Allgemein

Sämtliche allgemeinen Beiträge.

Homozentrismus

Homosexualität ist zum Trend- und Wahlkampfthema geworden, auch unter den Frommen. Eine Kirchengemeinde geht nun offensiv voran und bietet einen Gottesdienst mit dem Titel: „GoGay – fromm aber nicht hetero: Warum die Kirche homosexueller werden muss“ an (einer der Verantwortlichen, der übrigens zum Vorstand von „Glaube am Montag“ gehört und als Geschäftsführer bei „Kirche mit Vision“ tätig ist, hat sich schon zu einem anderen umstrittenen Thema anfechtbar geäußert).

Was tun, wenn „aus einem irrwitzigen Homozentrismus heraus“ die Gesellschaft regelrecht umgebaut werden soll? Schweigen? Als die Süddeutsche Zeitung der Normalität von homosexuellen Lebensgemeinschaften eine Großreportage gewidmet und dabei sogar das Thema „Leihmutterschaft“ verharmlost hat, versetzte dies den Blogger Ralf Schuler in Rage. Zurecht.

Das Verrückte, ja fassungslos machende an diesem Text ist, dass im Dienste der vermeintlich toleranten Sache die Gesellschaft in einem Aufwasch dazu aufgefordert wird, ihren kompletten bioethischen Kompass über Bord zu werfen. Wenn es um Schwule und Lesben geht, dann ist es geradezu geboten, indische Leihmütter auszubeuten. Da darf weltweit schwunghaft mit Eizellen gehandelt und fremdausgetragen werden, als sei der Mensch eine agrarische Produktionsgenossenschaft. Wenn Gleichgeschlechtler den weltweiten Kinderhandel ankurbeln, werden keine Fragen mehr gestellt. Dass auch “Heteros” aus gutem Grund der Kinderkauf verweigert wird, interessiert nicht. Und von dort bis zum Menschenrecht auf ein Kind ist es nur noch ein Katzensprung.

Mehr: ralfschuler.wordpress.com.

VD: EP

Fürsorgliche Diskriminierung

Berthold Rothschild, Psychiater aus Zürich, hat den Disput des Ethikrates um die Beschneidung treffend kommentiert:

Es stimmt, die rituelle Beschneidung ist im religiösen Sinne Symbol für eine Opferung – fremdbestimmt durch die Eltern und durch patriarchale Religionsgesetze. Religiöse Kulturen haben es in einer Welt der vergötzten Selbstbestimmung – die in Tat und Wahrheit aber nie und schon gar nicht weltweit verwirklicht ist – offensichtlich zunehmend schwer. Meine fehlende Vorhaut immerhin schützt mich irgendwie vor gar manchen Heuchlern, die stellvertretend vorgeben, angeblich mein Bestes zu wollen oder gewollt zu haben.

Mehr: www.nzz.ch.

VD: MM

Kierkegaard und das Paradox des Glaubens

Kierkegaard.jpgDer Däne Sören Kierkegaard gilt als Begründer der Existenzphilosophie und als Kritiker einer bürgerlichen Kirchlichkeit, für die das Christentum auf Sitte und Gewohnheit reduziert wurde. Mit seinen Schriften beeinflusste er zahlreiche Philosophen, Theologen und Schriftsteller von Martin Heidegger über Karl Barth bis zu Albert Camus.

Der DLF hat zwei informative Beiträge über Sören Kierkegaard veröffentlicht:

Teil 1:
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Teil 2:
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Eine schriftliche Darstellung, Würdigung und Kritik des Kierkegaardschen Fideismus findet sich hier:

Dem Leser wird auffallen, dass ich den Sprung leicht anders beurteile, als Professor Hermann Deuser im insgesamt meisterhaften DLF-Beitrag. Meines Erachtens gibt es bei Kierkegaard den Sprung als  „den qualitativen Übergang … vom Nichtglauben zum Glauben“ (so in der Unwissenschaftlichen Nachschrift).

Bodyhacking

Keine Sciencefiction, sondern Realität: Manche Menschen verändern mit Technik-Implantaten ihre Sinneswahrnehmung. Sie nennen sich Bodyhacker oder Cyborgs. DIE ZEIT schreibt:

Cannon und Harbisson mögen sich uneins sein, was ein Cyborg ist. Ihr Ziel aber ist das gleiche: Den Menschen zu erweitern – um Fähigkeiten, die die Natur nicht für ihn vorgesehen hat. Ethische Fragen empfinden beide als eher lästig.

Harbisson sagt, er habe die Ethikkommission seiner Klinik überreden müssen, ihn zu operieren. Das sei ihm nur gelungen, weil er auf die Möglichkeit verwiesen habe, dass Geräte wie der Eyeborg auch anderen Menschen mit Sehbehinderungen helfen könnten und entsprechend getestet werden müssten. So, wie er es erzählt, klingt das Ausräumen ethischer Bedenken wie eine Pflichtübung.

Auch Cannon schafft lieber Fakten, bevor es zu viele Gesetze und Vorschriften gibt, die seine Implantat-Ideen zunichtemachen. Er sagt, die derzeitige Abneigung gegen chirurgische Eingriffe dieser Art sei nachvollziehbar, aber die Einstellung der Menschen werde sich ändern: „Du wirst es tun, oder du wirst zurückbleiben. Es wird seltsam und ungemütlich und angsteinflößend werden. Aber entweder machst du mit, oder du könntest bald als veraltet gelten.“

Die Grenze zwischen nützlichen und verführerischen Implantaten ist wahrscheinlich fließend. Unbestreitbar wird sich der Transhumanismus die neuen Möglichkeiten durch den Einsatz technologischer Verfahren zu nutze machen. Zum Transhumanismus siehe:

Von Ali zu Michael

Ihnen drohte der Tod: Sie sind aus dem Iran geflohen, weil sie an Christus glauben wollen. Nun bringen die ehemaligen Muslime frischen Wind in eine überalterte Berliner Gemeinde. Thomas Vitzthum beschreibt den kleinen erwecklichen Aufbruch, bei dem eine Siegerländer Diakonisse auch eine Rolle spielt.

Schwester Rosemarie lässt keinen Zweifel daran, dass sie den Glauben ihrer Iraner für aufrichtig hält. „Die meisten haben sich schon im Iran bekehrt, sie waren gut situiert, sie hatten ein Leben. Sie haben das für Christus aufgegeben.“ Nein, sie würde niemanden taufen, von dem sie nicht überzeugt sei, dass er dem Islam abschwöre. Unter den Iranern, die ihre Bibelstunde besuchen, sind Studenten, Einzelhändler, ein Goldschmied, ein Tischler, ein Ingenieur für Petrochemie.

Außerhalb von „Haus Gotteshilfe“ erleben sie, wie sie wieder zu Geächteten werden. Einige besuchen Deutschkurse. Dort treffen sie auf Muslime. Für einige gibt es nur etwas, das noch schlimmer ist als ein Christ: ein Muslim, der Christ geworden ist. „Die Iraker, Afghanen und anderen im Kurs machen es uns nicht leicht. Sie beschimpfen uns“, sagt Kajir. Die Angst, die alle hinter sich lassen wollten, sie ist immer noch da.

Das Bekenntnis zu Christus verhindert, dass Deutschland sie schnell zurückschickt. Aber warum das alles? Bei allem Chaos, das ihre Bekehrung in ihren Leben angerichtet hat, taucht ein Motiv in vielen Schilderungen immer wieder auf: Ruhe. „Der Islam bedeutet Stress, das Christentum Ruhe“, sagt Michael. „Ich will als Frau etwas zählen, Ruhe haben, das geht im Islam nicht“, sagt Somayeh. „Die Christen sind ruhiger“, sagt der 22-jährige David.

Mehr: www.welt.de.

Murks am Kind

Aus „schulreif“ wurde „schulfähig“. „Schulfähig“ sind früh eingeschulte Kinder jedoch oft noch nicht. Der „Pisa-Schock“ von 2006 führte zu überhasteten Reformen, besonders in Berlin. Regina Mönch vermutet, dass die Kinder der Reformexperimente von heute die Verlierer von morgen sein könnten. Sie dürfte damit richtig liegen.

Nirgendwo in Deutschland werden Kinder so früh eingeschult wie in Berlin. Sind sie fünfeinhalb Jahre alt, gilt die Schulpflicht. Früher mussten Kinder vor allem „schulreif“ sein, eine Eigenschaft, die ersetzt wurde durch den Begriff „schulfähig“, als handle es sich um etwas, was man herstellen könnte. Klappt das nicht, weil die Kleinsten eigentlich doch noch in den Kindergarten gehörten, gibt es ja noch die (Fehl-)Diagnose ADHS und Ritalin. Und sie können „verweilen“, wenn sie nicht mitkommen. Früher hieß das Sitzenbleiben. Diese Reform – eine von über zwanzig, die innerhalb sehr weniger Jahre über Berlins Schulkinder hinwegrollten – hat neue Probleme geschaffen.

Mehr: www.faz.net.

Die Axt an die Wurzel

Die Bagatellisierung der Ehe schreitet voran. Daniel Deckers kommentiert in der FAZ das Gedrängele der Parteien um eine Neudefinition von Familie und Ehe mit klaren Worten:

Stellten die Parteien den Bundestagsabgeordneten eine Entscheidung in der Sache frei, würden beide Wünsche eher morgen als übermorgen Wirklichkeit. Denn wer nicht ohnehin davon überzeugt ist, dass weder Ochs und Esel den Lauf der Emanzipationsgeschichte aufhalten, der möchte am Ende nicht auf der falschen Seite der Barrikade gekämpft haben. Welches diese Seite ist, lässt sich nicht überhören. Wer es wagt, die Lebenslügen einer Gesellschaft mit spitzfindigen Unterscheidungen oder grundsätzlichen Erwägungen zu stören, der kann sicher sein, wegen „Diskriminierung“ und „Homophonie“ an den Pranger gestellt zu werden.

Ob das Grundgesetz als letzte Barriere gegen eine Bagatellisierung der Ehe („Verantwortung übernehmen“) und eine weitere Entleerung des Familienbegriffs taugt, steht vor dem Hintergrund der bisherigen Entscheidungen der obersten Bundesgerichte dahin. Doch bis zu einer letztlich konsequenten Abschaffung des Grundgesetzartikels sechs Absatz eins sollte nicht der als begründungspflichtig gelten, der auf der besonderen Schutzwürdigkeit von Ehe und Familie besteht, sondern der, der sie bestreitet.

Die Verfasser des Grundgesetzes hatten mit eigenen Augen gesehen und mitunter am eigenen Leib erfahren, wie die Nationalsozialisten Ehe und Familie in den Dienst völkischer Ideologie nahmen und zu zersetzen versuchten. In der DDR vollzog sich Ähnliches wenig später im Namen des Sozialismus.

Die besondere Schutzpflicht des Staates ist eine ebenso logische wie erfahrungsgesättigte Folge der besonderen Schutzbedürftigkeit von Ehe und Familie. Wer diese bestreitet, legt die Axt an die Wurzel des Staates und der Gesellschaft. Eine reale wie eine symbolische Ordnung würde zerstört, die auch von den meisten Zeitgenossen noch immer als Ideal angesehen wird.

Das Bild mit der Axt hatte übrigens auch Martin Rhonheimer bemüht.

Hier: www.faz.net.

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