„Homosexuelle Ehe“ als kulturelle Revolution

Ich wünschte mir, solche klaren Aussagen mal im Raum des europäischen Protestantismus zu hören. Da kommt aber fast nichts, weil man die Macht des Zeitgeistes fürchtet. So lass ich eben einen katholischen Theologen zu Wort kommen. Joseph Ratzinger, bekannt als Papst Benedikt XVI, erhebt seine Stimme gegen die „Ehe für alle“ (Die Tagespost, 30.09.2021, Nr. 39, S. 25): 

Mit der Legalisierung der „homosexuellen Ehe“ in 16 Staaten Europas hat das Thema Ehe und Familie eine neue Dimension angenommen, an der man nicht vorbeigehen kann. Es zeigt sich eine Verbildung des Gewissens, die offenbar tief in die Kreise des katholischen Volkes hineinreicht. Darauf kann man nicht mit ein paar kleinen Moralismen antworten und auch nicht mit ein paar exegetischen Hinweisen. Das Problem geht tief und muss daher grundsätzlich bedacht werden.

Zunächst scheint es mir wichtig festzustellen, dass der Begriff einer „homosexuellen Ehe“ im Widerspruch zu allen bisherigen Kulturen der Menschheit steht, also eine kulturelle Revolution bedeutet, die sich der gesamten bisherigen Tradition der Menschheit entgegensetzt. Zweifellos ist die rechtliche und moralische Konzeption von Ehe und Familie in den Kulturen der Welt außerordentlich verschieden. Nicht nur der Unterschied zwischen Monogamie und Polygamie, sondern auch andere weitreichende Unterschiede sind festzustellen. Dennoch ist die Grundgemeinschaft nie in Zweifel gezogen worden, dass die Existenz des Menschen in der Weise von Mann und Frau auf Fortpflanzung hingeordnet ist und dass die Gemeinschaft von Mann und Frau und die Offenheit für die Weitergabe des Lebens das Wesen dessen ausmachen, was man Ehe nennt. Die Grundgewissheit, dass der Mensch als Mann und Frau existiert, dass die Weitergabe des Lebens dem Menschen aufgegeben ist und dass eben die Gemeinschaft von Mann und Frau dieser Aufgabe dient und dass darin wesentlich über alle Unterschiede hinweg die Ehe besteht, ist eine Urgewissheit, die in der Menschheit bis heute als Selbstverständlichkeit existiert.

So wird aber sichtbar, dass es bei der Frage der „homosexuellen Ehe“ nicht um etwas mehr Großzügigkeit und Offenheit geht, sondern die Grundfrage ist: Wer ist der Mensch? Damit geht es auch um die Frage: Gibt es einen Schöpfer, oder sind wir alle nur gemachte Produkte? Es steht die Alternative auf: Der Mensch als Geschöpf Gottes, als Bild Gottes, als Geschenk Gottes oder der Mensch als Produkt, das er selber herzustellen weiß. Wo der Schöpfungsgedanke preisgegeben wird, ist die Größe des Menschen preisgegeben, seine Unverfügbarkeit und seine alle Planungen übersteigende Würde.

Den vollständigen Text gibt es hier: www.die-tagespost.de.

Kirche wird wegen finanzieller Privilegien weltlicher

Martin Grichting analysiert die Lage der Katholischen Kirche in Deutschland und macht dabei feine Beobachtungen, die sich durchaus auf die Evangelische Kirche in unserem Land übertragen lassen. Es geht um die Frage: Warum ist gerade die Kirche in Deutschland so zeitgeistaffin? Grichtings Antwort: Die Kirche geht ein Bündnis mit der säkularisierten Gesellschaft ein, um von den Steuereinnahmen zu profitieren.

Hier der konservative Priester im O-Ton:

[Die zeitgenössische Kirche] bindet sich durch das Festhalten an der Kirchensteuer an die Entwicklung eines post-christlichen Staates sowie an dessen Sozialsystem. Dadurch ist sie gezwungen, sich immer weiter zu säkularisieren. Als Vehikel dazu dient derzeit der „Synodale Weg“. Dabei ist bereits jetzt erkennbar, dass die Kirche als Verbündeter des Staates immer entbehrlicher wird.

Was sie sozial leistet, ist schon heute weitgehend säkularisiert. Es kann am Tag, an dem die Kirche als (sozial-)politischer Bundesgenosse definitiv überflüssig wird, mühelos aus der Konkursmasse geschnitten und unter staatlicher Regie weitergeführt werden. Zurückbleiben wird eine nicht nur arme, sondern eine geistlich und theologisch entkernte Kirche.

Die Bischöfe, die riesigen Apparaten vorstehen und für zahlreiche Mitarbeiter Verantwortung tragen, sind nicht zu beneiden. Sie wollen verständlicherweise im Urteil der Geschichte nicht als diejenigen erscheinen, die dem System den Stecker gezogen haben. Da ist ihnen ‒ wie schon vor 200 Jahren ‒ der Status als Opfer der politischen Gewalt angenehmer.

Gleichwohl wäre es für die Kirche heilsam, wenn sie ein Wort von Kardinal Emmanuel Suhard (gestorben 1949) meditieren würden: „Die Kirche fürchtet Nero weniger als Konstantin.“ Sie fürchtet ‒ wenn sie geistlich gesund ist ‒ denjenigen weniger, welcher sie verfolgt, als denjenigen, welcher sie zur Herrschaft führt, um sie zu beherrschen. Noch ist es nicht zu spät, aus dieser Einsicht die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Gewiss ist das nur eine Ursache für die Verweltlichung der Kirche. Das sehen wir ja etwa an den Kirchen in den USA oder eben auch an den Freikirchen in Deutschland, die ähnliche Prozesse durchleben, ohne von der Kirchensteuer abhängig zu sein. Aber ja: Verführung ist für die Gemeinde Jesu verfänglicher als Verfolgung. Indem, was Kardinal Emmanuel Suhard da gesagt hat, liegt viel Weisheit. 

 Hier mehr (allerdings hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.

Mehrheit will weiterhin Gottesdienste online feiern

Wenn ich lese, dass Kirchengemeinden an digitalen Gottesdiensten so großen Gefallen finden, dann frage ich mich, was die Leute unter einem christlichen Gottesdienst verstehen. Das sieht meiner Meinung nach nicht nach einem Erfolgskonzept aus, sondern nach einer Selbstaufgabe. 

Die Nachrichtenagentur idea meldet

Nach Ansicht des EKD-Ratsvorsitzenden, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), ist an vielen Orten nach den Corona-Beschränkungen „eine Stärkung des Gottesdienstes“ und „zeitgleich ein Aufbruch von innen“ zu erkennen. Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter hätten in der Krise neu wahrgenommen, was sich die Menschen erhoffen. „Dazu zählt eine Kirche, die nah dran ist an den Sorgen der Menschen, die in Notlagen ein offenes Ohr hat und neben handfester Unterstützung auch Kraftorte für die Seele bietet“, so Bedford-Strohm. Dies dürfe nicht mehr verloren gehen.

Ähnlich äußerte sich der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel (Düsseldorf). Kirchen und Gemeinden hätten in den letzten anderthalb Jahren mutig neue Wege beschritten, so Latzel. Die meisten Befragten wünschten sich einen digitalen Gottesdienst aus ihrer Gemeinde. Die Ergebnisse hätten gezeigt: „Es gibt für uns keinen Weg zurück in die Vor-Corona-Zeit.“

Die Entwicklung digitaler Gottesdienste sei ein „Musterbeispiel für nachhaltige lokale Digitalisierung“, so der Kommunikationswissenschaftler Holger Sievert von der Hochschule Macromedia in Köln. Er leitete die Midi-Studie. „Zwar ist es den Kirchen nur wenig gelungen, sich neue Dialoggruppen zu erschließen, doch haben die bestehenden quer durch alle Altersschichten diese neue Form der Teilhabe an Kirche für sich als zusätzliche Option entdeckt und möchten sie weiterleben“, so Sievert. Jetzt sei es wichtig, mit entsprechenden Angeboten „am Ball zu bleiben“, so der Kommunikationsexperte.

Gott hat keine rein digitale Kirche geschaffen. Die Feier des Gottesdienst mit Leib und Seele vor Ort sollte selbstverständlich sein, wo immer das möglich ist. Ich empfehle das nachfolgende Video und das dazugehörende Buch:

Eins in Christus?

51aevid+XaL SX351 BO1 204 203 200Über 500 Jahre nach dem Beginn der Reformation trennen Protestanten und Katholiken noch immer enorme Unterschiede. Dennoch bestehen einige Vertreter beider Seiten darauf, dass die beiden Traditionen zusammenarbeiten und dass die Spaltungen endlich überwunden werden können. Viele evangelikale Christen sind unschlüssig. Wo sollte die Grenze gezogen werden?

In dem Buch Eins in Christus? bezieht R.C. Sproul Stellung für die Grundlehren des Protestantismus, die in vielen Bereichen im Gegensatz zu den Lehren der römisch-katholischen Kirche stehen. Der Autor zitiert die historischen Aussagen der protestantischen Reformatoren und der römisch-katholischen Autoritäten und verweist dann auf moderne Lehraussagen, um zu zeigen, dass die römisch-katholische Kirche ihre offiziellen Positionen bisher nicht geändert hat.

Michael Horton schreibt in seinem Vorwort:

Diese Abkehr vom Wort Gottes ist heute in evangelikalen Kreisen, wo die wesentlichen Elemente der Reformation mit Leidenschaft verteidigt und verkündet wurden, offensichtlich. Laut einiger Studien wissen amerikanische Evangelikale im Allgemeinen nicht, was sie glauben und warum sie es glauben. Folglich teilen viele die gesellschaftliche Meinung, dass der Mensch gut sei und haben einen unzureichenden Blick auf die Notwendigkeit der rettenden Gnade Gottes in Jesus Christus. Gemäß diesen Berichten glauben die meisten Evangelikalen, dass wir gerettet werden, indem wir gut sind und dass es außer dem expliziten Glauben an Jesus Christus viele Wege der Errettung gebe.

Wenn also die Frage der Reformation – „Wie finde ich einen gnädigen Gott?“ – nicht mehr relevant ist, dann ist das Christentum nicht mehr relevant. Und wenn der evangelikale Protestantismus seinen Bezugsrahmen für die Beantwortung dieser Frage verloren hat, ergibt es Sinn, dass die lehrmäßigen Trennungen der Reformation irrelevant erscheinen, wenn es so viel zu tun gibt, um gemeinsam unsere Welt zu verändern.

Das Buch wurde vom Verlag für Theologie und Religionswissenschaft in deutscher Sprache herausgegeben.

Nochmal: Glauben, lieben, hoffen

Glauben. Lieben. Hoffen heißt das neues Buch, das derzeit für Diskussionen sorgt. Eine Besprechung von Markus Till wurde hier im TheoBlog.de bereits gepostet. Das Buch ist deshalb so brisant, weil es einige grundlegende christliche Überzeugungen in Frage stellt und Pastoren des EFG- und FEG-Bundes daran mitgewirkt haben. Worum geht es genau und was zu tun ist, besprechen die Pastoren Matthias Mockler und Matthias Lohmann im nachfolgenden Pastoren-Podcast:

Schule der Heiligung

E.H. Peterson schreibt (A Long Obedience in the Same Direction: Discipleship in an Instant Society, 2019, S. 12):

In einer [Instantgesellschaft wie der unseren] ist es nicht schwer, einen Menschen für die Botschaft des Evangeliums zu interessieren; es ist aber immens schwierig, das Interesse aufrechtzuerhalten. Millionen von Menschen in unserer Kultur entscheiden sich für Christus, aber es gibt eine erschreckend hohe Fluktuationsrate. Viele behaupten, wiedergeboren worden zu sein, aber die Beweise für eine reife christliche Nachfolge sind dürftig. In unserer Kultur lässt sich alles gut verkaufen, sogar Neuigkeiten über Gott, wenn sie frisch verpackt werden. Aber wenn sie ihre Attraktivität verlieren, landen sie auf dem Müllhaufen. In unserer Welt gibt es einen großen Markt für religiöse Erfahrungen; es gibt jedoch wenig Begeisterung für das geduldige Erlernen von Tugenden, wenig Bereitschaft, sich für eine lange Lernphase in dem zu entscheiden, was frühere Generationen von Christen Heiligung nannten.

Glauben, lieben, hoffen – aber was?

41beW3kzeML SX359 BO1 204 203 200Das Buch glauben lieben hoffen: Grundfragen des christlichen Glaubens verständlich erklärt erhebt den Anspruch, den christlichen Glauben auf eine solide Grundlage zu stellen. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Das Buch, an dem viele freikirchliche Pastoren mitgewirkt haben, dekonstruiert den evangelischen Glauben und führt die Zielgruppe der jugendlichen Leser sanft hinein in die Denkvoraussetzungen liberaler Theologie.

Markus Till schreibt in seiner Buchbesprechung:

Früher ging ich in meine christliche Buchhandlung, weil ich mir sicher war, dort auf inspirierende evangelikale Alternativen zu Leuten wie Sölle und zur universitären Theologie zu treffen. Heute wird in meiner christlichen Buchhandlung ein Buch präsentiert, das Werbung für universitäre Theologie und Dorothee Sölle macht. Aber wenn das jetzt so prominent in meiner Buchhandlung ausliegt: Muss ich dann nicht davon ausgehen, dass dieses Gedankengut, dem ich in keiner Weise folgen kann, jetzt auch überall in der evangelikalen Welt kursiert?

Ich kann im Moment jedenfalls nicht anders als zu schlussfolgern: Damit ist dann wohl die missionarische Erfolgsgeschichte einer evangelikalen Bewegung, die Differenzen in den Randfragen aushalten konnte, weil sie in den wesentlichen Kernfragen übereingestimmt hat, Geschichte. Ich hoffe, ich täusche mich. Ich würde mich riesig freuen. Ja, ich weiß: Jesus hat alles unter Kontrolle. ER wird seine Kirche trotz aller Rückschläge bauen. Ich weiß: Ich soll mir keine Sorgen machen, Hoffnung verbreiten und zuversichtlich in die Zukunft schauen, weil Jesus ganz sicher zu seinem Ziel kommen wird. Morgen werde ich all das wieder tun. Aber heute trauere ich, dass ein weiteres Stück meiner evangelikalen Heimat verloren geht und damit auch eine Segensgeschichte abzubrechen droht, von der ich selbst so sehr profitiert habe.

Hier: glauben-lieben-hoffen-aber-was-210910.pdf.

Wuppertaler Studienbibel für Logos

Landingpage Wuppertaler Digitale AusgabeFür die Bibel-Software Logos erscheint Kommentarreihe Wuppertaler Studienbibel demnächst digital. Die Wertschätzung der Bibel, geistliche Tiefe und Glaubensverwurzelung der Autoren macht das Werk nach wie vor zu einem hilfreichen Arbeitsmittel.

Mehr Informationen und eine Möglichkeit zur kostengünstigeren Vorbestellung gibt es hier: deutsch.logos.com.

Pascal: Was der Tod in Jesus Christus ist

Blaise Pascal schreibt über das Opfer von Jesus Christus (Briefe I: Die private Korrespondenz, 2015, S. 56–57):

Um zu betrachten, was der Tod ist, und vor allem, was der Tod in Jesus Christus ist, muss man erkennen, welche Stellung er in seinem immerwährenden und ununterbrochenen Opfer einnimmt, und hierfür muss man bemerken, dass der wichtigste Teil der Opferungen im Tod des Opfers besteht. Die Darbringung und die Weihe, die vorausgehen, sind Vorbereitungen; die eigentliche Vollendung aber ist der Tod, mit dem das Geschöpf durch die Auslöschung des Lebens Gott die größte Huldigung erweist, deren es fähig ist, indem es vor den Augen seiner Majestät ins Nichts zurücksinkt und dessen höchstes Wesen anbetet, das allein wirklich existiert. Allerdings gibt es nach dem Tod des Opfers noch einen anderen Teil, ohne den dessen Tod unnütz ist: die Annahme des Opfers durch Gott. Das wird in der Heiligen Schrift gesagt [Gn 8,21]: Et odoratus est Dominus suavitatem. »Und der Herr hat den lieblichen Duft des Opfers gerochen.« Damit wird die Darbringung wahrhaft gekrönt; doch dies ist eher eine Handlung Gottes auf das Geschöpf hin als eine Handlung des Geschöpfes auf Gott hin, und es verhindert nicht, dass der Tod die letzte Handlung des Geschöpfes ist.

All diese Dinge haben sich in Jesus Christus erfüllt.194 Als er in die Welt kam, hat er sich dargebracht [Hebr 9,14; 10,5,7]: Obtulit semetipsum per Spiritum sanctum. Ingrediens mundum, dixit: Hostiam noluisti … Tune dixi: Ecce venio. In capite usw. Er hat sich durch den Heiligen Geist dargebracht. Als er in die Welt kam, hat er gesagt: »Herr, die Opfer sind dir nicht angenehm; aber den Leib hast du mir bereitet.« Da sagte ich: »Siehe, ich komme. Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz habe ich in meinem Herzen.« Das war seine Darbringung. Seine Weihe folgte unmittelbar darauf. Dieses Opfer dauerte sein ganzes Leben und wurde durch seinen Tod vollendet. Er musste die Leiden ertragen, um zu seiner Herrlichkeit einzugehen [Lk 24,26]. Und obwohl er Gottes Sohn war, musste er den Gehorsam lernen. Aber er, der in den Tagen seines Fleisches mit lautem Geschrei den anrief, der ihn vom Tode erretten konnte, ist erhört worden um seiner Frömmigkeit willen [Hebr 5,7]. Gott hat ihn von den Toten auferweckt und seine Herrlichkeit, die früher durch das vom Himmel auf die Opfer niederfallende Feuer versinnbildlicht wurde, entsandt, um seinen Leib zu verbrennen und zu verzehren und ihm das geistige Leben der Herrlichkeit zu geben. Das hat Jesus Christus erlangt, und es wurde durch seine Auferstehung vollendet.

Kanadische Schulen verbrennen Asterix und Co

Radio Canada hat berichtet, dass eine Schulbehörde in Windsor im kanadischen Ontario bereits im Jahr 2019  knapp 5.000 Bücher und Lexika mit vermeintlich rassistischem Gedankengut verbrennen oder recyceln lassen. All das sei innerhalb der regulären Unterrichtszeit und in der ausdrücklichen Absicht, sich hierdurch mit den kanadischen Ureinwohnern zu versöhnen, geschehen. Die Tagespost schreibt: 

Das Unfassbare: Nicht die Schriften von tatsächlichen Rassisten und Antisemiten wie Adolf Hitler, Alfred Rosenberg oder Houston Stewart Chamberlain hatten die rund 30 französischsprachigen Schulen, die sich an der Bücherverbrennungsaktion beteiligten, auf dem Kieker. Stattdessen gehörten zu den vor rund zwei Jahren den Flammen übergebenden Schriften Comics wie „Asterix und die Indianer“, der Tim-und-Struppi-Comic„Tim in Amerika“ und sogar „Pocahontas“. Auch drei Comics der berühmten „Lucky-Luke“-Westerncomics fanden keine Gnade vor den woken Aktivisten und gingen in Flammen auf.

Wie „Radio Canada“ ebenfalls herausfand, soll die Bücherverbrennung von den kanadischen Wokisten in einem richtigen Ritual, einer „Reinigungszeremonie durch Flammen“, begangen worden sein, die befremdlich an finstere Kapitel der menschlichen Geistesgeschichte erinnern soll.  Zudem wurde die „Zeremonie“ von einer Aktivistin per Video festgehalten und sollte als Vorbild für weitere Bücherverbrennungen im Geiste der Wokeness dienen – nur die Coronapandemie und die Furcht vor starken Reaktionen in der Öffentlichkeit verhinderten dies.

Mehr: www.die-tagespost.de.

Warum Peter Boghossian seine Universität verlässt

Jahrelang hat der Philosoph Peter Boghossian gegen zunehmende Denkverbote an der Portland State University gekämpft. Nun hat er gekündigt und seinen Schritt in einem Offenen Brief beantwortet. DIE WELT hat die Brief in deutscher Sprache veröffentlicht.

Hier ein Auszug:

Den Studenten an der Portland State University wird nicht beigebracht, zu denken. Sie sollen vielmehr die moralische Gewissheit von Ideologen nachahmen. Fakultät und Verwaltung haben den Auftrag der Universität, nach Wahrheit zu suchen, aufgegeben und fördern stattdessen die Intoleranz gegenüber abweichenden Überzeugungen und Meinungen. Hier ist eine Kultur der Beleidigung entstanden, in der Studenten nun Angst haben, offen und ehrlich zu sprechen.

Ich habe während meiner Zeit an der Portland State University schon früh Anzeichen für einen Illiberalismus gesehen, der die Hochschule mittlerweile völlig vereinnahmt hat. Ich habe Studenten erlebt, die sich weigerten, sich mit anderen Standpunkten auseinanderzusetzen. Fragen von Dozenten bei Diversity-Trainings, die anerkannte Narrative in Frage stellten, wurden sofort abgelehnt. Diejenigen, die Beweise zur Rechtfertigung neuer institutioneller Maßnahmen forderten, wurden der Mikroaggression beschuldigt. Und Professoren wurden der Scheinheiligkeit beschuldigt, wenn sie mit kanonischen Texten arbeiteten, die zufällig von europäischen und männlichen Philosophen stammten.

Mehr hier (allerdings hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.

Ratschläge zur Diskussionskultur in den Sozialen Medien

Auf Facebook, Twitter und in Foren werden auch christliche Kommentatoren oft ausfällig. Heiligt der Zweck die Mittel? Und was hilft uns, um hier integer zu bleiben? In diesem kurzen Video gebe ich sieben Ratschläge.

P.S. In dem Video spreche ich davon, dass die sogenannte „Goldene Regel“ in allen Evangelien vorkommt. Matthias G. hat mich freundlicherweise darauf hingewiesen, dass die Goldene Regel nur bei Matthäus und Lukas vorkommt (Lk 6,31 u Mt 7,12), was natürlich stimmt.

Logos: Das Theologische Wörterbuch zum Neuen Testament jetzt vorbestellen

154149Für Exegeten gibt es eine gute Nachricht. Das Theologische Wörterbuch zum Neuen Testament (ThWNT), er sogenannte „Kittel“, wird am 9. September 2021 in einer digitalen Ausgabe für das Bibel-Programm Logos ausgeliefert.

Das Theologische Wörterbuch zum Neuen Testament ist ein grundlegendes Werk für die Exegese des Neuen Testaments. Es gilt als ein exegetisches Jahrhundertwerk, dessen Fertigstellung mehr als 45 Jahre in Anspruch nahm. Begründet von Gerhard Kittel, unternimmt dieses Wörterbuch den monumentalen Versuch, den Gebrauch und die Bedeutung aller religiös oder theologisch bedeutsamen Vokabeln im Neuen Testament erschöpfend zu analysieren.

Diesen Anspruch konnte das Theologische Wörterbuch in weiten Teilen erfüllen. Etliche der über 2300 Artikel sind wichtige Forschungsbeiträge. Die Einträge befassen sich typischerweise mit dem säkularen Hintergrund eines Begriffs, seiner Verwendung im Alten Testament und in außerbiblischer jüdischer Literatur, sowie mit seinem Gebrauch im Neuen Testament. Dazu kommen umfassende Bibliographien und Fußnoten. Für Logos wurde der „Kittel“ aufwendig digitalisiert.

Das Werk wird regulär 399,99 US-Dollar kosten. Wer es vor jetzt sofort vorbestellt, erhält das Theologische Wörterbuch zum Neuen Testament für 299,99 US-Dollar.

Hier: de.logos.com.

Gendern oder gleichwertig?

Beim Gendern werden grammatisches und biologisches Geschlecht in naiver Weise gleichgesetzt, meint die Linguistin Heide Wegener in ihrem fulminanten FAZ-Beitrag „Gendern oder gleichwertig?“ (02.09.2021, Nr. 203, S. 6). Hier zwei Auszüge:

Wer gendert, nimmt eine naive und falsche Gleichsetzung von grammatischem Genus und biologischem Geschlecht vor. Diese Gleichsetzung wird schon durch „Ärzte ohne Grenzen“ widerlegt, bei dem niemand an einen Männerverein denkt. Und die Frage „Wer leidet mehr unter Corona, Schauspieler oder Sänger?“ bezieht sich nicht nur auf Männer. Wir nennen ein freches Kind ein Gör oder eine Göre, einen merkwürdigen Menschen einen Typ oder eine Type, das grammatische Genus dieser Wörter spielt keine Rolle.

Seit Jahrhunderten, vermutlich seit Bestehen der deutschen Sprache, werden die Grundformen auch geschlechtsübergreifend verwendet. So werden sie z. B. im Nibelungenlied gebraucht, in der Szene, „wie Prünhilt in Worms empfangen wurde“. Da reiten die Burgunden den Isländern entgegen, dass Frauen dabei waren, geht aus dem Text hervor: die Frauen Prünhilts werden mehrfach erwähnt, die der Gastgeber sogar mit Zahlenangaben: 86 Frauen und 54 schöne Mädchen begleiten Kriemhilt, die Prünhilt mit den Worten begrüßt: „Ihr sollt in Burgund mir und . . . allen unseren Freunden willkommen sein.“ Es gibt keinen Grund anzunehmen, der Dichter habe mit „Burgunden, Isländer und Freunde“ nur Männer gemeint.

Man kann gespannt sein, wie lange es dauert, bis Gendern auch in Deutschland überwunden ist, bis Frauen und Männer sprachlich gleich behandelt werden. Es könnte noch dauern, weil den Genderformen durch Leitfäden von Unis und Behörden „nachgeholfen“ wird. Ein Verbot würde die Opferfeministen aber nur noch bestärken, es ist auch gar nicht nötig: Genderdeutsch erledigt sich genau wie die oben erwähnten Mittel sexistischer Hervorhebung oder auch das Pronomen frau, das völlig untergegangen ist, von allein. Den Genderern, die jetzt mit geradezu missionarischem Eifer Druck ausüben, wird es nicht leichtfallen zuzugeben, dass sie eine sexistische Sprache entwickelt haben und dass sie anderen in der Entwicklung einer diskriminierungsfreien Sprache hinterherhinken. Schließlich müssen all die Leitfäden umgeschrieben werden.

Das Ende des christlichen Lebens

41xoGjt6HnL SX331 BO1 204 203 200Billings hat an der Harvard University Divinity School (USA) im Fach Theologie promoviert. Er ist sowohl Professor für Reformierte Theologie am Western Theological Seminary (USA) als auch Krebspatient im Endstadium. Sein Buch über die Gemeinschaft mit Christus ist sehr hilfreich. Nun hat er ein Buch über das Sterben geschrieben. In einer Besprechung schreibt Matt Boga:

Wo es früher die Norm war, dass man Friedhöfe am Weg zum Kircheneingang gelegen fand, ist das heutzutage leider kaum noch der Fall. Dadurch werden Gottesdienstbesucher, die zur Kirche kommen oder sie verlassen, nicht mehr automatisch damit konfrontiert, dass sie vor ihrem Schöpfer nur Staub sind. Stattdessen haben wir die Toten aus unseren Augen verbannt. Entgegen der Weisheit, die wir im Buch Prediger finden (vgl. Pred 7,2), haben wir entschieden, dass es unangenehm ist, den Tod immer vor Augen zu haben.

Den Tod zu verleugnen ist letztlich eine Vermeidungsstrategie, die„die Gesellschaft am Laufen hält“ (S. 80) – Christen sind hierbei maßgeblich beteiligt. Wir können nur wahrhaftig Mensch sein, wenn wir uns selbst „in Bezug zu dem Übernatürlichen setzen“ (S. 81). Leider neigen wir Menschen dazu, „unser Handeln als den Mittelpunkt der Weltgeschehnisse zu betrachten“ (S. 88–89) anstatt Gott selbst. Weil wir uns davor scheuen, unsere Sterblichkeit vollends zu akzeptieren, setzen wir unsere Hoffnung auf „Helden“ und ihre Versprechen – und schaffen uns Götzen (vgl. S. 89–92).

Mehr: www.evangelium21.net.