Ralf Schuller erörtert in der NZZ die Frage, was passiert, wenn das Konzept einer sozial konstruierten Geschlechtlichkeit noch weiter Fahrt aufnimmt. Er meint, dass sich Welt, in der wir leben, weiter stark verändern wird und vor allem die biologische Familie, die enorm zur Wertschöpfung beiträgt, in Mitleidenschaft gezogen werden wird.
In Wahrheit geht es um mehr als Natur contra Gefühl oder soziale Konstrukte: Die klassische Familie ist die elementare Zelle der bürgerlichen Gesellschaft, sie trägt die massgebliche Verantwortung für gelingendes Leben, am Anfang (Zeugung, Erziehung, Kulturkompetenz) und am Ende (Pflege, Versorgung, Generationenzusammenhalt). Sie stellt uns in Traditionslinien, begründet unsere Herkunft und oft genug unsere Zukunft. Kurz: Die klassische Familie prägt unsere Gesellschaftsordnung in ihren Werten und Strukturen. Die klassische Vater-Mutter-Kind-Familie mit leiblicher Abstammung aus dem praktischen Denkbetrieb der Gesellschaft zu nehmen und in eine Regenbogen-bunte Vielfalt zu stellen, verzerrt nicht nur die Realität, sondern wird die Gesellschaft verändern. Das kann man wollen oder auch nicht. Die von etlichen Aktivisten ausdrücklich bekämpfte «Heteronormativität» ist kein Unrecht oder Unfall, sondern gelebte Realität. Wenn sich das grundlegend ändert, sterben wir aus oder müssen auf technische Reproduktionswege setzen – mit allen Risiken und Nebenwirkungen.
Heute leben schätzungsweise 40 Millionen Menschen in „moderner Sklaverei“, meist in Mienen oder im Prostitutionsgewerbe. Andreas Eckert zeichnet in seinem Buch Geschichte der Sklaverei: Von der Antike bis ins 21. Jahrhundert die düstere Vergangenheit und Gegenwart einer Institution nach, die schon seit der Antike in unterschiedlichen Ausprägungen in allen Weltregionen anzutreffen ist.
Der DLF hat mit Andreas Eckert über die Sklaverei gesprochen und geht auch auf die Rolle der Religionen ein. William Wilberforce war sicher kein Evangelikaler, wie es der DLF behauptet. Gewiss war der britische Parlamentarier und Christ aber ein Anführer im Kampf gegen die Sklaverei und den Sklavenhandel.
Der Philosoph Guy Sorman behauptet laut Sunday Times, der 1984 im Alter von 57 Jahren verstorbene Michel Foucault sei ein pädophiler Vergewaltiger gewesen, der in den späten 1960er Jahren in Tunesien Sex mit arabischen Kindern hatte. Sorman soll unter anderem gesagt haben:
Kleine Kinder rannten hinter Foucault her und sagten „was ist mit mir? nimm mich, nimm mich“ … Sie waren acht, neun, zehn Jahre alt. Er warf ihnen Geld zu und sagte „lasst uns um 22 Uhr am üblichen Ort treffen“. Er würde dort auf den Grabsteinen mit kleinen Jungen Liebe machen. Die Frage der Einwilligung wurde nicht einmal gestellt.
Sorman erklärte sein Bedauern darüber, dieses extrem umoralische Verhalten damals nicht der Polizei gemeldet zu haben.
Dieses Bekenntnis heizt in Frankreich die Debatte über die Entkriminalisierung der Pädosexualität weiter an. Führende französische Intellektuelle, darunter Michel Foucault, Roland Barthes, Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir, forderten 1977 in einer Petition die Freigabe von Sex mit Kindern unter 15 Jahren (vgl. dazu hier).
Mark Meynell, ein ehemaliger Mitarbeiter von All Souls in Langham (England), berichtet darüber, wie John Sott (1921–2011) seine Vormittage verbracht hat:
Es war Stotts lebenslange, tägliche Praxis, früh aufzustehen, um eine beträchtliche Zeit im Gebet zu verbringen und dann vom Frühstück bis zum Mittag an seinem Schreibtisch zu arbeiten. Diese Studienzeit war unantastbar. Frances [Stotts Sekretärin, R.K.] beschrieb mir einmal, wie beschämt sie sich gefühlt habe, als sie es bei einer Gelegenheit für nötig empfunden hatte, ihn zu unterbrechen, nachdem jemand mit einer dringenden Frage angerufen hatte (sie konnte sich nicht erinnern, was es war). Als sie die Tür öffnete, brütete Stott gerade über einem Buch, die Ellenbogen auf den Tisch gestützt und den Kopf in den Händen. Ohne seine Position zu verändern drehte er den Kopf und murmelte etwas wie „Sie haben keine Ahnung, wie schwierig es ist, wenn mein Gedankengang unterbrochen wird“. Es blieb das einzige und letzte Mal, dass sie Stott in seiner Studienzeit unterbrach.
Dies war das Geheimnis seiner Klarheit in der Lehre. Sie kam selten in Form von Geistesblitzen, sondern war hart erkämpft und wurde durch ständiges geistliches Ringen geschärft. Nur durch mühsame Anstrengung entstand seine scheinbar mühelose Klarheit.
Alexander Zinn war von 1996 bis 2010 Pressesprecher und Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbands. Ich bin ihm dankbar, dass er in der heutigen FAZ-Ausgabe darlegt, dass die einschlägigen Verbände inzwischen ins Fahrwasser der Identitätspolitik geraten sind und zunehmend totalitärer auftreten.
Er schreibt (FAZ, 16.03.2021, Nr. 63, S. 11):
Die seit einigen Jahren zu beobachtende Orientierungslosigkeit der Interessenverbände hat sie zu einem leichten Opfer radikaler Ideologen werden lassen. Pragmatische Politikansätze wurden zurückgedrängt, stattdessen übernahmen Akteure das Ruder, die in den akademischen Blasen der Universitäten in Fragen von Queer-Theory, Postkolonialismus und intersektionaler Diskriminierung geschult worden sind. Mangels anderer Berufsaussichten drängen sie bevorzugt in Nichtregierungsorganisationen und Medien, wo sie in den letzten Jahren an vielen Stellen tonangebend wurden. Im „ideologischen“ Gepäck haben sie all jene Vorstellungen, die viele wie Caroline Fourest in ihrem Buch „Generation Beleidigt“ als linksidentitär bezeichnen: Die Reduzierung der komplexen modernen Gesellschaften auf ein tribalistisches Konzept identitär bestimmter Gruppen, die für sich eine „angemessene“ Repräsentanz fordern, was letztlich nur in einer neuen Form des Ständestaates enden kann … Wie regressiv die linksidentitären Konzepte sind und wie wenig sie noch mit der Vision einer Gesellschaft freier Individuen zu tun haben, in der jeder nach seiner Façon glücklich werden kann, haben in der LGBTI-Bewegung bislang nur die wenigsten verstanden. Dabei lässt sich kaum übersehen, dass mit der neuen „Identitätspolitik“ hoher Konformitätsdruck einhergeht.
Auch diesen Satz finde ich klasse: „Dass die Welt nicht nur aus Freund und Feind besteht und es auch wohlwollende Kritik aus der Mitte der Gesellschaft geben könnte, scheint für einige Akteure unvorstellbar zu sein.“
Das Landgericht Kassel hat den Evolutionsbiologen Prof. Ulrich Kutschera (Kassel) vom Vorwurf freigesprochen, sich in einem Interview 2017 beleidigend und volksverhetzend über Schwule und Lesben geäußert zu haben.
Eine gute Nachricht für diejenigen, denen die Meinungsfreiheit ein hohes Gut ist.
Das Nachrichtenmagazin idea berichtet:
Das Gericht kam am 2. März zu dem Schluss, dass seine Aussagen von der im Grundgesetz geschützten Meinungsfreiheit gedeckt sind. Meinungen dürften auch scharf und verletzend sein. Für viele Menschen schwer erträgliche Aussagen seien nicht gleich strafbar.
Damit hob das Landgericht das vorherige Urteil des Amtsgerichts Kassel vom August 2020 auf. Es hatte den heute 66-jährigen Wissenschaftler wegen beleidigender Äußerungen über Homosexuelle zu einer Geldstrafe von 6.000 Euro verurteilt worden.
…
Gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA sagte Kutschera zum Urteil: „Nach so viel negativer Berichterstattung und einer klaren Vorverurteilung war ich über den Freispruch erstaunt.“
Der Richter am Landgericht Kassel habe seine Äußerungen im Rahmen der grundgesetzlich verankerten Meinungsfreiheit verortet: „Leider haben die Mainstream-Medien wieder einseitig berichtet.“ An allen drei Verhandlungstagen vor dem Landgericht habe er dargelegt, dass seine Aussagen im kath.net-Interview zur „Ehe für alle“ sachlich korrekt gewesen seien: „Darüber schweigen die Leitmedien, was ich bedauere.“
Carl Truman berichtet in dem Journal First Things über neue pastorale Herausforderungen, die sich angesichts der unter dem US-Präsidenten Biden eingeführte Transgender-Politik ergeben:
Letzte Woche erzählte mir ein befreundeter Pastor von einem neuen Problem, mit dem er sich in seiner Gemeinde konfrontiert sieht. [Es] ist, ist die Frage, wie man Eltern von Mädchen im Teenageralter berät, die nichts trinken wollen, bevor sie zur Schule gehen, damit sie nicht die Toiletten benutzen müssen: Die sind nämlich dank der Unterschrift von Präsident Biden nun auch für Jungen im Teenageralter offen.
Und zwar für Jungen, die glauben – oder behaupten – im falschen Körper geboren worden zu sein. Es scheint, dass die Angst und das körperliche Unbehagen, die durch die neue Toilettenpolitik verursacht werden, nun die neue Normalität für junge Highschool-Mädchen sein werden.
Trans-Aktivisten benutzen gerne die Sprache der „Sicherheit“, um mit der Ästhetik unserer therapeutischen Kultur zu spielen und ihre Kritiker zu delegitimieren. Nun, diese biologischen Frauen fühlen sich nicht mehr sicher. Ihre Räume, wie auch ihr Geschlecht, sind ihnen von Männern und für Männer gestohlen worden. Sie fühlen sich jetzt in einer solchen Gefahr, dass sie nicht einmal vor der Schule Wasser trinken, um nicht tagsüber auf die Toilette zu müssen.
Amerika hat eine Reihe von Präsidenten gehabt, deren Appetit für viele Frauen, die ihnen über den Weg gelaufen sind, eine Gefahr darstellte. Doch der gegenwärtige Präsident hat sie alle übertroffen. Seine Politik macht ihn zu einer Gefahr für alle Frauen, auch denen, die eine Schultoilette benutzen möchten.
Vor etwa 20 Jahren habe ich mich ergiebig mit dem Verhältnis von Seelsorge und Psychologie o. Psychotherapie beschäftigt und bin dabei unter anderem bei der Feministin Isolde Karle gelandet. An der Seelsorgelehre in der Tradition Schleiermachschers hat mich immer abgeschreckt, dass die Theologie fast völlig für die Anthropologie verzweckt wurde. Alles, selbst Gott, dreht sich um den Menschen. Ein ähnliches Unbehagen empfand ich bei der Lektüre von Seelsorge in der Moderne, auch wenn ich dankbar war, dass Karle der Gemeinde in der Seelsorge wieder mehr Raum zugestehen wollte. Zitat (Seelsorge in der Moderne, 1996, S. 224):
Der Realitätsbezug der Parochie scheint manchen Pastoralpsychologen
aufgrund ihrer starken Orientierung an der psychotherapeutischen
Praxis verloren gegangen zu sein. Selbst Scharfenbergs Beispiele
erinnern eher an die therapeutische, denn an die parochial-seelsorgerliche
Praxis, obwohl er sich intensiv um die Vermittlung beider
Beratungsformen bemüht.
Als ich verstand, dass sie sich in postmoderner Manier für die Destabilisierung der Zweigeschlechtlichkeit stark macht, hatte sich mich dann allerdings völlig verloren (S. 191):
Eine Überwindung der Geschlechterbinarität ist nicht wahrscheinlich, solange unsere Kultur die Zuordnung zu einem Geschlecht so wichtig nimmt. Dennoch ist eine Destabilisierung der Geschlechterpolarität möglich und gesellschaftlich längst schon im Gange. Wie im ersten Kapitel dieser Studie ausführlich dargestellt, läßt sich eine Diversifizierung der Geschlechter: beobachten, die mit den Modernisierungsund sozialen Wandlungsprozessen der letzten Jahrzehnte einhergeht. Durch die „nachholende Individualisierung“ von Frauen, durch ihre Partizipation an den Funktionssystemen der Gesellschaft, durch die Selbstverständlichkeit der Berufstätigkeit von Frauen sind Entdifferenzierungsprozesse in Gang gekommen, die das zweigeschlechtliche Symbolsystem relativieren. Wenn Frauen die Tätigkeiten von Männern und Männer die Tätigkeiten von Frauen übernehmen, verlieren die geschlechtsdifferenzierenden Bedeutungen von Tätigkeiten ihren Sinn. Nehmen die Optionen, das eigene Leben individuell zu gestalten, zu, werden die Selbstkonzepte und damit die Identitäten auch und gerade im Hinblick auf das je eigene Geschlecht variabler und vielfältiger. Durch zunehmende Überlappungen und Grenzüberschreitungen schleift sich die Schärfe des Geschlechterdualismus ab und verliert dieser tendenziell seine Polarität.
Frau Prof. Karle gehört zu jenen evangelischen Theologen und Theologinnen, die diakonischen Einrichtungen in Ausnahmefällen den assistierten Suizid ermöglichen möchten (vgl. hier). Sie wurde kürzlich von Ute Welty für den DLF zu dem von ihr mitgetragenen Vorstoß interviewt. Frau Karle lehnt die Mithilfe bei einem affektiven Suizidwunsch strickt ab. Auch Beihilfe bei einem gefestigten Suizidwunsch muss die „absolute Ausnahme“ bleiben. Wenn sie jedoch angemessen scheint, sei das ein Akt christlicher Nächstenliebe.
Dieses Umdeuten ist nicht ganz neu. Ich habe es hier bereits vor 9 Jahren vorgestellt und kritisiert. Alan Mann und Steve Chalke hatten die aktive Sterbehilfe wie folgt „geframed“:
Der Christ kann in der Euthanasie – und das betrifft auch die aktive Sterbehilfe – keinen Akt der autonomen Selbstbestimmung sehen, denn das stellte die Usurpation göttlichen Rechts dar, Leben zu nehmen. Eine solche Entscheidung sollte von einer fürsorglichen und mitfühlenden Gemeinschaft im Glauben getroffen werden. Sie dem Einzelnen zu überlassen, wäre ein Akt höchstmöglicher Preisgabe und widerspräche diametral der ethischen Einstellung eines jeden, der behauptet, Nachfolger Jesu zu sein.
Wir nehmen kein Leben, sondern räumen dem Einzelnen das Recht ein, von sich aus auf ein Weiterleben zu verzichten und dem Gott, der das Leben gegeben hat zu vertrauen, dass nichts uns „kann scheiden von der Liebe Christi … weder Leiden noch Tod“ (Röm 8,35ff.).
Genau lesen. Der Einzelne hat nicht die Vollmacht, sich über von Gott gesetzte Grenzen hinwegzusetzen. Die Gemeinschaft der Glaubenden darf allerdings – so die beiden Emergenten – im Glauben die Gebote Gottes suspendieren. Und derjenige, der sein Leben gewollt beendet, stiehlt nicht etwa das Geschenk des Lebens. Nein, er verzichtet bescheiden auf das Leben.
Das ist die sanfte Umdeutung der christlichen Botschaft, die heutzutage fast überall aufblitzt und leider auch von vielen, die ihre Bibel lesen, nicht erkannt wird.
Frankreich wird derzeit durch Enthüllungsbücher über Inzest und Pädosexualität erschüttert. Höchste Kreise des Landes sind betroffen (siehe hier und hier). Camille Kouchner, die eines dieser Werke geschrieben hat, ist die Tochter von Evelyne Pisier und Bernard Kouchner. Ihre Mutter war militante Feministin, eine Zeit lang sogar die Geliebte von Fidel Castro. Der Vater war einst Außenminister, Präsident des Rats der Europäischen Union und hat „Ärzte ohne Grenzen“ begründet. Er gehörte zum Kern der sogenannten „Neuen Philosophen“ um André Glucksmann und Bernard-Henri Lévy.
Was die Sache jenseits des Kinderleids so bedrückend macht: Das ideologische Futter für Entkriminalisierung der Pädosexualität wurden von französischen Intellektuellen schon in den 70-er Jahren bereitgestellt. Es waren Lehrer, die in der Pädagogik und Philosophie der Postmoderne nach wie vor hohes Ansehen genießen, unter ihnen Michel Foucault, Roland Barthes, Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir und der besagte Bernard Kouchner. An diesen Autoren kommt kaum jemand vorbei, der heute ein Lehramt oder Pädagogik studiert, wobei über ihre „Theorien“ nur selten kritisch reflektiert wird.
Danny Michelsen beschreibt in dem von Franz Walter et. al. herausgegeben Buch Die Grünen und die Pädosexualität (2015, S. 23) die Ereignisse rund um den „Offenen Brief zur Überarbeitung des Gesetzes über Sexualdelikte an Minderjährigen“:
Die Regulierung sexueller Praktiken, gerade auch die Sanktionierung von Perversionen, wurde von vielen jungen, sich als fortschrittlich verstehenden Sexualforschern ausschließlich als Herrschaftsinstrument interpretiert, durch das die gesunde sexuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen gestört werde. Wenn manche von ihnen die Gefahren »asozialer« Triebregungen betonten, versicherten sie zugleich, dass der Sexualtrieb »seine eigene Ordnung« habe, »die sich desto wirkungsvoller durchsetzt, je ungestörter durch äußere Hemmungen die sexuellen Bedürfnisse befriedigt werden können«. Diese Überzeugung floss in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden in die Debatten rund um die Reformierung des Sexualstrafrechts ein. Der deutsche Gesetzgeber differenzierte 1973 die bislang geltenden Unzuchtstatbestände aus und schuf so einen »strafrechtlichen Rundumschutz des Kindes vor sexuellen Kontakten jeglicher Art mit einem Erwachsenen«.
In Frankreich gab es ähnliche Bestrebungen; 1977 unterzeichneten jedoch zahlreiche Gelehrte und Schriftsteller eine Petition gegen ein Gesetz, das Sex mit Kindern unter 15 Jahren unter Strafe stellen sollte: Neben Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir, Jacques Derrida und Roland Barthes hatte auch Michel Foucault, der zur selben Zeit mit seinem diskursanalytischen Ansatz die historische Erforschung der Sexualität in neue Bahnen lenkte, sich gegen das Gesetz ausgesprochen. Eines seiner Hauptargumente lautete: Der moderne Staat stilisiere Pädophile zu gefährlichen Individuen und benutze sie, um immer tiefere Eingriffe in das Sexualleben der Bürger zu rechtfertigen. Dabei, so Foucault, sei es vermessen, von psychiatrischen Gutachtern anzunehmen, dass sie die Wünsche von Kindern deuten könnten und dass es so etwas wie eine essentielle »Natur« der kindlichen Sexualität gebe. Seines Erachtens gebe es keinen Grund, warum sexuelle Beziehungen, in die Kinder einwilligen, nicht erlaubt sein sollten: »Jedenfalls hat eine gesetzlich festgelegte Altersgrenze keinen Sinn. Noch einmal, man kann dem Kind zutrauen, selbst zu sagen, ob ihm Gewalt angetan worden ist oder nicht.«
An der Eliteuniversität in Cambridge sollen Professoren und Dozenten eine Umschulung in Sachen Rassismus erhalten. Aufgrund eines vorausgesetzten strukturellen Rassismus – es gibt nämlich mehr weiße Lehrkräfte als farbige, wird den Mitarbeitern ein Diversitätstraining als Weiterbildung verpasst. Auch mit Sanktionen muss gerechnet werden:
Vom Rassismus heißt es zwar, er sei „strukturell“, aber wie er sich unter dieser Voraussetzung durch Kurse an Einzelnen wegerziehen ließe, ist nicht leicht zu sehen. Es soll auch Noten für die Kurse geben, die aber, heißt es, nur zu statistischen Zwecken ausgewertet werden. Wer flächendeckende Problemlösungen durchgesetzt hat, ohne zuvor flächendeckende Probleme mehr als definitorisch – „Es gibt eine Mehrheit weißer Lehrkräfte, also muss etwas getan werden“ – nachgewiesen zu haben, mag auch hier noch Spielraum für Sanktionen finden. Oder die Ausweitung der Gerechtigkeitskurse betreiben.