Januar 2011

Was ist eine gute Familie?

Die von mir sehr geschätzte Bettina Röhl, Mutter einer dreijährigen Tochter, sagt im aktuellen Chrismon (Februar 2011, S. 26):

Heute ist die Familie als Lebensform in Misskredit gekommen. In den Medien spielen Patchwork- und Scheidungsfamilien und homosexuelle Ehen eine wichtigere Rolle als die Familie mit Mann, Frau und Kind, und es gibt tatsächlich sehr viele Scheidungen. Das innere Bild von einer gelingenden Familie ist durch viele ideologische Diskussionen angeknackst. Das verunsichert mehr als die Frage, wie Beruf und Kinder zu vereinbaren sind.

Bei Frauen wie Männern besteht eine große Unsicherheit, ob der Partner bleibt. Ob es eine gewisse Verlässlichkeit in die Zukunft hinein gibt. Ein Kind, da geht es in Wahrheit um die nächsten 18 Jahre, und dann ein Leben lang. Natürlich fühlen Frauen und Männer sich sicherer, wenn sie wissen: Wir bleiben länger zusammen.

Hier das Gespräch zwischen Chrismon, Margarete Mitscherlich und Bettina Röhl: chrismon.evangelisch.de.

Neue Sehnsucht nach Religiosität in der Kunst

Die zeitgenössische Kunst hat die Religiosität wiederentdeckt. Es gebe einen »neuen Hang zum Heiligen«, berichtet das Kunstmagazin art in der Titelgeschichte seiner Februar-Ausgabe. idea schreibt:

Unter der Überschrift »Christus wird heute in Hollywood gekreuzigt« weist die Zeitschrift auf Exponate, Skulpturen und Filme mit religiösen Bezügen hin. So sei das Kino heute ein Raum der Magie, »in dem wir bereit sind, alles Mögliche zu glauben«. Zwar seien die zahlreichen Kunstwerke mit religiösen Bezügen nicht unbedingt Ausdruck einer neuen Gläubigkeit der Künstler, so »art«. Jedoch lasse sich die »Imprägnierung der Kunst mit Religion bis in den Alltag des Kunstbetriebs beobachten«: »Museen haben Kirchen als vornehmste Bauaufgabe der Architektur abgelöst und sind zu Kunsttempeln und Meditationsstätten geworden. Viele Besucher erwarten im Museum Erbauung.« Die Kunst sei heute gegenüber der Religion autonom geworden. Sie wolle sich nicht mehr in den Dienst von Glaubensgemeinschaften spannen lassen und keineswegs die 2.000 Jahre alte Tradition fortsetzen‹ »religiöse Inhalte in die Herzen der Betrachter zu senken«.

Mehr: www.idea.de.

Bündnis für Familie

Was für ein Satz: »Die meisten Eltern müssen sich am Nachmittag selbst um ihre schulpflichtigen Kinder kümmern, weil Alternativen fehlen. Das hat dramatische Folgen.« Das Programm, das Mütter wieder »in Arbeit« bringen soll (Mütter, die sich um ihre Kinder kümmern, arbeiten also nicht) soll unter dem Namen »Bündnis für Familien« vermarktet werden. Geht’s noch?

Rund 6,9 Millionen Frauen in der Bundesrepublik sind berufstätig und gleichzeitig Mutter. Beides unter einen Hut zu bekommen, ist für viele ein Kraftakt. Das gilt insbesondere, sobald die Kinder in die Schule kommen und die Eltern sich um eine Anschlussbetreuung kümmern müssen. Der Mangel an Hortplätzen und an Schulen, die ein Nachmittagsprogramm anbieten, hält insbesondere Mütter davon ab, in den Beruf zurückzukehren. Das haben Berechnungen im Auftrag des Bundesfamilienministeriums ergeben, die der »Welt am Sonntag« vorab vorliegen. Bei einem entsprechenden Ausbau der Nachmittags- und Ferienbetreuung würden demnach bis zu 500.000 Frauen zusätzlich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.

Hier mehr: www.welt.de.

Der Schwerkraft entgegen

Tobias beschreibt, warum er die Evangelische Kirche verlassen hat. Die Worte machen betroffen. Sie rütteln auf, auch dann, wenn einem die Rückkehr zur Katholischen Kirche nicht alternativlos erscheint. Tobias, danke für dieses ehrliche und klare Bekenntnis, das Dir, ich spüre es Dir ab, nicht leicht gefallen ist!

Je stärker in mir der Glaube an Jesus Christus wurde, desto wichtiger wurde für mich die Kirche, seine Braut. In diesem Licht fiel mir die Evangelische Kirche selten als relevante Kraft auf – weder geistlich, noch gesellschaftlich oder kulturell – sondern durch Angebote von Yogakursen, Äußerungen der Ratsvorsitzenden zu Themen der Sozial- und Umweltpolitik, ein Anbiedern an eine Geschlechter-»Gerechtigkeit«, die Umdeutung der Schöpfungsordnung und der Eindeutigkeit der Ehe als Bund zwischen Mann und Frau. Ich verstehe dies als Versuch der EKD-Leitung, eine Sprache zu sprechen, die von der Welt mit Wohlwollen vernommen wird. Vergebens halte ich Ausschau nach Beständigkeit, nach Frucht, von der die Gläubigen und die Welt leben können.

Ich suche als junger Mann nach Orientierung und Verbindlichkeit, Vorbildern und Hirten für mein Leben mit Jesus Christus. Doch mein Eindruck ist, dass die Volkskirche ihre Mitglieder nicht wirklich dahin führt, Christus zu leben, sondern vor allem sich selbst – was immer dieses Selbst sein mag. Dadurch werde ich nicht geleitet, sondern verleitet. Nämlich dazu, ein mir als stimmig, zeitgemäß und korrekt erscheinendes Gutmenschentum zu adaptieren, das vor allem politisch intendiert ist. Anmaßend finde ich, dass das als »Nachfolge« feilgeboten wird! Ich möchte nicht vorgelebt bekommen, wie ich mich der Welt anzupassen habe. Das tut sie bereits lautstark selbst kund! Das nährt nicht den Glauben, sondern die Frustration.

Hier mehr: www.ojc.de.

„Neuer Calvinismus“: Bücher mit Einfluss

Kevin DeYoung hat eine Liste mit Literatur zusammengestellt, die in den Kreisen des »Neuen Calvinismus« beliebt und verbreitet ist. Ich gebe die Liste hier wieder und habe, soweit mir bekannt, Übersetzungen verlinkt.

  1. John Piper: Sehnsucht nach Gott
  2. Wayne Grudem: Systematic Theology (Anmerkung: Das Buch wird derzeit in einer deutschen Übersetzung lektoriert. Wir dürfen hoffen, dass es 2011 in deutscher Sprache erscheinen wird.)
  3. J.I. Packer: Gott erkennen
  4. C.S. Lewis: Pardon, ich bin Christ
  5. John Piper: Dein Leben ist einmalig
  6. R.C. Sproul: Die Heiligkeit Gottes
  7. Jerry Bridges: Disciplines of Grace
  8. C.J. Mahaney: Cross-Centered Life
  9. Mark Driscoll and Gary Breshears: Doctrine
  10. Sonstige: R.C. Sproul: Chosen by God; John Piper: God is the Gospel; Joshua Harris: Dug Down Deep; Francis Chan: Mein Leben als Volltreffer: wen(n) Gottes geniale Liebe antreibt; David Platt: Radical

NEXT 2011

In der Zeit vom 28. bist 31. Mai 2011 wird in Orlando (USA) die NEXT 2011 Konferenz stattfinden. Die Veranstalter formulieren ihr Anliegen so:

Look around—you live in a post-Christian culture. What the Bible says is treated with disbelief or scorn; faith is considered a relic or worthless. Christ calls us to love God with our minds, interpreting all of nature and culture in the light of God’s self-revelation. As Christians we can survey the whole cosmos with new eyes and see it as an open field for joyful, worshipful exploration. A Christ-centered worldview is broad and deep and mature enough to encompass every facet of life—science and society, mathematics and music, love and logic. In Christ, Christians should be the deepest thinkers, the most passionate explorers, the most innovative entrepreneurs.

Das Programm mit der Möglichkeit zur Anmeldung gibt es hier. Nachfolgend der Trailer:

Next 2011 Promotional Video from Sovereign Grace Ministries on Vimeo.

vORSICHT sATIRE

Nachfolgend ein Gastbeitrag von Johannes Strehle:

vORSICHT sATIRE

Difficile est, satiram non scribere, steht schon in der entmythologisierten Vulgata.

(Um einem möglichen Missverständnis vorzubeugen: Die Satire richtet sich nicht gegen Andreas Müller – ganz im Gegenteil.)

Der Blog Aufklärung 2.0 wird leider geschlossen. Andreas Müller kooperiert künftig mit Theoblog.

Zunächst die Realsatire:

ideaSpektrum hat in der Ausgabe 50/2010 Unter der Überschrift »Kirche – Aufbau oder Abstieg?« ein lesenswertes Interview mit Markus Dröge veröffentlicht. Seit einem Jahr ist Markus Drögeals Nachfolger von Wolfgang Huber Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) mit 1,1 Millionen Mitgliedern. (1960 hatte diese Landeskirche 2 Millionen Mitglieder mehr, 1990 nach dem Ende der atheistischen DDR immerhin noch eine halbe Million Mitglieder mehr als heute.) Diese Landeskirche »ist vor allem bekannt als Kirche der deutschen Hauptstadt, die auch als ›Welthauptstadt des Atheismus‹ bezeichnet wird.«

(Naheliegende) Frage von ideaSpektrum: Welchen Grund sollte eigentlich ein überzeugter Atheist haben, an die christliche Botschaft zu glauben?

Markus Dröge: Wir verkünden die Menschenfreundlichkeit Gottes und schätzen jeden Menschen als Persönlichkeit unabhängig von seiner Leistung. Mit dieser Botschaft können wir jeden Menschen ansprechen. Wir haben gleichzeitig mit unserer Botschaft eine starke Nähe zur Menschenwürde. So tragen wir dazu bei, dass unsere Gesellschaft von Gerechtigkeit und Nächstenliebe geprägt ist. Damit lade ich Atheisten ein, sich der christlichen Botschaft zuzuwenden.

ideaSpektrum: Ein Atheist wird Ihnen sagen: Meinen Nächsten liebe ich auch– dafür brauche ich die Kirche nicht!

Markus Dröge: Ich spreche auch keinem Nicht-Christen ab, dass er die Ethik der Bergpredigt leben kann – Mahatma Gandhi ist das beste Beispiel dafür. Ich würde aber deutlich machen, wie ich aus meinem Glauben die Kraft bekomme, Nächstenliebe zu leben …

Es ist ein Unglück für die Kirche, dass Markus Dröge nicht früher Landesbischof geworden ist. Mit dieser revolutionären, für Atheisten unwiderstehlichen Begründung hätte die Landeskirche seit 1960 nicht zwei Millionen Mitglieder verloren, und Berlin wäre heute nicht die „Welthauptstadt des Atheismus“.

Doch ein Unglück kommt selten allein. Die EKD-Synodalen waren blind. Warum haben sie nicht Markus Dröge als Vorsitzenden gewählt? Damit hätte nicht nur der unaufhaltsame Abstieg der Kirche in Deutschland beendet werden können, sondern der unaufhaltsame Aufstieg hätte begonnen. Dieser beginnt jetzt immerhin in Berlin und der übrigen EKBO. Schade, dass wir keine atheistische Regierung haben. Doch wer weiß – Markus Dröge ist alles zuzutrauen. Er wird auch eine von der christlichen Leitkultur durchdrungene Regierung überzeugen, künftig die Ethik der Bergpredigt zu leben, zumindest durch den Abzug aus Afghanistan.

Andreas Müller gehört zu den ersten Opfern des neuen Landesbischofs. Er konnte als überzeugter Atheist der Begründung von Markus Dröge nicht widerstehen. Deshalb schließt er seinen Blog und kooperiert künftig mit TheoBlog.

In Berlin, Brandenburg und der schlesischen Oberlausitz stehen die Leute Schlange, um in die Kirche einzutreten, wie früher – wenn es in der DDR Bananen gab.

Durch Wikileaks wurde ein Mail-Wechsel zwischen Markus Dröge und dem Dalai Lama publik. Nach der Indiskretion reagierte der Dalai Lama indigniert. Was Markus Dröge zu sagen habe, habe er, der Dalai Lama, schon immer gesagt.

Ein Restrisiko bleibt: Dass die Atheisten Mahatma Gandhi noch überzeugender finden als Markus Dröge – was die EKD verhüten möge.

Ende der Satire

Später kommt ideaSpektrum auf Markus Dröges jüngstes »Wort des Bischofs« zu sprechen, auf das Engagement des Bischofs und der Kirche für die Senkung des Energieverbrauchs zu Lasten von Verkündigung und Seelsorge. Der Bischof bestreitet dies.

Daraufhin ideaSpektrum:

Der Berliner »Tagesspiegel« scheint einen ähnlichen Eindruck gehabt zu haben: »In der evangelischen Kirche pflegt man seit geraumer Zeit die Neigung, sich als eine Mischung von Grünen und Greenpeace mit Glockengeläut zu artikulieren … Die Kirche darf sich jedenfalls nicht wundern, wenn die Stromproduzenten bald auch ein paar Gedanken zu Schlüsselfragen der Ökumene äußern. Deren Kompetenz wäre etwa gleich hoch einzustufen.«

Martin Luther und die deutsche Mystik

Der Deutschlandfunk hat in einem Beitrag darauf hingewiesen, dass Luther in seiner Jugend von der deutschen Mystik geprägt war. Das ist grundsätzlich richtig. Trotzdem vermisse ich den Hinweis darauf, dass sich der reife Theologe Luther von der Mystik distanziert hat und sein Gottesbild mit dem des Mystiker Meister Eckhart nichts zu tun hatte (»Gott und ich, wir sind eins.«).

Martin Luther zur Mystik nach Dionysius:

Dies ist ihre Lehre, die als die höchste göttliche Weisheit ausgegeben wird, von der ich auch einmal überzeugt gewesen bin, doch nicht ohne großen Schaden für mich selbst. Ich ermahne euch, daß ihr diese Mystische Theologie Dionysii … wie die Pest verabscheut.

Interessenten empfehle ich meine kurze Ausarbeitung »Die Mystik oder das Wort«: MystikoderdasWort.pdf.

Hier der Beitrag des DLF:

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