Ethik

Beiträge aus dem Bereich Ethik.

Tickt so die Jugend – und wenn ja, was dann?

Andreas Boppart, Missionsleiter von Campus für Christus in der Schweiz, hat in einem aktuellen idea-Kommentar dafür Partei ergriffen, in der Verkündigung einem Trend zu folgen, den die postmoderne Gesellschaft vorgebe. Viele junge Menschen empfänden Scham und sehnten sich danach, angenommen zu sein. Die Kirche erreiche solche Leute nicht mehr, wenn sie in der Verkündigung eine Schuldorientierung voraussetze. Unsere Kultur sei – so wie die griechische Kultur zur Zeit des Paulus (wirklich?) – eher schamorientiert. Die „Kreuzreduktion“ mit ihrer Schulddynamik müsse sich von daher zurücknehmen und einer Verkündigung Raum geben, die die Sehnsüchte der Menschen in einer Schamgesellschaft ernst nehme und durch eine angepasste Verkündigung sowie Gemeinschafts- und Gruppenzugehörigkeitserfahrungen auffange.

Zitat:

Wir mümmeln seit Jahren nun in irgendwelchen ethischen und moralischen Ecken und versuchen, die Schrauben zwischen falsch und „fälscher“ zu drehen. Die Fragen gehen immer in die Richtung: „Was heißt das jetzt für die sexuelle Moral?“ etc. Natürlich sind diese Fragen nicht unwesentlich – aber die Fragen, die wir uns als Kirche übergeordnet einmal stellen müssten, wären: „Was heißt das jetzt für das Evangelium? Was heißt das für unseren Auftrag als Kirche? Was heißt das für Christus-Nachfolge?“ Menschen, die sich nicht schuldig fühlen, brauchen keinen Christus, der am Kreuz für ihre Schuld stirbt. Alle Erklärungsversuche sind ebenso erfolglos, wie wenn ich dem grünen Männchen, das soeben vom Uranus her in meinem Vorgarten gelandet ist und mich mit singenden Klicklauten begrüßt, in Schweizerdeutsch zu erklären versuche, dass sein Ufo meine Tomaten plattdrückt. Der falsche Rückschluss wäre nun zu meinen, dass das Kreuz für eine kommende Generation keine Bedeutung mehr haben könnte. Vielmehr aber müssen wir wegkommen von der Verkürzung der Kreuzesdimension und ihrer Reduktion auf reine Schuldvergebung. Was Christus am Kreuz getan hat, übersteigt das reine Schuldvergeben bei weitem – nur leben wir seit Jahrhunderten mit einer Schmalspurversion des Kreuzes. Die Reduktion auf Schuldvergebung hatte nicht nur im mittelalterlichen Ablasshandel ihren Höhepunkt, sondern zieht sich ziemlich konsequent durch die vorherrschende Theologie hindurch. So ist auch „Umkehr“ immer gleichgesetzt mit „sich seiner Schuld bewusstwerden“. Es wäre spannend, sich nur schon mal der Frage anzunähern, was wäre, wenn eine Gesellschaft vielleicht gar nicht bis zu einem Punkt vordringt, an dem sie eine Schuldeinsicht hat? Wäre es möglich, dass Umkehr auch mit der Erkenntnis beginnt, dass man Christus als Entschämer benötigt, um die eigene Scham zu überwinden und in eine Gottesbeziehung hineinzukommen?

Nun sind solche Fragen nicht neu. Im Kontext der jüngeren deutschen Missionsforschung haben sich etwa Klaus W. Müller, Hannes Wiher, Lothar Käser oder Thomas Schirrmacher damit beschäftigt (das Buch Scham- oder Schuldgefühl? ist frei als PDF-Datei zu haben). Erst 2018 erschien das Buch Mit anderen Augen von Jayson Georges in deutscher Sprache, das den Blick für scham- und angstorientierte Kulturen weiten möchte (siehe dazu die hilfreiche Rezension von Tanja Bittner). Es gibt einen weitreichenden Konsens darüber, dass in der Heiligen Schrift sowohl Gerechtigkeit (Schuld),  Ehre (Scham) als auch Macht (Furcht) eine Rolle spielen und eine angemessene Verkündigung diese Aspekte berücksichtigt.

Warum also das Thema nicht auch für die Missions- und Jüngerschaftsarbeit in Europa aktivieren? Ich kann einigen Fragen und Impulsen von Andreas Boppart etwas abgewinnen. Ich selbst halte beispielsweise eine Verkündigung, die sich einseitig an das Gewissen wendet, für defizitär.

Doch ich sehe gleichzeitig mehrere Problemfelder. So frage ich mich etwa (auf der rein empirisch-pragmatischen Ebene), ob die Verkündigung heute tatsächlich so sehr auf die Wahrheits- und Schuldfrage abzielt, wie Boppart das voraussetzt? Hören wir denn das Wort von dem heiligen Gott und der Vergebung der Sünden tatsächlich noch oft? Anders gefragt: Sind die Kirchen voll, in denen ein „ganzheitliches Evangelium“, das die Schuldfrage in den Hintergrund schiebt, angeboten wird? Auf den Kanzeln und christlichen Medien-Kanälen wimmelt es von „Du bist wertvoll“- und „Du bist so angekommen, wie Du bist“-Botschaften. Trotzdem stecken die Kirchen in einer geistlichen Krise. Es scheint so, also ob die Versicherung, „du bis ok und gehörst dazu“, die Sehnsucht der Menschen nicht stillen kann. Offensichtlich trägt diese Botschaft nicht durchs Leben. Und ich frage mich auch, ob es stimmt, dass wir in einem schamorientierten Europa leben? Vielleicht leidet Europa ja in einem gewissen Sinn mehr an seiner Schamlosigkeit als an der Schamsättigung?

Wie dem auch sei. Das eigentliche Problem einer „schamorientierten“ Jugendarbeit scheint mir noch tiefer zu liegen.

Was denken die Leser des TheoBlogs so darüber?

Hier der vollständige Kommentar (nur für Abonnenten): www.idea.de.

VD: BS

„Der satanischen Zerstörungstrieb“

Georg Huntemann schreibt über die Zeit unter den Augen Gottes (Was wird kommen?, 2. Aufl., 1974, S. 50):

Allen Ernstes müssen wir uns heute fragen, ob uns die Zukunft eine Art satanischen Zerstörungstrieb bringt, geboren aus Lebensekel und Gotteshaß. Gibt es wirklich eine böse Macht? Oder fragen wir ganz einfach: Gibt es den Teufel? Daß es eine böse, zerstörerische, sich gegen Gott und die Menschen richtende Macht gibt, ist eindeutige Aussage der Heiligen Schrift. Jesus“ sagt, daß der Satan ein Mörder von Anfang an (Joh. 8,44), also die Macht der Zerstörung des Lebens sei. Satanisch ist der Haß gegen Gott, weil das Seinwollen wie Gott im Verworfensein vor Gott endete, der Übermut durch die Erniedrigung bestraft wurde. Die satanische Macht fällt über Mensch und Kosmos und bringt alles Leben in die Zwiespältigkeit, in Krankheit, Lebenskampf, Lebensangst und Todesqual. Diese Macht des Bösen geht über jede menschliche Vorstellungskraft hinaus. Man kann sich vom Bösen kein Bild oder Gleichnis machen. Alle Teufelsbilder sind letzten Endes nur gefährliche Verharmlosungen jener Macht, die man nur zu gern in die Welt von Sage, Märchen oder Mythos abschieben und damit als irreal abstempeln möchte. Welche Bedeutung hat die böse Macht für die Zukunft? Wird sich der Böse durch den Fortschritt überspielen lassen? Wird das Böse am Ende siegen? Bewegen wir uns auf die Dämonisierung der Welt hin?

Die biblische Antwort auf die Frage ist: Durch Christus ist die Macht des Bösen besiegt worden. Auf seinem Weg zum Kreuz und zur Auferstehung sagt Christus: „Nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden“ (Joh. 12,31), und der Apostel Johannes schreibt rückblickend auf die Heilstaten Christi: „ … dazu ist erschienen der Sohn Gottes, daß er die Werke des Teufels zerstöre“ (1. Joh. 3,8).

[asa]3880024995[/asa]

Die linke Elite und die Pansexualisierung des Alltags

Als der emeritierte Papst Joseph Ratzinger der 68er-Generation eine Mitverantwortung an der sexuellen Verwahrlosung und dem verbreiteten Missbrauch unter Minderjährigen gab, löste dies im Feuilleton eine Welle der Entrüstung aus. Die TAZ sprach schnell von einer Umkehrung. Ratzinger erkläre die Täter, also vor allem die Geistlichen, zu Opfern. Den Emanzipationsprozess, den die 68er herbeigeführt hätten, instrumentalisiere er nur, um die totalitäre Herrschaft der Kirche zu sichern.

Ich will die Probleme in den Kirchen nicht kleinreden. Allerdings bin ich der Auffassung, dass die journalistische Elite gern übersieht, wie tief das existentialistische und postmoderne Vordenkermilieu in die Pansexualisierung des Alltags verstrickt ist. Wer mir nicht glaubt, beschäftige sich etwa mit Georges Bataille oder den Überschreitungen von Michel Foucault (dem großen Pädagogen der Gegenwart, siehe dazu z.B. hier). Und Libération, früher maoistisches Kampfblatt der Linken in Frankreich, setzte in den 70ern starke Akzente für die Entkriminalisierung und kulturelle Wertschätzung der Pädophilie. Offensichtlich durften sich manche Mentoren der Bewegung bis in unsere Tage hinein austoben, ohne das jemand daran Anstoß genommen hat.

Das sollte sich ändern. Der aktuelle Skandal um den Schriftsteller Gabriel Matzneff, der gerade den Kulturbetrieb Frankreichs erschüttert, dürfte nur ein Vorbeben sein.

Die FAZ berichtet:

Im Jahr 1977 erschien in „Le Monde“ ein Aufruf, in dem die Aufhebung des französischen Verbots der Pädophilie gefordert wurde. Anlass war ein Prozess wegen Unzucht mit Zwölfjährigen. Unterzeichnet hatten den Text Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir, Louis Aragon, Roland Barthes, Gilles Deleuze. Auch Jacques Derrida, Françoise Dolto, Louis Althusser, André Glucksmann, Philippe Sollers und Catherine Millet. Die späteren Minister Bernard Kouchner (Ärzte ohne Grenzen) und Jack Lang, die emblematische Figur der linken Kulturpolitik, zählten gleichfalls zu den Unterzeichnern. „Es reicht“, forderte die Petition: „Drei Jahre Gefängnis für Zärtlichkeiten und Küsse ohne Gewalt“ drohten den Angeklagten.

Wenn Ratzinger als zentrale Ursache für Missbrauch die Gottlosigkeit nennt, dürfte er – das werden wohl die meisten erst im Rückblick verstehen – Recht haben. Ergänzen sollten wir freilich: Die Gottlosigkeit fühlt sich auch in den Kirchen recht wohl.

Eine klare Leseempfehlung, auch wenn es für manche schwere Kost sein dürfte: www.faz.net.

Die Vergesellschaftung der menschlichen Organe

Wir stehen kurz vor der Abstimmung über die Neuregelung der Organspende im Deutschen Bundestag. Ich halte den von Gesundheitsminister Jens Span eingebrachten Gesetzentwurf zur Einführung der Widerspruchslösung für grundfalsch. Warum? Eine Mitteilung der Christdemokraten für das Leben (CDL) bringt das sehr schön auf den Punkt:

Bislang kann jeder Bürger ganz freiwillig entscheiden, ob er Organspender sein will. Mit der Widerspruchslösung generiert der Staat aber eine „Organabgabepflicht“, von der man sich quasi „loskaufen“ muss durch den aktiven Widerspruch zu Lebzeiten. Das ist für die CDL ein völlig inakzeptabler Verstoß gegen das garantierte Selbstbestimmungsrecht des Menschen und gegen sein Recht auf körperliche Unversehrtheit. Darüber hinaus benötigt heute jede sonstige Datenweitergabe (DSGVO) inzwischen die explizite und aktive Zustimmung des Einzelnen. Aber wenn es um so etwas Ultimatives wie unseren Sterbeprozess geht, soll künftig ohne erklärte Zustimmung unser Leben künstlich verlängert oder möglicherweise auch vorzeitig beendet werden können, um unsere Organe entnehmen zu können. Schweigen soll ganz selbstverständlich als Zustimmung gewertet werden, wenn es um das Sterben und den Sterbeprozess geht. Das widerspricht deutlich der Würde des Einzelnen, die doch nach unserem Grundgesetz als „unantastbar“ definiert wird. (Art. 1)

Immer noch sind viele Bürger in unserem Land nicht ausreichend über den tatsächlichen Ablauf einer Organentnahme oder die damit zusammenhängenden vorbereitenden intensivmedizinischen Interventionen und organprotektiven Maßnahmen informiert. Jeder Organspender wird bis zum Zeitpunkt der Organentnahme künstlich weiter am Leben gehalten, bis die Organentnahme erfolgen kann. Mit der Widerspruchslösung würde der Staat für seine Bürger eine generelle Vorentscheidung treffen und damit völlig unzulässig am Lebensende in den Entscheidungsbereich und die Freiheit des Einzelnen eingreifen.

Besonders schwerwiegend ist für die CDL, dass die Angehörigen künftig keinerlei Mitsprachemöglichkeit mehr haben. Denn der Gesetzentwurf zur Widerspruchslösung schließt explizit ein eigenes Entscheidungsrecht der nächsten Angehörigen aus. Auch der sogenannte „mutmaßliche Wille“ der final Erkrankten spielt keine Rolle. Die Angehörigen sollen künftig lediglich darüber befragt werden, ob sie Kenntnis von einem schriftlichen Widerspruch gegen die Organ- oder Gewebeentnahme haben. Ansonsten kann der Arzt/die DSO jederzeit und sofort auch gegen den von Angehörigen erklärten mutmaßlichen Willen entscheiden. Angehörige werden in dieser extrem belastenden Lebenssituation so lediglich zum „Boten“ ohne eigene Betroffenheit degradiert, haben ansonsten aber kein eigenes Widerspruchs- oder Entscheidungsrecht darüber, was mit ihrem schwerstkranken Familienmitglied geschieht. In Deutschland entscheiden angefragte Angehörige derzeit mehrheitlich gegen eine Organentnahme, was mit der vorgesehenen Regelung vollkommen ausgehebelt würde. Sie würden gezwungen in jedem Fall die Organentnahme hinzunehmen.

[mks_pullquote align=“right“ width=“300″ size=“20″ bg_color=“#ffffff“ txt_color=“#000000″]In einer offenen und freiheitlich-demokratischen Gesellschaft muss gerade der Sterbeprozess dem aktiven Handeln des Staates durch fremdnützige Verfügung entzogen bleiben.[/mks_pullquote]Für die CDL steht fest: In einer offenen und freiheitlich-demokratischen Gesellschaft muss gerade der Sterbeprozess dem aktiven Handeln des Staates durch fremdnützige Verfügung entzogen bleiben. Die Entscheidung für oder gegen eine Organspende muss uneingeschränkt freiwillig bleiben. Schon jetzt sind freiwillig 39 % der Menschen in Deutschland Organspender. Dennoch reicht dies angeblich nicht aus, um mehr als 1000 Organspender pro Jahr zu „generieren“? Hier liegen dann offensichtlich ganz andere Probleme in der Umsetzung vor, die das neue Transplantationsgesetz vom April 2019 erst langsam verändern wird. Die Lösung darf jetzt  jedoch nicht in einer durch den Gesetzgeber entschiedenen Vergesellschaftung der Organe liegen, die zukünftig alle Bürger zwingen will, sich in der Frage der Organspende zu entscheiden oder ansonsten automatisch potentieller „Organlieferant“ zu sein.

Deshalb erwartet die CDL von der Mehrheit des Bundestages die Beachtung und Stärkung des Bürgerrechtes auf Selbstbestimmung, den Verzicht auf übergriffige, paternalistische Staatsanmaßung bei Sterbenden und ein klares Nein zur Widerspruchslösung. Es ist mehr als erstaunlich, dass derzeitig im Kabinett ausgerechnet die Justizministerin, Christine Lambrecht (SPD), die Verfassungsmäßigkeit der Widerspruchslösung deutlich bezweifelt. Auch die evangelische und die katholische Kirche kritisieren die Anmaßung der vorgeschlagenen Widerspruchslösung: Sie würde eine höchstpersönliche, lebenswichtige Entscheidung durch einen autoritären staatlichen Verfügungsanspruch ersetzen.“

Ihr Männer, liebt eure Frauen

Brad Merchant gibt in einem Beitrag für Evangelium21 sechst Tipps für Ehemänner:

  1. Stelle gute Fragen
  2. Diene
  3. Nimm dir Zeit
  4. Lerne sie immer besser kennen
  5. Lernt und wachst gemeinsam
  6. Berausche dich an ihrer Liebe

Hier mehr: www.evangelium21.net.

Calvin: Die Fäulnis des Fleisches in den guten Werken

Johannes Calvin über die gute Werke der wiedergeborenen Christen (Institutio, 1559, III,14,9):

Wir bekennen: Wenn uns Gott durch das Eintreten der Gerechtigkeit Christi für uns mit sich versöhnt, uns aus lauter Gnaden die Vergebung der Sünden schenkt und uns so als gerecht ansieht, dann ist mit solcher Barmherzigkeit zugleich die Wohltat verbunden, daß er durch seinen Heiligen Geist in uns wohnt. Durch die Kraft dieses Geistes wird alle Begehrlichkeit unseres Fleisches von Tag zu Tag mehr ertötet, wir aber werden geheiligt, das heißt: Wir werden dem Herrn zu wahrhaftiger Reinheit des Lebens geweiht, und zwar dadurch, daß unser Herz so gestaltet wird, daß es dem Gesetz Gehorsam leistet. Unser Wille soll also darin sein vornehmstes Ziel haben, seinem Willen zu dienen und seinen Ruhm auf alle Weise zu fördern. Allein, selbst wenn wir unter der Leitung des Heiligen Geistes auf den Wegen des Herrn wandeln, bleiben noch immer Reste von Unvollkommenheit an uns, die uns allen Grund zur Demut geben, damit wir uns nicht selbst vergessen und unser Herz aufblähen! „Es gibt keinen Gerechten“, sagt die Schrift, „der Gutes täte und nicht sündigte!“ (1. Kön. 8,46; nicht genau). Was für eine Gerechtigkeit wollen die Gläubigen also noch aus ihren Werken erlangen? Zunächst behaupte ich: Auch das Beste, das sie Vorbringen können, ist noch immer von der Unreinigkeit des Fleisches benetzt und verderbt und es ist gewissermaßen stets mit irgendwelchem Bodensatz untermischt. Ein heiliger Knecht Gottes, sage ich, soll einmal aus seinem ganzen Leben das auswählen, was nach seiner Meinung die hervorragendste Tat seines Lebenslaufs gewesen ist, er soll alle Einzelheiten genau überdenken. Er wird dann ohne allen Zweifel an irgendeiner Stelle etwas vorfinden, das die Fäulnis des Fleisches empfinden läßt. Denn unsere Freudigkeit, Gutes zu tun, ist nie, wie sie sein sollte, sondern unser Lauf ist gehemmt, und daran offenbart sich viel Gebrechlichkeit! So sehen wir, daß die Makel, mit denen die Werke der Heiligen befleckt sind, nicht verborgen sind. Aber nehmen wir trotzdem an, diese Flecken seien ganz, ganz klein – werden sie darum auch Gottes Augen keinen Anstoß geben, vor denen doch nicht einmal die Sterne rein sind? (Hiob 25,5). Wir kommen also zu dem Ergebnis, daß von den Heiligen nicht ein einziges Werk ausgeht, das nicht, an sich selbst betrachtet, als gerechten Lohn die Schmach verdiente!

[asa]3788723270[/asa]

Ein Junge in Mädchenkleidern

Die FAZ berichtet in der Ausgabe vom 2. Januar 2020 über Bemühungen in den USA, unter Kindern die Geschlechteridentität gezielt zu dekonstruieren. In dem Artikel „Ein Junge in Mädchenkleidern“ schildert Christiane Heil die missionarischen Aktivitäten von Dragqueens (eine Dragqueen ist ein Mann, der sich wie eine Frau kleidet und verhält) in Spiel- und Lesestunden unter zwei- bis ungefähr fünfjährigen Kindern (FAZ, Nr. 1, 02.01.2010, S. 9). Ausführungen dieser sogenannten „Drag Queen Story Hour“ gibt es inzwischen in etwa 30 Bundesstaaten.

Was soll damit erreicht werden?

Das Ziel des Projekts „Drag Queen Story Hour“? „Vorstellungskraft und Spiel der kindlichen Gender-Fluidität zu unterstützen und Kindern glamouröse, positive und unverfrorene queere Vorbilderzu präsentieren“ , heißt es im Programm des im Jahr 2015 in San Francisco gegründeten Vereins. Seit zwei Jahren ist auch Harmonica Sunbeam dabei. In den Zeiten von Identitätspolitik und Diversität will sie einen Beitrag für mehr Toleranz leisten. Die Dragqueen tritt seit fast 30 Jahren in Nachtclubs, Bars und Fernsehserien wie „Law & Order“ oder „The Deuce“ auf. Zu Vorlesungsstunden in Frauenkleidern war es eher ein kleiner Schritt: „Dragqueens wissen, wie man mit Publikum umgeht. Kleine Kinder sind betrunkenen Erwachsenen nicht unähnlich.“

Durch solche Verstörungen wird die intuitive Identität von Kindern geschwächt, um sie auf die Annahme konstruierter sozialer Identitäten vorzubereiten. Ein verunsichertes Kind ist nämlich offener für eine Neuformatierung. Vor 13 Jahren schrieb ich dazu (Die Postmoderne, 2007, S. 54–55):

Auch die geschlechtliche Polarität, die in der Bibel mit dem göttlichen Schöpfungsakt begründet wird (vgl. 1. Mose 1,27) und die in der Neuzeit noch selbstverständlich akzeptiert wurde, löst sich allmählich auf. Die Zweigeschlechtlichkeit wird unmerklich durch ein multiples Geschlechterkonzept ersetzt, das die Fixierung auf die Pole „männlich“ und „weiblich“ fallen lässt.

Möglich wird dies durch die Unterscheidung zwischen biologischen und sozial erlernbaren Geschlechterrollen. Sprachlich differenziert man im Englischen zwischen biologischem (engl. sex) und soziokulturellem Geschlecht (engl. gender). Die biologischen Anlagen sind nicht determinierend, sondern lassen eine Geschlechterentwicklung entlang eines Spektrums zwischen männlich und weiblich zu. Die geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen werden sozial erlernt. Die Politik der Zukunft habe sich an diesem erlernten Geschlecht zu orientieren, die Genderaspekte und -perspektiven hätten in das Zentrum der Gleichstellungspolitik zu rücken.

Schon mehrere Feministinnen hatten die Orientierung am biologischen Geschlecht kritisiert. Allerdings akzeptierten sie das biologische Geschlecht als naturgegeben. Die in der Tradition Michel Foucaults stehende amerikanische Literaturwissenschaftlerin Judith Butler (*1956) hat die moderne feministische Kritik an den Geschlechterrollen weiter radikalisiert und sich gegen eine „Zwangsheterosexualität“ gestemmt. Durch eine Neubesetzung der Sprache müssten die bestehenden Kategorien von Mann und Frau verwischt werden. Konstantin Mascher schreibt über Butler: „Durch Parodie und Travestie (Verkleidung) werde, so schreibt sie, die Brüchigkeit der Zuordnungsmuster am deutlichsten entlarvt. Die offensichtliche Unnatürlichkeit der Maskerade hinterfrage die ‚Natürlichkeit‘ jeglicher ‚Geschlechtsidentität‘. Nach diesen Maßstäben wird die medienträchtige karnevalistische ‚Gay Pride‘ oder ‚Gay Parade‘ zur politisch wirksamsten Demonstration einer sich neu formierenden ‚fließenden Identität‘.“

Das Geschlecht wird nach Meinung führender Gender-Propagandisten durch soziale Interaktionen erzeugt. Die Art und Weise, wie sich Menschen mit ihren Körpern zueinander verhalten, gestaltet das Geschlecht (Doing Gender). Das Geschlecht ist also nicht fixiert, sondern fließend und grenzüberschreitend. Menschen können es im Verlauf ihres Lebens (mehrmals) wechseln, und die Festlegung auf nur zwei Geschlechter ist obsolet. Geschlechtliche Identität ist keine Frage der biologischen Statik, sondern der dynamischen Performanz.

Auch die staatlich und europäisch geförderte Politik des Gender Mainstreaming ist von gemäßigten Versionen dieses Ansatzes beeinflusst. Es handelt sich dabei um eine „Strategie, um alle Akteure in allen Handlungsfeldern, wie z.B. Rechtsetzung, Berichtswesen oder Forschung, sowie in allen Sachgebieten, wie z.B. Wirtschaft, Finanzen oder Familie, zu befähigen, gleichstellungsorientiert zu handeln“. „Jeder soll ein neues so genanntes kulturelles, ‚soziales Geschlecht‘ bekommen, ein Gender, das er selbst bestimmen kann, und dies völlig unabhängig von seinem biologischen Geschlecht.“

[asa]3775146083[/asa]

„Marriage Story“: Scheiden tut weh

Josh Panos hat Noah Baumbachs Film „Marriage Story“ besprochen. Fazit:

Es ist nicht relevant, wie sehr die Gesellschaft versucht, die Ehe kleinzureden, sie umzudefinieren oder den Prozess der Scheidung zu vereinfachen. Menschen werden immer instinktiv wissen, dass Ehe wichtig und Scheidung furchtbar ist. Diese Wahrheit finden wir in der Bibel, wir finden sie aber auch in den Büchern, die wir lesen, und den Filmen, die wir schauen. Wenn Filme wie Noah Baumbachs Marriage Story entstehen – die die Wichtigkeit der Ehe erfassen und das Trauma der Scheidung lebendig werden lassen –, sollten Christen das begrüßen. Auch wenn es hart ist, diesen Film zu schauen, bietet er doch eine notwendige, ernüchternde und unnachgiebige Sicht auf einen Schrecken, von dem die Gesellschaft versucht, den ihm innewohnenden Horror zu entkräften.

Mehr bei Evangelium21: www.evangelium21.net.

Bullinger über die Unzucht

Heinrich Bullinger befasst sich in seiner Schrift Der christliche Ehestand (1540) sehr ausführlich mit der Unzucht und formuliert schließlich folgendes Fazit (Schriften I, S. 434–435): 

Die Unzucht zieht das Gemüt von Gott weg, macht, dass wir den Bund brechen, schmäht die Gnade Gottes und die Glieder Christi, sie raubt Gott das, was ihm gehört, entheiligt den Tempel Gottes und drückt uns mit Geist und Fleisch in den Dreck und allen Schmutz, macht viehische Menschen aus uns, befleckt Leib und Seele, bringt uns um all unsere Ehre und unser Hab und Gut, macht uns zu Schanden, verdirbt uns und führt uns mit Elend, Kummer und Not zur Hölle. Dagegen erlöst uns die Ehe ein für allemal von diesem ganzen Jammer. Und deshalb ist es eine Schande, dass man all das nicht erkennen will und sogar alte Leute findet, die Unzucht nicht für Sünde halten und so leichtfertig und übermütig vor jungen Leuten davon reden, dass diese in ihren bösen Absichten angestachelt werden und dadurch hartnäckig darin fortfahren. Liebe Söhne, hört stattdessen den von Gott auserwählten Menschen Paulus [vgl. Apg 9,15], der aus dem Heiligen Geist redet [Eph 5,5f.]: »Ihr sollt wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unkeuscher Erbteil hat im Reiche Christi und Gottes. Lasst euch darum nicht durch leere Worte verführen; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens.« Hört zu und denkt daran: Gott beurteilt die leichtfertigen, groben Reden nicht so, wie jene meinen. Wenn ihr also dem Zorn Gottes ausweichen wollt, so flieht vor der Unzucht.

[asa]3290172813[/asa]

Mehr Rechte für den Staat, weniger für die Eltern?

Mehr Kinderrechte. Das klingt irgendwie gut. Tatsächlich stärken mehr Kinderrechte jedoch die Entmachtung der Eltern. Das ist keine gute Entwicklung. Reinhard Müller kommentiert das Bestreben treffend für die FAZ:

Die altehrwürdige aktuelle Fassung des Grundgesetzes stellt Ehe und Familie, also mit Kindern, unter den besonderen Schutz der staatlichen Ordnung. Pflege und Erziehung der Kinder sind demnach „das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht“, über deren Betätigung die staatliche Gemeinschaft „wacht“. Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten, so fährt die Verfassung fort, „dürfen Kinder nur auf Grund eines Gesetzes von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen“.

Das heißt also: Die Eltern sind zuständig – und nur im Notfall ist es der Staat. Das kann in einem freiheitlichen Land auch nicht anders sein. Es stimmt bedenklich, wenn vor allem SPD und Grüne, aber auch Menschenrechtsorganisationen den Eindruck erwecken, Deutschland komme seinen internationalen Verpflichtungen nicht nach oder missachte Kinderrechte gar bewusst. Sollte mit einer Grundgesetzänderung letztlich beabsichtigt sein, die Wächterrolle des Staates zu stärken, dann sollte man von ihr absehen. Denn mehr Rechte für den Staat bedeuten weniger Rechte der Eltern.

Siehe dazu auch das Gutachten des Bundesarbeitskreises Christlich-Demokratischer Juristen (BACDJ): GutachtenBACDJ_201910.pdf.

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner