Mursi in Berlin: Furcht vor unbequemen Fragen

In den von Demonstrationen und Protesten erschütterten ägyptischen Städten am Sueskanal machen Polizei und „Sicherheitskräfte“ in Zivil Jagd auf Journalisten und Personen, die die Gewalt der Polizei filmen wollen. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet, dass die Polizei systematisch Kameras und Camcorder zerstöre. Nach Angaben der IGFM versuchten die Behörden jeden festzunehmen, der die Übergriffe filmen wolle oder in den Krankenhäusern Todesopfer und ihre Verletzungen dokumentiere.

Der Zugang zu den Städten am Sueskanal ist streng überwacht und werde teilweise völlig unterbunden. Mehrere Krankenhäuser sind geschlossen worden, die Verletzten würden in manchen Fällen unter größtem persönlichem Risiko mit Privatwagen an den Checkpoints vorbei in andere Städte gebracht, um sie versorgen zu können. Vorübergehend wurden sogar die örtliche Telefonnetze und der Strom abgeschaltet. Auch die wenigen in ägyptischen Privatsender ausgestrahlten Filme seien unter größtem Risiko aus der Kanalregion geschmuggelt worden, so die IGFM. Die bedeutendsten Medien Ägyptens sind in staatlicher Hand und inzwischen unter der Kontrolle der Muslimbrüder.

Zwei Journalisten der IGFM, die sich für die Rede des ägyptischen Präsidenten am 30. Januar akkreditiert hatten, um kritische Fragen an Mohammed Mursi zu stellen, ist wenige Stunden vor der Veranstaltung mitgeteilt worden, dass für sie im Veranstaltungssaal kein Platz sei. Sie müssten sich in einen separaten Übertragungsraum zurückziehen. „Offenbar hat Mursi Angst davor, nach Folter, politischem Mord und seinen antijüdischen Ausfällen über ‚Affen und Schweine‘ befragt zu werden“, kommentierte der IGFM-Vorstandssprecher.

TGC-Konferenz: Jesus im Lukasevangelium

overview-banner.pngBei der diesjährigen Konferenz der „Gospel Coalition“ vom 8.–10. April in Orlando (USA) dreht sich sehr viel um das Thema„Jesus im Lukasevangelium“. Zu den Rednern gehören Don Carson, David Platt, John Piper, Stephen Um und andere. Wieder stehen enorm viele Workshops auf dem Programm. So spricht Tim Keller über eine „Theologie der Erweckung“ oder Claire Smith über „Frauen in der Kirche“. Ich selbst würde gern den Workshop „Sühne bei Lukas“ von Prof. Thomas Schreiner besuchen.

Das Programm, mehr Informationen und eine Anmeldemöglichkeit gibt es unter: thegospelcoalition.org. Wer – wie ich – sich die Reise in die USA nicht leisten kann, aber an ähnlichen Themen interessiert ist, sollte einen Blick auf die diesjährige Evangelium21-Konferenz in Hamburg werfen: www.evangelium21.net.

Hier noch ein kurzes Gespräch mit dem Neutestamentler Thomas Schreiner über die Konferenz in Orlando:

G. Rohrmoser: Was heißt Privatisierung des Glaubens?

Günter Rohrmoser schreibt in Die Wiederkehr der Geschichte (1995, S. 220):

Und was heißt Privatisierung des Christentums? Jeder kann es mit dem Christentum halten, wie er will. Seine Entscheidung ist völlig beliebig und ganz der privaten autonomen Wahlfreiheit unterworfen. Es kann gar kein Zweifel darüber bestehen, daß das Ende, das das Christentum auf diese Weise erleiden wird, anonym und lautlos sein wird. Das Christentum wird eines Tages verschwunden sein, ohne daß wir es überhaupt bemerkt haben. Das Besondere dieser Situation im Unterschied zu anderen Phasen der Krise des Christentums liegt nun darin, daß die größten Gefahren für das Christentum heute von den Hirten und von den Theologen selbst auszugehen scheinen.

Die Grünen: Höhenflug oder Absturz?

güllner.jpgProfessor Manfred Güllner, Gründer und Geschäftsführer von Forsa, einem der führenden deutschen Meinungsforschungsinstitute, hat ein Buch über „Die Grünen“ geschrieben.

  • Manfred Güldner: Die Grünen: Höhenflug oder Absturz?, Verlag Herder, 2012, 180 S.

Wolfgang Jäger hat es für die FAZ besprochen:

Die Mehrheitsmeinung der Sozialwissenschaftler, dass die Grünen aus den „neuen sozialen Bewegungen“ herauswuchsen, bestreitet Güldner. Stattdessen sieht er als Antrieb der neuen Partei die „Bewegung an sich“, die wie in der Weimarer Republik bei Teilen eines radikalisierten Bürgertums eine Revolte gegen die Moderne sein will, mit dem Ziel, das gesamte System zu verändern. Die gesellschaftstheoretisch zugespitzte These übersieht aber doch die große Bedeutung des sozialen Wurzelgrunds der grünen Bewegung. Sie ist ohne die massenhafte und bunte Bürgerinitiativen-Bewegung sowie die vor allem von Wühl und Brokdorf symbolisierte Anti-Kernkraft-Bewegung und die vom Nato-Doppelbeschluss ausgelöste Friedensbewegung nicht zu denken. Hier entstanden Netzwerke und die für eine erfolgreiche Parteigründung so wichtigen neuen Milieus.

Der Wert des Buches liegt in der Anatomie der grünen Wählerschaft. Ausführlich seziert der Verfasser die Grünen von ihrer Gründung bis heute als Klientelpartei der oberen Bildungsschichten und zunehmend auch der oberen Einkommensschichten. Die Grünen verfügen über ein recht großes Potential an Stammwählern. Waren sie zum Zeitpunkt ihrer Gründung mehrheitlich eine Partei der unter 35-Jährigen, so unterscheiden sie sich im Hinblick auf die jungen Anhänger heute nicht mehr von den etablierten Parteien. Sie laufen sogar Gefahr, zu einer „Ein-Generationen-Partei“ zu werden. Von Anfang an dominierten unter den grünen Wählern die Frauen. In Baden-Württemberg finden sich die höchsten Sympathien für die Grünen mit 40 Prozent bei den 30- bis 59-jährigen Frauen. Von Beginn an ordneten sich die Grünen im politischen Spektrum links ein – weiter links als die SPD.

Insgesamt ist der Rezensent eher zurückhaltend: „Güllners These findet allerdings in der von ihm nur am Rande erwähnten Forschung über die Nichtwähler keinen Rückhalt, wie überhaupt der Autor die Literatur zur Parteien- und Demokratieforschung nur sehr sparsam nutzt. Das Buch lebt von der polemischen Zuspitzung.“

Andere sind begeistert. Empfehlen kann ich die Rezension von J. Schneidereit. Dort heißt es:

Manfred Güllners Analyse der Grünen nimmt eine Sonderstellung in der sich mit den Grünen beschäftigenden Publizistik ein durch einen nüchternen Blick auf eine, wie Güllner sagt, kaum in Politik und Gesellschaft kritisierte Partei. Wie man später erfahren kann, sehen sich 39 Prozent der deutschen Journalisten als Anhänger der Grünen; vielleicht ein Fingerzeig auf die oftmals verklärende und sehr wohlwollende Sicht auf die Partei.

Güllner geht zunächst von den messbaren Tatsachen aus, dass die deutschen und österreichischen Grünen zum einen europaweit die höchsten Zustimmungswerte bei Wahlen erhalten, zum anderen aber auch einen weit über ihre Wählerschaft hinausgehenden politischen Einfluss. Güllner geht der Frage nach, wie sich diese Erfolge erklären lassen und welcher Methoden sich die Grünen dabei so erfolgreich bedienen. Kurz gesagt: Die Grünen vermochten es, in Zusammenarbeit mit Unterstützern aus Wissenschaft, Bildungswesen, Medien und Verwaltung, ihre Partikularinteressen als allgemeine Interessen der Gesellschaft darzustellen, obwohl sie oft nur eine Minorität der deutschen Bildungs- und Einkommenselite vertreten.

Seine Analyse beginnt mit der Feststellung, dass die Grünen in den siebziger Jahren nicht, wie oft behauptet, auf neue Zeit-Erfordernisse reagierten oder auf Versäumnisse anderer Parteien, sondern dass die fünf z.T. sehr unterschiedlichen Milieus, aus denen die Grünen hervorgingen, geeint wurden durch ihre Gegnerschaft zur modernen Gesellschaft der bestehenden Bundesrepublik.

Das Buch verkauft sich derzeit übrigens ausgesprochen gut.

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US-Amerikaner demonstrieren gegen Abtreibung

Die meisten Medien haben das Großereignis komplett ausgeblendet: Am 25. Januar gingen in den USA viele Menschen auf die Straße, um ihren Unmut über die Abtreibungspolitik zum Ausdruck zu bringen. In Deutschland berichtete wenigstens die FAZ kurz (28.01.2012, Nr. 23, S. 6):

Rund 400 000 Demonstranten haben in Washington beim traditionellen „Marsch für das Leben“ gegen das Recht auf Abtreibung protestiert. Die Demonstranten erinnerten daran, dass seit der Legalisierung der Abtreibung durch das Oberste Gericht im Verfahren „Roe gegen Wade“ vom 22. Januar 1973 in den Vereinigten Staaten mehr als 55 Millionen Abtreibungen vorgenommen wurden …

Ob es wirklich 400.000 Teilnehmer waren? Die Thüringer Allgemeine, eine der wenigen deutschen Zeitungen, die überhaupt über die Demonstration berichtet, spricht unter Berufung auf AFP von zehntausenden Menschen. Der Observer nennt 650.000 Leute. Ein kurzer Bericht von FOX News zeigt jedenfalls, das auffällig viele junge Leute dabei gewesen sind.

Ernst Troeltsch (1865–1923)

Ernst Troeltsch (1865–1923), evangelischer Theologe und Kulturphilosoph, gilt als der Systematiker der sogenannten Religionsgeschichtlichen Schule, deren Vertreter für einen konsequenten Historismus in der theologischen Forschung eintraten. Troeltsch setzte sich dafür ein, die Substanz des Christentums zu bewahren, um sie mit der intellektuellen Form der Moderne zu versöhnen.

Das DLF-Gespräch gibt Einblicke in die religionsgeschichtliche Schule. Freilich fehlt die Kritik.

Interview mit Simon Mayer

Waldemar Justus von Jesus24.de hat mit Simon Mayer über „Josia – truth for youth“ gesprochen. Auf die Frage: „Was ist eure Vision und welche Ziele verfolgt ihr?“, antwortet Simon:

Unsere große Vision findet sich in unserem Slogan wieder: Truth for youth! In Zeiten von grenzenloser Beliebigkeit, zunehmendem und selbst unter ernsthaften Christen erschreckend großem biblischen Analphabetismus, alarmierendem moralischen Zerfall und häufig anzutreffender Orientierungslosigkeit wollen wir uns ein Beispiel nehmen an unserem Namenspatron Josia, dem König von Juda, der schon in jungen Jahren sein Volk entschlossen zum Wort Gottes zurückführte. Wir möchten Menschen für die frohe und freimachende Botschaft von Jesus Christus gewinnen und ihnen dabei helfen, Tag für Tag in dieser Wahrheit zu wachsen. Wir hoffen, dass uns dies v.a. durch zwei konkrete Mittel gelingt: Zum einen die Bereitstellung von fundierten Artikeln und Beiträgen auf unserem Onlinemagazin und zum anderen die Veranstaltung von überkonfessionellen Konferenzen, die zur Auferbauung und Vernetzung dienen. Denn es ist unser Ziel, junge Menschen aus allen Denominationen zu ermutigen, sich mit ihren Gaben und Talenten im Reich Gottes zu engagieren, weil dies niemals umsonst ist, sondern – im Gegenteil – die himmlischen Schätze die einzigen sind, die ewigen Bestand haben. Es ist unser Wunsch, dass junge Christen in ganz Deutschland aufstehen für die Wahrheit und ihr Licht leuchten lassen an dem Platz, wo Gott sie hingestellt hat. Ihm zur Ehre und vielen Menschen zum Zeugnis!

Hier das gesamte Interview: www.jesus24.de.

Was braucht der Pietismus heute?

Klaus Bockmühl schrieb 1977 (Herausforderung des Marxismus, S. 123):

Was der eine soziale Verantwortung empfindende Pietismus heute braucht, ist nicht Anpassung — weder nach rechts noch nach links —, sondern Buße, Umkehr, so daß Gott für ihn wieder zum beherrschenden Faktor in Leben und Gesellschaft wird. Der Pietismus braucht daher — das gilt übrigens für die ganze Christenheit —, um der ideologischen Abhängigkeit zu entgehen, dringend eine an der Heiligen Schrift orientierte Sozialethik.

Größte Alltagsbelastung für Familien sind Geldsorgen

Jürgen Liminski sagt: („Familienpolitik in Deutschland: Trotz hoher Ausgaben nur wenig erfolgreich?¶ In: Ifo-Schnelldienst, 15 / 2012 , vom 17.August 2012, S. 13, Quelle: iDAF):

Familien überleben, weil sie Synergie-Effekte nutzen, weil sie sparsamer einkaufen, weil sie vielfach nicht in Urlaub fahren (während die kinderlosen Doppelverdiener drei- und viermal fahren), weil die Großeltern helfen (der private Transfer der älteren auf die jüngere Generation beläuft sich mittlerweile auf rund 30 Milliarden Euro pro Jahr), weil sie billigeren Wohnraum suchen, weil sie das Kindergartengeld sparen, weil sie mit zusätzlichen Jobs ein Zubrot verdienen, weil sie keine (zweite) Lebensversicherung für die Altersvorsorge abschließen, weil sie kein Auto fahren oder nur ein altes, weil sie nicht ins Theater oder Kino gehen, sondern sich Kinoabende zuhause machen, weil sie kein Handy haben oder nur eins mit begrenzten Sprechzeiten, weil sie Restaurants nur von außen kennen, weil, weil, weil. Sicher ist: Die größte Alltagsbelastung stellen für die deutschen Eltern Geldsorgen dar.

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