2020

Kultur des Todes (10): Stirb zur rechten Zeit, lehrte es Zarathustra

Es ist schon bemerkenswert, mit welcher Wucht der Geist des Zarathustra letzte Rückbindungen an das christliche Erbe in Europa durchschneidet. Das Bundesverfassungsgericht erlaubt nun in einem Grundsatzurteil die geschäftsmäßige Sterbehilfe. Es gebe ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben, und dieses Recht schließe „die Freiheit ein, sich das Leben zu nehmen – in jeder Phase menschlicher Existenz“ (siehe hier).

Nietzsche würde jubeln. Er schrieb in seinem Zarathustra: „Noch klingt fremd die Lehre: ‚stirb zur rechten Zeit!‘“. Jetzt ist diese Lehre auch in Deutschland Gesetz. Nietzsche machte das Christentum für die Verneinung des Lebens verantwortlich. Unsere Kultur bejaht im Namen des Lebens den Tod.

Hier Nietzsche im Kontext ( Also sprach Zarathustra, KSA, Bd. 4, 1999, S. 93–94):

Viele sterben zu spät, und Einige sterben zu früh. Noch klingt fremd die Lehre: „stirb zur rechten Zeit!“
Stirb zur rechten Zeit; also lehrt es Zarathustra.
Freilich, wer nie zur rechten Zeit lebt, wie sollte der je zur rechten Zeit sterben? Möchte er doch nie geboren sein! – Also rate ich den Überflüssigen.
Aber auch die Überflüssigen tun noch wichtig mit ihrem Sterben, und auch die hohlste Nuß will noch geknackt sein.
Wichtig nehmen Alle das Sterben: aber noch ist der Tod kein Fest. Noch erlernten die Menschen nicht, wie man die schönsten Feste weiht.
Den vollbringenden Tod zeige ich euch, der den Lebenden ein Stachel und ein Gelöbnis wird.
Seinen Tod stirbt der Vollbringende, siegreich, umringt von Hoffenden und Gelobenden.
Also sollte man sterben lernen; und es sollte kein Fest geben, wo ein solcher Sterbender nicht der Lebenden Schwüre weihte!
Also zu sterben ist das Beste; das zweite aber ist: im Kampfe zu sterben und eine große Seele zu verschwenden.
Aber dem Kämpfenden gleich verhaßt wie dem Sieger ist euer grinsender Tod, der heranschleicht wie ein Dieb – und doch als Herr kommt.
Meinen Tod lobe ich euch, den freien Tod, der mir kommt, weil ich will.

Noch 1975 hießt es im Katechismus der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands:

Nach christlicher Auffassung hat der Mensch kein Recht zu einem solchen zerstörerischen Eingriff (dem Selbstmord), da er sich das Leben auch nicht selbst gab, sondern mit seinem Lebensauftrag von Gott geschenkt bekam.

Ich bin ja fast schon überrascht (und erfreut), dass die beiden großen Kirchen das heutige Urteil kritisch sehen und erklären:

„Mit großer Sorge haben wir zur Kenntnis genommen, dass das Bundesverfassungsgericht am heutigen Tag (26. Februar 2020) das Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung (§ 217 StGB) aufgehoben hat. Dieses Urteil stellt einen Einschnitt in unsere auf Bejahung und Förderung des Lebens ausgerichtete Kultur dar. Wir befürchten, dass die Zulassung organisierter Angebote der Selbsttötung alte oder kranke Menschen auf subtile Weise unter Druck setzen kann, von derartigen Angeboten Gebrauch zu machen. Je selbstverständlicher und zugänglicher Optionen der Hilfe zur Selbsttötung nämlich werden, desto größer ist die Gefahr, dass sich Menschen in einer extrem belastenden Lebenssituation innerlich oder äußerlich unter Druck gesetzt sehen, von einer derartigen Option Gebrauch zu machen und ihrem Leben selbst ein Ende zu bereiten.

Bonhoeffer hatte das gut durchschaut. Durch das „Ja“ zum Selbstmord wird verleugnet, dass Gott lebt (Ethik, Werke, Bd. 6, S. 194):

Gott hat sich das Recht über das Ende des Lebens selbst Vorbehalten, weil nur er weiß, zu welchem Ziel er das Leben führen will. Er allein will es sein, der ein Leben rechtfertigt oder verwirft. Vor ihm wird Selbstrechtfertigung zur Sünde schlechthin und darum auch der Selbstmord. Es gibt keinen anderen zwingenden Grund, der den Selbstmord verwerflich macht als die Tatsache, daß es über dem Menschen einen Gott gibt. Diese Tatsache wird durch den Selbstmord geleugnet.

Nietzsche und Overbeck: Gegenseitige Radikalisierungsgehilfen

Zehn Jahre lehrte Friedrich Nietzsche als Professor an der Basler Universität. In dieser Zeit lernte er den evangelischen Theologen Franz Overbeck kennen. Aus der innigen Freundschaft der beiden Denker entwickelte sich eine antichristliche „Waffengenossenschaft“. Sie wurden „gegenseitige Radikalisierungsgehilfen“ (Andreas Urs Sommer).

Das DLF berichtet über die Ausstellung „Übermensch – Friedrich Nietzsche und die Folgen“ in Basel. Hörenswert:

 

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Polyamore Christen

Vor Jahren las ich einmal, dass der emergente Tony Jones an einer christlichen Ethik für Polyamorie arbeitet (Bezeichnung für eine Form des Liebeslebens, bei der eine Person mehrere Partner liebt und zu jedem einzelnen eine Liebesbeziehung pflegt, vgl. auch hier). Heute wurde ich auf einen Artikel der Zeitschrift CHRISTIANITY TODAY aufmerksam gemacht, indem darlegt wird, dass das Thema längst in den christlichen Gemeinden angekommen ist. Die Frage lautete nicht mehr, ob wir uns in den Gemeinden mit dem Thema beschäftigen, die Frage ist: Was geben wir für Antworten?

Zitat:

Wie können sich Pastoren und Leiter auf die Behandlung von Fragen im Zusammenhang mit der Polyamorie vorbereiten? Mehrere Pastoren sagen uns, dass es immer häufiger vorkommt, dass Menschen, die sich als Polyamore identifizieren, nach der Meinung ihrer Gemeinde zu diesem Thema fragen. Werden sie akzeptiert und bestätigt werden? Die Diskussion ist noch jung genug, so dass die meisten Pastoren noch etwas Zeit haben, um eine robuste, mitfühlende und durchdachte Antwort auf die Frage zu geben: „Schließt ihre Gemeinde Menschen ein, die als polyamor bezeichnet werden?“

Hier der interessante Beitrag: www.christianitytoday.com.

VD: AW

Robert Kolb: Zeit für Luther

Robert Kolb ist wahrscheinlich einer der besten Luther-Kenner jenseits des deutschsprachigen Sprachraums. Matthew Barrett vom CREDO MAGAZIN hat kürzlich mit ihm gesprochen. Es geht um Fragen: Welche Art von Hermeneutik hat Martin Luther auf die Schrift angewandt? Warum glaubte Luther, dass die Gegenwart Gottes für eine richtige Auslegung der Schrift so wichtig sei? Welche Beziehung besteht für Luther zwischen dem Kreuz und dem Kanon? Was versteht Luther unter sola scriptura und welchen Platz hat die Vernunft in der Bibelauslegung? Hat die Neo-Orthodoxie Luthers Sicht von Christus und der Bibel richtig verstanden? Was haben wir von Luthers berüchtigten Äußerungen zum Jakobusbrief zu halten.

Hier: 

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Die gefährliche Verweigerung des Geschlechts

In einem Beitrag im Wall Street Journal erklären die Biologen Colin Wright und Emma Hilton, dass es wissenschaftlich gesehen nur zwei Geschlechter gibt, nämlich männlich und weiblich. Es gäbe dem aktuellen Forschungsstand nach kein „Geschlechtsspektrum“. Sie betonen zudem, dass „Biologen und Mediziner“ aufhören müssen, politisch korrekt zu sein und „für die empirische Realität des biologischen Geschlechts einzutreten“ haben.

In dem Phänomen, dass einige Männer sagen, sie identifizieren sich als Frauen und einige Frauen sagen, sie identifizieren sich als Männer oder irgendeiner Kombination, „sehen wir einen gefährlichen und wissenschaftsfeindlichen Trend zur völligen Verleugnung des biologischen Geschlechts“, so die Biologen Wright und Hilton.

Die Vorstellung, dass es ein „Geschlechtsspektrum“ gibt, bei dem Menschen unabhängig von ihrer Anatomie sich „als männlich oder weiblich identifizieren“ können, sei irrational und habe „keine Grundlage in der Wirklichkeit“.

Colin Wright und Emma Hilton schreiben:

Beim Menschen, wie bei den meisten Tieren oder Pflanzen, entspricht das biologische Geschlecht eines Organismus einer von zwei verschiedenen Arten der reproduktiven Anatomie, die sich für die Produktion kleiner oder großer Geschlechtszellen – Sperma und Eier – und die damit verbundenen biologischen Funktionen bei der sexuellen Reproduktion entwickeln. Beim Menschen ist die reproduktive Anatomie bei der Geburt in mehr als 99,98% der Fälle eindeutig männlich oder weiblich. Die evolutionäre Funktion dieser beiden Anatomien besteht darin, die Fortpflanzung durch die Verschmelzung von Spermien und Eizellen zu unterstützen. Beim Menschen gibt es keinen dritten Typ von Geschlechtszellen, und daher gibt es kein „Geschlechtsspektrum“ oder zusätzliche Geschlechter über das männliche und weibliche hinaus. Das Geschlecht ist binär.

Ranald Macaulay: Die Krise des Evangelikalismus

Ranald Macaulay hat mit EVANGELICALS NOW über die Krise des Evangelikalismus gesprochen. Hier ein Auszug:

Die Kirche befindet sich an einem kritischen Punkt der Geschichte. Die gesamte Kultur rast auf einer gefährlichen Schiene: Sie glaubt nicht an die Existenz Gottes; Jesus ist völlig irrelevant, nur eine Geschichte aus dem ersten Jahrhundert in Palästina. Ich nenne das manchmal das „Plausibilitätsproblem“ – die Botschaft des Christentums scheint unserer Kultur einfach nicht einleuchtend zu sein. Gleichzeitig haben wir eine Technologie, die sich mit einer Million Meilen pro Minute weiterentwickelt. Das beschleunigt die Wirkung des „Plausibilitätsproblems“ ganz erheblich.

Was den Ernst der Situation, der wir uns gegenübersehen, ausmacht, ist die „doppelte Verwirrung“ dieser beiden Dinge: die wahrgenommene Unwahrscheinlichkeit des Christentums und die Auswirkungen der Technologie.

Ein Beispiel für die beschleunigende Wirkung der Technologie ist David Attenboroughs Enthüllung auf dem Planeten Erde II, dass Kunststoffe unsere Ozeane zerstören. Dies ist eine von unzähligen Arten, wie die Technologie die Welt verändert hat. Und es ist mit einer solchen Geschwindigkeit geschehen. Hinzu kommen die Auswirkungen von Fernsehen, Internet, Telefonen, sozialen Medien und so weiter.

Ich denke, das ist der Kern des Problems. Wir haben es hier mit der wahrscheinlich gravierendsten Veränderung in der Geschichte der Menschheit zu tun, die es je gegeben hat. Die Veränderungen, die sich intellektuell und praktisch vollzogen haben, sind seismisch. Die westliche Zivilisation sieht die Realität jetzt ganz anders, nicht mehr als eine „Schöpfung“, sondern als eine mechanische Sache. Die Technologie verschärft dies noch weiter, und zwar mit 100-facher Potenz. Das ist es, was die Postmoderne so mächtig macht. Trotz der Tatsache, dass ihr jede intellektuelle Kohärenz fehlt, ist die Stimmung der Postmoderne – ihre Atmosphäre, ihre Sorgen und die Geschwindigkeit des Wandels – sehr, sehr mächtig. Und die Richtung, in die sie geht, ist für den ganzen Planeten giftig. Sogar säkulare Schriftsteller sind besorgt. Nehmen Sie Douglas Murray, den Autor von The Strange Death of Europe, oder Leute wie Roger Scruton oder Melanie Phillips (die gerade eine Rede in Israel gehalten hat). Sie sind zutiefst beunruhigt darüber, wohin wir uns bewegen. Es ist sehr ernst.

Und, das ist der Punkt: Die Kirche scheint mir nicht sehr viel damit zu tun zu haben. Sie macht weiter, als ob sich nichts geändert hätte. Die meisten Evangelikalen scheinen den Kopf in den Sand zu stecken. Natürlich gibt es bemerkenswerte Ausnahmen, aber diese finden sich meist in überkirchlichen Organisationen. Im Großen und Ganzen scheinen sich die Kirchen selbst nicht über den Ernst der Lage im Klaren zu sein. Deshalb bin ich so beunruhigt.

Mehr: www.e-n.org.uk.

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John Rhys-Davies: Was die Welt dem christlichen Glauben verdankt

Viele kennen John Rhys-Davies nur als „Gimli“. In der filmischen Trilogie „Der Herr der Ringe“ trat er als mutiger und schnurriger Zwerg auf, der die Menschheit vor der Verführung durch die Macht des Rings bewahren wollte.

Laut CHRISTIAN POST äußerte sich John Rhys-Davies kürzlich zur Rolle des christlichen Glaubens in der Welt:

„Ich halte mich für einen Rationalisten und einen Skeptiker und erwische mich trotzdem ständig dabei, wie ich Christen und das Christentum verteidige“, sagte Rhys-Davies gegenüber der Christian Post, während er auf dem roten Teppich bei der beliebten Preisverleihungsshow „Movieguide Awards“, die den Glauben und den Familieninhalt feiert, stand.

„Wir scheinen zu vergessen, dass die christliche Zivilisation die Welt zu einem besseren Ort gemacht hat, als sie jemals war“, fuhr er fort. Der gebürtige Engländer sagte, einer der größten „Ruhmespunkte des Christentums sei die Abschaffung der Sklaverei“, behauptete aber, dass die Sklaverei immer noch existiert und ihn wütend macht. „Wir sind dem Christentum den größten Dank schuldig, den eine Generation je haben kann, und es zu kränken und als irrelevant abzutun, ist meines Erachtens der Bodensatz eher schlecht belesener Gemüter“, fügte er hinzu.

Mehr: www.christianpost.com.

Aufbaukurs II: „Christozentrische Seelsorge“

Vom 22.–27. März 2020 werden wir in Friedrichshafen am Bodensee den Aufbaukurs II zur „Christozentrischen Seelsorge“ anbieten. Folgende Themen sind geplant:

  • Das seelsorgerliche Gespräch (R. Kubsch)
  • Gesprächsführung und Fallbeispiele (R. Kubsch & Drs. Th. Jeising)
  • Wenn’s lange dauert: Anregungen für die Begleitung längerer Seelsorgeprozesse (L. Stromberger)
  • Seelsorgerliche Begleitung in Leidsituationen, in der Trauer (L. Stromberger)
  • Seelsorge im Angesicht von Krankheit und Tod (Drs. Th. Jeising)
  • Seelsorge an Jugendlichen I & II (Pfarrer Heinz Bogner)

Es sind noch einige Plätze frei. Mehr Informationen und eine Anmeldemöglichkeit finden Sie hier: Seelsorge März 2020.pdf. Gedruckte Flyer können via persönliche Nachricht angefordert werden.

Pornophobie

Seit Jahren erleben wir in den öffentlichen Diskursen, dass Kritiker der sexuellen Vielfalt durch Eliten und Medien psychopathologisiert werden. Wer diese bunte Leitkultur ablehnt, wird als homophob oder transphob hingestellt. Hat jemand Rückfragen an die Genderforschung mit ihrer Dekonstruktion der Geschlechter, ist er für eine offene Gesellschaft gefährlich. Wer die Freigabe der Adoption für unverheiratete Partner beanstandet, wird wahrscheinlich demnächst als intolerant hingestellt.

Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat im Bundestag 2019 den Antrag gestellt, die Kultur der sexuellen Vielfalt zu immunisieren. Kritiker sollen aktiv bekämpft werden. Die GRÜNEN fordern deshalb einen bundesweiten Aktionsplan für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt. Das darf dann jährlich 35 Millionen Euro kosten. In dem Antrag heißt es:

Um eine gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe von LSBTI zu ermöglichen, ist die Stärkung der Zivilgesellschaft in der Auseinandersetzung mit LSBTIFeindlichkeit und Mehrfachdiskriminierung notwendig. Dafür braucht es eine langfristige Strukturförderung für Verbände, die seit Jahren komplett oder zum Teil nur dank des ehrenamtlichen Engagements ihrer Mitglieder funktionieren. Für Selbstorganisationen von LSBTI sind zudem Fördermittel zum Strukturaufbau und für Empowerment-Strategien zur Verfügung zu stellen. Die Medien stehen in besonderer Verantwortung, LSBTI-Diskriminierung aktiv entgegenzuwirken. Die Gesellschaft sollte dabei in ihrer Vielfalt abgebildet sein, sowohl in den Redaktionen als auch bei der Besetzung von Aufsichtsgremien. Die Bekämpfung von LSBTI-Feindlichkeit ist Teil der meisten Programmgrundsätze und muss weiter mit Leben gefüllt werden.

Ich befürchte, dass auch für Kritiker der Pornographie bald eine passende Zuschreibung gefunden wird. Wie wäre es mit „pornophob“? Die Botschaft lautet: Das Problem ist nicht die Pornographie. Das Problem ist eine Gesellschaft, die ein Problem mit der Pornographie hat.

Es gibt an einigen Universitäten und in avantgardistischen Zirkeln bereits erste Veranstaltungen, in denen für eine gesellschaftliche Akzeptanz und Förderung von Pornographie geworben wird. Die Pornoregisseurin Paulita Pappel erklärte kürzlich in so einem Forum, warum es einen politischen Auftrag gibt, Pornos unters Volk zu bringen:

Pornos sind für mich eine politische Sache, weil in den meisten Gesellschaften Sex ein Tabuthema ist. Als ich anfing Pornos zu drehen, habe ich das nicht für das Geld gemacht, sondern rein für die Botschaft. Also für die Idee, andere Körper, andere Sexualitäten darzustellen, als die, die man sonst sieht. Anfangs dachte ich noch, nur das sind dann auch gute Pornos, aber davon habe ich mich entfernt … Die Einteilung in Gut und Böse ergibt für mich keinen Sinn mehr. Das Problem der Pornografie ist doch, dass in der Gesellschaft nicht offen über Sex geredet wird und nicht die Pornografie selbst. Wenn es um Sexualität geht, ist das Schlimmste, was man verbreiten kann, Schuldgefühle. Die schaden uns mehr als irgendein superbrutaler Porno.

An dem Gespräch der ICONIST-Veranstaltungsreihe „Sex Education“ nahm auch der Sexualwissenschaftler Alexander Korte teil. Der sagte übrigens etwas sehr Interessantes:

Gerade für sexuelle Minderheiten könnte Pornografie hilfreich sein für die Selbstfindung, eine Art virtuelles Probehandeln. Homosexuelle Jugendliche, und zwar sowohl Mädchen als auch Jungs, konsumieren nachweislich mehr Pornografie.

Mann kann ja die Korrelation auch anders deuten als Herr Korte.

Also, wer nicht damit überrascht werden möchte, dass seine Kinder in den Schulen staatlich subventionierte Pornofilme konsumieren, um eine Erweiterung ihres Lustrepertoires zu stimulieren, der sollte jetzt nicht still abwarten, sondern sich einmischen. Die sexuelle Verwahrlosung hat Gründe!

Hier das Interview mit Paulita Pappel und Alexander Korte: www.welt.de.

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Bonhoeffer: Durch Ungeduld zerbricht die Gemeinschaft

Dietrich Bonhoeffer schreibt über die Geduld (Illegale Theologenausbildung: Sammelvikariate 1937–1940, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, Logos Sonderausgabe, Bd. 15, S. 82–83):

Liebe Brüder, unsre wirkliche Not ist garnicht der Zweifel an unserem angefangenen Weg, sondern unser Versagen in der Geduld, im Drunterbleiben. Wir können es uns immer noch nicht denken, daß Gott heute wirklich von uns nichts Neues will, sondern ganz allein die Bewährung in dem Alten. Das ist uns zu wenig, zu monoton, zu anspruchslos. Wir können uns auch einfach noch nicht damit abfinden, daß die Sache Gottes nicht immer die Sache des Erfolges ist und daß wir wirklich auch mit unserem rechten Wege „erfolglos“ sein könnten. Aber eben hier entscheidet es sich, ob wir im Glauben oder in der Begeisterung angefangen haben.

Es ist auffallend, welche Bedeutung der Geduld im Neuen Testament zukommt. Nur der Geduldige empfängt die Verheißung (Mat 24, 13), nur der Geduldige bringt rechte Frucht (Luk 8, 15). Ein Glaube, der nicht zur Geduld wird, ist unecht, unbrauchbar. Der Glaube muß bewährt sein. Bewährung gibt es nur im Leiden. Nur aus dem Erleiden, aus dem Drunterbleiben wird das „vollkommene Werk“ hervorgehen (Jak 1,3 f). Wenn wir uns daran erinnern, daß das Wort Glaube – πίστις – schon das Moment der Treue enthält, so wird uns der enge Zusammenhang von Glaube und Geduld nicht verwundern. Geduld gibt es nur „in Jesus“ (Offb 1,9); denn Jesus übte Geduld als er das Kreuz trug. Hebr 12,2 beschreibt den Kreuzweg Jesu als ein Drunterbleiben, als Geduld. Drunterbleiben heißt für uns in der Gemeinschaft der Leiden des Christus stehen (2 Kor 1,6 ff) und dadurch Zuversicht gewinnen. Haben wir an der Geduld Jesu Anteil, so werden wir selbst geduldig, und zuletzt werden wir an seinem Königtum teilhaben (2. Tim 2, 12). Der Weg zur Geduld geht über die Zucht (2. Petr 1,6). Je freier wir von der Bequemlichkeit und Trägheit, von persönlichen Ansprüchen werden, desto williger werden wir zur Geduld.

Unser Text sagt uns, daß wir einig bleiben können, nur wenn wir in der Geduld bleiben. Die Ungeduld richtet Spaltung an. Und es ist ja leider nicht zu leugnen, daß alle die, die aus Ungeduld eigene Wege gehen oder schon gegangen sind, manchem Bruder den Kampf der Bewährung und Geduld noch viel schwerer gemacht haben. Ungeduld zerbricht die Gemeinschaft. Sie ist im Sinne des Evangeliums nicht nur eine kleine, verzeihliche Unart, sondern sie ist das Versagen in der Bewährung des Glaubens.

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