Zitate

Das Dilemma der Künstler

Hans Rookmaaker (aus: Art Needs No Justification): 

Wir wollen, dass Künstler ernsthaft sind und tiefe Dinge schaffen, die fast einen ewigen Wert haben, Dinge, über die die Menschen der Kultur noch Jahrhunderte später sprechen können. Aber wenn sie erfolgreich sein wollen, müssen sich die Künstler dem gegenwärtigen Geschmack beugen, kommerziell sein und den Clown spielen, statt den Weisen. Künstler stehen also inmitten widersprüchlicher Anforderungen.

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Calvin: Die Fäulnis des Fleisches in den guten Werken

Johannes Calvin über die gute Werke der wiedergeborenen Christen (Institutio, 1559, III,14,9):

Wir bekennen: Wenn uns Gott durch das Eintreten der Gerechtigkeit Christi für uns mit sich versöhnt, uns aus lauter Gnaden die Vergebung der Sünden schenkt und uns so als gerecht ansieht, dann ist mit solcher Barmherzigkeit zugleich die Wohltat verbunden, daß er durch seinen Heiligen Geist in uns wohnt. Durch die Kraft dieses Geistes wird alle Begehrlichkeit unseres Fleisches von Tag zu Tag mehr ertötet, wir aber werden geheiligt, das heißt: Wir werden dem Herrn zu wahrhaftiger Reinheit des Lebens geweiht, und zwar dadurch, daß unser Herz so gestaltet wird, daß es dem Gesetz Gehorsam leistet. Unser Wille soll also darin sein vornehmstes Ziel haben, seinem Willen zu dienen und seinen Ruhm auf alle Weise zu fördern. Allein, selbst wenn wir unter der Leitung des Heiligen Geistes auf den Wegen des Herrn wandeln, bleiben noch immer Reste von Unvollkommenheit an uns, die uns allen Grund zur Demut geben, damit wir uns nicht selbst vergessen und unser Herz aufblähen! „Es gibt keinen Gerechten“, sagt die Schrift, „der Gutes täte und nicht sündigte!“ (1. Kön. 8,46; nicht genau). Was für eine Gerechtigkeit wollen die Gläubigen also noch aus ihren Werken erlangen? Zunächst behaupte ich: Auch das Beste, das sie Vorbringen können, ist noch immer von der Unreinigkeit des Fleisches benetzt und verderbt und es ist gewissermaßen stets mit irgendwelchem Bodensatz untermischt. Ein heiliger Knecht Gottes, sage ich, soll einmal aus seinem ganzen Leben das auswählen, was nach seiner Meinung die hervorragendste Tat seines Lebenslaufs gewesen ist, er soll alle Einzelheiten genau überdenken. Er wird dann ohne allen Zweifel an irgendeiner Stelle etwas vorfinden, das die Fäulnis des Fleisches empfinden läßt. Denn unsere Freudigkeit, Gutes zu tun, ist nie, wie sie sein sollte, sondern unser Lauf ist gehemmt, und daran offenbart sich viel Gebrechlichkeit! So sehen wir, daß die Makel, mit denen die Werke der Heiligen befleckt sind, nicht verborgen sind. Aber nehmen wir trotzdem an, diese Flecken seien ganz, ganz klein – werden sie darum auch Gottes Augen keinen Anstoß geben, vor denen doch nicht einmal die Sterne rein sind? (Hiob 25,5). Wir kommen also zu dem Ergebnis, daß von den Heiligen nicht ein einziges Werk ausgeht, das nicht, an sich selbst betrachtet, als gerechten Lohn die Schmach verdiente!

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Habermas: „Alles andere ist postmodernes Gerede“

Jürgen Habermas sagt über den Einfluss des Christentums auf die Moderne (Zeit der Übergänge, 2001, S. 174–175): 

Das Christentum ist für das normative Selbstverständnis der Moderne nicht nur eine Vorläufergestalt oder ein Katalysator gewesen. Der egalitäre Universalismus, aus dem die Ideen von Freiheit und solidarischem Zusammenleben, von autonomer Lebensführung und Emanzipation, von individueller Gewissensmoral, Menschenrechten und Demokratie entsprungen sind, ist unmittelbar ein Erbe der jüdischen Gerechtigkeits- und der christlichen Liebesethik. In der Substanz unverändert, ist dieses Erbe immer wieder kritisch angeeignet und neu interpretiert worden. Dazu gibt es bis heute keine Alternative. Auch angesichts der aktuellen Herausforderungen einer postnationalen Konstellation zehren wir nach wie vor von dieser Substanz. Alles andere ist postmodernes Gerede.

John Stott: Das Geheimnis der Erwählung

John Stott schreibt über die Erwählung (Romans: God’s Good News for the World, Downers Grove: InterVarsity Press, 1994, S. 268):

Viele Geheimnisse umgeben die Lehre von der Erwählung. Theologen sind unweise, wenn sie diese so systematisieren, dass keine Rätsel, Enigmas oder Fragen mehr offenbleiben. Gleichzeitig müssen wir uns neben den Argumenten, die in der Darbietung von Römer 8,28–30 entwickelt wurden, an zwei Wahrheiten erinnern. Erstens ist die Erwählung nicht nur eine paulinische oder apostolische Lehre, sondern sie wurde auch von Jesus selbst gelehrt. „Ich kenne die, die ich auserwählt habe“, sagte er (Joh 13,18). Zweitens ist die Wahl eine unverzichtbare Grundlage des christlichen Gottesdienstes, in Zeit und Ewigkeit. Es ist die Essenz der Anbetung zu sagen: „Nicht uns, Herr, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre um deiner Gnade und Treue willen!“ (Ps 115,1). Wenn wir für unsere eigene Erlösung verantwortlich wären, ganz oder teilweise, wären wir berechtigt, unsere eigenen Lobpreisungen zu singen und unsere eigene Posaune im Himmel zu blasen. Aber so etwas ist unvorstellbar. Das erlöste Volk Gottes wird die Ewigkeit damit verbringen, ihn anzubeten, sich vor ihm in dankbarer Anbetung zu demütigen, ihm und dem Lamm ihre Erlösung zuzuschreiben und anzuerkennen, dass er allein würdig ist, allen Lob, alle Ehre und Herrlichkeit zu empfangen. Warum? Denn unsere Erlösung verdanken wir ganz und gar seiner Gnade, seinem Willen, seiner Initiative, seiner Weisheit und Kraft.

Johannes Calvin: Wie öffentliche Irrtümer entstehen

Johannes Calvin war ein guter  Beobachter des öffentlichen Lebens (aus dem Widmungsschreiben der Institutio von 1536):

Was man nämlich die Menge tun sieht, das behauptet sich als Gewohnheitsrecht. Und es hat kaum jemals so gut mit der Menschheit gestanden, daß das Bessere den Beifall der Mehrheit gefunden hätte. So entsteht aus den persönlichen Fehlern vieler einzelner in den meisten Fällen ein öffentlicher Irrtum aller oder richtiger: ein gemeinsamer Konsens in den Fehlern, und das – so wollen es diese guten Leute – soll nun als Gesetz gelten!

Glänzendes System der Weltweisheit

Der Erlanger D. Thomasius schreibt in seiner Dogmengeschichte der Alten Kirche (Bd. 1, 1874, S. 85) über das 2. Jahrhundert:

„Es ist die religionsphilosophische Weltanschauung der Gebildeten jener Zeit des zu Ende gehenden Heidenthums, die in dem Gnosticismus an das Christenthum, von dessen Strahlen sie bereits berührt ist, herantritt, um es sich zu assimiliren; es sind die geistigen Mächte der außerchristlichen Welt, die das Christenthum in sich hereinziehen und umsetzen, umbilden möchten. Sie wollen es, seines geschichtlich-soteriologischen Charakters entkleidet, aus einer ethischen Heilsanstalt für die verlorene Welt in ein glänzendes System der Weltweisheit umsetzen, in der That aber verwandeln sie es in ein philosophisch-phantastisches Zerrbild, welches die sämmtlichen Grundlagen des Christenthums entweder ganz alterirt oder doch in ein falsches Licht stellt.“

Also: Nichts Neues unter Sonne!

Bullinger: Es ist eine Sünde, von Gott und seiner Wahrheit zu reden

Man kann das nachfolgende Zitat von zwei Perspektiven gleichzeitig her deuten. Einmal im Sinne von: Vor einhundert Jahren war auch nicht alles Gold, was glänzt. Und zugleich: Bullinger spricht geradezu prophetisch in unserer Zeit hinein.

Allerdings gehe ich davon aus, dass Bullinger sich damals nicht vorstellen konnte, wie sich diese Dinge entwicklen können. Er schreibt („Der christliche Ehestand“, in: Schriften I, S. 425–575, hier S. 425–226):

Unter den schweren Sünden und schändlichen Lastern, die in der letzten Zeit, die übel und unheilvoll ist, leider stark zunehmen und denen viele Menschen verfallen sind, sind der Ehebruch, die schamlose Unzucht und allerlei Schmutzigkeiten in unflätigen Worten und unkeuschen Werken nicht die geringsten. Dies alles rührt daher, dass die Laster nicht mehr ihren eigentlichen Namen tragen und sie deshalb niemand mehr so einschätzt, wie sie an sich und vor Gott sind. Den blutrünstigen Totschläger — um hier keinen gröberen Ausdruck zu verwenden — nennt man nun einen gottesfürchtigen, rechtschaffenen Soldaten. Den Wucherer nennt man einen kundigen, fähigen Mann. Betrunken werden heißt nun „einen kleinen Schwips haben“. Wenn Unverheiratete miteinander Unzucht treiben, heißt das „menschliche Werke ausüben“ und „tun wie junge Leute, die sich nicht zum Himmel erheben können“. Viele rühmen sich des Ehebruchs, viele treiben Scherz, Spott und Gelächter damit. Schmutzige Reden führen und unflätige, grobe Lieder singen heißt nun „gute Sprüche reißen und guter Dinge sein«.

Ja, vielerorts ist es sogar so, dass diese und ähnliche Laster gar nicht richtig als Sünde betrachtet werden und es eher eine Sünde ist, von Gott und seiner Wahrheit zu reden.

Jonathan Edwards: Der christliche Glaube ist vernünftig

Jonathan Edwards schreibt über die vernünftige Basis des christlichen Glaubens (zitiert aus: Gott allein!, Herold Verlag, 2019, S. 89–90):

[Jonathan Edwards] war davon überzeugt, dass Gottes Herrlichkeit, wenn sie mit den geistlichen Augen gesehen wird, auch als majestätisch und überzeugend angesehen wird. Edwards schlägt aber noch einen anderen Weg ein. Er betont zudem noch, dass unser Glaube an die Wahrheit des Evangeliums sowohl vernünftig als auch geistlich sein muss. Die Herrlichkeit Gottes im Evangelium ist der Schlüssel für beides.

Edwards sagt, dass eine Person zwar in Bezug auf die Wahrheiten des Evangeliums starke religiöse Gefühle hegen kann, diese jedoch vollkommen wertlos sind, wenn „diese Überzeugung nicht eine vernünftige Überzeugung ist“. Was meint Edwards mit „vernünftig“?

„Mit einer vernünftigen Überzeugung meine ich eine Überzeugung, die auf reellen Beweisen oder einer guten Grundlage beruht. Jemand kann die starke Überzeugung vertreten, dass die christliche Religion wahr ist, während ihre Überzeugung überhaupt nicht auf Beweisen gründet, sondern eher der Erziehung oder der Meinung anderer geschuldet ist.
So sind viele Muslime stark von der Wahrheit ihrer Religion überzeugt, weil ihre Väter, ihre Nachbarn usw. daran glauben. So scheint im Fall des rein kulturell christlichen Glaubens zwar die Ausrichtung besser zu sein, doch der Glaube an sich ist nicht besser. Denn das, woran man glaubt, mag wahr sein, während sich der Glaube doch nicht auf die Wahrheit gründet, sondern auf die Erziehung. Somit wäre diese „christliche“ Überzeugung auch nicht besser als die der Muslime. Ebenso sind die Auswirkungen, die aus dieser Überzeugung resultieren, im Prinzip nicht besser als die der Muslime.

Dreht sich die Liebe wirklich um Christus?

John Piper schreibt über ein menschenzentriertes Verständnis der Liebe (Gott allein!, Herold Verlag, 2019, S. 2–3):

Wir […] haben Gottes Liebe und das Evangelium von Jesus Christus in etwas verkehrt, bei dem es vorrangig darum geht, dass Gott uns wertvoll findet und wir unsere Freude in Dingen finden sollen, die im Vergleich zu Gott eigentlich unbedeutend sind. Um herauszufinden, ob unser Verständnis vom Evangelium biblisch ist, und ob es uns wirklich um Gott geht, sollten wir uns folgende Frage stellen: Fühle ich mich mehr von Gott geliebt, weil ich Ihm etwas bedeute, oder weil Er mich, durch das Opfer seines Sohnes, dazu befähigt hat, mein größtes Glück in Ihm zu finden? Bist du glücklich, weil du Jesu Kreuz als Beweis dafür ansiehst, wie wertvoll du in Gottes Augen bist, oder weil es dir gezeigt hat, wie wertvoll Gott ist? Ist die Herrlichkeit Gottes in Jesus Christus der Grund für deine Freude?

[…]

Unsere Kultur und unsere Gemeinden sind mittlerweile sehr stark von einer menschenzentrierten Vorstellung von Liebe geprägt. Bereits unsere Kinder lernen von klein auf, dass „sich geliebt fühlen“ gleichbedeutend wäre mit „sich wichtig fühlen“. Ganze pädagogische Strukturen bauen auf dieser Sichtweise von Liebe auf (Lehrpläne, Erziehungsmaßnahmen, Motivationsstrategien, therapeutische Modelle bis hin zu Verkaufstechniken). Die meisten modernen Zeitgenossen können sich kaum vorstellen, dass „sich geliebt fühlen“ etwas anderes bedeuten könnte als sich „wertvoll“ oder „bedeutend“ zu fühlen. Der Umkehrschluss ist: Wenn du mir nicht das Gefühl gibst, wertvoll zu sein, dann liebst du mich auch nicht!

Sobald wir die Liebe zu Gott auf diese Weise definieren, schwächt es seinen Wert, untergräbt es seine Güte und wir werden niemals wahre Erfüllung erleben. Denn wenn das größte und ultimative Geschenk der Liebe nicht in der Freude an Gott selbst besteht, dann ist Gott auch nicht unser größter Schatz; dann ist seine Selbstaufopferung nicht das größte Beispiel für Barmherzigkeit; dann ist das Evangelium nicht die gute Nachricht, dass Sünder sich über ihren Schöpfer freuen können; dann hat Christus nicht gelitten, um uns zu Gott zu führen (vgl. l.Petr 3,18); und dann müssen wir, auf der Suche nach wahrer Erfüllung, woanders suchen als bei Gott selbst.

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Heinrich Heine: Meine Erleuchtung

In der Vorrede zur 2. Auflage der Geschichte der Religion und Philosophie gibt der deutsche Dichter Heinrich Heine Auskunft, wie er zu Gott zurückfand. Er wies neugierige Fragen zu seiner Bekehrung ab,  gibt jedoch eine Antwort, die es in sich hat. Er schrieb 1852 in Paris (zitiert aus: W.R. Brauer, Heinrich Heines Heimkehr zur Gott, 1981, S. 32, das Zitat ist auch hier zu finden):

In der Tat, weder eine Vision, noch eine seraphitische Verzückung, noch eine Stimme vom Himmel, auch kein merkwürdiger Traum oder sonst ein Wunderspuk brachte mich auf den Weg des Heils. Ich verdanke meine Erleuchtung ganz einfach der Lektüre eines Buches. — Eines Buches? Ja, und es ist ein altes, schlichtes Buch, bescheiden wie die Natur, auch natürlich wie diese; ein Buch, das werkeltägig und anspruchslos aussieht, wie die Sonne, die segnend und gütig uns anblickt wie eine alte Großmutter, die auch täglich in dem Buche liest, mit den lieben, bebenden Lippen, und mit der Brille auf der Nase — und dieses Buch heißt auch ganz kurzweg das Buch, die Bibel. Mit Fug und Recht nennt man diese auch die Heilige Schrift; wer seinen Gott verloren hat, der kann ihn in diesem Buche wiederfinden, und wer ihn nie gekannt, dem weht hier entgegen der Odem des göttlichen Wortes.

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