Calvin: Der Gebetskampf
Für Calvin enthalten die Psalmen wertvolle Hinweise für ein wirksames Gebetsleben. In seiner Vorrede zum Psalmenkommentar schreibt der Reformator (Der Psalmenkommntar: Eine Auswahl, Calvin Studienausgabe, Bd. 6, Neukirchen-Vluyn: Neukirchner Verlagsgesellschaft, S. 21–23):
Das aufrichtige Gebet wird erstens aus der Empfindung unserer Bedürftigkeit und zweitens aus dem Vertrauen auf die Verheißungen geboren. Hier werden die Leser aufs Beste aufgerüttelt, ihre Nöte zu empfinden, und auf die nötigen Heilmittel dagegen aufmerksam gemacht. Ja, alles, was beim Gebet zu Gott zu unserer Aufmunterung beitragen kann, wird uns in diesem Buch gezeigt. Denn wir treffen hier nicht nur auf Verheißungen, sondern der Beter zeigt sich uns oft in einer Situation mitten zwischen der Einladung Gottes und den Hindernissen des Fleisches. Wenn uns mancherlei Zweifel quälen, sollen wir lernen solange zu ringen, bis sich unser Geist befreit zu Gott aufrichtet. Und nicht nur das, sondern mitten in Zweifel, Furcht und Ratlosigkeit sollen wir alle Anstrengung zum Beten aufwenden, bis wir uns über [seinen] Trost freuen können. Denn es steht fest: Wenn auch Misstrauen unseren Gebeten die Tür verschließt, dürfen wir trotzdem nicht nachlassen, wenn unsere Herzen schwanken oder durch Unruhe erschüttert werden, bis der Glaube als Sieger aus diesen Kämpfen hervorgeht. An vielen Stellen [der Psalmen] können wir beobachten, wie die Diener Gottes beim Beten so verunsichert sind, dass sie abwechselnd fast überwältigt wurden und [dann doch] den Sieg nach hartem Kampf davontrugen. Dort zeigt sich einerseits die Schwachheit des Fleisches, andererseits aber entfaltet sich die Kraft des Glaubens. Auch wenn [diese Kraft] nicht so stark ist, wie man es sich wünschen möchte, ist sie doch wenigstens bereit zum Kämpfen, bis sie allmählich solide Stärke erlangt.
Joel hat mich darauf hingewiesen, dass die Calvin-Biografie von TH. L. Parker, erschienen bei Hänssler, derzeit sehr günstig zu haben ist. Vielen Dank für den Hinweis! Parker, eine Calvin-Kenner, porträtiert den Theologen und Prediger Johannes Calvin und lässt viele authentische Quellen sprechen.
Reiner Zimmermann schreibt in: