Mai 2011

Serielle Monogamie als Trend

Regenbogenfamilien, Alleinerziehende, Patchworkhaushalte – sie konkurrieren mit der traditionellen Familie. Sollten sie die gleichen Rechte erhalten?

Viele Feministinnen, Grüne und Linke verunglimpften früher die traditionelle Familie als Hort der Unterdrückung und Rückständigkeit. Heute bekämpft man nicht länger die Ehe, sondern verlangt stattdessen eine bessere Förderung aller anderen Familienformen. Diese Strategie ist wirksamer.

Wer will nicht den Alleinerziehenden durch mehr Unterstützung das Los erleichtern? Wer möchte sich schon dem Vorwurf der Schwulenfeindlichkeit aussetzen, wenn er argumentiert, dass die Natur und weniger das Gesetz den Weg zum Nachwuchs versperre? Doch Familienexperte Fuchs warnt: »Wer alles fördert, fördert am Ende nichts.«

Hier mehr: www.welt.de.

VD: EP

Völlig Gaga

Lady Gaga ist in den Feuilletons der Hochkultur angekommen. Sie tritt auf als Fleisch-Klops, tanzende Zahnbürste, als Porno-Rotkäppchen und jetzt erscheint ihr neues Album »Born this Way«.
Nicht jeder wird sich – das kann ich gut verstehen – für die illustre Dame interessieren. Aber Gaga verstehen heißt, Pop (ein wenig) zu verstehen. SWR2 Kontext hat am 16. Mai 2011 eine informative Sendung über Lady Gaga als Gesamtkunstwerk des Internetzeitalters ausgestrahlt. Elisabeth Brückner spricht dort mit Udo Dahmen, dem Leiter der Popakademie Mannheim.

Hier ein Mitschnitt der Sendung, die zum besseren Verständnis der Crossover-Kultur beiträgt:

[podcast]http://mp3-download.swr.de/swr2/kontext/2011/05/16/swr2-kontext-20110516-1905-voellig-gaga.6444m.mp3[/podcast]

Martin Bucer begegnet Luther

In seinem Vortrag beim Festakt anlässlich des 400. Todestages Bucers sagte Heinrich Bornkamm über das Zusammentreffen von Luther und Bucer im Frühjahr 1518 (Heinrich Bornkamm, Martin Bucers Bedeutung für die europäische Reformationsgesichte, Gütersloh: Bertelsmann Verlag, 1952, S. 7):

Am 26. April 1518 erlebte Heidelberg ein akademisches Ereignis, das an der Universität mit höchster Spannung erwartet wurde. Der seit einem halben Jahr berühmt gewordene und heiß umstrittene Wittenberger Professor und Augustinermönch Luther war anlässlich eines in Heidelberg tagenden Generalkapitels der deutschen Kongregation seines Ordens beauftragt worden, eine Disputation abzuhalten. Der Hörsaal des Klosters war von Mönchen, jungen Magistern und Studenten überfüllt. Luther hat einen guten Fang in ihm getan: eine große Zahl der späteren Reformatoren Süddeutschlands saß damals zu seinen Füßen. Niemand unter ihnen war stärker erregt und gepackt als ein sechsundzwanzigjähriger Magister aus dem Heidelberger Dominikanerkloster: Martin Bucer. Er schrieb wenige Tage später an seinen Freund, den Humanisten Beatus Rhenanus, einen langen, vor Begeisterung überströmenden Brief, in dem er ihm nicht nur die wichtigsten Thesen Luthers mit ausführlicher Begründung mitteilte, sondern auch – bezeichnend für seine Beobachtungsgabe – die Eleganz der Lutherschen Gesprächsführung schilderte und mit humanistischer Stilkünsten pries. Aber auch Luther bekam von dem temperamentvollen Elsässer, dessen Gesicht sich durch eine auffallend bräunliche Hautfarbe, scharf geschnittene Züge und eine mächtig hervorspringende Maße einprägte, einen starken Eindruck. Unerwartet schlug ihm aus den Reihen des feindlichen Ordens, der bereits in Rom den Ketzerprozess gegen ihn beantragt hatte, eine stürmische Zuneigung entgegen, die sein Vertrauen gewann. Der Generalvikar der Augustiner, Staupitz, und sie luden Bucer auf den folgenden Tag zum Treffen ein, bewirteten ihn – was dieser noch nach zwei Jahren nicht zu erwähnen vergisst – aufs beste und führten ein Gespräch mit ihm, das ihm unvergesslich blieb. Die Begegnung in den Heidelberger Frühjahrstagen war für die beiden Männer von schicksalvoller Bedeutung. Luther fand in Bucer den Mann, der wie sein anderer seine lehre am Oberrhein ausbreiten und ihm eines Tages nach jahrelangen Kämpfen zwischen der Lutherschen und der evangelischen Süddeutschen wieder zuführen sollte. Und Bucer fand in Luther seinen Befreier, der ihm half, eine ihm längst fremd gewordene Glaubens- und Lebensform wirklich zu überwinden; er fand in ihm die Mitte seines künftigen Lebens, die ihn, auch wenn er sich zeitweilig weit von ihr entfernte, doch immer wieder mit magnetischer Kraft anzog und bestimmte Bahnen nicht mehr überschreiten ließ.

Wer ist gemeint?

Nachfolgend zitiere ich eine anonymisierte und leicht verfremdete Beschreibung des Schreibstils einer Persönlichkeit mit Rang und Namen. Um wen geht es?

… Vorstellungen von der Hölle auf Erden sind untrennbar verbunden mit seinen Vorstellungen vom irdischen Himmel. Beide zeigen letzte Spuren einer theologischen Herkunft, denen er als Theoretiker allerdings nicht gewachsen ist. Er weiß das genau. Jede Theorie wird für ihn zum Gefängnis, noch bevor er sie überhaupt zu Ende studiert hat. Die definierten Begriffe sind die Ziegelsteine, aus denen sich die Gefängnismauern aufbauen. Zwar gibt es für ihn Schlüsselwörter wie Verwandlung oder Leben, ohne die er nicht auskommt. Leben ist sogar seine höchste Vokabel, aber gerade sie entzieht sich der präzisen Definition. Sie bleibt eine leuchtende Denkmasse, stets verbunden mit einer akuten Erfahrung von Vollkommenheit, einem aufstrahlenden Augenblick. Im Gespräch … kommt er einmal unverhofft in die Nähe einer scharfen Bestimmung. Gott, sagt er, »ist die Summe wirklichen Lebens«. Aber er erschrickt sofort und fügt bei: »oder wenigstens scheint es mir manchmal so«. Mit diesem Rückzieher braucht er für die Definition schon nicht mehr einzustehen; er hat das unersetzliche Wort wieder in die Freiheit entlassen. Das Wort, jedes Wort, ist nämlich in Gefahr, zum Gegensatz des Lebendigen zu werden. Nur im Akt des Erzählens, wo das Wort seinen Sinn aus dem bewegten Zusammenhang gewinnt, entgeht es der Erstarrung.

Christozentrische Auslegung alttestamentlicher Texte

Kürzlich gab es eine hilfreiche TGC-Runde mit Antworten von Tim Keller, Don Carson, und David Murray zur Frage »Wovor würden Sie Prediger warnen, wenn diese Christus im Alten Testament predigen?«

Hier ist die Antwort von Tim Keller:

  1. Komme in der Predigt nicht zu früh auf Christus zu sprechen, so dass du keine Bedeutung und Anwendung des Textes gegenüber den ursprünglichen Hörern entfaltest. Wenn du zu schnell »zu Christus springst«, bedeutet das häufig, dass du Leute begeisterst, aber ihnen keine konkrete Anwendung dafür gibst, wie sie das zu leben haben.
  2. Komme in der Predigt nicht zu spät auf Christus zu sprechen, so dass es mehr wie ein erbaulicher Anhang wirkt. Wenn du zu lange damit wartest, auf Christus zu weisen, werden die Zuhörer nicht sehen, wie entscheidend Jesus ist, wenn sie den Text beachten oder befolgen.
  3. Komme nicht künstlich auf Christus zu sprechen. Das ist natürlich ein großes Thema. Aber ich glaube, zwei der besten Wege sind, (a) in deinem Text eines der vielen inner-kanonischen Themen zu indendifizieren, welches seinen Höhepunkt in Christus hat (in Don Carsons Sprache), und (b), in deinem Text etwas vom »gefallenen Zustand Brennpunkt«, einen Mangel in der Menschheit, den nur Christus ausfüllen kann, zu entdecken (in Bryan Chapells Sprache).

201105120523.jpgZum Thema »Christus im Alten Testament« gibt es ein hilfreiches kleines Buch von Thomas Schirrmacher:

  • Thomas Schirrmacher: Christus im Alten Testament, Hamburg: Reformatorischer Verlag, 2001, 84 S.


VD: JT

Islamophob, christophob?

Irrationale Ängste gibt es gegenüber allen Religionen. Aber nur die Muslime haben es geschafft, einen Begriff dafür zu besetzen. Dabei leben Christen in vielen Ländern weitaus gefährlicher. DIE WELT schreibt:

Die Publikation des Amts für religiöse Angelegenheiten der türkischen Erdogan-Regierung ist an Deutlichkeit nicht zu übertreffen. »Die Missionare wollen unseren jungen Leuten den Glauben stehlen«, heißt es dort. Dass dies mehr ist als verbale Kraftmeierei, um die radikalen Anhänger der Regierungspartei AKP zu befriedigen, haben Übergriffe und sogar Morde an Christen in letzter Zeit eindrücklich dokumentiert. »Christen werden als potenzielle Kriminelle, Separatisten und Landesverräter dargestellt«, sagt der Präsident des Bundes der protestantischen Kirchen in der Türkei, Bedri Peker.

Mehr: www.welt.de.

VD: BH

DLF: Die Kirche von Laodizäa

Anfang Februar hatte ich kurz auf den Fund der Kirche von Laodizäa hingewiesen. Der DLF hat heute in einem Beitrag ausführlich über die spektakuläre Entdeckung berichtet. Laodizäa wurde im 7. Jahrhundert durch ein Erdbeben zerstört und verlassen. Die entdeckte Kirche ist so gut erhalten, dass sogar noch Malereien an den Wänden bewundert werden können. Voraussichtlich 2012 soll das Bauwerk für Besucher geöffnet werden.

Hier der Beitrag:

[podcast]http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2011/05/13/dlf_20110513_0954_bbbdd45d.mp3[/podcast]

Ein Gott zum Kuscheln

Das FAZ-Gespräch mit dem evangelischen Theologen Friedrich Wilhelm Graf erlaubt tiefe Einblicke in den geistlichen Notstand der Evangelischen Kirche in Deutschland. Warum brauchen wir eigentlich noch kirchliche Institutionen? Graf:

Sie werden bestimmte Grundlagen unserer Kultur nur weitergeben können an kommende Generationen, wenn Sie dafür ein institutionelles Gehäuse schaffen. Und wenn diese Gehäuse erodieren, wird es mit der Tradierung schwierig.

Also, ich sage es in religiöser Sprache: Ich kann dem anderen nicht in sein Herz sehen. Aber ich weiß, dass es für viele Menschen etwas Wichtiges ist, wenn ein Angehöriger stirbt, dass er vernünftig bestattet wird. Und da gibt es eine ganz elementare Sehnsucht danach, dass es dafür eine funktionierende religiöse Institution gibt. Das sieht in Berlin sicher anders aus als in München, aber wenn wir alle religiös unmusikalisch werden, dann verlieren wir auch viel.

Hätte Schleiermacher es besser sagen können?

Hier das interessante Gespräch: www.faz.net.

Evangelium: Um was oder wen geht es eigentlich?

imagesIch möchte hier nochmals auf eine Predigt von Tim Keller hinweisen, die ich bereits im Dezember 2008 empfohlen hatte. Ich habe sie selbst wieder gehört und bin erneut betroffen.

Ist Gott dafür da, uns ein leichtes, erfolgreiches und spirituell erfülltes Leben zu »gewährleisten«? Glauben wir an Gott, um jemand zu haben, der uns bei der Verwirklichung unserer Ziele hilft, uns Kraft ist für die Dinge, die wir wollen? Oder sind wir dafür da, Gott bedingungslos, demütig und hingebungsvoll die Ehre zu geben (wie auch immer er uns führt)?

Tim Keller gibt in einer Predigt über Jesaja 6 eine Antwort. Beeindruckt und berührend finde ich – nebenbei bemerkt – auch die Textlesung. Es lohnt sich, in ungestörter Atmosphäre aufmerksam zu lauschen.

[podcast]http://download.redeemer.com/sermons/The_Gospel_and_Your_Self.mp3[/podcast]

NIV Bibel Update

Die überarbeitete Übersetzung der NIV Bibel sollte viele Probleme mit der ›geschlechtergerechten Sprache‹ lösen. Überzeugt das Ergebnis? Christian Post schreibt:

A new report by a leading critic of the TNIV finds that 75 percent of gender-related problems in the now-defunct version are retained in the updated NIV Bible.

The Committee on Biblical Manhood and Womanhood this week published a full critical evaluation of the new NIV Bible, concluding that the latest translation »cannot be considered sufficiently trustworthy in its translation of gender language.« The findings were consistent with the group’s November statement that refused to commend the 2011 NIV (actually copyrighted 2010) due to »gender-related« language problems it previously identified in the TNIV.

Hier die CBMW-Stellungnahme: www.cbmw.org.

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