Ethik

Beiträge aus dem Bereich Ethik.

Mischwesen aus Mensch und Affe

An die Nachrichten von lebenden Chimären aus Mensch und Tier werden wir uns nach dem „Tod Gottes“ und den „Ewigkeitsphantasien des Menschen“ gewöhnen müssen. Der Mensch greift in die Keimbahn ein und argumentiert ausschließlich vom Nutzen her. Das klingt dann so: 

Doch solange derartige Mischwesen nur zwei bis drei Wochen in der Petrischale existieren und nicht von einer Leihmutter ausgetragen werden, besteht die Gefahr ja nicht, dass lebensfähige Chimären unseren Planeten bevölkern.

Ohne hin ist das nicht die Intention der Experimente. Die Forschungsarbeiten mit Mischwesen sollen nach den Vorstellungen der Forscher die Grundlage für eine medizinische Revolution legen. Das Fernziel ist die Gewinnung von menschlichen Organen für die Transplantation. Angesichts des großen Mangels an Spenderorganen ist die Möglichkeit verlockend, dass Organe aus menschlichen Zellen zunächst in Tieren heranreifen, bevor sie dann einem Menschen das Leben retten können.

Schöne neue Welt. Hier mehr: www.welt.de.

Carpe diem

Heinrich Bullinger war ein Reformator der zweiten Generation, der als Nachfolger Zwinglis in Zürich wirkte. Ihn besonders auszeichnende Eigenschaften waren Fleiß, Ausdauer und Disziplin. Und natürlich liebte er das Wort Gottes, die Wissenschaft, seine Familie und die Kirche.

In dem Artikel „Carpe diem“ zeichne ich nach, wie hart der Pastor gearbeitet hat und dass wir noch heute von ihm viel lernen können:

Dabei hat Zwinglis Schüler kein stilles Schriftstellerleben geführt. Familie und Pastorat verlangten von ihm Außergewöhnliches ab. Bullinger wollte seine Familie immer in seiner Nähe haben. Er sorgte deshalb dafür, dass seine Frau Anna und die elf Kinder beim Großmünster, seinem Arbeitsplatz, lebten. Den akribischen Aufzeichnungen im Diarium, eine Art Tagebuch, ist zu entnehmen, dass er nach seiner Berufung zum Antistes der Züricher Kirche von der Predigtlast fast erdrückt worden ist. Bullinger predigte wöchentlich bis 1538 sechs bis acht Mal. Er setzte sich gründlich mit der ganzen Schrift auseinander und legte das gesamte Neue Testament und weite Teile des Alten Testaments aus.

Wie gelang es Heinrich Bullinger, trotz dieser enormen Belastungen so viel zu schreiben?

Ein Schlüssel zum Verständnis dieser Produktivität ist seine Abneigung gegenüber allem Müßiggang. In seiner 1527 verfassten Anweisung zum Studium (Studiorum ratio) hat er, damals noch ein junger Mann, auf Anfrage eines älteren Freundes beschrieben, wie im humanistisch-reformatorischen Geiste studiert wird. Er erklärte: „Der berühmte Plinius Secundus aus Como, der seine Zeit aufs begierigste auskostete, hielt nichts für schlimmer als Zeitverlust, und er sagte, all diejenige Zeit, die nicht für wissenschaftliche Betätigung aufgewendet werde, sei verlorene Zeit.“

Höchstwahrscheinlich kannte Bullinger den Spruch des Plinius (61/62–113/115 n. Chr.) von dem Humanisten Erasmus (1466/67/69–1536). Dieser hat sich gern auf jenen berufen, um seine Schüler zum Fleiß anzustiften. Das Bedauern über verschwendete Zeit ist unter den Gelehrten und Reformatoren des 16. Jahrhunderts ein Gemeinplatz. Der Straßburger Reformator Martin Bucer (1491–1551) sagte über ihre Strebsamkeit: „Sie hassten den Müßiggang und die Kleinigkeiten; vor dem Zeitverlust hatten sie Angst.“

Mehr: www.evangelium21.net.

Die Pflichten der Kinder

Die westliche Kindererziehung funktioniere nicht mehr, sagt die US-Autorin Michaeleen Doucleff. In indigenen Gemeinschaften habe sie herausgefunden, wie Kinder Selbstvertrauen gewinnen. Zum Beispiel dadurch, dass sie selbstverständlich in die Pflichten der Erwachsenen eingebunden werden. Im Gespräch mit Caroline Rosales erklärt sie, warum es falsch ist, Kinder ständig in den Mittelpunkt zu stellen:

Genau das ist der Widerspruch. Dazu kommt, dass wir unsere Kinder ständig völlig übertrieben loben. Während ich mein Buch schrieb, habe ich mich einmal selbst beobachtet und dokumentiert, um festzustellen, wie oft ich meine Tochter am Tag lobe. Das Ergebnis: Ich tat es ständig für die absurdesten Kleinigkeiten. Die Blume, die sie gemalt hatte, zum Beispiel. Aber wenn man auf die Weltgeschichte und andere Kulturen als die westliche schaut, wurden Kinder dort selten in den Mittelpunkt gestellt und schon für die geringste Leistung gelobt. Und so wurden aus ihnen genau die Persönlichkeiten, die wir uns als Eltern wünschen. Genügsame, höfliche Menschen, die sich nicht ständig die Aufmerksamkeit und die Anerkennung der anderen suchen. Ich habe festgestellt, dass die Kinder in den indigenen Gemeinden viel weniger Lob erfahren. Die Eltern dort lächeln oder nicken nur leicht, wenn ihr Kind etwas gut gemacht hat. Seitdem ich das mit Rosie mache, sucht sie wesentlich weniger meine Aufmerksamkeit. Dieses Bedürfnis, sich über Erwachsene zu definieren, ist plötzlich weg.

Mehr hier, leider hinter einer Bezahlschranke: www.zeit.de.

Gender-Revolution wird die Welt verändern

Ralf Schuller erörtert in der NZZ die Frage, was passiert, wenn das Konzept einer sozial konstruierten Geschlechtlichkeit noch weiter Fahrt aufnimmt. Er meint, dass sich Welt, in der wir leben, weiter stark verändern wird und vor allem die biologische Familie, die enorm zur Wertschöpfung beiträgt, in Mitleidenschaft gezogen werden wird.

In Wahrheit geht es um mehr als Natur contra Gefühl oder soziale Konstrukte: Die klassische Familie ist die elementare Zelle der bürgerlichen Gesellschaft, sie trägt die massgebliche Verantwortung für gelingendes Leben, am Anfang (Zeugung, Erziehung, Kulturkompetenz) und am Ende (Pflege, Versorgung, Generationenzusammenhalt). Sie stellt uns in Traditionslinien, begründet unsere Herkunft und oft genug unsere Zukunft. Kurz: Die klassische Familie prägt unsere Gesellschaftsordnung in ihren Werten und Strukturen. Die klassische Vater-Mutter-Kind-Familie mit leiblicher Abstammung aus dem praktischen Denkbetrieb der Gesellschaft zu nehmen und in eine Regenbogen-bunte Vielfalt zu stellen, verzerrt nicht nur die Realität, sondern wird die Gesellschaft verändern. Das kann man wollen oder auch nicht. Die von etlichen Aktivisten ausdrücklich bekämpfte «Heteronormativität» ist kein Unrecht oder Unfall, sondern gelebte Realität. Wenn sich das grundlegend ändert, sterben wir aus oder müssen auf technische Reproduktionswege setzen – mit allen Risiken und Nebenwirkungen.

Mehr: www.nzz.ch.

40 Millionen Menschen in „moderner Sklaverei“

Heute leben schätzungsweise 40 Millionen Menschen in „moderner Sklaverei“, meist in Mienen oder im Prostitutionsgewerbe. Andreas Eckert zeichnet in seinem Buch Geschichte der Sklaverei: Von der Antike bis ins 21. Jahrhundert die düstere Vergangenheit und Gegenwart einer Institution nach, die schon seit der Antike in unterschiedlichen Ausprägungen in allen Weltregionen anzutreffen ist.

Der DLF hat mit Andreas Eckert über die Sklaverei gesprochen und geht auch auf die Rolle der Religionen ein. William Wilberforce war sicher kein Evangelikaler, wie es der DLF behauptet. Gewiss war der britische Parlamentarier und Christ aber ein Anführer im Kampf gegen die Sklaverei und den Sklavenhandel.

Hier das Gespräch:



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Michel Foucault soll Kinder in Tunesien sexuell missbraucht haben

Der Philosoph Guy Sorman behauptet laut Sunday Times, der 1984 im Alter von 57 Jahren verstorbene Michel Foucault sei ein pädophiler Vergewaltiger gewesen, der in den späten 1960er Jahren in Tunesien Sex mit arabischen Kindern hatte. Sorman soll unter anderem gesagt haben:

Kleine Kinder rannten hinter Foucault her und sagten „was ist mit mir? nimm mich, nimm mich“ … Sie waren acht, neun, zehn Jahre alt. Er warf ihnen Geld zu und sagte „lasst uns um 22 Uhr am üblichen Ort treffen“. Er würde dort auf den Grabsteinen mit kleinen Jungen Liebe machen. Die Frage der Einwilligung wurde nicht einmal gestellt.

Sorman erklärte sein Bedauern darüber, dieses extrem umoralische Verhalten damals nicht der Polizei gemeldet zu haben.

Dieses Bekenntnis heizt in Frankreich die Debatte über die Entkriminalisierung der Pädosexualität weiter an. Führende französische Intellektuelle, darunter Michel Foucault, Roland Barthes, Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir, forderten 1977 in einer Petition die Freigabe von Sex mit Kindern unter 15 Jahren (vgl. dazu hier).

John Stott: Deep Work

Mark Meynell, ein ehemaliger Mitarbeiter von All Souls in Langham (England), berichtet darüber, wie John Sott (1921–2011) seine Vormittage verbracht hat: 

Es war Stotts lebenslange, tägliche Praxis, früh aufzustehen, um eine beträchtliche Zeit im Gebet zu verbringen und dann vom Frühstück bis zum Mittag an seinem Schreibtisch zu arbeiten. Diese Studienzeit war unantastbar. Frances [Stotts Sekretärin, R.K.] beschrieb mir einmal, wie beschämt sie sich gefühlt habe, als sie es bei einer Gelegenheit für nötig empfunden hatte, ihn zu unterbrechen, nachdem jemand mit einer dringenden Frage angerufen hatte (sie konnte sich nicht erinnern, was es war). Als sie die Tür öffnete, brütete Stott gerade über einem Buch, die Ellenbogen auf den Tisch gestützt und den Kopf in den Händen. Ohne seine Position zu verändern drehte er den Kopf und murmelte etwas wie „Sie haben keine Ahnung, wie schwierig es ist, wenn mein Gedankengang unterbrochen wird“. Es blieb das einzige und letzte Mal, dass sie Stott in seiner Studienzeit unterbrach.

Dies war das Geheimnis seiner Klarheit in der Lehre. Sie kam selten in Form von Geistesblitzen, sondern war hart erkämpft und wurde durch ständiges geistliches Ringen geschärft. Nur durch mühsame Anstrengung entstand seine scheinbar mühelose Klarheit.

Mehr: www.evangelium21.net.

Einfalt statt Vielfalt

Alexander Zinn war von 1996 bis 2010 Pres­se­spre­cher und Geschäfts­füh­rer des Lesben- und Schwu­len­ver­bands. Ich bin ihm dankbar, dass er in der heutigen FAZ-Ausgabe darlegt, dass die einschlägigen Verbände inzwischen ins Fahrwasser der Identitätspolitik geraten sind und zunehmend totalitärer auftreten. 

Er schreibt (FAZ, 16.03.2021, Nr. 63, S. 11):

Die seit eini­gen Jahren zu beob­ach­ten­de Orien­tie­rungs­lo­sig­keit der Inter­es­sen­ver­bän­de hat sie zu einem leich­ten Opfer radi­ka­ler Ideo­lo­gen werden lassen. Prag­ma­ti­sche Poli­tik­an­sät­ze wurden zurück­ge­drängt, statt­des­sen über­nah­men Akteu­re das Ruder, die in den akade­mi­schen Blasen der Univer­si­tä­ten in Fragen von Queer-Theory, Post­ko­lo­nia­lis­mus und inter­sek­tio­na­ler Diskri­mi­nie­rung geschult worden sind. Mangels ande­rer Berufs­aus­sich­ten drän­gen sie bevor­zugt in Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen und Medien, wo sie in den letz­ten Jahren an vielen Stel­len tonan­ge­bend wurden. Im „ideo­lo­gi­schen“ Gepäck haben sie all jene Vorstel­lun­gen, die viele wie Caro­li­ne Fourest in ihrem Buch „Gene­ra­ti­on Belei­digt“ als links­iden­ti­tär bezeich­nen: Die Redu­zie­rung der komple­xen moder­nen Gesell­schaf­ten auf ein triba­lis­ti­sches Konzept iden­ti­tär bestimm­ter Grup­pen, die für sich eine „ange­mes­se­ne“ Reprä­sen­tanz fordern, was letzt­lich nur in einer neuen Form des Stän­de­staa­tes enden kann … Wie regres­siv die links­iden­ti­tä­ren Konzep­te sind und wie wenig sie noch mit der Vision einer Gesell­schaft freier Indi­vi­du­en zu tun haben, in der jeder nach seiner Façon glück­lich werden kann, haben in der LGBTI-Bewe­gung bislang nur die wenigs­ten verstan­den. Dabei lässt sich kaum über­se­hen, dass mit der neuen „Iden­ti­täts­po­li­tik“ hoher Konfor­mi­täts­druck einher­geht.

Auch diesen Satz finde ich klasse: „Dass die Welt nicht nur aus Freund und Feind besteht und es auch wohl­wol­len­de Kritik aus der Mitte der Gesell­schaft geben könnte, scheint für einige Akteu­re unvor­stell­bar zu sein.“

Ulrich Kutschera freigesprochen

Das Landgericht Kassel hat den Evolutionsbiologen Prof. Ulrich Kutschera (Kassel) vom Vorwurf freigesprochen, sich in einem Interview 2017 beleidigend und volksverhetzend über Schwule und Lesben geäußert zu haben. 

Eine gute Nachricht für diejenigen, denen die Meinungsfreiheit ein hohes Gut ist.

Das Nachrichtenmagazin idea berichtet:

Das Gericht kam am 2. März zu dem Schluss, dass seine Aussagen von der im Grundgesetz geschützten Meinungsfreiheit gedeckt sind. Meinungen dürften auch scharf und verletzend sein. Für viele Menschen schwer erträgliche Aussagen seien nicht gleich strafbar.

Damit hob das Landgericht das vorherige Urteil des Amtsgerichts Kassel vom August 2020 auf. Es hatte den heute 66-jährigen Wissenschaftler wegen beleidigender Äußerungen über Homosexuelle zu einer Geldstrafe von 6.000 Euro verurteilt worden.

Gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA sagte Kutschera zum Urteil: „Nach so viel negativer Berichterstattung und einer klaren Vorverurteilung war ich über den Freispruch erstaunt.“

Der Richter am Landgericht Kassel habe seine Äußerungen im Rahmen der grundgesetzlich verankerten Meinungsfreiheit verortet: „Leider haben die Mainstream-Medien wieder einseitig berichtet.“ An allen drei Verhandlungstagen vor dem Landgericht habe er dargelegt, dass seine Aussagen im kath.net-Interview zur „Ehe für alle“ sachlich korrekt gewesen seien: „Darüber schweigen die Leitmedien, was ich bedauere.“

Wie unsachlich die Mainstream-Medien berichten, ist gelegentlich schon an den Überschriften abzulesen. Die FAZ titelte: „Freispruch für Professor nach homophoben Äußerungen“.

Mehr: www.idea.de.

Es gibt eine neue pastorale Herausforderung

Carl Truman berichtet in dem Journal First Things über neue pastorale Herausforderungen, die sich angesichts der unter dem US-Präsidenten Biden eingeführte Transgender-Politik ergeben:

Letzte Woche erzählte mir ein befreundeter Pastor von einem neuen Problem, mit dem er sich in seiner Gemeinde konfrontiert sieht. [Es] ist, ist die Frage, wie man Eltern von Mädchen im Teenageralter berät, die nichts trinken wollen, bevor sie zur Schule gehen, damit sie nicht die Toiletten benutzen müssen: Die sind nämlich dank der Unterschrift von Präsident Biden nun auch für Jungen im Teenageralter offen.

Und zwar für Jungen, die glauben – oder behaupten – im falschen Körper geboren worden zu sein. Es scheint, dass die Angst und das körperliche Unbehagen, die durch die neue Toilettenpolitik verursacht werden, nun die neue Normalität für junge Highschool-Mädchen sein werden.

Trans-Aktivisten benutzen gerne die Sprache der „Sicherheit“, um mit der Ästhetik unserer therapeutischen Kultur zu spielen und ihre Kritiker zu delegitimieren. Nun, diese biologischen Frauen fühlen sich nicht mehr sicher. Ihre Räume, wie auch ihr Geschlecht, sind ihnen von Männern und für Männer gestohlen worden. Sie fühlen sich jetzt in einer solchen Gefahr, dass sie nicht einmal vor der Schule Wasser trinken, um nicht tagsüber auf die Toilette zu müssen.

Amerika hat eine Reihe von Präsidenten gehabt, deren Appetit für viele Frauen, die ihnen über den Weg gelaufen sind, eine Gefahr darstellte. Doch der gegenwärtige Präsident hat sie alle übertroffen. Seine Politik macht ihn zu einer Gefahr für alle Frauen, auch denen, die eine Schultoilette benutzen möchten.

Mehr hier: www.firstthings.com.

VD: AW

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