Der Stalin-Kult konnte sich nur in einer geschlossenen Gesellschaft entfalten, in der es keine alternativen Quellen der Information gab. Niemand konnte über Stalin anders sprechen als im Modus des Kultes. In Plampers Buch kommen Enthusiasten, Erleuchtete und Begeisterte zu Wort, die über Stalin sprechen, als habe der Kult ihre Seelen und Körper ergriffen. Wie aber hätten Häftlinge, Gefolterte, Vertriebene und Stigmatisierte über den Mann gesprochen, der auf Bildern wie ein göttliches Wesen verehrt wurde? Wir wissen es nicht, weil die Propaganda diesen Menschen keine Stimme verlieh.
Dieser Band ist ein nachhaltiger Beweis für Chestertons These, dass, wenn die Menschen sich von Gott abwenden, sie nicht an nichts, sondern an alles glauben.
Auch in Deutschland ist die Diskussion angekommen. ideaSpektrum schreibt:
Führen eine liberale Theologie und eine gesellschaftspolitische Ausrichtung der Kirchen zu ihrem Untergang? Über diese Frage ist eine Debatte in den USA entbrannt. Auslöser ist ein Artikel des Publizisten Ross Douthat in der New York Times (Ausgabe 14. Juli). Darin verweist er auf die Mitgliederverluste aller US-Traditionskirchen, etwa Anglikaner, Lutheraner, Reformierte, Methodisten, die sich einer liberalen Theologie verschrieben haben und Gesellschaftspolitik in den Vordergrund stellen.
Weiter heißt es dort:
Der evangelikale Bestsellerautor und Bonhoeffer-Biograf Eric Metaxas (New York) stimmt Douthats Analyse weitgehend zu. Er weist in der Internet-Zeitung Christian Post darauf hin, dass auch theologisch konservative Kirchen schrumpfen, etwa der Bund der Südlichen Baptisten – mit gut 16 Millionen Mitgliedern die größte protestantische Kirche in den USA. Aber nicht nur deshalb verbiete sich „klammheimliche Freude“ über den Niedergang der Traditionskirchen. Metaxas verweist auf einen Artikel des Theologen Timothy George, Vorsitzender der Colson-Zentrums in Lansdowne (Bundesstaat Virginia).
Wie er schreibt, seien auch die größten Kirchen in den USA – noch vor den Südlichen Baptisten die römisch-katholische Kirche mit 68,2 Millionen Mitgliedern – Versuchungen ausgesetzt, „das verblassende Ethos des liberalen Protestantismus nachzuahmen“. Oft würden evangelistische Gründe dafür angeführt: Man wolle „religiöse Kulturverächter“ durch eine Art „vager Neo-Spiritualität“ gewinnen. Die Absicht sei zwar ehrenhaft, aber die Folgen wahrscheinlich katastrophal: „ein soziales Evangelium, das allein sozial ist aber kein Evangelium“. Daraus entstehe ein Kirche, die nichts anderes mehr zu sagen habe, als das, was säkulare Eliten schon längst und meist besser gesagt hätten. George sieht die Gefahr eines „horizontalen Glaubens“, der das Zutrauen in Gottes erlösende Liebe verliere.
Manche Christen empfinden ihr Glaubensleben als anstrengend und freudlos. Die Ursachen dafür können verschieden sein. Einige glauben überhaupt nicht, dass Christusnachfolge mit Freude verbunden sein kann, andere werden von Zweifeln geplagt oder haben aufgrund zermürbender Erfahrungen ihre Freude verloren.
Was kann ich tun, wenn ich diese Freude im Glauben nicht habe? Mit dem Herzen eines Pastors und radikaler Leidenschaft für die Verherrlichung von Jesus Christus hat John Piper ein sehr persönliches Buch über dieses Thema verfasst.
Piper schreibt in Wenn die Freude nicht mehr da ist (CLV, 2006, S. 11–12):
Als ich sah, dass Gott dann am meisten in uns verherrlicht ist, wenn wir zutiefst zufrieden sind in ihm, wurde ich von der unbiblischen Sklaverei der Furcht befreit, dass es unrecht sei, der Freude nachzugehen. Was mir einst als eine unvermeidliche, aber mangelhafte Suche nach der Befriedigung meiner Seele erschien, war jetzt nicht nur erlaubt, sondern gefordert. Es ging um die Ehre Gottes. Das war fast zu gut, um wahr zu sein – dass meine Suche nach Freude und meine Pflicht, Gott zu verherrlichen, nicht miteinander im Konflikt standen. Sie waren sogar eins. Der Freude an Gott nachzugehen, war ein Weg, Gott zu ehren, um den man nicht verhandeln konnte. Er war unabdingbar. Das war eine befreiende Entdeckung. Sie hat die Kräfte meines Geistes und meines Herzens dazu befreit, mit ganzer Kraft der Freude der Seele nachzugehen, die Gott für mich in Jesus ist. Aber gleichzeitig mit der Befreiung kam auch die Niederschmetterung. Ich war dazu befreit, meiner vollsten Freude an Gott nachzugehen, ohne Schuldgefühle zu haben. Mir wurde sogar geboten, dies zu tun. Gleichgültigkeit im Hinblick auf das Streben nach Freude an Gott wäre Gleichgültigkeit im Hinblick auf die Ehre Gottes, und das ist Sünde. Daher hat meine Suche eine Ernsthaftigkeit angenommen, von der ich mir niemals erträumt hätte, dass sie Teil meines Strebens nach Freude sein würde. Und gleich im Anschluss daran kam die Erkenntnis, dass die in mir wohnende Sünde meiner vollen Zufriedenheit in Gott im Wege steht. Sie wendet sich gegen mein Streben nach Gott und verdreht es. Sie wendet sich dagegen, indem sie andere Dinge als mehr wünschenswert als Gott erscheinen lässt. Und sie verdreht es, indem sie mich denken lässt, dass ich der Freude an Gott nachgehe, obwohl ich in Wirklichkeit in seine Gaben verliebt bin.
John Warwick Montgomery gehört seid fünfzig Jahren zu den bedeutendsten christlichen Apologeten. Vor wenigen Tagen hat er einen umfangreichen Essayband publiziert (Christ As Center und Circumference: Essay Theological, Cultural and Polemic, Bonn, VKW, 2012, 650 S., hier das Inhaltsverzeichnis), für den Michael Horton überaus lobende Worte gefunden hat: „Sogar dort, wo jemand nicht zustimmt, wird die Klarheit, Logik und unerbittliche Strenge seiner Argumente Feuer entfachen …“
Theoblog hatte vergangene Woche die Gelegenheit, kurz mit Professor J.W. Montgomery zu sprechen:
Christus als Mitte und Peripherie
Interview mit dem Apologeten John Warwick Montgomery
Professor John Warwick Montgomery
Theoblog: Wer Ihre letzten Bücher gelesen hat, der wird schnell erkannt haben, dass Sie immer noch jede Menge Freude an der apologetischen Arbeit haben. Was hält Sie bei dieser bleibenden Freude?
J.W. Montgomery: Der Apostel Petrus mahnt uns, „allezeit bereit zur Verantwortung gegenüber jedermann zu sein, der Rechenschaft [gr. „apologia“] fordert über die Hoffnung [in Christus], die in [uns] ist“. Es ist eine Freude, dies zu tun – ganz besonders deshalb, weil keine andere Religion hinlänglich genügende und objektive Beweise für ihre Gültigkeit anführen kann. Da zwei einander widersprechende Weltanschauungen nicht gleichzeitig wahr sein können und die Gründe für das Christentum auf solider Basis stehen, sollte die Apologetik ein schlagkräftiges Werkzeug sein, Nicht-Christen von ihrem religiösen oder philosophischen Standpunkt abzubringen und sie ans Kreuz Christi zu führen – wo sie eine lebensverändernde Entscheidung treffen sollen, die nicht nur zeitliche, sondern ewige Konsequenzen hat.
Theoblog: Apologetische Fragen werden ja sehr stark vom Zeitgeist beeinflusst. Worin besteht der Unterschied zwischen heute und den 60ern und 70ern?
J.W. Montgomery: Heute haben wir weniger gründliche Ausbildung, dafür mehr Subjektivismus (der Reiz der östlichen Religionen, des „New Age“ und des Okkulten) und Narzissmus (jeder schafft sich seine eigene Religion, jeder ist sein eigener „Gott“). Das Ergebnis: der Ungläubige tut sich schwerer mit dem logischen Denken und dem Einschätzen von Beweisen. Aber es hat ja immer „dunkle Zeitalter“ gegeben. Wir sind verpflichtet, Nicht-Christen zu vermitteln, dass Gleichgültigkeit in Sachen Religion genauso fatal ist, wie wenn man verkennt, dass das eigene Haus in Flammen steht und es nur einen Ausweg gibt. Jesus sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich“ – und der Apostel fügt hinzu: „Es ist kein anderer Name [als der Name Jesus] unter dem Himmel den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden sollen!“
Theoblog: Das Buch Christian Center and Circumference enthält Aufsätze verschiedener Zeiten. An wen ist das Buch gerichtet?
J.W. Montgomery: An jeden, der Freude an gründlichem Denken in verschiedenen Disziplinen hat, sei es Theologie, Philosophie, Naturwissenschaft, Geschichte, Rechtswissenschaft, Computerwesen, Musik – ja selbst an der Kochkunst! Das zugrundeliegende Motiv: Nur durch Christus können wir all diesen Lebens- und Denkbereichen wirklich Bedeutung abgewinnen!
Theoblog: Was würden Sie intelligenten, jungen Christen auf den Weg mitgeben, die Interesse zeigen, später auf dem Gebiet der christlichen Apologetik tätig zu werden?
J.W.Montgomery: Auf jeden Fall eine Anmeldung für die „Academy of Apologetics, Evangelism and Human Rights“, die jährlich in den beiden mittleren Juliwochen in Straßburg stattfinden! Informationen dazu finden Sie auf URL: http:www.apologeticsacademy.eu.
Theoblog: Danke für das Gespräch!
Christ As Centre and Circumference
Interview with the apologist John Warwick Montgomery
Theoblog: By reading your most recent books, a reader can quickly recognize that you still derive a lot of joy from doing apologetic work. What inspires this continuing joy?
J.W. Montgomery: The Apostle Peter enjoins us „always to give a reason [Gk. apologia] for our hope in Christ. It is a joy to do this–especially because no other religious option offers sufficient objective evidence of its validity. Since two contradictory world views cannot both be true, and the case for Christianity is solid, apologetics should be a powerful means of moving the non-Christian away from other religious and philosophical options to the cross of Christ–there to make a life-changing decision that will impact both time and eternity.
Theoblog: Apologetic issues are very much influenced by the „Zeitgeist“. What is different today than in the 60s or 70s?
J.W.Montgomery: Today, there is more subjectivism (appeal of Eastern religions, New Age, the occult), more narcissism (creating one‘s own religion, being one‘s own „god“), and less rigorous education. Result: the unbeliever has more difficulty thinking logically and evaluating evidence. But there have always been „dark ages.“ We must help the non-Christian to see that religious indifference is as deadly as refusing to recognise that one‘s house is on fire and that there is only one escape route. Jesus asserts that he is „the way, the truth, and the life; no one comes to the Father but by me“–and the Apostles declare, „There is no other name under heaven [except the name of Jesus] by which we must be saved.“
Theoblog: The book „Christian Center and Circumference“ contains works from different periods. Who is the intended audience for this book?
J.W. Montgomery: Anyone who enjoys rigorous thinking in a diversity of disciplines: theology, philosophy, science, history, law, literature, computing, music–even cuisine. The underlying theme is that only through Christ can we make sense of all these areas of life and thought.
Theoblog: How would you advise bright, young Christians who are interested in working in the field of Christian apologetics?
Montgomery: By all means register for our International Academy of Apologetics, Evangelism and Human Rights, held the middle two weeks of July every year in Strasbourg, France! For information, go to the Academy website: URL: http://www.apologeticsacademy.eu.
Theoblog: Thank you for your time.
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John Warwick Montgomery is Emeritus Professor of Law and Humanities, University of Bedfordshire, England, Distinguished Research Professor of Apologetics and Christian Thought, Patrick Henry College, Virginia (USA), and Director of the International Academy of Apologetics, Evangelism & Human Rights in Strasbourg (France).
Vern Sheridan Poythress: Inerrancy and Worldview: Answering Modern Challenges to the Bible, Crossway, 2012
schreibt John Frame:
Vern Poythress has written what I consider to be definitive books on many subjects, including biblical interpretation, language, science, and sociology. In Inerrancy and Worldview, he brings his insights from these disciplines and more together to address the relation of biblical inerrancy to worldview. He shows quite convincingly that the issue of inerrancy is not just a matter of asking whether this or that biblical passage is factual. Rather, our attitude toward the claim of biblical inerrancy depends on our general view of how God is related to the cosmos and to us as individuals and societies. And that general view, in turn, depends on our relationship to Jesus Christ. The book gets deeper into the question of inerrancy than any other book I know.
TheoBlog.de hat mit dem Philosophen über seine Untersuchung gesprochen:
Die Vernunft wehrt sich nicht gegen Wunder
Interview mit dem Philosophen Daniel von Wachter
Theoblog: Herr von Wachter, welche Philosophen oder welche Epoche untersuchen Sie in diesem Buch?
W: Gar keine. Die Philosophie untersucht genauso wenig Philosophen oder Epochen wie die Physik Physiker oder die Biologie Biologen untersucht. Die Vorstellung, daß der Gegenstand der Philosophie Philosophen und deren Texte seien, hat zwei Quellen: Erstens haben die Positivisten, die behaupteten, daß nur die Naturwissenschaften Erkenntnis schaffen, gemeint, daß die einzige sinnvolle Aufgabe für Philosophen die Untersuchung alter Texte sei. Zweitens gibt es eine gewisse Angst davor, philosophische Fragen zu beantworten. Manchen fehlt einfach die Fähigkeit oder der Mut dazu, vielleicht weil sie ein großes Gewißheitsbedürfnis haben und diese Gewißheit in der Philosophie nicht finden. Es gibt noch eine dritte Quelle, eine hegelianische, aber die ist schwer zu beschreiben. In Deutschland haben sich nach dem Zweiten Weltkrieg die meisten Philosophen darauf beschränkt, Philosophiegeschichtsschreibung zu betreiben, vielleicht weil sie sich möglichst wenig weit aus dem Fenster lehnen wollten. Aber mein Eindruck ist, daß es jetzt mit der Philosophie in Deutschland wieder aufwärts geht.
Theoblog: Was untersucht dann Ihr Buch? Ist das für den Laien von Bedeutung?
W: Die kausale Struktur der Welt ist eines der großen alten Themen der Philosophie. In der angelsächsischen Philosophie gibt es heute eine ausgiebige, sehr komplizierte und abgehobene Diskussion über Verursachung. Aber das Thema ist von großer Bedeutung für eines jeden Menschen Weltbild, und viele haben den Mechanizismus verinnerlicht, das ist die Vorstellung, daß die Welt wie eine Maschine ist: sie besteht von vorn bis hinten aus kausalen Vorgängen. Alles, was geschieht, ist das Ergebnis eines Vorganges. Dadurch entsteht dann das Gefühl, daß Wunder oder Willensfreiheit unmöglich seien oder der Vernunft widersprächen oder von der Naturwissenschaft ausgeschlossen würden. Ich empfehle einen Selbsttest: Stellen Sie sich die Frage: „Gibt es Wunder, wie z.B. die Wiederlebendigwerdung und Auferstehung des gekreuzigten Leibes Jesu?“ und die Frage: „Können wir durch unser freies Handeln Kausalvorgänge in Gang setzen?“. Wenn Sie in sich Warnlampen leuchten oder eine Abneigung spüren, dann haben Sie sich von der mechanistischen Propaganda beeinflussen lassen.
Theoblog: Aber man kann doch Wunder nicht mit der Vernunft begreifen. Die Vernunft wehrt sich gegen Wunder.
W: Warum? Da wir hier auf einem Theologen-Blog sind, will ich anmerken, daß besonders Theologen das seit ca. 1800 ständig wiederholt haben, und es wird den Studenten auch heute noch eingeredet. Da wird vom „kausalen Nexus“, vom „wissenschaftlichen Weltbild“, von „historischer Methode“ geredet oder es wird einfach emphatisch gesagt, die Vernunft schließe Eingriffe Gottes in das Naturgeschehen aus. Aber nur Gründe, die man versteht, sind vernünftig – und es gibt hier weit und breit keine Gründe. David Hume hat versucht, aus unserer Kenntnis der Naturgesetze abzuleiten, daß es keine Wunder gebe. Obwohl Humes Argument von Anfang an schlagend kritisiert wurde, wurde es immer wieder hochgejubelt. Vor einigen Jahren schrieb der Philosoph John Earman ein Buch dazu mit dem treffenden Titel Hume‘s Abject Failure, was soviel heißt wie Humes jämmerliches Scheitern. Wenn es keinen Gott gibt, dann gibt es natürlich keine Wunder. Aber wenn es Gott gibt, wofür es Beweise gibt, dann ist zu erwarten, daß er manchmal Wunder wirkt. Wieso soll denn das gegen die Vernunft sein? Vernünftigsein heißt richtig denken. Als die Jünger den auferstandenen Jesus gesehen haben, haben sie verstanden, daß Gott ihn auferweckt hat und daß er Gottes Sohn und der Messias ist. Was ist denn daran unvernünftig? Sie haben genau richtig gedacht, als sie das geschlossen haben.
Theoblog: Die Auferstehung übersteigt die Vernunft, denn die Vernunft sagt, daß Tote nicht auferstehen.
W: Nur, wenn Sie „Vernunft“ so definieren. Genau das hat die sog. „Aufklärung“ getan. Diese Autoren haben ständig wiederholt, daß Glaube an Gott, Wunder und die christliche Lehre Aberglaube sei und daß die Vernunft den Determinismus lehre, also die Lehre, daß jedes Ereignis durch einen kausalen Vorgang determiniert sei. Die Aufklärung hat diese Auffassung durch häufige nachdrückliche Wiederholung und nicht durch Argumente verbreitet. Das ist natürlich nicht vernünftig, sondern Propaganda. In Wirklichkeit ist es manchmal ganz vernünftig, etwas für ein Wunder zu halten, und es ist unvernünftig, die Möglichkeit von Wundern auszuschließen. Übrigens hat die Aufklärung die Verbreitung ihres Weltbildes auch dadurch gefördert, daß sie in der Philosophiegeschichtsschreibung andersdenkende Philosophen ignoriert und als aussterbende Spezies dargestellt hat und die ihr Weltbild teilenden Philosophen als die größten und einzig ernstzunehmenden Philosophen dargestellt hat. So entstand der heute übliche Kanon der angeblich größten Philosophen: Descartes, Hobbes, Spinoza, Hume, Kant, Hegel, usw.
Theoblog: Ist das eine der Kernthesen Ihres Buches?
W: Nur ein Nebenprodukt. Das Buch will vor allem untersuchen, was Verursachung, Naturgesetze und freie Handlungen sind. Um das gründlicher tun zu können, untersuche ich davor, was Möglichkeit ist, denn welche Theorie der Möglichkeit man annimmt, stellt die Weichen für die Beantwortung vieler anderer Fragen. Doch man muß das Buch nicht von vorne bis hinten lesen; auch wenn man nur einzelne Kapitel des Buches liest, sollte man das Wichtigste verstehen können. Mithilfe der Ergebnisse der genannten Untersuchungen analysiert das Buch dann, auf welche Weisen Gott in der Welt wirken könnte, z.B. indem er ein Universum erschafft, es erhält und manchmal in den Gang der Dinge eingreift. Ob es einen Gott gibt, untersucht dieses Buch nicht, das wäre ein anderes Thema.
Theoblog: Laut der elften Ihrer Zwanzig Thesen zur kausalen Struktur der Welt können Handelnde Vorgänge in Gang setzen. Hat die Hirnforschung nicht herausgefunden, daß unsere Handlungen das Ergebnis von Hirnvorgängen sind?
W: Sie spielen auf das Experiment von Benjamin Libet von 1982 an. Es ist zum Staunen, wie manchmal schlecht begründete Thesen viele überzeugen. Libet selbst hat sein Experiment so dargestellt als ob er den Versuchspersonen gesagt hätte, sie sollen ihre Hand bewegen, wann immer sie wollten. In Wirklichkeit hat er ihnen gesagt, sie sollen warten, bis ein Drang zum Bewegen der Hand aufkommt. Daß ein Drang eine vorangehende Ursache hat, ist mit der Annahme von Willensfreiheit zu vereinbaren. Diese und viele Einwände mehr gegen Libet mache ich gegen Libet in dem Buch und auch in zwei neueren Aufsätzen.
Theoblog: Was ist denn nun am Mechanizismus falsch?
W: Wegen der Quantenmechanik geben die meisten Autoren heute zu, daß es indeterministische, probabilistische Vorgänge geben kann. Aber weitgehend unangefochten ist die Annahme, daß jedes Ereignis das Ergebnis eines Vorgangs sei. Dem halte ich zweierlei entgegen: Erstens ist jeder Vorgang aufhaltbar. Seit Hobbes hat sich die Vorstellung verbreitet, das alle Ereignisse von vorangegangenen Ereignissen erzwungen werden. Aber das ist nicht nur nicht der Fall, sondern unmöglich. Jeder Vorgang kann gestoppt oder abgelenkt werden, wenn es nur etwas gibt, was stark genug ist, ihn zu stoppen, und dieses auch tut. Zweitens können Lebewesen Vorgänge in Gang setzen. Die Mechanisten wollen uns einreden, daß es offensichtlich sei, daß jedes Ereignis das Ergebnis eines Vorgang sei. Doch haben Sie den Eindruck, daß alles um Sie her, wie ein Uhrwerk oder wie das Rollen der Kugeln auf einem Billardtisch abläuft? Wenn ich den Kolibri vor meinem Fenster oder die auf den Baum springende Katze ansehe, habe einen anderen Eindruck. Mein Buch will im Detail untersuchen, daß dieser Eindruck richtig ist.
Theoblog: Danke für das Gespräch!
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Das Interview kann hier in Form einer PDF-Datei heruntergeladen werden: Wachter.pdf.
Im Mai 2011 wurde Monika Ebeling aus ihrem Amt der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Goslar abberufen, weil sie sich in ihrer Gleichstellungsarbeit auch für Männer engagiert hatte. Im Buch Die Gleichberechtigungsfalle erzählt Monika Ebeling nicht nur die Geschichte ihrer Abberufung. Bruno Köhler hat seine Rezension des Buches freundlicherweise online gestellt. Er schreibt:
Sie hat die Antworten auf ihre Fragen für sich gefunden. Eine wahre, nachhaltige Geschlechterdemokratie kann nur dort entstehen, wo sich Männer und Frauen im geschlechterpolitischen Diskurs auf gleicher Augenhöhe gegenüber stehen, wo die objektive Berücksichtigung der Anliegen beider Geschlechter eine Selbstverständlichkeit ist, wo man sich vom Geschlechterkriegsdenken mit den Stereotypen der ausschließlich männlichen Täter und ausschließlich weiblichen Opfer verabschiedet hat. Monika Ebeling will diese Erkenntnisse mit ihrem eindrucksvollen und bewegenden Buch anhand ihrer eigenen Geschichte aber auch in grundlegenden Erörterungen dem Leser nahebringen. Gerade, weil die Geschlechterpolitik in Deutschland und auch in der EU eben genau das Gegenteil von dieser Vision ist. Monika Ebeling will, dass sich das ändert.
Das Buch ist absolut empfehlenswert. Wer einen tiefen Einblick in die rücksichtslose Realität von Gleichstellungspolitik in der Praxis, fernab vom uns täglich einlullenden Euphemismus der Geschlechterpolitiker/innen, bekommen möchte, oder wer einfach wissen will, wie hegemoniale Gleichstellungspolitik funktioniert, für den ist dieses Buch ein alternativloses Muss. Eines der besten Bücher über das, was schon Katharina Rutschky als den „real existierenden Feminismus“ bezeichnete.
Die amerikanische Politikwissenschaftlerin Monica Toft prophezeit uns eine machtvolle Rückkehr der Religion in die Weltpolitik. DIE ZEIT hat Monica Duffy Toft gefragt:
Ihr neues Buch heißt God’s Century, Sie sagen darin, dass Gottes Jahrhundert angebrochen sei. Ich habe versucht, hier in Harvard, wo Sie unterrichten, einen Beleg dafür zu finden – im Studentengottesdienst in der Memorial Church waren 15 Leute, im Buchladen am Harvard Square steht fast ein ganzes Regal mit Büchern des Atheisten Richard Dawkins, und außerhalb der Theologischen Fakultät steht Gott kaum auf dem Lehrplan. Wo, bitte, erleben Sie hier »Gottes Jahrhundert«?
Die Antwort lautet:
Sie haben recht: Harvard tut sich schwer mit Religion. Ganz Academia ist stark säkularisiert und findet, dass Religion und Rationalität nicht zusammengehen. Viele dieser Wissenschaftler wollen nicht sehen, dass ein Mensch rational denken und trotzdem gläubig sein kann.
Es gibt gute Nachrichten für Freunde und Feinde des Calvinismus: Die Calvin-Studienausgabe erscheint in wenigen Wochen als Gesamtausgabe in 10 Teilbänden.
Wer bis Ende Dezember 2012 bestellt, erhält die Werke für 129,00 Euro, ab 2013 kostet die Gesamtausgabe dann 149,00 Euro.
Hier die Teilbände:
Bd. 1.1: Reformatorische Anfänge 1533-1541
Bd. 1.2: Reformatorische Anfänge 1533-1541
Bd. 2: Gestalt und Ordnung der Kirche
Bd. 3: Reformatorische Kontroversen
Bd. 4: Reformatorische Klärungen
Bd. 5.1: Der Brief an die Römer
Bd. 5.2: Der Brief an die Römer
Bd. 6: Der Psalmen-Kommentar
Bd. 7: Predigten über Dtn und den 1Tim (1555-1556)
Bd. 8: Ökumenische Korrespondenz
Obwohl sich wahrscheinlich einige der Leute ärgern, die die Bände bisher einzeln erworben haben, halte ich die Entscheidung des Verlags, nun eine Gesamtausgabe auf den Markt zu bringen, für lobenswert. Die Edition, an der Eberhard Busch, Matthias Freudenberg, Alasdair Heron, Christian Link, Peter Opitz, Ernst Saxer und Hans Scholl mitgewirkt haben, kann ich sehr empfehlen.
Die Übersetzungsarbeiten an der Systematischen Theologie von Wayne Grudem nähern sich dem Abschluss. Die Veröffentlichung der deutschen Ausgabe ist für den Herbst 2012 geplant. Wer das Buch erwerben möchte, kann sich für einen Subskriptionspreis von 49,90 Euro qualifizieren, der m.W. 10 Euro unter dem regulären Preis liegt (das Buch zählt über 1200 Seiten und soll als Hardcover-Band erscheinen).
J.I Packer hat über das Werk gesagt:
Wenn sie ein Lehrbuch der Theologie zu finden gehofft haben, das ihre geistliche Formation genauso fördert wie ihre intellektuelle Bildung, dürfen sie sich freuen. Wayne Grudem hat genau das Buch geschrieben, was sie wollten. Und er hat dies in sehr kompetenter Weise getan.
Bestellt werden kann unter der E-Mail: grudem (at) bucer.de.