Neues Testament

Paulus, der Missionar

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Eckhard J. Schnabel, früher Dozent an der FTA in Gießen (heute FTH) und derzeit Professor für Neues Testament an der Trinity Evangelical Divinity School, hat ein faszinierendes Buch über Paulus geschrieben.

Guy Davies schreibt in seiner Rezension:

The author divides his treatment into six main sections. He begins with a consideration of ‘The Missionary Work of the Apostle Paul’ describing the apostle’s many missionary journeys from the time of his conversion until he was finally imprisoned and then martyred in Rome. It is often suggested that Paul underwent four missionary journeys. Schnabel challenges the traditional view, identifying fifteen distinct periods of mission. Then we come to ‘The Missionary Task According to Paul’s Letters’, where the author surveys Paul’s own understanding of the task of mission, giving careful and detailed attention his epistles. In ‘The Missionary Message of the Apostle Paul’ the writer skilfully unpacks the content of Paul’s gospel preaching, which focused on confronting Jew and Gentile alike with the good news of the death and resurrection of Jesus Christ. Consideration is given to ‘The Missionary Goals of the Apostle Paul’. Paul aimed at preaching the gospel so that sinners would be saved and gathered into class-defying, multi-ethnic churches, where they might be nurtured in the faith and trained for mission. The question of how the apostle went about doing all this is faced in ‘The Missionary Methods of the Apostle Paul’. The writer discusses how Paul decided which areas to evangelise, the types of building he used for mission and his manner of public speaking. Paul’s preaching centered on the sacrificial death and mighty resurrection of Jesus Christ. Both Jews and Gentiles found his message deeply offensive and objectionable. The only explanation for Paul’s missionary success is the convincing power of the Holy Spirit upon his preaching.

In the last prophetic section Schnabel seeks to apply the lessons of Paul the Missionary to ‘The Task of Missionary Work in the Twenty-First Century’. He argues that the trend towards targeting of homogeneous people groups is a contradiction of the New Testament vision of the church as God’s multi-ethnic community of people united to Christ and indwelt by the Spirit. Drawing on the work of David Wells (here), he also critiques “Seeker Sensitive” and “Purpose Driven” approaches to mission, which rely too much on technique and water down the gospel for the sake of “cultural relevance”. Schnabel’s prescription is that we need to return to the gospel centred, Spirit empowered approach of Paul, ‘The missionaries, teachers and preachers of the church are and remain sinners saved by God’s grace and whose “success” – evaluated from the eternal perspective of God’s Day of Judgement – is the result of the power of the Spirit of God, who honours their faithfulness to the truth of the gospel of the crucified Jesus Christ.” (p. 418).

The book is packed with a wealth of fascinating information on Paul’s missionary travels and gives an acute analysis of his theology. Indeed what is so impressive about this volume is Schnabel’s commitment to the primacy of theology over and against the „can do“ pragmatism that so often characterizes evangelical approaches to mission. It also struck me that while the writer takes account of the women who helped Paul in his evangelistic work, the leading figures in New Testament mission were men. The main method of mission was primarily the preaching of the gospel to all who would listen, which is a male task according to the New Testament. While women have done (and are doing) sterling work on the mission field, we need to pray that the Lord of the harvest will raise up suitably gifted men to take the good news of Jesus to the nations.

Das Buch:

  • Eckhard J. Schnabel: Paul the Missionary: Realities, Strategies and Methods, Inter Varsity, 2008, 518 S.

kann hier bestellt werden:

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Das virtuelle Manuskriptarchiv des INTF

VMR.pngFreunde der neutestamentlichen Wissenschaft und der Textkritik werden von der Internetseite »New Testament: Virtual Manuscript Room« (NT.VMR) begeistert sein.

Das Institut für neutestamentliche Textforschung (INTF) in Münster dokumentiert und erforscht die Geschichte der Überlieferung des Neuen Testaments in seiner griechischen Ursprache. Dafür führt das INTF die so genannte Handschriftenliste, in der sämtliche neutestamentlichen Handschriftenbestände mit ihren Grunddaten katalogisiert sind. Zu jeder neutestamentlichen Handschrift ist im Archiv des INTF eine Akte vorhanden, in der unterschiedlichste Informationen gesammelt sind. Diese Dossiers sollen nach und nach im NT.VMR veröffentlicht werden. Jetzt sind zu folgenden Papyrushandschriften die ersten Dossiers als pdf-Dateien zugänglich: P1, P20, P21, P22, P26 und P37.

Ein Besuch des virtuellen Manuskriptarchivs lohnt sich: intf.uni-muenster.de.

Gibt es Heilsgewissheit ohne Heiligung?

2804_0.jpgDer Bethanien Verlag wird Mitte November ein Buch über die Heilsgewissheit publizieren:

  • Thomas R. Schreiner u. Ardel B. Caneday: Mit Ausharren laufen: Gibt es Heilsgewissheit ohne Heiligung?, Paperback, Betanien, 2009, 350 Seiten, 15,50 Euro

Der Verlag schreibt zum Buch:

Disziplin. Ausdauer. Ausharren. Das Neue Testament beschreibt das Leben als Christ oft als einen Wettlauf, bei dem es um einen Preis geht. Was ist dieser Preis? Eine besondere, zusätzliche Auszeichnung für überdurchschnittliche Leistung? Oder geht es um die Errettung selbst? Kann man disqualifiziert werden, scheitern und den Preis verfehlen? Oder ist der Preis jedem sicher, der bei dem Lauf gestartet ist? Was ist mit den biblischen Warnungen vor dem Versäumen des Preises? Kurz: Ist das Heil sicher oder verlierbar und wie hängt es mit dem Ausharren zusammen?
Die Autoren bieten in diesem Buch Antworten durch eine gründliche Untersuchung der biblischen Lehre vom rettenden Glauben und zeigen die Folgerungen für das Volk Gottes auf. Diese grundlegende Studie untersucht alle relevanten Texte des Neuen Testaments und lotet deren Bedeutung für das Leben als Christ, für das Heil und für den Dienst in Wortverkündigung, Gemeindeleitung und Seelsorge aus.

Dieser Auszug aus dem Buch zeigt, dass die Lektüre theologischer Bücher zu einem spannenden Erlebnis werden kann: ausharren1-47.pdf.

Ed Sanders: »Ist das Vermächtnis des Paulus noch von Bedeutung?«

Ed Sanders gilt als Mitbegründer der »Neuen Paulusperspektive« (engl. New Perspective on Paul). Am 1. Oktober 2008 hat er an der Villanova University (U.S.A.) eine Gastvorlesung zum Thema »Is Paul’s Legacy Relevant Today?« gehalten und dabei danach gefragt, ob Paulus‘ Sichtweisen von der Obrigkeit, der Sexualethik und des Konzeptes von einer Person in Christus heute noch relevant sind.

Die Vorlesung wurde auf Video aufgezeichnet und kann hier nachträglich gehört werden: www.youtube.com.

Das Neue Testament: Überblick, Hintergrund und Erklärungen

Titelbild.jpgVor einigen Wochen ist das Buch Das Neue Testament: Überblick, Hintergrund und Erklärungen meines Kollegen Carsten Friedrich erschienen. Der Born Verlag schreibt dazu:

Die Bücher des Neuen Testaments gehören sicher zu den bekannteren Texten der Bibel. Dennoch braucht man auch hier manches Hintergrundwissen, um die Texte in ihrer jeweiligen Absicht zu verstehen.

Dieses kompakte Buch gibt dem/der Leser/in Hilfen zum Verständnis der einzelnen Bücher, einen Überblick über den Inhalt und stellt charakteristische Verse vor. So wird das Neue Testament begreifbarer und man wird ermutigt, das Gelesene durch eigene Entdeckungen zu vertiefen. Es regt zum persönlichen (Weiter)Lesen und zum Studium der biblischen Bücher an. Dazu dient auch der Bibelleseplan im Anhang des Buches, mit dem man in einem Jahr chronologisch das gesamte Neue Testament lesen kann.
Eine Einführung in die Entstehung des Neuen Testaments rundet das Buch ab.

Gedacht ist das Buch besonders für junge Leute ab 14 Jahre. Einsatzmöglichkeiten ergeben sich in Jugend- und Bibelkreisen, bei der Konfirmandenarbeit oder beim persönlichen Bibelstudium

Hier eine Leseprobe: Leseprobe.pdf.

Das Buch:

  • Carsten Friedrich: Das Neue Testament: Überblick, Hintergrund und Erklärungen, Born-Verlag, 2009, 84. S., 5,90 Euro

kann hier bestellt werden:

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Calvin über Glauben und Werke

Calvin bestreitet, dass Werke irgendeinen Anteil an der Rechtfertigung des Menschen haben (vgl. hier). Aber ist der Glaube nicht ohne Werke tot (vgl. Jak 2,17)? Calvin: Da wo Christus ist, »da ist der Geist der Heiligung, der die Herzen zu neuem Leben umschafft«.

Johannes Calvin schreibt 1539 in seinem Brief an Kardinal Sadolet:

Gleichwohl tut man Christus Unrecht, wenn man unter dem Vorwand seiner Gnade gute Werke verwirft, ist er doch gekommen, das Volk »angenehm zu machen für Gott, eifrig zu guten Werken«. Und ähnliche Zeugnisse dafür gibt es in Fülle, aus denen hervorgeht, Christus sei deshalb erschienen, damit wir durch ihn als Menschen, die recht handeln, Gott angenehm sein sollen. Unsere Gegner führen freilich stets die Schmähung im Munde, daß wir mit dem Hinweis auf die Rechtfertigung aus Gnaden den Eifer nach guten Werken im christlichen Leben ersticken. Doch das ist zu lächerlich, als daß es uns ernsthaft beschweren könnte. Daß gute Werke an der Rechtfertigung des Menschen irgendeinen Anteil haben, bestreiten wir allerdings; im Leben der Gerechtfertigten aber beanspruchen wir für sie das ganze Feld. Denn wer Gerechtigkeit erlangt hat, besitzt Christus, Christus aber kann nirgends ohne seinen Geist sein. Daraus geht klar hervor, daß die Gerechtigkeit aus Gnaden notwendig mit der Wiedergeburt verbunden ist. Wenn man also genau verstehen will, wie unzertrennlich Glaube und Werke zusammengehören, muß man auf Christus sehen, der uns, wie der Apostel lehrt, zur Gerechtigkeit und Heiligung gegeben ist (1Kor 1,30). Wo immer sich also diese Glaubensgerechtigkeit findet, die wir als ein Geschenk der Gnade verkündigen, dort ist auch Christus. Wo aber Christus ist, da ist der Geist der Heiligung, der die Herzen zu neuem Leben umschafft. Und umgekehrt: Wo sich der Eifer nach Uneigennützigkeit und Heiligung nicht regt, dort ist auch weder Christi Geist noch Christus selbst. Wo aber Christus nicht ist, da gibt es auch keine Gerechtigkeit, ja nicht einmal Glaube, kann doch ohne den Geist der Heiligung der Glaube Christus nicht als [Unterpfand der] Gerechtigkeit ergreifen. Wenn also Christus nach unserer Predigt zu einem geistlichen Leben erneuert, welche er rechtfertigt, wenn er sie der Gewalt der Sünde entreißt und in das Reich seiner Gerechtigkeit versetzt28, wenn er sie in das Ebenbild Gottes verwandelt und sie schließlich durch seinen Geist zum Gehorsam gegen seinen Willen umgestaltet: dann bleibt Euch keine Möglichkeit mehr zur Klage, unsere Lehre lasse fleischlichen Begierden die Zügel schießen. Etwas anderes aber wollten die von Euch angeführten Schriftstellen doch nicht bezwecken. Wenn Ihr sie also dazu mißbrauchen wollt, die Rechtfertigung aus Gnaden niederzureißen, dann habt Ihr Euch verrechnet!

Eine Endzeitdebatte

Denny Burk hat in seinem Blog den Mitschnitt einer Diskussion über die Eschatologie veröffentlicht. An dem Gespräch haben Dr. Tom Schreiner, Dr. Bruce Ware und Dr. Chad Brand teilgenommen. Denny Burk hat die Debatte moderiert.

Der Neutestamentler Tom Schreiner erklärt ausführlich, warum er die Position des Amillenialismus zugunsten eines Prämillenialismus aufgegeben hat. Seine Ehrlichkeit erfrischt, so ganz sicher ist er sich nämlich immer noch nicht.

Hier der Mitschnitt (der wohl nur für ›Experten‹ interessant sein dürfte): www.sbts.edu.

Der Mythos kehrt zurück

Vor 125 Jahren wurde der Ausnahmeforscher Rudolf Bultmann geboren. Er hielt den Geister- und Wunderkosmos der Bibel für unvereinbar mit modernen Erkenntnissen der Naturwissenschaften. Inzwischen hat der Fortschritt der Wissenschaften das Weltbild des Theologieprofessors als zu einseitig hinter sich gelassen. Werner Thiede, außerplanmäßiger Professor für Systematische Theologie an der Universität Erlangen-Nürnberg, hat für den Rheinischen Merkur einen Artikel über den Marburger Neutestamentler geschrieben.

Er ist selber so etwas wie ein Mythos geworden: der große Entmythologisierer Rudolf Bultmann (1884–1976). Die zahlreichen Anstöße, durch die der protestantische Neutestamentler sein Fach bereichert und auch verändert hat, sind inzwischen fortgeschrieben oder widerrufen, aber allesamt überboten durch die Wirkungsgeschichte seines viel diskutierten Programms der »Entmythologisierung« des Neuen Testaments. Diese seine Sache geht weiter.

Der eigentliche Sinn des Mythos bestehe nicht darin, ein objektives Weltbild zu liefern, erklärte Bultmann 1941 in seiner Schrift »Neues Testament und Mythologie«. Vielmehr habe sich im Mythos das jeweilige Selbstverständnis der Menschen in ihrer Welt ausgesprochen. Deshalb wolle der Mythos nicht kosmologisch, sondern anthropologisch – besser: existenzial – interpretiert werden. Es ging Bultmann also keineswegs um ein Ent-Mythologisieren im Sinne einer Beseitigung alles Mythischen schlechthin, sondern um dessen Uminterpretation in existenzielle Verstehenskategorien.

Der Artikel, der zum Weiterdenken anstößt, kann hier gelesen und (unten rechts) als PDF-Datei herunter geladen werden: www.merkur.de.

Martin Hengel – kurze Meldung in der FAZ

mh.jpgEs ist schon merkwürdig: Einer der weltweit bedeutendsten Experten für Literatur des Urchristentums und antiken Judentums, Prof. Martin Hengel, ist gestorben (siehe hier), aber außerhalb der Schwäbischen Presse wird in Deutschland kaum darüber berichtet. Wenigstens die FAZ hat einen kurzen ›Nachruf‹ veröffentlicht (FAZ Nr. 153, 6. Juli 2009, S. 28). Darin heißt es unter anderem:

In seiner Habilitationsschrift zu »Judentum und Hellenismus« weist er den Einfluss des Hellenismus auf die spätere jüdische Gesellschaft nach. Mitte der sechziger Jahre waren solche Studien vollkommen unüblich, trugen Hengel aber weit über die Grenzen der Theologie hinaus auch Anerkennung bei Althistorikern und Altphilologen ein …

Auf den Vorwurf, allzu gutgläubig gegenüber den frühchristlichen Quellen zu sein, hat Hengel geantwortet, was als mutige Kritik der Überlieferung erscheine, sei in Wirklichkeit oft erfahrungsblaser »Schreibtischdogmatismus«. Unter der wachsenden theologischen Unbildung und Unkenntnis der alten Sprachen hat er zunehmend gelitten und 1993 mit der von ihm gegründeten Philipp-Melanchton-Stiftung entgegenzuwirken versucht.

Ich hoffe sehr, dass viele Schüler ihrem Lehrer folgen. Die bekenntnisorientierten Kreise sollten die Sorge Hengels ernst nehmen und das Studium der biblischen Sprachen beleben. Der flache Pragmatismus, der gelegentlich (auch in den Ausbildungsgängen) eingezogen ist, hat keine Zukunft.

Nachtrag: Roland Deines, selbst Schüler von M. Hengel, hat für die Society of Biblical Literature einen englischsprachigen Nachruf verfasst:  www.sbl-site.org. [Den Hinweis auf den Text verdanke ich Alexander!]

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