Mai 2011

Die evangelische Kirche in der offenen Gesellschaft

Rüdiger Achenbach hat für den DLF mit dem Philosophen Alexander Grau und dem kirchlichen Kommunikationsexperten Günter Menne über die Evangelische Kirche und die Herausforderungen der offenen Gesellschaft gesprochen. Schleiermacher kommt – nicht überraschend – etwas besser weg als Barth. Der Christ ist ein Mensch, der die Welt anders fühlt, als der Nichtchrist.

Insgesamt ein interessantes Gespräch, welches (ernüchternde) Einblicke in religionssoziologische und theologische Überlegungen im Raum der EKD vermittelt. Also: Besser nicht mehr von Sünde, Erlösung und Reich Gottes reden, denn mit diesen Begriffen und Konzepten können Menschen von heute nicht mehr viel anfangen. Ob die Kirche als Dienstleistungsunternehmen mit einer liberalen Theologie wirklich eine Zukunft hat? Ich zweifle.

Teil 1:

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Teil 2:

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Nachtrag vom 01.06.2011, Teil 3:

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Christlicher Hedonismus

Pascal schreibt im 280. Fragment seiner Gedanken: »Wie weit ist es von der Erkenntnis Gottes bis dahin, dass man ihn liebe.« Ich würde mit Blick auf 1Joh 4,18 hinzufügen: »Wie weit ist es von der Furcht Gottes bis dahin, dass man ihn liebe.« Augustinus unterrichtet dazu wunderschön (Vom ersten katechetischen Unterricht, 1985, S. 58):

Wer aber wegen der ewigen Glückseligkeit und der immerwährenden Ruhe, die den Heiligen für die Zeit nach diesem Leben in Aussicht gestellt ist, Christ werden will, damit er nicht mit dem Teufel ins ewige Feuer, sondern mit Christus ins ewige Reich eintritt, der ist wahrhaft ein Christ. In jeder Versuchung ist er auf der Hut, daß das Glück ihn nicht verderbe, das Unglück ihn nicht breche; im Überfluß der irdischen Güter bleibt er bescheiden und maßvoll, in der Bedrängnis tapfer und geduldig. Wenn er sich noch weiter vervollkommnet, kann er zu solcher Glaubensstärke kommen, daß seine Liebe zu Gott größer wird als die Furcht vor der Hölle; sogar wenn Gott zu ihm sagen würde: »Gib dich für immer den fleischlichen Genüssen hin und sündige, soviel du vermagst, und du wirst trotzdem nicht sterben und nicht in die Hölle geworfen, allein bei mir wirst du nicht sein«, würde er entsetzt sein darüber und auch jetzt keine einzige Sünde begehen, aber nicht so sehr aus Angst, dorthin zu stürzen, wovor er sich fürchtete, sondern um dem keinen Anstoß zu geben, den er so sehr liebt. In ihm allein ist die Ruhe, »die kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, und die in keines Menschen Herz eingedrungen ist, die Gott denen bereitet hat, welche ihn lieben«.

Als Gott die Sünder schuf

In der aktuellen Ausgabe von chrismon stellt sich der Chefredakteur Arnd Brummer der Frage: »Warum soll Gott Geschöpfe bestrafen, die er als Sünder geschaffen hat?«. Da schon die Frage falsch gestellt ist, darf man von der Antwort nicht viel erwarten. Aber wieder einmal wurden meine Erwartungen untertroffen. Anknüpfend an die irreführenden Denkbahnen seines atheistischen Schulfreundes bekennt Brummer:

Also gut: Ich glaube nicht an einen strafenden Gott. Ich halte es da mit dem evangelischen Theologen Friedrich Schleiermacher. Ich glaube an einen Gott, der wusste, was er tat, als er Menschen schuf. Er hat nicht zufällig fehlbaren Typen das Leben eingehaucht, die einen freien Willen haben, nach Erkenntnis streben und dabei alle möglichen Torheiten begehen. Und den größten Mist machen sie, wenn sie es gut meinen. Warum aber soll Gott sie dafür bestrafen, dass er sie so geschaffen hat?

Hier die ganze Geschichte: chrismon.evangelisch.de.

Das Abkürzungsverzeichnis des RGG

Jeder Bibelschüler oder Theologiestudent muss eine Fülle von wissenschaftlichen Ausarbeitungen verfassen. Dabei soll er unter Beweis stellen, dass er sich in das zu behandelnde Thema eingearbeitet hat und die wichtigsten Techniken wissenschaftlichen Arbeitens beherrscht.

Das Erstellen akademischer Texte erfordert nicht nur Kreativität und Eigenständigkeit, sondern auch Sorgfalt im Umgang mit den verarbeiteten Quellen. Fremder Stoff, der in einer eigenen Arbeit referiert und ausgewertet wird, muss gewissenhaft zitiert und belegt werden. Für Theologen ist das eine oft sehr mühevolle Arbeit, da bereits bei kleineren Hausarbeiten eine Fülle von Quellen zu kennzeichnen sind. Biblische Bücher, außerkanonische Schriften, jüdisches Schrifttum, antike Schriftsteller, Lexika und Wörterbücher und natürlich zahlreiche Fachzeitschriften sind zu benennen.

Damit der wissenschaftliche Apparat nicht zu umfangreich ausfällt, greifen Theologen gern auf Abkürzungen zurück. Das funktioniert allerdings nur, wenn nicht jeder Autor seine eigenen Abkürzungen erfindet. Also haben sich Verzeichnisse etabliert, die das Abkürzen von Titeln vereinheitlichen.

Das bekannteste Verzeichnis ist das Internationales Abkürzungsverzeichnis für Theologie und Grenzgebiete (IATG). Das von Siegfried Schwertner herausgegeben Werk macht schon in der ersten Ausgabe von 1974 für 7500 Titel von Zeitschriften, Serien, Lexika und Quellenverweisen normative Abkürzungsvorschläge. In der zweiten Auflage von 1992 werden noch mehr Werke berücksichtigt. Besitzt jemand dieses Register, kann er z. B. bei Zitaten aus Zeitschriften komfortabel auf entsprechende Abkürzungen zurückgreifen. Für die Zeitschrift für Kulturgeschichte wäre das beispielsweise das Sigel ZKuG. Natürlich wird in dem Verzeichnis auch umgekehrt jede Abkürzung mit dem vollen Titel aufgelöst.

201105240451.jpgDas ITAG kostet jedoch stolze 129,95 Euro. Bevor sich ein Student das Verzeichnis zulegt, wird er wahrscheinlich lieber »nur« 99,00 Euro ausgeben und dafür das neun Bände umfassende Handwörterbuch Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG4) in vierter Auflage erwerben (siehe dazu hier).

Erfreulicherweise hat die Redaktion des RGG4 2006 ein separates Abkürzungsverzeichnis vorgelegt. Bei der Festlegung der Siglen wurde in den meisten Fällen auf das IATG zurückgegriffen. Für Abkürzungen, die dort nicht zu finden sind, wurden die Verzeichnisse des Der neue Pauly (DNP) und des Lexikon für Theologie und Kirche (LThK) eingearbeitet. Die Redaktion von Abkürzungen Theologie und Religionswissenschaften nach RGG schreibt im Vorwort:

Für die biblischen Bücher, die außerkanonischen Schriften, die Handschriften aus Qumran, die rabbinischen Schriften und diejenigen aus Nag Hammadi bietet dieses Verzeichnis einen weitgehend vollständigen Überblick über das vorhandene Schrifttum. Die Abkürzungen der Lexika, Quellenwerke, Serien und Zeitschriften sind sukzessive aus den in der RGG verwendeten Abkürzungen entstanden und wurden Band für Band ergänzt. Dieser Entstehungsprozeß bedingt, daß sie nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erheben können. Wenn auch keine anderweitigen Quellen zur Ergänzung ausgewertet wurden, so umfaßt das Verzeichnis doch einen Großteil der heute in der Theologie verwendeten Literatur dieser Gattungen.

Ich kann das handliche Buch für 12,90 Euro wärmstens empfehlen. Das Schreiben von Arbeiten macht damit gleich mehr Spass.

 

Foundations Journal Nr. 60

affinity-foundations-60-spring.jpgDas Foundations Journal hat in der Ausgabe Nr. 60 (Frühjahr 2011) einige interessante Texte von honorigen Theologen publiziert:

  1. Carl R. Trueman: View of Scripture an Enlightenment Innovation?
  2. Peter Naylor: Lost in the Old Testament? Literary Genres and Evangelical Hermeneutics
  3. Greg Beale: The Right Doctrine, Wrong Texts: Can we follow the Apostles’ Doctrine but not their Hermeneutic?
  4. Stephen Clark: The Use of the Bible in the Church
  5. Hywel R. Jones: Preaching the Word in the Power of the Holy Spirit

Da Journal kann hier gratis heruntergeladen werden: affinity-foundations-60-spring-2011.pdf.

Das Ende der Privatsphäre – Facebook & Co.

Der DLF hat einen Kurzbeitrag über die Zwiespältigkeit der sozialen Netzwerke ausgestrahlt. Indem ich viel von mir preisgebe, nutze ich Netzwerke wie Facebook erfolgreich. Wo liegen die Grenzen des freizügigen Umgangs mit digitalen Identitäten? Im Beitrag spricht Urs Gasser, Mitautor des Buches Generation Internet. Die Digital Natives: Wie sie leben – Was sie denken – Wie sie arbeiten .

Hier der Beitrag:

[podcast]http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2011/05/24/dlf_20110524_0948_a20df621.mp3[/podcast]

Glauben und Denken heute – Ausgabe 1/2011

Eine neue Ausgabe von Glauben und Denken heute ist soeben erschienen. Das Journal Nr. 7 enthält folgende Beiträge:

  1. Johannes Otto: Editorial
  2. John Piper: Gibt es zwei Willen in Gott?: Göttliche Erwählung und Gottes Wille, dass alle gerettet werden
  3. Gottfried Herrmann: Das Weltbild der Bibel – überholt?
  4. Titus Vogt: Ist denn Gott ungerecht? Das sei ferne!
  5. Timm Smutny: Studieren am MBS Österreich
  6. Rezensionen
    1. Daniel Dangendorf: Musik, Tanz und Gott Tonspuren durch das Alte Testament (Michaela Geiger u. Rainer Kessler (Hg.))
    2. Ron Kubsch: Theologie – Was man wissen muss (Alister McGrath)
    3. Ron Kubsch: Theologie des Neuen Testaments (Ferdinand Hahn)
    4. Johannes Otto: Im Zweifel für den Zweifel (Ron Kubsch (Hg.))

Über das Anliegen seines Aufsatzes schreibt John Piper:

Mein Ziel ist es, in diesem Kapitel, aus der Schrift nachzuweisen, dass die gleichzeitige Existenz des Willens Gottes, dass »alle Menschen gerettet werden« (1Tim 2,4) und seines Willens, bedingungslos diejenigen zu erwählen, die tatsächlich gerettet werden, nicht ein Anzeichen göttlicher Schizophrenie oder exegetischer Verwirrung ist. Hand in Hand damit geht meine Absicht, zu zeigen, dass die bedingungslose Erwählung nicht im Widerspruchzu biblischen Äußerungen über Gottes Mitleid mit allen Menschen steht und dass sie das aufrichtige Heilsangebot an jeden verlorenen Menschen aller Völker der Welt nicht aufhebt.

Ich weise darauf hin, dass uns der Baker Verlag die Rechte für die Wiedergabe des Beitrags von Piper nur für 12 Monate abgetreten hat. Nach Ablauf dieser Frist müssen wir den Aufsatz wieder aus dem Internet entfernen. Wir verhandeln derzeit darüber, ob er anschließend als Buchbeitrag erscheinen kann.

Die Ausgabe 1/2011, Nr. 7 kann hier herunter geladen werden: gudh-007.pdf.

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