Ethik

Beiträge aus dem Bereich Ethik.

Eizellen-Plan von Apple und Facebook pervers

In den letzten Tagen ging es durch die Presse: Facebook und Apple wollen ihren Mitarbeiterinnen in Amerika die Kosten für das Einfrieren von Eizellen erstatten – damit sie vor dem Kinderkriegen Karriere machen können.

Anna Reimann hat dieses tückische Angebot sehr persönlich und bewegend kommentiert:

Aber wenn das Angebot von Arbeitgebern kommt, geht das Ganze in eine gefährliche Richtung. Mich fröstelt es, wenn ich darüber nachdenke. Wer Kinderkriegen nicht nur rational betrachtet – wie es am besten in den Wirtschaftsplan des Arbeitgebers passt – der muss künftig als naiv, doof, altbacken und rückständig gelten. Und vor allem ist er dann selbst schuld, wenn es nicht klappt mit der eigenen Karriere.

Hier: www.spiegel.de.

Überschreitungen unter dem Deckmantel der Vielfalt

Kinder sollen ihre „Lieblingsstellung“ zeigen, Puffs planen, Massagen üben. Die sexuelle Aufklärung missachtet Grenzen. Die Politik will es so. Unter dem Einfluss der „Gesellschaft für Sexualpädagogik“ sollen drei Lebensumstände entnaturalisiert werden: „die Kernfamilie, die Heterosexualität und die Generativität, also die Altersgrenzen zwischen den Generationen“. Kinderschützer schlagen Alarm.

Antje Schmelcher schreibt für die FAZ:

Ursula Enders vom Verein „Zartbitter“ gegen sexuellen Missbrauch von Mädchen und Jungen hält das für übergriffig. In der Arbeit der Fachberatungsstellen würden täglich das große Ausmaß der sexualisierten Gewalt durch Jugendliche und die durch die starke Pornographisierung der Gesellschaft ausgelöste Verwirrung vieler jugendlicher Mädchen und Jungen deutlich, sagt Enders.

Sexualpädagogik müsse Orientierung für einen Grenzen achtenden Umgang mit Sexualität vermitteln und zugleich einen geschützten Raum zur Auseinandersetzung mit unterschiedlichen sexuellen Identitäten bieten. „Eine Sexualpädagogik der Vielfalt“, die mit sexuell grenzverletzenden Methoden arbeitet, sei ein Etikettenschwindel. „Dies ist eine neue Form sexualisierter Gewalt, die zudem sexuelle Übergriffe durch Jugendliche fördert“, sagt Enders. In den achtziger Jahren hätten Pädosexuelle sexuellen Missbrauch und die Missachtung der Grenzen zwischen den Generationen als fortschrittliche Sexualpädagogik verkauft.

Heute würden von einigen Autoren und Sexualpädagogen berechtigte Anliegen der Transgenderbewegung benutzt, um älteren Kindern und Jugendlichen eine Auseinandersetzung mit Formen der Sexualität aufzudrücken, die persönliche Grenzen verletzen, so Enders. Es entspreche keineswegs den Fragen von 14 Jahre alten Mädchen und Jungen, wenn sie zum Beispiel für eine Gruppenübung Sexartikel wie einen Dildo, Potenzmittel, Handschellen, Aktfotos und Lederkleidung erwerben sollen. Enders fragt: „Wie mag eine Jugendliche, die im Rahmen von Kinderprostitution verkauft wird, sich wohl fühlen, wenn sie im Sexualkundeunterricht einen ,neuen Puff für alle‘ planen soll?“

„Das ist brandgefährlich“, sagt auch die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Christina Hennen von der Vereinigung Deutscher Psychotherapeuten. Eine solche Sexualpädagogik sei der Versuch, die Schamgrenzen von Kindern und Jugendlichen aufzubrechen. Pädagogen, die die Abhängigkeit der Schüler ausnutzen, könnten so Gehorsam erzwingen, glaubt Hennen.

Unbedingt lesen: www.faz.net.

Der Fall „Houston“

Die Stadt Houston (USA) hat eine Gruppe von Pastoren aufgefordert, alle Predigten, die Homosexualität, Gender Identität oder die lesbische Bürgermeisterin Anise Parker thematisieren, auszuhändigen. Wenn ein Pastor dieser Aufforderung nicht nachkommt, droht ihm die Vorladung vor Gericht.

Mehr: www.foxnews.com.

W. Huber: Du sollst nicht töten – und nicht töten lassen

Es hilft nicht weiter, in der Religion den Ursprung von Gewalt zu sehen. Doch auch ein religiös begründeter Pazifismus kann in die Irre führen. Wolfgang Huber hat für die FAZ einen Gastbeitrag geschrieben, der mich zwar nicht in allen Facetten überzeugt, allerdings angesichts des IS-Terrors vor einem naïven Pazifismus warnt:

Wo Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt werden, mag man über den richtigen Weg zur Hilfe streiten; aber man kann sich nicht heraushalten. Dort, wo eine Terrormiliz religiöse oder ethnische Minderheiten ausrotten will, schließt das Gebot „Du sollst nicht töten“ auch die Folgerung ein: „Du sollst nicht töten lassen“. Wer zu verhindern versucht, dass der „Islamische Staat“ weiterhin Kinder misshandelt, Frauen vergewaltigt, Männern den Kopf abschlägt, gerät in eine Zone, die mit eigener Schuldübernahme verbunden ist; aber er tut es, recht verstanden, um des Tötungsverbots willen.

Hier: www.faz.net.

Sex in der Familie – fällt der letzte Schutzraum?

Die Forderung des Deutschen Ethikrates, das Verbot des Beischlafs zwischen Geschwistern aufzuheben, irritiert die gesunde Seele. Dominik Klenk kommentiert die jüngste Empfehlung:

Vordergründig geht es in dieser Debatte, wie so oft in den letzten Jahren, um die Entkriminalisierung intimer Beziehungen. Hintergründig wird damit das Gefüge von Ehe und Familie für beliebig erklärt und grundsätzlich in Frage gestellt. Die Familie als Schutzraum und sexuell jagdfreie Zone für Kinder und Jugendliche steht zur Disposition. Nein, wird der Ethikrat hier einwerfen, es gehe lediglich um den „einvernehmlichen Beischlaf“ unter volljährigen Geschwistern. Aber wie will man, wenn das Tabu erstmal fällt, zwischen sexuellem Übergriff in der Familie, Unzucht mit Abhängigen und einvernehmlicher Geschwisterliebe unterscheiden?

Der Einvernehmlichkeit wird entscheidendes Gewicht zugemessen. Warum nicht mit der eigenen Schwester in die Kiste springen, wenn beide ausdrücklich nüchtern, in der Sache einig und scharf aufeinander sind? Werden aber Einvernehmlichkeit und Freiwilligkeit zum gültigen Maßstab, dann wären nicht nur all jene jetzt schon auf der sicheren Seite, die eine rechtliche Anerkennung von polygamen Beziehungen fordern, sondern auch der Kannibale von Rotenburg, der im Einvernehmen mit seinem Opfer dieses erst tötete und dann verspeiste.

Mehr: www.fontis-verlag.com.

Quotenquatsch

Die Quotenregelungen schaffen nur neue Ungerechtigkeiten. Deshalb hat ein niederländischer Konzern nun die Notbremse gezogen:

Doch vor eineinhalb bis zwei Jahren hat der Konzern seine Quotenpolitik eingestellt, wie sein Gleichstellungsbeauftragter Jasper Rynders jetzt in einem Interview mit einem Online-Magazin sagte. „Letztlich sehen Sie da vor allem weiße, höher ausgebildete Frauen reinkommen, zwischen 40 und 50 Jahre alt, mit demselben sozialen Hintergrund.“ Mehr noch, es stellte sich heraus: Viele Frauen glichen in ihrem Verhalten stark den Männern, „einschließlich ihrer Schwächen“. Der „höher qualifizierte, multikulturelle Mann“ sei hingegen völlig vernachlässigt worden.

Mehr: www.faz.net.

Das Schleifen der Tabus

Leszek Kolakowski (1927–2009) gehörte in den 1960er Jahren zu den führenden Reformmarxisten; 1968 erteilte ihm die Kommunistische Partei Polens Lehrverbot, er emigrierte und lehrte ab 1970 als Professor für Philosophie in den Vereinigten Staaten (u. a. am All Solls College in Oxford); 1977 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Leszek Kolakowski schreibt in Die Moderne auf der Anklagebank (Zürich 1991, S. 68) über das Aufbrechen der letzten Tabus:

Gewiss wäre es verfehlt, tout court «für» oder »gegen« die Moderne zu sein; nicht nur weil es sinnlos wäre zu versuchen, die Entwicklung von Technik, Wissenschaft und ökonomischer Rationalität aufzuhalten; sondern weil beide, Moderne und Antimoderne sich in barbarischen und unmenschlichen Formen ausdrücken können. […] Wenn ich dennoch versuchen soll, die gefährlichste Seite der Moderne zu bezeichnen, würde ich meine Sorgen in einem Schlagwort zusammenfassen: das Verschwinden der Tabus. Wir können nicht zwischen «guten» und «schlechten» Tabus unterscheiden und die einen künstlich aufrechterhalten, während wir die anderen beseitigen. Wenn wir ein Tabu abschaffen, bringen wir in einer Art «Domino-Effekt» die anderen zu Fall. Die meisten sexuellen Tabus sind abgeschafft worden, und die wenigen verbliebenen, wie das Verbot von Inzest und Pädophilie, liegen unter Beschuss; es reicht zu sehen, dass in verschiedenen Ländern Gruppen offen ihr «Recht» auf sexuellen Verkehr mit Kindern (d. h. ihr Recht sie zu vergewaltigen) einklagen und, bislang ohne Erfolg, die Abschaffung der entsprechenden Sanktionen fordern. […] Die verschiedenen traditionellen menschlichen Bande, die ein Leben in Gemeinschaft erst möglich machen und ohne die unsere Existenz nur noch von Gier und Furcht regiert würde, werden wohl kaum ohne ein System von Tabus überleben; es ist vielleicht besser, an die Gültigkeit selbst offensichtlich törichter Tabus zu glauben, als sie alle preiszugeben.

Quelle: IdaF.

J. Nicolosi: Scham und Bindungsverlust

Joseph Nicolosi gilt als sehr erfahrener Psychotherapeut und arbeitet seit vielen Jahren mit Männern, die homosexuell empfinden und darunter leiden (ichdystone Homosexualität). Zusammen mit seinem Therapeutenteam hat er weit über eintausend Männer begleitet. 2008 ist sein dreiteiliges Buch Shame and Attachment Loss: The Practical Work of Reparative Therapy erschienen.

Seit kurzem arbeitetet die DIJG freundlicherweise an der Übersetzung des Buches. Der erste Teil ist inzwischen fertig und kann hier kostenfrei als E-Book heruntergeladen werden: www.dijg.de.

Er schuf sie als Mann und Frau

Hier ein hochkarätig besetztes Plenum zu dem heißen Thema „Mann und Frau“. Konkret geht es um das komplementäre Rollenverständnis. Das Gespräch fand am 7. Juni 2014 statt. Teilnehmer sind Kathy Keller, Tim Keller, Kathleen Nelson und John Piper.  Don Carson moderiert das Gespräch.

Das Nützlichkeitsprinzip

Der Biologe Richard Dawkins empfahl kürzlich über Twitter die Abtreibung aller Föten mit Downsyndrom. Obwohl er sich inzwischen dafür entschuldigt hat und dabei die (nur) 140 Twitter-Zeichen für die Radikalität seiner Aussage verantwortlich machte, werden diesem „Vorstoß“ weitere folgen. Die Kräfte werden sich in diesem Feld ähnlich entfalten, wie in der Sterbehilfe-Debatte: Jeder muss das selbst entscheiden. Keiner darf hier dem anderen reinreden.

Dominik Klenk analysiert diesen Trend auf einer Metaebene und macht den Verlust der „biblischen Gravitation“ verantwortlich.

Unser Problem sind nicht die Dawkinse dieser Welt, sondern der Verlust der biblischen Gravitation und der Sprachfähigkeit in den Gemeinden, die auch vor den Schaltzentralen der verfassten Kirchen nicht Halt macht, wo in ethischen Fragen zunehmend die unsägliche Sowohl-als-auch-Rhetorik Raum greift. Wir müssen darum wieder neu lernen, die Eckpunkte einer Anthropologie grundlegend und klar auf der Basis der biblischen Botschaft zu beantworten und unseren Kompass zu justieren. Hier liegt der Auftrag christlicher Ausbildungsstätten. Wo Christen sprachfähig werden, da können sie sich fröhlich in die öffentliche Diskussion einmischen: nicht nur reagierend, sondern agierend; nicht nur reaktiv, sondern proaktiv; nicht nur defensiv, sondern offensiv und Kultur prägend. Wir sind nicht mit der hoffnungsvollsten Botschaft der Welt ausgestattet, um verlegen darüber zu schweigen. Christen sind keine Endverbraucher der Liebe Gottes. Die Geschichte lehrt nicht nur von ihrem messianischen Ende her: Dawkinse kommen und gehen – die Botschaft der Liebe bleibt.

Sehr lesenswert! Hier mehr: www.fontis-verlag.com.

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