Theologie

Das Kreuz falsch verstehen

Ich bin dankbar, dass Stephen J. Wellum ein bei evangelikalen sehr beliebtes Buch zur Sühnetheologie gründlich gelesen hat. Seine Rezension zu The Crucifixion: Understanding the Death of Jesus Christ von Fleming Rutledge ist fair, bringt aber eklatante Schwächen zur Sprache. So deutet sie beispielsweise mit Hermann Cremer und Ernst Käsemann die Gerechtigkeit als überwiegend horizontalen Begriff und die Gerechtigkeit Gottes als Bundestreue.

In chapter 3, Rutledge rightly argues that God’s justice/righteousness is central to a correct view of the cross. Yet she does not think of divine justice first as an essential attribute of God so that in relation to sin, God, as the moral standard of the universe and the offended party, stands against sin in holy wrath that must be satisfied. She does not think that for sin to be forgiven, God must first satisfy his own righteous demand against sin. Instead, Rutledge views divine justice more “horizontally,” namely, as “rectification” or God making things right (133-134). God is truly outraged against sin (129-130) but more in terms of the effects of sin. Rutledge rejects any view of God as a “remote judge” who hands down pronouncements “according to some legal norm” (136).

Instead, God declares his “enmity against everything that resists his redemptive purposes” (136) so that his justice “is not retributive but restorative” (136). Similar to the New Perspective on Paul, Rutledge argues that divine justice “is not so much that God isrighteous but that he does righteousness” (137)—a display of “covenant faithfulness” (137). God’s wrath or outrage is really a display of his mercy because in the cross, God has taken injustice into himself and begun to make all things right in Christ’s resurrection. In fact, God has so rectified injustices in the cross that seemingly all wrongs are righted so that either “unrepentant monsters of history… will be either utterly transfigured or annihilated altogether, for no one is beyond the reach of God’s power” (603). In Christ, then, God rectifies all wrongs, obliterates any memory of injustices, and annihilates any unrepentant people (who seemingly are few) (610-12). Christ, as the “representative of all humanity” (including the elect and the reprobate [607]), suffers “condemnation in place of all humanity” and destroys the Power of Sin and Death and inaugurates a new creation (610-11).

Mehr: credomag.com.

Klimaschutz als Religion

Die Kirche soll vor allem Gläubigen eine Heimat geben und das Wort Gottes verbreiten. Für Wärmedämmung und Elektroautos sind andere zuständig, meint Gunnar Schupeliu von der BERLINER ZEITUNG:

Das kann sich die Kirche eigentlich nicht leisten. Sie spart an allen Ecken und Enden. Sie hat Pfarrstellen gestrichen und Gemeinden zusammengelegt. Sie hat sogar die meisten Küster eingespart. Vor diesem Hintergrund wirkt das Engagement gegen CO2 etwas unverhältnismäßig. Das soll man den Mitgliedern mal erklären, dass dafür so viel Kirchensteuergeld ausgegeben wird.

Der Klimaschutz wird in der evangelischen Kirche fast wie eine Religion gehandelt. Hier geht alle Energie hinein. Das „Klimaschutzkonzept“ umfasst 172 Seiten. Dazu kommt noch ein „Umweltschutzkonzept“ mit 189 Seiten. Beide Texte zusammen sind länger als das Neue Testament.

Man würde sich wünschen, dass sich die Kirche auch mit anderen Themen so intensiv befasst wie mit dem Klimaschutz, zum Beispiel mit dem Schutz des ungeborenen Lebens. Dafür hat sie gar kein Konzept. Die Kirche soll Gläubigen eine Heimat geben und das Wort Gottes verbreiten. Für Wärmedämmung und Elektroautos sind andere zuständig.

Mehr: www.bz-berlin.de.

VD: MT

Interview mit Bill Edgar

Christian Heritage hat ein phantastisches Interview mit Bill Edgar über Francis Schaeffer, Edmund Clowney und andere geführt. Das Gespräch kann über iTunes abgerufen werden.

Hier ein kurzer Clip dazu:

 

Was die Ritschlianer lieben

Eduard Böhl schreibt in Von der Rechtfertigung durch Glauben (S. 151):

Die Ritschlianer lieben es, alle Anderen als Unmündige anzusehen, und sich allein als mündig. Aber wenn die Reformatoren solches gemeint haben sollten, was diese Leute unter ihrem Namen und ihrer Flagge vortragen, so sind sie nicht etwa bloß Unmündige, sondern Blödsinnige gewesen.

Die Götzenfabrik

A.W. Tozer schreibt über die selbstgemachten Götter (The Knowledge of the Holy, S. 5):

Das götzendienerische Herz geht davon aus, dass Gott anders ist als Er in Wirklichkeit ist. Das ist an sich schon eine monströse Sünde. Aber der Mensch ersetzt den wahren Gott dann auch noch durch den „Gott“, den er nach seinem Ebenbild geschaffen hat. Dieser Gott wird immer dem Bild desjenigen entsprechen, der es erschaffen hat. Er wird niederträchtig oder rein, grausam oder freundlich sein, je nach dem moralischen Zustand des Geistes, aus dem es hervorgeht. Ein im Schatten eines gefallenen Herzens erzeugter Gott wird deshalb selbstverständlich kein Abbild des wahren Gottes sein. 

Großer Unfug

Viele „Bildungspolitiker“ träumen davon, dass eine Welle der Digitalisierung die Schulen in Deutschland nach vorn bringt. Demnächst sollen Schüler in NRW sogar ihr eigenes Smartphone im Unterricht nutzen.

Großer Unfug, meint Jürgen Kaube und spricht mir aus dem Herzen:

An vielen Schulen dieses Landes sind Smartphones nicht als Lösung, sondern als Problem bekannt. Man hat darum mancherorts die Nutzung der Geräte im Bereich der Schule untersagt: um Ablenkung im Unterricht zu verhindern. Um die Schule nicht zur Versammlung isoliert computerspielender oder filmchenschauender Atome zu machen, die sich der Bildschirme halber nur noch in den schattigen Zonen des Pausenhofs bewegen. Um Cybermobbing wenigstens ein paar Stunden lang zu verhindern. Die Behauptung, es handele sich bei Smartphones in Händen von Kindern und Jugendlichen in erster Linie um Instrumente der Wissensgesellschaft, ist abenteuerlich.

Mehr: www.faz.net.

Clemens: Rechtfertigung aus Glauben

Clemens schreibt im Ersten Brief an die Korinther, wahrscheinlich kurz vor 100 n. Chr. verfasst (Kap. 32):

Alle haben demnach Ehre und Herrlichkeit erlangt nicht durch sich selbst oder durch ihre Werke oder wegen ihrer Gerechtigkeit, die sie übten, sondern durch seinen Willen. Und auch wir, die wir durch seinen Willen in Christus Jesus berufen sind, werden nicht durch uns selbst gerechtfertigt noch durch unsere Weisheit oder Einsicht oder Frömmigkeit oder durch die Werke, die wir vollbracht haben in der Heiligkeit des Herzens, sondern durch den Glauben, durch den alle von Anbeginn an der allmächtige Gott gerechtfertigt hat. Ihm sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Von „Abendmahl“ bis „Zweifel“

11232 00 detailReinhold Rieger, Akademischer Oberrat und außerplanmäßiger Professor für Kirchengeschichte an der Ev.-Theologischen-Fakultät Tübingen, hat in akribischer Arbeit ein bemerkenswert hilfreiches Lehrbuch für die Lutherforschung geschaffen. Das Buch Martin Luthers theologische Grundbegriffe bietet eine Auswahl der wichtigsten Grundbegriffe Luthers und erklärt diese ausschließlich anhand von Aussagen des Reformators. Damit füllt das Werk die Lücke zwischen Konkordanzen und Systematischen Darstellungen der Theologie Luthers.

Luther hat in seinen Predigten und Schriften oft verschiedene Wörter benutzt, um ein und dieselbe Sache auszudrücken. Das ergibt sich schon allein dadurch, dass bei ihm lateinische und deutschsprachige Texte nebeneinander stehen. In mühevoller Kleinarbeit hat Reinhold Rieger diese bedeutungsverwandten Wörter, übrigens auch Antonyme und verschiedene Wortarten wie Substantive oder Adjektive, „auf den Begriff gebracht“.

Die aufgeführten Belegtexte sind keine genauen Übersetzungen aus dem Lateinischen oder Frühneuhochdeutschen, sondern eher Paraphrasen. Diese lassen allerdings das markante Lutherdeutsch noch erkennen und sind hervorragend lesbar. Die inhaltlichen Aussagen lassen sich auf diese Weise schnell erfassen.

Die verwendeten Quellentexte beziehen sich auf die Weimarer Werkausgabe (WA, WABr, DB). Ihre konsequente Nennung inklusive Zeilennummern macht es möglich, die Belegtexte im Originalwortlaut und Kontext vertiefend zu studieren (viele Bänder der WA sind übrigens hier einsehbar).

Die einzelnen Artikel setzen, wo gegeben, mit definitorischen Anmerkungen Luthers zum Schlagwort oder seinem Bedeutungsfeld ein. Im darauf folgenden Hauptartikel werden inhaltliche Aussagen sachlich gegliedert. Gelegentlich kommt dabei zutage, dass Luther seine Meinung geändert hat oder seine Stellungnahmen Widersprüche enthalten. Solche Begebenheiten werden nicht unterschlagen oder harmonisiert.

Um den Aufbau der Artikel nachvollziehen zu können, seien exemplarisch die Gliederung und Hauptgedanken zum Begriff „Abgott“ aufgeführt. Die Eintragung ist nach folgendem Muster vorgenommen worden:

  1. Wesen: Ein Idol oder Abgötterei ist nichts anderes als ein menschlicher Wahn und Gedanke, der vom Teufel unter dem Namen des wahren Gottes ins Herz eingebildet wird (16, 348, 22–24).
  2. Es gibt zwei Arten von Götzendienst: äußeren und inneren. Der äußere geschieht, wenn der Mensch Holz, Steine, Tiere, Sterne anbetet. Dieser ist vom inneren Götzendienst bestimmt, durch den der Mensch aus Furcht vor Strafe oder aus Liebe die äußere Verehrung des Geschöpfes aufgibt, aber innerlich die Liebe und das Vertrauen zu ihm behält (1, 399, 11–17; vgl. 14, 593, 4; 16, 462, 18–463, 2).
  3. Ursache: Allein das Trauen und Glauben des Herzens macht beide, Gott und Abgott (30I, 133, 4).
  4. Der Götzendienst ist als solcher nur denen erkennbar, die an Christus glauben, da er den Schein der Heiligkeit hat (40II, 111, 20f.).
  5. Beispiele für Götzendienst sind das Mönchsleben mit Fasten und Beten, das Priestertum der Papstkirche und die von ihm als Opfer verstandenen Messen (8, 417, 36–38; vgl. 6, 564, 28; 8, 489, 19; 30II, 307, 31–34; 38, 197, 23), erst recht die Privatmesse (40II, 111, 26f.).

Ergänzt werden die einzelnen Artikel durch Literaturhinweise. Darin verarbeitet wurden bewährte Beiträge aus der Lutherforschung sowie jüngere Veröffentlichungen. Ein Sachregister erleichtert die Arbeit mit dem Leitfaden, zumal Stichwörter, denen kein eigener Artikel gewidmet ist, dort eingearbeitet worden sind.

Das Buch Martin Luthers theologische Grundbegriffe ist alles in allem ein sehr gelungenes Lehrbuch, das für den Reformator wichtige Begriffe anhand von Zitaten darstellt und ordnet. Jeder Student, Lehrer oder Verkündiger, der sich mit Luthers Theologie vertraut machen muss oder möchte, erhält hier ein vorzügliches Hilfsmittel zum fairen Preis.

 

Martin Bucer: Kein Bibelwort steht für sich allein

Johannes Müller schreibt über die Einheitlichkeit der Heiligen Schrift in Bucers Hermeneutik (Martin Bucers Hermeneutik, Quellen und Forschungen zur Reformationsgeschichte, 1965, S. 114–115):

Der Heiligen Schrift eignet infolge ihrer Inspiration eine untrügliche Zuverlässigkeit und zugleich eine unbedingte Eindeutigkeit, mit der sie Gottes Offenbarung vermittelt. Ja, mehr noch, die Inspiration durch den einen Heiligen Geist läßt zugleich auch auf die Einheitlichkeit und Widerspruchslosigkeit der biblischen Aussagen schließen. Gewiß war Bucer philologisch und historisch geschult genug, um bei seiner Exegese allenthalben auf stilistische Eigentümlichkeiten sowie auf historisch bedingte Eigenarten einzelner biblischer Bücher aufmerksam machen zu können; aber die innere Einheit stand ihm über der historischen Vielfalt nirgends im Zweifel. Keine biblische Schrift noch auch ein einzelnes Bibelwort steht für sich allein, sondern beiden wird Sinn und Grenze zuteil von der sie umfassenden Botschaft des Evangeliums, als dessen Bestandteil sie auf gef aßt werden wollen. Für dieses Denken vom Ganzen her mag es bezeichnend sein, daß Bucer in seinen Kommentaren immer wieder darauf aufmerksam macht, daß die Exegese auf den Skopus der Heiligen Schrift achten und die »analogia fidei« im Auge behalten muß. Diese hermeneutische Grundregel gilt natürlich auch für die Beurteilung der christlichen Predigt und Lehre. Denn mit der apostolischen Mahnung, alles zu prüfen und nur das Gute zu behalten (1. Thess. 5, 21) ist ja nicht an einen subjektiven Maßstab gedacht, sondern daran, eine Lehre auf ihre Übereinstimmung mit den Grundsätzen des Glaubens zu überprüfen (medicare ad analogiam fidei).

Augustinus: Vom Umgang mit der Schrift

Augustinus, Epistula 82,3 (an Hieronymus, CSEL 34/2, 354/FC 41/2, 266):

Ich habe gelernt, nur den Büchern der Schriften, die jetzt als kanonisch bezeichnet werden, solche Ehrfurcht und Achtung entgegenzubringen, dass ich felsenfest glaube, dass keinem ihrer Autoren beim Schreiben ein Irrtum unterlaufen ist. Und wenn ich in diesen Texten auf eine Stelle stoße, die der Wahrheit zu widersprechen scheint, dann habe ich keinerlei Zweifel, dass entweder die Abschrift fehlerhaft ist oder dass der Übersetzer die Aussage nicht richtig getroffen hat oder dass ich sie unzulänglich verstanden habe.

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