Praktische Theologie

Butterfield: Buße und Erneuerung

Christen sind nicht aufgerufen, einmal Buße zu tun und dann selbstgefällig weiterzuleben. Vielmehr sind sie aufgefordert, ihr ganzes Leben lang in einer Haltung der Buße zu leben und Christus zu vertrauen. In diesem englischsprachigen Vortrag der „Ligioner Konferenz 2015“ beschreibt Dr. Rosaria Butterfield ihre Bekehrung und spricht über die hoffnungerfüllte Nachfolge Christi in einer dunklen Welt.

Langham Österreich – Was, wer und wie?

In Österreich hat sich erfreulicherweise eine Gruppe gebildet, die in Zusammenarbeit mit „Langham“ den bibelauslegenden Verkündigungsdienst fördert. Bei Wortzentriert.at ist zu lesen:

Langham Österreich ist Teil einer weltweiten Bewegung, deren Ursprung in England liegt. Diese Bewegung wurde als Reaktion auf den Hunger von Gemeinden nach relevanter Verkündigung von Gottes Wort ins Leben gerufen. Langham hat es sich zum Ziel gesetzt, Menschen für die biblische und alltagsrelevante Verkündigung der Bibel auszurüsten, und vor Ort nachhaltig zu stärken. Der Name „Langham“ stammt von der All Souls Gemeinde am Langham Place in London, wo die Langham-Bewegung unter der Leitung von John Stott gegründet wurde.

“Gemeinden leben, wachsen und blühen auf unter Gottes Wort. Ohne es verkümmern und sterben sie. Da wo Gottes Wort treu gelehrt und angewendet wird wachsen Gemeinden sowohl in Größe als auch in Reife. … Wir können die Wichtigkeit von Verkündigern für die Gesundheit und Reife einer Gemeinde kaum genug unterstreichen.” John StottFlows 1024x246 1

Ein erstes öffentliches Treffen findet bereits im März statt. Hier gibt es weitere Informationen: www.wortzentriert.at.

Im Wort Gottes baden

Tony Merida schreibt in seinem empfehlenswerten Buch Faithful Preaching (Nashville (Tennessee): B&H Publishing, 2009, S. 10–11):

UnknownMein Mentor, Jim Shaddix, oft die Analogie eines Schwimmbades benutzt, um den Wort-gesättigten Charakter der Auslegungspredigt zu erklären. Er sagte, dass Prediger in der Regel die Bibel in einer von drei Weisen verwenden. Eine Weise besteht darin, dass sie das Wort als Sprungbrett benutzen. Bei diesem Verfahren liest der Prediger den Text, kehrt aber nie zu ihm zurück. Eine weitere Weise ist es, wenn der Prediger das Wort als Gartenmöbel benutzt; er kehrt also gelegentlich wieder zum Text zurück. Bibelauslegende Prediger verwenden das Wort hingegen wie ein Schwimmbecken. Sie nehmen die Zuhörer mit auf ein Bad im biblischen Text.

Auf der elementarsten Ebene ist die Auslegungspredigt eine Form der Predigt, bei der die Zuhörer nach der Predigt mit dem Wort Gottes nass geworden sind. Ihre Bibel bleibt offen, während der Prediger fortfährt, die Bedeutung eines bestimmten Textes oder mehrerer Texte zu erklären und anzuwenden.

Freilich gibt es einige Predigten, die nicht einmal in der Nähe des Schwimmbeckens kommen! Sie haben gar keinen Text. An diesem Punkt sollten die Zuhörer an anderer Stelle nach Wasser suchen.

Wissenschaftlich-Religionspädagogisches Lexikon

Neben dem Wissenschaftlichen Bibellexikon (WiBiLex) ist nun auch ein Fachlexikon für Religionspädagogik auf Bibelwissenschaft online.

WiReLex, das Wissenschaftliche-Religionspädagogische Lexikon richtet sich an alle, die im Bereich religiöser Bildung und Erziehung tätig sind: an Religionslehrerinnen und -lehrer, Gemeindepädagoginnen und -pädagogen, Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Dozentinnen und Dozenten und an Theologiestudierende.

Zu seinem Start bietet WiReLex nahezu 100 Fachartikel, die kostenlos zugänglich sind. Jährlich sollen weitere 100 Artikel von über 60 Autoren hinzukommen. Hauptherausgeberinnen sind die Professorinnen für Religionspädagogik, Dr. Mirjam Zimmermann (Universität Siegen) und Dr. Heike Lindner (Universität Köln). Konzipiert und betreut wird das Lexikon durch zehn Herausgeber-Teams, unterstützt durch die Deutsche Bibelgesellschaft und das Comenius-Institut in Münster.

Hier mehr: www.bibelwissenschaft.de/wirelex/wirelex.

Tony Merida: Gewöhnliches Christsein

In Galater 6,1-10 heißt es:

„Liebe Brüder und Schwestern: Auch wenn jemand bei einem Fehltritt ertappt wird, so sollt ihr, die ihr vom Geist bestimmt seid, den Betreffenden im Geist der Sanftmut zurechtbringen — doch gib acht, dass nicht auch du in Versuchung gerätst! Tragt einer des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Denn wer meint, etwas zu sein, obwohl er nichts ist, der betrügt sich. Jeder aber prüfe sein eigenes Werk! Dann wird er nur im Blick auf sich selbst Grund haben, sich zu rühmen — und nicht im Blick auf den anderen, denn jeder wird seine eigene Bürde zu tragen haben. Wer aber im Wort unterrichtet wird, lasse den, der ihn unterrichtet, an allen Gütern teilhaben. Täuscht euch nicht: Gott lässt sich nicht verhöhnen! Denn was ein Mensch sät, das wird er auch ernten. Wer auf sein Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ernten, wer aber auf den Geist sät, wird vom Geist ewiges Leben ernten. Im Tun des Guten wollen wir nicht müde werden, denn zu gegebener Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten. Darum lasst uns, solange wir noch Gelegenheit haben, allen Menschen Gutes tun, am meisten aber denen, die mit uns im Glauben verbunden sind.“

Professor Tony Merida, der übrigens zusammen mit seiner Frau fünf Kinder adoptierte, hat auf der „20/20 Collegiate Conference“ 2014 über diesen Text gesprochen. Er wendet sich gegen Sensationalismus, Mystizismus, Idealismus und Individualismus im christlichen Glauben und mahnt auf der Grundlage von Galater 6 zu einer hohen Sicht der Gemeinde und einem „gewöhnlichen Christsein“, zu dem Achtsamkeit und Selbstlosigkeit gegenüber den echten Nöten der Brüder und Schwestern gehören.

Eine Botschaft, die ich sehr empfehle:

Das schickliche Andachtsbuch

Es war gut gemeint, als ich meiner Frau zu Weihnachten ein Andachtsbuch zur laufenden Bibellese schenkte. Fast ist es Tradition. Schon unterschiedlichste Ausgaben haben wir geprobt. Unterm Strich war meine Frau allerdings oft enttäuscht, so dass wir immer noch auf der Suche sind.

Beim letzten Weihnachtsfest habe ich ein Buch verschenkt, dass in Zusammenarbeit mit der Herrenhuter Brüdergemeine herausgegeben wird und auf die Losungs- und Lehrtexte abgestimmt ist. Abermals eine Enttäuschung. Vor einigen Tagen war der Andachtstext so sinnentstellend, dass mir meine Frau das Buch in die Hand gedrückt hat: „Hier, das kannst du wieder haben!“

Es geht in der Andacht um die Auslegung des Verses: „Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“ (2. Korinther 3,17). Herangezogen wird ein Kinderbuch von Astrit Lindgren, nämlich Karlsson vom Dach. Karlsson sei beneidenswert, da er von sich eingenommen und „so völlig frei und unabhängig“ von „der Meinung und vom Urteil der anderen“ sei. Die Kinderbücher von Astrid Lindgren, das wird so sein, „atmen alle diese große innere Freiheit.“ Wenn wir solche Bücher lesen, gewinnt das „unendlich wichtige Gefühl Raum“, dass ich „kleiner Mensch gut bin, so wie ich bin“. Das macht mich stark und frei gegenüber allen, „die meinen, mich beurteilen zu dürfen, und deren Urteil mich schwach und abhängig macht.“ Wo Kinder und Erwachsene sich geliebt fühlen, von Menschen und von Gott, da entsteht die „Atmosphäre der Freiheit aus Gottes Geist, in der Menschen aufblühen können, frei werden vom Urteil der anderen und frei, ihren Weg zu gehen.“

Nun mag Vers 17 im Detail schwer zu verstehen sein (Abschnitt (a) heißt wörtlich: „Aber der HERR ist der Geist“). Sicher ist, dass Paulus nicht einer selbstgefälligen Lebenseinstellung oder einer Psychologie der Selbstannahme das Wort redet. Umgekehrt wird ein Schuh draus. Dem Apostel geht es überhaupt nicht um ein stärkeres Selbstvertrauen oder um mehr Selbstbestimmung, sondern um das Christusvertrauen (V. 13, 4). Wenn schon der Gottesdienst des Buchstabens im Alten Testament wunderbar war, wie viel mehr herrlich ist dann der Dienst im Geist? Die Freiheit, um die es geht, ist nicht die Freiheit, zu tun oder zu lassen, was man für richtig hält, sondern die Freiheit, die durch das Erlösungswerk von Jesus Christus in unser Leben tritt. Diese Freiheit, die nicht aus meinem Innern kommt, sondern aus dem Geist, nimmt die Decke von meinen Augen fort und befähigt mich zu einer Lebendigkeit, die allein Gott schenkt und gefällt. Nicht wo mein Geist ist, ist Freiheit, sondern Freiheit ist dort, wo der Geist des HERRN ist.

Nun aber zu meinem Anliegen: Welche deutschsprachigen Andachtsbücher (möglichst in Verbindung mit einer Bibellese) könnt Ihr empfehlen? In zehn Monaten will ich das passende Buch auf den Tisch legen.

Spurgeon-Konferenz: Rückblick

Mark K. hat freundlicherweise noch zwei Videos zur Spurgeon-Konferenz 2014 in München online gestellt. Im ersten Video erzählen einige Studenten, weshalb sie an der Konferenz teilgenommen haben. Im zweiten Video spricht Mike Clark in englischer Sprache über den Hintergrund der Konferenz und die Beziehungen zu THE PROCLAMATION TRUST in London.

Auch 2015 wird übrigens wieder eine Konferenz stattfinden.

Hier die Videos:

Mit Bartholomäus Ziegenbalg lernen

NewImageVor vielen Jahren hatte ich das Vorrecht, Niels Peter Moritzen bei der Herausgabe von zwei Werken aus der Frühgeschichte der evangelischen Mission zu unterstützen. Die Schrift „Kurze Beschreibung der Tätigkeit der Mission“ wurde am 21. Juli 1717 in Tranquebar/Südindien in lateinischer Sprache von der Missionsdruckerei veröffentlicht. Als Autoren zeichnen die beiden Indienmissionare B. Ziegenbalg und J.E. Gründler.

Prof. Moritzen, der die Schrift übersetzte und damit erstmals einer größeren Öffentlichkeit zugänglich machte, schreibt in seiner Einführung: „Diese Darstellung ist ein faszinierendes Beispiel für eine sachliche und werbende Missionsberichterstattung, die sich an Mitchristen wendet. Sie macht nicht nur den äusseren Aufbau der Arbeit, sondern auch das Selbstverständnis der führenden Missionare recht deutlich und ist so als eine Einführung recht brauchbar“ (Bartholomäus Ziegenbalg u. Johannes Ernst Gründler, Von den Anfängen evangelischer Mission, hrsg. von Niels Peter Moritzen, Bonn, 2002, S. 7).

Die beiden Verfasser der Schrift „Kurze Beschreibung der Tätigkeit der Mission“ beschreiben unter Abschnitt XXV die Verkündigung des Evangeliums. Das gefällt mir natürlich:

Durch die Ankündigung des Evangeliums wird den Menschen der übergroße und allerkostbarste Schatz vorgestellt und dargeboten. Wer diesen annimmt und in seinem Gemüt wirklich zu eigen hat, der hat das Brot des Lebens; wer es isst, wird in Ewigkeit leben. Er hat eine Quelle lebendigen Wassers; wer daraus Wasser trinkt, wird in Ewigkeit nicht dürsten. Ja Ströme lebendigen Wassers fließen von seinem Leibe. Er hat das Licht der Welt, und wer dem folgt, wird nicht wandeln in der Finsternis. Er hat den Weg, und nur dieser führt uns zum ewigen Leben. Er hat die Pforte, durch die wir zur Teilnahme am Himmelreich eingehen. Dieser allerkostbarste und himmlische Schatz ist JESUS CHRISTUS, und zwar der gekreuzigt und von den Toten auferstanden ist. Er ist uns von Gott gemacht zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung.

Aber beeindruckend ist auch, was die Missionare über die Zielsetzung der errichteten Schulen kundtun. Es heißt dazu unter XIII.:

Das wichtigste Ziel in diesen Schulen ist: 1) Die wahre Frömmigkeit oder Erkenntnis der Wahrheit nach Art der Frömmigkeit in ihre Seelen zu pflanzen. 2) Das Wort Gottes und die göttlichen Wahrheiten aus der Heiligen Schrift selbst ihnen vertraut zu machen. 3) Die Lehren des wahren Christentums aus der Heiligen Schrift und anderen christlichen Büchern so zu lehren, daß sie den wahren Sinn und Zusammenhang der ganzen Ordnung der Gnade und des Heils erfassen, wie Gott in unseren Seelen das Werk der Erlösung bewirkt. 4) Den wahren Gebrauch und Sinn christlicher Schriften durch die Erziehung der Kleinen in diesen bisher dunklen Ländern einzuführen. 5) Die Schüler zu guten Sitten zu erziehen, damit die eingeübten Sitten der Heiden ausgelöscht und eine christliche Kultur der Seelen begründet werde. 6) Die biblische Geschichte nach ihrem Zusammenhang ihnen einzuprägen. 7) Rechtschreibung und Rechenkunst zu lehren. 8) Ihnen einen guten Stil anzugewöhnen usw.

Es folgt ein – wie ich meine – besonders wertvoller Abschnitt. Unter XIV. beschreiben die Missionare, wie sie einige begabte und fortgeschrittene tamulische Schüler für den Missions- und Pastorendienst vorbereiten. Zu ihren Aufgaben gehört:

1) Täglich halten sie fortlaufende biblische Lesung. 2) Kernstellen der Bibel werden auswendig gelernt. 3) Die thetische Theologie lernen sie ernstlich. 4) An den oben kurz beschriebenen tamulischen Schulen halten sie Katechisationen. 5) Die Predigten, die die Missionare öffentlich halten, schreiben sie in der Kirche aus ihrem Munde eilends mit Eilschrift auf, bedenken sie zu Hause und wiederholen sie vor der Versammlung der Schüler und Katechumenen aus dem Gedächtnis. 6) Gewisse theologische Stoffe und biblische Aussagen werden ihnen zur Erklärung vorgelegt, die sie nach ausreichender privater Verarbeitung und nach tamulischer Niederschrift auf Papier, wohlbedacht zum Vortrag ihrer Überlegungen vor den übrigen Schülern Gelegenheit haben. 7) Die biblische Geschichte machen sie sich durch häufigen Unterricht und Lesung vertraut. 8) Sie besuchen das Collegium Biblicum et Exegeticum, d.h. die Bibelauslegungsstunde bei den Missionaren. 9) Sie bemühen sich um medizinische Kenntnisse nach den Prinzipien der tamulischen Ärzte sowohl theoretisch wie praktisch. 10) Sie lernen das Portugiesische, Geographie und Kenntnis des Globus usw.

Na, da können wir heute viel lernen!

Rosaria Butterfield im Gespräch

Die ehemalige feministische Literaturprofessorin Rosaria Butterfield spricht mit Russel Moore darüber, wie sie zum Glauben an Jesus Christus gefunden hat (Rosaria ist jene Frau, gegen deren Vortrag am Wheaton College kürzlich demonstriert wurde). Das Gespräch ist immens hilfreich, gerade auch für evangelistisch ausgerichtete Christen. Rosaria Butterfield verbindet Herzlichkeit mit tiefen theologischen Einsichten und betont den so wichtigen Aspekt der Gemeinschaft. Der Pastor, der ihr dabei geholfen hat, Jesus zu begegnen, hatte ein offenes Haus. Nie hatte sie das Gefühl, von ihren christlichen Freunden instrumentalisiert zu werden. Trotzdem wurde über kritische Fragen offen und kontrovers gesprochen. Ein entscheidender Schlüssel war der hermeneutische Zugang zur Heiligen Schrift. Eine bedeutende Rolle spielte zudem das Gebet.

Wo sind die offenen Häuser?

VD: JT

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