Meinungsfreiheit

Kritiker der „Ehe für alle“ wegen Volksverhetzung angeklagt

Ein Biologie-Professor bringt in einem Interview zum Thema „Ehe für alle“ Homosexualität mit Pädophilie in Verbindung. Nun steht der Mann wegen Volksverhetzung vor Gericht. Ich hätte nicht gedacht, dass ich einmal Ulrich Kutschera unterstütze. Ich hoffe, er hat gute Anwälte und faire Richter.

Der 64 Jahre alte Beschuldigte ist wegen umstrittener Äußerungen über Homosexuelle angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem Volksverhetzung in Tateinheit mit Beleidigung und Verleumdung vor. Zum Prozessbeginn stellte die Verteidigung 14 Beweisanträge. Sie will durch Mediziner und Forscher belegen, dass die Äußerungen des Uniprofessors auf wissenschaftlichen Erkenntnissen fußen und keine Beleidigung Homosexueller darstellen.

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Professoren gegen Denk- und Sprechverbote

Das Professorenforum, ein Zusammenschluss von über 800 Hochschullehrern in Deutschland und anderen Ländern, sieht eine Verengung der Debattenkultur an deutschen Universitäten. Die Nachrichtenagentur IDEA berichtet:

Dort „häufen sich Vorfälle, bei denen aggressiv auftretende politische Gruppen das Recht der freien Meinungsäußerung sabotieren“, schrieb der Leiter des Professorenforums, Hans-Joachim Hahn (Aßlar), in einer Pressemitteilung. So würden nicht nur Veranstaltungen verhindert, „in denen Positionen vertreten werden, die dem christlichen Menschenbild entsprechen, sondern auch liberale oder konservative Positionen“. Hahn: „Die sie vertretenden Hochschullehrer werden über Soziale Medien attackiert und diffamiert und ihre Auftritte teils physisch bedroht.“ Als Beispiel nannte er eine Veranstaltung der Göttinger Hochschulgruppe Reformatio 21 mit dem Mannheimer Gynäkologen Michael Kiworr zum Thema Lebensschutz am 8. Mai. Nach Protesten der Gruppe „Alternative Linke Liste Göttingen“ lehnte die Universität eine Raumanfrage ab. Die Begründung: Es handele sich um eine weltanschauliche Veranstaltung, die sich an Außenstehende richte. 

Mehr: www.idea.de.

Betreutes Denken

Die Kultur des politisch Korrekten treibt immer buntere Blüten. Jetzt wurde in den USA ein Sammelband, der die drei kritischen Werke des Philosophen Immanuel Kants enthält, mit folgendem Warnhinweis ausgestattet:

Dieses Buch ist das Produkt seiner Zeit und reflektiert nicht die gleichen Werte, die es reflektierte, würde es heute geschrieben. Eltern sollten mit ihren Kindern diskutieren, wie sich die Ansichten zu Rasse, Gender, Sexualität, Ethnizität und zwischenmenschlichen Beziehungen verändert haben, bevor sie ihnen erlauben, dieses klassische Werk zu lesen.

Ich kann nur hoffen, dass viele Studenten, Professoren und mündige Bürger diesen Freiheitsentzug und das Volkspädagogentum durchschauen und deutlich machen, dass sie bereit sind, selber zu denken und sie auch ihren Kindern dieses Vergnügen gönnen. Die Historiker werden eines Tages mit großem Unverständnis auf eine Epoche zurückschauen, in der den Menschen das eigenständige Denken abgewöhnt wurde. Eine kantische Portion Aufklärung könnte hier hilfreich sein: Habe den Mut, dich von den politisch-pädagogischen Gängelungen zu lösen und gebrauche deinen eigenen Verstand!

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VD: AW

Die folgsame Schar der Moralisten

Milosz Matuschek hat für die NZZ eine starke Kolumne über die Tugendwächter in Politik und Medienwelt verfasst. Die große Frage steht im Raum: Wie werden wir diese den Ungeist der politischen Korrektheit wieder los?

Praktisch umgekehrt ist der Prozess aus Sicht der Political- Correctness-Bewegung. Hier steht die Wahrheit in Form der Doktrin bereits fest, weshalb sich Debatten im Grunde erübrigen. Der Debattenraum wird im Namen einer Ideologie somit erst teilprivatisiert und dann schrittweise universalisiert, bis der Privatstandard der Doktrin als einzig neuer zulässiger Meinungskorridor erscheint. Nietzsche hat in seiner «Genealogie der Moral» von der «creatio ex nihilo» der moralischen Begriffe gesprochen. Der Moralist trägt seine Vorurteile in den Eingeweiden. In einer anmassenden Deutungsmacht über korrekte Begriffe wird eine Einteilung in gute Kollektive (LGBT, Frauen, marginalisierte Gruppen) und schlechte Kollektive (alte weisse Männer, Personen rechts der Mitte) vorgenommen, welche mancherorts über Zulassung zu öffentlichen Debatten entscheidet. Die latente Androhung von Shitstorms oder Karrierenachteilen resultiert in einer Narkotisierung des Debattenraums und einer Omertà der Intellektuellen.

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Eklat um Kopftuchkonferenz an der Uni in Frankfurt

„Eigentlich sollten Universitäten Orte der freien Rede und des freien Denkens sein, doch das scheint zunehmend schwierig zu sein“, heißt es in einem Artikel von Heike Schmoll über eine Konferenz zum Thema „Das islamische Kopftuch“. Frankfurter Studenten kämpfen im Netz gegen die Veranstaltung und fordern die Absetzung der Ethnologin Susanne Schröter. Sie setzen Kritik am Kopftuch mit Rassismus gleich.

Nur gut, dass sich die Präsidentin der Universität hinter Frau Schröter und die divers besetzte Konferenz stellt.

„Äußerungen wie ,Schröter_raus‘ stehen außerhalb jeglichen sowohl wissenschaftlichen als auch demokratischen Diskurses. Sie sind daher inakzeptabel. Solche Äußerungen haben nichts mit den Qualitätsansprüchen eines akademischen Diskurses zu tun und sind allen, die sich als Mitglieder unserer Universität bezeichnen, unwürdig. Ich kann nur dazu aufrufen, verunglimpfende, beleidigende und hetzerische Kommentare weiterhin bei Instagram und gegebenenfalls anderen derartigen Plattformen zu melden“, so die Präsidentin. „Eine Hochschule ist ein Ort des wissenschaftlichen Diskurses. Ein solcher Diskurs findet auf der Grundlage der Freiheit der Wissenschaft statt. Forderungen nach einem Ausschluss von der Hochschule stehen dem entgegen“, teilte das Hessische Ministerium für Soziales und Integration der F.A.Z. mit. Grundlagen der argumentativen Auseinandersetzung seien das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung und die Freiheit der Wissenschaft, so das Ministerium.

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„Die Hölle erwartet euch“

Ist schon interessant: Wenn Greta Thunberg mit der „Klimahölle“ droht, jubeln Politiker und Medien. Droht ein 30-Jähriger Sportler Homosexuellen, Alkoholikern, Dieben und Atheisten mit der Hölle, ist das Ende seiner Karriere eingeläutet:

Grund für den angedrohten Rauswurf fünf Monate vor der WM in Japan sind verschiedene Botschaften Folaus in sozialen Netzwerken. Darin verkündete der streng religiöse Folau unter anderem, dass auf Homosexuelle die Hölle warte. Der 73-fache Nationalspieler ist für die New South Wales Waratahs in der Liga Super Rugby aktiv.

„Izzy“ Folau hatte am Mittwoch auf seinem Instagram-Konto eine Botschaft veröffentlicht, in der es an die Adresse von „Trinkern, Homosexuellen, Ehebrechern“ heißt: „Die Hölle wartet auf Euch.“

Man muss die Art, wie „Izzy“ Folau kommuniziert, nicht feiern (die Hölle wartet ja auch auf Fromme und Bürgerliche, die an sich selbst glauben und dem alleinigen Retter nicht vertrauen). Warum aber darf Folau nicht sagen, was er denkt? Greta müssen wir ja auch aushalten.

Oh, oh, jetzt wird’s Kommentare geben.

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Niall Ferguson: Die Exklusion Andersdenkender

Niall Ferguson zählt zu den wichtigsten Historikern der Gegenwart. Im grossen Gespräch rechnet Niall Ferguson mit dem Wohlfühldenken vieler Kollegen ab und er legt offen, wie die Linke die angelsächsischen Universitäten gekapert hat. Jene, die ständig von Inklusion sprechen, exkludieren Andersdenkende konsequent.

Die konservativen und liberalen Akademiker sind chaotische Zeitgenossen und ziemlich mies in der akademischen Folgeplanung. Sie sind mit ihren Studien beschäftigt, schreiben Bücher und kümmern sich kaum um Machtpolitik. Anders die sogenannt Progressiven – sie sind oftmals die eigentlichen Karrieristen, und ihre Schriften dienen ihnen bloss als Mittel zum Zweck. Darum legen sie oftmals auch wirklich lausige Aufsätze und Bücher vor. Aber das spielt keine Rolle, denn auf die richtige Herkunft kommt es an. Wenn heute ein Professor für moderne deutsche Geschichte an einer amerikanischen Fakultät emeritiert wird, nun, dann wird er eben durch eine junge Professorin mit Schwerpunkt Geschichte der amerikanischen Ureinwohner ersetzt. Und es ist ja nicht so, dass ich mir das irgendwie zusammenreime – ich habe dreissig Jahre lang aus nächster Nähe beobachtet, was geschah. Der Begriff der Diversität hat sich fundamental gewandelt und in sein Gegenteil verkehrt.

Ich hege kein Ressentiment. Was mir Sorgen macht, ist die Verarmung des intellektuellen Diskurses. Nicht mehr die Geschichte der Eliten war seit den 1980er Jahren von Interesse, sondern nur noch die Geschichte der Unterdrückten oder jener, die sich selber dazu stilisierten. Und die neuen Akademiker verfolgten – machtpolitisch klug und sehr erfolgreich – ihren Eigennutz und ihre Karriere konsequent. Wer sich weiterhin für die Geschichte des Kanons interessierte, wurde ausgebootet.

Der Rahmen des Sagbaren im akademischen und öffentlichen Raum hat sich in den letzten Jahren drastisch verengt. Evidenzbasierte Argumente spielen keine Rolle mehr. Es gewinnt, wer die lautesten Unterstützer hat, und es verliert, wer um seine Reputation fürchten muss.

Ein starker Text! Unbedingt lesen: www.nzz.ch.

Heideggers Universitätskritik

Ich habe mehrfach darüber berichtet, dass der Wissenschaftsbetrieb an den Universitäten teilweise sehr „glattgebügelt“ worden ist. Besonders in den Geistes- und Sozialwissenschaften wird die Suche nach Wahrheit zugunsten der „Diversität“ vernachlässigt (vgl. hier). Wir haben inzwischen eine politisch korrekte Monokultur im Forschungsbetrieb. Anstatt Wahrheitsansprüche zu prüfen, suchen Studierende Aussagen ihrer Professoren, die emotional verletzen könnten. Lehrende und Kommilitonen werden in den USA wegen sogenannter „Mikroaggressionen“ inzwischen sogar denunziert.

In diesem Zusammenhang viel mir eine Aussage auf, die Peter Trawny in seinem frischen Heidegger-Buch zur Universitätskritik des Freiburger Philosophen gemacht hat (Heidegger Fragmente, 2018, S. 51):

Heidegger und die „Forschung“? Wer kann sich ernsthaft Heideggers Vorlesungen übers „faktische Leben“ oder über „Hölderlins ‚Ister‘“ an einer aktuellen Universität vorstellen?

Daher hat Heideggers Universitätskritik einen Punkt. Was, „wenn die Universität selbst keine Möglichkeit mehr bietet, einen Raum der Gefährlichkeit des eigentlichen Denkens freizugeben“? Gefahr meint hier intellektuelles Risiko, Lust zum Experiment, zum Abwegigen, zum Randständigen, philosophische Kreativität, Abstand zu den konformistischen Techniken, die nicht nur die Studierenden, sondern die Dozierenden selbst langweilen.

Ein paar Jahre später hat sich Heideggers Betroffenheit kanalisiert. „Lange Vermutetes“ bestätige sich „immer deutlicher durch die Organisation der Wissenschaften aus der Organisation ihrer Probleme“. Die Wissenschaften seien „während der letzten hundert Jahre auf das sichere Geleise ihres technischen Wesens gekommen“. Noch einmal der Hinweis auf die Gefahr-Reduzierung und Verharmlosung, d. h. auf die Unterdrückung improvisatorischer Spontaneität zugunsten bräsiger Forschungsprojekte („sichere Geleise“), die es im Philosophieren ohnehin nicht gibt.

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Kritik an „Ehe für alle“ wird Fall für den Presserat

Der österreichische Journalist Martin Leidenfrost hatte sich erlaubt, in einem bissigen Kommentar den politischen Einfluss der Schwulen und Lesben zu hinterfragen. So schrieb er:

Der Nationalrat ist hier mit einem Herzstück der herrschenden Ideologie konfrontiert. Wo Gläubige früher durch die Straßen zogen, um den Leib Christi zu verehren, beten sie jetzt in Latex gepresste Männerärsche an. Die Gay-Pride-Parade ist die Fronleichnamsprozession des frühen 21. Jahrhunderts. Der propagandistische Aufwand ist gewaltig: Filmindustrie und Medien massieren uns mit homosexuellen Rührdramen, die Privilegierung einer im Westen wohlsituierten Minderheit wird als „Ehe für alle“ verkauft, Andersdenkende werden an Schandpfähle gebunden. Aus einer lustigen Travestie ist eine todernste Staatsdoktrin geworden.

Was passiert? Leidenfrost wird mit dem Vorwurf konfrontiert, ein Tabu gebrochen zu haben und der Fall landet nun vor dem Presserat in Österreich.

Kurz: Diejenigen, die sich auf die Fahnen schrieben, im Namen von Toleranz, Aufklärung und Fortschritt möglichst alle Tabus zu brechen, wollen die Kritik an ihnen lieb gewordenen Überzeugungen und Rechten verbieten. Immunisierung.

Der schleichende Tod der Meinungsfreiheit

Eine Journalistin der linksliberalen Zeitung DIE ZEIT erlebt einen Shitstorm, weil sie es gewagt hatte, sachliche Kritik an den Flüchtlingsrettern zu äussern.  In den USA ist es inzwischen noch schlimmer. Dort werden Meinungsstücke bei Gegenwind teilweise geschwind vom Netz genommen. Immer mehr Journalisten und Autoren zweifeln daran, ob sie sensible Themen überhaupt noch aufgreifen  sollen. Wer sich mit dem Mainstream anlegt, riskiert seine Karriere.

Tamara Wernli hat für die Basler Zeitung das langsamen Sterben der Meinungsfreiheit beschrieben:

Wenn Menschen sachlich und vernünftig formulierte Meinungen nicht ertragen und deswegen in einen Zustand glühenden Moralisierens verfallen, liegt es nicht am Absender, sondern am Empfänger: Diese Leute sind zu reizbar, zu sensibel, zu anmassend, zu wenig tolerant. Sie nehmen für sich in Anspruch, die einzig richtige Meinung zu besitzen und ihre Wahrheit allen anderen aufdrängen zu müssen. Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt formuliert es so: «Der Thron, von dem herab sie über Andersdenkende urteilen, wächst in den Himmel.»

Möglicherweise sollten die Thron-Besetzer sich mal ein paar Gedanken dazu machen. Denn es ist keine rechte oder linke Angelegenheit, es betrifft uns alle. Hysterie und moralische Überheblichkeit dürfen Stimmen nicht zum Verstummen bringen.

Mehr: m.bazonline.ch.

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