Tim Keller

Es ist nicht alles Gott, was glänzt

Gottwasglänzt.jpgUnsere Welt ist eine Götzenfabrik. Die Götzen verzaubern unsere Sinne und unseren Verstand. Wir dienen ihnen gern. Ergeben opfern wir ihnen unser Leben.

In seinem neuen Buch Es ist nicht alles Gott, was glänzt horcht der amerikanische Theologe und Pastor Tim Keller die Götzen aus. Er hört genau hin und erspürt, dass sich unsere Welt im Blick auf die Götzenverehrung nicht wesentlich von der Antike unterscheidet. Jede Zeit hat ihre eigenen Götzen. Im alten Griechenland wurden der Göttervater Zeus oder die Liebesgöttin Aphrodite verehrt. Heute heißen unsere Götter Schönheit, Macht, Geld oder Erfolg. In der Antike waren die Götzenwohnungen Tempel, heute sind es hochgeschossene Bankgebäude, Fitnesscenter oder Stadien.

Götzendienst ist für Keller kein überkommener Aberglaube. Wir müssen nicht alte Bücher lesen oder weite Reisen unternehmen, um Götzen zu finden. Die Heimat der Götzen ist unser Herz. Alles kann nämlich zum Götzen werden. Alles, was uns wichtiger ist als Gott, alles, von dem wir uns das versprechen, was allein er geben kann, ist ein Götze. Also können auch gute Dinge zum Götzen werden: erfüllte Sexualität, Reichtum, beruflicher Erfolg oder politische Macht erobern im menschlichen Herzen schnell den Platz, der nur Gott gehört.

Mächtiger als persönliche Götzen sind für Tim Keller solche, die unsere Kultur oder die Religion beherrschen. Kulturellen Götzen kommen wir nur schwer auf die Spur, weil sie fast unmerklich unser Denken und Empfinden systemisch prägen und positiv in die Gesellschaft integriert sind. In den westlichen Kulturen wird heute besonders die individuelle Freiheit angebetet, was zum Zerbruch der Familien, zu zügellosem Materialismus, Karrieresucht und der Verherrlichung von Sex, Schönheit und Profit führt (vgl. S. 168). Fast noch verführerischer sind religiöse Götzen, die sogar inmitten lebendiger Gemeinden beheimatet sein können. Geistliche Gaben oder Erfolg im Dienst werden gelegentlich mit Gott selbst verwechselt. Auch hinter geistlichem Perfektionismus oder Moralismus verbirgt sich ein religiöser Götzendienst. »Der Mensch neigt dazu, dass er immer versucht, Gott und andere durch sein untadeliges Verhalten und seine Perfektion zu beeindrucken und zu manipulieren … Wir mögen zwar mit Worten bekennen, dass Jesus unser Vorbild und unsere Inspiration sei, aber dennoch erwarten wir die Erlösung als Lohn für unser moralisch einwandfreies Leben« (S. 170).

Götzendienst ist aus der Sicht der Zehn Gebote Sünde (vgl. 2Mose 20,4–5). Aber wir können diese Götzen nicht so einfach rauswerfen. Es genügt nicht, wenn wir uns von falschen Göttern trennen. Keller zeigt, und hier sehe ich eine Stärke des Buches, wie sich tiefer liegende Götzen schnell einen Weg bahnen, um dann unerfüllte Sehnsüchte zu stillen. »Appelle wie ›Ich will mich nicht mehr vom Geld beherrschen lassen‹, werden wenig bringen, wenn wir keine vollständige ›Herz-OP‹ bekommen. Und das ist möglich, wenn wir unser Vertrauen auf Gott setzen« (S. 99).

In einem Nachwort erklärt Keller auf der Grundlage von Römer 1,21–25, wie wir Götzen aufspüren und dem Glauben an den lebendigen Gott Raum geben können. Zurecht verweist er auf Martin Luther, der in seinem »Großen Katechismus« (1529) und in seiner Abhandlung »Von den Guten Werken« (1520) die Frage der Abgötterei sehr eingängig behandelt. Warum beginnen die Zehn Gebote mit einem Verbot des Götzendienstes? »Weil die grundsätzliche Ursache hinter jeder Sünde Götzendienst ist. Wann immer wir eines der Gebote brechen, haben wir zuvor schon das erste Gebot gebrochen« (S. 208). Wesentlich am Götzendienst ist, dass wir Gott nicht Gott sein lassen, also unser Herz für etwas mehr schlägt als für Gott. Deshalb schreibt Keller: »Paulus gibt uns zwei Empfehlungen, wie wir die Götzen loswerden können: ›Wir sollen uns nach oben orientieren‹ und: ›unser Leben ist mit Christus bei Gott verborgen‹ (Kolosser 3,1–3). Das heißt, wir sollen das, was Jesus für uns getan hat, wertschätzen, uns darüber freuen und darin ruhen. So entsteht fröhlicher Lobpreis, und wir nehmen die Gegenwart Gottes wahr, wenn wir beten« (S. 214).

Es ist nicht alles Gott, was glänzt, ist ein goldig gestaltetes und leicht zu lesendes Buch. Der Autor illustriert seine Botschaft immer wieder anhand von eingängigen Anekdoten oder greift auf biblische Geschichten zurück. Der theologisch versierte Leser wird an der ein oder anderen Stelle etwas mehr Tiefgang erwarten. Aber das Buch ist nicht für Theologen geschrieben. Es wurde für verunsicherte Christen und suchende Menschen verfasst. Es ist ein seelsorgerliches Buch. Keller erreicht die Tiefenschichten des Herzens und macht auf einfühlsame Weise Mut, die löchernen Zisternen zu verlassen und zur Quelle des Lebens zu gehen (vgl. Jeremia 2,13).

  • Timothy Keller: Es ist nicht alles Gott, was glänzt: Was im Leben wirklich trägt, Asslar: Gerth Medien, 2011, ISBN: 3865915892, 14,99 €.

Keller: Was ist das wahre Wort von Jesus?

201103030521.jpgTim Keller hat für FOXNEWS über sein neues Buch:

  • Timothy Keller: King’s Cross: The Story of the World in the Life of Jesus, Dutton Adult, 2011, S. 256

gesprochen. Kein Wunder. Die Moderatorin kommt aus seiner Kirchengemeinde. Über das Buch schreibt der Verlag:

King’s Cross is Timothy Keller’s revelatory look at the life of Christ as told in the Gospel of Mark. There have been many biographies of Jesus, but few will be as anticipated as one by Keller, the man Newsweek calls »a C.S. Lewis for the twenty-first century.« In it, Keller shows how the story of Jesus is at once cosmic, historical, and personal, calling each of us to look anew at our relationship with God. Like Keller’s other books it has tremendous crossover appeal, but it is also ideal for the faithful, those who are looking for a closer connection to Jesus and Christianity.

Hier das Video: video.foxnews.com.

 

Interview mit Tim Keller

Hier ein ausführliches DG-Internview mit Tim Keller. Schwerpunkt des Gesprächs ist sein Leben und das Thema »Soziale Gerechtigkeit«.

Tim Keller: Einsatz für Arme mehr als eine Option

51xmsUbGkKL._SL160_.jpgCT hat mit Tim Keller über sein neues Buch:

gesprochen:

Cause and effect: God’s grace makes you just. The gospel is such that even though you’re not saved by good works, you are saved by grace and faith—and it will change your life and lead to good works. According to the Bible, if you really have been changed by the grace of God, it will move you toward the poor.

Hier: www.christianitytoday.com.

Die Stadt des Menschen

In den letzten Wochen sind zwei Bücher zum Thema »Christsein und Politik« erschienen. Einmal hat Wayne Grudem das sehr umfangreiche Werk:

publiziert.

201009220859.jpgDas zweite Buch:

  • Michael Gerson u. Peter Wehner: City of Man: Religion and Politics in a New Era, Moody Press, 172 S.

ist in der neuen Reihe »A Cultural Renewal Series« bei Moody erschienen. Die Reihe wird von Tim Keller und Collin Hansen betreut.

Das Vorwort zu City of Man (Augustinus-Leser wissen mit dem Titel sicher etwas anzufangen) hat Tim Keller geschrieben. Hier ein Auszug:

In the mid-twentieth-century, H. Richard Niebuhr wrote his classic Christ and Culture, which helped mainline Christian churches think through ways to relate faith to politics. In the end, Niebuhr came down on the side of universalism, the view that ultimately God is working to improve things through all kinds of religions and political movements. The result of his work was to lead mainline Protestant churches to become uncritical supporters of a liberal political agenda (though Niebuhr himself opposed such a move).

However, the mainline churches have shrunk and aged. Today, it is the more theologically conservative evangelical and Pentecostal churches that are growing, and they now outnumber mainline Protestants. Yet at the very same time, thenumber of secular Americans—those who claim not to believe in God, or at least to have “no religious preference”—are also fast rising in number.

This creates a far more complicated situation than the one that Niebuhr faced over half a century ago. In today’s society we have both rising secularism and rising orthodoxy. We have political polarization that would have been unimaginable ageneration ago. And we have an evangelical constituency that is growing and institutionally powerful, but which is also culturally impotent. Why? It is largely because it has not done the hard work of thinking through the same issues that Niebuhr pondered decades ago. But it must do so now in a very different cultural and historical situation, and with a much greater trust in the ancient sources of orthodox theology and in the reliability of the Scriptures.

The present volume seeks to do this in one particular area, that of politics. My friends Michael Gerson and Pete Wehner are excellent guides. They write as political conservatives, but they begin with a critique of the Christian Right. A very large number of young evangelicals believe that their churches have become as captured by the Right as mainline churches were captured by the Left. Michael and Pete recognize this and largely agree. But they counsel that political withdrawal is not the correct response, nor should alienated evangelicals go down the mainline path. Instead, they urge careful theological reflection, and the rest of this short volume serves as a guidebook to the issues that will have to be addressed, rather than as a finished manifesto of what this new political theology must be.

Das vollständige Vorwort gibt es bei Justin Taylor.

Das Buch kann hier bestellt werden:

Tim Keller: Warum Gott?

Warum lässt Gott das Leid in der Welt zu? Hat die Wissenschaft nicht den Glauben an Gott längst widerlegt? Ist das Christentum nicht eine moralische Zwangsjacke? Timothy Keller, Pastor in Manhattan, stellt sich den „Frequently-asked-Questions“, die Atheisten, skeptische Zeitgenossen ebenso wie bekennende Christen immer wieder stellen.

Das Buch:

  • Timothy Keller: Warum Gott? Vernünftiger Glaube oder Irrlicht der Menschheit?, Gießen: Brunnen, 2010, 336 S., 19,95 Euro

ist inzwischen im Buchhandel erhältlich. Ich habe es vorliegen und bin mit Aufmachung, Inhalt und der Übersetzung sehr zufrieden. Der Brunnen-Verlag hat hier wieder einmal gute Arbeit geleistet (siehe Leseprobe hier).

Der verschwenderische Gott

201008311018.jpgIn seinem Buch Der verschwenderische Gott legt Keller das Gleichnis vom verlorenen Sohn aus. Oder: das Gleichnis von den zwei verlorenen Söhnen, wie es besser heißen müsste. Denn Keller zeigt, dass der ältere Sohn ebenso verloren ist wie der jüngere – und womöglich noch schwerer aus seiner Verlorenheit zu befreien.

Mit frischer, ungestelzter Sprache, scharfsinniger Menschenkenntnis und Beispielen aus aktuellen Büchern und Filmen führt Keller uns vor Augen, dass Jesus in diesem Gleichnis seinen Zuhörern die gesamte biblische Botschaft in einer unnachahmlich verdichteten Form präsentierte.

Das Buch:

  • Timothy Keller: Der verschwenderische Gott: Von zwei verlorenen Söhnen und einem liebenden Vater, Gießen: Brunnen, 2010, 140 S., 11,95 Euro

kann hier bestellt werden:

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