Hannah B. fragt, was Martha bei Jesu Besuch (vgl. Lukas 10,38-42) hätte besser machen (und wir daraus lernen) können:
Du bist eine Frau? Dann stelle dir folgende Situation vor: Es ist Sonntag nach dem Gottesdienst, vieles muss gemacht und erledigt werden. Die Tische müssen gedeckt, der Kaffee gekocht und der Kuchen geschnitten werden. Zwei Kinder streiten sich und benötigen dringend einen Schlichter, drei Gäste waren im Gottesdienst, um die sich gerade keiner kümmert. Eine ältere Dame sitzt einsam am Tisch, außerdem ist die Spülmaschine noch nicht ausgeräumt und es müssen 2000 Gemeindebriefe gefaltet werden, die noch in der nächsten Woche verteilt werden sollen …
Nun stelle dir auch noch Folgendes vor: Eine Gruppe junger und älterer Männer, dazu auch eine der wenigen anwesenden Frauen besprechen schon seit einiger Zeit eine theologische Frage aus der Predigt und stehen im engen Durchgang vor der Toilette herum, während du – so scheint es – als einzige all die Dinge im Blick hast, die unbedingt erledigt werden müssten.
Was denkst du darüber? Was ist jetzt aus deiner Sicht nötiger? Tiefsinnige theologische Gespräche oder die praktische Arbeit, die in diesem Augenblick – für jedermann (und Frau) ersichtlich – vor den Füßen lieg
Als sie aber das hörten, ging’s ihnen durchs Herz und sie sprachen zu Petrus und den andern Aposteln: Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun? Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.
Martyn Lloyd-Jones legt in einer Predigt diesen Text aus und erklärt dabei, wie man ein Christ werden kann (leider nur in engl. Sprache).
Der Seelsorge Vertiefungskurs II, der vom 01.–06. März 2015 im Teencamp-Freizeithaus in Marsberg-Helminghausen (Deutschland, URL: www.tcamp.de veranstaltet wird, enthält folgende Einheiten:
Psychopathologie und Psychiatrie (Referent: Dr. med. Christoph Jung)
Pornografie: Grundlagen und Arbeitsmittel für die Gemeindepastoral (Referent: Daniel Röthlisberger)
Praxisfelder Ehe- und Familienseelsorge (Referent: Thomas Jeising)
Sollten Sie an diesem Kurs Interesse haben, freuen wir uns über eine möglichst schnelle Anmeldung!
Das Wochenende mit Vaughan Roberts in München war eine große Ermutigung. Stefan Beyer hat freundlicherweise die Vorträge von Freitagabend und Samstag zusammengefasst. Vielen Dank!
Im Reich Gottes dienen
Vaughan Roberts, Pastor der St Ebbe’s Church Oxford (UK) und Leiter der Predigerschule ‚Proclamation Trust‘, besuchte am 12. und 13. Dezember die Landeshauptstadt München, um in der FeG München-Mitte über das Thema „Gottes Plan – Kein Zufall: Die Bibel im Zusammenhang erklärt“ und am Martin Bucer Seminar München über das Thema „Warum der vollzeitliche Dienst auch heute wichtig ist“, zu sprechen.
Der Vortrag „Gottes Plan – Kein Zufall: Die Bibel im Zusammenhang erklärt“, der auf einem gleichnamigen Buch beruht, bot einen eindrücklichen Überblick über den Heilsplan Gottes und wie die Bibel das Thema des Reiches Gottes von der Schöpfung bis zur Erfüllung in der neuen Schöpfung entfaltet. Das Grundmuster dieses Reiches ist Gottes Volk an Gottes Ort unter Gottes Herrschaft mit Gottes Segen. Die Bibel sei ein Buch mit einem Thema, das sich in eine Periode der Verheißung (Altes Testament) und Erfüllung (Neues Testament) gliedere. Zunächst habe das Reich Gottes mit Adam und Eva in einem ungetrübten Zustand der Gemeinschaft mit Gott begonnen. Gott und Mensch, Mann und Frau sowie Mensch und Schöpfung haben in einer perfekten Beziehung zusammengelebt. Der Sündenfall habe diesen paradiesischen Zustand jedoch zerstört, indem er Gott und die Menschen voneinander entfremdete. Dadurch wurde auch die Beziehung zwischen Mann und Frau sowie Mensch und Schöpfung beeinträchtigt. Das Ausmaß der Sünde, die durch Adam in die Welt gekommen war, zeige sich in den folgenden Geschichten des 1. Buch Mose: Kain tötet Abel (Kapitel 4), der Tod breitet sich auf alle aus (Kapitel 5), die Sintflut vernichtet alle Menschen außer Noah, kann aber die Sünde im Menschen nicht ausrotten (Kapitel 6), und die Rebellion gegen Gott gipfelt im Turmbau zu Babel (Kapitel 11), wo der Mensch endgültig Gottes Herrschaft von sich abstoßen will. Das Reich Gottes, das in der Schöpfung noch so gut begonnen hatte, sei hier nun vollends untergegangen. Gott, in seiner unverdienten Gnade und nach seinem ewigen Plan (Epheser 1,3-10), beginnt jedoch mit einer neuen Verheißung des Reiches Gottes an Abraham (1. Mose 12,1-3). Er verheißt ihm ein Volk, an einem Ort, unter Gottes Herrschaft und mit Gottes Segen. Paulus deutet diese Verheißung auf Christus (Galater 3,16). Dieses verheißene Reich Gottes wird in den folgenden Büchern des Alten Testaments nun partiell verwirklicht. Es entsteht ein Volk Gottes, die Nachkommen Abrahams, die Gott aus Ägypten befreit und in das verheißene Land führt. An seinem Ort sollen sie unter seiner Herrschaft leben und er verheißt ihnen seinen Segen, wenn sie ihm gehorsam bleiben. Das Buch der Richter beschreibt aber einen fortwährenden Zyklus des Ungehorsams von Seiten der Israeliten. Weil sie nicht unter der Herrschaft Gottes leben wollen, läßt er sie unter die Herrschaft anderer Völker kommen. Er sendet ihnen immer wieder Richter, die sie aus ihrer Notlage befreien, aber es entsteht nie eine dauerhafte Erfüllung des Reiches Gottes. Dafür wächst bei den Israeliten die Hoffnung, daß ein König nach dem Maßstab der anderen Völker endlich das Volk unter Gottes Segen stellen könnte. Gott schenkt ihnen den König David, einen Mann nach seinem Herzen, doch zugleich verheißt er einen ewigen König, der auf eine einzigartige Weise der Sohn Gottes sein werde (2. Samuel 7,11b-16). Nachdem sich das Volk Gottes auch unter der Herrschaft ihrer Könige von Gott abwendet, entwickeln die Propheten, die der Herr zum Volk Israel sendet, eine Hoffnung auf einen neuen Exodus, einen neuen David, einen neuen Bund, einen neuen Tempel und eine neue Schöpfung. Sie reden prophetisch von einem neuen Reich Gottes, wo endlich das Volk Gottes wieder am Ort Gottes und unter seiner Herrschaft und Segen leben würde. Diese Hoffnung erfüllt sich mit dem Kommen des Retterkönigs Jesus Christus. Das Neue Testament mache deutlich, daß Jesus die Erfüllung der alttestamentlichen Hoffnung ist (Matthäus 13,16-17; 2. Korinther 1,20; Johannes 5:39). Die Evangelien beginnen mit einer direkten Verbindung zum Alten Testament (Matthäus 1,1; Markus 1,1-4; Lukas 1,67-79). Jesus erfüllt die alttestamentlichen Verheißungen über das Reich Gottes. Er war das Volk Gottes (der wahre Sohn Gottes, der wahre Weinstock, der wahre Adam). Er war Gottes Ort (Johannes 1,14) und er war Gottes Herrschaft und Segen (Johannes 8,29). Er starb, damit die Verheißungen auch in anderen Menschen erfüllt werden können (Lukas 24,25-27). Nach seiner Auferstehung wird das gekommene Reich Gottes verkündigt, welches bei seiner Wiederkunft vollendet wird. Das Buch der Offenbarung (Kapitel 21,22) verheißt eine neue Schöpfung, in der zuletzt alle Verheißungen der Bibel über das Reich Gottes erfüllt werden. Endlich wird das Volk Gottes für immer an Gottes Ort unter Gottes Herrschaft leben. Diese Hoffnung kann uns erfüllen und Kraft geben, auch in unserem Leben das Reich Gottes zu verkündigen.
Am Seminartag über die Wichtigkeit des vollzeitigen Dienstes sprach Vaughan Roberts über die Priorität des Wortes Gottes, den Bedarf an vollzeitig dienenden Christen und die Frage, wie man herausfinden kann, ob man selbst zum Vollzeitdienst berufen ist. Obwohl Jesus viele Wunder tat, war er doch zuerst dazu gekommen, das Wort Gottes zu verkündigen (Markus 1,38). Im Gleichnis der vier Böden betont Jesus, daß die Verkündigung des Wortes die Hauptaufgabe seiner Diener sei (Markus 4,1-20). Das Reich Gottes breitet sich aus, wenn das Wort Gottes verkündigt wird. Jesus wollte die Welt erreichen, indem er das Wort Gottes verkündigte. Dennoch bringt nicht jeder Same des Wortes Frucht, denn der Teufel, die Welt, Sorgen, Verfolgung und die sündige Natur des Menschen können das Wachstum behindern. Das Wort Gottes selber habe die Absicht, die gemischte Reaktion der vier Böden hervorzurufen. Es wird Sinn und Bedeutung an manche vermitteln, für andere aber ein Geheimnis bleiben (Markus 4,10-12). Am Ende wird es aber reichen Ertrag in denen bringen, die es hören und mit einem bereitwilligen Herzen aufnehmen. Die Bibel ist dieses Wort Gottes, welches verkündigt werden soll, und sie wird von Jesus bestätigt (Matthäus 5,17-19; 19,4-6) und beansprucht dies auch für sich selber (2. Timotheus 3,16; 2. Petrus 3,15-16). Die Bibel ist auch das aktuelle, zeitgenössische Wort Gottes, denn in ihr hören wir die Stimme Christi (Hebräer 2,12-13) und des Heiligen Geistes (Hebräer 3,7-8). Zunächst seien natürlich alle Christen dazu berufen, das Wort sowohl in der Welt (Matthäus 28,19; 1. Petrus 3,15) als auch in der Gemeinde zu verkündigen (Kolosser 3,16; Hebräer 10,24-25). Das Neue Testament mache aber schon früh deutlich, daß Gott in der Gemeinde einige Menschen zu vollzeitigen Evangelisten und Hirten-Lehrer beruft (Epheser 4,11-16). Für diese Menschen sei es auch richtig, für den Dienst am Wort und am Gebet freigestellt zu werden (Apostelgeschichte 6,1-7). Sie sollten die vielen guten Dienste in der Gemeinde an andere berufene Menschen übertragen, um sich dem besten Dienst der Wortverkündigung zu widmen. Die Diener am Wort werden sowohl von Gott (Apostelgeschichte 20,28; Epheser 4,11) als auch von der Gemeinde eingesetzt (Apostelgeschichte 14,23; Titus 1,5). Dabei sollten Eigenschaften der Demut und Gottesfurcht (Titus 1,6; 2,6-7), fundierten Kenntnis des Evangeliums (Titus 1,9), Gaben des Lehrens (1. Timotheus 3,2) und Führens (1. Timotheus 3,4-5) sowie Mut und Standhaftigkeit beachtet werden (2.Timotheus 2,3; 1. Timotheus 3,6).
Der Vortrag über den roten Faden des Reiches Gottes in der Bibel und die Vorlesung über die Wichtigkeit des vollzeitlichen Dienstes haben Mut gemacht, sich neu mit dem Schatz, den die Gemeinde in der Bibel hat, zu beschäftigen und ihn treu zu verkündigen. Wenn es richtig ist, was Ron Kubsch gesagt hat, daß nämlich die Wortverkündigung heutzutage in einer Krise steckt, weil nicht mehr klar ist, was das Evangeliums ist, es an guten Ausbildungsmöglichkeiten fehlt sowie an hingegebenen Botschaftern und Fördern, dann hat dieses Wochenende dazu beigetragen, dieser Krise zu begegnen und einen Ausweg zu zeigen. Die Gemeinde Gottes ist aufgerufen, Menschen dabei zu unterstützen, in einem vollzeitlichen, christlichen Dienst den unausforschlichen Reichtum des Christus in der Welt zu verkündigen.
Stefan Beyer
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Hier die Mittschnitte der Vorträge vom Samstag (übersetzt hat freundlicherweise Alex Reindl; an dieser Stelle vielen Dank an alle Österreicher!):
Teil 1: Gleichnis vom Sämann:
Teil 2: Fundamente des Dienstes am Wort Gottes:
Teil 3: Woher weiß ich, dass ich zum Dienst im Reich Gottes berufen bin?:
Don Carson und Tim Keller sprechen in diesem Video über das Thema „(reformierte) Erweckung“ und lassen dabei eigene „Erweckungserfahrungen“ einfließen. Interessant!
Obwohl ich meine, dass der Digitalisierung des Lebens Grenzen gesetzt werden müssen, will ich kurz auf zwei Apps hinweisen, die das Gebetsleben unterstützen können. Christen, die mit einem kleinen Notizheft oder einem Zettelkasten gut zurechtkommen, sollten die Empfehlungen fröhlich ignorieren. Christen, die Schwierigkeiten damit haben, das Gebetsleben zu strukturieren und sowieso ein Smartphone nutzen, können sich die kleinen „Helfer“ mal anschauen.
Die App Prayermate funktioniert wie eine Brieftasche, in der man alle Informationen aufnehmen kann, also beispielsweise Gebetsbriefe, persönliche Anliegen oder Fürbitten; auch ein „Gebetsdienst“ wie der von Operation World lässt sich abonnieren. Anschließend kann man die Anliegen bestimmten Kategorien zuweisen. Kategorien wie „Familie“ oder „Kirche“ sind vordefiniert, beliebig viele andere lassen sich einfügen. Besonders hilfreich ist, dass festgelegt werden kann, wie oft ein Anliegen gezeigt werden soll. So kann beispielsweise immer am Montag Payermate dazu auffordern, für eine bestimmte Missionsgesellschaft zu beten, während am Sonntag vor allem Anliegen, die die Gemeinde betreffen, genannt werden.
Prayermate gibt es für iOS und Android. Über die Dropbox können die Daten zwischen verschiedenen Geräten synchronisiert werden. Das Programm wird gratis zur Verfügung gestellt. Die Entwickler können durch Spenden unterstützt werden.
Hier ein kleines Vorstellungsvideo:
Ich selbst nutze Prayer Notebook. Die App arbeitet nach einem ähnlichen Konzept. Ich kann alle Anliegen sammeln, mit Notizen versehen und verschiedenen Kategorien und Zeiten zuordnen. Bestimmte Dienste lassen sich ebenfalls abonnieren. Hat Gott Gebete erhört, kann ich den Status ändern und die Anliegen archivieren.
Prayer Notebook gibt es nur für iOS. Das Progamm kann für ca. Euro 2 im App Store erworben werden. Für das Antesten gibt es eine Lightversion gratis. Die Daten können über die Apples iCloud synchronisiert werden.
Hier ebenso ein kleines Video:
Nützlich Helfer. Wer allerdings hofft, dass durch sie das regelmäßige Gebet zu einer leichten Übung wird, dürfte enttäuscht werden. Das ernstliche Gebet bleibt umkämpft. Deshalb wohl auch die vielen biblischen Mahnungen wie Kol 4,2: „Haltet fest am Gebet, wachen Sinnes und voller Dankbarkeit!“ oder 1Petr 4,7: „Das Ende aller Dinge ist nahe. Seid besonnen und nüchtern, widmet euch dem Gebet!“
Die Arbeitsgemeinschaft der Brüdergemeinden (AGB) stellt sich in diesem Jahr dem Thema: „Wenn das Evangelium alles durchdringt“ und hat dazu ein Magazin mit Beiträgen von z.B. Thomas Lauterbach und Philipp Bartholomä herausgegeben. Hervorragend ist zudem die Literaturliste auf S. 22.
„Was passiert, wenn das Evangelium aus dem Zentrum gerät“, versuche ich in einem kurzen Interview auf S. 14 zu erklären:
Das Evangelium ist Gottes Antwort auf unsere Verlorenheit. Es versöhnt Sünder mit dem heiligen Gott und gibt jenen, die mit Jesus unterwegs sind, Kraft und Zuversicht.Wenn in unseren Gemeinden das Evangelium an den Rand gedrängt wird, läuft es nicht mehr rund. Evangeliumsarmut macht sich in allen Bereichen bemerkbar. Die Mission wird vernachlässigt, es gibt wenige Bekehrungen, Gesetzlichkeit und Verweltlichung ziehen ein. Mitarbeiter, die nicht vom Evangelium angetrieben sind, verlieren ihre Motivation oder brennen aus. Sehr deutlich spürt man es auch an der Gemeinschaft. Wer nicht aus Christus heraus lebt, ist zur Selbstrechtfertigung gezwungen und muss Gründe dafür schaffen, dass er ein wertvoller Mensch ist. Der destruktive Vergleich mit dem anderen zieht ein. Gemeinschaft ist menschenzentriert, von Sympathie und Antipathie bestimmt. Das Wesen christlicher Gemeinschaft ist aber – so hat es Dietrich Bonhoeffer einmal sehr schön gesagt –, dass von Gott Gerechtfertigte einander als Bringer des Evangeliums begegnen. Wo begnadigte Sünder aus dem Evangelium Kraft und Freude schöpfen und zusammenkommen, entsteht heilsame Gemeinschaft. Da wird der Blick frei für das Wohl des Bruders und der Schwester.
Das neue Missionsparadigma, demgemäß Mission nicht mehr nur der Ruf des Sünders zum Glauben an Jesus Christus ist, sickert so langsam zur Basis der evangelikalen Bewegung durch. Anna Lutz kommentiert für das Medienmagazin pro die Tagung „MissionRespekt“ mit den Worten:
Islam und Christentum sind wahrlich nicht dasselbe. Und ja, es ist wichtig, über Christenverfolgung in muslimischen Ländern und salafistische Problemgruppen in Deutschland zu sprechen, auch von Seiten der Allianz. Stehenbleiben dürfen die Gläubigen an diesem Punkt aber nicht. Im Gegenteil, sie müssen zeigen, dass sie es besser können. Dass sie Willens sind, den Kontakt zu Andersgläubigen zu suchen, Unterschiede stehen lassen können und für das Gemeinwohl zusammenarbeiten wollen. Denn auch das ist Mission. Und das sollte zu allererst die Deutsche Evangelische Allianz fördern.
Nein, der gemeinsame Einsatz für das Gemeinwohl oder der Dialog mit Andersgläubigen mag eine gute Sache sein, ist aber eben keine Mission!
Friedrich Engels stammt aus einer pietistischen Familie. Er wurde am 28. November 1820 in Barmen, heute ein Stadtteil Wuppertals, als Sohn eines erfolgreichen Fabrikanten geboren. Noch vor dem Abitur verließ er auf Wunsch des Vaters das Gymnasium und begann eine kaufmännische Ausbildung. 1850 begab er sich auf Dauer nach Manchester. Er arbeitete in einer Fabrik, die zur Hälfte seinem Vater gehörte. Auf dem Wege der Erbfolge wurde er später Miteigentümer und lebte in London.
Der folgende DLF-Beitrag schildert eindrücklich Friedrich Engels Abkehr vom Pietismus.
Zwei kurze Anmerkungen dazu:
(1) Bildungsfeindliche Frömmigkeit. Zur Zeit Engels predigte der große Friedrich Wilhelm Krummacher, der damals Pfarrer in Barmen-Gemarke und Elberfeld war. Unter Krummacher kam es zu aufrichtigen Erweckungen. Leider wurde unter seinem Einfluss aber auch eine unkritische Kulturfeindlichkeit gefördert, unter der insbesondere junge, neugierige Kirchgänger zu leiden hatten. Nicht jede Vergnügung ist Weltliebe und damit verwerflich. Nicht die Verteuflung weltlichen Lebens, sondern die christliche Durchdringung sollte das Anliegen der Prediger sein.
(2) Gespaltene Frömmigkeit. Engels erkannte früh, dass die pietistischen Unternehmer ihre Angestellten, zu denen damals auch Kinder gehörten, schlechter behandelten als umfromme Fabrikanten. Überspitzt: Die frömmsten Fabrikanten waren herzlose und ausbeuterische Arbeitgeber. Ähnliche Eindrücke bekam Engels später in England.
Obwohl ich bezweifle, dass das so pauschal ausgesagt werden kann, hatte ich schon manchmal, wenn ich dazu etwas bei Marx oder Engels las (siehe z.B. Das Kapital), das Empfinden, beide trieb dieses Problem wirklich um und vertiefte verständlicherweise ihre Solidarität mit dem „Proletariat“. Obwohl ein Fabrikant naturgemäß unternehmerisch denken und handelt muss, gilt: die Abspaltung des frommen Lebens vom Alltagsgeschäft ist dem Zeugnis des Glaubens nie förderlich. Jesus Christus möchte Herr im gesamten Leben sein. Kritischer Prüfstein ist nicht der Kirchgang, sondern der Alltag.