsbefehl im 21. Jahrhundert“, Reformation heute, Ausgabe 01/2014, S. 25–32, hier: S. 30–31.

Reformationheute

In vielen Regionen unserer Welt entstehen neue oder wachsen bestehende Kirchengemeinden. Dabei hat sich das geographische Zentrum von der nördlichen Halbkugel in die südliche verschoben. Während beispielsweise in China, Indien oder Lateinamerika das Christentum wächst, werden viele Länder Europas zunehmend als Missionsländer wahrgenommen. Auch Deutschland ist, nicht zuletzt wegen der Selbstsäkularisierung der Kirchen und der sich ausbreitenden Konfessionslosigkeit, längst wieder ein Missionsgebiet geworden. Während beispielsweise in Chile knapp 20 Prozent der Einwohner lebendige Christen sind, gelten in Deutschland nur ungefähr 2,5 Prozent als Gläubige.

Die bekenntnisorientierten Kirchengemeinden Deutschlands brauchen deshalb nicht nur ein Herz für die Weltmission, sondern auch für die lnlandsmission. Die Gründung und geistliche Neuausrichtung von Gemeinden wird in den nächsten Jahrzehnten eine der größten Herausforderungen für die Christen in Zentraleuropa werden.

Ich möchte deshalb mit einigen persönlichen Denkanstößen zur Mission heute schließen:

Jünger machen. Es lohnt sich, den »Missionsbefehl« gründlich zu lesen. Es sei hier nur kurz darauf hingewiesen, dass es dort nicht heißt: »Ruft zur Bekehrung auf«, sondern »macht zu Jüngern«. Die beiden Mittelwörter »taufen« und »lehren« konkretisieren das »Jüngern«. Nachfolger Jesu lernen die Glaubensinhalte, die ihr Herr ihnen hinterlassen hat (»lehrt sie alles halten, was ich euch befohlen habe«). Sie gehorchen dem, was sie gelernt haben. Das Evangelium von Jesus Christus stiftet unter allen Völkern den »Glaubensgehorsam« (vgl. Röm 16,25-27). Evangelisation, die nur zur Bekehrung aufruft, um Menschen »in den Himmel zu bringen«, greift zu kurz.

Bekenntnisgebundene Mission. Da in den letzten hundert Jahren Fragen des rechten Glaubens durch Pragmatismus und Gemeinschaft verdrängt worden sind, gilt es, die einende und festigende Bedeutung des Glaubensbekenntnisses wiederzuentdecken. Gemeinde kämpft für den Glauben, »der den Heiligen ein für alle Mal überliefert worden ist« (Jud 3). Bekenntnisse sind Kurzformeln, in der »die biblische Botschaft brennglasartig zusammengefasst wird, in der das unaufgebbare Soll, die ›eiserne Ration‹ christlicher Wahrheit ›fest-geschrieben‹ wird.« Obschon der Glaube in der Bibel primär als persönlicher Vertrauensakt verstanden wird, bleibt er auf Lehre bezogen. »Nicht zuletzt waren es Irrlehren, die die neutestamentliche Gemeinde zwangen, klipp und klar auf den Satz und auf den Punkt zu bringen, was christlicher Glaube ist und was er nicht ist. Glaube ist im Neuen Testament immer auch inhaltliches Bekenntnis, kein verschwommenes allgemeines Gottvertrauen.« Es braucht verbindliche und öffentliche Zeugnisse über das, was in Gemeinde und Mission gilt.

Gemeindebezogene Mission. Die ersten Missionsgesellschaften hatten eine den Kirchengemeinden dienende Funktion. Sie übernahmen Aufgaben, die einzelne Gemeinden allein nicht leisten konnten. Leider haben sich inzwischen viele Missionswerke von sendenden Gemeinden emanzipiert. Hinzu kommt, dass Gründung und Stärkung von Gemeinden oft nicht mehr im Zentrum stehen. Auch wenn nicht alle Missionsarbeit gemeindegebunden sein muss – ich denke hier beispielsweise an Studentenmission –, so sollte sie insgesamt dem Gemeindebau dienen.

Gemeinde ist Botschafterin, nicht die Botschaft. Bei der Mission verkündigen wir nicht uns selbst (2Kor 4,5) oder ersonnene Botschaften (vgl. 2Pt 1,16), sondern den für uns am Kreuz gestorbenen und auferstandenen Jesus Christus. Verkündigung des Evangeliums ist treue »Ausbotschaftung« der Tatsache, dass Gott uns mit sich selbst versöhnt hat, indem er seinen Sohn als Sühnopfer für uns Sünder hat sterben lassen, so dass diejenigen, die ihm vertrauen und umkehren, ewiges Leben haben.
Wenn zum Beispiel John Howard Yoder betont, dass die sichtbare Kirche nicht Überbringerin der christlichen Botschaft, sondern selbst die Botschaft ist, liegt hier eine Fehldeutung des Zeugendienstes zugrunde. Als Gesandte oder Zeugen des Evangeliums sind wir Überbringer einer Botschaft und nicht selbst Urheber oder Gegenstand dieser Botschaft (vgl. 2Kor 5,20, Apg 1,8).

Mittel der Mission ist die Predigt … »Stille Proklamation des Evangeliums ist« – wie D. A. Carson kürzlich gezeigt hat – »ein Oxymoron«, also ein begrifflicher Widerspruch. Das Evangelium begegnet Menschen, indem es verkündigt wird. Selbstverständlich soll die Verkündigung durch entsprechende Werke gedeckt und bestätigt werden. Doch die Werke gehören nicht selbst zum Evangelium, sondern sind Früchte des Evangeliums. Der Glaube kommt »aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort« (Röm 10,17). Insofern ist es vorrangige Aufgabe der Gemeinde, das Wort Christi zu verkündigen.

Die empfehlenswerte Zeitschrift Reformation heute gibt es hier: www.reformationheute.de.

Insider-Bewegungen

In den Gemeinden wird noch nicht so viel über die „Insider-Bewegungen“ (engl. Insider Movements) gesprochen. Ja nur wenige werden wissen, was sich hinter dem Namen verbirgt. In der Missionswissenschaft sieht das anders aus. Verschiedene Organisationen wie z.B. OM, Frontiers oder Gruppen von Wycliffe diskutieren seit Jahren kontrovers über den Wert von Insider-Bewegungen.

Was ist nun das Besondere der Insider-Bewegungen? Dazu ein Beispiel. Brian McLaren, eine Leitfigur der „Emergenten Bewegung“, ringt sich nach einer mehrseitigen Erörterung der Frage, ob Christen evangelisieren sollen, zu der erfreulichen Stellungnahme durch, dass das Gespräch mit anderen Religionen „die Evangelisation nicht ausschließt, sondern erst möglich macht“. Wenige Zeilen später lesen wir dann (McLaren, A Generous Orthodoxy, 2006: S. 293, siehe auch hier):

Ich muss hinzufügen, dass ich nicht der Auffassung bin, Jünger machen sei gleichbedeutend damit, jemanden an die christliche Religion zu binden. Es mag unter vielen (nicht allen!) Umständen ratsam sein, Menschen zu helfen, Nachfolger Jesu zu werden und sie dabei in ihrem buddhistischen, hinduistischen oder jüdischen Kontext zu belassen.

Wenn er dann noch schreibt: „… , JA, du kannst Jesus nachfolgen, ohne dich selbst als Christ zu verstehen“ (S. 20, Fn 20), ruft das beim Leser diffuse Assoziationen hervor. Was heißt das denn? Sollen Christen im Kontext anderer Religionen leben und sich den dortigen Riten anpassen? Genau! McLaren wirbt für den Ansatz von Insider-Bewegungen. Insider sind Menschen, die sich zum Glauben zu Christus bekennen, jedoch Mitglieder ihrer ursprünglichen Religionsgemeinschaften bleiben. Muslime bleiben Muslime, Hindus bleiben Hindus und Buddhisten bleiben Buddhisten. So bleiben Jesusnachfolger beispielsweise Mitglieder der Moschee, halten sich an die fünf Säulen des Islam, leben in ihren Kulturen offen als Muslime, nehmen an muslimischen Opfern und Festen teil.

Geht das? Wie steht es denn mit dem gerade in den emergenten Kreisen so oft betonten Anspruch auf Authentizität? Wird hier nicht einem Dualismus von innerem Glauben und äußeren Handlungen das Wort geredet? Wie steht es mit dem Missionsverständnis des Neuen Testaments? Forderten Jesus und die Apostel nicht auch die Abkehr von der falschen Religion?

Nun ist es ziemlich einfach, Stellung zu beziehen, wenn man in einem Land lebt, in dem Glaubende nicht diffamiert oder verfolgt werden. Interessanter Weise haben aber gerade „Einheimische“ Probleme mit dem missionswissenschaftlichen „Import“.

Hier zwei Ausarbeitungen zum Thema:

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