Zitate

Schule der Heiligung

E.H. Peterson schreibt (A Long Obedience in the Same Direction: Discipleship in an Instant Society, 2019, S. 12):

In einer [Instantgesellschaft wie der unseren] ist es nicht schwer, einen Menschen für die Botschaft des Evangeliums zu interessieren; es ist aber immens schwierig, das Interesse aufrechtzuerhalten. Millionen von Menschen in unserer Kultur entscheiden sich für Christus, aber es gibt eine erschreckend hohe Fluktuationsrate. Viele behaupten, wiedergeboren worden zu sein, aber die Beweise für eine reife christliche Nachfolge sind dürftig. In unserer Kultur lässt sich alles gut verkaufen, sogar Neuigkeiten über Gott, wenn sie frisch verpackt werden. Aber wenn sie ihre Attraktivität verlieren, landen sie auf dem Müllhaufen. In unserer Welt gibt es einen großen Markt für religiöse Erfahrungen; es gibt jedoch wenig Begeisterung für das geduldige Erlernen von Tugenden, wenig Bereitschaft, sich für eine lange Lernphase in dem zu entscheiden, was frühere Generationen von Christen Heiligung nannten.

Pascal: Was der Tod in Jesus Christus ist

Blaise Pascal schreibt über das Opfer von Jesus Christus (Briefe I: Die private Korrespondenz, 2015, S. 56–57):

Um zu betrachten, was der Tod ist, und vor allem, was der Tod in Jesus Christus ist, muss man erkennen, welche Stellung er in seinem immerwährenden und ununterbrochenen Opfer einnimmt, und hierfür muss man bemerken, dass der wichtigste Teil der Opferungen im Tod des Opfers besteht. Die Darbringung und die Weihe, die vorausgehen, sind Vorbereitungen; die eigentliche Vollendung aber ist der Tod, mit dem das Geschöpf durch die Auslöschung des Lebens Gott die größte Huldigung erweist, deren es fähig ist, indem es vor den Augen seiner Majestät ins Nichts zurücksinkt und dessen höchstes Wesen anbetet, das allein wirklich existiert. Allerdings gibt es nach dem Tod des Opfers noch einen anderen Teil, ohne den dessen Tod unnütz ist: die Annahme des Opfers durch Gott. Das wird in der Heiligen Schrift gesagt [Gn 8,21]: Et odoratus est Dominus suavitatem. »Und der Herr hat den lieblichen Duft des Opfers gerochen.« Damit wird die Darbringung wahrhaft gekrönt; doch dies ist eher eine Handlung Gottes auf das Geschöpf hin als eine Handlung des Geschöpfes auf Gott hin, und es verhindert nicht, dass der Tod die letzte Handlung des Geschöpfes ist.

All diese Dinge haben sich in Jesus Christus erfüllt.194 Als er in die Welt kam, hat er sich dargebracht [Hebr 9,14; 10,5,7]: Obtulit semetipsum per Spiritum sanctum. Ingrediens mundum, dixit: Hostiam noluisti … Tune dixi: Ecce venio. In capite usw. Er hat sich durch den Heiligen Geist dargebracht. Als er in die Welt kam, hat er gesagt: »Herr, die Opfer sind dir nicht angenehm; aber den Leib hast du mir bereitet.« Da sagte ich: »Siehe, ich komme. Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz habe ich in meinem Herzen.« Das war seine Darbringung. Seine Weihe folgte unmittelbar darauf. Dieses Opfer dauerte sein ganzes Leben und wurde durch seinen Tod vollendet. Er musste die Leiden ertragen, um zu seiner Herrlichkeit einzugehen [Lk 24,26]. Und obwohl er Gottes Sohn war, musste er den Gehorsam lernen. Aber er, der in den Tagen seines Fleisches mit lautem Geschrei den anrief, der ihn vom Tode erretten konnte, ist erhört worden um seiner Frömmigkeit willen [Hebr 5,7]. Gott hat ihn von den Toten auferweckt und seine Herrlichkeit, die früher durch das vom Himmel auf die Opfer niederfallende Feuer versinnbildlicht wurde, entsandt, um seinen Leib zu verbrennen und zu verzehren und ihm das geistige Leben der Herrlichkeit zu geben. Das hat Jesus Christus erlangt, und es wurde durch seine Auferstehung vollendet.

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Bullinger: Verlorene zurückholen

Heinrich Bullinger (Schriften V, 2006, S. 185) schreibt über den Hirtendienst, der sich auch um verlorene Schafe kümmert:

Ein verlorenes Schaf zu suchen, bedeutet: diejenigen, die vor der Wahrheit zurückschrecken und sich in der Finsternis der Irrtümer aufhalten, in die Kirche und in das Licht der Wahrheit zu führen; ein verstoßenes Schaf zurückzuholen: jemanden, der aufgrund einer persönlichen Anfechtung von der Gemeinschaft der Heiligen abgesondert war, wieder aufzurichten und zurückzuführen; ein verletztes Schaf zu heilen: jemanden in Pflicht zu nehmen, denn der gute Hirte rügt die Wunden der Sünden, wie auch Jeremia gebietet, sie zu heilen (vgl. Jer 8,4–22; 30,12–17); ein schwaches und krankes Schaf schließlich bedeutet: jemanden zu stärken und nicht ganz und gar zugrunde gehen zu lassen, und ein starkes Schaf: Menschen, die mit ihren guten Eigenschaften in Blüte stehen, daran zu hindern, aufgrund der Gaben Gottes hochmütig zu werden und sie wieder zu verlieren (vgl. Jes 42,3). Er soll jedoch daran denken, dass dies nur mit Hilfe der gesunden und beständigen Lehre, die vom Wort Gottes abgeleitet ist, erreicht werden kann (vgl. Mt 12,15–21.22–37).

„Der christliche Glaube war für Lewis wie eine Linse“

51YCPOQqATL SY264 BO1 204 203 200 QL40 ML2Alister McGrath über die erkenntnistheoretische Bedeutung des Glaubens für C.S. Lewis (Der Gottesplan, Geißen: Brunnen, 2014):

„Ich glaube an Christus, so wie ich glaube, dass die Sonne aufgegangen ist, nicht nur, weil ich sie sehe, sondern weil ich durch sie alles andere sehen kann“ (C. S. Lewis). Diese sorgsam gewählten Worte drücken Lewis’ tiefe Überzeugung von der Vernünftigkeit des christlichen Glaubens aus. Lewis (1898–1963) kam zum Glauben an Gott unter anderem über seine sich vertiefende Überzeugung, dass Gott mit einer intellektuellen Sonne verglichen werden müsse, welche die Landschaft der Wirklichkeit erhellt. Der christliche Glaube war für Lewis wie eine Linse, die es ermöglicht, dass man die Dinge klar und deutlich sehen kann. Seine Fähigkeit, die Wirklichkeit zu erhellen und ihr Sinn abzugewinnen, war, so behauptete er, ein Anzeichen (wenn auch kein Beweis) seiner Wahrheit. Nicht jedes Geheimnis werde gelöst; für Lewis blieb die Frage nach dem Leid ein Hauptthema intellektuellen Unbehagens, besonders in seinen späteren Jahren. Sein Glaube an Gott bot ihm jedoch einen archimedischen Punkt, von dem aus er den Rätseln und Ungereimtheiten der Welt Sinn abgewinnen konnte.

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J.G. Machen: Der gute Kampf des Glaubens

Am 10. März 1929 hielt Prof. J. Gresham Machen seine letzte Predigt vor den Studenten des Princeton Theological Seminary (USA). Machen hatte viele Jahre vergeblich gegen die neue liberale Neuausrichtung des Seminars gekämpft. Bevor er sich der Gründung des  Westminster Theological Seminary widmete, rief er in dieser Predigt die Studenten noch einmal dazu auf, den „Kampf des Glaubens“ zu kämpfen:

Wo werdet ihr in dem großen Kampf stehen, der gegenwärtig in der Gemeinde tobt? Werdet ihr euch bei der Welt anbiedern, indem ihr außen vor bleibt? Wollt ihr „konservative Liberale“ werden oder „liberale Konservative“ oder „Christen, die nicht an Kontroversen glauben“ oder irgendetwas anderes, das ebenso selbstwidersprüchlich und absurd ist? Wollt ihr Christen sein, aber nicht von der Sorte, die es mit dem Christsein übertreiben? Werdet ihr euch kalt distanzieren, während Gottes Volk im In- und Ausland gegen die Tyrannei über die Kirche kämpft? Werdet ihr euch herausreden, indem ihr mit Fingern auf die persönlichen Unzulänglichkeiten derer zeigt, die schon für den Glauben kämpfen? Habt ihr vor, in eurem Zeugnis nach außen Christus so lange untreu zu sein, bis ihr in eurer eigenen Seele alles in Ordnung gebracht habt? Seid versichert, dass ihr mit dieser Strategie dieses Ziel niemals erreichen werdet. Bezeugt mutig die Wahrheit, die ihr bereits verstanden habt, und euch wird mehr gegeben werden. Aber macht gemeinsame Sache mit denen, die das Evangelium Christi leugnen oder missachten, und der Feind wird für immer in eurem Leben wüten.

Bullinger: Ganze Bibelbücher predigen

Heinrich Bullinger schreibt über den Wert der fortlaufenden Bibelauslegung (Schriften V, 2006, S. 186):

Aus den Schriften der alten Bischöfe geht hervor, dass es in jener alten, glückseligen und gottgefälligen Kirche Brauch war, den Gemeinden nicht nur einzelne Teile oder ausgewählte Stellen der biblischen Bücher, sondern ganze Bücher des Neuen und des Alten Testaments auszulegen. Und daraus ist für die Kirchen kein geringer Nutzen erwachsen. So machen wir auch heute noch die Erfahrung, dass die Gemeinden nicht besser unterrichtet und nicht stärker bewegt werden können als durch die Worte Gottes selbst und durch eine zuverlässige Auslegung der Bücher des Evangeliums, des Gesetzes, der Propheten und der Apostel.

An dieser Stelle will ich nebenbei daran erinnern, dass eine Auslegung der Heiligen Schrift nicht dem Verlangen entspringt, sich irgendetwas auszudenken und die Schriften hin und her zu biegen, sondern dass sie ein erfurchtsvolles Vergleichen der Heiligen Schriften und eine besondere Gabe des Heiligen Geistes ist. Denn der heilige Petrus hat gesagt (2 Petr 1,20): »Keine Weissagung der Schrift kommt durch der Propheten eigene Deutung zustande.« Deshalb hat niemand die Vollmacht, die Heiligen Schriften nach seinem eigenen Gutdünken auszulegen. Die bessere Auslegung ist auch nicht von einer Mehrheit abhängig, als ob eine bessere Auslegung die sei, der eine Mehrheit zustimmt.

Die Sekte der „Calviner“

41cNA6OeA8LAbraham Kuyper sagte in seiner Vorlesung über den Calvinismus (Calvinismus: Die Stone Lectures von 1898, 2021, S. 25–26):

Am häufigsten wird der Name Calvinist heutzutage noch angewandt als Bezeichnung für eine Sekte, nicht in protestantischen, aber in römischen Ländern, besonders in Ungarn und Frankreich. In Ungarn zählt die reformierte Kirche noch zweieinhalb Millionen Seelen, die von römischer Seite und in der jüdischen Presse beständig mit dem nicht offiziellen Namen „Calviner“ gebrandmarkt werden, ein nicht gerade liebenswürdig gemeinter Name, der auf die Glieder der reformierten Kirche dort auch dann angewandt wird, wenn sie die letzte Sympathie für den Glauben ihrer Väter bereits vollständig abgeschüttelt haben. Und auf dieselbe Erscheinung stößt man in Frankreich, vor allem in Südfrankreich, wo „Calvinistes“ ebenso und stärker noch ein Brandmal für Sektierer ist, wobei niemand mehr fragt, was der Gebrandmarkte persönlich glaubt oder bekennt, das vielmehr einem jeden aufgedrückt wird, der sich der „eglise reformee“ angeschlossen hat, auch wenn er Atheist geworden ist. Georges Thiebaud [1855–1915], bekannt durch seinen Antisemitismus, hat zugleich den Anticalvinismus wieder ins Leben gerufen, und bis in die Dreyfus-Affäre [1894ff.] hinein hat man „Juden und Calvinisten“ als die zwei antinationalen Mächte der Macht des „esprit gaulois“ gegenübergestellt. Dieser Gebrauch von „Calvinist“ als Sektenname stammt von den römischen Polemikern, die von Anfang an gewohnt waren, die in ihren Augen gefährlichste Form des Protestantismus unter dieser gehässigen Bezeichnung zu bekämpfen. Für die Kenntnis und Würdigung des Calvinismus dagegen ist diese erste Bedeutung des Namens „Calvinist“ nicht von der mindesten Bedeutung, da sie rein formal und äußerlich ist, ohne Rücksicht auf irgendein geistliches Bekenntnis.

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Bullinger: Dürfen Christen einen Arzt aufsuchen?

Heinrich Bullinger schreibt über die Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe in seiner Unterweisung für den Umgang mit kranken und sterbenden Menschen (Schriften I, 2004, S. 115–117):

Es gibt viele Menschen, die sich so sehr dem Willen Gottes hingeben wollen, dass sie darüber alle Ärzte und Medikamente verachten und sich selbst dadurch des Öfteren vernachlässigen.

Sie sagen nämlich: »Ich habe mich nun einmal Gott hingegeben, er muss mein Arzt sein, und ich will von keinem Menschen Rat oder Medikamente annehmen.« Diese Menschen handeln zwar nicht falsch, wenn sie sich Gott vertrauensvoll ergeben. Dass sie jedoch nicht erkennen, wie Gott an allen seinen Geschöpfen durch angemessene natürliche Mittel handelt, ist ein Fehler und Missverständnis. Wir reden hier aber nicht von Wundern und Zeichen, sondern vom üblichen Lauf der Natur, wie ihn Gott eingepflanzt und erschaffen hat. Gott könnte alle Welt auf wundersame Weise speisen, wie er im Evangelium fünftausend Mann mit fünf Broten und danach viertausend mit sieben Broten speiste (vgl. Mt 14,13–21; 15,32–39). Aber er hat den Ackerbau eingesetzt, um die Welt zu ernähren. Wer nun sagen wollte: »Ich habe mich Gott hingegeben, der wird mich wohl speisen, ich muss weder säen noch ernten«, der würde nicht nur der Ordnung Gottes widersprechen und ihr zuwiderhandeln, sondern Gott versuchen. Ebenso hätte Gott das Rote Meer in einem Augenblick ohne Mitwirkung anderer Naturgewalten zerteilen können. Er ließ aber die ganze Nacht hindurch einen starken Wind wehen, um seinem Volk den Weg zu bereiten (vgl. Ex 14,21). Genauso könnte Gott auch in einem Augenblick alle Krankheiten über den Menschen ausschütten und sie in einem anderen Augenblick wieder von den Menschen fortnehmen. Gott verwendet aber passende Mittel und schickt den Menschen die Krankheiten durch schlechte und verdorbene Luft, durch Speise und Trank sowie durch Magenbeschwerden. Entsprechend nimmt er die Krankheiten durch Arzneien auch auf angemessene und natürliche Weise hinweg. Denn es kann doch niemand leugnen, dass Gott den Wurzeln und Kräutern eine besondere Kraft und Wirkung verliehen hat. Mein Lieber, warum sollte also niemand mehr als Arzt tätig sein?

Gott wollte König Hiskia von den Geschwüren der Beulenpest heilen und befahl ihm, Arznei für den Körper zu nehmen (vgl. Jes 38,21). Und der heilige König war nicht so ungefügig und widerspenstig, dass er geredet hätte: »Will Gott mich heilen, so kann er es wohl, was sollten da die Feigen auf dem Geschwür nützen?« Denn es steht im zweiten Buch der Könige, Kapitel 20, geschrieben [2Kön 20,7]: »Und Jesaja sprach: Bringt ein Feigenpflaster her. Und als sie es brachten, legten sie es auf das Geschwür, und er wurde gesund.«

John Stott würde wollen, dass wir innehalten, studieren und streiten

John W. Yates hat  zum 100. Geburtstag ein Porträt von John Stott bei CT veröffentlicht und dabei seinen Willen zur Gemeinschaft herausgestellt:

John war ein schüchterner und emotional zurückhaltender Engländer, aber er war äußerst großzügig in der Freundschaft. Er hatte eine besondere Sorge für die Unterbemittelten und Unterprivilegierten und eine bleibende Zuneigung für junge Christen. Er würde mit einem Studenten aus Burundi genauso schnell einen monatelangen Briefwechsel führen wie mit dem Erzbischof von Kenia.

Und er pflegte diese Freundschaften über Jahre hinweg und freute sich, wenn sie auf die nächste Generation übersprangen. Das war die Geschichte meiner eigenen Beziehung zu John, den ich zum ersten Mal kennenlernte, als ich ein kleiner Junge war und er ein häufiger Gastprediger in der Kirche meines Vaters.

Johns Fähigkeit zur Führung war außergewöhnlich. Die Auswirkungen seiner Arbeit sind heute auf der ganzen Welt zu spüren und werden noch viele Jahrzehnte lang zu spüren sein. Sein Einfluss reicht jedoch weit über die von ihm gegründeten Institutionen und die von ihm geprägten Bewegungen hinaus. Er zeigt sich am stärksten in den Beziehungen, die er förderte.

Während dieser langen Zeit der Isolation und Trennung, die durch die Pandemie verursacht wurde, habe ich oft an Onkel Johns Fähigkeit zu persönlichen Beziehungen und sein unermüdliches Engagement für alle Arten von Menschen gedacht, unabhängig von sozialen, kulturellen oder rassischen Schranken. Durch seine Großzügigkeit und Standhaftigkeit in der Freundschaft schuf er um sich herum eine dichte Gemeinschaft von erstaunlich unterschiedlichen Menschen, die in der Gnade Christi verwurzelt sind. Es ist ein wunderbares Bild dafür, was die Kirche für ein Welt, die von Spaltung und Gleichgültigkeit geplagt ist, sein kann.

Mehr: www.christianitytoday.com.

John Bunyan: Wahre Gottesfurcht bewirkt Demut

41 h7jCWTZL SX309 BO1 204 203 200Der Prediger John Bunyan schreibt in seinem Buch Gottesfurcht (Herold, 2020, S. 101–102):

Als der Apostel Paulus die römischen Christen vor dem Gift des Stolzes warnte, führte er ihnen die Gottesfurcht als Gegengift vor Augen: „Sei nicht hochmütig, sondern fürchte dich!“ (Röm 11,20). Stolz oder Hochmut ist eine besonders verachtenswerte Sünde. Es war diese Sünde, die Satan zu Fall brachte, und die auch zum Fall des Menschen führte (vgl. 1.Tim 3,6). Ich würde sagen, dass Stolz die Ursünde und damit eine sehr tödliche Sünde ist. Aber gegen diese tödliche Sünde hat Gott eben ein Gegenmittel: die Demut. Über dieses anmutige Kleidungsstück sagt der Apostel: „Umkleidet euch mit Demut im Umgang miteinander!“ (1.Petr 5,5). Die Frage ist jetzt allerdings, wie wir diese Demut erhalten. Darauf antwortet der Apostel: durch die Gottesfurcht! „Sei nicht hochmütig, sondern fürchte dich!“ Das bedeutet: Fürchte dich vor dir selbst und sei ständig darum besorgt, dass dein böses Herz nicht in die Falle des Teufels gerät, und er daraus einen Vorteil ziehen könnte. Fürchte dich, damit du nicht vergisst, was du von Natur aus bist. Vergiss nicht, wie sehr du fortwährend die Vergebung und Unterstützung des Heiligen Geistes benötigst, damit du nicht stolz über deine eigenen Fähigkeiten wirst und vergisst, was du alles von Gott empfangen hast. Fürchte Gott, das wird dich in deinen eigenen Augen klein machen und dich demütig halten und dich dahin bringen, dass du Gott um Barmherzigkeit anflehst. Die Gottesfurcht wird auch bewirken, dass du niedrig über dich selbst denkst und deinen Nächsten höher achtest als dich selbst. Auf diese Weise wirst du demütig wandeln und fortwährend von Gott gelehrt werden. „Er leitet die Sanftmütigen im Recht und lehrt die Sanftmütigen seinen Weg“ (Ps 25,9).

Die Gottesfurcht bewirkt diese wundervolle Demut. Aber sie bewirkt nicht nur Demut, sondern sie bewahrt sie auch. Wenn ein Mensch Gott im Glauben fürchtet, nimmt ihm dies sein Vertrauen auf sich selbst und bewirkt, dass er alle Hilfe und Weisheit von Gott erbittet und bereitwillig auf seinen Rat hört.

Das Buch kann direkt beim Herold Verlag bestellt werden: herold-mission.com.

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